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Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von ..."

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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 
ZUR GESCHICHTE 

DES 

KURFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBÜRG. 



AUF VEEASLASSMO SEINER KÖHIGLICHEN HOHEIT DES 
KROKPRIBZEB VON PREÜSSEK. 



SIBBENTBB BAND. 



BERLIN. 

DRUCK UND VEHUG VON G. HEIHER. 

1877. 



D.qil.zMBlG001^IC 



URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 
ZUR «ESCHICHTE DES 

KURFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG. 



POUTISCHE VERHANDLUNGEN. 



VIERTER BAND. 



HÜRltltSGEGEBEN 



D'- B. EiffiMANNSDOBFFER 

>BB uniteibitIt ailtDBLBBka, 



BERLIN. 

i mO VERLAG VON G. J 
1877. 



D.qil.zMBlG001^IC 



V.1 



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/c^? 



^^7^"^^'^ 



Vorwort, 

V OD den beiden Bauden, welche nach dem Plane dieser Pu- 
blication der Zeit des nordiachen Krieges von 1655 bis 1660 
gewidmet sein sollen, erscheint hier der erste. Wenn es uns 
angemessen erschien, die streng chronologische Ordnang der 
mitgetheilten Materialieu in so fem zn unterbrechen, als die 
niederländischen Correspondenzen in der ersten Hälfte nnd 
die englischen am Schlnss dieses Bandes nicht in einzelnen 
Abschnitten an verschiedenen Stellen eingefügt, sondern in 
zusammenhängender Folge als ein Ganzes belassen wnrden, 
80 wird ein Blick anf die Natnr dieser Briefschaften anch 
den Leser von der Rfithliehkeit dieser Abweichung überzeugen. 
Dasselbe gilt von dem Abschnitt über den Reichsdepntations- 
tag von 1654 bis 1657, und auch in dem folgenden Band 
wird es geboten sein, einzelne Aetengmppen für grössere 
Zeitabschnitte ohne Rücksicht auf das strenge zeitliche Neben- 
einander zusammenzufassen. Der Uebersichtlichkeit and der 
leichten Benntzong des Ganzen wird damit eher genützt als 
geschadet sein. Im Uebrigeu ist das Verfahren dasselbe ge- 
blieben wie in den früheren Bänden. 
Heidelberg, Oetober 1877. 



B. Erdmannsdörffer. 



^aovGoOt^lc 



sBBiGooi^lc 



Inhalt 



Vonrort , 

I. Bnadenbarg and die Niederlande w&hreDd des Dordiuchea 
Krieges 1655—1660. 

Einleitung 3 

Acten 6 

II- Der nordische Krieg bis zain Vertrag von Königsberg. 

Einleitung 321 

Acten 326 

1. BeratboDgen und Vorbereitungen 326. 2. Ter- 
huidlnngen mit Polen 369. 3. Terbandlongen mit 
Schweden bia Bam Abbrach der Stettiner Tractaten 
378. 4. Verhandlnngen mit den polniscb-preaBBiBcben 
Ständen 39ö. 6 Verhandlnngen mit dem kaiserliohen 
Hofe 415. 6. Politische cnd militärieche Campagoe 
gegen Scbweden bis zum Eönigeberger Vertrag . . 453 
Anhang. 1. Waldeck, Memoire über den Gang der Ereignieee 
bis Enm Abecfalnss mit Schweden 516. 3. Waldeek, 
RelatioD aber aelnen Antheil an den EreignisBen . . 528 

III. Das Harienbnrger Bündolss (25. Jani 1656). 

EiDleltcng 539 

AcUd 645 

IV. Sendang Dobrczenski's nach Prag (Jali bis Sept. 1656). 

Acten 621 

V. Der Reicbsdepntationstag so FrankAirt (1654 bis 165T). 

Einleitnng 633 

Acten 63G 

VI. Brudeabnrg und England (1655—1660.) 

Einleitong 705 

Acten 717 

PwwBflQTBriaiohoisi 827 



^aovGoOt^lc 



sBBiGooi^lc 



I. 
Brandenburg und die Niederlande 

während des nordischen Krieges 
1655—1660. 



1 

zMBlGoOl^lC 



sBBiGooi^lc 



Einleitung. 



D,e 



Jie polttischcn ßeziehungcn BrandenbargB la der Repnblib der Ver- 
einigten Niederlande bilden während der ganzen Regrerangszeit des Kur- 
rursten Friedrich Wilhelm eine der wichtigsten Parthlen seiner aas wärti gen 
Politik. Die Interessen der beiden Staaten berührten sich anfs engste nicht 
allein da, wo sie ränmltch an einander stieüsen, in den cleTisch-inärkischen 
Fürstenthümem, sondern fset ebenso, Terraöge der bandet apolitischen 
Stellang der Niederlande In der Ostsee, an dem entgegengesetzten Ende 
des brandenbargischen Staatsgebietes, an den Küsten aad in den H&Tea- 
platzen 70a Preassen, die theils im Besitz des KnrTürsten waren, theih in 
der Hachtsphär« seines prenssiscUen Herzogthams lagea. In den sonst so 
uogleicbea Macht Verhältnis seo der beiden Staaten stellte sich eine Art von 
Gleichgewicht dadarcb her, dass der Kurfürst in seinen preussischen Be- 
sitzungen ebenso in der Lage war, unbequeme oder bedrohliche Einwirkungen 
auf die Interessen Hollands in der Ostsee zu üben, wie Ihm die holländische 
Nacbbarschaft am Niedcrrbein geföhrlich werden konnte: die beiden weit von 
einander entfemtea Sphären verhalten sich zu einander in steter Wechsel- 
wirkung, und dieses TerhSltniss gibt der bran de nbnrgiach- niederländischen 
Politik jener Zeit ihren eigenen compliHrten und weitblickenden Charakter, 
gan% besonders in den Tünf Jahren der grossen nortUschen Krisis von I6Ö5 
an, deren Illnstrirang die nächsten Abschnitte dieser Actensammlung ge- 
widmet sind. 

An verschiedenen Stellen unserer Publicatlon ist über die Natur dieser' 
Beziehaogen vor dem nordisches Kriege und während desselben bereits ein- 
gehend gehandelt worden '). Der hier folgende Abschnitt bringt zu den dort 
verßffeut lichten Materialien noch eine wesentliche BrgäntUDg. Im II. Band 
der „Politischen Verbaadlungen" (vol. IV der Gesammtpnblication) sind die 
diesseitigen diplomatischea Acten (flr die niederländischen Beziehungen bis 
znm Abscblnsa der AUiance Tom 27. Jnli lSä5 mi^theilt worden; hieran 



') Drk. u. ActSüSt. III 85 (T., IV. 3 ff., V. Vi«. 

!• - 

i:q,t7od;>GoOt^lc 



4 BiQleitQDg. 

Echliesgen die nachfolgenden Acten sich unmittelbar an; sie enthalten die 
politische Corrci^poiidenz der bnindenburgiscben GeKandUchaft im Haag 
für die ganze Dauer des nordischen Rrioges bis zum Frieden von OliTa. 

Es ers<:bieti angemessen, diese Correspondenz nicht auseinander zu 
reissen nnd chronologisch in den Znsammenhüng der übrigen für diesen 
Zeitraum zu pnblicireuden Acten einzureiben, sondern sie als ein fiir sich 
stehendes Ganzes nngetrennt zu lassen; sie begleitet aaf diese Weise die 
"Wechselfälle des Krieges gieichsaiii als ein fortlaufender Commentar, speciell 
unter dem Gesichtspunkt der dabei in Betracht kommenden niederländischen 
Interessen nnd des Vei-bäUnisses , worin die brandenbiirgische Politik sieb 
mit diesen vereinigte oder kreuzte. 

Es fehlt für diese Partbien weder an trelBichem gleichzeitigem Aoten- 
material in gedruckten Sammlungen und Ge^chichts werken, noch an älteren 
und neueren Bearbeitungen^); dennoch wird dem Forscher über diesen Zeit- 
raum die nachfolgende Correspondenz als ein nicht unwillkommener Beitrag zur 
Renntniss desselben erscheinen. Man könnte dieselbe wohl nach dem Namen 
des Mannes benennen, aus dessen Feder sie vorzugsweise geBossen irt, des in 
diesen Bänden scboti öfters erwähnten clevischen Ratbes (seit 1058 Kanzleri<) 
nnd branden burgischen Gesandten im Haag Ur. Daniel Wciman'), und 
wenn nach allem, was bisher von seiner Hand Teröffentlicbt worden ist, mnu 
kein Bedenken (ragen darf, ibu als einen der bedeutendsten unter deu 
Beamten des Kurfürsten Friedrich Wilhelm in den beiden ersten Jahr- 
zehnten seiner Regierung zu bezeichnen, so werden die hier folgenden 
Correspondenzen dieses Unheil in vollem Umfang bestätigen. Der Theii 
von Weiman's politischer Tbätigkeit, den diese Berichte erläutern, und 
der vorzugsweise anf die grosse europäische Politik, mit besonderem Be- 
zug auf den nordischen Krieg, gewandt ist, verlief gleichzeitig mit den 
für den Besitzstand des Kurfürsten oft so bedrohlichen ständischen Wirren 
in den clevisch-märkischen Landen, an deren glücklicher Beilegung Wei- 
mau's unermüdliches Schaffen den vorzüglichsten Antbeil hatte, und deren 
Verlauf in dem V. Band dieser Publication eingehend an der Hand der 
Acten dargelegt worden ist. Dieses Nebeneinander ist fortwährend im 
Ange zu behalten: ermisst mau nach allen diesen Acten den Umfang von 
Weiman's geschäftlicher Wirksamkeit, bctractitet man die Zahl seiner 
meist eigenhändigen Schreiben, dazu das gleichzeitig von ihm geführte 
grosse Gescbäftsjournal, das in zehn Folianten noch vorhanden ist*), so 
eröffnet sich der Blick auf ein politisches Geschäftsleben von so umfassender 



*) Ton neueren Bearbeitangen lind zu den Bchon aoderweit genannten 
Schriften noch hinEuzDfügen die buiden bollüodigchen DoctordisBertationeg: 
Vaillant de partibna a Republicft Batava in mari baltico ab a. leöä uaque ad 
a. letiO actis. Hagae Com. 1811 1 und Sicoama Scbeta van de diplomatieke 
beUekkiugen tasschen Nederland en Brandeobarg 1596— 1G78. Utrecht 1867. 

') Vgl. Urk. n, Aotenst. IV. 2i. V. 774 ff, 

•; S. darüber ITrlc. u. Actenst. V. 775. Droysen iu den Forscbaogen 
zur deutseben tieacbicbte IV. 25; und dsnaelben in den Abhandlungen der 
königl. eächg. OesellBcfa. d. Wiss. IV. 353 ff. 



EJDleitQDg. 5 

Art, wie es damals im Dienst des Eurfürsteu wol kaum ein zweitea gab, 
selbst Waldeck nicht auEgenommeo. Weimao ist — eio Mano tod 
34 Jahren beim BegiDu des nordischen Krieges — vielleicht der weit- 
blickendste Dod bestgescbulte uutev den Staatsuiännern des Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm in jener Zeit; ein Politiker, der, unter den Ein- 
drücken niederländischen Staatsiebeue und niederländischer Staatsknngt er- 
wachsen, denselben ?iel verdankte, ohne doch sich diesen Ueherlieferungen 
gefangen zn geben, der aber völlig durchdrungen sich zeigt von der wärmsten 
Hingabe an den jungen bratidenburgischcn titaat, dem er seine Dienste 
widmete und von dem er eine gewisse Grossartigkeit der Anachanuug und 
des patriotiecben Glanbena besitzt, wie sie nicht häufig in dieser Zeit 
begegnet. Es war ein schwerer Verlust für den Knrfärsten, dass der Belten 
begabte, völlig ergebene Mann ihm in den Jahren seiner besten Kran durch 
den Tod entrissen wurde, (geb. Iti2l gest. 1661)'). 

Das Ganze der in den Archiven zn Berlin und Düsseldorf erhaltenen 
Weiman'schen Papiere in die vorliegende Sammlung aufzunehmen würde 
unmöglich sein; vieles natürlich findet sich auch darin, was nun bereits 
anderwärts gedruckt oder benutzt, vieles auch, was jetzt von geringerem 
Werthe ist." Wir haben gesucht das 'Wesentliche für die Jahre 1655—1660 
hier zur Kenntniss zu bringen; zusammengehullen mit den im III. und 
V. Band veröffentlichten Materialien werden diese Correspondenzen ein 
ziemlich vollständiges Bild der Beziehungen zwischen Brandenburg und den 
Niederlanden In den fünf Jahren des nordischen Krieges geben. 

*) Ueber die beiden anderen an der oiederländiachen Correspondenz bethei- 
llgtan rersÖDlicfakeiten, Copes nnd Dogen vgl. Urk. u. Actenat. IV. 21. 



^aovGoOt^lc 



Brandenburg und die Niederlande 

während des nordischen Krieges. 
1655—1660. 



Matthias Dogen an den KnrfUreten. Dat. Amsterdam 
11. Aug. 1655. 

(Beetürzung der Niederländer über die ichwediacheu Siege in Pulen. RilaloDg 
für die Flolte in die Ostsee.] 
1655- ^'^ '^'' '^"S^i'B ^^it i'u Haag genesen, um dort uu dem Abü<lilust> der 

11. Aug. Alliance mitzaiirbeiten; jeli-.t ist er naeh Amaterdum zurückgekehrt. 

Weil ich diesen Morgen nicht alleine bei Herrn BUrgermeieter 
de Grave in sein Haus, sondern auch nachmalen aufs Rathhaus bin 
gefordert worden, eo muss wegen Drängen der Zeit E. Ch. D. hier- 
mit unterth. andeuten, dass man alhier die scbwedieche Progreesen 
in Polen zum höchsten apprehendiret. Nun beklagen sie es wol von 
Herzen, daes man mit unserer Alltanz so verzögert. Alle Entecbul- 
diguDg läuft dahin: wer wollte das wol vertrauet haben, dass Polen 
solchen schlechten Widerstand thun sollte? 

Ich erinnerte, dass es an unserer Seite nimmermehr ermangelt 
hätte etc. . . . Mir ward nicht widersprochen, sondern die Schuld ge- 
leget auf die gewöhnliche Trägheit und Misshelligkeit, eo bei Repu- 
bliquen in wichtigen Sachen vorläuft; and zugleich Versicherung ge- 
tban, dasB in'e künftige alles an dieser Seiten wol beobachtet und 
doppelt ersetzet sollte werden. Versicherten mich endlich, dass in 
kurzer Zeit 16 der allerbesten Kriegsschiff in der Ostsee sein würden; 
6 Schiffe wären schon da bei dem jungen Tromp; die 4 grosse 
dieser Stadt eigene Schiffe sollten innerhalb 8 Tagen fertig sein und 
mit dreien anderen Kriegsschiffen, so im VÜe liegen und aus Italien 



Aj.OO<^IC 



RSstungen Tür die OelBeeflotte. "J 

sein gekommen, auch nur mit Victualien dörften versehen werden, 
können auslaufen nach dem Sunde , da sie von nun an innerhalb 
12 Tagen bei Tromp würden sein können; und sie halten sich noch 
3 starke Kriegsschiffe bei Norwegen, so auf die ostindisohe Schiffe 
warten; selbige sollten auch, oder wftren albereils nach dem Sunde 
gecommandiret; welche sämmtlich 16 Schiffe austragen; und den 
wOrden tftglich noch 8 andere oder, wenn es Moth, noch 14 Schiffe 
folgen. 



Matthias Dogen an den Kurfürsten. Dat. Amsterdam 
24. Aug. 1655. 

IBüalaogeo für die Oetse^äoll«. Oesaadtschart van Beuaia|;eD8 nach DäDomoricl 

TfigUch rflhrt mau hier die Trommel, Matrosen zu werben. Die24. Aag. 
4 Schiffe der Stadt haben all ihr Volk, liegen fertig, dabei die von 
der Admiralität alhier 6 Schiffe thun. Drei davon sein all in Vlie, 
für die Übrigen drei wird stark geworben. Nordholland wird hiebei 
fQgen drei Schiffe und drei andere die von Rotterdam und von der 
Haas. 

Der Herr van Beaningen ') ist nach dem Haage zu, seine In- 
struction zu empfangen ; vermeinte feetigüch, innerhalb 10 oder 12 Ta- 
gen ztt Sofaiffe zu gehen mit 16 Kriegstuihiffen. Im Sunde sein al- 
bereits 6 Schiffe und drei werden von dem Norwegischen Strande 
dabei kommen. 



Instruction fUr Weiman nach dem Haag. Dat. Ci^lln a. Sp. 
31. Aug. 1655. 

[Drückende ZunutboDgea der ächwedeo ao dem KurfureteDi dur Aosbrnoh der 
FeiDklBeligkeitea iat wahrechtiDlicb Auch BusaUnd drubt qd dur Gräaze. Der 
cftBua foederiB ist sumit gegeben; Bilt» um die vertrHgBoiüssige tl\\(a; Aorrage 
wegen einer ausBerordeDtlichen Hilfe. Versuch eine Aoleihe zu coDtrahirea, 
DiplomatiBcheB. Bankett nach Anawechaelang der lUliBcatiooeo.] 
W. soll rasch zurückreisen nach dem Haag und alübald bei den Oe-31. Aug. 
oeral-Staaten Audienz nebmeu. Dieeen aoll er Toratelten, da^s der KyrfUrst 



>) Conrad vau BenoiDgen, Rath-Penaiunar rou Amalcrdam, als Gesandter 
nach DSnemarb beatinoit, om dleaen Staat in MaaBi'egela gegeii Suhweden lu 
gewinnen. Secrele Reaolulien 1. "iH- Aitzema Il(. 1215, wo aioh die 
InstmctioD findet; die Abrertigang der Geaandlscbuft verzog eich bia in den 
Noveniber, wo ihr anaser dem üeDauotea noch AmeroDgen und Vieraaen 
beigegeben worden; Tgl. anteo e. d. 13. Dec. 



^düvGoot^lc 



o I. Brandenburg and die Niederlande. 

Eo eifrig nU möglich d»s Zerwiirraiss zwischen Polen und Schweden bei- 
zulegen geeucht habe; aber vergebens, und er habe daher wenigistens die 
Sicherheit seineK Lttiide» von den Schweden zu erlRogoii gebucht. 

Eb wären Uns aber dabei von schwedischer Seiten fast viel ge- 
fährliche conditionee, unter andern aber und zuvorderst fUrgestellt 
worden, dass Wir 1. Maj. in Schweden freien Pass and Repass durch 
Unsere Seehafen mit Kriegsschiffen und Völkecn .... iUimitato gestat- 
ten, die Zölle, so in Unsere Hafen fallen, mit ihnen theilen, die Neben- 
direction der Conimercien m Unsern Landen denselben zustehen, allen 
foederibus, so dem scopo zuwider, und absonderlich der StaatischeD 
Alliance rennnciiren oder ja selbiger uns nicht gebrauchen sollten. 

Als Uns nun solche Dinge einzugehen nicht anständig, so hätten 
Wir zwar selbige conditiones ganz abgeschlagen; dennoch aber, um 
eine Neutralität fUr Unsere Lande zu suchen, Unsere Räthe wiederum 
an S. Maj. abgesandt. Alldieweil aber selbige Une vorhin berichtet, 
wie selbige entweder gar nicht oder doch mittels schimpflichen und 
wol unmöglichen Bedingungen zu erhalten, (massen man dabei Unsere 
Hafen zur Assecumtion, die Abdankung Unser Völker und dass man 
aufm Wasser mit Zöllen und den Commercien S. Maj. gewähren lasae, 
bedingen wollen); so versehen Wir Uns nicht anders, als dass es zur 
Ruptur mit Schweden kommen möchte j bevorab weil dieselbe gleich 
sam von schwedischer Seiten Uns schon angekUndiget und versichert, 
nachdem nicht allein der Feldmarschall Wittenberg an Unsem 
General-Feld-Zeugmeister Sparren schriftlich gelangen lassen, dass 
er Unsere nach Prenssen marschireude Truppen nicht durchlassen 
wUrde, besondern S. Maj. selbst oft Unsem ßesandten angezeiget, 
dass Sie Uns in Preussen nicht anders als ein Glied der Krone Polen 
consideriren und wie andere Glieder derselben, auch Unsere dahin 
gehende Völker nicht anders als feindlieh würde tractiren können. 

Weil Wir nun nicht allein befugt, sondern auch schuldig. Unsere 
Lande und Leute wider unrechtmässigen Gewalt zu verthfitigen, und 
über das der Muscowiter mit seinen Armeen an Unsere preussische 
Gränzen dringen tlmt: so könnten Wir nicht fUrbei, zu solchem Schutz 
und Verthätigung Unserer Gränzen Unsere Truppen in Preussen . . . 
80 gut Wir können, zu fhhren. 

Weil dann solchem nach der Fall, darin das ordinarium subsi- 
dium zuvörderst Uns nötig sein wird, fltr der Thhre und wol gar 
fUr Händen, selbiger auch mit allem möglichen Fleiss gar nicht ab- 
zuwenden und dannenhero, dass einige fernere officia haften möchten, 
nicht zu hoffen, so hat er anzulialten, dass sobald möglich die ver- 



^aovGoOt^lc 



WeimtD'a Instmclioo. 9, 

sprocheoe 4000 MsDn nacher Pillau Uns, well man sich der See an- 
noeli gebrauchen könnte, geliefert werden möchten. 

Und als anitzo schnedisc-he OrlogechitTe in der See fQrhaoden 
und, wie sich der König eelhst vernehmen lassen, der Admiral, so 
dabei, beordert, Staatische Oriogsehiffe in der Ostsee nicht zu leiden, 
besonderD wenn sie iiim nicht zu stark und ihrer nicht mehr als 30 
wftren, feindlich anzugreifen: wäre derhalben dahin zu sehen, dass, 
wenn solche Völker Oberbracht, sie auch sicher ttberkommen und ge- 
liefert werden möchten. 

Und wiewohl die Kosten der Ueberbringung vermöge der Alliance 
auf Uns kommen sollten, so hoffen Wir doch, dass, weil bei den 
oberwähnten conditionibus, so Uns von Schweden angestellet werden, 
der Herrn Staaten Interesse fast mehr als das Unsere in Consideration 
kommt, sie werden in Ansehung desselben solche Ueberschickungs- 
kosten auf sich zu nehmen nicht dtfficultiren. 

Weiter ist anzufragen, whb die Generahtaaten ueben die^ier ordinären 
Hitüuistang an extraordinärer zu thun gedenken, da ee eich doch ganz vor- 
züglich atn ihre Intere^^en bandelt. 

Hiemftcbst wird er sich bemtlhen, eine Anleihe von 200,000 Rth. 
bei den Herren Staaten, der Stadt Amsterdam oder andern Pardcu- 
lieren dergestalt aufzubringen, dass Wir selbiger ehist mdglich hab- 
haft werden können; Wir wollten selbige aus dem Pillauschen Zoll 
verzinsen und bis zu der Abstattung solchen Zoll den Herren Staaten 
ad concurrentem usurarum quantitateni unterpßlndlicli verschreiben; 
die Zinsen können ä ß Procent, wo sie nicht geringer erhalten wer- 
den können, accordiret werden Die Solution ist zu promittiren dass 
■ie erfolgen solle, wenn der Frieden in Unseren Landen stabiliret, 
und sollen alsdann jährlich 25,000 Rth. erlegt und damit continuiret 
werden, bis das Capital gänzlich abgetragen, salvis semper usuris 
von dem RQcketande. 

W. soll bei den Generalstaaten die Abwendung einer aiisehnlirbrn Öe- 
Eandtüchart nacb Schweden betreiben; anrb soll er die Staaten veranlassen, 
die Verniittelung zwischen Polen und Uussland zu rersucheu. 

W. soll erforschen, wie Düuemark in jetziger Cüiijnnutnr mit den Ge- 
herdlstaat«n steht. W. huII den Generalstaaten Kunde von dem geben, was 
zwischen Schweden und Brandcnbarg vorgerallcn, und sie um ilire Ansicht 
darin bitten. Ferner - 

hat er einigen Confidenten unter den Herren Gcncralslaalen zu er- 
öffnen, was Wir Uns wegen des Proteetoris in Engeland erkläret 
und Unser dessein durch derselben Vermittelung zu befördern *). 



■) Dies beliebt sich anf den eben jetzt gefaMten BecchlasB dea Karrdratan, 



\Q I. Breodeuburg uod die Niederlaade. 

Nach AusantwortuDg der Ratification wird er die Staa^sclie Com- 
miesarios, eo bei Abhandelung der Alliance gebrauehet worden, zum 
Banket einladen mllBsen und daunenliero mit Fürsten Johann Moritz 
von Nassau Ld. ') wegen der Unkosten, so dazu nötbig, Abrede 
nehmen. — 

Die Beechenkang der besagten Conunissarien möchte nieht etyli 
des Orts oder unnötig sein, bevorab wenn die Unserige von Staa- 
tischer Seiten nicht regalirt würden. 



Matthias Dogen an den Kurfürsten. Dat. Araeterdam 

7. Sept 1655. 

IRatificulioii der Alliance. Laugsamkeit der Flotte urüBtung. Nachricht«D vom 
nordiBcboD Eriegsscbauplatz. Crumweil nud die KöDigekrone.) 

7. Sept. Zum allerhöchsten ist bei hiesigen Kegenten angenehm gewest 

die Zeitung, dass E. Cb. D. die. Allianz geratificiret haben*). 

Ueber alles Vermuthen geht es mit Equipirung unserer Flotte 
langsam fort . . . 

Die unvermuthliehe Progressen der Moscowiter, glauben hier 
viele, durften der Schweden Besolution wol gänzlich verändern . . . 
Die preuseischeu Kaufleute alhier sein zum höchsten besttlrzt, ftlrchten, 
weil Kownow von Moscowitern erobert, dass auch Königeberg möchte 
Gefahr laufen, welche« nur 20 Meilen von einander sein soll. — 

In England läest sieh der Herr Protector ganz eifrig von seinen 
Creaturen durch offenbare Supplicationen zur königlichen Krone und 
Scepter nöthigen ; er aber hält sich gar h»rt wider diese gute Suppli- 
cAnten, will solche Wtirde ungeme annehmen, doch wird er sich wol 
endlich dazu erbitten lassen. — 

Joh. Moritz V. Nassan an den Kurfürsten. Dat. Cleve 

8. Sept. 1655. 

IScbirediecbe lutrigoeD gegeo die niederländischa Alliance. | 

8. Sopt Es ist vor wenig Tagen der Herr von der Cappel express 

kommen und mich gebeten, E. Ch. D. zu berichten, wie dass Schweden 

mit Cromwell diplomatiscbe Yerbindang onzukaüpreD i bald errolgte die Sen- 
dung von Job. Friedrieb Sclilczer nacL Euglaud, doeseo Berichte von dort 
wir weiterhin miubeilen. 

'> Vgl. Urk. n. Actenst. V, 2.U 

') Die braadeobargieche BalificatioD iat dat. Colin a. Sp. 1. Aig. 1656. 
Aitiema UI. 1203. 



„A^iOOt^lC 



IMe Ratification der Atlisne«. J^ 

sehr arbeitet, um za Terhindern, äaea die Herren Geoeraletaaten die 
Alliance, mit E. Cb. D. gemacht, nicht ratiiicirten ; wozu Bi<^ unter- 
schiedene Herren voq Holland tapper bemühen tbäten '). 



M»tthia8 Dögett an de» Kurfürsten. Dat. Amsterdam 
14. Sept. 1655. 

(PlotteoräslnBg. Haa iit ungeduldig aber du Zögern d«s Karfüraten ; Plane in 

der Oeteee. KriegBlmtige Stimmung in Amatcrdam und gute HoffuuDg r^r den 

Kurfürsten, Oögen's Ratb.] 

Im Orisundc sein ittt 8 brave Kriegsschiffe. Die 10 Schiflfe, so U. Sept. 
dieses Coilegiiim 'j aufbringet, seind nicht allein alle nach dem Vlie 
zu, sondern für etlichen Tagen albereits 6 derselben nach dem Sund 
zugelaufen . . . Man versichert mich hoch, dass man mit allem Fleles 
and Gewalt die Flotte und Ambassade wolle forttreiben. 

Man ist zum höchsten verwundert, dass die Ratification nicht ein- 
konim(, und dass von E. Ch. D. wegen die in der Alliance verspro- 
chene Hälfe vom Estat albereits nicht gefordert worden, auf dass hie- 
sige Ärmirung desto ragUchern Schein hatte, auch also Freunden und 
Feinden unsere hiesige Intention . . . kundbar werden möge. Drittens 
(tirchtet man auch sehr, dass bei Verzögerung die Englische mit in's 
Spiel möchten treten; sollte man also das Spiel desto schleuniger wol 
aarapielen wollen und anderen vorkommen. 

Alhier hat man diesen Anschlag, dass, sobald unsere Flotte und 
Ambassade im Sunde sein werden, man straeks und bevor auch einige 
Andienz bei ÜSnemark genommen sein wird, 7 oder 8 Schiffe unterm 
Prätext, unsere Kaufscliiffe zu convoyiren, sollen reeta nach der Memel 
und Pillau lassen gehen, um die fUr allem feindlichen Anfall zu 
Wasser zu versichern; inmiltels mit Dänemark tractiren und ihn zu- 
gleich in Action bringen. 

Ho viel man äusserlich mag urtbeilen, kann ich fUrwahr anders 
nicht merken als dass man es alhier von Herzen meine, und wird 
man dem Werke auch endlich wol den rechten Nachdruck gebei. — 
Ich kann E. Ch. D. wol versichern, daes alhier awar grosse ABection 
MiDBiehr fttr E. Cb. D. sei, aber doch mehrer Affeotion (tlr ihr eigenea 
Interesse . . . Wie bestUrtzt und kleinlaut man fDr diesem hier war, 
ehe die Allianz von E. Ch. D. geratificiret, so beherzt und kHhn- 



■) Die niederländiache KaliGcalion igt vom 8 Oct. 1665. A: 
Die Aaawecbseinng ertolgte erat in den leisten Tagen de« Oclober 
'} Die Admiralität von Amsterdam. 



yGoot^lc 



]^2 I' Br&ndenbarg and die Niederlande. 

mathig ist man itzo. Kleine und GroBBe kriegen jetzt mit uns, for- 
miren Defleeins und Entreprieen auf diese und jene Insel in Her Ost- 
see, dass, wenn es nach ihrem Sion und Wunsch ginge, die Schweden 
wol nicht einen guten Hafen behalten wttrden. ... In summa Klein 
und Gross, Jung und Alt weiss itzund von E. Gh. D. zu Bprechen 
tind zu schreiben, und ist kein generöser und getreuer Bundsverwandter 
mehr in der weiten WsH zu (inden, als der GhurfUrst von Branden- 
burg itzt ist. Gott gebe, dass diese Affection immer daure und zum 
Wolergehen des geliebten Vaterlandes und Confusion aller unserer 
Feinde gedeihen möge. 

Den Krieg oder Hazard in's lange ziehen, alle Tractaten verweilen 
und so viel Zeit als möglich zu gewinnen, bis auch andere mehr den 
Hamasch anthun mögen, und es hernach auf Gott und die gute Sachen 
ungescheut lassen ankommen, wäre meines Sinnes. — 



Der Kurfilret an Weiman und Copee. Dat. Cöslin 
4. Sept. 1655. 
i. Bept. Kurze Auzeige, dsEE die Srhveden, ziranzig Schiff« Gtark, bei Patz'g 

liegen nud begonnen haben, einen Zoll von 10 Proreat ron den pasGirenden 
Schiffen za erheben. 

Weiman an den KurfUrsten. Dat. Haag 21. Sept st n. 1655. 

[Ueber die Auewecheeloog der Ratification Nocbrichteo von dem Verfahren der 
Schweden Tor Dansig; vorgeechlageoe Haaaregeln, AmBterdam. aiimmongen.] 
21. Sept. Bei seiner Riickbehr ans Amsterdam erfährt W. , dsss man ihn im 
Ha«g sehnlich erwarte und dass die Analieferung der Kati6cation bei den 
Qeneralstaaten jetzt „das rechte tirnndwerk und das mouvement aller ihrer 
DellberationeD wäre," W. begibt sich zu dem Präsidenten der Qeneralstaaten 
und zu dem RathpensionKr von Holland und theilt ihnen mit, dass er in Be- 
sitz der Ratifiration und mit der AuswecbselnDg beauftragt sei. Es wird 
ihm versichert dass aurb von niederländischer Seite die Sache beschleunigt 
Verden soll '). 

Folgenden 20. Sept. kamen die Danziger Briefe ein und ward 
von allen Oertem berichtet, wasmaseen die Schweden nicht allein 
mit ihrer Flotte daselbst den Hafen besetzet und von einltuifendes 
Lübecker Schiffen bereits den Zoll erzwungen, sondern auch Bautske ') 
weggenommen und sonst etliche tausend Mann ungefähr 3 Meilen 
unter Danzig ans Land gesetzet hfitten. 



>) Tgl. Secrete Resolntieo I. 230. 
*) D. i. Pntzig. 



^aovGoOt^lc 



Die Schweden vor Dftniig. |[3 

Wenn nun solche Zeitungr nlles heftig geallarmiret, 80 dieneten 
wir unB davon auch und babens dahin gerichtet, dasR heute in Hol- 
land und darauf auch in der Generalität gedeliberiret und beschlossen 
werden solle: 1) ob man nicht an Schweden pro mediatione, 2) an 
die Moscau desgleichen, 3) an Dänemark um nähere Verbindniss und 
Armirung zu senden, 4) mit aller SchifTsmacht in See zu gehen und 
5) alsbald den rersprocleuen Succurs iHr E. Ch. D. sollte fertig 
machen. 

Amsterdam bleibt immerfort eifrig genug. Die Admiralität da- 
selbst ist mit etwa 16 guten Schiffen ganz fertig, andere werden 
noch hinzugebracht. Der von Obdam ') treibt das Werk gewiss 
heftig und scheinet, dass er die Wrangelische Discursen sich zu de- 
battiren ftlrgenommeD. 

Dieses sehe ich gnugsam, wo £. Gh. D. mit Schweden auf leid- 
liche Conditionen schliessen könnten, solches durfte rielen nicht miss- 
fallen an diesen Oertem, und besorge ich tlher dem noch, wo der 
König von Polen nicht etwa zurOckgehalten und aufgemuntert wird, 
so möchte er einen beschwer- und gefährlichen Frieden machen, wo- 
durch E. Ch. D. Sache hernach desto schwerer werden dDrfte. - 



Matthias Dögeii an den Knrfiireten. Dat. Amsterdam 
28. Sept. 1655. 

(BeBiehuDgen xn Dunemark. Uebermütliige Stimmang gegen die ScbweileD.) 

Alhier ist man itzo im Werk begriffen, wie man die Kön. JAaj. -2$. s«pt. 
von Dänemark am fUgltchsten in unsere Allianz eiuschliessen möge. 
Es wird sich aber Dänemark wol keines Weges heraoslassen, bis 
dass von diesem Estat eine beständige und capahle Kriegsmacht sich 
de facto in der Ostsee wird befinden. 

Die Herzhaften alhier achten den schwedischen Sieg noch 
ganz geringe, sagen, je weiter sie in Polen geadvanciret, je näher 
sie zu ihrem Kirchhofe gekommen, dürften wol 5 oder 6 Feinde zu- 
gleich sich Uber'n Hals zielien, da doch einer unter allen ihnen son- 
stea genug gewachsen wäre. In summa, alle Sterngucker weissagen 
ihnen nicht viel gutes, verweiseu sie wieder nach Lapland in ihre 
alten Sitze. Der aber seinen Feind gering achtet, verstärket ihn 
schon. — 

■) Jacob van Wksaenaer, Herr yfto Obdam, deiignirter Lieateuaot- 
Admital tÖr' die Oitiee-FloUe. Aiteema IlL 1212i die iDitfuction SecrBte 
Besol I. 221. 

i:q,t7r.d .*^-.00<^IC 



1^ Bnnd«Bbai^ nnd di« Miedwland«. 

Weiman an den RnrfUrsteu. Dat Haag 28. Sept 166ö. 

[Diplomatische nnd kriegerische Pläne. BeEiehnog in Cromwell. RattftcatJoii 
der AlUkDce.) 
i. Sept. Man ist dabei 2a berstfaen, v«s gegenüber dem gerahrlichea Qaag der 
Dinge ia Polen ODd Preusseu geschebeo eoII; iiidesB gebt alles ,pro more'' 
äUEEerst langsam. Für's erste nimmt man eine Oesandtscbaft nacb Scbwcden, 
und eine nacb Dänemark in AuEEicbl; nacb Moskau wird geschrieben; auch 
an den KurfürEteu soll jemand geEchickt werden. F^r den »ächsten Früh- 
ling soll eine grosse Flotte von 50 oder 60 grossen KricgsEchiffen in Stand 
gefiCtEt werden. — [Mehrere chiffrirte Zeilen ohne Anfiosang). 

We^n deB Protectoris ist bereite alles niclit allein mit ihnen 'ab- 
geredet '), sondern alsfortens auch deswegen ein Expresser nach Lon- 
don an den Ambassadeur Nieuport abgesdiieket; ungezweifelt wird 
damit viel ausgerichtet werden; und hat man mir nunmehr nicht 
allrin rund aus bekannt, sondern anch deswegen verschiedene Briefe 
gezeiget, dass alle Langsamkeiten bei diesem Eslat mehrentbeiis dar- 
aus erfolget, dass sie gewusst, dass der Protector nicht gerne gesehen, 
dass mit | : — : { '), als welcher sich gar zu eifrig fUr den KOnig von 
England erwiesen, etwa« getban werden sollte. 

Die AuswQcbselving der Ratification ist annoch nicht geschehen. — 
W. ist für alle Falle nicht zu eilig damit; doch lüsst es sich jedenTalls 
nicht mehr lange verzögern. 



Weiman an den KurfUrsten. Dat. Cleve 6. Oct. 1655. 

[Gute StiniiiiDDg Tür Brandeobarg allerwärla. Aiilanrzu energischen Beschlüe^eo. 
Frage ob jetzt oder später die Flotte abzusenden. Abneigung Cromwells gegen 
KorbraudeDbarg. Betreffs Answechselnng der RatiGcatiOD. TerhandlDag mit den 
cleTiBchen Ständen; Aitzema, ihr Pnbliciat, vor Gericht zu liehen. Gestiegene 
AchtQQg vor Brandeobarg. V ers oh QU ngs versuche unter den aiederl an diseben Par- 
teien. Wicbtigiceit der Vereinbarung des Enrrürsten mit dem königlichen 
Prenaspn,| 
6. Oct. ^'ö verwichene Woche haben wir allen. Fleiss angewendet, es 

dahin zu richten, dass Holland etwas endlicbs besebliessen möchte, 
haben auch darhei und sonst allerorts rerspUrct, dass selbe Provinz 
durgehends E. Ch. D. nicht allein zum höthsttn geaffectioniret, son- 
dern auch mit einem ungewöhnlichen Eifer eingenommen ist, E. Ch. D. 



') Utt dem RathpeDsionar Job. de Witt und den andern Uinistem von 
Holland. 

'} Uuaiirgelöste CbifTra; leg. „E. Ch. D."; vgl. die auf Cromwell betuglicben 
Stellen in den AlUaDceverhandlnngen (Urk. u. Actenst. IV.), nebat der («abr- 
scheinlioh von Aitiema herrührenden) „Letter of intelligence fron^ the Hagne" 
bei Thurloe State Papers III. 514. 



A-iOO<^IC 



Gute StimmnDg in Holland. Cromweirs EiofluBB. ^5 

reclitinSsBiges Flirhaben mit allein ihrem Vermögen eu »ecundiren. Die 
andern ProTinzen zielen auch dabin, Ameterdsm Iftsset oicht nach, 
alle und jede stetshin anratreiben. Schweden und andere anter der 
Hand handeln dagegen. Und stunds desto weniger nicht am rerwi- 
chenen Freitage fest, man BoUe ohne Verzug an Schweden, daag sie 
die See frei und E. Gh. D. nnbefochten lassen, 2) an -DAnemariE, 
dass man sich in Postur setzen; 3) an E. Ch. D. senden, damit die- 
selbe des Estats Hülfe desto mehr versichert werden möchten; 4) 
man sollte von nun ab anfangen zu equipiren eine Flotte von 40 oder 
50 grosser KriegsschifTe, damit man eich derselben gegen den FrOh- 
ling mit Sicherheit gebrauchen könnte zu Vertheidigung E. Ch. D. 
tiad der Ostsee; unsere Ratification und derselben Auswechselung 
sollte alles Ernstes befordert werden. 

Allein stunds nnnocb in Bedenken, ob man anjetzt in See gehen 
sollte mit denen Schiffen, so anjetzt im VHehe bemannet und zum 
Auslaafen fertig liegen. Wir vermeinetcn Ja und wäre es zu spät 
zu fechten, so würe es doch^ um etwn sehen zu lassen, dass mans 
k&nnte und wollte. Amsterdam und einige andere fttmebme Glieder, 
wie auch der Rath Pensionarius von Holland selbst waren mit uns 
einig. Die andern, nebst den dänischen Ministris, macheten Schwie= 
rigkeit und sageten, des Estats Ehre erforderte, kein Flick- oder 
Halbwerk zu Ihun; dannenhero milsste man fDr dieemal, da die Zeit 
Terlaufen, lieber liegen bleiben, mit Eifer die EcjuipageD fortsetzen 
und sich gegen den FrDhling redoutabel machen, als in See laufen, 
da man die Schweden allen Zeitungen und Umständen nach nicht 
finden und nichts wOrd thun können, als in gefährlichen Stürmen 
wieder nach Hause gehen etc. Zudem hätten E. Ch. D. so wenig 
als Danzig sich nunmehr aus der See etwas zu befahren, der Win- 
ter wDrd solches abkehren; zu geschweigen, dass die schwedische 
Flotte dermasscn übel zugerichtet, dass sie von selbst wfirden wei- 
chen mflssen. Zu Lande aber milsste man E. Ch. f). der Alliance 
zu Folge mit Volk und Gelde assistiren. 

Die fUmehmste Ministri aus Holland macheten sich die ge- 
wisse Rechnung, sie würden ehister Gelegenheit aus Engeland wegen 
E. Ch. D. eine solche Antwort bekommen, dass der Widerwärtigen 
Anschläge dardurch zurOckgehen und E. Ch, D. wegen des Pro- 
teetoris gewQnscheter Maassen zum Ziele würden gelangen klinnen, 
Sie zeigen mir in originali glaubhafte Briefe, worin gemeldet ward, 
dass erwähnter Protector E. C*h. D. Macht und ßlOck zum Höchsten 
qiprehendirete und durch den Secretariam Statoi tagen buteo, er 



\Q I. Btaadenbarg nod diu Niederlkode. 

wisse, dass E. Ch. D. sein höchster Feind und dem Könige Ober die 
Maasse zugethan wären, auch Sr. Maj. rersprochen bstten bei Ge- 
legenheit 3000 Haan zu geben und zu unterhalten; und könnte Hol- 
land also leicbllichen gedenken, dass ilime die Alliance mit E. Ch. D. 
nicht aller selir aDgenehm sein könnte, wie wol Sie sonst bekennen 
mDasten, wo dieses nicht wäre, so könnte ihnen E. Cb. D. Conserra- 
tion wegen anderer Interessen, die Sie mit E. Ch. D. in sacris et 
profanis gemein hätten, nicht weniger als dem Estat lieb und ange- 
nehm sein; mit dem Hinzuthun, Holland möchte den brandeiiburgi- 
schen Ministris im Haag solches wol bekannt machen und an die 
Hand geben. 

Auf AoBwech^^eluDg der Ratification habe er bisher nicht sehr ge- 
drangen, ans allerhand Opportnnitätsg runden und namentlich auch — 

dass E. Ch. D. annoch immerfort ohne Schaden freie Hände be- 
hielte, wenn Sie sonst etwas mit Schweden schliessen möchten. Nun- 
mehr aber werden wir nicht länger damit fitille stehen, sondern drauf 
dringen, dass die Auswechselung für sich gehe und E. Ch. D. der 
Succurs, inmaasaen mir solches E. Ch. D. aufgegeben, wirklich bei- 
geschaffet werden möge. 

Auf Befehl des Prinzen Job. Moritz t. Nasean ist er jetzt nach 
Clere gereist, nni den Verhnndlungen mit den Stünden beizuwohnen'}. 

Der Stände eingegebene Klag wii'd bei dem Estat fast nicht an- 
gesehen, und weiln sie unter der Hand auch in Druck gegeben, oho- 
gezweifelt durch ihren Aitzema, so seind wir der Meinung, denselben 
deswegen öffentlich zu verklagen, damit er zum wenigsten inutil ge- 
macht werde, uns heimlieh zu schaden. 

Man wird nunmehr ein wenig mehr als vor diesem darnach lau- 
schen, weiln man E. Ch. D. mit einem solchen Respect consideriret, 
der uns bis dahero ungewöhnlich gewesen. 

Es sind auch heimliche Tractaten fllr der Hand, wodurch ver- 
hoffentlich Eintracht und vollkommene Versöhnung zwischen Holland, 
den anderen Provinzen und sonderlich dem Hause von Orauje werden 
befordert werden; und wo Gott Gedeihen darzu gibt, wie ich mein 
Bestes darzu thue (denn die holländische Ministri mich darzu ge- 
brauchet), so dDrfle ins künftig auch mit desto mehrerer Kraft und 
Vigor aus diesem Estat Hlr E. Ch. D. und dero mitinteressirte ge- 
agiret werden. — 

Ich verhoffe zu Gott, das königliche Preussen werd sich mit 
E. Ch. D. fügen, und wo dieses geschiehet mit Bestände und mit 

■) Urb. u. Actenat V. SSOff. 

D.qit.zeaOvGoO<:^fc 



Crömwell- AltEema. Snbaidien. Das kÖDig). PreuaseD. I'J 

allen Kräften, so möchte der Sache wol gerathen sein und der Welt 
g:ezeiget werden, dass Gott ein Gott Beie, der eine gereclite Sache 
lieb habe. Holland wttnschet Bolchea hjjchlicli und wird darzu alles 
contribuiren. 

Der Blirgermeister de Grave von Amsterdam lasset mir in 
diesem Augenblick wissen, er möchte gerne mit mir sprechen und zu 
E. Ch. D. höchstem Aufnehmen eine Sache commoniciren, so er kei- 
ner Feder anvertrauen könnte. Ist's möglich, bo verbinden £. Ch. D. 
sich mit obbenanntem königl. Preussen, mit was Conditionen es auch 
auBtändiglich seie, und sehe ich und m&nnigtich alsdann ein Werk 
aufgehen, das E. Ch. D. mit Ehren groBS machen und der Welt die 
Contrebalance in diesen Conjuncturen geben kann. 



Der Kurfürst an Weimaii. Dat. Pr. Holland 20. Oct. 1655. 

[Eilige Betreibuüg der Subsiiiieu; Vorsicht wagen rHscher Pubticiriing vod Ver- 
haadluDgen durch die Zuitoiigeu. RuchirertiguDg nach Kaglund hio bei Cromwetl.) 

W. soll wegen Betreibung des Subsidiums so bald als möglich nach 20. Ott 
dem Haag ZDrUckkchren. 

Euch ist bekannt, wie alle Memori^ia, so dem Stat eingeliefert 
werden, wo nicht gedruckt, doch bald darauf publiciret werden ; wer- 
det derhalben die rationea pro impelrando subsidio, wie auch das 
PoBtulatuni nur mündlich fUrtragen und Euch Überall der Behutsam- 
keit gebrauchen, die Ihr wisset, dass sie Unserem dessein, da Wir 
nicht gern Ursach zur Ruptur geben wollten, zustimmet. Man hat 
aus Cöln geschrieben, wie Ihr das Auslaufen der Flotte urgiret habt 
und sonst andere Particularia in den holländischen Couranten gehabt, 
auch VOD Dingen, so nicht erfindlich; und ist um so viel deeto nö- 
tiger, dasB man einiger Circumepection sich gebrauche, 
Attzema aoll gerichtlich belangt werden. 

Diejenige Minietros, so mit Engeland currcBpondiren , habet Ihr 
zu rersiehem, daBB Wir dem Könige von Engeland zu nichta ver- 
bunden, und könnte daunenhern die van Uns gefasBte Opinion als 
unbegründet wol quittiret werden. 



Weiioan an den Knrftlraten. Dat. Haag 26. Oet. 1655. 

|Die Aukniipruug mit ('i'ouiivull eifrig unipruhluD.] 
Es hat iu Ilaag einen sehr guten Kitidrark gemaclit, als luan erruhr, 2i>. Orr 
änes der Kurfürst einen Ge^andti-n an Cromwcll si liickeu wolle. 

Der Herr Bath PensionariuH de Witt... rieth mit vielem Ernst, 
E. Ch. D. möchten mit der Absenduiig nicht säumen, sondern damit 

MiMr. I. ÜHCh d. Or. Kuifllnleu. Vll. 2 

t:q,t7r.d .*^nOO<^lC 



l^g I. Brandenborg und die Niederlandfl. 

alles Fleisses forteilen; es würden nicht allein die AdrerBarii dar- 
durcli mächtig geschwäcliet , eondern die Staaten auch desto mehr 
angefrischet werden, das gemeine Defensiouswerk an allen Seiten 
animose anzugreifeD. Ich stelle alles zu £. Gb. D. gnäd. Gutfinden. 
— Die Confidenten haben mir immer gesaget, ich kanna auch aus 
vielen Umständen wol begreifen, dase ohne Eingehen solcher Condi- 
tionen schwerlicli etwas zu hoffen oder zu erhalten sein wird. Dieser 
Eslat hat sie müssen annehmen; und Frankreich, dem der König Ton 
England so nahe befreundet ist, bittet schier von so langer Zeit, dass 
er nur damit möge zugelassen werden. Warum sollte man's auch 
weigern? Niemand mag dagegen. Sollte selbe Macht nach Gottes 
Willen endlich verändern, so verfallen damit auch solche Conditioncs; 
wo aber solche Kegierung bestehet, wer will sich dann auflehnen 
gegen Gottes Finger? Der Prinz ron Oranien selbst wUrd vielleicht 
selbst endlieh am besten tbuo, dass er der Stuartische Interesse rer- 
liesse und mit dem Protectore ohne Feindschaft lebte; deun was kann 
endlich ein Prinz von Oranien gegen ein so mächtig Reich ? 

Nun, E. Ch. D. haben annoch allerdings freie Hände und kön- 
nen dero hohen Vernunft nach alles reiflich Überlegen und demnach 
rcsolviren. lieber drei Menschen weiss bie niemand davon. 



Der Kui-fUrst an Weinian. Dat. Deutsch Eilau 27. Oct 1655. 

(Die Schneien Bind aufgebracht, dass der Kurrüret das holIaDdiecbe BüDdaiee 
Dicht aurgflbeD will und ihiiPD die Thuilnahme bd den Seezülteo reraagt. Der 
Kurrürst Tragt wegen eiligen Succorses an. Friedliche Verhandlncgen zwischen 
deD NiederlsodeD, Schweden und Brandenburg sind voreuzieheo. — NachricfaUu 
vom KriegBBcbaa platz.] 
t. Wir verhalten Euch nicht, dass Wir nach langem vergeblichen 
Warten von Unsern Abgesandten endlich eine Relation vom 26. Sept. 
aus Casimirsburg (woselbst das Feldlager t^r Crakau dasmal ge- 
wesen) erhalten '), worin sie vermelden, man habe sie diroittiren 
wollen, weil sie wegen der Reuunciation foederis Hollandici et par- 
ticipationis telonii nicht nach Belieben instruiret wären. Endlich aber 
hat man die übrige Sachen fürgenommen und sich vernehmen lassen, 
dass alles sehr verändert wäre, und haben darauf schlechte Hoffnung 
zum guten Success gemacht. 

Weil nun obbemelte beide Punote die Herren Staaten mit an- 
geben und Wir ihr Advis darüber zuvörderst zu vernehmen haben, 

') Die Gesandten waren Schwerin und Dobrczenski. deren Berichte 
weiterhin initgelheilt werden. 



,A^nOO»^IC 



Eogtand. Schwierigkeiten mit Schweden. Tom EriegaschaaplatE. IQ 

Bo wollet Ihr bei ihnen sondiren, ob, nachdem Wir von der Alliance 
abzuweichen nicbt genieinet, um Friede und Ruhe willen bei einem 
und andern Puncte von den obenerwähnten einig Teiniiersment ge- 
fanden werden könnte, damit tide Nostra illaesa das Foedus nicht 
durchlöchert und ganz aufgehoben wUrde; und dafem solches nicht 
zu finden (wie Wir dann wol daran zweifeln, das« es geschehen 
könne), wea Wir Uns wegen des Succurses noch bei Winterszeit zu 
versehen haben. 

Wie man die besagte Functe in der Instruction vorhin gesetzt, 
ist Euch bekannt und »eben Wir nicht, was weiter dabei von Uns 
geschehen könnte, als das» Wir das ganze Werk auf einen General- 
tractat (worzu doch die Schweden nicht Lust haben) oder ja auf eine 
absonderliche Handelung zwischen Uns , den Herren Staaten und 
ihnen verschöben, welches doch auch mit grosser MUbe und wol gar 
nicht in Gttte zu erbalten sein möchte. Allezeit werden Wir auf das 
letztere dringen und werdet Ihr nicht unterlassen zu befördern, dass 
die Gesandtschaft an Schweden mit dem allerersten abgeben möge 
und die Abgeschickten auf obenerwähnte Puncte und was dabei zu 
thun auf den einen und anderen Fall, es werde die Sache in GDte 
gehoben oder nicht, instmiret werden mögen. 

Sonsten laufen die Zeitungen und Berichte noch wunderlich und 
ungleich. Gewiss ist, daes Krakau sich noch hält (wie wol man sa- 
gen will, dasa es capitulire) ') und die Kchwediuchc Völker, weil sie 
sehr strapaziret werden und schlecht bekleidet seiu, auch theils bar- 
fuss gehen, in Warschau bei 7 ä 8—9 des Tags hinsterben. 

Der König von Polen soll sich in die Zipscr ungarische Städte 
begeben baben. 

Für Krakati will der König von Schweden den Feldmarschall 
Wittenberg lassen, der doch krank liegt, und herunter auf War- 
schau, von daunen nebst Steinbock auf Thoren gehen, solches zu 
emportiren. 

Besagte Stadt hat sich vernehmen lassen, sie wollte einigen Suc- 
curft an Vülkem bei uns suchen; seind aber glelchwol absonderlich 
bei Uns nicht einkommen, wie wol des gcsamniten Köuigl. Preussen 
Deputirte es bei Uns angebracht. 

Wir haben von ihnen sämmtüch zu Unser Sicherheit und um äe» 
Passes willen über die Nogat begehret, dass sie uns Marienburg, 
bis der Friede erhalten, einräumen möchten. Dazu aber hat sich der 



; Die CspilulatioD vor inzwiecheo ertulgl am 18. October. 

2* 



yGoot^lc 



20 I' BraDdeoborg nod die Niederlude. 

Rönigl. Oeconomus GuldeDstern seines Priratnuteeiis halber (wie 
wol Wir von den reditibue das gerin^te nicht begehret) nicht ver- 
stehen wollen, ohnangesehen der Adel ganz dawider gewesen. 

Danzig und Elbing hat eich sonsten zu der Conjunetion nicbt 
verstehen wollen, besondern zu Anfangs sich separiret, jedoch cum 
reservato, dass sie dazu hernachuials ad placitum veratattet werden 
möchten. Wir stehen fast in Zweifel, ob aus dem Tractat etwas 
werden möchte, massen die Leute nicht einig und nicht wol zu ver- 
einigen stehen. Die Defension hätten sie zwar gerne, aber ohne 
einige Kosten und Assecuration Hir Uns auf den beftlrcbtenden 
Nöthfall. — 

Mit Unserer Ariane gehen Wir an die Trebenitz'), etwa 12 
Meilen von den Schwedischen und erwarten tagtäglich fernere Nach- 
richt von Unseru Gesandten, weil Wir berichtet werden, der König 
von Schweden herunter gehe, und nicht zweifeln, sie ihm folgen 
werden. 

Den Graf v. Waldeck haben Wir an die littauisehe Grftnzen 
commandiret, wannenher Wir avisiret werden, dass Graf Magnus 
de la Gardie auf Verstadt (sie) hemntergehe , sich, wie etliche be- 
richten, mit dem Könige fUr Thorn zu conjungiren. 



Weiman an den Knrfllrsten. Dat. Haag 7. Dec. 1655. 

[Dia VereOhQUUKBVersutbe zwiscben Hollsud uad äea aadero Proviazen; Wichtig- 
keit derselbeo für Braadcuburfc. Begiiiii der SnbeidieDiahlung. Die Stvllnng 
Croaiwells. Schlezer in Loodon.] 

Die verwichenc Woche ist die Generalität noch immer beschäftigt 
gewesen mit dem Reconciliationswerk zwischen Holland und den an- 
dern Provinzen und ist man darunter endlich so weit zum Ziele ge- 
kommen, dasB man am verwichenen Freitage ein Project in die' Ver- 
sammlung gebracht und so weit feste gestellt, dass es alsfortens in 
die Provinzen gesandt, daselbst esamiuiret und approbiret werden 
solle. Der Zweck ist, die vorige alte Einigkeit und vertrauliche gute 
Correspondenz zu restabiliren im Estat und also daran zu sein, dass 
hiufUro die Interessen dieser Republik mit mehrerem vigore in Acht 
genommen werden mögen. 

Die Mittel sind diese: dass das Seclusionswerk in seinen W^Urden 
und L'nwUrden verbleiben, die 6 Provinzen daran ungebunden sein, 
Holland und ihre Ministri deswegen nicht gechocquiret, die gewech- 
selte harte Schriften weggenommen und drauf Prinz Wilhelm aus 
•) l). h. die Drewens. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



KÖnigl. Prfnsien. VenöhnnngiTeranctaa in HollMid. Cromwell. 21 

Friesisnd zum Feldmanchall gestellet und also in besUndiger guter 
Harmonie und Einigkeit besorget werden solle, wie man die vorige 
Wnnden cu heilen und den Estat ... in aein voriges Luyster und 
Ruhe wieder setzen möge. — Und ist solchen Falls nicht zu zweifeln, 
es werd gar einen guten Aspect an E. Ch. D. Sachen und Staat 
geben; denn es leider mehr als gewiss ist, daes wenig Kraft aus 
diesem Estat ftlr die gemeine Sache wird zu hoffen sein, wo die bis- 
her verspürte Jalousien zwischen Holland und den andern Provinzen 
(danuenbero auch der Haas und Misstrauen gegen das Haus Oranicn 
, und desselben Geallürte) nicht in etwa gemildert o^er weggenommen 
werden. Anjetzt schon und da doch das Werk annoch seine Voll- 
kommenheit nicht hat, sondern da es noch in terminis deliberationis 
bestebet, findet man gar eine andere Luft bei der holländischen Ca- 
bale und stehet alle Welt schier bestBrtzet aber dieser so plötzlichen 
Verftnderung. — 

Inmittels kommen die Advisen aus den Provinzen ein, dass sie 
mit ihren Geldern zu den dreien Monaten brandenburgischer Subsidien 
fertig sein '). 

Der GesBodle aber nill Kogleicb viel mehr veilaDgeo Dod die Stimmung 
iit ADch dafür entgegenkommend augetbsn. 

Sonst hat der Ambassadeur Nieuport die verwichene Woche von 
London, so doch albier gesecretiret wird, an die Generalität berichtet: 
der Protector wBrd schwerlich zu bewegen sein, gegen ]: — :| ') 
etwas wirkliches fllrzunehmen ; der praetextus wSre causa religionis 
et Protestantium , die Ursache aber durfte sein der obliandencr spa- 
niacber Krieg. Mir ward darunter auch in geheim dergleichen von 
vertrauter Hand zugeschrieben, und zwar, dass er nichts Hebers sehen,' 
dahero dahin arbeiten wKrd, als dass |: — :| ') mit | :~:| ') verglichen . 
uud im abrigen der h — : | ') Dessein auf ] : — : ] ') möchte unbehindert . 
bleiben,, abermalen sab specie piae cansae, aber vielleicht in der That 
zu dem Ende, dass [ : — : 1 ') in Furcht gehalten und inulil gemacht 
werden möchte, Spanien HQlfe zuzubringen; oder aucb wol gar des- 
wegen, das« er nicht gerne siebet, dass ':— :! -) in die Waffen und 
derselben Uebung wieder kommen möchten. Doch ward dabei we- 



■) Am 18. Nov. wkT maf Antrag tod de Witt in deo GeneralaUaten der 
Beicliliiie gehut worden, die Bamroe tod 180.000 „Caroli guld«oa" als Rab- 
•idie für drei Hooat* fläaiig tu macbea und die Beiträge der eioieloeD Pro- 
Tinten dun uiinackreiben (Secrel« Raiolnt. I. 255} 

') Unanrgfllöete CbilTre — leg. SchwedeoT * Bbeneo; leg. Bmiideuborg? 
<) PoJesI ^) Dar Kaiaert ') Dia Niederlande? 



A-nOOt^lc 



22 I' Brnadeoburg ond die Niaderlande. 

niger nicht auch genügsame Vereicberung gethaa, daea {: — :| ') auch 
in allem Falle sich der |: — :|') nicht annehmen oder denselben eini- 
gen ZuBchub thun, sondern sich ausser dem Werk halten wQrd, also 
dass nichts gutes noch böses davon zu erwarten stQnd. 

ScbUzer hat aus London bericbtetj Weiman bat ibm zuriickge- 
Euhriebeo, er solle sich nur „caute und dermasaen bedecket hatten, damit 
er immer and zwarn da er merLetc, dass nicht viel auBZuriehten sein würde, 
sich füglich wieder zurückziehen könnte." 



Weiman an den Kurfürsten. Dat. 13. Dec. 1655. 

[Beabaiabtigte OBBaDdtscIiaften; Mangel an geeiguetem und willigem diploma- 
Ijscbeb Personal in den Niederlaoden, und whb der Gruud davon iat. Holläudiacha 
Flattenauerustung. Verhandlung über die Dicderländischeu Subsidieu und Rilra- 
teistung an Trappen. Vernmthliche titelluug Cromwcll's.] 
13. Dec, Die verwichene Woche ist in Holland fast uielits als das preussi- 
sche brandenburgische Werk aufs Tapet- gekommeu. Wegen Benen- 
nung der Ambassadeurs hat das Corpus sich zwarn verglichen, in- 
maesen sie dahin gestinimet, es möchte nebst dem von Hubert aus 
Mittelhurg und Issbrands aus Groningen der Herr de Grave, Bür- 
germeister von Amsterdam, Amerungen aus Utrecht und Vierssen 
aus Friesland nach Dänemark, und der Herr Tulp Altbürgermeist«r 
von Amsterdam nehst deme von Isselmuvden nach Chur Branden- 
burg gehen. Es ist aber, als weit Schweden und Brandenburg an- 
gehet, in der Generalität deswegen annoch nichts feste gestellet, weil 
die beide Bflrgermeistere von Amsterdam zu Annebmung gedachter 
Gesandtschaft nicht verstehen können, sondern sieli davon geescusiret. 
Wir haben uns hie und dort Über solche Langsamkeit zur GnOge 
beklaget; wenn wir aber in's Werk selbst sehen, so spUren wir wol, 
daes es nicht aus Disaffectiun so gar als daraus entstehet, dass Hol- 
land Mangel an Leuten hat, welche sich in solche Ambaesaden 
schicken können, und die da bequem seind, dass dieselbe nicht gerne 
von Hause gehen, weiln sie immer besorgen, ihre lutrigues möchten 
in ihrem Abwesen Schaden leiden ')■ 

') Der Protector! ') Schweden! 

'} Eine andere bezeichnende Aeusserung Weiraan's zur ChariiltteriBlik der 
huiländischen WürdcDtrnger findet aich in einem Trüberen BrierdeBselben an den 
Kurrüraten dat. Haag 37. April lt)r)ri hei Geiegeuhcit der von der Stadt Amater- 
dam übernommonen Tau fpatbens teile bei dem branden bürg Ischen KurpHnEen 
Karl Emil (Urk. und Actenst. IV. 119). Weiman berichtet, wia die lur Ver- 
tretung der Stadt nach Berlin bestimmten Gesandtoo wegen ihrer Unbekannt- 
sch&rt mit Curialien n. dgl. In ziemlicher Angst vor der Reise aeien und Wei- 
man drängen, sie womöglich zu begleiten. W, biltet, sie recht gut aufannehmea 



A-nOOt^lc 



SoUÄDdiscbe Ambuudeo und ButaDgen. 23 

Wie ihm nnn iet, bo ist es eine Übele Sache, beBonderlicb da es 
immer dabei bestehet, und niemand schier zu Annehmung solcher 
Ambaesade bewogen werden kann. — 

Im flbrigen hat Holland beratfaschlaget wegen Equipirung der 
48 Kriegsschiffe und was fOr Mittel eigentlich und beständig darzu 
dienen sollten; und eagete man uns gestern, sie wären deswegen so 
gut ab verglichen, also dass es ihnen gegen das Vorjahr an Kriegs- 
macht in der .Ostsee nicht ermangeln wflrd. 

Sie babeD ioiwiBcheD Dicht zu sehr anf eine ConfereDi gedmugen, 
Boodem erst jene Aogelegenbelt der GeeaadtschafteD iu OrdnoDg kommen 
lassen wollen. 

Denn wo wir zu viel sucheten auf einmal, so möchte man das 
eine mit dem andern stutzig machen nach Gelegenheit dieser viel- 
köpfigen Regierung .... Wann wir aber inzwischen auch E. Ch. D. 
gnftd. Reseriptum vom 17. Nov. . . . empfangen und daraus gehorsamst 
ersehen, wie sehr E. Ch. D. auf die Subsidieu an Volk und derselbeu 
Unterhalt dringen, so haben wir endlich ein Memoriale eingegeben 
und seind darattf .... gestern Vormittage mit einigen Deputirten 
der Staaten general in Conferenz gekommen. 

Sie beschliesseo nnr mündlich mit ihnen zu verhandeln und nichts ■ 
schriftliches eiazDgeben. — 

Wir befanden die Deputirte gar attent und dem Werke zugetban 
ZQ sein, in massen wirs auch gestern nach Mittage daraus verspOre- 
tcD, dasH auf ilire Relation von unserem Fllrbringen, alsfortens 
geresolviret worden, die Ambassadeurs, sonderlich zum |: — : ' '), 
weil daran das meiste gelegen, sollten am schierstkUnfligen 4. Januar 
von hinnen ohne einige Versjtumniss weggehen. 2) man sollte an 
uns die bereits eingewilligte 120,000 Gulden bei dieser winterlichen 
Zeit und gegen das Vorjahr das Volk in natura beischaffen. 3) die 
Equipages zur See erster Tage fest stellen und darauf die nOtige 
Ordrcs an die Admiralitäten lassen abgehen. 4) das Si^hreiben an 
den Grossherzog von der Hoscau sollte gleichfalle ausgcfertiget und 
uns gegen die künftige Post zogestellet werden *). — 

nod Aoatoe» sn Terhäteo: „B. Ch. D. werden Bedacht babiiD, dae» Eoweileo noter 
deutscher hameur Dod Adel aich mit dem oiederläLdiicheD nicht ao gu bald 
Taget, and d>ss wir das andere mit Veracht und scharrer Uaillcrie wohl leichl- 
lich pfiegen zu slossea, dahero wir ulbier besiirgen. es mochte den Amsterda- 
miichen Kindern daraoter etwas widriges beg^goeo." (Ans Weiraan's Jour- 
nalen in DüMeldorfer Archiv.) 

■) Unanfgelöste Chiffre, Wol: König von Dänemark. 

') Vgl. Urk. D. Actenst. IIl. 90^ der Entwarf des Schreibeaa io den Se- 
crate ReaoUtien I. 261 ff 



A-iOOt^iC 



24 I' Brnodenburg und die NiederlaDde. 

Mit den obgenannten 120,(K)0 seind wir nicht zufrieden, Bondern 
weiden nunmetir auf ein mehree, zum wenig:8ten auch auf die Werbe- 
gelder dringen. 

Wir haben bei dieser Gelegenheit auch angefangen, von der An- 
leihe zu reden und finden, so viel es anfänglich sein kann, darzu 
noch gute Hoffnung. 

Aus England schreibet mir der Herr Schletzer, er habe seine 
Credentiale llbergeben und publicum charaoterem annehmen mtlssen; 
es wftre ihm Zeit zur Audienz gesetzt gewesen, was er aber verrich- 
ten wUrde etc., wollte er mit nächstem wissen lassen. . . . Allem Ver- 
muthen nach wird der Protector sich wol aus dem Spiele halten; 
denn weil er mit Spanien zerfallen, so wird er |; — :| ') nicht offen- 
diren mögen, damit er dardurch |: — :|') im Zaume halten und 
behindern könne, Spanien zu assistiren. 



Weiman an den KarfHrsten. Dat Haag 13. Jan. 1656. 

[Aufregung über die schwediachen Pläne gegen Danzig; Beachlnes der Hilf- 
leistuDg; SchwankeD der ÖOeatlichen Meinung zwiechen Thnn and Laisen.] 
1656. ■ Sobald alhie die Zeitungen angekommen, dass der König von 
13. Jau. Schweden in die Werder gegangen und sowol mtlndlich an die Am- 
bassadeurs dieses Estat als mit der That selbst bekannt gemacht, 
dass er die Stadt Danzig mit Gewalt und zu Wasser und l.ande an- 
greifen wollte, so ist man dieser Oerler über die Maasse sehr gealar- 
miret worden. Die Kaufleule schrieen; viele inclinirten von selbst 
dazu, nun mttsstc der Eslat nicht länger stille stehen, sondern die 
Hand ans Werk legen; wllrd man Käunien und die Stadt lassen ver- 
loren gehen, so wäre es um alles gethan; man könnte und mtleste 
sich auf Schweden und schwcdisclies Wort nicht verlassen und mfichte 
man also je eher Je lieber alles gegen Bie hazardircu etc. Und ge- 
deihete das Werk endlich dahin, dass die Herren Staaten General 
wieder zur Hand nahmen das Suchen deren von Danzig und am 
9. Januar resolvireten, nicht wie Holland in eventum und conditio- 
naliter, sondern slmpliciter und absolute, dass man mehrerwähnter 
Stadt reelle Assistenz und Hülfe leisten solle und wolle. Zwar hat 
Seeland dagegen geprotestiret und Overyssel war absent; die De- 
putati der Generalität waren auch von ihren Principalen auB den 
Provinzen nicht gcinstruiret so weit zu gehen; sie thätens aber sub 

') Wie oben. Wol: Schweden. 
•) Ebenso. Wol: deo Kaiser 



^aovGoOt^lc 



DaoEig TOD den Schneden bedroht. 25 

8pe rati und Uberreicheten dem Danziger Abgeordneten die Kesohition 
in Schriflen, in Meinung, dass er Geld darauf wbrd negocüreu können. 
Die TOD Holland 'i^olvireten zugleich, ihre Herren Trincipalen von 
Stund an auch zu verschreiben, in massen auch geschehen, und man 
nicht zweifelt, dieselbe werden morgenden Tages als in praefixo 
tennino unausbleiblich erscheinen. 

Die allgemeine Meinung BCbwankt nun zwischen offenem Bruch and 
zwischen gütlichen Verhandlungen mit Sihweden. Ersteres hat viele An- 
hioger unter den Kaufleuten niid nuch unter den Regenten; — 
viele aber und auch ganze Provinzen seind gar zweifelhaft und 
apprehendiren , was man ihnen von weitem zeiget, schwere Kriege, 
unsichere Successen, Gefahr des evangelischen Wesens, und dass 
dieser Estat allgemälich zugleich mit England und Frankreich zer- 
fallen und sich gar zu UDvermuthlich von einem ins andere und end- 
lich ins aller unleidlichste, nämlich das spanische Interesse wDrd 
prScipitiren und vertiefen mOssen. Mit Dänemark wären sie gleich- 
falle noch nicht richtig und könnte man ausser selbiger Krone wenig 
ausrichten. Und wie ihm auch wäre, che sie damit tractireten, ehe 
sie Geld beiechaffeten , ehe sie Arminen (dann zu Wasser etwas an- 
zufangen wäre nicht genug) richteton und auf die Beine brächten, so 
wUrd nach Art einer so langwanien Regierung so viel Zeit vorbei- 
Btreichen, dass Schweden bereits Meister im Feld werden und mit 
ihnen lachen oder zum wenigsten die winterliche Zeit würd gewinnen 
können, wobei sie niemand zu befürchten haben wOrden, Zu ge- 
Bchweigen, dass man »ich mit Barbaren ') gegen Christen, mit Jesui- 
ten gegen das protestantische Wesen und mit den Grundfeinden die- 
ses Staats gegen die alten Bundgenossen ihrer gottseligen Voreltern 
wttrd verknüpfen und einlassen mflssen. 



Weiman an den Kurftifsteii. Dat. Haag 1. Febr. 1656. 

[GratulitioD za dem Köni)[Bberger Vorlrafc. Allgemeine Beatiirzung darüber in 
Holland und Zorn gegen Brandenburg Ein Fühler von Seilen des Kaisers.) 

Ans den jüngst eingekommenen sowol puhlicquen als particuliercn i. Febr. 
Briefen haben wir, ersehen, dass £. Ch. 0. endlich mit Schweden 
geschlossen '). Der gerechte Gott wolle daselbst so viel Glilckes zu- 

') d. h. das für diesen Fall iu AuBdichl huminemlc Bündniss mit dem Uos- 
cowiler. 

*) Köntgsberger Vertrag zwischen Brandenburg nud Schweden dat. 7/17 Ja- 



A-nOO<^lC 



26 I- Braodeobarg and die Niederlande. 

geben, als ein ehrlicher Friede dem verderbenden Kriege voraa- 
ziehen ist! 

Männiglich albier, er eei grosB oder klein, ist deewegeo he- 
etflrtzet, und wie dieses grosse Corpus mit vieler Mflhe bereits dabin 
bewogen war, dass es gleichsam mit vollem Laufe zum Kriege eilte 
gegen Schweden, um E. Ch. D. und sich einmal fUr all zu befreien 
für schwedischer Gewalt, so kann's auch ohne Anstoss nicht wol 
wieder zum Stande kommen, sondern es schilt, es murret, es fürchtet 
und dräuet, weiln es so plötzlich zurückgezogen wird, als es eifrig 
war angetrieben; sonderlich weil von andern Oertero häufig hiehin 
geschrieben wird, E. Ch. D. hätten Häfen und Zölle sowol als diese 
Allianz daran gegeben. I. Hob. muss deswegen nicht wenig leiden, 
weil der Kaufmann rufet, es sei eine gemachte Sache von langer 
Hand, um diesen Staat zu ruiniren. Verrätherei, Betrug, List, Bund- 
bruch und dergleichen mtlssen wir hören, dass angezogen werden 
wider den gemachten Frieden. Nun kann bei einer so geschwinden 
Veränderung von dem unwissenden und scheuchen Föbel wol nicht 
viel anders erwartet werden, fllrnehmlicb an diesem Orte, da der 
gemeine Mann sub specie lihertatis nur liberas linguas hat ... Wir 
suchen es zwarn allerorts zu ersänftigen und sagen, sie möchten nicht 
urtbeilen, bis sie die Articulos pacis und die Sache selbst gesehen . .. 
wir können aber schwerlich damit aufkommen uud seind bereits auf 
verwichenen Freitag von den gecommittirten Käthen angesprochen 
wegen der 120000 fl. 

\YeiinaD bittet sobald als möglich am uähere Mittheilungen ütier den 
Vertrag mit SchwedcD, um die Aufregung hier beschwiihtigen zq künaen. 

Zu Hamburg war der von Pletfenberg, kaiserlicher Resident, 
zu den Staatischen Gesandten gekommen und hatte denenselhen eine 
Allianz mit I. kais. Maj. angetragen. Es dürfte aber dasselbe, nach- 
dem E. Cb. D. mit Schweden verglichen, in geringe Consideration 
kommen. — 

Relation dat. Haag 8. Febr. J656; ganz in ähnlichem Sinne. Des- 
gleichen ein Schreiben W's. an Schwerin vom 11. Febr. Weiman wünscht, 
dass ein Oesandter zam Behuf der Mittheiluiig des Köolgsberger VertrsgE 
bieher geschickt werde „mit mebrerm Charakter.'^ Das Dräugen um Hit- 
Ibeilnng des Vertrags ist kaum ausznhallen. [Weimau hat iu dies« 
Zeit deo Vertrag schon, darf aber daraus nichts niitlheilen]. Beiliegend: 

Zeitang aus dem Haag 15. Febr. 1636. „Man schreibet aus Kdnigs- 
berg iu dat. 1. Febr., dass die Kurlurstin nach der Medicorum Urtheil non- 
mebr ausser Gefahr sei, und dass die Blattern fast vertrocknet und ange- 
fangen theils zu bersten, thiils abzufallen. Sie bat viel ausgestandcD 



A^oot^lc 



Eindwck Äes Königab«rger Vertrag«. 27 

doplici morbo; nsm et profluTJo meostriio et abscesAD molae afflJcts foit pia 
PrincepB. S. Cb. D. ist über die Maasse betrübet geMeteu; sie aber hat 
sich mit wauderbarer Geduld nud Gottseligkeit dreia geBchickt, also dass 
aiicb die TröBter Trost vod ihr genommen." 



Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 15. Febr. 1656. 

(StimmoDgen aber den KöDigsberger Vertrag. ITrlheil über deoBelbea io Eaglaiid 
aod FraoLreich. Das katlioIJscbe FürsteobäDdaUs. HilferaT tod Daozig.] 

Das Dräogen um MittbeiluD;r des Köoigsberger Vertrags dauert nnab- 15 P«br. 
lässig fort; die Gegandteo siicheD nach Möglichkeit die Stimmung zu bearbei- 
ten; sie etelleu die Lage des Kurfürsten vor; „man gicbt ihnen unter der 
Hand einige Articuln, auTs gelindeste Übersetzet" etc. 

Sie fangen auch schon an, ziemlidi auf ihre Maaese zu kommen; 
und wünseheten wir, dase E. Cli. D. »elbBt an sie Bclireiben und 
wenn Sie dem Estat gedanket für allen bezeigeteu guten Willen, dass 
sie ihn alsdann auch versicherten, Sie gedächten nicht allein von 
voriger Allianz nicht abzustehen, sondern Sie Ii9tten auch nichts ein- 
gegangen, welches Sie behindern könnte, der Allianz' ein Geattgen 
zu leisten, und dasa "nir die Articuln, so weit sie den Estat concer- 
nireten, zu des Estatis desto mehrer Beruhigung coniniunieiren sollten. 

In England ist man frohe des Vergleiches lialber; aus Frankreich 
wird dergleichen geschrieben, und die Klügsten seind einstimmig der 
Meinung, wo E. Ch. ü. der Schlugs gedeihen solle, so mllssten Sie 
die Waffen nicht qoittiren, das Werk nicht halb Ihun, sondern sieh 
mit Schweden conjungiren und also specie soeü ac communis fortunae 
ihnen den Willen und die Macht brechen, gegen den Vergleich etwas 
ftlrzunelimen. — Es wäre auch zu weit gegangen, von Moscowitem, 
Cosacken, Tartaren, Polen und dem Kaiser etwas anders als Undank 
und Verderb zu erwarten, wenn sie Macht kriegten. Wer dahero 
einer unbilligen Strafe entgehen wollte, mUsste die Macht brechen 
pertinaci ac in omnem fortunam oblirmato animo. Nach so bestellten 
Sachen mllsste Schweden immerzu mit E. Ch. D. ganz Freund oder 
ganz Feind sein; medium in Servitute esse; und wo E. Cb. 0. also 
njebt gedacht ganz Freund zu sein, eo hätten Sie eine ganze Feind- 
schaft mllseen unterhalten mit Schweden. Die Waffen würden Sie auch 
bei dea Waffen und Ihren eigenen Unterthanen in Consideration halten. 

Mainz, Trier, Cöln, Mtlnster und Neuburg haben sich nun neulich 
contra quoscunque gealliiret und den von Uauschenberg zum Ge- 
neral ihres Bnndes gemacht '). 

') Gemeint ist wol das Bündniaa iwisctien Trier, (Jölo, MUoster und Neuburg 



28 I- Brandenhnrg no^ die Niederlande. 

Der Syndicos von Dftnzig Schrader ist nngekommen nnd hält nni 
Hilfe zur See an — er hat abpr non wenig Au6Bi<-bt'). 

Weimaii an den Kurfilreten. Dat Haag 22. Febr. 1656. 

(Orficielle Mittheiinng des Köeigsberger Vertrags an die GeneraletaoteD Günstig« 
WirbDDg.) 
i. Febr. üni dem nnabIäi?Rif;en Drängen zu entgehen and die Staaten einiger- 
mnsgen zu beruhigen, und weil es doch „das .Decomm nnd der Stylus" 
erfordert, dass ihnen der Friede nuHGcirt wird , während sie noch immer 
„lüglich in koi^tbarer Arbeit begriffen, E. Ch. D. zu Hülfe zu kommen im 
Kriege": so beEchlie^sen die OesHudleii endlich nach lierntbuiig mit dem 
Fürsten Johann Moritz von Naseau — 

man müBste den Mittelweg halten und also die Articulos concementes 
communiciren, aber unter der Hand, aufs gelindeste tlbergesetzet und 
mit mündlichen Anweisungen, wie eB um die Sachen nun und vorhin 
bewandt gewesen, und diesem nächst möchte man die Notiücatioa 
tbun, aber nur in generalibus terminis. Man that dieses also: wir 
transjatirten den 9. und 13. Articul, und I. Hob. gab dieselbe einigen 
Confidenten; dieselbe brachtens zur Generalität, männiglich critisirte 
und gab's allerhand Glossen darüber; wir vereUsseten alles bei Par- 
ticularvisilen ; und wie nun solches fürgegangen, so rceolvireten wir 
die Notification vorberlihrter Maaseen zu thun . . . nahmen publique 
Audienz und da wir gebührlich eingeholel, proponirten wir in einer 
ungewöhnlich starken Anzahl, inmassen die gedruckte Beilage aus- 
weiset '). Man dankete uns mit aller Civilität und war die eigentliche 
Antwort darauf, wie £. Ch. D. aus nebstkommender Resolution vom 
n. Febr. gn8d. ersehen werden '). Dieses bat nun die GemOther ein 
wenig versetzet; man kommt etwa zufrieden und redet männiglich 
mit mehrerem Respect. 

Folgenden Tags ist darauf feste gestellet, ihre Ambassadeurs 
sollten ohne längern Verzug sich zum Könige von Schweden aufma- 
chen. — Ob nun diejenige, welche zu £. Ch. D. destiniret, gleich- 
falls werden abgefertiget werden, ist noch ungewiss. 

dat. Coln 15.Dec 1654. DumoDt Corps diplom. Tl. 2. 9111; vgl. Erdmanni- 
dörffer Graf Waldeck 262 !. 

■) Secrate Resolut. I. 272 

-) Notificatie gedaen dor de Heeren Daniel Wejraaa ende Joban Copes 
Hieisterg van S. Ch D. van Brandenbnrgb aea de Gr Ho Heeren Stetee Generael 
der Vereen. Prov. den 17. Febr. 1656. over de gemeeckte Trede toeschen Sijn 
Haj. VBD Sweden ende Sija Chear-Torst. DoorL - Anno HDCLVI. ~- 8. 
Aitsema III. 1252. 

*) Nor Danksagang und Bitte om baldige nähere Mittbeilung des Binielnen. 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



Dar Eönigiberger Vertrag. SeodoDg Booiu'e oach dem Haag. 29 

Instraction für Georg v. Bonin an die Generalstaateu. Dat 
Königsberg 23. Febr. 1656 •). 

(MitlbeiloDg nod Recbtfertigaog des EÖDi^berger VertragB. Darlegang der Ter- 
bällaiaae, die eq SchliesauDg deaselbeD geuöthtgt haben. Aarzahlnng nad Wider- * 

legnDg der Termathlicb toq den Niederlandea Torz ab ringen den Eiowäude and 
Anklagen.) 

Er soll den Oeuenil Staaten zunäcbst eröffnen, dass der Eurfiirst iu 33. Febr. 
Folge der zwischen beiden Staaten be^tebcudeii Alliance es für Döthig 
halte, ihnen »on dem mit dem Konig ¥on Schweden gefiehtoRSenen Ver- 
gleich gründliche Nachricht zu geben, in der Hoffnung, sie werden sich 
TOQ der Unerlasslicbkeit nud Nützlichkeit desselben überzeugen lassen. 
Der Kurfürst habe tou Beginn dieser Verwickelungen an duichaae meinen 
schuldigen Pflichten nachzukummen gei>ucht — 

Denn ob zwar Sr. Ch. D, Herren Vorfahren nach den ersten 
preuBsiscben Pactis von a. 1525 von den Königen in Polen fast bei 
allen Belehnuug:en mit neuen, höchst beBcbwerlichen Conditionen in 
viele Wege lädiret, da ihnen wider dieselbe obenerwähnte Pacta und 
dero christliche landeBfUrstliche Freiheit bald das Exercitium der ka- 
tholischen Religion mit änsserster Beschimpfung Ihres christlichen 
reformirten Gottesdienstes, bald ein jährlicher Zins, bald eine neue 
Appellationeinstanz aufgedrungen, die Untertbnnen an sich, ja der 
ordentlichen Obrigkeit liber's Haupt gleichsam gezogen und nicht 
allein wider des LandeafHi-sten Respect,. ja die hohe Justiz selbst 
vielfältige eigenmächtige, unleidliche, widerrechtliche Dispositiones 
in dero preussischen Landen . . . fUrgenommen , solche unziemliche 
Gewalt auch endlich zu höchster Ungebtlhr über Sr. Ch. D. Person 
oder ja dero Anverwandten selbsten hat extendiret werden wollen, 
so haben doch S. Ch. D. nach dem löblichen Exempel dero glorwQr- 
digsten Herren Vorfahren . . . lieber Ihr christliches Gewissen und 
PÖicht als dero Nutzen und Reapect für der Welt (welcher vielleicht 
durch andere Wege höher hätte können getrieben >verden) in Acht 
oehmen wollen, und haben zufolge sothaner Pflicht, was Sie von 
schwedischer Armatur inne geworden, dem itzigen Könige von Polen 
Johanni Casimire zeitig kund gethan. fndcssen, und da S. Ch. D. 
gesehen, wie dero Sorgfalt aufgenommen, da man Iheils dero treu- 
herzige Warnungen fDr ketzerische Zeitungen , unnöthiges Schrecken 
und inania terriculamenta, so zu unzeitigen Kosten dienen sollten, 
ausgerufen . . . haben S. Ch. Durchlaucht sich bemühet, nächst der 
Uttlfe Gottes sowol durch dero eigene von Gott verliehene, als dero 

>) Sic Die tosIrucliuD ist oicLt, nie Urk. und Acten«! [11 9:'. angegeben 
wird, TOD) 23. Febr. m. St., aunderu n. at. 



Aj.oo»^Ic 



30 I. BraDdenbnrg und die Niederlande. 

Freunde Kräfte, als die an der Sachen ebenwol intereseiret schienen, 
»ich und die Ihrigen zu schützen; und hahen demnach, nicht ohne 
grosse Unkosten, eine ziemliche Arm^e zuHaniraeng:ebracht und in 
dero preussische Lande geHlliret; auch H. Kaia. Maj., dann auch die- 
jenigen, so in diesen Landen gleichsam in einem Rchiffe mit Sr. Ch'. D. 
waren, um Assistenz begrüsset . . . ahHnndcrlich würde der Staat, 
dessen Archivuin, ja die Anwesenden »elbstcn Sr. Ch. D. dero un- 
nachlässigen Sorgfalt ein unwiderlegliches Zeugnis» abgeben mtlssen. 

Als nun aber he! J. Kais. Maj. keine Ilüire zu erlangen gewe- 
sen, die Auswärtigen theils dem Spiele zugcHeben, theils an der Zer- 
gliederung und Ruin de« Königreichs Polen tapfer und in die Wette 
gearbeitet, die Einheimischen aber, als die polnischen Stände und 
noch übrige Kriegsmacht unter einander uneins und nielirenlheils 
nach und nach an J. Köa. Maj. zu Schweden sich ergeben, alles voll 
Schreckens und Unordnung gewesen, der König darUher aus dem 
Reich gewichen, die preussisehen Städte, worauf noch einig Absehen 
zu haben, mit dem A4lel sich nicht fUgen wollen, besondern sich also 
bezeiget, dass es bei Anfang derer mit iliren gehabten Tractaten nicht 
unklar bernirschien, dass sie das thun würden, was Tliorn und Klbing 
bald hernacher gethan, die |ireussischcn Stände auch von denjenigen, 
so die Zusammensetzung befördern sollten, vielmehr davon abgehal- 
ten worden, indessen aber die Friedenshamtlungen , so S. Ch. D. mit 
J. Kön. Mjy. zu Schweden aufs eifrigste gefilhret, auch dergestalt 
nicht laufen wollen, dass beide Theile zusammentreten und absonder- 
lich S. Ch. D. dero Gewissen beruhiget gefunden : so ist darauf ge- 
schehen, dass J. Kün. Maj. dero in Littauen habende Arm^e zu sieh 
berufen, mit solcher und bei sich habenden schwedischen und polni- 
schen, theils unbändigen Völkern in dero preussische Lande, da sie 
sonsten von keinem Feinde gewusst, gerückel, und als S. Ch. D. dero 
Force nach Besetzung einiger Oerter, welche so lange als möglich 
gehalten werden müssen, an den Ort, da es raisonabel war, zusam- 
menziehen und sieh setzen mUssen, hat das platte Land darüber der- 
gestalt leiden mDseen, dass alles, was darin zu befinden, aufgegangen 
und die noch übrigen aus dem SchifTbruch gleichsam salvirte und 
darin Doch theils schwebende Unterthanen und Landstände . . . die- 
selbe (Cli, D.) unaufhörlich und flehentlich angerufen, es möcliten 
dieselbe doch ihr Elend aneeben . . . und, da das nicht allewege 
durch Waffen gelinge, sie durch friedliche Haudelung von dem gänz- 
lichen Untergang retten. — 

Und als nun J. Kön. Maj. zu Schweden zu Fortsetzung der Frie- 

i:q,t7r.d .*^-.00<^IC _ 



SendiiDg Baoin'a okcb dem Hii^. 3^ 

densbandelung: dero Reichscanzier zu Sr. Ch. D. abgesandt, dieselbe 
auch die Sachen also heschaffen gefunden, daas, wo Sie nicht gänz- 
liche Satisfaction in allein erlangeten, auch Ihren Staat nicht zu einem 
Haie gar in Ruhe eetzeten und befestigten, dass Sie doch die gegen- 
w&rtige Noth Ihrem Lande abwenden und inmittels . . . von beiden 
Theilen zu dem gemeinen Aufnehmen der Unterthanen und Interessen- 
ten desto fdglicher und klDglieher könnte gestrebet und selbiges be- 
fördert werden : so haben S. Ch. D. den Tractat, so wie er den Herren 
Generalstaaten copeilich überreichet wird, in Gottes Kamen geschlos- 
sen. Und haben demnacli S. Ch. D. die zuTcrlftssige Hoffnung ge- 
scböpfet, wenn Sie mit J. Kön. MaJ., als einem evangelischen Poten- 
taten, sich setzen und enger zusammentreten würden, solche Ver- 
stfindniss der Kirchen Gottes aclbsten und beiderseits Unterthanen 
zum Aufnehmen . . . gereichen würde. Gestalt dann S. Ch. D. nicht 
wenig erfreuet, dass S. Kön. Mi^. bei persönlicher Zusamnienkunf) 
sich dazu gutwillig anerboten und absonderlich bezeuget und an Tag 
gegeben, wie Sie eine sonderliche Begierde hätten, mit den Herren 
Generalstaaten in gutem Vernehmen alle Wege zu leben. — 

Ein mehrers bei dem ersten Cungressu (wobei auch die schwe- 
dische Pacta zu Oberlieferu) fUi-zutragen , halten H. Ch. D. nicht nü- 
thig. Als aber zu venuuthen, dass uaehgehends einige Conferenzen 
angestellt und dabei folgende Puncte fUrkommen möchten, so hat 
auf nachgesetzte Weise Sr. Ch. D. gesandter Rath sich darauf zu 
resolviren. 

1) Werden die Herren Staaten vernehmen wollen, ob und wie 
diese mit Schweden getrofTeue Alliance nebst der mit den Herren 
Staaten getroifenen BOndniss bestehen sollte und könnte ; wobei einige 
Beschwer fUrgehen möchten, als wann diese letztere aus Augen ge- 
setzt und dannenhero der Staat zu Observanz derselben nicht weiter 
verbunden. 

2) Da aber die mit ihnen getroffene Alliance nicht sollte gehaben 
sein, wie die Hülfe, zumalen in Streitigkeiten, so die Ostsee und die 
Commercien, so darauf getrieben werden, (angehen), zumalen von Sei- 
ten Sr. Ch. D. sollte geleistet werden. 

3) Weil vermöge des Articuli IG. foederis Hollandici die Licenten 
nicht ohne Communication mit den Herren Staaten zu verhöben, ob 
selbige sollen erhöhet und, wenn der Tractat deswegen mit Schweden 
sollte fUrgenommen werden , ob sie nicht dazu sollten gezogen 
werden. 

4) Ob dadurch, dass den schwediMrhen Kriegsschiffen die Station 



Aj.OOt^lc 



32 ^' Brandenborg aod die Niederlud«. 

in den preaseisclien Häfen versprochen, nicht der besagte Art. 16 
per Art 9 foederis Suedci caasiret und aufgrehoben. 

5) Ob dann nicht ihren Kriegseeliiffen eben das vergönnt sein 
sollte, was den schwedischen in dem Passu versßtltet 

6) Ob der Art. 13. dicti foederis Suecici dem holUndiBchen Band- 
nisB entgegeogeBctzt und dieses damit cassiret. 

7) Ob' S. Ch. D, dem Staat nicht schuldig, die auf die Equipi- 
rung der Flotte und occasione foederis et ad instantiam Sr. Ch. D. 
aufgewandte Kosten zu refundiren und gut zu machen. 

Auf das erste hat er Kameus Sr. C)i. D. sich herauszulassen: 
1) Dass beide Foedera nicht anders denn defensira wären und dan- 
nenhero wol beisammen stehen kitnnten. 2) So etwas in dem schwe- 
dischen zu finden, so von Seiten der Herren Staaten zu ihrer Be- 
schwer mochte angezogen werden, so ist solches praeter intentionem 
Serenissimi hineingesetzt. . . 3) Hfttte man an Staatischer Seilen zu 
bedenken, dass, wenn das gemeine Interesse so genau hätte allent- 
halben in Acht genommen werden, auch die gemeine Hülfe dazu hätte 
kommen müssen, man hätte H. Ch. D. allein baden lassen, und wo 
etwas beschwerliches im Vergleich enthalten, trife das Beschwer zu 
allererst S. Ch. D. und am allermeisten ; da wäre ja wol zu vermu- 
then, wie ungeme Sic ein solches über sich hätten ergehen lassen; 
und da ftlr die Interessenten ein mehrers geschehen sollte , ihre 
Assistenz, und zwar so sufficient gewesen wäre, dabei erfordert wor- 
den; allermaassen darum foedera gemacht werden, dass das gemeine 
Interesse mit gemeiner Hülfe vertheidigt und dagegen die eine Partei 
aller Frommen zu beobachten nicht scliuldig, wann ihr nicht gebnhr- 
lich assistiret wird. Es werden die Herren Staaten zwar einwenden, 
wie um die Zeit des Jahres, da man sich mit Schweden gesetzt, 
ihnen unmöglich gewesen wäre, den versprochenen Succurs zu leisten; 
man wäre auch vermöge Vergleichs es nicht schuldig gewesen, wie 
einige schon in Niederlanden dabei eingewandt haben sollen, dass 
der Succurs nach 3 Monaten allererst nach geschehener Attacque zu 
schicken; im Übrigen hätte man gehuffet, dass an Seiten Sr. Ch. D. 
dergleichen Anstalt bei dero Mtlice wUrde gemacht sein, dass die 
Zeit des Succurses hätte erwartet werden kOnncn. Es ist aber dabei 
in Acht zu nehmen: 1) dass das Foedus Art 1 im Munde hat, dass, 
wann der Atlacquirte zu leiden käme, der Succurs auch fUr Ablauf 
der 3 Monden aufs schleunigste sollte gesandt und also nicht ge- 
wisse gemessene Zeit, sondern die Gefahr und ihre Umstände sollten 
angesehen werden; 2) S. Ch. D. seind nur in dieselbe Gefahr gera- 



Sendung Boniu'e uach dem Hsag J(^ 

then, sobald Schweden auf Sr. Ch. D. Häfen uod Lande prätendiret, 
ja der König: sich erkläret, er könnte ö. Ch. D. nicht anders al« 
andere polnische Stände in I'reusseii halten, auch der schwediscl.e 
General Wittenberg solches Bchriftlieh Sr, Ch. D. Generalen ange- 
fnget. Es haben auch S. Ch. D., was Hie von einem und andern 
Dessein erfahrt, bei Tractir- und Schliessung der Alliance ErOITnmig 
thun lassen, die schwedische Projecte dem geh. Rath D. Weinian 
zugestellet, um darüber mit Einigen aus ihrem Mittel zu oonferiren . . . 
ja es haben Sr. Ch. D. Miuistri im venvicheuen Sepfembri die Aus- 
laufung der Flotte aufs fleissigste urgirt, auch zuletzt gebeten, da ja 
die Hülfe nicht könnte geleistet werden, dass . . . aufs wenigste ein 
Schein dazu gemacht werden möchte. Es ist aber deren keines zu 
erhalten gewesen; ja da oho alle Gefahr die so fleissig gesuchte 
Mediation, wozu nicht wenig Hoffnung gewesen, hätte fUrgebommen 
werden kSnnen, hat man nicht erlanget, dass ein Brief oder eine 
einige Person Sr, Cli. D. wegen an Schweden ausge^andt, weit we- 
niger eine zu solchem Werke qualißcirte Gesandtschaft abgefertiget 
wäre. Und ob man zwar mit Anschaffung einiger Pfennige in HoN 
land zu verstehen geben wollen, dass man Sr. Ch. O. zu helfen 
Willens, so ist man doch damit, wie mit allen Consiliis in dieser 
Sachen, sehr langsam, allezeit viel langsamer als Sr. Ch. D. Zustand 
es litte, gegangen, da doch malum repcutinum repentina remedia er- 
forderte; ja man hat bei der Anleihe solche Conditiones bedingen 
wollen, wodurch es dahin gekommen schiene, dass S. Ch. D. durch 
die Alliance Selbsten dasjenige, als dero Häfen, verlieren sollte, wel- 
ches Sie dadurch zu mainteniren und zu erhalten am allermeisten 
hoffelen. 

Und ob schon S. Ch. D. an Ihr für. Ihre eigene Person, auch 
einige dero Bediente an ihnen nichts ermangeln lassen, sich in der- 
gleichen Zustand zu setzen, dass die Zeit des Suecurses hätte erwar- 
tet werden können, so stelleten, wie oberwähnet, die Unterthanen 
doch unaufhCrlieb ftlr, dass sie darüber zu Grunde gingen, nicht so 
sehr unter dem Schwall der schwedischen Völker, als derer dabei 
steh betindenden Polen und also genannten Quartianer '), da keine 
Leute zum Landverderben tüchtiger sich bewiesen, als eben selbige. 

Und wann solches nicht consideriret wäre, so stand Sr. Ch. D. 
zweitens und am allermeisten fttr, dass der Römische Kaiser das 
Werk auf eine Coromunieation mit dem Churf. Collegio nahm, eine 



<) Üeber dies« vgl. Drh. nad Aotenit I S54. 



,Goot^lc 



g4 t' Braodenbarg and dis Niederlande 

gegenwärtige Gefahr mit eiuer sehr Ungeanieu Berathschlagung und 
gar keiner Htllfe abwenden, einen in agone liegenden mit Kräutern, 
so im künftigen Majo waclinen eollten, lieilen und curiren wollte; ja 
es die Handlung leicht gab , da S. Ch. D. 7.weeu dero geh. Kuthe 
bald auf einander an solchen Hof sandte '), und zwar den letzten auf 
selbsteigene Veranlassung eines kaiserlichen expressen Abgesandten *), 
wie man an sotbanem Hofe mehr dahin seine Consilia richtete, ilass 
man eine gute starke Arm^e mit der Zeit auf die Beine bringen, und 
dass selbige mit der Reichetände Willen von selbigen ehe zur Au^- 
fllhrung einiger andern Privat- Desseine, als zur Assiatenz eines be- 
drängten Freundes und ChurfUrsten des Kelchs zur rechte» Zeit ge- 
brauchen möchte. 

Bei so gestalten Haehen nun an solchem Hofe, den man am 
meisten bei der Sachen interessiret achten milsste, und da sonsten 
nirgendsher einige Ilftlfe ku vermuthen als von den Niederlanden, da 
war die Frage 1) oh die allein und S. Ch. D. mit denselhigen dem 
Werke gewachsen; 2) oder ob nicht vielmehr dieselbe zu sehwacli 
und zu spät inore solito kommen möchten; 3) ob nicht indessen nicht 
allein Sr. Ch. D. Lande, sondern aucli dero Armee (worinnen doch 
nächst Gott dero einige lieltung bestand) durch ein allschou ent- 
stehendes Sterben und andere beim Geldmangel hcrnirblickende Un- 
ordnungen daraufgehen würde, und alsdann, wie die Armee nicht 
ohne Succurs, also der Succurs nicht ohne eigene Armee hätte wur- 
den bestehen können; 4) ob, da eine Summe Geldes bei Holland so 
schwer aufzutreiben, der Succurs nicht noch härter halten mrichte; 
ja gesetzet dass er geleistet und zugereichet, ob nicht 5) nachdem 
die Anleihe mit so schweren Conditioncn beschränket worden, eben 
selbiger Suceurs, so weit er in foedere nicht determiniret war, mit 
vielen unerträglichen Bedingungen endlich Sr. Cli. D. viel härter an- 
gekommen wäre; da dann, um Preusseu zu erbatteu, dergleichen 
Rechnung und Prätensiones möchten erfolgt sein, dass nebst dem 
preussischeu andere Lande, und, einen Patienten zu erhalten, unler- 
schiedliche Gesunde nebst ihm mit darauf möchten gegangen sein. 
6) Da nun aber solches alles durch einen leidlichen Traelat abzu- 
wenden und Ruhe zu schallen war, ... ja da von Slaatischer Seiten 
Sr. Ch. D. Ministris nicht undunkel (sie) an die Hände gegeben ward, 
man möchte das gewisseste spielen, und wenn man sich selbst zu- 

>;Joh. Friedrich v. Loben- 24 August und Qeorg v. Bonin Ü. Nov. 1655. 
'J Dea kaiserlicbeo Flolkriogaratbea GrafeD v. Starheiuberg, d«r AofaDg 
November bei dem Enrräraten io PreusseD war. 



A-iOOt^lC 



Sendang Booiu's nach dem Haag. 35 

Törderst salvirte, hatte ein ander nicht gross sich zu beschweren; ja 
da 7) man steh anderweit rerlauten Uess, dass man die Kunst, da- 
durch man die Staatische Flotte einen Sommer zurückgehalten liätte, 
aucli noch wol könnte und den folgenden Sommer geschehen möchte, 
was in dem vergangenen fUrgelaufen — da nun diese Sachen also 
bewandt ... ist leii^Iit zu scidiessen, was zu holTen gewesen, wenn 
man sieh schon auf den Staatischen Succurs gesparet, bevorab da in- 
dessen die andere Partei auch nielit feierte; und, welches am meisten 
zu consideren, war eine grosse Macht aus dem ROm. Reiche durch 
Mittel der ReichsfUrsten selber zusammengezogen, so in ihren eigenen 
Landen werben und die besten Kräfte derselben dem Könige von 
Schweden naeh und nach versprachen, auch wirklich zufohreten. 

Woraus also die Herren Staaten abnehmen und zustehen werden, 
dass es mit ihrem Succurs nicht ausgemacht war und S. Ch. D. nicht 
besser, ja nicht anders thun können, als beschebener Maassen mit 
Schweden zu Iransigiren. 

Wollte man dennoch an Staatischcr Seiten eine Ruptur und da- 
neben ftlrgeben, dass der Staat auch am Rhein und sonsten Sr. Cb. D. 
hinfDro vi foederis zu assistiren sich nicht schuldig erachtete, so ist 
ihnen ihre eigene dawiderlaufende Intention, so in Art. 20 supradicti 
Alliancefoederis enthalten, entgegenzusetzen, und bliebe es ja auf 
solchen Fall bei denen in sothanem Articulo reservirelen und ausbe- 
dungenen Tractaten und Contracten. Dafern sie sich auch gar 
Sr. Ch. D. entziehen wollten, hätten sie sich fllrzusehen, dass sie da- 
durch auch nicht am Rheinstrom diejenigen zu Nachbarn kriegten, 
die ihnen von Tag zu Tag considerabler würden; da sie denn wol 
zu bedenken, welche Nachbarschaft die beste. ~ 

2) Den andern Punet anreiehend, da wollen S. Ch. D. hoffen, es 
werde an solchen Oertern zu keiner öffentlichen Fehde kommen, sieh 
auch alles widrige abzuwenden erboten haben. Weil auch dieselbe 
von schwedischer Seiten dabin informiret, es wäre der Staat in ver- 
schiedene Bündnisse mit der Krön Schweden getreten, mittels welcher 
derselbe beiden Kronen Schweden und DAnemark das Dominium maris 
baltici unstreitig zugestanden, und dass der Staat solchem zu Folge 
keine Kriegsschiffe in die besagte See brftchte, die mit dem Staat 
gemachte Alliance auch nur auf eine Defension angesehen, so wollen 
S. Ch. D. nicht vermuthen, dass es leicht zu einem solchen Fall, da 
Sie Hülfe zu leisten schuldig sein möchten, gedeihen könne; hoffen 
aueh hierbei, es würde der Staat selbst erkennen, weil sich der Sta- 
tus in Preasseu insoweit geändert, dass solch Herzogthum zu einem 

3* 
i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



36 I' BraDdenburg und die Niederlind». 

Feudo Suecico ge^vorden, dase um solcher Obligation willen, waon 
der Staat mit Schweden zerfallen sollte, S. CIi. D. Rechts wegen an 
den prenssischen Küsten, als den Schweden anitzo jure doroiaii directi 
obligiret, nicht wOrdeu assiBtiven können. Im übrigen nnd da der- 
gleichen engere Obligation sollte nach der Volker Recht das Foedus 
nicht beschränken, da wollten S. Ch. D. selbigem beständig uacli7.u- 
kommin Ihr allewege angelegen sein lassen; und könnte dieses 
auch fllr keine Ruptur genommen werden, weil die beständigsten 
Foedera per gentium jura in vielen Passibus limitiret und nicht selten 
auch ihre Etfectus propter alia foedera et pactiones magis Talidas ge- 
liemmet werden; auch in selbigen und dergleichen Fällen dem Staat 
sothaneu Rechtens sich zu gebrauchen nicht vcrdaclit werden kann. 

3) Bei dem dritten Punct hat er die Herren Staaten zu Tersiehern, 
das» S. Ch. D. allen möglichen Fleiss angewandt, dase der Art. 12 
foederis Suecici gar zurUck bleiben möchte; und hätten S. Ch. D. sich 
dazu stracks beim Anfange der Tractaten verstehe» wollen, oder dem 
Gesandten zuletzt, wie sie J. M. bis Krakau gefolget, vermöge ihrer 
Instruction darein willigen können, so wäre der Tractat in viele 
Wege unvergleichlich besser gefallen. Weil aber S. Ch. D. in diese 
Articul nicht willigen wollen, hätten sich indessen die Zeiten geän- 
dert, der König droben in Polen seine Sachen wol abgethan, also 
dass er seine grösste Macht wider S. Ch. D. wenden können ; dahero 
es dann überzahlter Maassen gekommen, dass der Tractat, sowie er 
bei solcher BeschalTenheit hat mögen gemacht werden, einzugehen 
gewesen. Ist der Articuks jemands beschwerlich, so ist es gewiss- 
lich zuvörderst S. Ch. D., die Ihre und Ihrer Alliirten Interesse hier- 
unter so wol begriffen und so lange darüber gehalten, dass derosel- 
ben hiebei bewiesene Beständigkeit fast alle andere Beschwer, so 
beim Vergleich sich sonsteu finden, möchten nach sich gezogen und 
verursachet. 

Und ist also 1) diesen Articul abzuwenden unmöglich gewesen 
nnd also hierunter dem Foederi wol so weit ein Genügen bishero ge- 
schehen, dass ohne die höchste Noth nichts eingewilliget ist. 2) So 
haben auch S. Ch. D. bei der Handlung fleissig remonstriren lassen, 
was Aas foedus hollandicum bei dieser Materie im Munde, und wie 
S. Ch. D. zur Communieation mit den Herren Staaten hierüber sieh 
verbunden hätten und demnach diesen Punct zur anderwäiligcn Hand- 
lung, dazu sie mitgezogen werden möchten, ausgesetzt wissen wollen. 
Wiewol aber solches in den schwedischen Vergleich nicht zu bringen 
gewesen, so haben S. Ch. D. doch Ihnen «olcbe Commnnication mit 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



SeodoDg Bodid'b nach d«m Hasg. 37 

des Herren Staaten mflndlich fUrbehalten; wobei man eich von Seiten 
J. Maj. dabin erklftret, man wollte Sr. Ch. D. Mittel und Wege wei- 
sen, dafs Sie. mit Ihren Alliirten dieseB Vergleicbe halber nicbt zer- 
fallen dtlrften; ja weil auch J. Maj. selbst mit den Herren Staaten 
absonderlich in gutem Vertrauen zu leben Ihr vorgesetzt, bo wollten 
Sie gerne sehen, dasH S, Ch, D. solche engere Veretändnies vermitteln 
wollten. Weil auch an schwedischer Seilen der Erhöhung wol ge- 
dacht, bishero aber dartlber noch zur Zeit nichts geschlossen, so woll- 
ten solchem nach S. Ch. D. des Staats Meinung gerne anitzo ver- 
nehmen, auch bei der Handlung, so wegen Einrichtung der Licenten 
mit Schweden annoch vorstehet, derselben bestes soweit möglich 
beobachten. Fände auch der Staat gut, an S. Maj. deswegen zu 
schicken, so wollen ä. Ch. D. aufs beste in ihrem billigen Suchen 
den Ihrigen assistiren. 

4) Bei dem vierten ist zu merken, dass, nachdem Elbing in 
der Schwedischen Gewalt gewesen, die Passage den sehwedischen 
Schiffen nicht wol hat können versaget werden. So ist auch dietselbe 
dergestalt beschränket, dass keine sonderlicho Macht oder Recht 
Schweden durch diesen Articul zugestanden. Weil auch der Hafen 
zu Fillau also beschaffen, dass keine grosse Kriegsschiffe daselbst 
durfhiaufen können, importire die verstattete Passage nicht viel, be- 
sondem es ist vielmehr der Articulus an sich selbst vergeblich. 

5) Dem fHnften Punct gibt der Art. 17 Foederis Hollandici seine 
abhelfliche Maasse, woraus erhellet, dass man den Gebrauch der 
Hafen für die Commercia an schwedischer Seilen nur allein bedungen; 
so können die Staaten auch ein anders nicht prätendiren, weil sie 
vi foederis Dominium maris haltici Schweden zugeschrieben und 
also keine Kriegsschiffe hineinbringen. 

6) Beim sechsten kann er die Herren Staaten versichern, dass 
S. Ch. D. die Alliancc, so mit den Herren Staaten getioffen, aufzu- 
beben niemalen intentioniret gewesen, also auch in den scliwedischcn 
Pactis nicht versprochen. Würde aber ralione Boruseiae Ducatus etwa 
bei begebenden Fällen einer oder ander effectus foederis ccssiren 
mllssen . . . importirle solches nicht cessationem foederis; dieselbe 
wtlrde auch daraus nicht herfliesson, besondern, wie vorerwähnt, 
cessirle nur an dem Orte der Effectus, nachdem das Land in einen 
andern Zustand gesetzt worden. 

7) Anreichend den siebenten Punct, so i t ja Sr. Ch. D. nichts 
wirklich geleistet, ja nichts zu Statten gekommen, kann also keine 
Wiedergeltnng prätendiret werden. Im Gegentheil, weil S. Ch. D. 



QQ I. Braodeoburg und die Niederluade. 

um der getroffeqen AUiaDce Willen und dasB das gemeine Interesse 
selbiger zufolge aufs eifrigste beobachtet werden inöcbte, den Trsctat 
mit Schweden bis zur Unzeit aufgelialten , in Hoffnung es wtlrden die 
Alliirteu mit Anschickung der Flotte, l^eistung der versprochenen 
Ofßciorum das Ihrige thuu, nun aber des keines erfolget ... so hitten 
S, Gh. D. deswegen vielmehr Spruch an die Staaten ad interesse 
und um Reparation des verursachten Nachtheils; gestalt solches zn 
seiner Zeit und da man an Staatischer Seiten dieser vergeblichen 
Prätension inhärircn wollte, auefindig gemacht werden könnte. Es 
versehen sich aber S. Ch. D., man darauf nicht bestehen, auch des- 
wegen wol gar nichts moviren werde. 

Sollte bei oberwähnten Dubiis ein mehres fürlaufen, darmuf 
B. Ch. D. den Gesandten nicht instruiret oder D. Weiman keine 
gnugsame Information aus den bei eich habenden Actis geben konnte, 
hat er deswegen an S. Gh. D. unterth. zu refcriren und fernem Be- 
fehls zu gewarten. Weil auch die oberwähnte Kationes, so S. Ch. D. 
zu Schliessung des schwedischen Vergleichs bewogen, alle und jede, 
absonderlich was wegen der Intention des Rom. Kaisers bei diesem 
Werk, item der befllrchteten holländischen Rechnung, im Fall es zn 
einem extraordinari Succurs hätte kommen sollen, angefuhret wurden, 
in publice und indifferenter mänuiglicben nicht mag fllrgestellet werden, 
so bat er sich desselben und alles dessen, so damit in gleicher Gon- 
sideration, behuteani und bei Confidenten zur Justification sothanen 
Vergleichs zu gebrauchen. — 



Weiman au den Kurfürsten. Dat Haag 1. März 1656. 

(BiDdrack dee EÖDi^Bberger Vertrags im Haag; Aosicht der Provinz Hollandi 
der andera sechs FroviDzeo. Holland verlangt MitlbeiluDg dee gaozen Tertrags. 
Weiman ist nicht dafür.) 
1. Man. Wesmassen und warum wir am verwicheoen 17. Febr. die Noä- 
fication des getroffenen Friedens dieses Orts gethan, solches werdea 
E. Ch. U. aus unserer letzten unterth. Belation vom 22. Februar in 
Gnade vernommen haben. Holland ist darauf die verwichene Woche 
in vollkommener Anzahl versammelt gewesen und hat die ganze Zeit 
gedeliberiret, was dieser Estat bei dem preussischen Werke weiter 
zu thun ... Sie seind . . . noch gar übel zufrieden, weiln sie Er- 
geben, sie können auf eine so generale Erklänmg nielit fussen, $oa- 
dern sie mllssteu die Articulos selbst sehen, um alsdann darnach ihre 



A-nOOt^lc 



WirküDg des Eönigabei^et Tertragi. 39 

Mause zu nehmen; Botchee erforderte nicht allein der Stylus und die 
Billigkeit, zu geschweigen so alte FreundBchaft,' sondern ihr hohes 
Interesse; Anibassaden, Equipages und ihre EaufmannsschifTe Btllnden 
alle darnach stille, das gemeine Volk murrete und echrie, und sie 
könnten dennoch nichts reeolviren, weil nie kein Fundament hatten, 
worauf sie ihre consilia grDnden künnten; mit dem gemachten Frie- 
den wären alle vorige resolutiones so sehr verrücket, als das Univer- 
sum dadurch sehr wäre verändert worden; sie wUssten nicht, waa sie 
an S. Ch. D. hätten; — über tausend Bchiffe eileten nach der Ost- 
see; sollten sie nun dieselben laufen lassen, so möchten sie in Feindes 
Hände gerathen; sollten sie sie aber mit Zwang einhalten (wie denn 
bereits geschieht) so würd solches den commerciis einen gräulichen 
Stoss geben in die Harre. Hie ersuchen, sie contestiren dannenhero 
aufs allerhöchste, man wolle ihnen commusiciren , was gehandelt, 
oder wo maus nicht hätte, macheu, dass man's erhielte. — 

Holland hat dieserwegen am verwichenen Freilage ihre Htimme 
zur Generalität eingebracht, dass zwar die schwedische Ambassade 
ohne Verzug abzufertigen, mit der churbrandenburgischen aber mllsste 
man stille stehen , bis dass sie aus dem Tractat selbst gesehen , was 
mit Schweden verhandelt. Die übrigen Provinzen hatten nun das 
Widerspiel gehalten und einmOthig dahin gestimmt, man möchte sie 
beide geben lassen, die gethane Notilication gäbe ziemlich Licht, in 
loco wQrden die Gesandten auch noch ein mehrers vernehmen ; wäre 
wol gehandelt, so geschähe E. Ch. D. eine solche Ehre zu Danke, 
wäre übel gcthan, zum Verweise . . . wie es auch ginge, es wäre 
dem Staat ohne Schaden; man mUsste sich von E. Ch. D. nicht sepa- 
riren; was man Schweden einräumete, nähme man sich selbst; weise 
Regenten sähen vorwärts und nicht zurltck, aufs Interesse, ohne 
Caprices. 

Indexe mit all dem dringen f.le nicht gegen Holland durch und wabr- 
Ecbeinlich wird dcrnuächst dorh die tchwedicc-be Oebandteehatt allein ab- 
geben; die Gesandten siod oirbt ütiermässig eirrig, dugegeji zu remonstri- 
ren. Weiman vermuthet, dyss die Communicatiou des A eitiags hu die 
GeneraUtaateii Eichon per Expressen unterwegs ist. 

Wir wissen auch nicht, obs zu rathen, dass man den ganzen 
Tiactat communieiren sollte; tausendfältigen censuris wird man sich 
unterwerfen müssen; zwei oder drei Articuln könnten auf allen Fall 
genug sein, und würde das übrige die Zeit gut mnchen. E. Ch. D. 
mUssten auch Ihre Sachen bei Schweden dahin dirigiren . . . dass die 
ankommende Ambassade merken könnte, dass E. Ch. D. bei Schwe- 



Aj.OO<^IC 



^Q I. Branrt*nhur(5 und die Niederlande. 

den und an der Ostsee noch nicht ausser Consideration wären; und 
müehte sich alsdann alles endlich wol wieder schicken. 



Weiraan an den KiirfHreteii. Dat. Haag 6. März 1656. 

(Die Geeandtecbaft nach Schweden uiut Pulen. Holland jelzt enlecbloBSen, vor- 
läufig keine Geeandlecbaft an den Kattäretco zti echicken. Uereizte Stimraaiig im 
PublicuDi. Widerrälh eine besondere GesandlBchart liach dem Haag. OharakteriBtik 
der Holländer. Uie Stellung von Eoglaod, Dänemark und Frankreiuh DauEig. 
Oerüclile über den König von Polen] 
2 Die Ocsand (schart nach Schweden und Pulen ist nun in der Ordnung, 

ihre Instruction fcitig '). Dagegeu die an deu Kurfürsten haben zwar die 
tieclis Provinzen auch jctsC noch gewollt; nlier Holland blieb dabei, „mit 
dem Friede cesHircle daü Subjectuni Legationia"; erst müsbc man näheres 
über diesen Frieden wist.cn. Und dies setzen die Uulläiider durch; den 
beiden dnzu designirten Herren wird bedeutet, „sie möchten inmitteUl keine 
weitere Koste tbun." Inzwischen ist man nurh in Holland jetzt z. Th. auf 
andere Gedanken gekommen und wird man vielleicht den audern Ge- 
sandten Instruction und Credenz anch au den Kurfürsten niltgelicu. 

Die Vonirtheile gegen deu Königsberger Vertrug siud indei>s im Volk 
hier noch sehr gross; eine expresse Butücbaft würde einen »ehr guten Kin- 
druck gemacht haben, wenn sie uumittelbar nach dem Abschluss des Ver- 
trags hier erschienen wäre. Jetzt freilich ist es schon etwas spät daza 
und die Vorurtheiie haben sich schon zu tief festgesetzt, als dass e^ viel 
helfen könnte. 

Die Wunde ist geschlagen und aunoch zu frisch, die Hand wie- 
der dran zu legen. Vieler Gedächtntse, dass sie Übel geredet, un- 
zeitig gepropliezeiet, ist noch nicht gnugsaro überzogen; und gleich- 
wie wenig Leute gerne sich in ihrem Urtheil Uberwinnen lassen, so 
werden sie sich allhie fast alle geengagiret linden, alles deromassen 
auszudeuten, daes sie in ihrem Vonirtheile nicht gefehlet. 

Der Traclat ist auch unsers unterth. Bedltnkens nicht so he- 
bchaffen, dass er nicht hier und dort unglitliche Ausdeutungen leiden 
könnte. Solches nun mit »ier Noth zu excusiren, nitichte so viel be- 
ständigen Veraciits gebären, als nunmehr das Htilleschweigen ver- 
gänglichen Geschwätzes giebet. Besser ist es, dass man an diesen 
Oertern zweifelt, ob E, Ch. D. nicht anders thun können, als dass 
man ihnen die innerliche Uumacht zeiget und dass man gezwungen 
sei. Jenes erhält annoch Respect und Furcht, dieses giebt keine 
Liebe. Dieses Volk siebet nur auf die, welche ihnen Schaden thun 

<} Seorete Resolutieu 1. 2T3ff, Aitzema III. 12530*.; vgl. Urk. und 
Actenat. HI. 92. 



^aovGoOt^lc 



Wirkung des Kömgeberger Vertrags ^\ 

kJ>iin«D. Wer sie haben will, muss für ihnen zuweilen fliehen. Wer 
ihnen Ehre thut mit der Rechten, niusB zeigen, äaf.s er mit der Linken 
ein anders tbun kann. Ihre Begierde iet so Bchwerlieh zu ergättigen, 
als ihrer viel ist, die alle ohne Ende und ohne Schranken, ohne Ver- 
nunft und ohne Erfahrung regieren. Sie sind beechwerliehe Richter, 
wenn man sie Meister machet, und vergessen gar zu leicht ihr eigen 
Tfaun an andern, wenn sie urtheilen sollen in Sachen, so an ihnen 
geschehen. 

Den ganzen Tractat zu comniuniciren publieo nomine ist gar 
nicht zu rathen; tausend ungleichen Urtheilen werden E. Ch. D. sich 
unterwerfen müssen und die clausulas concernentea durch eine be- 
sondere Gesandtschaft zu geben, wird sie so wenig befriedigen, als 
sie sonst bereite guten Theils Überzeuget seind, dass ihnen die ge- 
thane Notiflcation gnug sein kann. 

Und seind also J. Höh. ') sowol als auch etliche Confidenten 
der beständigen Meinung, es wQrd nunmehr und nach so bewandt«n 
Sachen am besten sein, dass E. Ch. D. mit der besondern Abschickung 
einhielten, und wHvd das Werk von selbst am ftiglichston wieder auf 
seine Maasse kommen, wo sie weise sein und auf keine Formali- 
täten und Papieren oder sonst zurUckselien, sondern an E. Ch. D. 
senden; und dabei wird sich's am besten communieiren lassen, welches 
hie gar zu vielen und verdächtigen Censuren wHrd unterworfen werden 
mOBsen. Viere werden eine Sache und zwarn in loco besser begreifen 
und mit einem Schreiben einen Estat zureeiite setzen könuen, den man 
mit dieser gar zu späten Ehre nur irritiren würde. Sollten sie aber 
nicht schicken und Holland wider die andern Provinzen «nd E. Ch. D. 
opiniastriren wollen, welches wir doch nicht verhoffen wollen, so ist's 
ein Zeichen, dass die Entfremdung der Gemüther so gross sei, dass 
sie nicht mit äusserlicher Beehrung, noch mit wörtlichem Anbringen, 
sondern mit der Zeit und höflichem Opiniastriren wieder zurechte 
bracht werden könnenr — 

Nun, wir stellen alles zu E. Ch. D. gnäd. Gutfindeu und zwei- 
feln nicht, Sie werden in loco alles am besten erwSgcn können. Es 
mCchte dero Abgesandter auch bereits auf dem Woge sein und das 
Werk sich alhier deroniasseu von Tage zu Tage anschicken, dass 
wir selbst anderer Gedanken würden. • 

Alles wird sich noch wol schicken, und dürfte Holland diese 
Woche wichtige Dclibcrationes zur Hand nehmen, woraus man sehen 

') Die vorwilweto Princcesiu AmHiio vun Uratiiuu, die äcbwiegormuKur 
des KorfarBten. 



A-nOO»^lc 



42 1' Brandenburi; uod die Niederlande. 

wird, ob nicitt der Eslat auf den vurigen Fuss und dahin zu leiten, 
dass Rie zwi^i^bcn Frankreich, Fjiigl»nd, Dänemark, -^hweden und 
K. Ob. D. werden snchen eine durehgehend gule Intelligenz zu stiilen. 
Viele fangen au, Behr dazu zu incliniren; der Herr Protector wUnftehefs 
sehr; Dänemark räth dazu und Frankreich wird wol ein and«rg nicht 
begehren. Wie ew aber endlich auch ausfallen möchte, so zweifelt 
uns nicht, E. Ch. U. werden Frankreich und Kngclaad mesnagiren; 
dieser Eetat wird sehr auf Kopenhagen sehen, und wo E. Ch. D 
dahin etwa sandten, so möchten Sie von daraus dieBcn Estat am 
kräftigsten lenken können. Wir vermerken auch, dass Dänemark 
viele Iteflexion auf E. Ch, U. nimmt. 

Der Danziger Abgeordneter hat bishero nur dieses erhalten, dass 
deu (ieeandten nach Schweden aufgegeben, weun's ihre Gelegeniieit 
erlitte, auf Danzig zu gehen, mit dem Magistrat von der Htadt Be- 
wandtniss und Privilcgiis zu reden und endliclien das Werk dem 
Könige von Schweden auf allen Fall bcBtennaassen zu recom- 
mandiren '). 

Die Zeitungen von des Königes von Polen Macht eeind alhie gar 
zu enorm. 

Weimaii an den Kurfllrsten. Dat. Haag 14. März 1656. 

IDie Gesandti^a bd deo Konig von Schnedeo ahger<^iel, ohne Audrsg auch Tut 
deo Kurrurateo. Warnung vor zuviel EutpegeDkoDimeo im Uiublick auf den Cba- 
racter der Holländer. Zusage einer Bpateren iiesandtscbafl von de Will, Der 
wahre Grund der MisüSliinmaug | 
z- Vor eiuigen Tagen sind die Gesandte« an den König von Srhweden 
abgereist; auch zu demKurfürsleii zu geben, haben EJe keine CommisKton; 
man scheint demnach dorh sehr diffieil fiber den Königsberger Vertrag za 
nein; Weiman räth, wenn dies bo ist, doch keine weiteren Schritte zu 
tbun, es einfArb bei der bisherigen kurzen NotißcNtion bewenden zu lassen 
und nicht „sich zu prostitiiiren und diesei^ Volk notb mnthiger zu machen"; 
die Zeit wird kommen, wo die Niederländer eicb von selbst wieder nähern. 
Gewtsslich werden sie nicht brechen, was auch der gemeine 
Mann plaudert, sondern E. Ch. D. es tongtrjuo und da Sie auf Ihrem 
Point bestehen, wol am meisten veneriren. Und solchen Falls ver- 
lieren E. Ch. U. an diesem Estat nichts; sie lieben niemand oboe 
Furcht; da sie verlieren können, da ist oder kommt ihr Herze, es 
sei ihnen endlich lieb oder leide. Holllen nun E. Ch. D. ihnen nicht 
necessaire sein, so niüchten sie ziyar nicht senden; aber es wUrd ja 
solches Falle zumal nicht zu rafhen sein, dass E. Cb. D. alsdann 

', Vurgl. äecrete Uosolutien l. 2t:i-'f. 

DqitzedüvGoOt^lc 



Wirkung dee Königsberger VertrHgs. 43 

weitere CommniiicatioD thuu und also hazardiren sollten, an diesem 
Orte gar zu liederliche Richter» zu finden in einer .Sache, da dem 
Ectat sonst nui- in zweien Puncten, die Zölle und Hafen betreffend, 
angelegen ist, und woraus doch niänniglich Occasion nehmen möchte, 
E. Cb. D. weiter und in höhern tiadieu anch gleichsam für aller 
Welt au condemniren. Dan Werk, K. Ch. D. iiohe l{e;mtation und 
Interesae ist gar zu zart, gar zu hoch, darunter etwas zu wagen, zu 
geschweigen, einen suepecten Richter zu erwählen oder einen solchen, 
der da möchte Lust schöpfen in E. Gh. D. Verlust. 

tieepri<;li mit de Witt, il«r noch imiii(.'r die besten ^utiageu gibt, 
auT MiuheiluLig des Tractateb dringt und »ersichert, dass die l'riitiei be- 
bcblusseue Amlus^iidu an den Ku^fur^t meiner Zeit Uuüh noch abgc- 
"ehk'kt werden call. 

Mäoniglicli bchreiet noch immerfort sonst, E. Ch. D. hätten ihnen 
dcD Tractat aufs eiligste eoninniniciren müssen. ^Yi^ aber repliciren 
darauf, daraus hätten sie ein mchrercs nicht als aus der Notittcation 
nehmen können; was wie anginge, wären Zoll und Hafen; wie es 
nun damit bewandt, solches hätten ihnen ihre (,'orrespondenten ja ab 
dem hellen Augenschein zum öftern geUberschricben. Und kann 
niemand viel dawider reden. Es seind nur I'rätcxtus und der Grund 
steekt darin; man kanns nach dem alten Muthe scbwerlidi über» Herz 
bringen, seinen Freunden grosse Ehre anzuthun oder sich zu verbin- 
den mit den Freunden des llaui^es von Oranien, bis man siehet, 
dass es die liöchste Noth erfordert; dahcro gehen sie gute Worte und 
thun nichts; sie sehen von einer Fost zur andern, ob nicht Schweden 
etwa geschlagen werden möchte, und inmittelst kommen sie zu keiner 
wirklichen Resolution. Was will man nun dagegen? Man muse mit 
ihnen auf gleiche Weise handeln; man muss sie mesnagiren, aber 
nicht zu viel sich drauf verlassen; sie werden wol stille halten, und 
mit dem Aeusserlichcn wird E. Cii. D. dieses thun können, dass 8ie 
dem Estat gutes thun gegen ihren Willen und die Freundschaft darin 
cvntiDuiren, lauquam aliud agendo. — 



Der Kürfüi^t an Woinian. Dat. Königsberg 16. Mäfz 1656. 

liokDDdigaag der liesandlschjfl Buuin'G. Die . 
»erlelil Rückzahlung der von dem Üeneralslao 

Wir haben aus Euern unterth. Relationen vernommen, welcher- lö. *Iar 
geslalt die Herren Staaten auf die Conmuinication der Friedensimnc- 
ten dringen. Ob Wir nun zwar Unsern geh. Kath den v. Boniu 



A-nOO»^lc 



^^ I. Brandenburg und die Niederlniide. 

hineinzuBenden und durch selbigen den ganzen Tiaelat den Herren 
Staaten commuDiciren zu lassen entschlossen, selbiger auch anitzo 
auf seiner Rückreise nach Pommern ') begriffen und dOBelbst ehist 
lieber aufbrechen wird, so halten Wir doch dafür, daes nicht wol 
bei einander stehen würde, die AUiance beizubehalten und was an- 
derweit fUrgehet von yaclien, so die Atliirte ihnen anzugehen vermei- 
nen, keine Nachricht zu geben. Und könnet solchem nach die Arti- 
culos, die das Commercium auf einigerlet Weise angehen, den Herren 
Staaten nur herausgeben, das Übrige aber bis auf des v. Bonin An- 
kunft geeparet und ausgesetzt sein lassen. Es ist nicht anders, wie 
Ihr remonstriret, dass wider die holländische Alliance nichts ge- 
schlossen. Sollten aber die Herren Staaten der Meinung sein, dass 
aus diesem Vergleich ins künftige etwas folgen möchte, so ihrem 
Interesse zuwider laufen möchte, so haben Wir es nicht intendiret . . . 
ja es bezeugen die Acta, dass die Puucta, so die Herreu Staaten mit 
angehen, aufs allerletzte im Debat geblieben und flir die Sachen, so 
in solch Interesse laufen, so eifrig und zwar länger als för das Un- 
sere gestritten. Man bat Uns ja nicht assisliret, und sehen Wir nicht, 
wie man Uns bei so gestalten Sachen, da Wir, was möglich gewe- 
sen, ein ander aber in der That wenig oder nichts gethan, noch be- 
schuldigen oder gegen Uns mit Einstellung vorbin projectirter Am- 
bassade einen Unmuth will sehen und merken lassen. ~ 

Wo Ihr im übrigen Gelder von den Herrn Staaten gezogen, habt 
Ihr sie an gehörige Oerter wieder zu liefern, wie Wir dann auch die 
Weehselzettel zurückgesandt. 



Weimau an deu Kurftireten. Dat. Haag 21. März 1656. 

[Gute Stimmaiig von Amsterdam für deo KurCürateu. Erleg zwiBcheo SpanieD 
und England; die Sielluiig der anderen Slaateu dazu.) 
'21. März. Die Differenz zwiticheo Holland und dea andern Provinzen über die 
Sendnng an den Karfürsten dauert oütb fort. „Amsterdam ist immer 
sehr cirrig und stimmet beständig dahin, mao müsse von E Cb. D. nicbt 
alitetzen, wie eg anch gehen möchte." 

Sie fangen an, das Werk von Tage zu Tage mehr und mehr zu 
begreifen, und wo E. Ch. D. sonst in den Waffen verbleiben, so 
dürfte Ihr eine solche Freundschaft ohnedas endlich wol von selbst 
zufliesseu. — 

Das Unwesen zwischen Spanien und England nimmt immer 

■} Von der Sendung au den kaiaerlichen Hör in Wien. 

i;q,t7ed^>G00t^lc 



Wirkung des Känigeberger Vertrags. 45 

mehr und mehr zu, und dtirfte niclit allein dieser Staat in den 
Commerciis zuvorderst gerlihret, sondern mit der Zeit in die eine 
oder andere Partei gezogen werden. England wird präteiidiren , sie 
mKfisten die Schiffe visitiren, die durchs Canal gehen, gestalt zu sehen, 
ob auch Waaren ron Contrebande darin vorhanden. Hie will man 
wilekee nicht leiden, und kann daraus endlieli nietil viel gutes kom- 
men, inmaassen denn der Ambassadeur >i'ieuiM>rt deswegen ziemlich 
bektlmnierlivhe Briefe an diesen Estat gesolu-ieben. Dänemark sieliet 
gleichfalls auf Engeland und Schweden am meisten; und wie gute 
Worte man auch dieses Estats .\mbassadeuren giebel, so dUrfÜen sie 
doch nicht leiden, dass dieses Staates Flotte in die Ostsee gebe. 



Weiman an den Kurftirstcn. Dat. Haag: 24. März 1656. 

|Diir«r«iiE iHiBchen HollaDd und den anderen Provinzen über die Gesandtscbnfi 
■n den Earfürsien. Dio Sendung Boiiiu's. üedenkliclie Stxltuug der Niederlande 
la den auswärtigen Mächleo; Brandt^nbarg kann tcmporiBiren ] 
Noch immer die PiETerenü zwischen Hollaad und den 6 Provinzen iiber34. Mür 
die Absendang an den Kurfürsten. 

Am Sonnabend dem 2r>. dieses brachten Depiitati denselben (den 
SchluBS der Provinz Holland) zur fieneralität ein, und weiln die Pro- 
vinzen gar übe) damit zufrieden, Holland aber dabei bestund, so 
concludirte der Präsident gegen Holland und also per nmjora, man 
Kollle die Ordres an die Ambassadeurs obne Verzug ablassen. 

Hollnnd protestirt dagegeu; indem kommt aas Danzig die Nacbricht 
TDD dem dortigen Commit'sar PeUs, dass Herr v. Bonin als karf. Ge- 
(andter nach dem Haag dort bereits durcbgerei»!t sei; es steht somit fest, 
itti der Kurfürst den Vertrag hier commanicireii lassen will, und Holland 
kann nicht mehr behaupten, „E. Cb. D. thate ihren Bhrcti zu kurz", indem 
Sie ihoen den Vertrag vorenthielten. Man wird nun sehen, was endlich 
veiter daraus folgt; im Ganzen befürihtet Weiman, duss die Gesandt- 
schaft Bouin's, wenn sie erfolglos bleibt, eher dazu dient, den Knrfürsten 
10 compromittiren, als der Sache zn helfen. 

Sonst ist der Herr Proteetor nicht gar zu sehr zufrieden mit 
dem Eatat, weil viele Leute und Schilfe, tbeils für Geld, theils zu 
rauben, draus in spanische Dienste gehen; inmaassen sich erwähnter 
Herr deswegen per Deputatos bei dem Ktaatischen Ambassadeur 
öffentlich und mit ziemlicher Schärfe beklaget. Mit Dänemark 
siebet man gleichfalls annoch nicht viel auszurichten; Frankreich 
ist vor und nach geoffensiret ; auf Spanien können sie sich nicht 
verlassen; das Volk wDrd auch nicht leiden, dass man damit an- 



..Goot^lc 



4G '■ Brandeuburg ond die Niederlande. 

schlüge. Unter sich spind sie in publicis *t domesticis sehr getbeilet. — 
Und seiiid wir also immerfort noch der i)et<tändigen Meinung, man 
könne hie nunmehr nichts bcHsers thun, ale dass man das Aeusser- 
liehe in Acht nehme, damit man nur oiTenbare Feindschaft verhüte, 
welelies denn leiohtlich zu tliun; das Innerliche ist gar zu sehr ge- 
turbirct und mag man keiner Wirkliclikeit oder Gutes sich mit Be- 
stände darob vijrseUen. — 

Diese» scind auch I. Höh. Gedanken und derjenigen aus diesem 
Entat, welche E. Cli. D. von Herzen geneigt und zugeihnn seind. 



Weimaii an den Knrftlrsten. Dat. Haag 4-. April 1656. 

(Rälii ab das gezalillc Gl-U zuriickiugeben. Die Geeandwcliiift aurgescliuben. Hasa 
gegeu Schweden und politiBcha Pläne. Gerüclite über Pläne des KurfüraleD gegen 
Jfilieli; Weimap warnt. Machinationen von CüUi und Münster.) 
4. April. Wir haben E. Ch. D. gnäd. Reseriptuni vom 16. Mart. in uuterth. 

Reverenz erhalten und daraus ersehen, wesmaaesen E. Ch. D. gnäd. 
zufrieden sein, dnss man den Herren Staaten die Articulos, die das 
Commercium angehen, vorab communieiren und sonst etwa die Gelder, 
so wir empfangen, restituiren mü^e. Können aber nicht absehen, 
dass wir, rebus ita stantibus, einige Frucht damit schaffen können. 
Man würd den v. Bonin nur damit iimtil machen, sintemal er fast 
nichts würd zu thua hnben, wenn er käme . , . Gewiss werden sie 
es für ein Zeiche» eines Unwillens, ja wol gar Trotzes und Ruptur 
ausdeuten, da man ihnen das geringe Geld, ceu in opprobrium tam 
levis cnnsilii, anitzt wUrd resfituiren '). 

In der Sache der Ocs.tndti-chaft an den Kurrür.sleii besteht Holland 
jetzt d.iranf, man milesc nnn erst die Ankunft v. Boniii'ä abwarten, and 
die nudern Provinzen lii^sen .sich das einstweilen auch gerallen. 

Der Hass gegen Schweden i.st Über die Maas.se gross ^nd ver- 
lü»st_man sich sclir auf Dänemark. — Dünemark soll sonsteu sehr 
dazu ratlien, mit Schweden coujuuclim zu tractiren. Engelaod re- 
commandiret fast ein anders nicht, und ist Holland bereits so weit 
gekommen, das allgemeine Interesse in etwas näher zu beherzigen, 
dass es heimlich Deliberationes hält, wie man sich mit Frankreich 
näher verbinden und setzen könne '). — 

'/ Näheres über die geleisteten Zahlungen findet sich io den Acten oicbl. 
Wicqaefort bist, des prov. un. [|, 411 gibt an: ,au muis de Janrier on Inj 
paya par avance ce <]u'on n'estoit tenu de luy payer qu'en Mara." 

') Tgl. Secrete Resolnlien I. 298fr. 



„A^iOOt^lc 



Wirkung Aet Königsberger Vertrags. 47 

Endlich Terhallen wir billig aucli niclit, waemaassen alhie fast 
Bberall sehr ge!*pargirct wird, K. Cli. D. halten sich mit Frankreich 
verbunden und worden gegen'» Vorjahr ins GUlirhscIic hineingeben '). 
Wie ihm nun i«t, bo niadiet's allerlei Oedankeit; viele glauben'«, 
viele nicht. Alle aber, die E. Oh. 1). einigcrmaassen zugethan, geind 
bekümmert und wünschen für allen Dingen, wie e« ge^(■hehen möchte, 
dass doeb E. Ch. D. nichts anfingen, biw etwa Schweden und Frank- 
reich selbst sich mit Oosterreieb unversöhnlich gemacht. Sollte es 
anders ßein, ho möchten E. Ch, D, nichts anders tiiun. als dass Sie 
sich ergäben ä Ift discretion so verdächtiger Freunde, welche nebst 
den Feinden endlich zugreifen und gleichsam in poenam indirecle 
erlangen würden, welches sie mit offenbarer Gewalt neulich nicht 
erzwingen können. 

Die Churcöiniscben und Mllnsteriscbeti Leute laufen albie sehr 
Itcrum und wie uns tiltnket, geben sie dem Gerüchte viel Kraft und 
suchen nicht anders nls auf allen Fall diese» Estat von E. Ch. D, 
abzuziehen. 



Wehnaii an den Kurtlii^teii. Dat. Aiimterdam 18. AjH'il 1656. 

[üfT Oeeacdte Boiiiii in AmBteriUm; im Hang or»art«l. Nieclerlüad lache laetnic- 

lioneo für die Ostsee, liuiue Ziillerliütiung DÜnnmaik in Spannung. (lerucht über 

die Zollerilijliung in PÜlau; ui^derlüniliäi'lier Agent iti Küiiigalierg; allgemeioe 

Aufregung gegen die Zollerhüliungl 

Als mir am verwicbencn Sonnabend ein Schreiben von E. Ch. D-iö. April. 
geheimen Ratlie, dem von Honin zukam, worin er seine Ankunft 
nach AmBtcrdam notificirte, so hab ich . . . mich alsfortens dahin 
erhohen, — Nun haben wir zwarn weitläufig alles überlegt und es 
zuvorderst dabin genommen, dass man . , . alle Streitigkeiten in den 
Ceremonialibus tu verhilten nur einen Miftelcharacter annehmen und 
die Ankunft im Haage bis auf künftigen Freitag ditferiren solle. — 
Ich werd meines Theiles alier vorab nach dem Haage gehen ete. 

Sonst gebet hie wenig für. Holland ist am verwichenen 
Dienstage in der Generalität ihrer ersten Meinunj; verblieben, das« 
man nämlich wegen E. Ch. D. nichts resolviren könne, bis dero Ge- 
sandter werde geboret sein. 

Für den Admiral ist die Instruction am veiwichenen Freitage 
und Sonnabend feste gestellt; das f^nielmiste bestehet darin, daes er 

') Deber diece Projecte vgl. die welter nnlen für die Zeit zwischeo dem 
Konigeberger und dem Mkrleoburger Vertrag mitinlheilendeo Acleoalüclie. 



A-iOOt^iC 



4g I. Brandenbarg nnd die Niederltnde. 

nicht Icideo sollte, dass des Staats Kaur»diifreii ungewöhnlicber Zoll 
abgenommen werden möge. WDrd nun BcUwedeii, wie färm Jahr, 
(leneelben heben wollen, 80 kommts wol zur Weiterung:. Dänemark 
lauschet sehr nach Hotland, und ist gewiss der Haas gegen Schwedeu 
unendlich gross; wiewol ioli meine» unterth. Orts noch schwerlich 
glauben kann, wo die Niederlage nicht conliauirt, daes es so grosse 
Notli habe; die Provinzen bedenken sich noch wol. 

Sonst wird hier gespargiret, in wenig Tagen wUrd ein schwedi- 
scher Licciitnieister in der Pillau anlangen und daselbst die Zölle 
verhöhen; item E. Ch. D. liSttcn unter anderm dero Ständen fQrtragen 
lassen, man möchte ».if Mittel bedacht sein, wie man die Commercien 
den Eingeborenen zubringen und die fremde natioues davon mit der 
Zeit excludiren solle. Der Staat hat einen Correspoudenten zu Kö- 
nigsberg, welcher sich daselbst heimlieh aufhält und Kuysch ge- 
nennet wird '), und wird wol derselb solche Zeitungen am meisten 
hiehiii übersehreiben. Wie nun solche beide Puncten den Kaufleulen 
ein Greuel und den Regeuten gerade wider die ADiauce zu sein 
scheinen, so giebts viel Unwillens. 



Bonin niid Weiman an den Knrfllrsten. Dat. Haag 9. Mai 1656*). 

IWarnuDg vor ZotlerliühuDg in den preuBBiachcn Häfen. Der Kurrürat möt^e sich 
nicht in neue politisch? Pläne und Verhiudungeo eiDlassen.) 
i P. S. (eigenhändig von ßonin). Wir bitten E. Ch. D. unterth., 

Sie wollen ja nicht zugeben, dass inzwischen, da wir hier behaupten, 
dass dieser AlUanee nichts zuwider gethan ist, die Erhöhung der 
Zölle wirklich geschehe und eingeführt werde, und sollten auch 
E. Ch. D. mit den Königlichen darüber etwas disputiren niUssen; sie 
können Ihnen wegen so erheblicher Ursachen auch auf vorgenommene 
Abrede ja wol so viel fügen; mit einem Ufschub ist nichts genommen. 
Wir wollen das Werk alhie so fuhren, dass die Notli beigebracht, 
das gemeine Interesse gezeiget, die Communication gethau und das 
Mitbelieben und Gutfinden erhalten und also die Conditiones Art. 12 
erfüllet und Erliöhung justificiret werde. Wo man aber ohne Er- 
füllung der Requisitorum wirklich verfahret, so wissen wir hie keinen 
Bath, das Werk gut und ufreclit zu erhalten. Man machet aber hie 

') Wul derselbe, den ohne Nennnng aeices Namens auch Aitzema III. 1264 
erwähat 

') Id Betreff der Haopt Verhandlungen in dieser Zeit genügt es anf die nnten 
B. i 30. Jqdi folgende Oesammlrelation Booin's zu Tertreisea. 



Aj.OO<^1C 



Die Frnge <ler Zollpthühniitr in Preiipspn. 49 

ein Gesclirei, das« tlie Erhöhung sehon feste gesetzef und bald ein- 
geftihret werden MIe. Wir wollen es nii-ht hoffen. 

Sonst können in schuldiger Treue wir auch zu rathen und unterth. 
V.U bitten nicht nachlassen, E. Oh. D. wollen sich an keinem Orte 
weiters engagiren. Die Ursachen lassen sich nicht wol schreiben. 
Es scheinet aber, daes sich eine starke Partei formire, und ist E. Ch. ü., 
wo jemals, itzo gerathen, freie Hände zu behalten und Bedenkzeit 
zu nehmen, dieselbe Frist aber wol zu brauchen und nützlich anzu- 
wenden. Und dieses wird zu E. Ch. D. Kuhin und Ehren hei 
tnänniglich geschehen, wenn Sie sich bemühen, in solcher Bedenkfrist 
zwischen Schweden und Holtand die Differentien beizulegen und zu 
einem gewissen Vergleich zu befördern, zwischen Polen und Sctiwe- 
den Frieden zu machen und im Köm. Reich denselben zu erhalten. 
Wenn E. Ch. D. mit Ihren Truppen und Unterhalt derselben gute 
Ordnung machen, können Sie mit starker Hand operiren und zu die- 
sen Dingen grosse Beförderung thun ; damit sein alsdann ein und andere 
E. Ch. D, Actiones justificiret, worauf sonst viel widrige Judicia fallen 
werden; und Sie werden an alten Orten wol gethan haben, was die 
unterschiedene Pflichten erfordern. Wenn man alier schon wUsste, 
dass es umsonst und verloren sein würde, so kann doch der blosse 
Willen und ernste Versuch E. Cli. D. nicht anders (als) zu hohem 
Ruhm gereichen und nicht allein Ihre vergangene, sondern auch 
künftige Actiones justificiren. — 



Job. Copes an den Kurflirateii. Dat. -Haag 30. Mai 1656. 

IBcscIiliisde in Folge der Itoniu'Bclicn (iesauiltBchurt. England und eeio Zuspruch 
uiirdas Untfreut-huDgsrecbl zur See. HolländiBche BuBorgniese wcg^n derlotiuiital 
Kwischen Eogland und Schweden. Die Zölle in Pillau.] 
Bon in ht am Ihßb. Mai abgereist. ■— 3ü. Hai 

Und hat Holland pro voto eingebracht, dass ihrigen jetzo zu 
Marienburg in Preussen anwesenden Gesandten möchte uffgegeben 
werden, E. Ch. D. Interesse ebenfalls als der Kronen Polen und 
Schweden zu bcobn<>1iten. So ist ebenfalls bei Holtand und demzu- 
folg bei der Generalität coneludiret, die jetzo hie int Vlie und ander- 
wärts fertige 22 Kriegsschiffe nach dem Orizunt, daselbsten eins dem 
anderen einzuwarten, ausgehen zu lassen; da denn der Admiral 
Lieutenant Opdam ... die Commercien ihrer llnterthanen freien und 
alle neuen UfHagen, so man denselben abfordern möchte, behindern 
sollte. — 

M>t« I. Ui..ch. d ür KurniRWu- Vll. 4 



^düvGoot^lc 



FfQ l. BrniideiibuT^ nnd die Niederlande. 

Man erfälirt, dasB der Hen- Protector annodi gar Übel zufrie- 
den bleibt, dass der Comniandeur de Iteuter das gpaniBcbe Hillter 
nach Holland gefllhrt habe, und da liiepi^cs Estats zu London resi- 
dirender Ambassador Herr Nieupoort bei Ihro Hob. Audienz er- 
baUen und dolirt bat, dass die englische Sdiiffe desselben Reuters 
Flotte, dem Gebrauch zuwider, hätten viailiren wollen, ist der Herr 
Protector dabei bestanden, dass es billi;^ liätte gcsdieben oollen '), 
und wird vermuthet, dass sic's in Engeland noeb dahin richten wer- 
den, alle Kriegsi^ebiffe sowol als andere- KnntTabrteischiffe zu visitiren; 
welches dennoch hiesigem Estat unnUiglich ist zuzustellen. 

Die grosse Jalousie über die zwischen England und Schweden 
gepflogene Handinngen zu London eontinuirt bie immer, und flieht 
man zumalcn ungern, da^s der Herr Protector ungenclitet des bollün- 
dischen Ambassadors Kieupoort's allegirtc Kuiu der schwedischen 
Armee dennoch mit <Ieni scbwediscben Gesandten Bont absonderlich 
und ohne Beisein seiner Käthe immer conferirel. — 

Gestern kam bie eine Zeitung, als ob in der Pillnu der Zoll ufT 
ein Viertentheil verhöbet wäre ; weil aber die jüngsten Danziger 
Briefe vom 7/17. bujus nichts meldeten, habe icb's grosse Ursacli ge- 
habt, selbiges zu widersprechen. — 



Weiman an den Kurfllraten. Dat. Haag 6. Juni 1656. 

[EteBoInlioD der GeneralslnateD nur die Booin'Hchp Proposiiioo RniL, iu dtr Zoll- 
Bacli<? die Niederlüuiler ?.a Bcboueii.| 
i. Boniii ist abgereist, Weiman eiwnitit, «as Uit- St;ialeii von Hiillaiul 

auf das Memorial vom 4'. Miii Lctr. die Erhjiliuii^ drr Zölle resrilvircn 
werden. Nun spriclit sich Holbiid über die Sa be jelir eiiti^chicden ans — 
„man könnte und wollte zur Verliöhniig der Zölle ntclit co-.Kscntireii" -■) und 
die Generalität möge eine solibe Antwort erthrilcn. 

Und waren im übrigen die GcmUtber sehr verbittert und ver- 
woiTen gewesen, indem sie sich ersten Anfangs in den scbwediscben 
Tractat nicht gar zu wol schicken können. — 

Endlich ist's zur Generalität eingebracht und daselbst über das 
Werk abermalen gedeliberiret worden. Viele der Provinzen waren 
mit der botlSndischen Resolution nicht zufrieden; andere sagten, man 
möchte das Werk, aber es mit gelinderen Worten sagen. Holland 



') Vgl. Wicquefort 11. 432f. Aitzeraa in. ]2!)5. 

■} Secrete Resolatien I. 312r. der BescbluBB der Staateii von Ballni 
vom 23. Mai 16&6. 



A-iOOt^lC 



Die ZulIcrhÖlniii!;. Ciomwoll \iw\ i1ns DiilorS'm-liiini?rccli( /in- Scp. 5| 

wollte alier niebt wciclien, tmd wir uiiecrs Orts sahen dem Haiiticl 
oline grosse Bewegung zu, weil wir wol gepelicii, dass wir uns nur 
prostituiren und mit unsem Ofßciis docli gegen Holland nichts aus- 
richten würden. . . Und ist's also endlich dahin ausgefallen, dass die 
Generalität zwar hier und dort ein scliarfes Wort verändert, aber im 
Übrigen sieb mit der boll. Indischen Resolution gcconformiret, dahero 
auch per majora gescbloasen hat, man möchte es dabei bewenden 
lassen und nicht allein uns, sondern aucb des Estafs Gesandten zu 
Marieuburg sotbanen Schlu^s zustellen; inmaassen auch gesclieben '). 

Inmittelst können wir's wol ennessen, dass E. Cb. D. des Wer- 
kes halber und was Sie der Zölle halber und sonst zu tbun, in nicht 
geringem Zweifel stehen werden, und wissen fast nicht, was wir 
darunter gehorsamst rathen sollen. Das Volk ist alhier langsam, 
gealteriret und wunderlich, und weil ihnen das Zollwerk an di© Seele 
gehet, so wird man ihnen so schlechter Dinge darunter schwerlich 
etwas überreden können . . . Wenn aber dennoch sie grossen Lar- 
'men machen, aus der Allianz springen, vielleicht zu Thätlichkeit und 
der Ruptur verfallen könnten, so wäre es unsers unterth. Ermessens, 
gowol fllr Schweden als fUr E. Ch. D. das rathsamste, annoch zu der 
wirklichen Verhöhung nicht zu schreiten, sondern damit noch eine 
Weile stille zu stehen, in der Güte zu handeln und also zu verbllten, 
dass man sie nicht zu wirklicher Hoatilität irritirete. Ihre Macht ist 
nicht zu negligiren und kann man sich deren wol erwehren, wo man 
nur gelinde mit ihnen verfahret. Sollten sie aber einmal Iiinein ge- 
awungen werden, so dürfien sie gar zu gefährlich werden. Der Vor- 
theil aus den Zöllen wird auch so gross nicht sein, sonderlich da von 
hieraus die Kaufleute zurückbleiben, dass man darum sich zu einer 
soleheu Feindschaft nöthigen sollte. Die Zeit wird doch alles bringen 
und erstatten. — Warum sollte man sich rebus dubiis so viel Feinde 
ohne grosse Koth über den Hals ziehen? 

Nun wir stellen alles zu E. Ch. D. gnäd. Outfinden und zweifeln 
nicht, Sie werden Ihre Mesures nach Ihrer eigenen Macht zu nehmen 
wissen. Auf andere sieh zu gar zu verlassen ist so gefähriich als 
in Staatsachen jemandem zu traueu. — 



') Aitzema Ilt. 12M., die ResolutioD d«r GeDeralstaateD dal. 4. Juci 1^6. 

4* 

i:a,t--r.d .*^-.00<^lC 



52 I- Brandenburg und Jie Niederlande. 

Weiman an den Kui-ftiraten. Dat. Haag 20. Juni 1606. 

[Die Gefalir Tür Dansig. Rolland eutsclilo^sen dnasclbe nichl iu st^hwedUehe 
Hände kommen za InSBeoi Hoflnaug auT die anderen Mächte. Nur Holland nicht 
durch ZollerhöhuDg reizen. EnglaudB Erklürnng,] 
-20 Juni. Die Staaten von Holland stehen iu eifriger Berathuiig über die 
preussiscben Angelegenheiten; man hält tie aber sehr geheim. 

In hohem Vertrauen iet's uns sonst gesaget, man sei einmOthig 
d6r Meinung, man wolle und könne die Stadt Datizig nicht lassen, 
sondern. daran sein, dass dieselbe iu eehwedisclie Gewalt niclit kom- 
men niöge, sollte man aiicli mit der Moscau, Polen und Tartaren sich 
verbinden und gegen Schweden die Waffen aperto Marte zu Wasser 
und Lande annehmen müssen. Wenn solcher Ort verloren, so wären 
ihre Commercia verdorben und E. Ch. D. glciclifalls in schwedischer 
Gewalt. Dieses alles nun meritirte, dass man Gut und Blut wägete, 
um's abzukehren, und wOrd man keine Extremitäten scheueu, wie es 
auch ginge. 

Iu diesen) Sommer wird man „mit der Flotlo uiid Gt-Id" D;in2ig zu- 
nüchst conserviren können; in^.wischen koniint Mosrnu auf die Beine und 
wird den Schweden zu schaffen machen; auch auf den Kaiser und Däne- 
mnrk reflectirt man; aber zunächst wird mnu nur den König von Schwe- 
den dnrch die Gesaudten ermahnen lassen, von Danzig abzustehen. — 
IlHnptsäcliHch warnt Wciman, der Kurfürst niögo sich mit Schweden 
verbinden oder nicht, es keines Falls zu einer Erhöbunt; der Zölle kommen 
zu lassen, als dem etiipfindlichsten l'nukt für die Holländer. 

Der Protector in England hat erklärt, wenn die Oeneralstaaten rarlei 
gegen Schweden nähmen, könne er nicht umhin, diesem zu helfen. 



Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 23. Juni 1656. 
23 Juni. Der Scbluss von Holland ist abulich wie oben aaegefaUen; Danzig 
müsse mit allen Mitteln gerettet werden; 60 auch Brandenburg, „auch 
gegen seinen Dank"; die ticRandten des Staats in Marienburg sollen ent- 
sprechende Anweisungen erhalten '). — Bei der Generalität aber ic^t es 
noch zu nichts gekommen. 

Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 27. Juni 1656. 
27 Juni. Holland ist jetzt bis zum 12. Juli auseinander gegangen; inzwischen 
„trottiret" die Sache durch die Provinzen, deren Stände allseits versammelt 
sind; viele aber sind gar nipht so resoluter Meinung wicllollnnd; Sei'land, 
Friealand, Groningen, Oberjssel wünschen viel mehr Traetaten als ernst- 
liches Auftreten and wollen uichts von Absenduug der Flolte wissen. 



<) Secrete Resolutieu I. 321 ff. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



Gefahr für Dunzig. RelatioD fioDio's. 53 

Relation des geh. Raths Georg v, Boiiin von seiner Sendung 
an die Generalstaaten. Dat (30. Jnni) 1656 '}. 

iReiHe und K«ie«iibetiteu«r. FroposllJua im Haag; vorsicblige Behandlung des 
Gesubäfli Erttn VooSeteaz niil den Lltpatlrten der Generaletaaleo; MiltheiluDg 
VCD zwei ArtikGln des Konigebergcr Verlrags. Weitere Forderungen der De- 
putirten in den nüchflen Confereiizen. Die Gesandten »illigcn endlich in Vor- 
lesung des ganien Vertrags, weigern aber Abscbrifl desselben; zuleUt wird für 
eidige Artikel Abschrift zugelassen. Die Schwierigkeit wogen der Zölle in den 
preuseisclien Häfen. Artikel Xlll. des Känigsberger Verlraga und die nieder- 
ländischen Bedenken dagegen. Abreise Bonin's.l 

Arn 'S. März von Königsberg abgereibl; nm 6. in Elbing, wo er über 30. 
den schwedischen Reichskanzler uirht antrifft und, da er sich mit ihm be- 
s]irechcn soll, sich zu ihm nach Marien biirg begibt; er iheilt ihm seine 
t^e^dung iiaeh Ilolhnd mit und bespricht shh weitläufig mit ihm über 
Krieg und Pulilib. Der Kauzler Tcrhandelt eben wegen Uebergabe des 
äcbloi^eeä Marienburg, und Bouiii ht beauftragt, mögHcbst milde Bedin- 
gungen für die dort befindlichen polnischen Herren, Jacob We; her und 
tiuldensteru zu befürworten. 

Auf ilem weitem Weg wird er »on einer schwedischen streirenden 
Failei von fiO Mann aufgegriffen und nach Putzig geführt, aber dort als- 
bald von deoi Cunitnandantcn wieder freigegeben; indess hal er unlerwegs 
noch vielfache Verzögerung uud gelangt erst am 29. lAärz noch Stettin; 
daa:i geht die Reiiie über Hamburg und Bremen nach Amsterdam, wo er 
am 13. April ankommt; erst 22. April begibt er sich, nachdem er mit 
Weinian alles verabredet, in den Haag. Es folgen die üblichen Audien- 
zen; am 25. April legt Bonin seine Pioposilion ab (vgl. die Instruction 
obeJi p. 29 ff.). 

Kr bescbliesst gcnicinsara mit Weiman, den Vertrag mit Schweden 
nicht sofort in forma und öffentlich mitzutheilen, sondern sich Commissare 
dazu zu erbitten. 

Auch haben wir, besorgend, dass aller unserer gebrauchten FUr- 
sicbt ungeachtet unsere PropOBition offenbar gemacht werden machte, 
gut gefunden, die Gravaniina, bo £. Ch. D. gegen den KOntg und 
Krön l'olen lange Zeit gehabt und noch haben, in der schriftliehcn 
Proposition auttzulaseen, damit wir nicht an dem Ort darüber mit 
den polnischen Mioistris in Streit gerallien möchten; haben aber bei 
Verantwortung des Articuls von Gebrauch der Häfen, wie auch deseen 
von Participation des Zolles viel Gelegenheit gehabt, der Könige von 
Polen PrfiteuBiones auf die preussische Lande und darauf entstandene 
Gravamina zur Genüge kund zu machen. 

Verschiedene Besuche der im Haag anwesenden Residenten uud 
Minister. 

Der polnische hat nachdenkliche Discurs und Reden geführt 

') GesammtrelatioQ nach seiner Rückkehr. 

DqitzedüvGoOt^lc 



54 '■ BraadenbuTg uod die Niederlande. 

mit einer ziemlichen Schärfe, docli nicht »n sehr Beines Königes oder 
anderer wichtigen Sachen halber, als wegen seines eigenen Unwillens, 
uacli dem zu verstehen gegeben, dass er bei seiner letzten Anwesen- 
heit zu Derlin nicht nach Gebühr gehalten worden. 

Den 211. sein wir von Uepntirten von Staaten General durch den 
Agenten zur C'onferenz erbeten worden. Die Depntirte sein gewesen 
Herr Schooeke, Gellersman von Kommel, Herr Berentrecht, 
ein Holländer von Dort, Hr. Veth aus Keelaud, Hr. von der Hoolcke, 
Bürgermeister von Utrecht, Herr Wickel ein Friese, Rtpperda 
aus Oberyssel, Herr Hchulenburg wegen Groningen und Umtandc. 
Bei dieser Confcrenz hat der erste von den Depulirten uns angetra- 
gen, dass sie von Staaten- General zu der von uns vertrösteten näheren 
Couimunicalion de« Tractats mit Schweden verordnet waren ; wollten 
demnach dieselbe von uns erwarten. Worauf wir uns anfänglieh 
erkläret, dass, ob zwar E. Ch. U. Wort, indem Sie sieh vnn neuem 
erklären, dass Sie der schwedische Vergleich nichf hindern sollte, die 
Freundschaft und Alliancc mit diesem Staat beimbehalten, ihnen 
allerdings genug tein könnte, Sie auch neque ralione pacti neque 
excmpli gehalten wären, fernere CoitiniunicMtiun zu thun: ^o hätten 
Sie uns dennoch gnäd. befohlen, die Articulos conccrnentcs mitzu- 
theilen. E. Ch. D. in tragendem nonderbaren Vertrauen zu diesem 
Staat würden kein Bedenken haben, ihnen den ganzen Tractat zu 
conimuniciren, wenn solches nicht 1. gegen die mit 1. Kön. Maj. von 
Schweden genommene Abrede laufen thäte, und dass solches nicht 'J. 
anderen in Freundschaft verwandten ein gleiche» zu prätendiren Ur- 
sacb geben würde, und dass 3. der Traefat dadmcli leichtlich zur Un- 
zeit offenbar gemacht werden dürfte. Darauf sein der 9. und 12, 
Artieul verlesen und examiniret worden, wobei wir denn behauptet, 
dass dieselben der Allianz mit dem Staat nicht entgegen und zuwider 
liefen etc. (s. die Instruction). 

Wenig Tage hernach sein wir abermal zur C'onferenz gefordert 
und hat man uns däsmal angetragen, der Staat wollte nicht curieux 
sein, Dinge zu wissen, welche sie nicht angehen, auch ungern etwas 
verhängen, welches uns an anderem Ort zu schädlicher Consequenz 
gereichen könnte; begehrten demnach von uns nicht mehr, als wir 
möchtcD die extrahiret übergebenen Artieul solchergestalt uuterscUrei- 
ben, dass dieselbe sich also lautend in dem schwedischen Vergleich 
finden und dass in allem übrigen nichts enthalten wäre, welches ihre» 
Staat anginge und per directum oder indirectum auf ihre Allianz 
konnte gezogen werden. 



^aovGoOt^lc 



ReUtiun Bonin'e, 55 

Zu dem ersten, dasg eich nämlich diese Artioul im »cliwediechen 
Tractat also befumk'u, crkiiliteii wir uns ungeweigert, nahmen das 
andere zu bedenken, wozu sie uub denn, weil eben die Kiriness ein- 
fiel, Zeit genug: liesüeu. leiier diese begehrte Untersclirift waren wir 
dazumal im Kalii nielit allerdings eini^'; mir war die Untcreelirift fast 
bedenklich, war deshalb Sinnes, dass wir die Artieul vom H. bis 
zum Vi, iiiel. communiciron wollten und wegen der übrigen alsdann 
die begelirte L'ntersehrift tbun. Herr Weiman hatte dagegen erheb- 
liche und wichtige Bedenken '), welche ich neben den meinen aufge- 
setzet; dieselbe brachten wir an I. Höh., deren Gutachten darllber zu 
vernehmen, welche hierin zwar keine Maass geben wollten, inelinir- 
ten gleiehwol dahin, dass man das wenigste, das man kennte, vor- 
zeigen, zu nnnüthigeni Streit keinen Anlass gehen. und vielen für- 
witzigen Leuten und nnbäniligen Mäuleru nicht Gelegenheit machen, 
E. Ch. Ü. Actiones zu syndiciren und cavilliren. Endlich resolvirtea 
wir zu einer Unterschrift, wie ... beilieget'), Hessen darauf den 
.'t. Mai HU unsere Sachen Erinnerung thun und, dass wir einer aber- 
maligen Confercnz erwartend wären, vermelden. Die Conferenz ward 
folgcuds gegeben, dnbei präsentirten wir jetzt gemelte Unterschrift. 

■\Vir wurden auch Itatlis, wegen Erhöhung der Zölle das Memonal 
Nr. 4 bcigefllget zugleich mit einzureichen, in Meinung den Staat da- 
durch allmälig zu Gebung seines Consensus zu gedachter Erhöhung 
zu engagircu. . . . Mit dem ersten, nilnilich der begehrten Unterschrift, 
meinten wir dem Begehren wegen Commuuieation der Artieul ein 
Genüge getban zu haben. Deputirte wollten damit nicht vergnüget 
und zufrieden sein, nieincten, die Unterzeichnung wäre gar zu ge- 
neral, sie könnten darin die ihnen nothwendige Sicherheit nicht fin- 
den; Hessen sich, vernelimen, dass sie in etwa Nachricht lUtttcn, dass 
in dem Tractat ein Artieul von Aufhebung voriger Foedcruni und Pac- 
toruiu enthalten, welches wegen sie nicht anders als sehr besorgt 
sein könnten. Wir, als wir solches vernahmen, sagten, dass sie 
dessen wegeu ihnen gar keine Schwierigkeit oder Sorge machen 

') Dia Molive beider ausgeführt als Ueilago. 

') „Die (.'liurbraudciiburgiBcbe ahgesaadten Rüllie erklüruD hiemit . - - uivht 
ulltiin dass obateheade beide Arlicul conunuoicirler Maaeseo io dem scbwedi- 
acheo Origiiia)vergloivb gloichlauieod bufundun werdeo, und daaa ia allem uodern 
nii'bts ciithaltcji, welcbus wider die mit diesem Slaat aufgerichtete AlMaoce 
liiuft, iiuJ (laas E. Uli. D. luteiilian bei Sclilioasung geniSlten Tractata geweaen 
- iiimnaBseo Sia solches den KÖnigl. Schwedischen ausdrürklicb geaaget — von 
dieser Alliancenicbt abzutreten." Dat. Grarenhage 4. Mai 1G56. Qoorg Bonin. 
D. Weiman. 



^aovGoOt^lc 



Q^ l. Braaileabur); uod die NiederUnde. 

sollten; es wäre ein solcher Articul in dem Tractat, derselbe aber 
g'inge sie und ihre Allianz im gerin^eten nicht an; waren hald bereit 
ihnen demselben lesen itii lassen, deuteten ihn auf den Maiienbnrgi- 
schen Trnetat, auf dasjene, was ich vielleicht in damals liabender 
Coiumission zu Wien und Herr Hchlezer in Kng:elnnd möchte getban 
liabcn; wozu uns der Context des Articuls, als welcher in etwa zwei- 
felliaftig: gesetzt ist, zu Stalten kommen '). Zeiyeten ferner an, dass 
uns eine soictie Unterschrift, wie sie dieselbe begehrten, gar schwer 
und bedenklich fallen wljrde; wir mtissten gestehen, dnss wir mit 
Leuten zu thun hätten, die Urkunden und Verträge wol zuweilen 
weiter extendirten, als des Gegeniheils Meinung gewesen; die Minutien, 
die wir mit ihnen wegen der Gränze in Pommern abgehandelt, hallen 
uns davon etwas erfahren lassen; wir könnten dafltr nicht gut sein, 
dass sie nicht dernialeins auch mit ein oder anderem Wort und Clau- 
Kul dieses TractatK weiter, als unsere Meinung ist, möchten gehen 
wollen, könnten also auch unsere l'nlerschrift darauf nicht richten, 
dass vel per directum, vel indirectum nichts gegen diesen titaat sollte 
können angezogen werden; von Wr. Ch. U. Intention aber und dass 
dieselbe in keinem >;;tUcke der Allianz zuwiderliefe, davon wollten 
wir sie zur Genüge versichern. 

Hierauf hat man gefragel, wie es denn um ihre Allianz stehen 
würde, wenn dergleichen etwas geschähe. Wir haben geantwortet, 
y. Oh. 1). wollten hotfen, dass Hie sich binfliro in solchem Stande 
würden halten können, da^s Hie sich nicht mehr einen contortiim sen- 
sum Ihrer Worte dltrfcn aufdringen lassen und da, wenn Sie einen 
l'ingerbreit versprochen, eine Handbreit würden geben müssen. , . , 
Wenn in diesen Sachen über Verhoffen dergleichen Trätension der- 
nialeins aufkommen sollte , un<l Sr. Ch. D. Macht, die Billigkeit 
und Ihre Meinung zu behaupten, zu kurz fiele, würden sie alsdann 
zutreten und dasjenige thun, was der Allianz gemäss ist. 

Wir seind hierauf in Gesprüch kommen von fernerer C'omnmnicAtion 
der Articul, wobei wir uns nicht ungeneigt dazu linden lassen, wenn 
sie uns einige Hieherheit zeigen könnten, dass die Articul nicht soll- 
ten divulgirct werden. Darauf haben sie geantwortet, sie wollten sie 
in geheim halten, so viel die Form ihrer Kcgierung, die uns bekannt 
wäre, leiden könnte- Darauf haben wir gesaget, wenn sie die Articul 
in die Provincien schicken müsstcu, so wären sie schon auf dem 
Wege, da sie in die ganze AVeit gehen wUrdcn. Sein darauf abereins 



') Arl. JUll ü«s Kouigsljerger Verlraga. 

DqitzedüvGoOt^lc 



Relation Boaio'a. 57 

von einan<ler geecbieden und haben bald darauf veitraulich erfahren, 
dass man uns zumuthen werde, die Communication des ganzen eehwe- 
dieehen Traclats zu thiin. 

Oi) nun wol untei-schiedliehe ans der Herren Staaten Mittel I. Höh. 
gerathen, Sie sollten die hepehrte C'omniunication nicht geschehen 
lassen, dieselbe aiicti gar stark der Meinung gewesen, dass es nicht 
geschehen sollte und nifissle und uns dawider hoch ermahnet: ko 
haben wir gleichwol erachtet, dass wir von dem Zweck dieser Ab- 
sendung und denen, dazu zu gelangen, uns vorgeschriebenen Mitteln 
und Wegen nicht so weit abschreiten und, was uns darin zu thnn 
befohlen, unterlassen ditrften, sondern haben resolviret, dass wir zwar 
anfangs den Deputirten abereins remonslriren wollten, wie so gar 
ihnen die Wissenschaft oder so genaue Nachricht von den veraccor- 
dirten Articuln nicht nöthig wÄre, E. Ch. L). aber in viele Wege 
schädlich sein könnte, und dass dannenhero sie in dieselbe zu drin- 
gen nicht Ursach hätten . . . Auf den Fall aber, da wir befinden 
wtlrden, dass sie dessenwegen Übel vergnügt sein und bleiben möch- 
ten, haben wir entschlossen, den Deputirten nach vorher genommener 
Zusage, dass es in aller Stille und geheim sollte gehalten werden, den 
Traetat zu lesen zu geben, aber keines Weges Copei davon zu ertheüen, 

Haben darauf um fernere Conferenz, um dieses Negotium zur 
Endschaft zu bringen, angehalten, welche uns den 10. Mai gegeben 
worden. Und als wir bald bei Anfang derselben gemerket, dass die 
Herren Staaten ohn fernere Communicatinn nicht vergnüget und zu- 
frieden sein wtlrden, haben wir uns in loco resolviret, dieselbe so 
gar stark nicht zu verweigern und »ie uns doch endlich abdingen zu 
lassen, sondern um so viel freier und runder mit ihnen zu gehen, 
uns dazu in der ersten Antwort zu evklfiren, aber mit solcher Vor- 
rede: dass, ob zwar E- Cli. U. aus jetzt obengesagter Considcration 
dazu nicht verbunden, wir deunonh wUsstcn, dass dieselbe ein so 
grosses Vertrauen auf diesen Staat hlitten, dass dero Willen nicht zu- 
wider sein wtlrde, wenn wir ihnen den ganzen Traetat sehen und 
verlesen licsscn; wir bäten aber, dass sie es unter ihnen behalten und 
nicht weiter möchten kommen lassen. Worauf sie anfangs um Ab- 
schrift baten; als wir aber dieselbe gänzlich abschlugen, haben sie 
die Verlesung zu hören angenommen und vcrBiirochen, sie wollten 
mit demjenen, was wir ihnen weiter communiciren wUrden, solcher- 
gestalt umgehen, wie sie mit ihren allergeheimsten Sachen zu thun 
pflegen, nämlich keine Copei davon machen und es auch in die Pro- 
vinzen nicht gelsu en lassen. — 



^aovGoOt^lc 



58 I' Brandsoburg und die Niederluode. 

(Dann eine Reihe von Vorerinnerungen s. Instruction.) Hierauf 
liabeu wir ihnen den ganzen Traetnt klar und deutlich verleben, wo- 
bei sie denn ein und andiTH, so ihneu nachdenklich flirkommen, wie- 
derholen laiJKon, daiifeibe unleiKucliet und erwogen. Als nun die 
Verlesung solchergestalt durch und zu Ende gebraeltt, haben wir mit 
den Ueputirten über ein und andere der Hauptfragen in diesem 
M'erk etwas controverfircn luüssen; ale wegen der Durchzüge zu 
Wasser und Lande, Gebrauch der Häfen, Erhöhung der Zölle ... es 
ueind aber vitr dasmal die Sachen nicht gar genau und auf da8 
schSrffHte untersuchet, sondern in Kürze übergangen worden und sein 
wir darauf abcrciua von einander geschieden. 

Am 13. Miii verab^ihifdct >i('b Butiiu bei den Ueticriilütaateg in 
feierlk-hiT Audii'uz — 

und wurden wir um die .Mittagszeit ersucht, um f) L'hr mit den De- 
putirten nm-liniaU in eine Conferenz zu komme», bei welcher uns 
Herr Beverling proponirte, wir möchten ihnen Abschritt von den 
8. 10. 11. 13. 21. und -li Articul erthcilen und ihnen beständig: und 
versichert sagen, oh nach diesem Vergleich E. Ch. D. auch noch etwas 
anders mit Hchwcden gctractiret und beschlossen hätten. Wir ver- 
sicherten sie, dasa dieses letzte nicht wäre, wie^erlioletcn wegen des 
ersten vo ränge zöge ne rationes, dass es ihnen nicht nutze wäre, wider 
die Abrede, die wir deswegen mit dem Könige von Schweden hätten, 
liefe und uns hei andern, die dergleichen prätendircn möchten, z)i 
Hcliädlicher Conscqucnz diciicD könnte. Als wir aber sahen, dass sie 
darauf bestehen wlirden, gaben wir ihnen die Articul in die Hände, 
sagend, sie möchten dieselbe so fleissig als sie wollten lesen und 
liessen, jedoch gleichsam wider unsern Willen geschehen, dass sie 
dieselbe abschrieben. Und gefielen ihnen etliche Articul nicht, weil 
sie dunkel und zweifelhaft gesetzt, welches wir nicht sehr stritten, 
sagend, dnss solches durch L. Ch. D. Gesandten, die das Werk tvac- 
tiret, Klugheit und Adresse geschehen wäre, damit wir anitzo oder 
ins künftige unsere Worte nach der Billigkeit und unserer Intention 
cxpliciren könnten. Als sie uns viel dawider zu sagen haben woll- 
ten, antworteten wir, dass, wenn einem so beschwerliche und gefähr- 
liche Kriegesmaclit für den TliUren stellet, man alsdann nicht so sehr 
Uher Worte scrupuliret und die Zeit verleuret, sondern auch wol in 
realibus, was immer sein kann, eingehet und naehgiebet; liessen uns 
auch vermerken, dass, wenn sie in solchem titande gewesen wären, 
sie bei solchen Gel^hrlichkeitcn vielleicht unsere Interesse und die 
Allianz so genau als wir gethan noch nicht müchteu beobachtet uod 



Relation Bonin's. 59 

ihre Tractaten darnach aufgehalten haben; gingen auch endlich so 
weit, dacs wir sagten, uns wäre nicht unbekannt, welcliergCRtalt 
aodere vornehme und müclilige Staaten w»! ehemals Dinge eingangen 
wären, die sie seiher wider die GcliUtir und Rechte zu sein gefunden 
und mit nichts anders als der damaligen Noih entscliuldigen und gut 
machen konnten; zielelcii damit auf den Act von Seclusie dee Hausex 
Oranien im englischen Tractat. 

Dann weiter Veihundlung über einige Ärtiki'l, die iSlelluiig des Kur- 
fürsten zu SrbHcdcn u. n. helrcITeiid (8. 9. lU 21 24 ), welche die Ue- 
sandlen als uiiHnrechtl^ar bebaiipien. 

Die Erhöhung der Zölle eigentlich betrefTend, da hat man sie 
anfänglich erinnert, dass dieser Artieulus auch bei Aufrichtung der 
Allianz flir unbillig wäre gehalten worden, und dans sie E. Ch D. 
dagegen nichts wiedergegeben und erstattet haben. Ho wäre auch 
die Erhöhung darin nicht eimplicitcr und in perpetuum verboten, son- 
dern nur dabS es ohne gewisse Hcqnisila nicht geschehen sollte, näm- 
tich nicht ohne btilie Noth und ihre Bewilligung. Die Noth wäre nun 
vorhanden gewesen, üzo geschähe die Coinmunicatiim, und diUkMc 
also ihr Conbeiie unzwciflieh erfolgen; nnd wäre zn prüfuiniren, dass, 
wenn die Kationes whrden bekannt gemacht sein, sie ihren Cousens 
nicht weigern dDrftcn; da sie ihn aber weigerten, könnten sich 
S. Ch. Ü. an dasjenige, was absque ratione oder contra ratlonem ge- 
schähe, nicht verbinden lassen. S. Ch. D. würden auch wol dahin 
sehen, dase Hie die Erhöhung nicht so weit gestalteten, dnee die 
Cummcrcia dadurch gehindert nnd gedrllckct werden, welches denn 
auch Ihr Vortheil nnd Ihrer Lande Interesüe nicht sein wUrdc. 

Art. 13 ginge sie gar nicht an; denn derselbe dispoiiii-tc, dass 
die Focdera und Conventiones sollten gelioben sein, welche dem 
schwedischen Tractat zuwider laufen. Nun hätten wir erwiesen . . , 
dasB in dem schwedischen Tractat nichts enthalten wäre, welches mit 
ihrer Allianz nicht zusammenstehen und vereinigt werden kannte; 
also hätten ü. Ch. D. den 13ten Articul auch nicht inter eoucernenteE 
gerechnet. — 

Deputirte setzten dagegen, dase sie sich auf diese unsere Worte, 
gegen ao klare Dispositiones des schwedischen Tractats, picht ver- 
lassen könnten ; wenn Ü. Ch. D. ihre Allianz hätten beil>ehHltcn 
wollen, hätten Sie bei dem Art. 13 leichtlieli ein l'aar Wort setzen 
können, dass die holländische Allianz bei ihren Kräften bleiben sollte. 
Die Clausuln in dem schwcdiuclieB Tractat wären zu liai-t und zu 



A-iOOt^lc 



gQ I. BraDdenburg und dio Niederlande. 

klar gegen sie, könnten neque grammatice neque juridice so, wie wir 
meinten, expliciret werden. 

Wir gestunden dessen gar nichts, goudern behaupteten steif und 
feste, dass in dem schwedischen Tractat nichts gegen ihre Allianz 
wäre. -- 

Nachgehend» war hei uns die Frage, ob ieh, ßonin, den Be- 
BchluFs der VersÄmmUing von Holland abwarten wollte. Wir funden 
ee aber nieht geralhen, besorgend dans es das Ansehen haben würde, 
als wenn ich etwas gesuchet und niclit erhalten habe; nahm also an 
gehflhrcniien Orten meinen Abeohcid und machte mich reisefertig '). 

Am 25. Mni Abnisc hus .lern Haag; am 21). Jani kommt er in PMlau 
au, von wo er sWh iiHch Biilge i^um Kurfur^^teii begibt, ^-cine Relation ab- 
zulegen. 



Weiroati an (Jen Kurfürsten. Dat. Haag 4. Juli 1656. 

[riroespr VAfvr gegen Schweden. Däaeinarh uod RuBBlniidj 

Hier continuirt mich immerfort der l'nwUle gegen die schwedische 
WafTen; Klein und Gr<is8 eifert, Regent und Unterthan. Und gleich 
wie Holland fast die Kratl des tStaates In sich begreift, so hat's mit 
seiner Kesohition, die es neulich genommen, ein solch Nachdenken 
an den 8taat gegeben, dass die Provinzen Theil nehmen in ihrer Im- 
pression und von Stund zu Stund, die eine für der andern, sich con- 
formiren mit ihrem Vorschlage'). Ks mag niemand dagegen; und 
wer ein anders etwa in Bedenken geben wollte, der machet sich nur 
verdächtig . . . Friesland und Gelderland haben gestern darunter die 
Resolutiones ihrer Principalcn mit grossem Eifer eingebracht. Von 
den andern erwartet man desgleichen. — 

Aus Dänemark siehct man wol so viel, dass derselb König 
Lust zum Spiele bekommen dflrfte. Der Muscowitische Gesandte 
war noch nicht weg, sondern fertig, Aber See wieder zu seinem 
Herren zu eilen. Hie wird er nicht kommen, und ob man zwar vor- 
gibt, er Uab deswegen vom Czar keine Ordre, so ist's nicht ohne 
Nachdenken, dass er zu Königsberg ein anderes gesagt. Vielleicht 
hat man ihm zu Copenhagcn gerathen, er möchte sich mit Reisen 
nur nicht lange aufhalten, sondern zu seinem Herrn eilen und nur 
berichten, was er gesehen, was er gehöret . . . damit man solche 

') Die oflicielle Aulwort der GctieralfitaateD auf die üouia'sclie Soadang 
eifulgt erst a. d. 4. Juui hm. Aitzem« UI. 1364. 

-) NämlicU dcu Vorschlag zu lirnfiiger UlirteisluDg für ünnzig. Sccrete 
ßceol T. 321. IT. Aitzema III. 1267. 



^aovGoOt^lc 



HolländiBche Slimmnng gepoii Schweden Marieiilinrger Riindnias. ßj 

Leute nur je eher je lieber in's Harniscli bringen njiMjbte gejren Liv- 

laml. Die Ambassadeurs tlieses Estats berioliten von dannen in Dal. 

25. Juni, dem sohwedisoUen Residenten wäre gar niebt wol bei dem 
Werke. 

Weimaii an den Kiirfllröteii. Dat. Haag 11. Juli 1656. 

[Irreaulntes Verhalten der Niederländer seit dem lirandeiibtirgisclieii Abkiimm<'n 
mit Kthweden. KIn Bruch mit den Schweden ist nawahrsehclnlicli; dies ial auch 
dos Interesse des Knrrüralen ] 
Da» neiic Äbknmüien des Kürrürelcn mit den ätliwcden be.'chärtigt 1 ■ 
nach wie »or de olTentli he Meinung sehr pcinl cli ') — 

Wobei sie denn auch wol niebt leugnen krmncn, dass sie durch 
ihre Langsamkeit und tinziemlidies Proeedere grosse l'rsaolie gege- 
ben, dasB E. Cb. D. eine solche Resolution gefasset. So weiss ieh 
fast nicht, ob ich glauben werd, dass von ihrem Werk endliehen eiu 
auders als Tractaten folgen sollten. Zwarn poltert man annocb gar 
sehr und rufet mfinniglieb; Verderb llher Schweden! wie deun aucii, 
dass E, Cb. D. sich nur denensciben zum Knechte gcmaeliet. Die 
KlUgesteo aber, auch in Holland, fangen an in etwas zurltckzusebcn 
und darnach zu lauscben, dass nmn zu lange gewartet und dass nun- 
mehr das Uebel so sehr eingewurzelt, dass die Remedia firger fallen 
müebten als das Böse. 

Daher non nichts als ein äugstlicliet^ Uinlieitiippen; man will mit dem 
Paiizigcr Gesandleii in Verhandlung treten, ob er tneinl, dass die Flotte 
jetzt schon austauron soll und wa.« Dauzig selbst zur Suche thun will; aus 
allem zeigt sieb, man hat keine rechte Lust mit Schweden zu brechen; es 
wird nicht allzu schwer hnllcu, slih mit den Niederländern in gutem Ver- 
nehmen zu erhalten. 

Uns zweifelt nicht, Schweden eelhst werd dabei auch am besten 
fahren; denn wozu solle man sieh einen so schweren Feind über den 
Hals ziehen, da doch der Zoll schier nichts geben wird, wo die Hol- 
länder aus der See bleiben? Bringet man sie einmal in die Waffen, 
sie möchten wol bo bald niobt wieder in den Schlaf zu wiegen sein. — 

E. Ch. D. werden aueli Ihren hoben Theils ohne allen Zweifel 
dazu alles eontribuiren ; Bttndniss, alte Freundschaft, das elevlselie, zu 
geschweige das oranische Interesse rathen dazu von selbst; kfvnie es 
zum Bruch, das alles wUrde gar zu viel dabei leiden niUsseu. Unter 
der Hand laufen bei den härtesten die Gedanken schon dabin, wie 

') Das Marieuburger Bündniaa vom 15. Juni IG.'ilJ. Anzeige und Rechlferli- 
gnng desselben h«i den General-Staaten in dem Schreiben des Karrürsten dat. 
Königsberg G. Jnli 1666 bei Attzema III. 1280 ff. 



A-nOO»^lc 



62 '■ Rran<li'nl>nrf und die NicJcrlandiv 

man mit CIcvc und mit <Ieti Qbelzufriedenen Stünden eich rcrhalten, 
mit Pfalz-Neubur* anschlagen, die Cülniüclie Liguc ampicctiren und 
dergleichen Dinge thun sollte, welclie nach vielen und gefälirlichen 
Weiterungen scliniecken. l'nd wollen wir also rerboffen, man werde 
diesen Leuten dem allgemeinen und allerRcitigen bcsondern Wesen 
zu bohem Besten alle tbunlidie Satisfaction geben, zum wenigsten mit 
frcundlicbem Thun deromaasnen begegnen, dass man sie nicht mit 
Gewalt zu Estreniifäten zwinge. Wir unsers untertb. Orte, Bondcriich 
aber auch I. Hob. arbeiten alles Fleisaes daran, dass man sie noch 
immerfort in terminis halte und nichts ron ihnen getlian werde, wo- 
mit die Sache zwischen beiden irreconeiliabel wcrd. — 



Weimaii an den Kuifürsten. Dat. Haag 25. Juli 1606. 

[Sclinaokende Stimmnog in deo Niedcrlaiiden.l 
'i. Juli. Die Frage wird noch immer von Holland und den nndero Provinzen 
erftrtert, v\e man sirb in der preussischen Angelegen lieit zu stellen habe. 

Inmitlelst seiud echier alle Provinzen ziemlich schweniifltliig und 
protestiren bei ihren Advisen, man müsse sich nicht präci)ntiren gegen 
Schweden zum gefährlichen Kriege, sondern .... sehen, dass man 
durch gütliche Tractaten aus dem Werke komme etc. — Daeu 
durfte es endlieb kommen, dass sie alle bescbliesseu werden, man 
müsse und wolle Danzig fUr Gewalt und für schwedischen HAuden 
bewahren und zu dem Ende mit Volk und Geld der Stadt assistiren. — 
Männiglich wOnsehct, dass E. Cb. D. sich entweder polnisch oder 
neutral gebalten hätten, und wenn wir darauf anweisen, dass Sie sol- 
chen Falls entweder ein Selave der Jesuiten und Barbaren oder 
praeda victoris werden müssen, so bilden sie sich ein, sie wUrden 
£. Ch. D. zu allen Zeiten haben können garantiren, und sagen an- 
noch, auch in Holland selbst, sie werden doch dahin trachten, dass 
sie E. Ch. D. retten, sollte es auch wider Ihren Dank sein. — 



Weiraan au den Kurfilrsteii. Dat. Haag 1. Aug. 1656. 

flmiDür noch die Frage der Bilfleistung für Danzig. Man wüoBClit dem Eur- 
rüraten Datier zu treten. Die Ostseeflotte liat den Sund pasBirt Dänemark.) 

Noch keine Einigung unter den Provinzen, ob man Dimzi^; mit Uewalt 
beizustehen habe oder nicht. Holland ist der Ansicht, dass Schweden 
einen solchen Beistand nicht einmal für einen Bruch halten könne, well 
die Kiederinnde znm Schutz D.inzig's durch alte Verträge verpflichtet sind. 
Andere (Seeland) bezweifeln dies. 

Sie bereuen sehr, dass man E. Cb. D. nicht besser gemesnagiret, 

i:q,t7r.d .,.*^nOO<^lC 



Dio Frage der Bilfieiptiing für Hnnzlir. 63 

und kann man soliier nicht Ba^en, wie viel wunderUelier Geilaukeii 
ihnen in die Köpfe kommen, wodurch aie venneinen, E. Cli. D. wie- 
der zurückzuziehen, welches sie salvircn nennen. Sic dürften heim- 
lich jemand echicken, um mit E. Ch. D, reden zu l:)sgen, und viel- 
leicht Herrn Dogen, weiln dei-selb auch in ihren Pflichten ist. Für 
uns gedenkt man's zu verbergen, weil wir zu nichts al» zu guten 
Tractaten mit Schweden ratlicn. Sie wünscheteu die l'illau in ihren 
Hunden und sagen, sie könnten dadurch Occasion hahen E. Ch. D. 
auch gegen Polen und Moscau zu defendiren, da es .Schweden un- 
glfk-klich gehen sollte. — 

Die Flotte ist am 22. Juli in die Ostsee nach Danzig gelaufen, 
und E. Ch. D. Abgesandter, der v. Kleist'), bereits zu liamburg 
gepassirct. Der König von Dünemark hat dem Herrn von Üpdani 
seine Ordre geschenket. 



Weiman an den Kuifllrstcn. Dat. Haa^ 8. Aug. 1656. 

Seclnml bleibt bei peiner 0|)|n)Äitioii gegpii die liiillämlisrlien Vursrhliigc S. Aug. 
uiiil Hill, d.'isE mnii iiiclil brotlic ohne Notli; c.'; wird dnliri von Weiiiinn 
■Ulli Copes unterstützt. 

Der Küifiiiat an Weiman ii. Dügeii. Dat. Hauptqiiartier zu 
Warschau 7. Aug. 1656. 

[Sie sollen in den NiederliiudL-H eru?l!ich vor dem Knicli mit Schweden «aroen.J 

Ob Wir wot der gewisHcn HoflTiiung leben, dass die Herren 7 Äug 
Generalstaateu sich eines andern bedenken und mit I. kön. Maj. und 
der Krön Schweden nicht lirechen werden; in Betrachtung dass 
I. Maj. ihnen alle Satisfaction geben, auch die Interpoeition zwischen 
der Stadt Danzig gestatten und alles, so zu Beförderung und Nutzen 
der Commereien dienet, eingehen wollen: so befinden Wir doch nöthig 
zu sein, dass solches an gehörigen Orten erinnert und vorgeslellet 
werde. — 

Ergehet derowegen l'nser gnäd. Befehl hiemit an Euch, Ihr 
wollet an allen dienlichen Orten solches behörig renionstriren und 
Euch dahin bearbeiten , dass Ihrer Maj. obige Erklänuig nicht aus 
Augen gesetzt, sondern acceptiret . . . werden möge. Sintemal ') der 
König in Polen alle seine Macht olincapabel siebet, ^ui'ch WaiTen 

') Ewald V. Kleist als 
', Ton Lier ab im CoDCe 
kannlfin K an Blei band. 



A-iOOt^lc 



64 I Bi-andenhor^ und die Niederlande 

- etwas Fruclitbarea vor sicli zu thun, zu Friedenagetlanken kommet, 
der Fürst aus Siebenbürgen und Cosacken die schwediselie Partei 
nunmeiir auch enibrassireu, dass also der Moscowit^r Elfort bei to 
wo] versehenen Rilstiingen uiclits wirken mücbtc, und die Sdiweden 
durch die geschlossene Allianee mit dem Protectore leiclitlieh zu des- 
|)araten Resolutionen bracht werden künnten; welches Uns sehr leid 
sein würde. 

Joli., Copes an den Kurfiirsten. Dat. Haag 22' 12. Aug. 1656. 

(Die Schlacht bei WRracli.iu. Eiodi'uck derselben im Huag] 
32. Ang. Vovgestern ist durch Briefe ans Warsciiau vom 1. Aug. die Naehrichl 
von der Schl.iclu liei Warschau eingetroffen '). Gratulation, 

Man ist hie nit so allerdings über diese Victor! erfreuet, indem 
mau immer in diese Gedanken beliarret, I. M. von Schweden diesem 
Estat nit zugethan, die Commercien au sich ziehen und die Stadt 
Danzig seiner Macht zu unterwerfen Vorhabens sei. Dannoch da 
man bei letzter holländiecher Versammlung die Forlschickung dei 
nach Danzig destinirten 1500 Mann urgirte, haben melircntheiU Pro- 
vincien damit still zu stehen beschlossen, wobei es dann auch vi 
blieben und Zweifels oline bei dieser grossen Veränderung der Haupt- 
sache wol ferners bleiben wird. So will man auch die 12000 Rth. 
monatlich derselben Stadt nit ehe zahlen, man ersehe dann die Com- 
mercien an schwedischer Seiten trihulirt und dieselbe Stadt wirklich 
angefochten. — 

Denen zu Elbing oder Marienburg hiesiges Egtats anwesenden 
Gesandten ist zugeschriebeu, die in a. 1040 getroffene schwedische 
Allianee zu erneuern, wenn uur I. M. oder dessen Commissarii scbrifl- 
lieh approbiren die Acte declaratoire , so unter ihnen ist ausgewech- 
selt worden, und hätten sie sich nit so genau an die Worte als wol 
an die Sache selbsten zu binden. — 



Weiman an den Knrfiirsten. Dat. Haag 22. Äug. 1656. 

[Die Schlacht bei Wurachau; Glückwunsch. Die Niederlaude geneigt sich mit 
Schweden zu vertraget) ^ die Gesaiidtechari in i'reUBaeu ] 

-23. Aug. Wir danken unserni Gott mit Frohlocken, dass er E. Ch. D. 
Waffen gesegnet, und erfreuen uns iu Ihrem Glücke, indem Sie nebst 
I. Kön. Maj. von Schweden so herrlich obgesiegt wider Ihre Feinde, 

■) Die Schlacht bei Warschan 38—80. Juli 165G. 

i:q,t7od^>GoOt^lc 



Die Scblacht bei Warschau. 55 

Der Bimmel wolle weitern Begen geben, damit Ehre und Friede er- 
stritten werde, das Ziel aller gerechten Waffen ! Und daaa alle 
E. Ch. D. Actiones bis in Ihr hohes Alter so glücklich sein mögen 
in guten SucceBsen, als Sie einen immerwährenden Glanz werden 
nehmen von einem so gesegneten Anfang in dieser Ihrer Jugend! 
Was einige Ehre in ihme hat, ist hie darüber mit uns erfreuet. Der 
Staat selbst, wie viel Nachdenkens er biBhero gehabt hat gegen das 
Mhwedische GlUck, scheint doch E. Ch. D. zu congratuliren, weil sie 
nan für einiger Zeit schon angefangen, was leiser einherzugehen. — 

Am '20. kam alhie die glückliche Zeitung an und war am 
17. Aug. bereits beschlossen, wie die Beilage meldet '). £. Ch. D. 
«erden daraus genugsam bemerken, dass man zu keinen Extremitä- 
ten will, wo man einigermaassen sonst aus dem Werke kann. — 

Dieseut nächst seind die Ambassadeurs zu Elbing gleichfalls be- 
fehliget, auf einen schleunigen Schluss zu dringen, in Cunformität 
obiger Resolution. — Gewiss ist's gemclten Ambassadeuren zu Elbing 
vioil ein rechter Ernst, also dass sie deswegen hei vielen alhie und 
bei der dänischen Ambassade nicht wenig angeschehlet (sie) werden. — 



Joh. Copes an den Kurfürsten. Dat. Haag 19J29. Aug. 1656. 

jCiinsIiger VerUuf dtr VerLandluiiReu mit Schweden. Schwedische Zollorhöhmig. 

Ans Eaglaud. Fliegeodea Blatt über die ScIiUcht bei Warschaa.! 
Die Gesandten au^ Elbiug berichteo, dass die Schweden äuseerBt ge- '2!). Äng. 
neigt tiud, mit den Nii;derlanden die AllUiice zu enieuera ,,und dieses 
Eitats Uutertb;inen nit höher als eioige andere Nation, auch die am we- 
Digsteii beschwert würde, anzus'-hliigea." Man itit hier sehr verguügt 
diiriiber, obgleich es anderiseits frappirt bat, ,,weil vor wenig Tagen die 
aus Liv- oder Finnland liommende KaufhchiETe klagend berichten, dass man 
per Last einen Kth. die Zölle verhöbet bat." 

Der Gesandte Nieupoort berichtet aus England des Herrn Pro- 
lecloris Eifer, die protestirende Partei in Preussen und Polen vorzu- 
stellen, und wie er zu dem End mit dem Königl. schwedischen Ge- 
Bandteu deliberiret, die Mittel auszußnden, die Widerwärtigen einzu- 
halten. 

Die Danziger bemühen sich, die Stadt Amsterdam und andere zu 
tbun glanben, dass Warschau noch in polnischen Händen sei. Wir 

') Fehlt; auch in den Secrete Resolutien. Gemeint ist jedeDfallB der 
Entwarf eines Handda- and Schiffahrlavertraga zwiachen den Niederlanden und 
Sehwedeu, den Aitzeraa 111. 1276 miUheilt, und der an 17. Aug, na die nie-' 
dvrliiidUchcn Ccauiidleti iu Pieussen abgeschickt wurde. 

lUtn. I. Oncli. d. Ot. KuniiHen. VII. 5 



.yGoot^lc 



gg I. BrandeDbnrß und die Niederlande. 

haben aber, Urnen selbige Gedanken zuinal zu bcnelimen, dieses bei- 
gehends in Druck ausgehen und in deu Provincien hinc inde, wie 
auch den roroehmsteu Städten, schicken lassen ') 



0. V. Schwerin an Weiman. I)at. Königsberg 11. Sept. 1656. 

(Aus Weiman's Tagebllcbevn.) 

[Der russische Qeetudle; seiLe InsoleuE; Bein Auira? Preuaaen als ruBsiecheB 

Lehn zu erkeouen. Ablelmcudu Autwart des Kiii-rüreleii; das Ziel der (irfiissi- 

Bcheti Souvifräuilüt-l 

11. Sepl. Ein Gesandter des Mo.'^conitisi'liGi) Cz.'ireii i^t jetzt hier nnil hat 

heule seine zweite Audienz gi-liabi, der Sibwerin Ijelgewolinl- 

Wollte Gott, mein Herr hätte mit angehört, qua arrogantia et 
obetinatione derselbe Mensch die Beleiliung gesucht, und zwar iisdeni 
conditionibiis, wie es i)ei Polen gewesen. S. Ch. D. haben eine 
Excuse naeli der andern getlian, warum Sie Bich hierauf nicht resol- 
Tiren könnten, es wäre eine Sache von grosser Iniiiortanz, S, Ch. ü. 
mUssten sich mit itireu Herren Vettern bereden, die bierin iiitcrossi- 
ret wären, und dann mit den Heiren Staaten, mit denen Sie so ge- 
nau verbunden wären, dass Sie ohne dieselben das geringste nicht 
dieser Lande halber tractiren könnten. Das vorige hielt er vor ganz 
keine Consideration; wegen der Staaten aber schien oa, dass es ihm 
gross Nachdenken venirsaelite ; fragte,' ob S. Ch. D. wol ohne des 
Königs von Polen Willen eine Alliance machen durften; und S. Ch. D. 
hätten sieb vor den Staaten nichts zu nivehten; sein Czar wäre ein 
so grosser Monarch, dnss er gegen sie S. Ch. D. wol schützen wollte, 
hätte Geldes genug, mangelte ihm nur eines Hafens, so wollte er 
Schiffe genug bauen lassen und sollten andere Schiffe daun wol weg- 
bleiben. Wollte endlich wissen, wenn keine anderen Difücultätcu 
vorhanden oder weggeräumt wären, ob S. Ch. D. wol Lust hätten, 
unter seinem Cznren zu sein? S. Ch. D. konnten seiner Übel quitt 
werden und sagten, Sie stünden mit deu Herren Staaten wogen der 
Garnison in der Pillau in Handel . . . könnten also ohne dieselbigcn 
hiebe! nichts thun; hätten sich auch resolvirt, dieses Land hiufflro 
TDD uiemandem zu recognosciren. 

Und auf dieses letztere, dilucht mir, wird man wol endlich die 
Consilia richten müssen .... ich sehe nicht, was daran fehlen sollte, 

'} Belllegend ein im Haag gedrnckleB Flugblatt (2 Bit bl. 4'): Kurtxer 
Bi^richt von der | herrlichen | VIÜTOHlt: ~ etc.; worüber weiterhin bei den 
KriegBSCten zam J. 1656. 



^düvGoot^lc 



Die Zumullinngen dea Moacowitera. Gefahr für PreusaeD. Q'J 

du8 S. Cb. D. sich nicht jetzt in prietinain huius regionis libertatem 
wieder setzen sollte '). 



Der Knrftlrst an Weiman xm& Copes. Dat. Königsberg; 
15. Sept 8t. n. 1656 (conc. Schwerin). 

lOefSbriicbe Lage der Dinge in Preuaaen. Die Moacowiter in Livland; der 

ruMitclie Geasodte io Köoigeberg; Aoapnich anr die Leiioehobeit über Preusaen. 

Die GeuerBlstasren solleo eraacbt werden, ihre Aulorilät gegen den.CzBreu 

geltend tu machen] 

Nachdem die Sachen dieser Gegend mit der Zeit sich ziemlich 15. Sept. 
gefahrlich beginnen anzulassen, so haben wir der Nothdurfl zu sein 
enaeseen , Euch desfalls Nacliricht und Befehl zu geben , wohin Ihr 
Euere Xegoriatiou der Orten zu richten habet. Und ist es nun wol 
an dem, dass endlich auf Unser unaufhältliches Anhalten I. Kön. 
MaJ. Tou Scliweden sicli also, wie mitkommendes Project ausweiset, 
[so llir aber nicht äussern wollet, weil es sub fide silentii communi- 
ciret) verglichen *). Wir müssen aber sehr befürchten , dass es wol 
ui spät sein möchte, indem der Muscowiter mit solcher Macht in Un- 
land gegangen, dass nicht wenig zu besorgen, solches bald ganz ver- 
loren werden dürfte; Uberdeni er auch mit den Polen allem einkom- 
menden Bericht nach sich schon verglichen und mit denenselben ein 
Theil seiner Arm^e conjungiren und in diese Lande gehen will *). 

AVas derselbe auch vor weitaussehendes Dessein haben mag, 
könnt Ihr hieraus leicht abnehmen, dass er einen Gesandten (der 
sieb hei der Audienz ziemlich insolent erwieseu) an Uns abschicken 
und begehren dürfen, dass Wir das Herzogthum Preussen von ihm 
tu Lehen recognosciren sollen, und solches zwar daher, dass es ein 
Pertinens des Grossflirsteuthums Littauen sei. Dieweil nun dieser 
Nation Manier wol bekannt, dass, was sie einmal begehren, sie mit 
Gewalt zu behaupten suchen und ... sie leicht durch die grosse 
Macbt, so sie anjetzo beisammen haben, diese Lande, von deren 
Grenzen sie nur etzliche Meilen sein, infestiren könnten: so habt Ihr 
dieses alda beweglich vorzustellen und dahin Euch eifrig zu be- 
mBhen, dass man von dannen aus ein wachendes Auge auf die mos- 

■) In eioero gleichfalla in Weiman'a Tagebächero eDthaltenen Antworta- 
•chreibeu dat C. Oct. 16011 achreibt W. ao SchweriD: „icb hoffe bald die 
Z«it in erleben, daaa ich E. Od. als viodici libertatja nostrae, Stiftern unserer 
Sonverainität, xa coDgratulireo habe." 

*} Wol der Elbinger Vertrag s. die Note auf p. GS. 

', Der WaOeDatillat&nd swiachen Ruaseo und Polen (laWiloa) erfolgle erat 
•in 24 October 



^düvGoot^lc 



58 I- Brandenbarg nod die Niederlande. 

cowitiscbe Pro^ressen liaben und die Consilia dahin richten wolle, 
dass dieselbigeo in ihren alten Gränzen verbleiben und durch ihre bo 
nahe Nachbarschaft die ganze Christenlieit nicht in Schrecken und 
Rtetige beschwerliche Furcht gesetzet werden niiSge. 

Anfangs wdrde nicht undienlich sein, dass sie ein Schreiben an 
den Zaar abgehen liessen und von demselben hegeiirten, dass er l'us, 
ihrem Foederato und dem sie auf allen Fall assi&tireo niUssten, wie 
auch Unsere Laude schouete und sich als ein Freund bezeigete. 
Dergleichen Schreiben ist zwar schon vor diesem abgegangen; tlie- 
weil es aber schon vergessen sein mag, die Gefahr auch nunmehr 
viel grösser, so wttrde die Reiteratio sehr gut sein; wenn es aber 
nicht wol eingerichtet werden sollte, wäre es besser, dass es nach- 
bliebe. Und, verhoffen Wir, werden sie kein Bedenken tragen, an 
ihre Flotte Ordre zu ertheilen, Uns auf allen Fall zu assistiren. Da- 
gegen haben sie nicht zu beftirchten, dass hiedurch die Schweden zu 
grosse Advantage bekommen und nachmalen ihnen wegen ihres In- 
teresse auf der Ostsee keine Satisfaction geben sollten; sondern Wir 
wollen ihnen bei Unsern Churfilrstliciien Worten versiehern, dass Wir 
hierin nebst ihnen stehen und nimmer zufrieden sein wollen, bis die 
Schweden ihnen alle gebührliche Vcreiclierung gegeben. — 



Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 19. Sept. 1656. 

[Der ElbiDger Vertrag. Das TerhältnUs von Dunzig zn demaelbeo; die aat 
Daazig beEÜgliche Claasel Die Holländer dem KurfiireteD daukbar lur äea 
Vertrag. BesorgDiBse vor der ruBBiscben Macht; die hoiläudiecbe GesBodtechiTi 
JD Dänemarli. Nachrichlen aua EoglaDd.) 
19. Se(>t. Seither meiner letzten unterthänigsten Relation . . . ist alhie sehr 
wenig fUrgelaufen, und ist Holland zwar nunmehr bei einander nnd 
komplet, ihre deliberationes aber quoad publica stehen fast stille und 
warten auf den endlichen Ausschlag der Elbingischen Tractaten. 
Was nun darunter die verwicheue Woche eingekommen, solches zei- 
get der Beischluss, und weilen man daraus das Werk fQr so gut ah 
beschlossen meinet, so ist man gleich über die Maassen frohe, uod 
wfinschet das ganze Holland gut und bass ein anders nicht, als daas 
die Ambassadeuren den Traetat wBrcklich geunterschrieben hätten '> 

') Der sogeDannte Elbioger Vertrag vom 1/11. Sept. 1656 ivischeD 
Schweden aad den Nieder tan den, worin die Bandeia- and ZollangelegeDheiien 
iu der Ostsee iniacben den beiden Nationen geregelt nerdeo aoltteo. Er irt 
vn g«drackl, Aitiema III. 1274 ff. Dumont VI. 2. 147 u.a. 0. 



A-nOO»^lc 



Die mOBCowi tische Gefahr. Der Eibiager Vertrag. 59 

Sie vermeinen auch, weilen ihnen nachgehend kein contrarium man- 
datum, sondern viel mehr ein gewieriges zugekommen, sie werden 
es endlich gelhan hahcn, und dass also der ganze Handel geschlossen 
und beigelegt seie. Zwar hat der Danziger Abgeordnete getrachtet 
ein wenig dagegen zu brouilliren uud zuletzt auch auszuwirken, dass 
ihr Terrilorium mit eingeschlossen und der Stadt also das Haupt 
gerestituiret werden mi'ichtei man hat ihn aber genugsam uud damit, 
dass sie für Danzig mehr als genug gethan, abgewiesen, und erwartet 
man also bei den nächsten Posten das unterschriebene Tractat zur 
ßatilicaliim und wird darauf die Ordre angezweifelt ergehen an die 
Flotte, dass sie wieder zurückkommen solle. Damit aber nichts rer- 
sAumet werde, ist gestern geresolvierl, man solle auf allen Fall und 
zum CebcrfluBS an die Ambassadeurs reecribiren, wo sie Über Ver- 
muthen noch nicht gesubseribieret, dass sie ohne langen Verzug es 
thun und sich an der Danziger Consens- oder Dissensum nicht stoseen 
sollten. Und baltens die Kiügesten mit uns daftlr, man hätte selbe 
Sta^t darunter nicht viel fragen müssen, weilen man wol wisse, dass 
sie ÖlTentlich anders nicht würden thun können, als contradicieren; 
innerlich wBrden sie aber wol ein anders nicht wUnschen, als einen 
Schluss über ihr Wissen, damit sie sub praetextu necessttatis und 
dass man sie verlassen, Polen, da sie sonst viel Gertlchtes für ge- 
macht, zur Seite setzen und also mit einem guten Scheine das Mittel 
ihres Heils angreiffen möchten. 

Ueber der Clausul „salva" etc. ') seind alhie auch unterschieden 
considerations fUrgefallen, und sein etliche in dem Gedanken, es sei 
eine contradictio in adjecto dabei uud würd' ins künftige nichts 
als Streitigkeit dabei zu erwarten sein, und dass dahero wäre 
besser gewesen, die Stadt entweder in explicitis termiois gar 
freizusprechen, oder blosslich zu includiereu. Schweden muss ge- 
wisslich damit auch etwas wunderbar fUrhaben; vielleicht was ihnen 
die Noth nicht zulasset itzo directe zu erhalten, in solchen terminis 
zu setzen, dass sie es ins künftige dennoch hoffen können. Zudem 
verstehet mans alhie diesergcstalt, dass fides polona zwar bleibe 
hahitu und nicht actu vel exercitio, und wäre solches vorerst genug, 
die Zeit den Rest wohl bringen wUrd; das Spiel wäre annoch nicht 
aus. Endlich würde es noch zu Haupttractaten kommen müssen 

■) Iti dum Elbioger TracUt ist, DacUdem diu Einecbliessuug von Daozig ia 
deQSoIbtii ausgrsprücheD, ooch die Clauacl hinzugefügt: „aalra atque Jntegra 
fide, »inaiii praedicta civitas Regi Polopiae debet, et salva incorporationo eiasdem 
in Boruaaia". 



^düvGoot^lc 



JQ I. BrsDdeDbarg uod die Nied«rland«. 

und wtlrde maa selbst bei dem Werk endlich seine beständige Haasse 
gehen und besorgen können, dase £. Ch. D. und die Stadt Danzig 
qnanto magis in ihre Sicherheit gesetzet werden mögen. Zu dem 
Ende gedenken sie noch immer auf der Mediation zu bestehen und 
verhoffen, solches K. Ch. O. auch nicht unangenehm sein. 

Männiglicb protestieret nunmehr heftig, sie mllssen mit E. Ch. D. 
Freund bleiben, der Staat ktSnne Sie nicht verlassen, noch E. Ch. D. 
den Staat. Sie könnten auch wol sptlren, dass E. Ch. D. die Elbin- 
gische l>HCtaten kräftig gesecondieret und dass sonst ihre Leute so viel 
nicht wltrden erhalten haben. An ihrer Dankbarkeit sollte es auch 
nicht ermangeln und wtirden, drob zu contestiercn, ihre Ambassadeurs 
selbst auf Königsberg mit Schiffen sich begeben. 

Mit dem muscowitischen Wesen fangen sie an bektimmert zn 
werden, und gleichwie sie es vorhin nicht ungerne gesehen, m 
apprehendieren sie doch nunmehr, da sie von den Schweden versichert 
seind, eine solche Nation, da sie gar zu grosse Progressen Ihun 
sollte. Gewisslich hat auch der Staat qua Staat wohl nichts dam 
gethan. Ob aber die hollftndischen Leute, so bei der dftnischen Am- 
bassade seind, nach ihrer grossen Passion, so sie gegen Schweden, 
nicht etwas bei dem muscowitischen Envoy^ dero Zeits ausgerichtet, 
drob möchte die Zeit wol endlich die Wahrheit lehren. Gewisslich 
ist der von Beuningen ') über die Maassen eifrig gewesen, und zei- 
get sololies, dass er Dänemark so weit gepoussiei'et, dass es seine 
und weiter als des Staats Gedanken bei diesem Werke angenommen. 
Viele verwundern sich Qber selbiges Post und des von Beuningen 
Freunde selbst seind mit der Ambassadeurs Briefen nicht wobl zu- 
frieden, weilen darin an allen Oerteren ihre privat affeetus zu sehr 
herfUrleuchten. Sie seind desswegen auch mit den Elbingisclien Am- 
bassadenren, als die gar andere und Friedenswege eingehen, nicfat 
wenig zerfallen. 

Aus Frankreich ist nichts sonderliches angekommen, und sclirei- 
betB E. Ch. D. Residente. Von Engeland war eine Gesandscbftfl 
hieliio gedestinieret, um diesen Staat, welcher auch die Madrilsche 
Tractaten anfinget zu apprehendiren (dahero auch, wie nötig es Bein 
wird, die Evangelische ausser Trennung zu halten), zur Freundschaft 
mit Schweden zu animieren. Ob er aber nunmehr noch kommen 
werde, mag die Zeit lehren. Der Protector ist nur geschäftig das 
Parlament zu regalieren, und möchten dabei noch allerhand DiflTicultä- 



*) Niederländischer Gesaadter io DäDemark s. oben p. T. 



GüDStige Lage. Ausiichl auT ^ic SonTeraiuiliil io Prensseo. 7][ 

ten fllrkommea, wie wo! er wol nichts sonderliekeB zu befUrchten hat, 
neuen die Miliz mit ihm einig wt. Was nun weiter fUrfallen wird, 
darob werde ich künftig weiter berichten. 



Weiman nii S(^liweriii. Dat. Haag 26. Sept. 1656. 

C.\iiB Weinian's Tagebüchern.) 

IKIagu ilber ^vliweiti'n. Cünstipe Lage Tür BruDilL'Dliurg; Holland kann dun 

Kiirriirsti-n otclit fallen lasseD. Guter Wunsch für den Moecowiler.] 

Kr kliigt tphr (lariibcr, d;\s>~ die SehwedeTi den Wünschen Branden- 26. Sept. 
Ijurgti so wenig Entgegenkommen zeigen: ein ilanfen IJürgcr, wie die Dan- 
zigcr, bidieu ihieu Willen duiehgcsctzt, und Biaudenburg sollte es uiebti* 

Bitte um Gottes Willeo , E, Gn. denken darauf und ratheo zum 
Besten! Die Zeit igt geboren, sieli von allem frei zu machen, weil 
HUB alle suclien «nd keiner einen dem andern zum Theile gönnen 
wird. Wir wollcu's hie ungemerkt den Leuten auchen in die Ktipfe 
zu bringen und wollen verhotfcn, es wird uns weiter gelingen, weil 
sie ziendich begreifen, wie viel ihnen daran gelegen ist, da^s E. Ch. D., 
als ihr alter Freimd und Religions verwandter, zwischen Moscau, 
Polen und Schweden als der Mittelpunkt in seinem Centro geconeer- 
viret werde. Gntt gebe, dass der Russe endlich das Gelag bezahlen 
müsse! 



O. V. Seliwcriii an Weiman. Dat. Königsberg 28. Sept- 1656. 

(Aus Weiman's Tagcbllehern.) 
[Verhand[iin)[eD mit Graf äcblippenbacb über die Frage der Souveränität fo 
PreuBSen.' Lob der jettigen Kinträchligkeit am Hofe des KurfurBlen. FrM- 
zödiaube Gesandte beim Küuig, üewegnngeii der Pulen. ÄcuaaitruDg des Kni- 
TürstL-n übiT die Möglichkeit einer Abfindung mit iliueD Uober die bedenkliche 
Lage der Schweden. FriedetiBbemiihungcn des Btschofs von Ermland. Schwerin 
weist ein schwediBches Geachenk zurück. Der Moscowiter.t 

Ich flberschicke hierbei einen Aufsatz, welchen S. Ch. D. dem 28. Sept. 
Herrn Grafen von Schlippcubacb mitgegeben, und werden wir 
fest darftuf bestehen '). Es hatte gemelter Graf nach genommen Ab- 
sclieid von Hr. Ch. D. ein Antwortschreiben von Ihrer Künigl. MajestAt 
bekommen. Kam also aus der titadt zu mir auf meine Kammer und 
sagetc, ce würde alles' gut werden, Ihre Küulgl. Majest. hfttten ihm 
so geschrieben, wir sollten alte iura majeslatis et supcrioritatis haben, 
und Sie wollten Ilir so wenig Rechtens an der Regierung oder Bonet 

') Dse Nähere vgl, w. n. bei den Verbandinngen , die dem Vertrag von 
Labiau vorwog Ingen. 



^aovGoOt^lc 



72 1' BrAndeiibuig and die Niederlande. 

hie im Lande anmaassen, so wenig Sie es in THrkeien befuget wftren. 
Nur darin bestünde alle Schwierigkeit, wie man bei der Souveränität 
ein solches vinculum reriprocum linden möchte, wobei beiderseits 
Potentaten zu allen Zeiten ihre Sicherheit fänden, und sein König 
meinete, das wäre die nuda recognitio feudi per simplex reversale, 
]cli sagete, das wäre das alte, er möchte doch davon schweigen, 6o 
hätte ich schon zu Franenburg haben können. Er sagete mir: Ihr 
werdet gute Satisfaclion haben, aber es muss gleichwol quid pro quo 
sein. Ich sagete, das thäten wir überfltlesig, wenn wir nicht auf den 
4 Woiwodschaften so hart bestünden, dann auch dabei die Souveraini- 
tät wäre versprochen, und könnten sie den Ort nimmer gefahren. 
Er ißt nun damit fort, und werden wir bald vernehmen, was die Re- 
solution sein solle; denn wir werden sehr.urgiren. 

Es gehet, Gott Lob, itzt bei uns sehr einträchtlich zu; dann wir 
sehen unanimiter auf Sr. Ch, D. Interesse, und dass gleichwol die 
Schweden nicht ganz riüniret werden mögen. Hätten wir das von 
anfangs einmhthig gethan, wir möchten in herrlichem Zustande sitzen: 
dann da sah der eine ja gar zu handtgreiflich auf sein Interesse, und 
theils waren so heftig gegen die Schweden animieret, dass aus solcher 
Brouillerie nimmer was gutes kommen konnte. Und ich darf sagen, 
dass diejenigen, so den Schweden am gefehrlichsten sein wolln, 
ihnen dadurch, wiewohl wider ihren Willen, die besten Dienste 
gethan. 

M. d'Avaogour und M. de Lumbres ') seind wieder. beim 
Könige. Was eigentlich ihre Verrichtung, weiss man nicht. Man 
hoffet sonst, dass die Tractaten nicht ganz abgeschlagen. Indessen 
gehen die Polen itz mit zweien Armeen, eine auf Jenseit, die andere 
auf diesseit der Weichsel. Sie werden zwar nichts hauptsächliches, 
wie ich zu Gott hoffe, mit ausrichten, aber das Land werden sie 
greulich ruinieren. Ich habe Sr. Ch. D. unterschiedene Malen zu 
bedenken gegeben, ob Sie nicht vermeineten, bei solchem zweifelhaf- 
tem Zustande auch bei Polen anitzo zu unterbauen und solche gute 
Conditiones zu erhalten. Darauf sagete S. Gh. D., das würde nicht 
sein kiilnnen, wenn Sie sich nit zugleich erböten auf die Schweden 
zu schlagen, und das wollten Sie nicht thun; nun Sie von' Schweden 
gute Satisfaction erhielten, wollten Sie alles bei deroselben aufsetzen; 
denn an deren Conservation wäre dem gemeinen Wesen gelegen, und 
die Polen wurden doch nichts halten, wann die Schweden nur erst 



■) Vgl. über dieae beiden frauzüsisctiea Diplomaleo Urk. u. Acteiiat 11.35C 



Potilische Uebpreicht von Scbwerio. 73 

getilget wären. Das eeind Sr. Ch. D. formalia, die Sie auch zu unter- 
schiedenen Malen wiederholet haben. Daraus ich sohlieesen musB, 
dasB es »eie firma reeolutio. Knn zweifele ich ira geringsten nicht, 
wir wollen wol gute Conditioues erhalten, dass die Herren Slaalcii 
so wol mit uns zufrieden sein solleo, als sie bisher llbel zufrieden 
gewesen. Aber ich bekenne , ich hin ein bischen der Schweden 
halber in Sorgen, dass, ob man zwar itzo saget, dass der Musco- 
wiler Riga quittiret, und wann er's schon nicht getlian, doch nicht leicht 
zu fürchten, dass er davon Meisler werden soll, so seind sie doch 
damit eines so mächtigen Feindes nicht los, und die Polen werden 
sie doch immer abmatten. Ihre Armee ist sehr schwach, es mangelt 
ihnen Geld; der König von Dänemark beginnt etwas anzufangen, und 
ist nicht zufrieden, dass die Staatischen Gesandten gcschlosRcn zu 
Elbingeo. Man kann auch noch nicht wissen, ob der Staat den 
Accord annehmen, oder, wann sie solches schon thnn, andere consilia 
fassen werden. Ich bin dessen wohl versichert, wenn sie den Zustand 
der Schweden so recht wUssIcn, wie er ist, sie milssten ihre consilia 
ändern, oder sie wollten dann ölTentlicIi bezeugen, dass sie alle alten 
Maximen wollten fahren lassen und zu ihres eigenen Staats Nachtheil 
arbeiten. Lasset sie aufs wenigste unserentwegen aufwachen. Ich 
will nimmer ebrenwerth sein, wenn sie nicht alle Satisfaction haben 
werden. Dann nimmermehr werden S. Ch. D. von dem Punct der 
Commercien und Zölle abstehen, wann Sie gleich sonst nichts erhiel- 
ten; denn der soll und muss so sein, dass die Herren Staaten völlig 
daran vergnQget sein.. Nun auf Danzig glaube ich nicht, dass die 
Schweden jemalen weiter Gedanken machen werden, und wenn sie 
es schon thun, wird es ihnen jedoch nicht gelingen, die Nuss ist zu 
hart; wodurch werden sie dann redoutabcler geworden sein? Sie be- 
ginnen es auch zu merken, und bin ich versichert, wenn sie das 
Spiel nicht angefangen, sie wttrdens nun nicht thun. 

Der Bischof von Ermeland, so hie ist, und in Polen von grosser 
Consideration, bemlthet sich sehr um den Frieden, schicket ilz einen 
zum Könige und bat begehret, dass wir ihm pro disponendis Polodis 
suppeditiren sollten; haben ihm also solche zugestellet, wie er aus 
der beikommenden Abschrift ersehen kann, woraus er eine rechte 
Instruction vor seinen Canonicum formiret. 

Heute ist mir von dem Herren Residenten alhie eine König). 
Verschreibung über eine Starostei nicht weit von Danzig, Namens 
Mirchow, offeriret, und ob ich ihn zwar sehr gebeten, dieselbige wie- 
der zurückzunehmen, so hat er sich doch entschuldigt, dass er sol- 



Aj.OOt^lc 



74 I- Brandeoharg and die NiederUatie. 

eben nicht verautworten könnte; werde also dieselbige mit Schiffer- 
poHt dem Herrn ReichskaDzler wieder zuschicken. Bitte, wann Er 
davon melden hüren wird, dae mit diesem nicht Ubercintrifft, so wolle 
er mich Vertreten; dann ich berichte ihm die Wahrheit und werde es 
auch nicht eins iubente principe meo aniiehmen. 

Der Museowiter ist fort. Ich hoffe, man werde alda darauf be- 
daclit »ein, dass wir dessfals ohne Sorgen sein mögen. 

Ich danke ihm dienstlich der genommenen Mühe, daHS er bey 
meinem Sohne zu Leyden gewesen, leb bitte ihn ferner rccomman- 
diret zu halten. Ich bitte, mein Herr wolle mir doch allemalen seine 
Senlimentcn über unsere Affairen geben. 



Weiman an den Kui-ftlrsten. Dat. Haag 3. Sept 1656 '). 

[Der EybiageT Vcitrag und die tCioredeD DäiicinarkH. D«r Uoge RstificRtiuna- 
termin. tirosBLT Kiodruck der NachrichleD über die mosconilUcbe Getabr; 
Vortrag der üraDdcuburgiEuliuD ÜL-eaadl schart über dieselbe bei den Ueoeral- 
hliinU'Ci und gesli'llto Antrage. Sympalliie Tür die Siiclic der SouverSnitüt in 
PrciiBScn. Ofücielle Notificalion des Ktbinger Vertrage | 
Seit unserer jüngsten . . . Relation hat man albie immer noch 
über Ratification des Elbingischen Tractats gedeliberiret. Und 
obwol Dänemark dagegen gearbeitet und der Danziger Abgeordneier 
eich sehr bemtthot anzuweisen, dass der Fttrbehalt der Societäten, als 
worin der ganze schwedische KaufUandel bestünde, in effectu weg- 
nehme die Vergleichung oder die Egalisation der Nationen in Schwe- 
den, die man sonst zu grossem Vortheil vermeinet« erhalten m 
haben '), so ist doch in der Generalität nicht darauf reflecüret, son- 
dern der Schluss ausgefallen , inmaassen die Beilage bezeiget '). 
Holland aber soll dennoch ein wenig mehr bewogen und sehr im 
Zweifel stehen, ob's damit könne vergnüget sein, also dass man 
annoch nicht weiss, was dabei geresolviret werden wolle. Ungezwei- 

'I Sic. Der Inhalt ergibt, daes Sept. für Oc(. verschrieben ist. 

') Nachdem in dem Elbinger Vertrag Schweden and die Niederlande sich 
gpgeuaeitig zugceagel, Ihre resp UaterlhaueD io Itezng aar die Handelszölle auf 
dvtn FuHS der iiieintbegüuatlgttru Natiuueii zu behaudeln iconjuuctiseima quaequa 
gcns peregrinu), so wird hiuzugerügt: „quod ei vero coullngat, certas ob caoaiu 
et urgente ticcceaitale, Dova maiora gravioraque vectigalia in allcrine roederati 
domiDÜa imponenda eeae:-taiD eo casu malus grnriuaque a foederato aut eins 
Bubdilia non eiigetnr, quau Ipai propra iucolae ac aobditi peodunL ijub qua 
tamen aequalitate nullatenus intelligi debent peculiarium societa- 
tara et subditaruio personaram ipecialia pririlegia." 

>) Secrete ResoUtien 1, 347 t. 



^aovGoOt^lc 



D«r ElbiQger Vertrag. Die Moicowiter, 75 

feit werden sie so lange tramniren als sie können, und weil Schwe- 
den den termiDum ratificationis (welches vielen Nachdenken und Wun- 
der gibt) auf vier Monaten haben ausgesetzt, so durften die von 
Holland sieb dessen vielleicht ultra primam Suecorum intentionem 
gebraachen und noch eine gute Weile zusehen, wo die Hachen ailer- 
ends hinauswollen: 

8onst waren die niuscDwitisehen Zeitungen bereits auch 
alhie guten Theils erschollen und hätten dieselben billig den GemU- 
thern andere Gedanken eingeben sollen; es ermangelte aber so viel 
daran, dass der Mehrentheil sich nicht wenig darüber erfreuet, wie 
sehr auch einige der Klttgsten das Werk als eine zumal gefährliche 
Sache apiH-ehendiretcn , und dass also wenig Hoffnung war, dass 
solche Leute ad saniora möchten gekommen sein. Wenn wir unser» 
Theils aber inmittelst E. Ch. D. gnftd. Reempt vom Ib. Sept. erhiel- 
ten und drans nicht allein den fHrnehmsten insbesonder die Bewandt- 
niss des Werkes aufs beweglichste förstelleten, sondern auch auf der- 
selben, wie auch 1. Höh. Giittinden es ins Publicum brachren durch 
eine mündliche Conferenz, die wir mit einigen Dcputirten aus der 
Generalität den 30. Sept. hielten, so veränderte sich das Spiel nicht 
wenig; männiglich ward bestürtzet, und konnten wir kurz drauf, und 
zwam sobald in allen Collegiis Rapport gethan worden, eine ziem- 
liche Veränderung innerlich und äusserlich rerspUren. 

Nun war unser Anbringen erstlich auf Complimenten gerichtet 
und dass £. Ch. D. prudentissimis consiliis es hätten vermeinet dahin 
alles Vermögens befördert zu haben, dass durch den Vergleich, wel- 
chen Schweden mit diesem Staat eingegangen, die Bahne wäre ge- 
machet worden, mit Polen zu tractiren und also einen allgemeinen 
Frieden zwischen allen Tbeilen zu vermitteln, womit männiglicher 
Sicherheit und einem so grossen Theile der lieben Christenheit die 
vorige Ruhe hätte wiedergegeben werden mögen. . . Es wäre aber 
anders ausgefallen und schiene der Himmel ihr ein solches Facit gar 
ZQ sehr versetzet zu haben, indem der museowttische Einfall in 
Livland eine solche Veränderung den Sachen beigebracht, dass auf 
oiehls weniger als auf Friede und Ruhe gedacht werden könnte, und 
dass man vielmehr an allen Theilen der Glinstcnwelt grosse und hohe 
Ursachen befunden, die Waffen aufs eifrigste zur Hand zu nehmen, 
den Russen entgegenzugehen und also unitis viribus dran zu sein, 
dass eine solche barbarische Nation in ihrem wUsten Fttrhahen zu- 
rückgehalten und beliindert werden möchte, ganz Europam zu Ober- 
schwimmen. Wir zeigten dabei des Czaren Ambition und Kräfte, die 

i:q,t7r.d .*^-.00<^IC 



IQ 1. BraDdenbarg nod die NiederUnde. 

Schwachheit und Division der uiuliefenden Potentaten, die Ruine ihrer 
Commercien und waB der muBcowitische Abgesandt« bei E. Ch. D. 
abgeben und begehren dürfen; erfiuoheten dahero den Staat um R«th 
und Thaf, bezogen uns auf die Allianz und hegehrlen nach ein und 
andern Discursen 1) Vorschreiben an den Czar; 2) der Staat möchte 
danehst norh dahin schicken; 3) wich alles Fleisses auch bemühen, 
ilasH Schweden mit Polen, zum wenigeten mit Dänemark vereinigt 
und dabei allerseils K. Ch. D. Interesse qnanto magis befördert und 
gesecondiret werden möchte; endlich und 4), dass man E. Ch. D. zn 
den get<tipulirlcn Kubsidiis verhelfen und damit nicht säumen wollte, 
weil der tcrminus debiti mehr als geexistiret und geboren wäre. 

Und ist darauf erfolget, wie oben, und dass Amsterdam und die 
andere fUrnehniHlc Glieder aus Holland in Eile zu ihren Principalen 
gercisct, um sich bei denenselben schleunigen Bescheides zu erholen; 
und weil sie heute werden wiederum hie sein, so werden wir morgen 
vernehmen, was ans dem Werke kommen wolle .... Alle zeigen 
sie viele Affection und rufen alle, E. Ch. D. müsse sich nunmehr von 
dem schwedischen Lehencontract frei machen, die Zeiten seien dazu 
geboren, Schweden kilnue und möge es nicht weigern, und wollten 
sie gerne dazu helfen. — 

Sonslen haben sie uns am verwichenen 20. Sept. durch den Herrn 
Capelle und Beverning die Notification des Elbingischen Schlüsse«, 
wie andern königlichen Ministris, mit vieler Danksagung und hohen 
Gegenerbietungen gethan. — 



Weiman an den KnrfUreten. Dat. Haag 10. Oct. 1656. 

II>ct' Klnrell der RuBseii in Livlaad. Verzögerung der Ratification des Klbioger 
Vertrags. Unlerredung mit dem Bjrgermeisler von AmBlcrdam über die Politik 
der Staaten im Norden.) 
;i. Seiter der verwichenen Woche ist alhie annoch nichts sonder- 
liches fllrgegangen ... im übrigen tliut man nichts als deliberiren, 
woraus denn kein Schluss erfolget, weil aller Augen auf Riga nnd 
wie es damit ablaufen werde, incerlis animis gerichtet stehen. • Der 
Hrss gegen Schweden ist deromaassen gross, dass sie nur mit Lang- 
samkeit, Gott gebe nicht zu späte, begreifen können, wie gefährlich 
die russische Progressen seind, und dürften dahero auch noch viele 
sein, denen der Verlust von Riga nicht sehr zu Herzen gebet — 

Die Ratification des Elbingischen Tractates dürfte in Hol- 
land so bald noch nicht erfolgen, unterm FUrwand des Wortes 



A-nOO<^lC 



HolllodiBche Inlerrention bei dem Czuren, 'J'J 

cireiter '), der gefährlichen schwedischen Societäten und dasB Schwe- 
den Bclbst, nicht ohne Verdacht, vier Monat Zeit genommen. — 

Vorgestern redeten wir mit dem Herrn Bürgermeister de G ra e f r ') 
und sprachen ab, mau mllsste E. Ch. D. den Brief an den Czar be- 
gehrter Maassen geben nnd ein Theil SehifTe nnd die 1300 Mann 
Soldaten, so auf der Flotte seind, in Prcussen zur As><istenz Ver- 
liesen ... in Kraft der Allianz und deren dabei verBprochcner Sub- 
sidien. Und dürfte danebst noch geresolviret werden, dnss mau von 
den dänischen und preussisclien Ambassadeuren einige nach Moscau, 
einige nach Polen und einige zu E. Cb. D. abgehen Hesse, um aller- 
orts die Mediation anzutragen und sowol E. C1i. ü. als des Staats 
iDleresse geziemend in Acht zu haben. Wir unaers Orts ratheu biezu 
so viel immer möglich uud zeigen ihnen, dass solches das sicherste 
sei, wo man nur nicht gar zu lange traisniren wUrd; es niUsstc aber 
diese Methode dabei gehalten werden, dass man a jiropioribus anfinge, 
mit Schweden vollkommen schlösse, Dänemark coutentirete, E. Ch. U." 
alkreuds assistirete und diesem uüehst durch ernsthafte Offieia suehete, 
mit Polen und Moscau oder mit Polen allein Richtigkeit zu befTirdern, 
damit man den Buss wieder zur Raison bringen könnte; nnd wo 
solches nicht sein, oder Polen sieb auch nicht wollte zum Frieden 
lenken lasseu, so mUsste man conjunctis viribus gegen beide sein 
bestes tbun, weilu dem Staat und Dänemark so wenig als Schweden 
uod E. Ch. D. diencji würde, dass Polen oder der Museowit Meister 
»erden sollte. — 



Weimao au den Kurfürsten. Dat. Haag 13. Oct. 1656. 

|Üi« ADgeWgenbeil des Schreibens an den Czaren. Rückberurung der Flutte 
im der Ostsee; die Beatiiiimung der lioUäiidiecheii Truppen; wol im uussersten 
Nnihfall gegen den Moscowiter za verwenden. HulIEiudische Begithrliclikeil 
nach Pillau.| 
Seit dem leisten lierivht vom 10. Ort. h;it Weim;ni ein Memoire atij^ 
die Genera Utaateu gerichtet, woriu er auf eineu baldigeu Beschluss iii der 
Augelegeubeic der Staatiäcbcn latcrvcntioii bei ücui Czareii dringt. 

Die meisten Provinzen waren ziemlicb zufrieden uud befahlen 
aUfortens den muscowitiseheo Brief zu entwerfen; und war weiter 

'I lu dem Blbinger Vertrag verpflichten eich die beiden Paciacenten, in 
ibrem Herrschaftsbereich die Zölle einzurichten „ad parem cireiter modum 
«I taxam, atqne tnm temporis canBlilulH vecligalia rnernnt." Vgl. die Er- 
ör(«rDn;en über discen Punkt und über die schwedischen HandelBBOcietalen in 
ä«crete Besolutien 1. 350r. Aitzema III. 1283 f. 

1 Bürge rmeitter von ÄmBtcrdam, 



^düvGoot^lc 



7g I. Brnndenburg nod die Niederlande. 

nichts schliesslicliea geresolviret, weil Holland da« Übrige ad referen 
dum annahm. 

Nachgehend ward in Holland eifrig gedeliberiret '), was man 
ferner thun sollte, and Ternehmen wir, dase Amsterdam alles Dir 
E. Gh. D. gethan und gerathen; andere aber im Gegentheil es dafür 
gehalten, man sollte stille stehen, sich zu nichts auslassen, auf Riga 
sehen und kllnftig resolvirenj präpariren könnte man alles, aber 
schliessen sollte man nichts; die Zeit wUrd ihr Interesse noch reifer 
machen . . . Und ist's endlich, wie viel auch wir dagegen gtihan, 
dabei verblieben. 

Der GrirGer hat dos Concept eines Briefs an den CsareD eutworfeö. 
Hullaiid wird erst ktiortigeii Montag erbläreii, ob es mit demsetbea eiorei- 
Ktitudeu i^t '). 

An die Flotte ist nunmehr Ordre ertheilet, dass alle Schiffe 
zurückkommen sollen; und ob sie wol niciit beschlossen, dass die 
■ darauf befindliche 1300 Mann E. Ch. D. sollten gegeben werden . . . 
so hat unser Memoriale doch noch so viel gewirket, dass sie nicIit 
absolute nn die Stadt Danzig und zu derselben Dienet gegeben wer- 
den, wie die Holländer anfänglich gewollt, sondern dass geresolviret 
worden ist, man solle sie zu Danzig nur lassen landen und näherer 
Ordre erwarten; wobei denn Holland mit hohen Contestationen be- 
tbeuret, sie wollten sie blösslich und allein zu E. Oh. D. Dienst da- 
selbst sein lassen; so lang Sie aber nicht von dem Muscowiter wirk- 
lich angegrifFen würden, so verhotfeten sie, würden sie E. Cb. D. 
auch nicht begehren, in Betracht dass ilinen gar zu grosser Nach- 
fheil daraus erwachsen könnte, wenn sie ohne Noth eine solche Ka- 
tion irritiren und Ursache geben möchten, dass der Czar auf ihrer 
Kanfleute Güter, welche viel Millionen betrügen, die Hände schlüge. 
Wttrd aber E. Oh. D. in offenbare Nofh kommen, so wollten sie 
noch Muscowiter, noch nichls ansehen, sondern sie jedesmal unge- 
scheut zu E, Ch. D. Dienste gehen lassen. 

Was nun weiter hieraus erfolgen wird, und ob's oieht Holland 
dahin nimmt, dass sie vermeinen, E. Ch. D. werde ihnen selbst end- 
lich die Pillau antragen (worauf heimlieh ihr ganzes Absehen ge- 
richtet ist), wenn E. Ch. D. nur in mehrer Noth sein würden, und 
üb man nicht auch darum die clevischen Stände ein wenig an sich 
gezogen hat; solches mag die Zeit lehren. Gewisslich reden ein und 
andere immer von Versicherung der Pillau, ob sie auch E. Ch. 0- 

') Vgl. Secrete Kesolutieu I. 354 ff. 
') Vgl. ürk. n. Actensl. Ui. 99. 



yGoot^lc 



KatificatioD des Elbioger VprtrBgB fpreogerl. Holl. Trnppcn in Danzig. 79 

fügsam wBnl bewahren künnen? warum nicht der Staat ein Tlieil 
Guarnisoo's (Irin haben sollte? Und hat Holland mit den clerisclien 
Deputirten hoch hinaus gewollt . . . inmaassen wir kltaflig uutertb. 
berichten werden '). — 

Weknaii an den KnrfUrsteii. Dat. Haag 17. Ort. 1656. 

IFiaoB SlimmDDg \a Hollaoit; immer kommt es ihoeii nur auf PMIau an. h's 
gilt zu temporisireD. Omschlag der StiniDiung in nolland au Uuguustrn Sclino- 
ileos in den I«tztea Wocben; Verzögerung der RstifiraÜoD des Elbinger Vfrlragg.] 

Bulland nach wie ror irre.'^olut uud schwankend — 17. Oct. 

nnd gleichwie der Kaufhandel ihr Auge ist, so seind sie bei denen, 
die die Hafen, die meiste Macht haben-, endlich sehen sie wqI zurdcke, 
aber zu späte, ohne Elfect, und wenn sie viel thun, so haben sie 
Mitleiden. Auf wirkliche Hilfe wird man sobwcrlich sehen können, 
weil sie selten zu etwas resolviren, ehe das GIflck Partei genommen; 
und wird also hie nur dieses mit Uiclierhcit gethan werden künnen, 
dasB mau Feindschaft und Uebel verbätet. Gewiss werden sie nimmer 
ohne Herzleid ansehen, dass die Pillau in andere Hände komnten 
sollte; und bin ich wol versichert, dass sie sieb einbilden, wo die 
tiachen nnglUcklioh abliefen, dass alsdann E. Cb. Ü. am fertig»ten 
sein würden, ihr Garnison darin zu nehmen. Darauf lauern die 
13U0 Mann zu Üanzig, darauf seind endlich-ihre stete Hinceratioue» 
gegründet, dass sie E. Gh. D. nicht wollen oder können lassen ver- 
loren gehen; darauf sclilftgta endlich, dass sie immer rufen, man 
müsse C. Ch. D. quantovis pretio von Schweden abziehen und also 
vel invitum salviren. Ich hoffe zu Gott, E. Ch. Ü. werden es auf 
solche Maasse nicht nötbig haben. — 

Wir lassen das Werk nicht gar zwischen ihnen und E. Ch. D. 
unversöhulich werden, sondern zwischen beiden sein, weilu wir doch 
ein anderes nicht können; Kuptur wird vermieden und die Verbünd- 
nisB so gestellet, dass man ins kOnftig thun kann was man will, und 
da ein hohes UnglQck, welches Gott verhüte, Jnmittels zum Spiele 
i'chlllge, 80 wäre es noch etwas, auch eine bescbwerlielie Kctraite zu 
haben; mit ihrer Macht wird maus immer weiter bringen, wenn 
man täglich mehr und mehr siebet, dass sie Schweden nimmer trauen. 
Wie nealich zu Elbingen gesehlöfisen ward, da war männiglicb frohe ; 
dass solches aber nicht aus Liebe, sondern nur aus Furcht gewesen, 
erhellet, da Moscau brach, Polen wieder auf die Beine kam, dass sie 
in selbem Augenblick angefangen die Ratification zu difücultiren. 



') Vgl. Utk. n. ActBDBl. V. 7ij2ff. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



gO I. BrsDdenbnrg ond di« Niederlande. 

Weiraan an 0. v. Schwerin. Dat. Haag 10. Nov. 1656. 
(Aus Weiman's Tagebüchern.) 
IKrbiütrung Wuimaij'B iibei das huulimüthige Verhalten ScIiwedcDB gegen Bran- 
di'nlmrg; es euclit überall den Kurfürsten iu «weite Reihe la dringen. Man 
mnss sich kräftig wehren. Weiraan arbeitet daran, Holland um so sicherer z\x 
gewinnen und bei Brandenburg festzu halten. Gratulation zur Verbeiralhung. 
Bitte für die Residenten in Frankreich und England zu Borgen.) 
'•'■ Dass die Herren Schwellen sicli so ungerne anfügen, und sich so 

leichtlich . . . ') seind Sachen, die ein gutes Auge zuvoren einiger- 
inaassen sehen künnen. Weiss Gott, wir habens befllrclitel! Bestän- 
digkeit wür uns nötliig und ein Herze, das dagegen niurrete, und 
gegen gute Worte also auf allen Fall in seinem FürnehmeD genug- 
sam gebartet war! FUr Gewalt ist nun keine Kotb. Wie, der den 
Russ und Polen zum ütfentlidien , den Kaiser und Dänemark zum 
beimlicben Feinden, und im Rest nur zweifelhafte Freunde, dem es 
an alles ermangelt, der sollte also seine rechte Hand, ein Tbeil seines 
Lebens abscimeiden? Unmöglich ist's zu gedenken, unmöglich ist's 
zu glauben, und ist wol nichts anders, als S. Cb. D. auf die Probe 
zu setzen und zu sehen, obs noch einigerniaassen thunlich, einen 
solchen Potentaten allerends an den Ketten zu halten! Dieses ist 
vom Anfang ihr Abschen gewesen, darnach haben sie ihr Thun und 
Contracten gerichtet, und sehen wirs von guter Zeit bereits in die- 
sem Staat, Frankreich, Engeland und anderen Oertern, wie sie 
allerend den Grossen gemacht und S. Ch. D. als ein consectaneum 
quid abgebildet; wie sie ihre Macht und Muth herausgestrichen, und 
ä. Ch. D. für ein suhjcctum misericordiae und welchen sie aus Mit- 
leiden sehützeteu, förgestellet. Frankreich ehret nichts denn Schwe- 
den, und was sie uns g(>nnen, ist, dass wir schwedische Knechte sein 
mögen. In Engeland haben sie S. Ch. D. in keinen Briefen, keinen 
Tractaten aufs wenigste herftirgezogen, sondern an allen Oertern ge- 
trachtet, Sr. Ch. D. Glanz und Macht in obseuro zu halten. Dieses 
saget Herr Wiequefort. Dieses saget Herr Schlezer, und wir 
könnens alhic genugsam bezeugen. Wird etwas verloren, so hats 
Brandenburg getlian , gewonnen , Schweden. Summa : sie suchen 
nichts ftlr S. Ch. D., als dass Sie die Ehre mögen haben, nun und 
zu ewigen Zeiten den Schweif zu tragen, und solches gegen so grosse 
Wohlthaten und getbane hohe Gelübde! 

Sollten dann S. Cb. D. damit zufrieden sein, ein Herr, der zwar 
gütig und friedsam, aber in aller Welt billig den Namen führet, dass 

') Lücke in der Abschrift. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



Krilik der «cliwpdischeii Polilik gpg^iiiiber Hrninlenlinrp. gj 

er genereus und Ober allen Zwang der Dienatbarkeit Reie? Keint 
Sie mOssen sich retten! Gott und die Zeit zeigen die offene Wegen 
dazu. Wird sieb Schweden kenoei), »o wird ef ein solches nicht <Iis- 
putiereoi wo anders, eo ists Zeit, zurück zu Beben, sieb seiherzuzei- 
gen, und lieber mit Milbe durcbzuhrechen, als mit Hchandc zu die- 
nen. Zwam wird solches hart sein, und da mich selltst vor grauet, 
weilen icb immer dabei bleibe , Sie können allein nicht rcrloren 
gehen. Aus ihrer Corruption an einer komme eine so grosse Ge- 
neration (?) an der anderen Seite, dass S. Ch. D. nicht ausser Gefahr 
bleiben, zugcscbweigen Ton dem proteetantiscben Wesen, und dass 
Sie dessen Wohlfahrt nicht versichert sein können. Was icb aber an 
der anderen Seiten auch gedenke, wie schwer das schwedische Joch 
und wie bitter es ist, fUr so hohe Guttbaten einen so liederlichen 
Lohn, für eine so milde Darreichung Bluts und Guts nur eine rer- 
gBldete Dienstkette , das ist nesnm illum vasallagii Suevici mit so 
rielcn heimlichen und gel^hrlichen Stricken, da die Pacta voll von 
nein, zu empfangen, womit sie doch nichts anders auch noch filrlia- 
l>en, als endlich und mit der Zeit Buevica fide dictielbe aufzulösen, 
und S. Ch. D. herauszuwerfen. Ist es primum et ultimum in eorum 
inlentione, in Preussen Meister zu sein, so dlinket uns, man müsse 
Müth tehöpfen, sich selbst auf solchen Fall helfen und gedenken, es 
seie besser als ein Löwe zu sterben, als einem Schaaf gleich aufge- 
gcBsen werden! Gott wirds versehen, und alle Welt uns die Hand 
gerne bieten, als männtglich bereits anfanget, Schweden als den uq- 
dankbarsten Haufen, von deeswegen, dass es Sr. Oh. D. billiges Suchen 
nicht nur in Bedenken nimmt, üffenthch zu condemnieren und gleicb- 
Baui zu verfluchen. Engcland selbst wirds ihnen nicht zu gut halten, 
und was diesen Staat betrifft, dem würde es eine Freude sein, 
S. Ch, D. von Schweden abreissen zu helfen. Das ist ihr erstes, 
das ist ihr letztes, da treiben sie nun so lange Zeit noch auf, und 
weilen wir dazu nicht gewollt, so ist uns auch daraus alle die hollüu- 
diitphe Kalisinnigkeit gegen S, Ch. D, verursachet worden. 

Nun icb wills nicht hoffen, sondern dass der König sich beden- 
ken werde, welehes ich zu Gott wünsche. Nachdem wir aber be- 
dachtet, wie undankbar, wie wunderlich sich der grosse Minister 
heretts bezeiget, und dass man in solchem Zustande sich auch aufs 
itgt\6 in eventum bereiten und fertig machen muss, so richten wir 
uns schon einigermaassen darnach bei allen Sachen. Wir zeigens 
dem Herren Appclbaum'), doch von weitem, und dass crs nur 
') Seh« edit eher ReaideDt im Haag. 

MUer. u Ottch. .1. Or. KnrfUnMn. VU. 6 



^düvGoot^lc 



g2 I' BrnodeDbnrg und die Niederlande. 

fBhIet. Hit der RatificatioD wii-d man ihn nicht überreden. Die 
Excursiones der Soldatesca zu Danzig ') zu verbieten gehet gar lang- 
sam, und haben wirB bei Holland tni geheim so weit gebracht, dass 
morgen die Schwedische Sachen in eine heimliche Conferenz bracht 
und das Werk dahin gedirigiert werden solle, dase mau resolrieren 
mßge den Ambassadeuren zu befehlen, daes aie mit ehestem und 
ohne Verzug eich zu Sr. Ch. D. erheben und dieselbe zwarn dahin 
sollen suchen zu bewegen, dass Sie des Staats Intention mit Kräftig- 
keit und ohne Einseitigkeit wollen helfen seeondferen , dabei aber 
S. Ch. D, nicht allein dieses Staats guter Affection und guten Ver- 
standes versicheren, sondern Garantie und Hcbadeloshaltung contra 
quoscunque zugleich und aufs kräftigste anbieten. Diesem nächst 
sollten aie zwischen Schweden und Polen die Mediation deromaassen 
zu Hand nehmen, dass quocunque modo entweder ein Friede getroffen, 
oder dem unwilligen Theile genugsam angedeutet werden solle, dass 
sie nebst ihren Freunden die Waffen dagegen zur Hand nehmen 
wollten. Polen müsse an Schweden die alten Praeteusioues cediren! 
Schweden Preusaen quanto magis wieder einräumen an Polen. S. Ch. D. 
müssen in Ihrer Freiheit bleiben, und dann man dieses alles mit erstem, 
und weilen alles noch in crisi und der terniinus ratificationis noch 
nicht da ist, zur Hand nehmen mtlsste! 

Von der Pitlau und der Anleihe hab ich auch gleichfalls Anre- 
gunge getbau und finde ziemliche Inclination dazu. Sie werden aber 
auf die Conditiones geben, die fllrm Jahr entworfen waren'), und 
wdnscbete ich dabero, desswegen Sr. Ch. D, Intention zu wissen. 
Wir werden dieses Werk auch immer weiter befolgen, und es auf 
alle eventus suchen zu schicken, wird man mit Schweden einig, dass 
wir uns nicht vertiefen, wo nicht, dass mau sich dessen gebrauchen 
kt}nue, und dass inmittelst und so lange das Werk zwischen beiden 
ist, Schweden es dennoch auch merken und sich darnach achten 
möge. Ihre Hoheit thut Ihr bestes auch wol getreulieh dabei '). 
Viele Stunden bringen wir mit bekümmerlichen Deliberatieu von Tage 
zu Tage zu, und werd ich nicht nachlassen vom Sucres immerfort 
umständig zu berichten. Holland kommt den 22. ein, und werd ich 
inmittelst vielleicht noch einmal nach Amsterdam und den anderen 



') Die 1300 M, niederlaDdiechp Truppen in T*an7.\g; vgl. oben p. 7ö nnd 
Aitzema KI. 12^ ff. 

') Vgl. die Instruclion Toro 31. Aug. n;55, oben p. 7ff. 

') Die verniltwtite PrincesBin Aoalie von Uranien, die Schniegermulter . 
.des KnrfiirBlen. 



^düvGoot^lc 



On(e Stimmung- Tür Brandenburg io den Nioderlnnilen. g3 

Hauptstftdten gehen. Jedoch werde ich der vorhandenen Poet noch 
abwarten und werd im Übrigen nur dieses beifügen, dass wir Ew. Gn. 
alle mit einander von Herzen GlUck und Segen wilnscheo zu der 
Tollzogenen Ehe '). 

Aus Engeland und Frankreich ist faat nicltts gekommen, und 
passieret sonst auch nichts sonderliches. 

P. S. Ista möglich, so bedenken Ew. Gn. Herrn Wicquefort und 
HeiTD Schlezer. Wir haben uns über viele gute Dingeu bespro- 
chen, also dass ein jeder an seinem Orte es wol verdienen wird. 
Und da man mit Schweden nicht fortkönnte, so würde es aufs liöciiKle 
nöthig sein, zu London nnd zu Paris zu agieren und Hr. Cb. D. Ge- 
rechtigkeit und Gelegenheit fdrzustellen. 

Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 21. Nov. 1656. 

(Nene InMnictioD für die niedcrläadiecheD Gesandten In'Preusat^n. Rolländ'rsch« 
RBtbschläge iD BeEiehoog aaf das Verhalten zu Schweden j die fjonverainiiüt 
mosa dem Rnrfürslen in den Schooss Tallen; Ft^staDgeo anlegen und mil den 
Sländeo verhandeln. Der Kurfürst hat die , .Balance''. Auch in den clevischen 
Landen wird für mililSriBche Befestigung der Macht gesorgt. Omchl über die 
Pläne des Pfalzgrafen von Neubnrg ) 

Die Generalität hat jetzt (18, Nov.) für ihre Gesandten in Freus^enSI. No\ 
eioe bestimmte InBtruction zur Vcrmittelung zwischen Polen nnd Schweden 
beschlossen; zugleich — 

sollen einer oder einige von den Ambassadeurs sich alsofort zu 
E. Cb. D. erheben, dieselbe des Staats guter Affection versichern und 
demnach in Vertrauen von obiger des Staats Intention berichten und 
E. Cb. D. also suchen dahin zu bewegen, dass Sie sich hierunter mit 
'dem Staat conformiren und bei Schweden kräftig coopcrieren woll- 
ten, damit es mit obgemelten Condilionen möchte zufrieden sein; da- 
gegen sollten sie bei Polen es suchen dahin zu vermitteln, dass 
E. Ch. D. damit gänzlich möchte gereconciliiret werden. — 

Holland fängt sehr an zurückzudenken; erbieten sich su vielen 
hoben Dingen, wo E. Ch. D. nur sieb hierunter etwas mit ihnen 
fUgen wollten; männiglich wünschet's auch, und rufen die Confidenten, 
damit wUrd nicht allein die vorige gute Freundschall und Alliance 
gerestituiret, sondern auch E. Ch. D. in Ihre eigene Sicherheit ge- 
setzet werden; sie könnten doch endlich auf Schweden nicht trauen; 
was flie jetzt nicht nähmen, besässen sie doch bereits in ihrer Seele; 
des Königs Begierde würd, wie sein Muth, ohne Ende sein; wo mau 
denselben nicht auf seine Maasse bringen würd, auch gegen seinen 

•) Vgl. T. Orlich 1.247. 

6* 

DqitzedüvGoOt^lc 



g4 I- Bramli'iiburg nnil die Nivd^rliinde. 

Dank, so wOrd er nimmer ruhen oder rulien lassen ; ein Fussbreit in 
Preua»en wUrd ihnen Aclion genug geben, das ganze endlieh zu 
suchen etc. . . . und möchten dahero E. Ch. D. sich wo] fUr!<eheu und 
dem schwedischen Glück hinfilro so sehr liwrch 'i'raetaten seine 
Maasse helfen geben, als Sie l'rsache gehabt, deroselben Unglück 
durch die bisherige Conjunctian zu massigen. Zwar möchten E, Ch. D. 
sie nicht so gar ex abrupto verlassen; rietmehr hätten Sie Ursache, 
sich allmälig von ihnen mit gutem Willen freizumachen, um damit 
ein Fundament zu gewinnen, worauf man heniach bei den Ilaupt- 
und gemeinen Traetaten von beiden Thcilcn eine absolute Freiheit 
erhalten könnte. Wenns aber endlich zu einer Handlung ei-nstlich ge- 
rathen wUrd, so niUssten £. Cli. D. aufwachen und zwar zusehen, 
dass sie ausser Ruine blieben, aber auch keine Occasion in Handel) 
behielten, Ihre Länder und die gemeine Ruhe, so oft es ihnen beliebte, 
in Gefahr und Verderb zu setzen. Und wUrd solches nunmehr gnug- 
sam in E. Cli. D. Händen und Macht, also dass Sie und der Staat 
es nach Gefallen schier würden setzen können, bestehen; es würden 
E, Ch. D. dabei auch Ihre Rechnung wol finden können; was l'olen 
Schweden, diese jenen nicht gönnen, solches würd E. Ch, D. per sc 
gleichsam zufallen, und blieben also E. Ch. D. in Ihrem Preussen und 
jetzigem Staate ohne Contradiction wol Souverain; keiner wtlrd es 
sehr dispntiren, weil es keiner fast bekommen könnte. Und mUssten 
E. Ch. D. bei diesen Zeiten mit Citadellcn und Festungen auzutegeu 
und sonst mit dcro Ständen zu tractiren deromaassen fortgehen, dass 
Sie hinfUro besser bestehen könnten. Dem Staat wUrd nichts liebers 
sein; denn unter allen könnten sie und Dänemark niemand mit 
Sicherheit Ansehen und die Balance in denen Ländern besser gönnen 
als E. Ch. D., als von welcher sie sich keines Argen zu versehen, 
sondern vielmehr alles Liebes und Gutes. Wtlnschen also fast alle 
miteinander, E. Ch. D. möchten nunmehr ein gutes sorgfältiges Aug 
in der Sache halten, und weil Ihr paene fataliter von allen Oerlern 
die Balance und das Spiel glücklich in die Hände fiele, so möchten 
Sie klüglich damit umgehen und das Spiel bo lange in Ihrer Gewalt 
halten, bis Sie Ihr Ziel erhalten haben würden. 

Wir unsers Theils . . . richten alles dahin , dass E. Ob. D. alle- 
zeit die Wahl in Händen halten mOge, wo es diesen Leuten ein Ernst 
und es E. Ch, D. Gelegenheit sein wird, mit dem Staat anzuspannen, 
wo nicht, dennoch die Herren Sehweden und Polen ein wenig damit 
en cervelle zu halten, — Dürfte nun das Werk endlich dahin gedei- 
hen, dass wir dieses Orts Öffentlich mtichteu sagen, dass die vorige 

i:q,t7r.d .t^iOOt^lC 



Holland üb«r die preqps. Souveraiuilät. Cluve ond der Nenbni^er. gg 

Lehnscontracten und Participation aufgehoben wäre, Bolchen Falle 
könnte man auf eine andere Maasee sprechen und fragen, ob sie die 
Alliance hatten wollten oder nicht. Sonderlich da man inmittelst im 
Lande zu Cleve mit der Besetzung zu Calcar wUrd können fertig 
werden, womit denn nicht allein 8. f. Gn. Prinz MauritB zu Cleve, 
sondern wir auch dieses Orts iieisgig beschäftigt sein. Wir lassen 
die Cond^ische Gefliehter immer Statt greifen und habeuB bei I. Höh. 
dahin gerichtet, das» uns aus dem Oranischcn Magazin 12 Stitck 
CanoD sollen geliehen werden; Prinz Manrits lasset die seinigen 
auch hinauf kommen, und verholTen wir's dahin bald befördert zu 
sehen, dass E. Ch. D. damit in kurzem einen festen Fusb im Clevi- 
schen (da Sie Bonst bishero gar zu sehr auf dem Sprunge geBtanden) 
haben sollen. — 

Der Ambassadeur Borecl schrieb aus Paris, der Herr Pfalzgraf 
von Neuburg hätte vom Kaiser Sententiam auf 400,000 Rth. zu Er- 
stattung des a. 1651 gelittenen Kriegsschadens erhalten, und würden 
S. f. D. nehst dem Prinz von Condö mit 10,000 Mann ins Clevische . 
gehen, bis erwähnte Summe wllrd entrichtet sein '). Wir künnen 
aber unsere unth. Orts wenig Grunde davon sehen. 



Weiman au den Kurftlrsten. Dat. Haag 24. Nov. 1656. 

(Aus H'illaDd, FranLreich. England. Diu clevischen Slande und die Rüstangen 
im Laad. Diverse Nacfarichten über die SouferainitätaTerbaDdluDgeti.] 
Seiter unsere letzten ist hie wenig fUrgelaufen ... Holland ist 24. Not 
gestern noch nicht gar complet gewesen. Den dänischen Tractat 
von Guarantie') wird man, inmaassen er wenig auf sich hat, wol 
bald ratifieiren; mit dem Elbingisehen aber sich nicht tibereilen, 
weil man sich einbildet, Schweden wUrd damit auch noch immer ge- 
mortificiret, um desto ehender zum Frieden zu lenken . . . 

Aus Frankreich ist wenig eingekommen und meldeten etliche 
nur , . . dasB zwischen Frankreich und Spanien alle Friedenshoffnung 
gänzlich zerschlagen, dabero bei dem Hofe auf nichts als auf Präpa- 
ration zum Kriege gedacht würde. 

England thut desgleichen und dUrfle der Protector an Schwe- . 
den, Dänemark und diesen Staat Gesandte abkommen lassen; wobei 

') Die gleiche Nachricht auch von anderer Seile Urk. und Actenst. V. 
l'O. U7Ü; wo überhaupt das Nähere Ear Urlnuterung dieser Verhaltaiaae. 

*] Garantie vertrag mit Dänemark nnd England über den Elbinger Vertrag 
Uli! SuhwcJeu; vgl Socrcte Itesolulieo 1. 31!). 



^düvGoot^lc 



gg I. BrBDdenburg und die NtederlHQde. 

denn zu wUnsclieD, dass £. Ch. D. auch nicht vergeBBeu wDrd ; dahero, 
dass E. Ch. D. Envoyi Schlezer wieder zur Stelle wäre, um auf 
alles gute Acht zu haben. 

Von den cle vi sehen Ständen vemehmen wir alhie nichts 
mehr, als ilasK ihr rermeinter Agent zuweilen noch um Kesolulion 
auf ihr jüngstes Suchen anhält Es wird aber nicht darnach umge- 
sehen, weil man cia ander Aug als vor diesem in den preuseischen 
iSachen auf E. Ch. D. gerichtet hat. Und wird dieser Mann darüber 
zuweilen gar ungeduldig. Heute gehen 20 StUck Canon nach dem 
Lande zu Cleve, welche uns theils I. Hob. aus dem oranischen Ma- 
gazin geliehen, theils Printz Mauritzen zukommen, um einigen Ort 
im Clevischen damit zu versehen. Und geben unsere Gedanken bloss 
daliin, wie E. Ch. D. einen festen Fuss im Lande zu Cleve setzen 
mögen gegen alle Zufölle. 

Im Übrigen verlanget uns von ganzer Seelen zu vernehmen, ob 
Schweden auch endlieh es gut mit E, Ch. D. meine und den nahem 
Tractat zum wirklichen Schluss werd kommen lassen . . . Der Resi- 
dent Apfelbaum kam die nähern Tage zu uns und sagete mit vie- 
lem Frohlocken, sein König hätte ihm mit eigener Hand geschrieben, 
in gelbem Augenblicke hätte er geresolviret, wegen der Souverainetät 
und sonst E. Gh. D. gänzliche Batisfaction zu geben. Es laufen hie 
sonst auch andere Zeitungen, die unter der Hand gespargiret und 
ausgegeben werden, dass sie aus E. Ch. U. Cabinot herkommen, 
die da viel in sich haben. Ob ihm nun so ist, das weiss ich nicht; 
möchten aber wol wQaschen, dass sie etwas sparsamer an Fremde, 
die zuweilen etwas zur Unzeit und da es gar ungleiche Effecten thut, 
debitiren, gecommuniciret würden. 



Weimau an den Kiu'fllrsten. Dat. Haag 5. Dec. 1656. 

[Aus Uänemark; aua Euglaud und FruiihreJch Clevische AogelegeaheiteD. Ver- 
treluug iu Paris uud LoudoD Dolhwendig.] 

Die preußsiBche Post ist gestern zurückgeblieben; und schreibt 
uns der Herr Kleist aus Kopenliagcn '), dass er daselbst wieder 
angelangßt, und des Staat» .\mbaseadeurs als ein geheim, dass der 
König daselbst die Elbingische Incluaion noch für sich, noch für die 

') Ewald V. Kleist, im Sommer nod im Herbst 1G56 io zweimaliger San- 
duDg am däDiscben Hofe, an dem er bis sam BeginD des s chwedi ich -dfeDia eben 

Krieges bleibt 



^aovGoOt^lc 



Sicherheit 8iDsaB8TegelD in Cleve. Condc. Dänemuk. g7 

Stadt Danzig: approbire und dahero za einem näheren Tractat mit 
diesem Staat inclinire. 

In Engeland Jet alles stille und deliberiret das Parlament fUr- 
nebmlich Über Beischaffung der Mittel, so zu Ausführung des spani- 
nisehen Krieges werden erfordert werden. Und siehet man gnugsam, 
daes alles nach des Protectoris Sinne Jedesmal ausfallet. 

FraDkreicb präpariret alles zom Kriege gegen den Frühling. 

Von den cleviscben Ständen haben wir bishero nichts mehr ver- 
iiommen und spUren wir so viel, dass sie wol sehen, es sei bei die- 
sen Zeiten alhie wenig fUr sie auszurichten. Die 20 StUcke Canon 
werden nunmehr wo! im Clcvischen sein. Und werden E. Ch. D. un- 
gezweifelt schon wissen, dass die Condöische ins Oberquartier des 
Gelderlands und also auf die Grenzen des Clevischen Landes seind 
einquartieret worden. Der Ambassadeur Boreel schreibt auch aus 
Frankreich, der Prinz von Condä habe heimliche Commission vtim 
Könige in Polen, sich des Landes von Cleve zu bemächtigen. Wie 
ihm nun ist, so hält's alles wachsam und mag das Gertlehte Sr. f. Gn. 
Prinz Moritzen Desseins dostomchr favorisiren. Hie wird man übers 
Canon nicht gehen, man gebe denn eine jährliche Hecognition. 

Zu Wien lasset man alles in suspenso; und wird alhie nicht we- 
nig drauf gesehn. Es wäre zu wünschen, dass E. Ch. D. zu Paris 
und London Ihre Leute wieder zur Stelle hätten, um auf einen oder 
andern Fall daselbst Suhsidia zu sollicitiren oder sonst Ihr Interesse 
gegen männiglich poussiren zu lassen. Mir dllnket unterth., wo es 
recht vorgestellt wird und mit Vigucur, man wcrd £. Ch. U. an bei- 
den Oertcm so hoch als jemand cousideriren milssen. 



Weiman an den Kiirflirsten. Dat. Haag 12. Dec. 1656. 

|Uer Ethiogcr Verlrag. Dänemark bielet eoge AUiuDce. Die Macht CromweH'i 
in EoglaDd. Frsnzosiacbe RüsluogeD. Beschwerde der Stadt We>el.| 
Allee noch ia iiu«peRiiü; die preuHsi^^c-be Fost lüt zweimal BURgebliebcn. 12. Dec. 
Herr Slingelant') hat alhie Rapport gethan, und kann man 

dennoch nicht sehen, dass Holland LuHt habe zur Ratification des 

Elhingisehen Tractats. 

Der König von Dänemark beut diesem Estat aufs neue Allianz 

and eine solche genaue Verbttndniss an , dass man , wie die 

Worte der Ambassadeuren seind, aus beider Reiche und Länder 



Vgl. Urk, u. ActeoBl. 111. 9il. n. 2. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



gg I. BraDdaDbarg und die Nitdurlande. 

loteresse eines machen wolle. Vielen kommt dieses verdächtig fllr, 
und äah» es nur zu Behinderung der Ratification angesehen und, wie 
es ginge, von Schweden damit Vortheil zu ziehen. 

In England thut der Protector alles nach seinem Sinne und 
hats bereits so weit gebracht, dass nunmehr in Deliberation gekom- 
men, oh das Protectorat nicht hereditair sein mUsse. Es stund auch 
in guten terminis, dass man hinfttro die Steuern von 60 ad 120,000 
Pfund Sterling bringen sollte zu Ausführung des Kriegs gegen Spanien. 

In Frankreich präparirt man alles gegen den FrUbling. Mons. 
de Thou kommt hie als Ambassadeur ovdinaire; und gibt solches 
bei vielen Nachdenken, dass sie gegen den Sommer entweder allein 
oder mit England conjunctim «uf Flandern etwas sonderlichs atten- 
tiren durften. — 

Die Stadt Wesel hat albie gestern abermaln ein Memoriale Über- 
geben und gegen die Steuerexecutiones Hülfe gesuehet. Wir werden 
aber dagegen wol advtgiliren ')■ 



Weiman an den Kurftirsten. Dat. Haag 19. Dec. 1656. 

[Abschlaes des VerlrigB voa Labiaii; Gtuckwunech dazu. VoreicLUge Art der 
Mittbeiluag im Haag and Gründe derselben. Gespräch mit de Witt.] 
19. Dec. Wir haben aus E. Ch. D. gnÄd. Bescripto vom 23. November mit 
höchster Freude ersehen, dass E, Ch. D, endlich mit den Herrn Schwe- 
den richtig geworden und Ihre Freiheit erlangt haben '}. Wir wftn- 
sehen E. Ch. D. von dem Allerhöchsten alles Glück und Gedeihen 
dazu, damit es in E. Ch. D. hohem Hause so sehr blühen und zu- 
nehmen möge, als es E, Ch. D. unter so vielen blutigen Kosten und 
gcfslhrlicher Muhseligkeit ziiflcusst. 

Wir haben darob in publieo keine Notification gethan, weil wir 
deswegen keinen ßpfchi gehabt; babens auch nirs fruchtbarste ange- 
sehen, nur massig davon zu reden; man weiss noch nicht, was die 
Zeit bringen kann; die Regierung ist hier ombrageuee und das Volk 
wunderbar, zuweilen neidig. Wir nennens nur eine Aufhebung der 
vorigen Contracten und der Zullpartictpation , und lassen andere und 
das GcrUchtc die Souverainität nur gemälig und langsam in die Ge- 
mtlther instillircn. Alle seind sie darüber dennoch erfreut, weil ihnen 
das Zollwcrk gar zu sehr ans Herze gebet, und sagen, man mQsse 
den ChurfUreten nicht verlassen ; denn darin bestehe eia gross Tbeil 



'} Vgl, Urlt. u. Acteust. V. 874. 

>; Vertrag von Labiaa. dat 10.|20. Nov. 1656. 



^düvGoot^lc 



Eoglaad aod Frankreich. Weael. Vertrag von Ltbiao. g9 

ihres Wohlfahrene. Die am weitesten sehen , sind nur darfiber be- 
ktimn^ert, dass E. Ch. D. Bich weiter als zu Erhaltung einee reputir- 
liehen Friedens dagegen verbunden an Schweden, nnd rathen, weil 
E. Ch. D. bi(4her gar blUglich zwischen beiden geagiret, Sie mCchtea 
nunmehr in solchen Wegen coutinuiren und nunmehr in allem darauf 
bedacht sein, wie Sie das Erlangte mit Sicherheit sowol fUrs gegen- 
wärtig als künftig könnten cooserviren. Und weil solches nicht ward 
sein können, wenn ein oder ander Theil durch die Kraft des Schwer- 
tes sollte Meister werden, so mflssten Sie Ihr eigen Land, Städte und 
Festungen hei dieser Qelegenheit in guten Zustand und best&ndige 
Ordre bringen, und jfir allen Dingen . . . daftir arbeiten, dass die 
Streitigkeiten zwischen beiden Eönigea durch Tractat und Handlun- 
gen beigelegt . , . werden möchten. 

Der Rath Pensionarius de Witt gab mir am Freitag eine Visite, 
und nachdem ich dieser Sache halber ziemlich umstfindig mit ihm 
geredet, wobei es denn allerhand scrupulos gab, so war er doch der 
Meinung, man mUsste es E. Ch. D. helfen manuteniren; man dürfte 
eich aber alhie darunter mit öffentlichen Sollicitationeo nicht Über- 
eilen, weil die Ambassadeurs deswegen bereits genugsam Macht hätten 
und mau hiesigem Volke immerfort ein wenig Zeit geben müsste in 
so wichtigen Sachen. — 



Weimaii an deu Kurfürsten. Dat. Haag 26.Dec. 1656. 

[Der Üllbioger Trscüit. Wirkung der BekanDtm&chuiig dea Vertriga von Labiau; 
SlelluDg voD Dsosig. Ein miMglückter Versuch PoleoB. Pfalsgraf Adolf von 
Zneibriicben im Haag. Allerlei DiplomfttiBchea. Die niederlnndigthe Gesandt- 
Bchaft in l'reosBen. — Polniscde laatrnclioD. Pariser NBchricht über VerhaDd- 
luagen mit Cromwell.) 

Wenig neues; die KatiGcation dea Elbiager Tractats bleibt in suHpeaeo. 36. Dec. 

Wir haben gnugsam bekannt gemacht, wie E. Ch. D. vom Kttnige 
wiederum alles zurückerhalten und sich in Freiheit gcstellet; nnd hat 
solches nicht wenig geholfen, inmaaasen man denn von Zeit zu Zeit 
vornimmt, dass die Gemüther mehr und mehr sich ersänfligen und 
nach dem Ethingischen Tractat anfangen zu lauschen. Die Stadt Dan- 
z)g merket es bereits und kann dahero wenig ausrichten. Ihre Ab- 
geordnete halten tfiglich um Subsidien an und, wie ich vernehme, 
zuweilen mit nachdenklichen Worten. 

Die polnischen Ministers waren beordert zu handeln, wie die 
Beilage zeiget (Beil. 1) ; es ist aber nichts darauf erfolget, theils dass 
hie wenig Apparenz war zu einem guten Success, theils dass E. Ch. D. 



Aj.OOt^lc 



90 I' Brandeobarg nnd di« NiederUnde. 

Resident xu Paris, der von Wicquefort, sich in solche Sachen, in- 
maassen er zu uns gekommen und uns es bekannt gemachet,, nicht 
mischen, sondern lieber in E. Ch. D. Dienste verbleiben wollen. 

Die Herren Dänen stehen gleichfalls sehr in Zweifel und wissen 
niclit, wie weit dieaei' Staat halten werde, und sie sieh darauf ver- 
lassen mögen. Prinz Adolf ist för einigen Tagen hiegekommen und 
hat man demselben, zu Vieler Verwunderung, viele Ehre angethan '). 
Die Generalität und Holland ä pari werden S. f. D. tractiren, und 
ist's im tlbrigcn wahr und von guter Hand, was weiter darob iri die 
nächstkommende Gazetten gebracht. Alle Verbinderung möchte aus 
den schwedischen Societäten herrühren, und wo, solches nicht ist, oder 
son^t dem Könige nicht merkliches Unglflck ziistösset, so wird man 
mit diesen Leuten endlich wol fertig. 

Es kommt auch dieses hinzu, dass man Frankreich in seiner 
Armatur nicht allein, sondern auch in andern Intrigues mit England 
(wozu denn des Herrn Boreelen secretes Advis . . hiebei . . viel 
thut) (Beil. 2) Über die Maasse apprehendiret. Und lebet über dem 
fast männiglichcn der Hoffnung, dass Schweden und Polen sich zu 
Tractaten schicken und Friede machen werden. 

Ihre Anibassadeurs schrieben bei gestrigen Briefen bieher, sie wür- 
den sich aufmachen und erst zu I. Maj. von Schweden und darauf 
alsfortens auch zu E. Cb. D. erheben. 

Weinmiiii schickt ein ihm in bobem Geheiinnicis mitgetheiltes Memoire 
der Ueueralätaatcu hii ihre Ocsandteo in Prcnssen'). 

. Ein jedweder saget, es etelie in Kraft dessen bei denselben Am- 
bassadeuren alles zu tbun, sonderlich für E. Cb. D. . . . Oflerwähnte 
Herren Ambassadeurs scind ehrliche Leute, E. Ch. D. ziemlich zuge- 
tban, und die da wol wissen, dass ihrem Vaterlande es dienlich und 
dem Staat nicht unangenehm sein könne, E. Ch. D. quanto magis zu 
befreien und zu conservlren. I. Höh. animiren sie über dem noch 
bei dieser Post mit einem besonderen Schreiben, und tbun andere 
Ihre Freunde desgleichen. Nun, Gott, der Gott des Friedens wolle 
Gedeihen dazu geben und £. Ch. D. Consilia dahin segnen, . . . dass 
Sie mit einem langsamen Procedere sich von allerseitigem Joch und 

■) rfalsgraf Adolf Jobaiin von Zwelbrüubeii , dar einzige Brader des 
Königs K arl U u b tav von Schweden ; über Beinen Empfang im Haag s. näheres 
bei Ai tzema III. 1301. In Wcimuo'e 'l'agebücherD ßndel »ich in einem Bchrei- 
ben aus Frankfurt a. M. vom 20. Dec. 1656 als ein dort umlaufendes Gerücht 
erwülinl, dass Friuz Adolf Johann sich mit einer Tachler Cromwells ver- 
malen werde. 

*) Hb ist die Instructioo vom 18. Nov., die Alliem» 111. I'JÖT miltheilL 



„A^iOOt^iC 



PriDC Adolf. Eine polDJiche InatraclioD. 9]^ 

alle Theile von endlichem Verderben klaglich und muthig befreien 
mögen! 

Beilage I. Instrnctio Generosia S. R. M<'* penes CelGos ac Frae- 
potentes D. Foederati Belgii Ordioes Geoerales KfsidentibuK... de Wicque- 
fort et Nicolas de Bie. Dat. DaDti'sci d. 29. Not. 1656. — Oratias 
agent quam moximas DomiDJs Statibos, rjuod in siiceur^um Regiac Civitütis 
NoEtrae Gedaoensis claseem submiseriDt, militcm suppeditariat et pccuniam 
sutibidiartum promiseriDt, \a qoo ergo Nos Regnumque Nostrum et elvi- 
taten) istam Nostram studio ut permaneaut, rogabnnt. 

Invitabitis DomiDou Siatus ad geriam iuterruptornm per invasiouem Sueci- 
cam reassumptionem tractatuuin de iuenudo pro securitat« commeruiorum 
iu mari Baltbico, et quovis aÜo, contra hostee NoEtros foedere, ut sie firma 
ac pcrpetoa inter 2s'os legaumque NoEtrum, ac ipsos coDEorgat amicitia. 

Transactio ElbiugeusiB a Legatis Dominoram Statuum com Suecis ioita 
Dt coDvellatur et nulla approbetur ratioue, procurabuot; imo si Tuturum 
est possibile, ut ue tractatus quidem de moderatione seu melioratione 
ipsJDs hie Tel in Dania reassamantnr; Xostram Regnique Noslri gubiuEcrendo 
amicitJain, qoae eis longe semper futura est atilior secnriorque, veluti cum 
gente sincera ac generosa, et quac vicinorum amicitiaE ex aequo et honesto 
magis, quam ex fortaua et utilitatc colit. 

Legatis hie existentibus Domini Status novas transmittant pIcDipotentias, 
cum ad alia omnia, tum gpeciaüter ad recedendam a dicia tranüactione El- 
bingcDisi, quam ad f;imam et rumorem torbatorum sab Varsavia «rmorum 
Nostrornm festinaDter et genio Polonorum (qui, quamris fortunae aliquando 
in Bcie ee arcommodet, non ideo tarnen statim fincitur) male ponderato 
iaierunt; et, modo factum Fuum potius tueii voleut, quam publicum et 
commune promovere bonam, adderemus, ut eos eiiam monereut, nc sint 
partialee; scd cum adhuc aliud uoti habeamus inuitameutum, quam quod in 
proxima andientia, dum eis habiti com Legatis Galileis Lubliui de media- 
toribus coltoquii recenseremus seriem, quod nimirum Sueci Üaesarem ad 
mcdiationem admittere uequeant, quiajam semel recusaruat; Uollandos, quia 
pro declaratie jam eos habeant hostibus; Dannm ideo suspectum esse, quia 
claeeem Hellandicam per Oresuadum transire permiserit: ipsi ad hanc 
contra se exceptionem nihil penitus respunderunt. 

Unde nihil aliud, quam privatim ipsorum (altiurem enim tion vereuur) 
matationcm conjecturatour; ideo ad praesens hoc vos tantum erire volumus. 
Erellant ex auiinit; Dominorum Statuum, si quam foveiit, ituspicionem, quod 
hoc ex hello religio aliquod suseeptura sit damnum, vel Rcx Sueciae, quo- 
modouunquc TaTentc rorluna, grarem nimie persecutionem. Abeat unde venit, 
uoütris ditionibus dimiasis, iu niaii tcI ultra; hostes quaereio non e^t Fo- 
lonorum. 

A pprobationem pro Nobis Regauque Nuxtro Uomiuis Statiba» a Gencroüo 
Kicolao de B}'c interpositae etipulationis, de nerrandis semper in eodem 
Ben praesenti statu Tectugalibus, quandoqnidem ad Nostrum cum Legatis 
Domiaorum Statuum coogressum remisimus, ipsi vero eam dou rcquirant: nt 



A-nOO»^lc 



92 I' Braudenburg und die NiederlaDde. 

requireodi et rite recteqne hoc negotiam iDstitueodi halieaHt maDd&fnm et 
facultateni, procnrabuot fitlelitates vet-tr^e 

Ad mandatum Sacrae BegUe M'" proprium MartiaDus Witrisky, 
Schol. Gnes. S. R. M''* Secretariue. 

Von demselben Datum der Ciedenzbrier Jobaun Casimir'» für 
Wicquefort als ext raord inareu und de Bie als Ordioarresident. 

Beilage 2. Advis von Boreel dat. Paris 14. Dec. 1656. — „In 
myn dcToir bin iik verobligeerl in't seeret (so 't syn can) overleschryTen, 
daC de Eaecke met Conrcrt v.-in de Heere Prottctor hier wert begounen 
in resolude ende ter handt genohmen te worden. Want ick van tter goeder 
handt hebbe vertitiien ... dot de Heere Proterlor aen dit hof heeft doen 
notificeeren, soo hoest Vranckrjck dit werck sal hebben begonnen, dat 
is. Uooch. üdck daerop tial daadelyik aeuTülgen, daerby yoegende, datier 
iiiet een hollants schip »a] laeten door zee gaen noehtc pasxereo, of hy saVt 
doen Tisiteren; ende in weJtk schip hy maer een stnck spaenEch.goet comme 
te Tinden, dat. J. Hooch. alles, schip ende goet, sal doen confisqneren." — 



Der Knrflirst an Weimaii. Dat. Königsberg 15|5. Febr. 1657. 
1657. Kurze Recapitnlati<in des Verlaufs seit der Schlacht von Warschau; 

tö. Febr. die Feindseligkeit der Polen gegen den Kurfürsten ist im steten Zunehmen ; 

ebenso die Uraiisunikeit ihrer Kriegführung und die Greuel, die sie verüben. 

W eiman tioll eine angemessene Vorstellung an die General st aalen deshalb 

richten und auf Grund der Alliance von 1655 um schleunige Hülfe bitteo; 

es handle tich nni die Conservation des Kurfürsten; es ist womöglich um 

Trappen, wo ntdil, um Geld anzuhalten. 



Weiman an den Kurftirsten. Dat. Haag 10. März 1657. 

IVurstellnugen im Haag übtr die nimc gcfuhrlicho Lage dur Diuge; wenig ge- 
neigte Stimmung in Hollanil und in den Provinzen. Gesprücb mit de Witt 
Reise nach Amsterdam nnd Cleve.| 
10. Mir/. E. Ch. D. gnäd. Reecriple vom 15-, 20., 22. Februar hab ich 
gestern ... empfangen und daraus in Untertbftnigkett ersehen , wie 
es um die prcussischen Sachen bewandt, sonderlich aber was der 
moBCOwitische Abgeordnete angebraeht ') und E. Ch. D. guäd. 
gutgefunden, darunter bei den Herren Staaten der Vereinigten Nie- 
derlande begeliren und behandeln zu lassen. 

Nun ist daraus leictitlich zu ermessen, wie viel der Christenheit, 
zugesehweigen diesem Staat daran gelegen, dass man dem aufsteigen- 
den Uebel in Zelten begegne; dahero Freunde und Bundesgenoflsen 

'} Vgl. Pufendorf VH. J. G, and die Briefo dea Kurfüraten an den Färaten 
Joh. Moriti vou Nassau ans dieacr Zeit Urk. u Actcnat. V. 892. f. 



A-iOOt^iC 



Cromwell n. d. ÜDterxDchnngflrerht enr See. Sohlec-bl« Stiminiing in TTollaad. 93 

die Hand ans Werk schlagen, Hltlfe und Ratli beitragen und also 
(las gemeine InteresBe retten helfen. Wir unsers untertli. Orts haben 
aueh zu allen Zeiten uns lassen aufe hächste angelegen sein, solches 
alles anzuweisen und die Geniflther kräftig einzndrDcken, indem wir 
von weitem immer gezeigt, wie gefährlich es dem .Staat sein wUrd, 
die Ostsee in «ine Hand fallen zu lassen, £. Gh. D. zu abandonniren, 
^k'hweden ad estreuia zu bringen und also Polen, Mo»cau, Oealerreieh 
oder wer es sein niüchte in Preussen Meisler zu machen; mit dem 
Hinzuthun: wire der Krieg übel angefangen, bei Schweden zu viel 
gethan, bie und durt nicht allerdinge wol verfahren, so BtDgste man 
daran als an vergangenen Dingen sieh nicht derouiaassen stossen, 
<lnss man darum das gegenwärtige vergessen und nlsu aus Übel ärger 
machen sollte; Keid, (lass und andere passiones mtlssten fllr dem 
Interesse biegen und weichen; man möge daher die Hand kräftig 
anlegen, den Elbingischen Vertrag ratificiren, E. Gh. D. Hülfe leisten 
und also durch deren Kraft und Gewichte einen raisonabeln Frieden 
mit Polen und die Erhaltung guter Innigkeit mit Dänemark und 
ät'hweden ernstlich befürdem; dieses wäre der nächste und sicherste 
Weg; Separation zwischen Schweden und E. Ch. D., Aureitz- und Auf- 
niegelung anderer Nationen wären Gräuel und solche Extrema, wo- 
dureli nothfyendig mtleste erfolgen was man suchet zu evitiren, indem 
die Waffen nur einen wUrden können Meister machen, da doch der 
Staat von Anfang so grossen Schreck fllr getragen. 

Wir haben auch soviel damit ausgerichtet, dass die meiste Pro- 
vinzen uns darunter seind beigefallen und also verhütet haben, dass 
durch Antrieb einiger violenter Humeuren der Staat zu keinen wirkli- 
chen Extremitäten gelanget. — Dass man aber gedächte, man mflsste 
weiter gehen, sich der Partei mit Herz und Freundschaft annehmen, 
Hülfe thun, wie es auch Namen haben möchte : dazu sehen wir wenig 
Hoffnung und haben von der Zeit ab, dass E. Oh. D. sich mit Schwe- 
den gefitgct, darob gar keine Sicherheit sehen können. 

In Holland hats einige herbe und bittere Gemtlther, die durch 
allerhand Passionen sich von Zeit zu Zeit haben lassen einnehmen; 
sie seind voll MUstrauene, Kargheit, Furcht, Langsamkeit und hassen 
ihre Feinde weniger als sie ihre Freunde vergessen zu lieben. Und 
erstrecket sich solches Uebel auch hie und dort in die Provinzen, in- 
maaseen Holland mit seiner Macht drauf eine starke Influsion und 
Wirkung zu allen Zeiten gehabt. Und kommts also daher, gleichwie 
man ohne Holland im Staate wol etwas kann verhindern, dass man 
ohne Holland daselbst nichts fast thun kann, und dase wir dahero 



A-nOO»^lc 



94 I- BraDd«nbarg and die NiederlaDde. 

wol Weiteningeo und Ruptur verhllten, aber E. Cb. D. ganz nicht 
Tersichern mögen, daes der Staat nacb so gestellten Sachen das 
wenigste effective für Sie tbun werde. Der Hass gegen Schweden 
ist gar zu sehr gross und eingewurzelt, und vermeiiien die hitzige 
noch immerfort: E. Cb. D. mQssten in Moth aein, solle man Sie retten, 
und man mUsse Sie in etwa verlassen, wo Sie sich Ihrer selbst an- 
nehmen, das ist, TOD der BchwediBchen Partei wieder abtreten sollten. 

Es wird ddd beschlossen, erst in Hollftiid zu aondireo, ob der Kurrürst 
überhanpt Aussicht hat aoT UDterBtGtzQDg: auf den guten Willen von 
Holland kommt es doch an. Znnüchst Unterredung Weiman's mit 
de Witt, dem er neben anderem beEonders anch die Bedenklichkeit der 
russischen Einmischung zo Gemiith führt und ihn zu verBulaasen aurht, in 
officieller Weise den Antrag zu stellen: „dass der Stnat E. Ch. D. mit 
Brieren an die Moscan, mit Subsidien und einem Theil zum wenigsteo der 
Danziger Völker an die Hand gehen möchte." 

Dieser Mann nun war wol zufrieden, befand mein Anbringen 
roll Gewichtes und der Art zu sein, dass billig darauf zu sehen, 
sagete aber, er könnte nicht rathen, dass man annoeh in public« 
daraus reden sollte, man mllsste die Gemllther unter der Hand dazu 
präpariren etc. . . . fbgte aber endlich unter andern höflichen Conteata- 
tionen dieses hinzu: wenn der Staat zu einem oder andern reaolviren 
wUrd, BO wollte er verhoffen, £. Ch. D. würden solche Halfmittel 
nicht gegen ihre Intention und Interesse employircn; fragend, ob und 
auf waB Maasse wir sie deswegen geziemend versichern woUtfin und 
könnten. Und dann: weiln man aus der Allianz, als welche notorie 
gegen sie gemachet, nichts prätendiren könnte, wenn sie Geld vor- 
echiessen wllrden, ob und wie man die Restitution tbun wollte. 

In dem ersten Funkt, erklärt W., würden von Seiten des Kurflirgt«n 
genügende Versicherungen gegeben werden. 

Was aber die zweite Frage anginge, da bielten's E. Cb. D. 
dai^r, der Staat wllrd keine Restitution begehren, weiln E. Ch. D. 
solche Mittel zu Conscrvation des gemeinen Wesens anwenden wür- 
den. Sollte aber der Staat es so nicht rerstehen können, sondern 
Erstattung begehren , so wollten wir von E. Ch. D. unterth. verneh- 
men, ob man die Versicherung nicht auf die l'illau, und zwarn sol- 
chergestalt als es fUrm Jahr gennmmcD, geben könnte. Und scbloss 
ich endlich, er mOchte das Werk wol erwSgen, sein bestes dabei 
tbun und gedenken, dass die Zeit geboren, mit E. Ch. D. was gutes 
auszurichten; ... es wUrd eine Separation sein, die der Staat so 
lange begehret, aber ohne Extremität; E Ch. D. würden sich mit 
dem Staat in effeclu abereins alliiren, aber ohne Ruptur mit Schweden. 



Aj.OO<^IC 



Weiman and de Witt 95 

De Witt sngt seinen guten Willen für ans Zastandekomnien za; der 
Knrrürst werde nur gnt dabei fahren — „fnniittebt dnss man Sie mit der 
rillau BO waa an der Angel hielte, würd man Pie In andern Sachen, und 
zwar den elevischen, desto gcEchmeider finden." 

leb werd darauf nun weiter nach Amsterdam, und welln inmit- 
teUt doch wenig vereSumet werden kann, bei Nacht und Tage nach 
Clere eilen, um zu rechter Zeit wiederum in Holland zu sein. — 

Der KorfUrat an Weiman. Dat. Königsberg 29. März 1657. 

[Anlwort auf die Bedenken d? Wilt'»-! 

Indem Wir de« Pen»ionarii Fragen wol und reiflich llberlegen, ü9, MärE. 
80 mUssen Wir bekennen, dass Uns dieselbe in etwas befremdet f^r- 
komm^n, weil sie doch allerseits leicht erinessen kOnnen, dass wir 
alle erlangte HUlfsmittel wider niemand ■andei-w als Unsere Feinde an- 
zuwenden gedenken und das», wann solche Emplfiye wider des 
Staats Interesse und Intention laufen eollte, es fQr Uns keine Hütf- 
und Rettungsmittel sein würden. Der Zweck Unserer Actionen ist 
Friede, und dasa derselbe Je eher je lieber ohne ferneres Blutver- 
giessen gestiftet werde. Dieweil aber dieses Werk nicht allein bei 
Uns, sondern auch bei dem Widerpart stehet, so müssen Wir auch 
Unsere actiones nach desselben Coraportement richten und, wenn die 
Ruhe nicht in der Güte zu erhalten, nothwendig Uns der Waffen 
darzu gebraueben, und halten Wir dahero daHir, es wUrde ein solches 
Dessein nicht wider des Stnals Intention oder Interesse sein und dahero 
es keiner andern Versicherung bedürfen. 

So Tiel nun die andere Frage belanget und dasa die Allianz 
notorie gegen Schweden gemaehet, da findet sieh nun wol nichts 
davon in der Alliancen selber, und obgleich das polnische Wesen und 
der schwedische Einfall Gelegenheit gewesen, die Sache zu poussi- 
ren und zur Richtigkeit zu bringen, so ist doch dieselbe gegen kei- 
nen in apecie gemeinet, sondern in gemein gegen alle diejenige 
eingerichtet worden, welche Uns und Unsere Lande überziehen oder 
feindlich angreifen müchten .... Und weil auch dergleichen üfFent- 
liche Pacta und BDjjdniBse ihren Effect haben sollen, so würde Uns 
auch mit der Hülfe wenig oder gar nichts geholfen sein, dafern zu 
derselben nicht ehender Anstalt gemaehet werden sollte, als wenn die 
Noth und Gefahr uns albereit überfallen. Demnach so werdet Ihr 

solches alles nochmals, nachdem es sich schicken möchte, meanagiren 

der Pillau halber aber nichts Tersprechen oder Euch deshalb rerbind- 
lich machen. — 



^aovGoOt^lc 



gg t. Brandenbarg nnd die Niod^rtaDilo. 

Weiman an den KnrfÖreten. Dat. (Haag 27. M«rz 1657) '). 

[Keue BemühuDgen um die Uaterstülzung Hollande. Danzig gegen Pillaa.] 
n. Nach W.'s Rückkehr in den Haag neue Bet^prerhn n gen mit de Witt, 
der wirdernm Reine Bedenk lieh keilen vorbringt; man wolle dem Kurfürsten 
gern helfen, aber „man müsste wissen, zu was Ende, mit vns Sicherheit 
nnd gegen wen", nnd namentlich verl.ingt er wieder Sicherheit auf Pillan, 
wie nie ]65ö xugetiagt worden Bei. Mit den allgemeinen Versiehe rangen, 
nuvon Weiniaii spricht, meint de Witt „doss mami damit nicht würde 
heben können." 

Es wird danci bescblosseii , ein Memorial bei den General Staaten ein- 
zugeben, was auch e. d. 21. Mär^ vor den euer al Staaten rorgctrageii 
wird. Die spe'cielle Autwort steht noch bevor; jedenfalls scheint der Ein- 
druck ein ganz guter zu sein nnd ist „auf allen Fall kein Schade damit 
gCKcheheu, dass man sie auf die AUiuuce eiuraal angespioclien." 

nierbei Memorial au die Gencralstaaten, dat. 27. März in 
40 Punkten, darunf hinaus kommend, Anns nnch Darlegung der Lage der 
Knrfürat verlangt, die General Staaten sollen an den Grossl^rslen von Mor- 
cnu schreiben und Gesandte schicken, ihn von seinem Vorgehen abzumah- 
nen: ferner dem Kurfürsten Subsidien zahlen; desgleichen eine exiraordinire 
Beisteuer unter Gestalt eines Aulehens oder sonst, mit geeigneter Vor- 
Sicherung 

Es ist die Rede von eiucm Dcsscin der Danziger anfP.llau, in Betreff 
di'Sseu Weiuun und Copes ein Memiiire an die Generalstuaten eingeben 
(niclit vorhanden). 



Der Kurfürst an Weiman. Dat. Königsberg 12. April 1657. 

(Drängen um Subaidten; Plllin nichi zu rerpßudpn.J 
1^'. April. Antwort auf vorige Relation; zu näherer Begründung werden ihm die 
Propusit Ionen des nioscowi tischen Gesandten niitgellieilt. Auf dem Snb- 
sidium muss bestanden werden. 

Sollte mau aber damit cunctiren wollen, 80 habt Ihr nochmalii 
darauf zu bestehen, dass Wir Uns bei so gestalten Dingen notlnreo- 
dig würden zu England wenden uiDsRen. 

Viir.-cliläge in Bezug auf Verpfändung vi>n i'ill.m sollen abgelehnt 
und nanientliih anch nnf die J.ilousic von DÄni'niiirl: liingf wiesen werdfu. 



Weiman an den Knrfüreten. Dat Haag 10. April 1657. 

(Keine Aueaiclit auf Hilfo| 
10. April. In der Angelegenheit der Sobsidien nnd des Schreibens an den Mos* 
cowiter ist man noch niilit weiter gediehen. Holland wird erst demnächst 
susamraeiitreten. 

■j Abachrift o. l>. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



Wenig AasBicht üot holUndiBche Hilfe. 97 

Der HasB gegen Schweden ist gar zu gross und bezeuclit sicli 
auch auf E, Ch. D., als welche dafUr angesehen werden, dass Sie 
Schweden gar zu sehr unterstützen. Uns ists zwar hnrt und zu be- 
klagen, wir nittssens aber immer repetireii, dass E. Ch. D. nach so 
bewandteu Sachen alhie Bchwerlieh etwas wirkliches zu hoffen; und 
mag alle unsere Mtthe und Arbeit ein mehres nicht fruchten, als dass 
wir arges helfen abkehren, der Partei zum besten, und dass wir die 
Sachen in terminis einer gemeinen Freundschaft halten. 

Weiman an den Kurfilrsten. Dat Haag 14. Mai 1657. 

IHulUnd zielt aar Pillaa; auf Hilfe nicht zu hoS'eu. Bt!vor9ti:1iei.i<ler d.'inischer 
Krieg, Die Stadt. Müuslpr gegen ihren Risehof] 

Gestern hat der Ruth Pensionarius de Witt mit I. llnh. geredet 14. Mai 
und heute mit mir; es hat aber kein ander Ziel dabei, als dnHS Hol- 
land die Pillau absolute und wirklich in ihrem Besitz zu haben be- 
gehret und auf solchen Fuss wol Volk und Geld herzugehen kein 
Bedenken tragen wbrd. 

Das kann nirlit zugegeben werden, und so stockt die ganze Angelogenheif. 

Die Ambassadeurs aus Di^nemark schreiben vom G. Mai, dass 
es sich daselbst zur Ruptur gflnzlich anlasse mit Schweden. — 

Deputati der Stadt MUnstcr seind auch hie und eifern so sehr 
gegen ihren Bischof, als sie sehr protestiren, dass sie zu E. Ch. D. 
ein besonder uoterth. Vertrauen setzen. 

Beilie ;end; Menioiinl der MünBtcrscIien Gesandten au die Genrralstiialen, 
worin die Staiit unter Berufnni!; auf ihre alte Sfpllnng als Metropole von 
Westfalen und oIs Hansestadt die Ocncralstnntcn eri^ucht, sie in ihre 
Allianee und unmentlich in die Verbindung aurznncLinicn, welche die Nie- 
dertande jetzt mit mehreren Stauden des Ueielis abzuschliessen im BegrifTc 
stünden >). 



In den folgenden Wochen wenig Berichte von Belang; es bleibt hier 
xonächst alles beim Alten, und die Niederlande verzögern jede Entsdiei- 
dong, in Erwartung der mittlerweile durch die Kriegserklärung Dänemarks 
gpgen Kcliweden vorgehenden Veränderungen. 

In Weiman's Tagebüchern ßndet sich aus dieser Zeit Nachricht von 
riaer Audienz, die der Bpauische Gesandte im Haag, Dun Estevan de 
Qaniarra bei der verwitweten Prinzessin Amalie von Oranien nm 
M Juni hatte; der Gesandte cunteslirt, wie gut Spimien und Oesterreich 8, 

') Gedruckt bei AitÄsma IV. 71. Vgl. Wicqnefort hiet. d, prov. nn. It. 
454 fr. Tücking Oeschichte des Btina Münster unter Christoph Bernard 
T. Galen 28 ff. 



Hitit. I. 0*Kh I 



„A^iOOt^lc 



98 I' BraDcleubarg nnd d'w Niederlinde. 

es mit dem KurfürsteD meioten und bittet die Fürstin, sie möge daza be- 
hilflich sein, da.s3 ihr Scbviegersobu die schwedische Partei trerlaBEe nod 
sieb mit den Polen und deren Freunden aussöhpe. Die Princessin lehnt 
es höflich ab, sich in die Angelegenheiten des Kurfürsten zu mischen; doch 
beschliesst sie dann mit Weimau, ihm von der Propo<:ition des Spaniern 
Meldung zu machen; und Weiman stellt in seinem Schreiben anheim , ob 
man nicht, wenn dabei bessere Bedingungen zu erlangen, darauf eingehen 
wolle. 

Beiliegend ein Memorial Gamarra's, worin er alle die Vortbeile 
aufführt, die dem Eurrürsten aus der vorgeschlagenen Verbindung erwach- 
sen könnten; namentlich die Eroberung von Pomraern — „son legitime 
patrimoinc" — wird in Aussicht gestellt Was die Souveraiiiitat in 
Preussen betieffe, so werde dieselbe allerdings schwer bestehen bleiben 
können; aber ea würde dem Eiirrursteii die Errichtung eines obersten^ 
Jnstiztribunals in Preusseu gestaltet werden, um die lästigen Appellationen 
nach Polen hin ab7-nsthafl"en; auch würde man in Pulen gern bereit sein, 
die Verpflichtung zn persönlicher Lehetisempränguiss aufzuheben. Für das 
weitere soll der österreichische Gesandte Lisola an den Kurfürsten ge- 
schickt werden. 

2f>. Juni. Schwerin an Weiman dat. Königsberg 25. Juni 1657 |: Zeigt ihm an, 

dasE der Kur^U^^t jetzt entschlossen ist, sich vün Schweden loszumachen; 
die Einleitungen sind gelroß'en; VVeiiuan soll mit der Princessin von 
Oranien darüber sprechen und ihren Ralh erbitten:|. 

2^-JHQi. Schwerin au Weiman. Dat. Königsberg 28. Juni 1657. Den 

Schweden ist nicht sehr wot xa Muthe. Man bat brandenburgischer Seits 
dem Abzug des Königs ans Preussen nicht widersprochen, aber sich doch 
so darüber geäussert, dass man erkennen Hess, dies könne eine Veranlas- 
sung zum Bruch werden. Anf die Proposition Gamarra's ist es augen- 
blicklich nicht thnnlich zu antworten. Lisola wird erwartet. 
5. Juli. Schwerin an Weiman. Dat. 5. Juli 1057. Li.sola wird noch 

immer erwartet; wenn er keine besseren ßediuguiigen bringt, als die Ga- 
marra geboten, wird er keine sonderliche Aufnahme finden; in diesem 
Sinne soll auch Gamarra bedeutet werden. 

10. Juli. Schwerin an Weiman. Dat. 10. Juli l(>d7. Gestern ist Lisola 

angekommen. König Karl Gustav wünscht sehr eine persönliche Zu- 
sammenkunft mit dem Eurfdrslen; es wird aber nichts daraus werden; die 
KurHirstin ist sehr uupässlich '). Schwerin glaubt, dass der Kurfürst za 
Tractaten schreiten wird; aber noch ist seine Intention nicht ofl'enkundig, 
iil- — •!') *e'S3 nicht, woran er ist; bald wüthet und tobt er, bald ist er 
humillimus. Ich bin am übelsten dran."'). 



■) Am 1/11. Juli wurde sie von einem 3ohn entbnndcn, dem UHchmaligen 
KarfüTsten Friedrich III. 

•) Chißrirter Name; vermuthlicli Graf Scblippenbac li, der ata Vertreter 
dar latereesen des Könige Karl Gustav sich am Hofe des Kurrürsten befandi 
vgl. Droysen Prensa. Polit, III, 2. 34S. 

^) Alle diese Kxcerple ans Weiman's Tagebüchern. 



.yGoot^lc 



Oamarra. Lisola. Holland sawarteod. 99 

Weiman an den Knrfttrsten. Dat Haag 24. Juli 1657. 

[MiDoichrache Geschäfte. Dr. Jena erwartet. Im Haatr die Situntioo norer- 
iodert: eawartende Stimmung. Neue Wendung dps Kriege iliirch den Weggang 
itt Schwedeokönige aug Preusaen ; Ansicht darüber ia Holland. Gespräche 
mit de Witt; SprÖdigkeiL gegen den Gedanken der Souveraiiiititt in Freuesen. 
EiDo BulancealelluD^ «ird jetzt Tür den Kurfücateu gewünscht; Dicht feindliches 
Anftreten gegen Sc^hweden ] 
Als man zu Cleve mit den tnärkigclißii Ständen alles zur Rieh- 24. Juli. 
tigkeit gebracht und Fttrst Maurilz bei ihme festgestellet, wie man» 
mit den clevischen hinfUro zu halten, so bin ich ... am 22. alhie 
nieder angelandet. Ich habe dabei för mir gefunden E, Ch. D. gn. 
Rescript vom 5. Juli und werd demselben zu unterth. Einfolge gegen 
den 4. Aug. mich wiederum nach Cleve verfugen, gestalt daselbst ■ 
E. Ch, D. geheimen Ratha D'" Jena Ankunft') abzuwarten und als- 
dann weiter gehorsamlieh zu referiren. 

Hie hab ich inmittelst die Sachen in einem solchen Zustande be- 
funden, dass in meiner Abwesenheit nichts versäumet und in meiner 
jettigen Anwesenheit Tielleicht noch wenig zu thun sein möchte. Der 
Staat bleibt bei seinem alten Thun, rathschlaget viel und schleiisst 
wenig, arrairet zu Wasser, um alles en cervelle zu halten , und weiln 
andere sich inzwischen von allen Seiten sehr embrnuilliren, so betrtl- 
hen sie sich Tielleicht nicht am meisten darum, weil sie den Vortheil 
daraus ziehen, dass sie nur zuzusehen haben. — 

Die meisten reflexiones fallen nunmehr und nachdem der König 
Ton Schweden aus Preussen weggegangen, auf Polen und was E. Ch. D. 
dabei thun werden. Holland wünschet und hoffet, E. Ch. D. werden 
bei dieser Gelegenheit sieh in etwas herausreissen , dahero sich mit 
Polen wieder in so weit setzen, dass Sie zum wenigsten auf gute 
Conditionen Neutralität bewerben; sie vermeinen, Schweden gebe Ur- 
sache, der Herr Lisoln Anlass, Polen gute HofTnung, und würden 
ihre Ambassadeurs darunter zur rechten Zeit auch einkommen. — 

Gestern hab ich darob mit dem Herrn de Witt lange Unter- 
redung gepflogen und alles deromaassen gepräpariret, dass ich ver- 
meine, E. Ch. D. gnäd. Befehlen ein Genügen geleistet zu haben. 
Die SouverainitAt, Ermland und dergleichen will annoch nicht 
wol durch den Magen, ich weiss schier nit warum, und da man doch 
bekennt, dem Staat sei aufs höchste daran gelegen, dass E. Ch. D. 
quaDto magis versichert und sowol gegeu Polen als Schweden ver- 
stärket werden mögen. Dann war es dies, dann das; endlich aber 



■) Vgl. Urk. ODd Actenat. V. 90-2. 

7* 



^düvGoot^lc 



100 ^- BfaiJeiburg ond die NiederlHnde. 

nahm er an, es, soviel inü^licli dahin zu richten, dass ihren Atnbaesa- 
deuren mit eliisfeni aufgegeben werdt'n Bollte, bei Polen zu befördern, 
dass E. Ch. D. darunter ^ewillfaliret und Sie also in dem Stande, 
da Sie sich anjetzt in belinden, gelaHsen ivenlen möchten. Vermeinte 
aber, E. Gh. D. würden diese Zeit und Ooujuuctur nit mliäsea ün- 
fruclitbarlieh vorbeigehen lasüen, wie maus auch machete. 

So sprechen auch andere, die E. Oh. D. am meisten geaflfectio- 
niret sein, und rathen, wenn Polen die Souverainität, Ermland oder 
dergleichen anböte, so hiTttens E. Ch. D. freilich anzunehmen und 
demnächst Ihre Waffen von den Kchwedisclien alizuzichen , sich zwi- 
schen beiden und neutral zu halten und endlich durcli fürsichtigea 
Balauciren einen solclien Frieden zu befördern, wodurch beide Kro- 
nen hinfllro ausser Huin und soviel niögücli in Gleichheit gehalten 
werden möchten; nnd würden durch solche Wege E. Ch. D. sowol 
als auch der Staat am bebten zu ihrer ßcchnung und Sicherheit ge- 
langen fürs künflig. 

Sie begreifen auch endlich, dass ihnen nicht weniger als E. Ch. 0. 
die seliwediaehe Kuui und der Polen gar zu hohes Glltck ex aequo 
bedenklich seie; die Waffen dahero gegen Schweden zumalen feind- 
lich anzunehmen, dazu können glimpHicbe i>eute, denen das Werk 
bekannt und E. Ch, D. Heimtntion und Wolfalnt Heb ist, nicht rathen 
und ziehen darunter viele Ursacheti an. Alle aber bleiben sie dabei, 
E. Ch. D. mtissten bei dieser Gelegenheit Vortheil «chalTen, es sei bei 
Polen oder Bchwedeu, und dennoch uimmcrmehr aus den Augen 
lassen, das ganze Werk deroniaassen terminiren zu helfen, dass kein 
Tlieil des andern Meister werde. Zwar sei es delicat, mau niilsste 
aber einen beständigen Zweck in allen actionibus haben und darnach 
sich, so viel es dennoch möglich, immerfort richten ; und wllrde solchen 
Falls, da E. Ch. D. nämlich sieh obged. Maasse mit Polen setzete, 
der Staat sich zur Guarantic und gemeinen Consiliis hinfUro besUln- 
dig wieder einlassen. 



Weiman an den Kurfilrsten. Dat. Haag 31. Juli 1657. 

|Die nene Situalioo im nordiacbeo Krieg. Alle Itu neun e gegen Braiidciiboi^ und 
Neid über Beine Krhlge. Neue AbmikliiiungeD , iiiclit ncliv gegen tjcliwedeu 
aafzulrelon; auch Weimaiis Anaiclit. Dfiueninrli wird von den Oencrol st aalen 
völlig im ijticli golaaseo wei'dvii. Llolirmdisclie AjipreliciiBioiieii nach allen Seilea, 
Allgemeine UD8ichorheil.| 
3i.JnIi. Unkinre Stimmungen im Hang über die neue Sitnalion in Prenssenj 
je(lerm.-tiiu verlangt jetzt von dem Kurfürsten schlconigEtes Aufgeben der 

i:q,t7r.d .*^-.00<^IC 



Mstthi^rzige Slimmnng in Holtand. XOl 

schwedischen Partei nnd Versöhnung mit Polen, ohne die Schwierigkeit der 
Sache za ermessen, nnd ohne dass man geneigt ist, dem Kurfürsten zur 
BenutZQng der Situation behilfl'ch zu sein. 

So stehet man stille, verschlagen unil hckOmmcrt, und weiss 
man eehier nicht, wo man sich zwischen dem Guten und dem Neid 
hinwenden solle. An einer Seite sichet und erkennet man des Staates 
loteresse in E. Ch. D, Verstärkung; an der andern Seite strebet und 
streitet annocU der alte Groll gegen einen Potentaten, der in vielen 
Dingen gegen ihren Sinn verfahren; und wissen sie also nicht, ob 
man den Anibassadeuren in Preussen befehlen solle, dass sie in specie 
auf die Feststellung der Souverainität mitarbeiten und Polen dazu 
disponireu, oder bei dem alten Memoriale vom verwichenen Jahre 
nur verbleiben sollen. — 

Wollte Gott, wir wDseten jedesmal und in Zeiten, wo etwa 
E. Ch. D. Gedanken und consilia hinzielten; man könnte an diesem 
Orte nunmehr, ceu vertice rerum, zuweilen wol Dienst thun. 

Wieder Anmahnungen (wie gcnölitiltch, angeblich aus dem Mund hie- 
siger wolgcRinnler Freunde) sich lieber auf die Balance zu stellen, als etwa 
aaf die Seite gegen Schweden: 

Ohne grossen Vortheil, ohne Sicherheit, ohne Satisfaction von 
Partei und Interesse zu verändern, solches wÄre gar zu bedenklich; 
Frankreich, England und andere wären nicht ausser Acht zu lassen, 
und stiege bald wieder aufs hüchstc, was in einem oder anderen 
Augenblicke sich in etwas niedergelassen hätte; und verhoffeten sie, 
E. Ch. D. würden solches nach Gelegenheit Ihres Zuetandes hochver- 
nönftig erwägen, inmaassen wir es auch unsers geringen Orte hillig 
dahin lassen gestellet sein. — 

Dieses muss ich melden, dass der König von Dänemark von 
hier wenig Hülfe wird nach so bewandter Sache zu gewärtigen haben; 
er ist eingestiegen und dürfte man ihn nunmehr baden lassen . . . 
Man fanget bereits an zu sagen, man hab die Ruptur gänzlich abgc- 
rathen. Dänemark hat auch zu vernehmen gegeben, man mtlsste die 
Commercien in und mit Schweden sclilicsscn und die Zufuhren be- 
hindern. Holland aber will davon durchaus nichts wissen, sondern 
es lieber mit Gewalt verhindern. 

Nach der muscowilischen Domination auf der Ostsee verlanget 
ihnen auch nicht mehr so gar sehr, sondern man fanget an, einen 
Schreck dafür zu haben; inmaasscn man denn auch fär allem heflig 
apprehendirct, dass England eine so grosse Macht in Duyns hält und 
man sich besorget, wo mau Dänemark zu Hülfe kommen wUrd, dass 



A-iOOt^lc 



\Q2 I' Brandeobui^ und die Niederlande. 

der Protector das Gegenspiel thun dUrfle. Und kann man also am 
diesem Staate nichts sicherers melden, als dass alles unsicher ist. — 



Weimaii an den Kurfürsten. Dat. Cleve 22. Ang. 1657. 

[Besprechung mil Jeiia in Clove über diu rr>tniEcbe KÖnigBW&hl. . Frankreich 
gegen eine österreichische Wslil. Spanten, Polen sehr eutgegenkommeDd Tor 
BruDdeubarg; HoUatid bedenklich, Meiaungen für und gegeu die Politik der 
Balance; vermittelnde Ansicht) 
I Aug Am verwichenen 9. Aug. bin ich aus dem Haage nach Thurnhoet 

gegangen und von dannen am 16. alhie zu Cleve angelanget. Ich 
hab daselbst E. Ch. 1). geheimen Rath Dr. Jena annoch gefunden, 
dahero E. Ch. D. guäd. Befehl zufolge mit demselben aus denen 
ihme committirten Sachen geredet'), wobei wir, nach erwogenem 
jetzigen Zustande der Sachen und Zeiten, denn der Meinung gewor- 
den, man könne zwar nichts festes ralheu, bis man sehe, ob und wie 
weit E. Ch. J). sieh mit I'olen setzeu werd; denn solches die Sachen 
sehr afficiren wllrd. Jedoch weil es vernuithlieh, dass es zu einigem 
Schluss gedeihen dürfte und dass dadurch die Interessen mit Oester- 
reich guten Theils leidlicher werden mtissten, so zeigete es sich von 
selbst, was Weg endlich zu hallen sein wllrd. Wo auch Baiern 
für sich nichts wollte, inmaassen es das Ansehen wol hat, so wire 
C8 noch um desto sicherer, dass keine Veränderung gross zu machen. 

Mons. de Thou sagetc und zeigete mir's aus seinen Briefen, 
Frankreich wäre geresolviret, alles dabei aufzusetzen, es wäre Geld 
oder Volk, um Oestcrretch draus zu hallen. 

Was kann's aber machen, wo Cöln oder Baiern ein solches Ziel 
nicht auch haben? Und zweifelt's uns endlieh nicht, E. Ch. D. werden 
demnach dero Gesandten darunter dero gnäd. Willensmeionng eigent- 
lich und näher Überschreiben. 

Gleichwie Frankreich es thut, so unterlässt Spanien auch seines 
Thciles nicht, E. Ch. D. aufa höchste zu mesnagiren ; und sagte der 
Herr Gamarra vor wenig Tagen noch, man wtird E. Ch. D. alles, 
was Sie nur begehren würden, ohne Zurücksehen zuschlagen. 

Der polnische Resident gibt auch selbst zu verstehen, mu 
mUsste E. Ch. D. nichts weigern; man wllrd es aueb nicht thun und 
wäre er dessen aus fUrnehmen Schreiben wol versichert — 



') Ueber die bevorstehende römische Königswahl, eu welcher Jen« ab Ge- 
sandter bestimmt nur. 



,Goo<^lc 



Ver*chied«De AoBichten nnd Rathechläge. ^03 

In Holland ist allee damit gleiobssm aufgefOllet, dass E. Ch. D. 
wieder wendeten und polnisch geworden; Wagen und Schiffe seind 
voll davon. Die Elugeste aber seind darnnter ziemlich bekümmert 
und furchten fBr Reputation und Sicherheit; alle VerSndemngen wä- 
ren geßhrlieb , die polnische Partei schwach . . . wer erwählete nü- 
seros amicofl, wer vertrauete sich zd leicht an versöhnte Feinde? Die 
österreichische Htllfe wäre weit entlegen und unsicher, die dänische 
nicht mächtig genug und bereits nicht sehr glQckticb; die polnische 
aber nichts denn Greuel und Verderben, wo sie käme; von dem nie- 
derländischen Staat könnte man wenig wirkliches oder'gates erwar- 
ten. Dagegen wäre Schweden wachsam, geschwind, in Holstein ver- 
stärket, glücklich und immer versichert, wie es ginge, daes Frank- 
reich und England endlich die Hand dran bieten mlissten und wttrden. 
Bei denen aber stünde nunmehr die meiste Macht. Zu geschweigen, 
dass MoBcau sich zuletzt mit Schweden aus Neid gegen Oester- 
reich wieder fügen mOchte. Und wie ee sei, Bo wäre es allerdings 
verdächtig und gefährlich, die Pfaffen in Polen und Oeaterreich in 
beiden durch Eriegsmacht Meister zu machen. Balanciren und aufs 
höchste ohne Partei so viel möglich Tractaten zu befördern, und eol- 
cbes auf gute Conditiones , wäre eowol fUr das evangelische Wesen 
als E. eil. D. das sicherste — und was desgleichen. 

Jedoch sprechen andere auch anders und zeigen dieses und jenes-, 
schwedische Schwachheit; im Glück Härte und Untreu, und dass sie 
E. Ch. D. bei diesem Werke ^r zu sehr verlassen . . . zwischen 
beiden zu sein, wäre an beiden Seiten gefährlich, und weit das beste, 
ein Theil zu wählen und zu agiren. Und wollen dieselbe, man müsste 
gar bis in Holstein gehen und daselbst suchen dem Wesen seine 
Endschaft zu geben, das übrige wUrd von selbst hernach wol folgen 
und sich anschicken. An Grund und Ursache ermangelte es E. Ch. D. 
nicht, indem Sie im Anfang von den Schweden gezwungen und im 
Ende davon gänzlich verlassen und drangegeben worden wären, nicht 
ohne VerbrechuDg der aufgerichteten Bündnissen etc. , . Und dass 
Oestcrreich gar zu mächtig werden dürfte, wäre so gefährlich nicht, 
als dass Schweden seine Monarchie auf einen Fussbreit weiter als 
bishero ausstrecken und vermehren sollte. 

Andere dagegen weisen onf einen Mittelweg hin — 
man sollte von Polen die Souverainität, Satisfaction, Ermeland zum 
wenigsten bis zu Ende des Kriegs oder auf gewisse Jahre, von Schwe- 
den Neutralität und zwischen allen die Mediation suchen zu erhalten, 
und also die Waffen zwar quovis modo conserriren, aber doch so 



A-nOOt^lc 



"IQ^ l- Brftadenburg und die Niederlande. 

weit suspendiren , dass man sehen könnte, ob mau aus dem Werke 
nicht durch den Weg der Tractaten kommen könnte. . . . 

Und Beind dieses bo die Gedanken, welche dieser Oerter am 
meisten in's Mittel kommen; und wUrd ich meines unterth. Ortes, da 
E. Ch. D. micii drum gnäd. fragen würden, mit dem letzten mich am 
leichtesten fügen. E. Ch. D. werden aber in arena die beste Consilia 
fassen können. — " 

Weirnan an den Kiirflirstcn. Dat. (Cleve?) October 1657. 

[Dur Vcrlrug von Wthlau Kindruck in Uollapd. Aiilcilio für Däacmark. 
Ilolirmdiaclie Ang!>t vor Fmiikruich und Engtand.} 
October. Aus ilen preust^ieoheo Briefen ersieht er den AliKchliias des Kurfürsten 
mit Pillen '); er will alsbald (ans ClcTe?) nach dem Hang, um bei den 
uocb Ters.immeUeii Staaten von Holland sogleich d<is Notbige zu thun. 
Alles ist itu höchsten Gisd gefpaiint, etwas nälieres zu erfahren: Wei- 
rnan stellt die Sache in das für Uraudcnburg güusiigste Lieht — 
und glaub ich es, wicwol ohne jeitiands Aufsehen oder AergernisB, 
soweit gebracht zu haben, dnss dadurcli die consilia pro |:König in 
Dänemark :| ziemlich angestArket und sonst auch ins Mittel gebracht 
worden, ob man nicht etwa einen Minister an E. Ch. D. Hof senden 
oder einen oder zwei von denen Ambassadeuren , so bei Schweden 
sein, zu E. Ch. D. abgehen lassen sollte. 

Man hat auch sonst im äusserlichc«, da die polnische Partei und 
schier jcderman mit vollen W^orten ausschreiet, dass E. Ch. D. sich 
mit Polen off- und defensive gegen JÖchweden verglichen habe, eine 
weit grössere Gunst als vorhin bei den Regenten, sonderlich denen 
. von Holland erspUren können. — Ob man hinfüro nicht weiser sein 
nnd lUrsichtigcr mit E. Ch. D. umgehen werd, solches mag die Zeit 
lehren; inmittclst soll für Dänemark gerceolviret sein, dass man 
Sr. Maj. mit einer Anleihe von 1500 m. Gulden gegen Vei'pf^ndung 
der Zölle an die Hand gehen wolle, wiewol Holland darob bishero 
noch nicht«) zur GencralitHt einbringen lassen, und zu besorgen, daas 
es mit der wirklichen Auszahlung von deswegen, dass ein gut Theil 
der Provinzen darunter ziemlich schwierig und nicht geinstniiret sein, 
laugsam hergehen möchte. 

ludess wird auch vielfach noib be^weirdt, da&6 die Niederlande blch 
irgendwie etiergii-ch gegen Schweden betheiligen werUvu. Müti fürchtet die 
Franzosen und die Engländer, die in Flundern immer grossere Fortschritte 
gegen die Spanier machen. 



') Vertrag von Wehlau dat. 19. Sept. 16ÖT swiseben dem Kurfürelen und 
Polen. 



^aovGoOt^lc 



Vertng roa Wehlan. Stadt MöDSter. ]^()5 

Die schwedische Miniatri sagen auch rund heraus, alles waa Hol- 
land an DftDemark thun würde, Bolchee wAre der Protector es foedere 
schuldig hinwieder an Schweden zu prästiren. 



Weiman an den KurfUrsteii. Dat. Haag 30. Ort. 16.Ö7. 

[Die polDiBch-brandeuburgiecbe VersöhouDg. Der Kampf iwiecben Munater und 

dem Biscbori die HullAndtr lÜBten gicb, der Stadt zu heiroo: was einen Frieden 

bewirkt. Die däniacbe Anleihe von der ProvioE Hullaod berürworUt nnd 

vorauabeEahlt | 

Von etlichen Wochen hero ist hie fast nichts in Consideration 30. Oct. 
gekommen, als E. Ch. D. Versöhnung mit Polen und das MUnster'- 
Bche Wesen. . . . Und ists endlich dahin gediehen, dase hei Provision 
der Commissarius Pelss ') zu E. Ch. D. zu gehen beordert und 
mftnniglich der Meinung geworden ist, ehe man Ambassadeurs schicken 
sollte, mtlsste man zuvorderst von der Sache nShem Berichtes ab- 
warten und zusehen, ob E. Ch. D. selbst nicht deswegen etwas an 
den Staat gelangen lassen wollen. Wir unsers untertb. Orts leben 
anch der Hoffnung, dass solches geschehe und uns mit ehistem E. Ch. D. 
Befehle und Instruction zukommen möge, wonach wir dieses Staats 
inclinationes , weiln das Eisen noch warm und die Affection fttr das 
polnische gemeine Interesse noch Krafl hat, mesnagiren können. 

Als viel aber das MUnstersche Wesen betrifft, da ist am 
20. dieses bei Holland und am 21. bei der Generalit&t geresolvirct, 
dass man die Stadt, nachdem der Herr Bischoff die Mediation abge- 
schlagen, mit Kriegesmacht retten sollte'). Man trug dem Herrn 
Rheingrafen das Commando auf; zu Fuese und zu Pferde ging die 
meiste Macht des Staats nach Groll als auf den Rendez- vous-platz-, 
alles niarschirete etc. Wir unseres Ortes thaten in publico nichts 
dazu; wenn wir aber betrachteten, dass E. Ch. D. der Stadt nicht 
abgeneigt und durch dieses zum wenigsten die liguistische Neubur- 
gische Desseins in etwa gebrochen und £. Ch. D. Freundschaft dem 
Estat so nöthig und considerabel als es gewiss werden wUrd, dass, 
an Statt einer Allianz und BUndniss, Neid, Uass und Feindschaft 
zwischen den neuen Feinden aufkommen mflsste, so waren wir auch 
nicht dawider, sondern gedachten, wenn gleich das Exempel voll 
nachdenklicher Consequenz wäre für andere benachbarte Länder, so 
möchte das Reich hinfliro solches resentiren. 

') Niederl&odiscber CuanniaBar io Dauzig; vgl. obeu p^. 45. 
<j Sacietfl BesolutieD L &60 ff. Wicquefoit IL 457. 



yGoot^lc 



106 1' Brandenburg und dia NiederUude. 

Kurz, sie hallen sich in der Angelegenheit zurück, zuma) sie glauben, 
dasR es zu ernstlicher Actinn doch nicht kommen and der Bischof Gcbon 
Tur der Drohung Hollands zurückweichen wird; wie denn bereits auch 
mehrere dahin lautende Is'achi lebten hier eingetroffen tind '). 

H o 1 1 a n d hat sein Advis wegen der dänischen Anleihe auf 
600,000 fl. zur Generalität cingebraclil, aber darauf ein mehrers nicht 
erhallen können, als dass es die Geeomniittirten der Provinsen ad 
refcrcndum angenommen '). £s ist dennoch gewiss und bekennet» 
der Herr Kosewing selbst'), da&e Holland inmittelst das Geld schon 
wirklich ausbezahlet und darftlr die Hypothek am Sundzoll ange- 
nommen habe. 



Weinian an den Kurfürsten. Dat. Haag 6. Nov. 1657. 

[.Subsiilien für Däuemark. Der Krieg in Flaudero; die englischen „veiligia 
cisDiarina"; HollaDd jetzt ganz eifrig; Anerketinang für die braadeDborgiacbe 

Polilili Schniurigkeit der Behandlung dieses Staates ] 

IV, Dieser Oerter gehet anitzt sehr wenig für. . . , Inmittelst zahlet 
Holland die vor diesem gemcltc 600,000 fl. an Dänemark und ist 
der Herr Roscwing deswegen zu Amsterdam. Zwarn hat die Ge- 
neralität dazu, als es Holland förstellete, nicht direete verstehen 
wollen; wenn sie es aber auch nicht ofi'entlich gecontradieiret, so 
nimmt Holland soklies pro tacito cnnsensu an und gedenkt, die Zeit 
werde den liest wol nachbringen. Wir waren unter der Hand von 
Holland untersuchet, die Provinzen hie und dort in etwas zu dispo- 
niren; es wollte aber nicht weiter damit gelingen, als dass die fDr- 
ncbmste zu verstehen geben, Holland möchte nur fort gehen und nicht 
zu viel fragen. Dilnemark hat dafür die Zölle im Sund und Nor- 
wegen verschrieben Auf andere Einkünfte der Krön hatte man auch 
geprätendiret; es saget mir aber der Herr liosewing, dass er sol- 
ches rotuude abgesclilagcn hätte. Es mag Dänemark wo! im Grunde 
wenig helfen; sie sehen aber hichei fUrnchmlicb aufs Gerttehte und 
das Engagement einer so fUrnehmen Provinz. 

Männiglich stehet auch in suspenso schier wegen des flandri- 
schen Wesens und glaulit man fUr gewiss, dass England selbst auch 
den Franzosen nicht allerdings trauen könne, sondern immer besor- 

') Vorgleich Kwiscben der Stadt nod dem Bischof dat. 20. Oct. 1657; öfl«r 
gedrackt, Londorp Ä. T. Vlll. ^^u. a. C; vgl. Tücking 53. 
') Socrete Besolutien 1. !>61B'. 
■^ Henrich Willemaon Rosewingo, dunischer Gesandter im Haag. 



A-nOO<^IC 



Däniachs Anleibe. England ■ „ventigia ciBinarina". 107 

gen mflsse, dasB Frankreich der Englischeii vestigia ciamarina sehr 
apprebendire und dermalen einst subito und Dber Vermuthen sich mit 
Spanien setzen und vergleichen möchte. Zwar iats nicht ohne, dieser 
Estat auch hat grosse Ombrage von den englischen Desseinen in 
Flandern und wissen nicht, ob man nicht umzusehen. Wie es aber 
ein Werk von grossem Gewichte ist, so stehet man immer stille und 
getröstet man sich, dass man dagegen an der Ostsee fDr der engU- 
sehen Macht sich desto weniger zu befahren habe. Aus welchem 
allen denn wol abzunehmen, dass sie sichs 'lassen ein Ernst sein, 
nunmehr ihr Macht und Ansehen allerdings dabin zu verwenden, dass 
man mit Schweden quocunque mudo zu Beruhigung und Versicherung 
der Ostsee möge richtig werden. Sie contestiren auch aufs höchste, 
dass ihnen nichts liebers sein werd als mit E. Cb. D. nunmehr wieder 
in gutem Vertrauen zu stehen und zu verbleiben-, und sagete mir 
gestert der Rath Fensionarius mit vieler guten Bezeugung, würden 
E. Ch. D. alhie wie in Dänemark von dem polnischen Tractat und 
Ihrem Fflmehmen einige Eröffnung thun lassen, so wollten sie ihren 
Ernst im Werke selbst erspUren lassen. 

Die Versammlung hatte ad certas causas aus allen Gliedern 
eichere Deputates hie gelassen und hab ich Gelegenheit gehabt bei 
einigen Gastmahlen und sonst bei besonderen Visiten denenselben 
erinnerlich wieder zu GemUthe zu fnhren, wie wir sie immer ver- 
sichert, dass E. Ch. D. der Zeit so gewisse wUrden Acht haben dem 
gemeinen Interesse zum besten, als es gewisse wftre, dass Sie der 
Zeit, das ist der Noth, zuweilen hätten müssen weichen, und dass 
sie solches nunmehr im Werk sähen; wenn aber E. Ch. D. dabei 
schier fümehmlich auf des Estats inclinationes gesehen, ohne dass 
Sie jemal dagegen Etwas genossen , sq verhoffeten Sie , man würde 
Ihr auch nunmehr mit Bath und That besser an die Hand gehen als 

nir diesem geschehen. Und gaben sie allemal darauf zur Antwort: 

wie sie uns dero Zeit, da E. Ch. D. mit Schweden wirklich gecon- 
jungtret gewesen und wir nichts anders in publice getrieben, als 
man mflsste Schweden nicht zu hart fallen, nicht viel trauen mögen: 
so bekenneten sie zugleich, sie hätten zuweilen zu wenig getban und 
mOsste man solches den verworrenen Zeiten zuschreiben; gar au ge- 
fährlich aber würde es gewesen sein, wenn E. Ch. D. des Staats 
Fflrschlägen nach dero Zeit, da die schwedische Macht annocb nirgends 
hin gedivertiret und Dänemark sowol als Oesterreich noch still waren, 
sich so plötzlich in das polnische Interesse sollten gestürtzt haben. 
Und wäre es nunmehr viel glücklicher gethan und zu Werk gericb- 



Aj.OOt^lc 



\QQ t Brandeoburg nod die Niederlande. 

tet, woraus sie billig E, Ch. D. hohe Vernunft und Weisheit erkenne- 
ten und in Abrede nicht sein könnten, wie ihre, des Staats, HUlfe 
zuweilen gar zu langsam, dass ihre consilia etlichemal gar zu präci- 
pitant fielen. Sonderlich gefällt es ihnen, dass E. Ch. D., inmaasaen 
alhie gar zeitliche Gerüchte laufen, eo gute conditiones erhalten; 
und sagetc mir gestern ein fUrnehmer Mann, sie hoffeten gänzlich, 
E. Ch. D. würden Elbingen bekommen; und zog dabei in Vertrauen 
an, man nidsste nunmehr auch anfangen, ein gutes Auge auf Oester- 
reich zu haben. ... Sie fragen schier unaufhörlich, warum man ihnen 
denn von dem polnischen Tractate, inmaassen zu Copenhagen bereits 
geschehen, keine Ouvertüre widerfahren lieBse; Dänemark würde doch 
ohne sie auch zu keiner Garantie verstehen. So entschuldigen wir 
es mit allerhand glimpfliehen Ftlrwendungen, sonderlich dass E. Ch. D. 
in vollem Marsch begriffen und also auf dergleichen Dinge nicht so 
allergenau Acht hätten haben können etc. 

lodess malmt W. diese Zurückhaltung gegen die General Staaten nicht 
zu weit zu treiben, da die Gegner nicht vcreiiumen, daraus Capital gegen 
Brandciiljiirg zu raacheii. 

Es ist gar zu eine wunderbare Sache, eine so vielköpfige Regie- 
rung wol zu mesuagiren ; wo mau sie nicht zu rechter Zeit et en son 
point in Acht und einnimmt, so hat man hernacher gar zu viel zu 
thun, ehe man sie wieder auf ihre rechte Maasse bringen kann; und 
wie es gehet, so bats alle Zeit Fartheien, die in ihren Gedanken 
gegen einander laufen, darinnen. 



Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 20. Nov. 1657. 

[Unrubo und BcalUrlzuDg in Holland; Zveirel über die EDtscbliesaungeD Brao- 
denbnrgs; die Politik Englaada] 
)v. Allerlei allannircnde Nachrichten laufen ein; der König von Schweden 
ist mit den Niederlanden sehr unzurrieden und weigert den Geeandlen die 
Audienz; Frederiksadde ist von den Schweden erobert worden; Frankreich 
und England haben »icb von neuem verbunden, um närhsteü Frühjahr ver- 
eint die Epani^rjchen Niederlande zu erobern und „unter einander zu thcilcu"; 
England macht immer neue Srhwierigkcitcn in Bezug anf den Tractat de 
marine; von Brandenburg weiss man aneh noch nichts sicheres- Kurz, es 
herrscht hier die grösüte Bestürtzung und Verwirrung. Zuvörderst kom- 
men die Staaten vou Holland zusammen, deren Besciilüsse am 15. uod 
16. Koveraber (Beilage; fehlt). 

Man fragete und forsehete sehr, was E. Ch. D. vorhätten mit 
Ihrer Arm^e, ob Sie mit Polen off- und defensive gegen Schweden 



A-nOO<^IC 



Der Brombei^er Verlrag. 109 

^chloaseD, Elbingen bekommen, mit Dänemark Allians'. eingehen 
oder auch an diesen Staat etwas gelangen lassen würden. Viele 
sageten, man mUsste fUr OAuemark etwas mehr thun als für die- 
sem etc. . . England wUrd man anch desto weniger zu Dlrcliten 
lial>en, weil es sich mit Spanien in den Niederlanden aufs höchste 
geengagiret; mau niUsste E. Ch. D. damit auch suchen der Partei 
lum besten zu animiren und mUssle der Estat an allen Oertern seinen 
Mutb and Macht zu rechter Zeit sehen lassen. Wenn aber der Estat 
immer der Estat bleibet, das ist langsam, voller Furcht und verschie- 
dener Intriguen, so ist aus diesem allen nichts weiter gekommen als 
ia obgedachten resolutionibus enthalten. — Dieses ist wol gewiss: 
wo England diesen Staat nicht mit Gewalt ins Sjjiel hineinrllcket, 
dass man solchen Falls sich zu ihnen nichts als aller Indifferenz und 
gemeiner Freundschaft wird zu versehen habeu. 



Der Kurftlrst an Weiuian. Dat. Colin a. d. Sp. 10. Nov. 1657. 

(EroOboDg BD die GcDeTalslBaleti zu macbeii ühvv ileti Brombcrger Vi'i'lrng.] 

Anzeige von dem Bromberger Vertrag mit Polen'); diu be treffe iideii 20 Nu» 
Attenaücke tiiid W. schon vorher dnrch die Kiirrfirstin /iigefsi'b'ekt 
»urdeii. Ks mu.ss nnn den (lenerjilstiiiiten einige ErnfTiiuiig dariilier ge- 
schehen 

Weil es aber Uns nicht zuträglich sein würde, wenn es noch zur 
Zeit esciatirte, so wollet Ihr in geheim etliche Com^nissavieii begeh- 
ren, denen auferleget würde, sub fide juramenti dasjenige zu niesnV 
giren, was Ihr ihnen in Unserm Namen entdecken werdet. Denen- 
aelben nun wollet Ihr obgcmeite und hielicvor überscliickte Pacta 
deutlich vorlesen und ihnen daraus remonstrircn , wie dnrlu nichts 
enthalten, so wider ihr Interesse streitet. Ferner dass, wie gcru Wir 
es auch bei einer simplen Neutralität bewenden lassen wollten, es 
doch daliin nicht zu bringen geweseu; und dann ersuchen, dass die 
Garantie, wozu man sich hiebevor so geneigt erwiesen, von ihnen 
Bbemommen werde. 

Zngleich Mahnung um nun endlich zu leistende Iliire. 

') BroBibrrger Vertrag vom 6. Nov. lti5T, der den Wehlauer Ton l'J. Sept. 

trginzl. 



^düvGoot^lc 



WQ l. Brandenburg nnd die Niederlftod». 

Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 27. Nov 1657. 

(England nnd Frankreich in dem Krieg in Flandern. Kriegaiiberdraes in BelUnd; 

Silberflotte ; französiscbe Diplomatie; der Broroberger Vertrag) 

>r Oratnlation zur Rückkehr des Karrtiraten in die karmärkischeu L&nde. 

Seit unserer letzten unterth, Relation ist alhie wenig (irgegAngen. 
England fertigt und tliut alles, um in Flandern Fubs zu halten. 
Frankreich kommt soichea zwar gar nachdenklich fllr, muss aber mit 
hindurch, um ans zweien liebeln das geringste zu wählen. Die Herrn 
Schwedische sagen, ee kommen ihnen aus England und mit englischer 
Convoye 4000 Mann zu Hülfe, und werde Frankreich ancb Geld 
geben, wozu ihnen zu London auch gute Hoffnung gemacht wOrd^ 

Andere aber glauben davon keines, weil der Cardinal im Geld- 
geben sich selten Übereilet, auch gar andere Gedanken haben soll, 
und der Protector in Flandern sich deromaassen geengagiret, dasa 
er sich ins dänische Werk nicht mischen wllrd; zu dem läge ihm 
Portugal näher am Herzen und dass er in seinem eigenen Reiche ron 
Fairfax und Lambert, den Parisischen Zeitungen nach, immer 
noch zu fürchten. 

In Hulland, besonders in Amsterdam, ist man übrigens sehr des jetzi- 
gen Kriegeil überdrüfisig; Admiral Opdani hat durcli Wegnahme der 
brasilianischen Flotte einen Gewinn ron etwa 3 Millionen Gulden einge- 
broeht; das ver!^öbnt die Stimmung ein wenig. 

Die Franzosen arbeiten sehr daran, die Generalstaaten mit Schweden 
wieder in gntes Vernehmen zq eetzen, und auf dieser Seile möchte man 
es recht gern gelingen sehen. Man ist daher äusserst gespannt auf den 
Inhalt des Brombergrr Vertrags; von polnischer nnd sobwedi^cher Seile 
«Ird das Entgegengesetzteste darüber ins Publicum gebracht. 



Weiman an den Kurflirsten. Dat. Haag 4. Dec. 1657. 

lEngliache Politik in Flandern; A|)prehcDaionen wegen derselben in Hiillind. 
Hebele Anasichlen in Däneaiark. Neignng zur VeratäuiligUDg mit Brandeuboi^. 
Die Millbeilnng dca Brombei^er Vertraga; Schwierigkeit der Gebeimhallong. 
Gute Aurnnhine der Miltheilnng, Beeorgniss wegen der Theilnahme OeBlrnicbi.) 
4 Dec. England thut immer alles noch, um den Fusb in Flandern zu 
halten, und weil der Protector angezweifelt wol siebet, zum we- 
nigsten besorgen muss, dass in Frankreich das Herz und die Waffen 
wqI nicht mit einander gehen, so lässt er eines Theils und draussen 
alles in suspeuso. Schweden zeigen sie guten Willen, lassen Volk 
heraus; Dänemark findet sie kaltsinnig, verdächtig; und dieser Staat 
zweifelt an Aufrichtigkeit, indem Herr Nieuport ohne Volbdehiuig 

i:q,t7r.d .t^iOOt^lC 



Die EngläDder in Flandern. Dänemftrk'a Soh wache. Holland rsthloa. \W 

des Vertrags Ton Marine wieder zurück kommt. An der andern Seite 
aber und innerlich nehmen sie der Zeit deromaassen Aclit, dasa eie 
renneinen, rebus ita pendentibus, ihren Fuss zu Mnrdyk derog:estalt 
zu festen, das3 sie endlich wenig darnach fragen würden, zum Fall 
auch die Jalousie in Frankreich zum Hasse, dieser zum Bruche und 
alles zur Feindschaft ausschlüge, und gedenken ungezweifelt, sie 
würden alsdann noch immer mit diesem Staat, Schweden, Portugal 
und andern schliessen und balanciren können. Spanien ist in den 
Niederlanden gar zu schwach, wiewol sie immer noch huifen Mardyk 
zu recouTriren; und geben diese Händel und »cheinliche Desseins in- 
mittelst diesem Staat nicht wenig Nachdenkens. Sie fürchten einen 
zweiten Sund zwisclien den Niederlanden und Engeland, wo der Pro- 
leetor in Flandern rerbliebe, und fürchten solche Furcht dennoch 
weniger als Krieg, womit man Einiger Meinung nacli in Zeiten vor- 
biegen mllsste; und fussen darauf, gleichwie Burgund zwischen Enge- 
land und Frankreich sich so lauge Zeit wol erhalten als im Mitlei, 
dase der Staat ins kflnftig zwischen beiden würd balancM-en können 
als tertiuB und mit Vortheil. 

In Dänemark geheis auch nicht deromaassen, dass sie nicht 
darüber sehr bekümmert sein sollten; Herr Beuningen schreibt von 
nichts als von Mangel und Gebrechen. . . . Holland ist deswegen 
fleissig zu ßalhe gewesen und in Deliberation, wie man denn zum 
Ziele zu gelangen. Volk können sie nit geben, Oeld mag so bald 
nicht helfen ; eine starke Diversion sei alleiuo nötig. Den Polen ver- 
trauet maus nicht; E. Cli. D. Waffen und Macht seind hie trefflich 
berflbmet. Man ^eiss von der polnischen Keconcilialion; wir haben 
die GemUther von Zeit zu Zeit auf alle Zufälle in etwas geprüpariret. 
Sie sagen, man mUssle wieder zusammen setzen . . . mau mUsete mit 
E. Ch. D. es wieder anlegen, man mtlsste einen Rath, ein Ziel 
halten etc. 

Wie nun das Werk deromaassen bewandt, so ist uns inmittelst 
E. Cb. D. gnäd. Rescript vom 20. zu Händen gekommen. Wir sehen 
dabei, dass es unmöglich nach Art dieser Regierung etwas zu com- 
municiren und geheim zu halten; juratum silcntium hat hie kein 
Exempel. Eine Notification wäre fürerst anch genug. . . . Unter der 
Hand würden wir wol sehen, ob etwas zu erhalten. Wäre Hoffnung, 
so könnte man allezeit zur Communicalion kommeu, wo nicht, lang- 
samer geben und annoch bedecket bleiben. 

Wir resolvireten daher», mit wenigen und zwam denen, die die 
Kraft der Regierung in Händen haben, rund zu gehen und uns zu öffneik 



..Goot^lc 



"1X2 ' BraDdeobarg and die Niederlande. 

Hierauf nuD die wärmsten Versicherungen und Ter Sprech an gen ton 
dieser Seite; man ist bereit von neoein mit dem Kurfürsten zu Bcbltessen 
utid ihm Garantie zn leisten „nicht allein bei dem polnischen Tractat, son- 
dern auch in dem allen, was aus solch er Gesamnitresoinlion Ihr zuwachsen 
möchte, und zwar solches auch mit ungolimitiiter Macht, Assistenz und 
Hilfe." Weiman n-ird ersucht, dies ganz ausdrücklich dem Kurfürsten 
miizutheilen; vielleicht dass er in seinen Ratbschlägen darauf Rücksicht 
nimmt. 

Sie apprehendiren daa Öeterreichiecbe Engagement gar eebr und 
wünschen, dass auch Polen damit nicht behaftet wäre. 



Weiman an den KurfUröten. Dat. Haag 10. Dec. 1657. 

[UesorgniBse in Holland wegi'U der eLglisch-franzosiacheu Politik in Flandern. 
DijsgleltheD wegt>ii der achwediechen Erfolge gegen Dänemark. Mediatiänaver- 
Buch; erster Ansatz inr Haager Concert-Polilik; man sncht Brandenburg dafür 
ZD gewinnen. Abneigung gegen Oesterreicfa und Spanien,] 
10. Dec. Das Nachdenken auf das flandrische Wesen an einer Seite, 
gegen Frankreich und Engeland, und an der andern Seite die schwe- 
dische Progressen gegen Dänemark und den Sund seind immer 
noch die Sachen, welche die Regierung und GemDther dieses Orts 
geoccupirt halten. Jenes zwar nicht derogestalt, dass man dagegen 
etwas wirkliches zur Hand nehmen sollte; denn dazu ist das Feaer 
noch nicht nahe genug geleget; es muss nicht allein leuchten, sondern 
brennen, was h>e bewegen soll. Man hoffet immer Veränderung. 
Frankreich und Engeland werden mit ehisteni gar gewisse auch albie 
n:^her senden und tractiren lassen ; dazu Inssen sie die Tractaten Ton 
Marine, als die Frucht aller hiesigen Ratbschläge, allerseits offen und 
unbeschlosseu , gestalt damit den Staat entweder stille und in Kühe 
zu halten oder gegen Spanien, in communem spem vom Gewinne zu 
participiren, zu engagireo. 

Das dänische Werk aber ists, das nunmehr die consilia wann 
hält und in männiglichena Augen deromaaasen bewandt, dass man 
darin nicht länger langsam, sondern mit Eifer verfahren muss; und 
ists darunter so weit gebracht, dass man nicht allein in Holland feste 
gestellet, sondern auch nunmehr in der Generalität es suchet zum all- 
gemeinen Schlüsse zu bringen, dass man mit E. Ch D. sich allerdings 
fUgen und allen hoben Theilen entweder einen billigen Frieden durch 
kräftige Mediation gleichsam dictiren oder mit gemeiner Macht und 
Gefahr gegen den unwilligen Theil die offenbaren Waffen, gestalt es 
zur Raison zu bringen, ergreifen solle. Man will auch alles dabei 

i:q,t7r.d .*^nOO<^IC 



Rrste AnduntongeD der Concert-Politik. 213 

wagen und aufsetzen als zu Aufinihrun^ eineB hoelinUtz- und clirist- 
lichen FUrnebmens, und darunter E, Ch, D. nicht allein die Festhaltung 
der Allianz Tom Jahre 1655, sondern auch eine allgemeine Guarantie 
und Schsdioshaltung in ungelimitirten terminie anbieten. . . . Man 
fragt mich sehr nach Vollmacht zu begehren, zu handeln, zu schlicRseu, 
wie denn auch, wie es mit dem polnischen Traetat bewandt; ob ich 
in allem Falle mich in aller Eile zu E. Ch. D. erheben könnte, um, 
was Sie intendiren, heimlich auszuwirken. Und habe ich mich hi»- 
hero darunter deromaassen betragen, dass ich dem Staat ein Genlt- 
gen leisten können, ohne dass sie ein mehrerg begehren und dass - 
alles zu £. Ch. D. Dienste sich lenket, ohne dass sieb jemand dran 
ärgert, von was Partei er aucli ist. 

Dieses apprehendiret man immerfort noch gar sehr, E. Ch. D. 
möchten sich mit Oesterreicli zu weit vertiefen, und würden die 
Friedenstractaten dadurch desto schwerer werden. Man kann dabei 
auch wol merken, wie sehr man Spanien benigniora fata heimlich 
wtlnschet, dass der Staat dennoch sich schwerlich würde disponiren, 
desselben Partei und Interesse zu embrassiren. — 



WeimaH an den Kiirflirsteu. Dat. Haag 17. Dec. 1657. 

(Die CoDcer( -Politik gewJDDt DudvD; gegun ScLwedeo gerichlct; man lioSt nur 
den Karfüralen dabei. Die Zuaaniineukuiift in Lichtenberg.) 

Eilte weitere Enlscheidmig im Hang ist noch nicht getroffen worden, 17. üvc. 
iTird aber nürhstenB erwartet Per Gedanke, den kriegführenden Mächten 
den J-'riedea diploniatisth aufzuzwingen und den Widerstrebenden (Soliwe- 
dea] „pro turbatore pacia puhlicae" zu erklären, bat sehr viel Anhänger. 

Frankreich und England suchen auf solche Gedanken zu bringen 
uad zugleich' E. Ch. D. oder dero Ministres alhie sondiren, ob Sie sicli 
zu Ausführung eines solchen Desseins mit dem Staat nicht wollten 
fUgeo, nud im Fall ja, dass man E. Ch. D. darunter alsdann nicht 
allein nach Einhalt der Allianz vom 7. 1055 assistiren, sondern auch 
versichern solle, Sie mit allen Mitteln schadlos zu halten und contra 
quoscunque zu garanliren. — 

Der Rath Pensionarius ist verRchiedene Male bei mir gewe- 
sen und zeiget derselb gar einen grossen Eifer. Die von Amster- 
dam thnn desgleichen. Und männiglich in den Provinzen saget, 
Schweden komme dem Sund zu nahe und sei es daher die hHehste 
Zeit Friede kritAig zu bemittcln oder zu brechen und die llaud an 
die Waffen zu legen; die Welt würde leiden Gothica mala, wo 
man die nordische Länder in einen andern Stand oder unter einen 



A-nOO»^lc 



^^i}, I. Rrnmienbnrg nnd ilie Nieclerland?. 

Herrn bringen wllnl; jedesmal wenn Til.ly oder Tor8ten8on so 
weit gekommen, als nunmehr Wrangel, wäre Periodus zum Friede 
dagewesen, „ceu vieto Dane, ceu Victore idtra non aueo". Die nm- 
liegenden dentsclien FUrstcn niücliten anch wol zusehen, weil ihnen 
es auch am sichersten wäre, das Norden getlieilet zu sehen. 

Auf E. C!i. D. wird bei allem gar sehr gereflectiret und werden 
Sie nngezweifelt mit Vortheil sich können lassen suchen, wo Sie die 
höbe Noth nicht irgenda dringen wird, sich zn präeipitiren. Das 
Abouebement mit Chursaebeen gibt viel Aufsehen '). 



Der KnrfUrst aii Weiman. Dat. Berlin 14. Dec. 1657. 

|Der Kiirrürat Torilvrl reelle LTiiIerRliilziiDg uikI Mitwirkung von (]e|i Güueral- 
staateD. Die Halliing Kiiglaiicia und Fratihreicha, Polen will über den Friedfn 
nur gemolnsum mit seinen Uiindei<geDOSBeii verhandeln. ] 
c. Wir vernebnicn aus Eurer Relation gar gerne, dass der Staat ... 

wns wirkliebes zu thuii gesonnen. Weil aber mit dergleichen seere- 
ten und Privatdiseiirscn dem Werke endlich nirbt kann geholfen wer- 
den, indessen auch die Zeit verstreichet, die Sache aber Eil und daiii) 
Wirklichkeit an Geld und andern Kriegsniitteln erfordert: so halten 
Wir nötig, dass zwar mit dergleichen obangeregten praeparatoriis aii- 
gcbalten, aber auch in publico zur Sache geschritten . . . werde. 

Demnai'b noII Weiman die gegenwärtige Sachlage, namentlich Sehwe- 
den gegenüber ansfülirlich darlegen und die Oeneralsi^Hteii aufgrund der- 
selben und der Älliance ituni geroeinsamen Handeln dringend anfTorderii, 
Qud zwar nicht alietn mit Mediation, sondern besonders mit Geld und 
andern EriegtiUedürrnisKen. 

Bei denen Confereuzen, so hierauf erfolgen möchten, hättet Ihr 
Über voriges mit denen Deputirteii zu fiberlegen, wie Frankreich 
und England dabin zu diKponiren, dass sie in diesem nötigen und 
beilsaiueu Werk keine Hindeniug beibringen und in den Weg legen 
möchten. Unsers Ermessens wtirde selbigen fUrgestellet werden 
müssen, wohin die rechte Intention der Allürten von dieeer Seileo 
ginge, und dass dadurch niemandes Unterdrückung, sondern die all- 
gemeine Ruhe und des Commercii Sicherheit gesuchet wHrde, welche 
nicht besser ku erlangen, aU dass die vorige possessores der Lande 
bei dem Ihrigen ungeturbiret gelassen und darunter keine Neueruag 
verhänget würde. — 

') ZiisammenknDft d.s l^urrüraten mit dem t^urfüraten Jubann Georg II. 
vAn Sachseo eu Liclitenberg AoTangs Decemher lGr>T, beaonderB «egi>n der Frage 
d«r bevorstehe ndeo römiichen KÖDiganahl; vgl PufeDdorf VII. 33. 



A-iOOt^lC 



Si-hwnnken üb«r ilen KntBcblnas Eom Kriege X15 

Die Friedenshandelung: betreffend zwischen Polen and Schweden 
habt Ihr den Staat zu vereieherii, dass Wir an polnischer Seiten keine 
andere Resolution vernehmen können, als dass sie ohne die geaammtc 
Alliirte, als DÄnemark und Ocsterreich, nicht genieinet zu tractiren, 
auch Torbero, ehe der Traetat angetreten worden, der Abtretung der 
preussischen Lande und aller Prätensionen darauf versichert sein 
wollen. Schweden heisst solches praepostevum traclandi moduin; als 
es aber in solchen Dingen mehr um die Realltüt als den modum zu 
thun, wissen Wir nicht, ob diese £xeei>tion bei Polen gelten werde. — 



Weimaii an den Kjirflirsten. Dat. Haag 25. Dee. 1657. 

IBoIland Eur Riirieislung für Dauern nrk cnlflchliisscii; geschfiftliclie Ver7.i>geniiig,| 

Holland ist endlich aui verwichenen Sounal)end geschieden und -'^ 
hat wegen der dänisch, polnisch und echwediselier Händel zwarn 
alles, darob unsere vorige Hntertli. Rclationes melden, uud sonst auch, 
dass man Dänemark mit ßOOO Manu uud einer ansehnlichen Flotte 
assistiren solle, wo Schweden zum allgemeiaen Frieden und ihrer 
Mediation nicht wollte, mit grossem Eifer und Ernste beschlossen 
nnd ferie gestellet. Wenn aber annoch einige Glieder damit nicht 
allerdings einig gewesen und sich auf ihre Principalen nochmalen be- 
rufen, so bleibet solche Resolution jiro stjlo curiae ganze 8 Tage 
ausser Kraft, und wird man darauf nicht fassen können, bis dass 
Bolche Zeit verstrichen und bekannt sein wird, dass die dissenlirende 
Glieder deroselben in Schriften sich nicht näher widersetzet haben. 
Und können Wir also noch nicht wissen, was aus diesem Diuge end- 
lich werden wolle. Dieses ist wol gewiss, daas Amsterdam, die 
Kitlerschaft und andere fUruehme Glieder unerhörter Weise dieses 
Werk beeifem, und schier niemand zweifelt, es werd vorbemelte Re- 
solution in ihre völlige Kraft gehen. 



Weimau an den KurfUrsten. Dat. Haag 8. Januar 1658. 

jDorlrecht nnd Rolterdam maclieu KcliwiL-ri^keit«» | 
Sobald der Rath Pensionnrius von Holland die verwichene Woche lii'iH. 
ankam, empfingen die gecommittirte Räthe Briefe von den Städten 8 J»"- 
Dort und Rotterdam, woliei dieselbe zu verstehen geben, dasH sie 
»ich mit der geprojectirten Resolution annoch von deswegen nicht 
Tergleicheo kÖDoteo, dass man nicht wisse, ob der König von Schwe- 

8* 

Dq,t7edHyG00<:^lc 



•[IQ I. Brandenbiirg nod äie NiedorlacdB. 

den die Mediation und Gcneraltractatcn ftnnehmen wUrd oder Dicht, 
und daas man darunter nocli näheren Versuch thun müSBte; Dänemark 
wirkliche Hilfe gegeben, wäre gebrochen, che man von Friede ge- 
nproclien etc. . . , Fügten aber einmUthig (labet, wo Schweden nicht 
7.uni Ziele wollte, und Bolehes vorhero gnugaam erseheinen wQrd, dass 
»ie solchen Falls nicht weniger als andere Glieder der beständigen 
Meinung wären, Dänemark ofTcntlich und mit aller Kraft zu assistiren. 
Dieser Kitisprocb fällt sehr unbetjuein, da noo die gefaeste Resolation 
ia Btzng &a( die Hilflei^tuug für Dänemark nach dem üblichen Stil nicht 
bei den Generalstaaten eingebracht werden kann. Man hat beschlossen, 
einige Käthe an die beiden dissentirenden Städte zn sehicken, nm sie von 
ihrer Kinrcde zurückKubringcii; man hofft, dass es gelingen wird, lunial 
d;t miltlcr Weile durch ncne Nachrichten es fc^t zn Etehen scheint, dass 
der König von Schweden wirklich die Mediation »erwirft. Inzwischen hat 
man die andern Pnnctc der Resolution bei den Gcncrnlstantcn eingebracht. 



Weiman an den Kurfürsten. Dat Haag 15. Januar 1658. 

[Die beiden Sd'idCc geben noch. Grosser Eifer für die Sncbe Dänemarks und 
BraDdenburgs. Franzüsieclio nnd schwedische Votslellnngen bei dem KÖoig 
Karl Gustav zur Nachgiebigkeit; Schwedens precire Lage; auf Frankreich ond 
England nicht zurechnen. Verhandlungen mit der Cummisäion über MItlheiInng 
des Wehlauer Vertrags. Vorsiebt und Abwarten als holländische Praxis aud 
als Rath für den Eurfursten ] 
II, Die Deputat! der gecomntittirtcn Bäthc seind die verwichcnc Tage 
wieder zurückgekommen und berichten, dass die Stadt Dortrecht 
sich erkläret, dass sie bei anstehender Versammlung mit den andern 
Gliedern von Holland fügen und die Stadt Rotterdam derselben 
Excmpel ungezweifelt folgen werde. 

Morgen, vermeinet man, werd die Versammlung einen vollen An- 
fang nehmen. Der Eifer für Dänemark und dcssclhen Conservation 
nimmt auch immerfort noch tapfer zu, und weiln alles auf E. Ch. D. 
reüectirt, so dürfte in kurzem %va8 merkliches geresolviret werden; 
sie sagen, man niüsse Schwedendie Opinion benehmen, das« dieser 
Staat sich schwerlich bewegen könne und immer zu spät komme. — 
Uns ist auch gar gewies bekannt, dass nicht allein die franzö- 
sische, sondern auch die schwedische Ministri selbst dem Könige treu- 
lich ratlien, S. MaJ. möchten zuHchen und nicht alles auf die Spitze 
lassen kommen, Friede an der O^stsee wäre um besten und für Frank- 
reich und Kugland miwol als für diesen Staat unleidlich, dass man 
eich daselbst weiter impliciren und durch neue Conquesten in der 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



ScbwRuken über den BntschluBS tum Kriege. Ii"? 

allen Balance Veränderung machen sollte; gar gewiss würde dieeer 
Staat, wie es auch ginge, die Waffen in die Hand nehmen und Him- 
mel und Erde bewegen, ehe sie leiden kJ>nnteD, dass Dänemark oder 
E. Ch. D. sollten beschädiget werden. Auf fremde Hftlfe möchten 
I. Maj, sich auch nicht verlassen, der Cardinal wollte kein Geld 
peben, um Schwedeo in Schweden redoiitahic zu machen; der i'ro- 
leclor gebe auch nur Worte und habe mit sich selbst und den inner- 
lichen Intrigiien, draussen zur See, inwendig mit dem anderen Hause 
oder der Boyant^ so viel zu thuu, dass man sich aus England keiner 
oder wenig Wirklichkeit würde zu versehen haben. Ellrnehmlich 
wQrd der Proteofor eich wol hllten, gegen Holland etwas anzufangen, 
weil er wol sehen wttrd, dass solches an Frankreich die Katine öffnen 
wltrd, von der Freundschaft, die in der That nichts ist, als eine ver- 
borgene Feindschaft uod gezwungen zwischen beiden, einen AbHprung 
zu thun, das arbitrium renim zu -ergreifen und England extra Bei- 
gimn zu halten, auch mit Hintansetzung aller anderer Interessen. 

Sie fllgen dieses auch noch bei : England vorlheile ihnen zu 
nichts, als dass so viele Gesandten und GeKandtschaften, die da von 
Zeit KU Zeit gewesen und theils noch sein, dem König über 70,000 Rth. 
haares Geld gekostet ; Schweden werde ausgezehrt, IJvland eine Ein- 
Me, Pommern nnd Bremen aus dem Grunde verdorben, und sei das 
ärgste noch, dasa die Protestanten in Verderb, Trennung und Jalousie 
geselzet und von diesem allen die Frttchte und Vortheil auf niemand 
»Is auf Oesteneich fliesHen würden: je länger Krieg mit Polen, je 
mehr diese« Haus daselbst wllrd Wurzel greifen und eich verstärken, 
und je gewaltiger Schweden an der Kord- uud Ostsee sein würd, je 
mehr solches die deutsche und zwar die fUrnehmste KurfÜreten obli- 
giertf, um Oestreich zu einem Haupte und Kaiser zu wählen gegen 
alle widrige Zufälle und was dergleichen. 

l'ns sagete gestern der Resident Appelboom selbst, dasa der 
König gar gewiss anünge zurückzusehen und auf andere Gedanken 
lu kommen. Ich weiss auch gar wol, dass er heute zu dem Rathe 
Pensionario von Holland gegangen und demselben darob vermittelst 
Vorzeigung der königliehen Briefe hat gesuchet vollkommene Ver- 
sifherung zu geben. — 

Am 9. dieses Hess man uns durch einen Diener oder ThUrwärter 
ersuchen, wir möchten folgenden Tages unheschwerct zu ihnen hinauf- 
kommen in die sogenannte Treves-Kanimer. Und weiln solches in 
etwas praeter stylutn war und wir zu Behauptung E. Ch. D. hoher 
Reputation zu verstehen gaben, sie würden zuvorderst zu uns an 



A-nOO»^lc 



;^;^g I. Braadeaburg nnd die Niederlande. 

iiDBer Logiment kommen mllHsen, 8o that und supplirte Bolches der 
Herr Hiiygena aus Gelderland ceu caput commissionis des folgenden 
Tage» und kamen wir also am 10. dieiicH in erwähnter Kammer zu- 
B^mmen. Aus Jeder Provinz war einer und aiis Holland der Rath 
Pensionärin» gelbst dabei; und proponirte man uns, inmaaeseu mehr 
liemelte Resolution mitbringt, so viel das Hauptwerk betrifft, und wa- 
ren das übrige nur Complimenten und allerhand freuDdliche Erbie- 
lungen; allein dnss sie ausdrückliclien mit hinein Hessen laufen, wo 
man ilinen Ouvertüre vom polnischen Tractate thun wtird, dass sol- 
chen Falls der Staat sich zur Garantie anböte. 

Wir unsers Theils antworteten darauf nach gethanen vielen ofG- 
ciösen Gegenerbietungen .... wie heilig und theuer E. Ch. D. immer- 
hin Ihre angeerbte gute AfTeetioa fllr dieBeh tilaat erbalten . . . und 
da Sie die höchste Notli und Gottes Hand gleichBam genöthigt die 
verwichene Zeit dem äusserlichea Scheine nach eiii wenig zur Seite 
■/.a treten und von dcB Staats Sentimenten zu discrepiren . . . wäre 
eine geringe Wolke, eine Dii^crepanz in modo und nicht in fine ge- 
wesen . . . und zeigete nunmehr der Effect, dass E. Ch, Ü, Kathsebläge 
am besten gewesen, und das« Sie fast alles dem Staate hiemit ge- 
deferivet, indem Sie sich desselben gethauem so vielfältigem Begehren 
nach mit Polen gereconciliiret, als Sie die Zeit dazu gesehen, und 
dass Sie der Noth desto lieber gewichen, weiln Sie gesehen, da Sie 
von Schweden, um Ihren Staat zu conserviren, ein wenig abtreten 
mUssen, das» Sie damit dieser Hepublik, also Ihren ältesten Freunden, 
desto näher würden gcfllget werden, — 

AIb viel nun die Communication des polnischen Tractate an- 
ginge, da konnten wir zwar dieselbe begehrter Maassen nicht thun, 
tbeÜB ob defectum mandati, theils dass es nicht dienlich, wciln alles 
in geheim gehalten werden mUsste; wenn aber E. Ch. D, ftir Ihren 
l'reunden nichts verborgenes zu haben hegehreten, so wären wir zu- 
frieden ihnen den Tractat selbst deutlich fllrzulescn, in Hoffnung sie 
würden sich damit vergnllget halten; inmaaBsen denn endlich und 
nachdem ne sich besprochen, solches auch geschähe und wir drauf 
die beide Instrumenten vom lU, Sept. 1657 von Wort zu Worte (Er- 
lasen, alles zum besten interpretirten und endlich da die Relation 
auf den Brombergfschen Schluss geschiehcl, durch eine Zeitige Di- 
groi^sion und tanquam aliud agendo cinestheil» dissimulirten, dass wir 
erwähnten Schluss nicht halten, anderstheils dennoch aus anderwärter 
Wissenschaft dabeifiigeten, was E. Ch. D. über und nebst der preussi- 
schcu Souvcrainität für SalisfaL-tionstllcke zugeleget wordeu. 



A-nOO»^lc 



ScbwankeD über den Katschlius Eum Kriege. ^|9 

Sie ihres TheiU notireten viel, uod nachdem sie allcH gchürel, 
rahmeten sie den Tractat als advantagieus , nutze uud repulabcl. 
Endlich aber (und zwar da man am il. diese» wiederum zusammen- 
kam) fragten sie mit vieler Höflichkeit, ob man ihnen nicht eine Ab- 
schrift gebeo oder das unsrige so lange bona IJde leihen k<mnte, da»s 
_ sie es dem' Gorpori vorbringen und darauf wegen der Garantie die 
Iteeolution heKrdem möchten. Wenn wir aber vieler Ursachen hal- 
ber dazu nicht verstehen konaten, bo schlugen' wir fUr, wir wotltcn 
lieber mit ihnen in die generale Versammlung gehen, da« vorige re- 
petiren und also m&nniglichen ein GnUgen geben. Wir thatcns 
auch etc. . . . (Ceremonieli). 

Nun kam alles auf die ewo Punete an, die Garantie uud wa» 
hinftiro ins gemein zu thun, um zum allgemeinen Frieden zu kom- 
men. Und Hessen wir uns bedUnken, was die Garantie anginge, 
darin wtird der Staat keine Schwierigkeit finden^ und da»« ttbrigc be- 
treftend da wären E. Ch. D. der Meinung, man milsste auf Mediation 
und allgemeine Tractaten krüftig dringen, ohuc UintcrÜHt, ohne jemand 
zu unterdrücken; die Balance müsste beobachtet, uicoiand Meister, 
niemand Knecht g;einacht werden etc. 

Bevor man weiter geht, dringen die hullänUiäthcu Coinmissäro nouli 
immer auf die Uebergabe ciuer Cojtio des Broiiibergcr Vcrtriigs, was aber 
von Weioian beharrlich geweigert wird, zumal er gar nicht in Besitz des 
Wortlautca des Urombergcr Vertrags (nur des Wchlauer) i^t; worauf sieh 
Lavh einem nochnialigeu Verj^uih die uiedcrländi^ehcu Couimissarc cudlicli 
zufrieden geben. 

Es sagcte mir aber gestern Abend noch der Itath l'ensionariiis 
von Holland, er zweifelte nicht, es wll'rd diese Woche noch wol durch- 
gedrungen werden können, und möchten wir K. Ch. D. freiniUthig 
versicheiii, der Staat wUrd nicht relaschircn, sondern bei E. Ch, D. 
feste stehen und ihr FUmehmeu mit Ehre und Vigur ausmiircn, und 
mag die Zeit lehren, was dann endlich daraus werden wird .... der 
Köpfe ist zu viel, alles langsam, alles mesnagcr und die incliuationcs 
80 veränderlich, dass man honte nicht weiss, was man gestern ge- 
wollt hat; es sei denn, dass es einmal vollkonimlich gcresolviret und 
darauf die Hand ans Werk gcleget worden scie; denn solchen Falls 
man ziemlich sicher sein und glauben kann: was langsam vorwärts 
gehet, mag nicht leicht wieder zurUek. 

Und bleiben daher alle diejenige, so E. Ch. D. alhie am besten 
wollen, mit uns der beständigen Meinung, E. Ch. D. milssc sich nicht 
übereilen, keine Partei weiter nehmen, sondi;ru noch ein wenig dem 



A-nOO»^lc 



220 '- Brandenbarg and die NiederlBode. 

Spiele zuRehen und Ihre Arm^e in gute Ordre und Disciplin bringen, 
zum wenigE^ten so lauge etille stehen und eich suchen laEsen, bis 
Oesterreicb, bis dieser Staat wirklich eingestiegen und Sie damit be- 
('tändige gute conditiones gemacht. 

Männiglich hält» dafttr, solches könne E. Ch. D. nicht entsitzen, 
weiln alle Theile Ihrer werden zu allen Zeiten nöthig haben. Wllrd 
i'in Generalfrieden gemacht, so käme E, Ch. D. mit hinein; schlösse 
Schweden mit Pulen und Oesterreich Ä part, so wBrd dieser Staat 
Dänemark zum besten E. Ch. D. um alles suchen mflssen; und da 
Dänemark sich separirete und allein Frieden maehete, so wtlrd 
Oeslerreieh ihrer am nOthigslen haben, Schweden aber wBrde Sie 
zu allen Zeiten selbst auch wiedereuchen und nimmermehr im Reiche 
angreifen und turbiren mögen: also dass Sie gegen alle Zufälle auf 
diese Maasse ... so lange Sie einigergeetalt die Arm4e würden un- 
terhalten können, am sichersten und redoulabelelen sein dQrften; da 
Sie im Widerspiel und wenn Sie die erste und zu frUlie losbrechen 
sollten, an der Spitze sitzen und am meisten würden zu leiden und 
endlich mit gar zu grossem Schaden zu sehen haben, wie wenig man 
sich auf fremde Hülfe nach so bewandten Sachen zu verlassen. 



T>er Kurftirst an Weiman. Dat. Colin a. d. Sp. 12. Jan. 1658." 

[Vollmacht zur Miltheilung des Wehlau-Brombcrger Vertrags.] 
22. Jao. Uebertieiidet iLm die polnische Hatification des Bromberger Vertrags; 

Weitnan soll, wenn die GeneralslaatCD darauf bestellen, ihoen Abschrift 
dikvon und toii dem Venrag c^elb^t uehmen lassen, jedorh mit der Bedin* 
giing strtiiger viirlimfiger Gelieimbjiltung. 

An dem Punct, darinnen der Freiheit der Katholischen gedacht 
und darüber disponirt wird '), hat man nicht Ursaeh sich zu ärgern, 
weil derselb fast von Wort zu Wort aus der Transaction, welche 
Namens Unsers in Gott ruhenden Gross Herrn Vaters Gn. a. 1611 
und ehe Sic zur Posscssion der Lande kommen, mit der Krön Polen 
aufgerichtet. 

Weimati an den Kiirfiirsteu. Dat. Haag 29 Januar 1658. 

[Mao besieht auf Mittheilung des Wehiaaer Vcrlraga Reschlasseoa Anleihe füf 
1 >rnicinark. Der onglisclie Gcsaiiitle Dowiiing. Sendung Yabrandta nach Berlin | 

^9. Jan. Mit der Garantie bähen wir annoch keine Riditigkeit und bleibts 
immer daliei, wie sehr wir auch dagegen arbeiten, dass man lopiam 



') Art. XVI, des Wohlnii-Broniberger Vertrags, uodurcb die Freiheit 4er 

kaihuliscLeu Ruligiunsiibutig im llurzugthum Prcueaea garUDtirt wird 



V^iOO«^ Ic 



SchwMkeii aber den EDtschlasi EDm Kriege. ]^21 

des Tractatus bähen und in die Provinzen senden müsse; uad erwar- 
ten wir also darunter von Post zu Post E. Ch. D. besondere gnäd. 
ErkläruDg:. 

Die Aogelegenheit der HilfleistuDg für Däuemarb wird bei der Genera- 
lität eirrig belriebeo and es scheint Ernst damit zu «ein. 

Holland resulvirte, man möchte an Dänemark auf die vorige con- 
ditiones noch 400,000 fl. herleilien, und hegehreten, die Generalität 
wollte ihnen darunter einige Indeninieation widerfahren lassen. Wenn 
aber die Provinzen Bich beschwereten, darunter auch ohne Ordre ilirer 
Committenteß zu resolviren, so haben sie am rerwichenen Sonnabend 
beschlossen, die Anleihe proprio periculo zu thun '). 

Der englische Envoy^ Downing hat gestern Audienz gehabt. 
— Holland wird durch denselben den Protector alles Fleisses suchen 
auf ibr Sentiment zu bringen in der schwedischen Sachen, und zwarn 
dass man Dänemark assistireh und Schweden zum Frieden bringen 
müsse, gestalt die alte Balance an der Ostsee nicht gar zu sehr zu 
versetzen. Sie haben auch ziendiche Hoffnung dazu, und glaub ich, 
dasB es aus diesem Grunde kommt, dnsx man ins gemein so sehr 
apprehendiret, dass E. Ch. D. oder der Staat sich mit Oesterreich, 
als welchem Engeland spinnfeind ist, gar zu sehr engagiren möchten. 

Der augenblicklich zu Wii^inar liebndliclie stuutisrhe Gesandte Y&- 
lirandts soll Instrartion zuget-chickt bekommen zu einer Mission nn den 
Kurfürsten '). 

Weiman an den Kurfürsten. Dat Haag 5. Felir. 1658. 

(EulBchiedeDe Vorechläga der frgTiDZ Holland zu Gansleu Däncmarka und de« 
KnrrürBten gegen Schweden. Dia andern Provinzen noch nuentBuhloiBen. Ver- 
legenheit der Gesandten in Beireff der Mitlbeilung des Broroberger Vertrags 
an die (ieneralBtaateD; vorläufiges AuBkunftBiniltel. Der englische Gfsandle 
Downing: Cromwells Ansicht über die jetzige Politik iles Kurrürstun^ seine 
Stellung zu Schweden; den Rcforniirlen geneigter als den l.uthcrischi'n. 
Downinga gemisBiglee Auftruiuu im Haag.) 
Holland hat endlich am 28. und 29. Jan. noch verschiedene Ke- ö Febr. 
Boluliones eingebracht '), wobei es zuvorderst klfirlich herausBnget, dass 
es den Eibingischen Tractat nicht anders gedenke zu ratifieiren als 
nach vollkommener Erörterung der Elucidalionspuncten, und dann 
endlich, dass es sie nicht behindern solle, Dänemark zu manutcniren; 
diesem nächst und fltrs zweite, dass man Gcneraltractaten mit Macht 
befordern, Mediation anbieten und dabei dahin trachten solle, dasB 

■) Secrete ReaolntieD I. 5SU. 

'I roBtraclion vom 9. Febr. 165» in Urk. u. Acteuet. III 113 ff. 

■) äeciete Beeolutien I. 592{. 



•,Gooq)e 



122 '* Braoileiibais uod die Niederlande. 

die krleg^eadc Tlieile einander restituiren und Dänemark mit dem 
ÜröntHcbroiBi^hcn Tractat sich vcrgvUgen und Polen auf Schweden 
und Livland rcnuucürcn und also Frieden eingehen mögen; fürs 
«Iritte, dass man auf solche Sentinienten Frankreich und £ngland 
gleichfalls solle suchen zubringen und zu disponircu; und dann end- 
lichen, daBS man den polnischen Tractat auf gewisse Maasse und bi» 
man Abschrift desselben übergeben wQrd, unter Balification solle an- 
nehmen zu garantircn, und für allen Dingen, dass man alsfortens 
und von nun ab etwa den Hrn. Ysbrandts von Wismar zu £. Ch. D. 
in Gesandtschaft gehen lassen sollte. 

Und ist darauf erfolget, dass in den Tuncten, die Elbingische 
Ratification und die media pacis und was man Frankreich darunter 
zu GemUthc fUIiren solle betreffend, alle Provinzen sich mit Holland 
geconformiret: wegen, der Gesandtschaft an E. Ch. D. waren sie auch 
gungsam eini^. Aber wegen der wirklichen dänischen Hilfe und der 
Garantie, wie denn auch, wasmaassen man den Herren Ysbrandts 
instruiren sollte, darüber konnte man sich nicht vergleichen. Holland 
nahm alles auf» eifrigste und wollte, man sollte rund gehen und die 
Garantie thun, wie denn auch Herrn Ysbrandts aufs vigöuröseste 
und dass E. Ch. ü. könnten ihren Ernst sehen, instruiren; wozu denn 
der Rath Pcnsionarius auf unser Gutfinden ein gewisses Project zur 
Generalität einschickte. Es blieben aber die Provinzen grossen Thei- 
les dabei, es wäre ihnen unmöglich so weit zu gehen, wie gern sie 
auch immer wollten, ohne ausdritckliche Ordre ihrer I'rincipalen etc — 
Niemand zweifelt, alles %verde sich mit Holland ccmformiren, und thun 
wir in ein und anderen Provinzen nicht wenig unser bestes bei der 
Sache. — 

Es ist auch der Vorscbliig fit-niacht worden, um grösseren NaubdrucikB 
willen lielicr den Herrn v. Ueuuiugcn aus Copeiihageu zu bcrureu und 
UQ den Kiirfüjtitcn zu schicken. 

Inmittelst haben nir E. Ch. D. gnäd. Rcscript vom 12. Jan. in 
Unterth. wul erhalten und diiraus ersehen, auf was Maasae E. Ch. D. 
gnäd. gutgefunden, dass wir den polnischen Tractat eommuniciren 
sollen; und .. . seind wir nicht wenig bekümmert gewesen, wie man 
nunmehr dem Werke noch beikommen möchte. Wie wirs eommuni- 
ciren, wirds auskommen, und apprehendiren wir solches desto mehr, 
weiln wir uns nicht sicherlich versichern können, wenn wirs eommu- 
niciren, dass die Provinzen so simpliciter nach unsemi Wunsche wer- 
den resolvircn; iumittelst hatte man sieh ausgelassen, inmittelst möch- 
ten Andere Prälcstcn zum argen diaus nehmen und also E. Ch. D. 



A-iOOt^lC 



Schwanlceo nbcr den Eolachloas £UDi Kriege. ^23 

GOte und Sincerität (wir inttsseii das ärgute immer am ersten beden- 
ken!) missbrauchen; dieses wäre gar zu wichtig und eeind wir also 
bis auf diese Stunde nicht vollenkomnuen schlüssig ,. wa» wir thun 
sollen .... Inniittelst haben wir dennoch dieses beschlossen, dass wir 
die Abschrift der Tractateu auf grewissc MaasBC an einige c^nlidente 
Freunde in die Provinzen wollten lassen gelangen, als io Frieslnnd 
lind Groningen au ü. f. Gn. Prinz Wilhelm '), in Seeland an einen 
vertrauten Freund, in Oberyssel an den Drosteu von Lingen; und 
dass E. Ch. D. Resident Copes in Utrecht und Gclderland selbst 
damit gehen und mit Hulfershillfc dahin sehen solle, dass die 
Communicatlon entweder gar nicht begehret oder zum wenigsten ohne 
Gefahr möge zu Werke gestellet werden. Und seind wir damit an- 
jetzt noch vollkommen geschäftig — und mögen sehen, wie weit wir 
damit zum Ziele werden können gelangen; zum wenigsten werden 
wirs deromaassen thun, dass niemand einige denunciationcm belli mit 
Fuge draus werde befolgcru können. 

Versthiedene Besuche den eiigliscbcn Kii»o}6 Dowtting, uüd -■ 
seind dabei verschiedene wichtige Discnisen fBrgcfallen, so die ge- 
meine Sache betreffen. Kr protestirte sehr von seines Herren des 
Frotectoris hoher Affeotion und Estinie, die er E. Oh. D. als einem 
hohen Prinzen zutrüge, und dass S. Höh. wol wDsste, wie viel E. Ch. U. 
bei Schweden gethan; wUnschete auch noch, dass Sic sich nicht ge- 
separiret hätten, dem evangelischen Wesen zum besten; denn er 
mUsste bekennen, es wöre ihme zu grossem Leidwesen fUrgckommen, 
dass sich E. Ch. D. mit dem Pabstthuni gefUget und an Föten und 
Oestreich gar zu sehr ergeben hätten; fUgete viel, pro morc gentis, 
von Religion, vom protestantischen Wesen und ob mau auf Polen so 
gross zu sehen, dabei. Wenn wir ihn aber von Grund aus anwiesen, 
wie es mit dem schwedischen Krieg, und was dabei gesuchet wird, 
heschafTeu .... so haben wir ihn ziemlich versetzet und es endlich 
80 weit gebracht, dass er offentlieh zu uns hcrauseagetc, dem Pvotec- 
tori wäre es nimmermehr in sein Herz oder Sinne gekommen, Schwe- 
den den Sund oder weitem Dominat in der Ostsee zu gönnen, würd 
es auch nicht thun, mllsste des Orts Friede machen und riethen sie 
und Frankreich auch dazu; in allem Falle, wie sehr der Frotector 
den Evangelischen insgemein zugelhan wäre, so machete er doch 
noch Unterschied zwischen den lieforuiirlcn uud Lutherischen und 

<) Prinz Wilhelm Friedrich vüd Oriiui«o, SUItUiillur vod Frioslaiid, 
Schwager des KurfürsivD. 



A-nOO»^lc_ 



]^24 I- Brandenbarg and die Nie^erlsade. 

möchteo sich deeseti E. Ch. D. gar gewiss verselien. Bat auch drauf, 
wir möchten vertraulich mit ihm communiciren und wollt« er nicht 
allein solches dem Protectori rühmen, sondern auch in seinem Thun 
sich mit uns berathen '). 

In Wirklidikeit ist nun Buth zu bemerltei), das« Downing hier im 
H»ag in Bezug auf die nordii<chen AngelegeDheiten sehr gemä'^Kigt auftritt 
und auf Mediation und Friedeu dringt, während die schwedifehcn Ge- 
sandten hier gehofft hatten , „er wiiid niihts denn t'euer und Flammen 
sprechen." 

Weiman an den Kiirftlrsten. Dat. Haag 11. Felir. 1658. 

lAbBenduDg der Inalrucliou Yabrandl'a fiii die GeBandlechaft an den Kurrurst«D 
MitlbeiluDj; des Bromberger Vertrags. ] 

11, Febr. Sobald der Itatb Pensionarius alhie von Amsterdam wieder an- 
gekommen, hat Holland hei der Generalität heftig angedrungen, dass 
in den gemeinen Sachen alles zum Schlüsse befördert, sonderlich 
aber die Instruction des Herrn Ambassadeur Ysbrandts, gestalt 
sich in Eile nach Berlin zu erheben, aufs beste festgestellet und ohne 
längeren Verzug weg und gen Wismar geschicket werden möchte. 
Und ists darunter so weit gebracht, dass am verwichenen Sonnabend 
geresolviret und heute bei der gewöhnlichen Resumption bestätigt 
worden, nicht allein vorbemelte Instruction nunmehr zu ttberscbicken 
(nnd dürfte es mit dieser Post geschehen), sondern auch, wie und wes- 
maaBsen man dieses Staates Intention bei diesen Sachen und dem gan- 
zen ostländischen Kriegshandel nunmehr Frankreich und England wirk- 
lich bekannt machen und dahinarbeiten solle, dass dieselbe sich damit 
conforniiren und also cooperircn möchten, damit man durch allge- 
meine Tractaten Schweden mit Dänemark und Polen auf billig und 
leidliche Maasse vereinbaren und vergleichen könnte '). 

Id Bezug auf die Comniuiiicatiüu des Bromberger Vertrags haben sie 
jetzt beichlüsiieu , dasb dem GrJfBer der Generalität eine Abschrift mitge- 
tbeilt werden soll; von diesem soll dann in jede Provinz je ein Exemplar 
mit der Verpflichtung Echlcutiiger Zurüekt^endung geschickt werden. 

Weiman an den Kiirfilrsten. Dut Haag 26. Febr. 1658. 

[Die Zeitungen uua Fünen. Mitthoilung des ßromborger Vertrags. Cromnell 
durch innere Wirreu beBchärtigt.) 
26 Febr. Nui'h alles im alten St«ud; man eiwartet jetut nähere Aulklärung über 

') Vgl, w. u. die Acten der Gesandlsehart von W. Jephson an den Kur- 

füfBlcn llj57/>*- 

') Vtcl. oben p. 121. Am l'J Febr. überschictl Weimao (Jo|>i« der inmi- 
Bcheu ubj!csaucl(cu Yabrand t'Buhcu [nstrucliun. 



A-iOOt^lc 



Tsbrandt Dach Berlin. Donnlng iid(] He. Thoii. ]25 

dit lp|it«D Zeitungen ans Fünt-n, die sehr verworren und uultliir find ')i 
rher wird niclits dtünitivCE erfolgen. Inxnischeu haben die ticii;iiidte Hrh 
«'iitschlogFen, nun mit Commuiiicirung des Bronibcrger Vertrags nicht langer 
zurürkEuhatten und baben denselben — „wie wol nur in blosser Copei unil 
von unbekanoter Hand geschrieben, dem Aincrongen als Präsidi (der 
UencrBlrt&aten) überreichet"; natürlich mit neuen Vorsielitsraaassregeln zur 
(ieheiuthaltung. 

Die Zeitnngen ans FUncu können von grosBcm Kinfln^s werden, nenn 
>ie nidit gar zu übel ansralleii; zumal eben muh der l'roteetor in England 
nrne Sclinierigkeilen mit Eeincni rnrl.iinent bekommen li:it und aNo voli.iuf 
im Innern besrhäftigt ist. 



Weimati an den Knrfilrstcii. üat Haag 4. März 1658. 

ji^nt^liich-rranzüsiscbe FricdeniibeiniihDngen im IHof. ßi'fltixi'men über iks 
iDieresKC Brnndenbnrgfi bui dem nordiacht-n Kriege; diie liitereasc ül'S tti'icliefl 
üahei. Uünater als Hanscatadt von den Niederlanden anerkannt; Hesorgnisu 
wegen Wesel.) 
Conimii^sarc der Generalität halten ConTcrenzen mit dem Tranzösiüclien 4. 
and englischen Gesandten, unj eine Vermitteinng zwischen Dänein.irk und 
Scliweden herbeizuführen; der TranzösiRrhe Gesandte de T hon*) dringt auch 
auf die Theilnahine lirandeuburgs; der englische erkliirt, worcrn die Qenernl- 
altalen den Dünen llitfe genährten, te'i England gehnlCeo, den Schweden das 
gleiche zu tbun. Die Nachrichten aus Füncn und Seeland erregen gro.sse 
Heslürtzung; doih stellt man Kieh in Hiillnnd noch immer an, als wolle 
in»H Dänemark keines Falls füllen lassen, und mehrere andere Provinzen 
fisseD energische Resointionen. 

Alles siehet auf E. Ch D. und was zu Berlin mit so vielen 
Abgesandlen beschlossen sein tnöclite. Von Danzig wird ihnen gc- 
whriebcn, daes es gar gewisse zu einer Conjnnction gegen Kehweden 
angesehen und dass jedes Theil wiRSC, wie viel tausend Mann es 
dazu anbringen solle, worüber denn vcrscliicdene Judieia sein. Ins- 
gemeiu will man nicht an Ocstcrrcich ; heimlich aber und da man die 
dänische Handel in so grosser Extremitjlt siehet, dUrfte man wllu- 
when, dass E. Cb. D. nebst Oesterreicb mir losgingen; geriethe es, 
»0 holeten sie die Kasteien (sie) mit fremden Klauen aus dem Feuer; 
8olUe es nicht gelingen, so würden sie nngezwcifclt ihre Hände 



. Februar 



,rl Gnfilnv Über den ge- 

luf die lusel Füoen und sicgruicho Schlacht gogen die risneu bd 
Iieruaeg; am 5/1.'). S Febr. Marsch auT die Inseln l.aogclnnil, Laaland nod 
P»l«fcr; am I-i/22 Febr. Ankunft der achwediscben Armee onf Scniand. 

'l Ueber dessen Gesandlachafi Im Haag vgl. Oroea van Frioalerer 
Arebitei de In maiaou d '0 ränge -Naaa au. 3ine Serie V. ll>8 S. 



Aj.oo»^Ic 



J26 T. BrsDilenhorg nnil «lie NiedfHandp. 

wai'dieii und an solchein Fflmehmen unschuldig sein wollen .... 
Andere aber sagen und Iialtciifi dafür, je mehr Schweden in Däne- 
mark gew;(>nne, je besser es fUr E. Ch. D, wäre ; blieben sie drinnen, 
HO wUrden sie für eine lange Zeit darin zu tliun finden, um alle» 
unter ilirc Gewalt' zu setzen ; ihre Nachfolger wDrdea selbst auch so 
viel Werk liabcn, eine nok-hc Conqiieste zu conserviren, welche ihnen 
in aller Welt die nützlichste wäre, dass sie anderer, sonderlich im 
Keiclic, wol würden vergessen; weswegen sie auch glauben, da»s 
y. Maj. mit Polen, Oesteneioh und dem lleiche sich quolibetcunque 
modo verglciciien und also, wie leide ee auch Frankreich und Eoge- 
land sein möchte, alle ihre KrAlle nn solchen Oertcrn anspannen und 
sieh um nichts anders bemlllien würden. Im Reiche wUrde man sich 
auch niciit gar zu sehr zu bckamniem haben; dann anstatt dass 
man besorgen mochte, die schwedisclie Macht wUrd ins künftig gar 
zu gros» ^verdeii, allemianssen die Vorfahren gesehen, und zwam aua 
so vielen niigrationibu» gentium scptcntrionalium, wie nachdenklich 
es sei die Norder-Kronen auf einem Haupte zu sehen: so würde doch 
numehr gar das coutrarium drauH erfolgen uud dass viel eher diese 
Nation damit für eine gute Weile eingezfiumet werden dürfte; wie wä- 
ren mit der Zeit von den andern gar zu sehr geabalieniret, eine na- 
türliche Antipathie zwischen beiden aufgekommen, die Gesetze und 
Freiheiten über die Maasse verändert und also nichts anders zu ver- 
inuthen, als dass sie nach dem Rxempel der vorigen Zeiten unter den 
Königen Kanuto, Christierno II. und Higismundo sich einan- 
der wol bald in die Haar wachsen würden; und waa dergleichen. 

Was nun daraus zu wählen oder z» tliun, solches werden E. Ch. D. 
in areua am besten zu unterkennen wissen. ... Im Reiche zu bre- 
chen und die Tliür zu einem so verhassten allgemeinen Kriege aufzu- 
thun, ehe andere auch gnugsam mit eingetreten, solches möchte gar 
zu nachdenklich fallen. — Sonderlich finden wirs alhie nötig zu seio, 
dass man von dem üstcrreichisclien Tractate ') nichts sonderlicfas 
annoch sage; denn wie es geht, so wird es sie in speciem unwillig 
und in der That trag und secur machen. 

Sonst passiret alhie wenig. Die Stadt Münster hat gegen Dank 
des Bischofs erhalten, dass alhie am 2. dieses eine Resolution ge- 
nommen worden, wobei sie die Stadt unter die Hansestädte und also 
seine Aliirte auf gewisse conditiones, worüber man sich künftig ver- 

■) Alliaoce iwiscbeD dem KnrfürBlen udJ KZaig Leopold von UngArn-BÖh- 
men gegen Schwedeo. Dat. 9. Febr. 1658. r. Höroer Staatavertnge 229 ff. 



Eindrnck der FarUchritle KnrI Gustavp. Downing über <lie Orani«r. ]27 

gleichen soll, aufnimmt-'). Wir förchten, die Stadt Wesel niriclite 
endlich auf dergleicben Getlanken kämmen, und werden also sehen, 
was noch bei dem Werke etwa zu thun sein müclite, um der Conse- 
qneni Torzuliiegen. 

Zeitung aus dem Haag. Dat. Haag 8. ^^ä^z 1658 ^). 

IRDglJacbe Diplomalio im Haag za ßuugten Sclinedeiis, Eagliachea Urtheil über 
die niederländische Polilik; die Itcdciiliing der Ortinicr Tür die Niederlande ] 

— Es hat inmittclst der englische Kcsidcut dasjenige, was er«.M;u 
neulich l>ei der mUhdlichen Conferenz gesaget und .ingcfUhret, sehrift- 
licb Ql)ergeben, worin viele nachdenkliehe Saclien, welclie sehr nach 
Driuungen und Verweisungen schmecken, enthalten; worttlier denn 
die Gemdther der Regenten ziemlieh gealterirct und verltillert seiud. 
Es gehet ahcr filrnehndieh dahin, dass er will, ninn solle zwischen 
Danemark und Schwellen :t part handeln und, wie er sich mündlich 
darunter geexpliciret, auch darin Churbrandenburg des preussisclien 
Interesse halber an der Ostsee mit eiubegreifen und also die Pro- 
tegtirenden wieder zusannneuhringen. 

!n Privatdiscursen sagt er utTentlicli heraus, Schweden sei ihr 
bester Freund, wie wol sie nicht gegen Dfmemark mit ihnen gealliiret 
wären; und o1)wol Dänemark fs um ihnen nicht verdient, so wollte 
doch der Pnitector zeigen, dass er dessen Ruin nicht suehel. Sagete 
auch dem dünischen Residenten im Anhören der Churbrandenhurgi- 
schen, sie wären bis daheio fast mehr als die Selaven von Holland 
gewesen und erfuhren nun, wes gutes und Iteislandcs sie dagegen 
vnu deuenselbeu zu erwarten und wie viel Staats man auf des Staats 
Freundschaft machen kitune; alles wäre gar zu langsam, getbeilt und 
geiuteressiret, ehe sie etwas schliessen, zugesehweigen, zum Effect 
bringen ktiunten, indem alles durch so viel verworrene und unkundige 
Häupter gezogen werden milsete, wäre gemeiniglich alles schon gethan 
und ihr Wesen zu spät; und sähe man nunmehro, was diese Lande vor 
diesem gethan, dass man solches nicht ihnen, sondern den treffliehen 
oranischen Prinzen, als welche reu ultra privata et honores et e<immoda 
coDsliluti, sieh allein nm die publica bektimmert und also gleichsam das 
Gelenke und die Seele des Staats gewesen wären (zu danken hätte) '). 

') Die Regololion gedrnckt bei Aitzems IV. 'J44. Aitzema war Agcst 
in SUdt Münster bei den UeneralaUaleD in dieser Angelegeuheit. 

'J Solche „Zeitungen" Üegeo in dieser Zeit inebrrach bei den Ketalioaeo 
Weimau's, meist, wie ilie obige, vod seiner Hand geaclirieben. 

') Elnaa dergl. fehlt im Manascript. 



^aovGoOt^lc 



]^28 ^' Brntidenbnrg nni] die Niederlande. 

Weiman an den KurfUrstcii. Dat. Haag 12. März 1658. 

(Sclirpcken in Holland über die achnedlBclicn Siege; RntschlusaloGigkeit; frao- 
zoeische niid »Dgliache Diplomatie.) 
12. Mä«. Immer neue niid srblimmerc Nni'hriclilcn vom dänisclien Krieg; ein 
ileniüthiiEender Friede für Dänemark, nebst DerenFJT- und OBTeDsiTslliatice 
tnit Sehwcdcn ^oll Eihon dem Abücliliiss nahe c^cin. Die Bestürtzurig in 
lloltand ist überaus gross, zwar redet man noch immer da»0D, wenn nur 
Dänemark fe^t hielte und tieinen fulsehen Frieden mache, en werde aarb 
Holland das semige nicht unterlassen — 

wenn aber alles bei iliueD gar zu renlnderlicli und der Schreck für 
dem Kriege fast iiiclit zu beschreiben ist, so künneu wir uns dennoeli 
mit keinem Grunde einbilden, dess man sicli von ihnen grosser Dinge 
KU versehen liabe. Sie werden durch Frankreich und Engeland auch 
gar zu sehr abgeselirecket diireli allerhand Intrig^ies und DrSuungen. 
Der rranzü^itohe und der englische (IcKniitUc im Haac; cajolJren Wei- 
man Eehr und suchrji durch ihn den Kniftirsten vom Krieg gegen Scb «re- 
den zuriickziihnlien. 



Weiman an den Knrflireten. Dat. Haag 19. März 1658. 

IDer Friede von Rocskildc. Sthnniikende AiiBichlen in Uollaiid über nanilelii 
oder SlillsitKcn. Dio Franzosen und Kngländer arbeiten für Schwaden.) 
ü. Die Nnchriehlen vom Abfchluss des schwedisch-dänischen Sepwat- 
friedens ') sind nicht mehr zu bezweifeln. — 

Sowol in Holtand als der Generalität stehet alles bestOrzt, betrSbt 
und stille. Vielen geftillts heimlich, vielen und zwar den meisten 
gehet» an ihre Seele. Jene sagen, es sei Gottes Werk, der Dänen 
eigen Schuld, und warum wollte der Staat länger reluctircn? es wäre 
schier gegen den Himmel gefoehten; was Dänemark gutwillig und 
nun jure tlhergeben, wie wäre man befugt, zugesehweigen mäehlig 
genug, solches Über Haufen zu stosaen? man mUsste mit Schwellen 
liandeln, sich der Moderation fvemiler Interessen enthalten, mit Gelde 
fechten, sonderlich drauf gedenken, dass man sich mit England nielit 
möehte brouillircn etc. ; und stehet zu fUrthten, diese Meinung werd 
in linhe Consideration kommen. 

Andere zwar nehmens wol auch aufs Gegenspiel .... die Flofle 
wäre schier fertig, der Belt auf allen Fall passabel , man mllsste sie 
in die Ostsee gehen lassen, zum wenigsten unter dem Vorwand, ihre 
Kaufmannsschi ITe zu begleiten; mit Polen und E. Ch. D, wäre noch 

>) Friede von Koeskilde 9. März 1658 

DqitzedüvGoOt^lc * 



Friede von RoeskiMe. X29 

tvol etwa» 7.U tliun etc. Uad (lürfte niif diese Opinioii bei Holland 
sonderlieh und zu Aingteidam noeli wol grosse Reflexion g^enoromen 
werden. — 

Frankreich und England laufen und rennen, rathen und dräuen 
sehr för Peliweden .... und jirotestircn sehr, dass sie fUr E. Cli. D. 
Interesse aufs hncliBte eorgen werden. Der englische Resident kam 
die verwiclienc Woclio noch zu uns und erhot sieh ulles, was wir nur 
ihnen würden fUrscIireihen, darunter alhie zu thun, auch scliriftüeh 
OberzugetH-n, nut dem llinzuthun, der l'rntcctor hätte ihm darzu aus- 
(Irnokliehe Ordre nachgesehieket, Murrete Bonst, glauhte es aber 
nicht, dass er gehöret, E. Ch. I). hätten sieh mit Oesterreich zur 
Election und gegen Schweden verbunden. 

Mons. de Thou spricht fast auf eben solche Maasse, und wissen 
wir sfhier nicht, wie wir uns bei so bewandten Sachen zuweilen 
herausreissen oder verhalten sollen. — 

Wir unners unterth. Ortes . . . selien, hören, ratheu und reden 
dero maassei», dass wir uns an die polnische Seite halten und von der 
ändern nicht gänzlich abweiciien; präpariren alles auf alle Zufälle. 



Weimaii an den Kurfili'sten. Uat. Haag 25. Alärz 16Ö8. 

jYsbrBndtB i'd Berlin. Vorstellungen Weiman's über die schwächliche Politik 

ier Hiederlaoilo; Hinblick auf die Oranier. De Witt Keine HoCTuiing auf die 

Niederlande zn machen. Man begt llesorgnisse Tür Brandenburg wegen seines 

Vorwage na | 

Der jütüt in Berlin angelangte Btaalische Gesandte Ysbrandt-s bittet2r>, 
die GeneralsCanten um nähere Instruction zur Verhandliinf; mit den knr- 
riirstlichen Räthcii '); Weiman sneht dies zu betreiben, — 

Es ist aber siedert" wenig Wirklichkeit darauf erfolget, indem 
Holland sowol als auch andere Provinzen immer uoch gleichsam ent- 
ideket stehen und nacli ihrer Gewohnheit auf den endlichen Ausschlag 
warten. 

Wir unsers Theila lassen an den Oertern, da es gilt, nicht nach, 
anfs beste auszustreichen und anzuweisen , wie sehr sie uns und 
E- Ch, D. mit so vielen houttadeuscu Resolutionen und Vorgebungcu 
hiebevorn eingenommen und aufgezogen, wie hoch sie darunter gc- 
conleetiret, gcß[)rochen und E. Ch. D. geanimiret, und wie nachdenk- 
lich es endlich dem Staate sein wUrde, in aller Welt dafür augesehen 



') Seine Correipondeoz aua Berlin s. Urk. u. Actcnat. III. lltiff. 
«.«.. .. ö»ch. j. or. K-.ra«!«. VII, 9 

i;q,t7ed.>G00t^lc 



^^Q I. Braudenborg und die Niederlaiiiie. 

ZU werden , (laBs die Seele der Republiken, Elire und Glaub, alliie 
deroniaasäcn abgenoiiimeii , dass sie auch G. C'li. D., aU echier des 
Estata eriiten und letzten F'reund, Iliren Feinden zum Raube abao- 
donniren und dahin laHsen würden. . . . Mao möchte in Zeiten die 
Augen ötTnen, rund und redlich gehen und den Krieg nieht dero- 
maassen hassen, dass man in der Ewigkeit sich keines guten Friedeas 
zu versiehern Grund und Fundament anlegete. Frankreich dehortirete, 
Engelaud dräue, alles mit unleidlicher rude»se. Woher käme es aber? 
Aus keinem andern Grunde, als dass sie vermittelst so vieler Experi- 
menten sich versichert halten, dass dieser Staat mit den vorigen 
Hauptern verstorben und weniger als ei» todter truncus capabel 
wäre, sich zu bewegen. Sie möchten sich herausreissen , ihre Ehre 
retten, remedia ndmittiren und weise sein .... sie könnten ihre Flotte 
lassen hingehen auch ohne Brechen, sie könnten der Stadt Daozig 
Volk und Geld geben auf träglielie conditiones etc. 

Der von Beuningen schreibt unter der Hand auch dergleichen 
Dinge aus Dänemark. Die klllgesten der Regierung fangen sehr an, 
die gegenwärtige formani reginiinis zu schelten, auf die alte zu sehen, 
nach oranischen Prinzen zu wUnschen, ihr Uebel zu erkennen. 

Ges|)räch Weiniaii'K mit de Witt, der ilim sehr eifrig zleDilicb un- 
beslinimte Zut^icbenuigeii gibt, dass die Getierah tasten doch s. Z. noch das 
Ihrige tbiiii werdeil. 

So viel wir nnnoch vernehmen oder glauben kiJnnen, mögen wir 
E. Ch. D. darunter des geringsten nicht versichern. AMes ist zu ver- 
änderlich, langsam und mechaiiisch; im Glück ist man sicher, bei 
dem Unglück niedrig nnd verzaget; da nian's nicht zum htielisten 
nötig hat, will mau alles tliun, wo man aber in Aengsten stehen 
sollte, da zeucht man die Hand gar zu leichte ab. Und wissen wir 
also E. Ch. D. kaum anders als vorhin auch zu rathen: etwas zu 
hoflen, aber auf nichts Staat zu machen; der äusserlicheo Freund- 
schaft /.u geniessen, aber schier nicht weiter, als dass sie nicht cöb- 
trarii sein werden; soHten E, Ch. D. Waffen {der Allerhöchste ver- 
leihe es) glücklich sein, so möchte mau sich zu etwas mehr verlassen 
können; denn der llass gegen Schweden ist ohne Maasse; solllen Sie 
aber Anstoss leiden, so dürfte ein iunerliches Mitleiden der einiger 
Trost sein. 

Und isis eben daher, dass diejenige, welche den Staat aus dem 
Grunde kennen und E. Ch. D. geaffeetioniret seind, bis an die Seele 
bekümmert sein für E. Ch. D., und da dieselbe eich zu Estremitäten 
gegen Schweden präcipitireu sollten , dass sie Unglück fürchten 

i:.a,t--r.d .V^iÖOt^lC 



Gedrückte Stiromnng im HASg. WeimsD in BerliD. ]^31 

Alle Welt apprebeDdiret gar zu sehr, dasB E. Ch. D. Torangelieo, 
erst und im Reiche breclien, das Instrumentuni Paeia contra' datani 
Gdem violiren, «ieli an dem dänisclien und zwar so notabilen Exeni- 
del nit spiegeln und auf geallürte Waffen sich verlassen sollen-, und 
das8 solches gar zu bedenklich sei fUr einen Herren, der so viel zu 
rerlieren hat, Oesterreicli pflege von Alters her gar gerne solche 
Häuser zu wagen, welche ihnen um ihrer Grösse Jalousie geben, uud 
leigen solches die Historien der vorigen Zeiten. Und wUrd der Mass 
unauslOscblich sein bei niänniglicb, wenn durch Brandenburg das 
Reich nunmehr wieder in das vorige Kriegsfeuer gesetzt werden 
sollte. — 



Die nächsten Relationen von geringem Belang — die Nachrichten von 
den Roeskilder Frieden laufen ininier genauer ein und machen die liollän- 
discben StaatauUuuer iniraer verzagter. Am 11. April reist Weiman in 
S&rben der clevisch-märkischen Ständedifferenzen nach Berlin und ist für 
Dffbrere Monate vom Haag abwe.seud. (tJeber seine Gesandtschaft, ge- 
meinsBrn mit Otto v. Schwerin, an den König Karl Oustav im Mai 
und Jani 1658 s. int folgenden Bande.) Mittlerweile fuhrt Job. Copea 
die Haoptcorrespondeaz. 

Ana Weiman's Tagebüchern: 

Weiraan an die Princessin Witwe von Oranien. Dat. (Berlin) 2i4. Mai 
IS. Mai 1658. Alles ist gerüstet, um, wenn nöthig, jeden Augenblick los- 
brechen za können; die Armee iüt marscbfcrlig, die osterreicbischen und 
polnischen Truppen stehen zur Vereinigung bereit. Kr und Schwerin 
tollen als fleeandte zum König Karl Gustav geben, ihn noch zum Fne- 
drn zo bewegeu „aa*moins avec la Pologne." Der englische Gesandte 
Jephson wird sie dabei nnterslQtzeu. In Frankfurt „noua ponssoos 
l'Mection ä toutes forces, pour avoir un alliä qni soit le chef de l'Empire"; 
nod jedenfalls um Oesteireich zu verpflichten — „vojsnt qne c'eat la voiz 
de Brandenbourg, qui d^oide prcsque tous les diCf^rents parmf les Elec- 
teora." Der Enrfürst wünscht aufrichtig den Frieden. „La Pologne et 
rAntriche ont fait des merveillcs pour faire alier TEIetteur avee eux eo 
HoUace audevant le Roy de Suede; mais S. A. Eb n'y a point vonlu 
pKsier l'oreille, consid^rant qae eela n'est qu'une infraction de ITnstrumen- 
tDiD Pacis et le vray nioyen de nous precipiLer aus dernieres miaäres." 
Dsdnrcb würde der Krieg möglicher Weise auch in die brandenburgischea 
Unde getragen, und der Kurfürst darf das nicht wagen; da« hiesse „de 
ttetlre tont, c'est ä dire l'armäe, an hazard", was nicht ohne die 
iuaserste Noth geschehen darf Die Schweden haben nur diesseits des 
Heeres etwas zu verlieren; Polen hat das grösste Interesse daran, die 
Scbneden von sieb weg uud auf den Weg nach Deulijcljland zu weisen. 
Znnal ist jetzt die rechte Zeit zum Haudeln vorbei; die „lentenrs" der 
Ociterreirber haben bewirkt, dass man nicht in den Kampf eingetreten ist, 

9* 



„A^iOOt^lc 



]^32 '- Brindenburg and die NiederUnde. 

als DäDemark nncli zu retten wnr. Kuii, die herrtcbeude Meinung ist: 
der KiiiTürgt darf tiicli durchaus iii<'ht übcieilt in einen Kampf mit Si.-h'K'e- . 
den Ktürzcn. Wciinan front picIi, uiitt-r der Füliinng Sehweriii's an d''r 
Ambftssjide nn dfn König Karl Oustav Thcil nehmen zu dürfen und 
daliei die Weise Uieses „niinisire renommii" kennen zn lernen. 



Joli. Copca an den Kni-fiiratcn. Dat. Haag 26116. Juli 165H. 

[('romwell suclit dem Bruch zniscliPn Brniidfnbiirg imO ScIiweJcn vcirznhciigpn.) 
i. Der en^lt»r1ie Resident Herr Downing knm gestern zu niii- und 

sa^te selliigcs 7.11 tlmn nf eine ihm am seliiigen Tage vom nerrn Pnttee- 
tore eingekomnienc Ordre, dabei er E. Ch, D. sollte durch mich unterlh. 
andeuten lassen, dass dem Herrn Pioteclori leid wäre, daas S. Maj. 
von Schweden E, Ch. D, Gesandten zu Flieesburg die Audienz, ver- 
weigert Iiäfte'), mit Erbi«tuDg, das» der Herr Protector sich gerne 
dazu verlegen wollte, den Frieden zwiBohen höchafged. Kiinig und 
E. Ch. D. wieder zu erbauen, wenn nur I. Höh. dazu einige Mittel 
an die Hand gegeben würden, immer dass doch E. Ch. U. sieb möch- 
ten neutral baltcn. 

Copcs vorspricht mit Dank, dem Kurfürsten Bericht davon zn geben, 
und stellt dabei dem Downing die harlo Behandlung der S<'hweden und 
dagcgeu den „glorio<;en" Piicdeu mit Polen vor, den natürlich der Kurfürst 
vorziehen müsse. 



Der Kurfiirst au Joh. Copes. Dat. Colin a. Sp. 26. Jiili 1658. 

(Antwort auf den Crom well 'sehen VermiltclungsverBncli | 

liilligt die i»n Downing gegebene Antwort. 

Gleicbwie Wir nun mit solcher Antwort guäd. wol zufriedoii 
sein, also habt Ihr Euch ferner zu bemühen, gute Affccfion uud Ver- 
traulichkeit zwischen Uns und dem Protectore zu unterhalten. — lu- 
sonderhcit habt Ihr .anzudeuten, dass Uns alle oflicia, so an Heiteu 
des Herrn Protectoris zum Frieden möchten conferirct werden, jeder- 
zeit sehr angenehm sein würden. Es mUsste aber der Friede, so viel 
Polen anlangt, gcneral sein, sintemal sowol die neue als alte Pacta 
kein andres leiden könnten. Was aber das Ilüm. Reich betrilTt, gleich- 
wie Wir bisher darinnen ganz stille gesessen und ungeachtet aller 

') D. I1. bi Flcnsbarg, wo Karl Gnslav die beiden brandenbnrgisclien 
(iIcsnDdlcn Schwerin und Weiman zu empfangen eich geweigert hatte; vgl. 
Uro y Ben III. 3 401 f. iiml den Bchriflenwechiel darilbec zwischen Appelbooro 
und Uopee im Haag bei Ailzeuin IV. 277 0'. 



^düvGoot^lc 



Oomweira VeraiitteluD^Teraach. PranL-holläadische HaodelsrivalitJit. ^33 

Btattlicfaen dazu gehabten Occasionen den Schweden im geringsten 
nichts geschadet, also wollten Wir nicht unterlassen, ferner Frieden 
zu erhalten helfen, wenn man nur schwedisclien Theils Unsere Lande 
mit keinen Märsehen, welche, wie.hekannt, den Krieg nach sich zu 
uehen pflegen, graviren, auch sich der vielen Bedrüuungcn und anderer 
Zunötignngen enthalten möchte. 



Joh Copes an den Kurfürsten. Dat. Haag 13|3. Aug. 1658. 

[BenöhoDgeD Äppelboom'a im Haag. Eqglaud und Schnedeu. Verbot des 
Verkaufa von Schiffen. H mdelamsBeregeln gegen Frankreich] 
Der schwediache Resideut AppelbooQi verlangt in vprsihiedeiieii an die 13. Aug. 
GeoeraUtaateD ciDgegebenenMeinorialieii, dass die O.-St. Erklärung ahgebeu 
EolIeD, dasB sie dem Ilaus Oeeterreich, Polen, Braudenburg und Danzig 
Mae Uat«rstütEuug angedeihen lassen wolleu, goridero dca Klbitigcr 
Vertrag, den der König prout jacet ratificircn wolle, halten werden, 
EiDcdem entttprechetide ReRolatioD der Geocralbtaateii vom ol. Juli ist neu 
beftatigt worden. Holland betont iioih besonders die Clausel des Klbiugcr 
Vertrage, wonach anderen Mächten nud besoDders Kui'brandeiiburg uud Dan- 
lig der Beitritt ofTfn gela.isen wurdu '). 

Hieselbsten will mau glauben, dass zwischen England und Schwe- 
den der Commercien halber man sich «iergesfalt verglichen, dass bei- 
derseits Unterthauen in dero Landen gleiche Freilicit rcei))roce gc- 
DJeGsen sollen, welches hiesigen Eslats Unlergeliiirigcn dergestalt sollte 
kÖDDen präjudiciren, dass deren viel sich dercnds haushaltlichcu nie- 
dernelzeu nirtcliten. Man ist liie auf Mittel und Wege bedacht, wie 
man allen Verkauf der hie angebauten Schiffen an fremden Nationen 
wo nit verbieten, dennoch uf gewisse liniitirte Wege Ubci-Kulassen bc- 
hiodern möge. Uud weilen Frankreich gewisses Fdictuni cnicncru 
will, den Fremden, sonderlieh dcu Holländern, Oly, Thian uud was 
ron AV altischen kommt daselbsten zu bringen zu verbieten *), gehet 
man hie damit um, wie man selbigem Edicto sicli widersetzen oder 
in anderen Commercien gleichen Scliadcn dcu Franzosen zufügen möge. 



Zwiijchen dieser and der Mgenden Relation liegt nun die neue Weii- 
duug im Norden: der Uebcrfall Kupcnliagens durch Karl Gustav, der 
Beginn des zweiten däntscbcD Krieges und der lintKchliiss des Kutfüisteii, 

<) Vgl. oben p. 6-iff. und Ailzoroa IV. 281. 

') Ueber diese und aodora franzÖBiiche Prujcct« „toi v erste rek Inge van 's 
Koniocks fioantien" s. Aitzema IV. 289 S. 



^aovGoOt^lc 



^QJ. I. BtaadeDbarg und die NiederUnds. 

in deDGelbeo au der Spitze der gegen Schweden rerbtiudeten Machte ein- 
7.utreteD. Weimao kehrt jetzt auf ee'iaeo Postea im Haag zurück, um 
die Mitwirkung der Niederlande zu betrcibcu. 

Weiman an den Kurfürsten. Dat Coesfeld 2ö| 15. Sept. 1658'). 
(praes. zu Husum 4. Oct. 1658.) 

[BeBQCh an den brauoschweigischen Hüren; überall erbitterte Stlminaog gegen 
Schnedeo. Herzog Friedrieb von WürEemberg ued Kndolf Augnst voo Brauo- 
Bchweig, Der Biacliuf tou Müester- Kircheegebet iu der Grofscbart Mark für 
de» Sieg des KarfürBteol 
äept. Ich bin an den Höfen zu Wolfenböttel und Hannorer gewesen 
und endliclien alhie auch angelanget. Allcrends habe ich E. Ch. D. 
heilsame friedfertige Intention aufs beste fUrgestellet und endlich das 
dänische Wesen deromaassen gerlihret, dass ich E. Ch. D. fast ver- 
sicbeni dürfte, dass bowoI die Häuser Braunschweig, als der Bischof 
alhie von ganzer Seelen wünschen , dass Gott der Schweden Gewalt 
und Härtigkeiten steuern und dagegen E. Ch. D. Waflfen se-gnen 
wolle. Männiglich, klein und gross, detestiret und verfluchet das schwe- 
dische Wesen, und eagete mir des Herzogen zu Hannover f. Gn., sie 
hätten nunmehr in aller Welt ihr Credit verloren. Wegen Batification 
der Frankfurtischen Alliance *) schien es, dass t^ie bekümmert waren; 
der Herr Bischof von Münster aber wird sie noch unterschreiben, 
noch ratificiren, sondern sich an dem Kaiser und E. Ch. D. beständig 
hallen. — 

Zu Wolfenbmtel fand ich Herzog Friedrichen von Wllrtem- 
berg, Herzog Augusti Eidam und vor dieser Zeit in schwedischen 
Diensten gewesenen General-Major, Dieser Fürst schien ein Herr von 
guter Conduicte und Erfahrenheit zu sein und erbot sich hochlich 
gegen E. Ch. D., also dass ich wol merkete, dass er sich in dero 
Dienst gar gerne cngagiren würde; er saget, dass seine Frau Mutter 
vom Churhause Brandenburg gewesen ') und dass er El^nigl. schwe- 
dische ihm neulich angetragene hohe Charges gerefusiret, weiln er 
nicht gemeinet, gegen E. Ch. D. oder die Köm. Kais. Maj. zu dienen. 

S. f. Gn. Herzog Budolf Augustua erweiset eine Überaus 
grosse Affeetion zn E. Ch. D. — 

>) Coesfeld im Bielliimi Uiinster. damalige Reeidenz dea Bischore. 

'; Die Bogcnannte „rbciniache Alliance" mit Frankreich vom 14. Aeg. 1656, 
za deren Unlerzoicbnern auch die braunscbweigischen Hcrzi'ge, der Bischof von 
Münster und Schweden-Bremen gehörten. 

■) Barbara Sophie, Tochter des Karfiirsten Joachim Friedrich, 1609 
mit Johann Friedric'b von Würtemberg vermMt. 



A-iOOt^lC 



W. a. d. braannchw. HöfeD n. in Mänater. Der Kurfürst tmt d. Marscbe. J35 

Albie )mb ich wegen der Oranischen Bovergfcrnischeu ShoIio alles 
dahin abgeredet, (läse der Herr Biscliof es dud an die Stände bringen 
lassen und dcninächet darauf bedacht sein will, wie man die briefliche 
Urkunde und Cessionsscheine einzurichten und aisu die Zahlung der 
100,000 Rlh. EU Werke ricliteo möge ')■ 

Und werd ich also morgen, geliebts Gott, über Cleve nach Hol- 
land eilen. — In der Grarachaft Mark bin ich hie und dort en paseant 
gewesen . . . und betet Kirch- und Kanzel allerorts für E. Oii. D. 
Waffen ohne Unterschied mit ungehöretem Eifer. — 



Der Kurfürst an Weiman nnd Copes. Dat. Parchim in 
Meckeloburg X3. Sept 1658. 

Er habe nun die „Ench bchanntcn Marschen" bcgoiineD; am 7. 8cpt. 2;i. s,.pi. 
sei er vuu Bertia aufgebrocben ; morgen soll hier id üer Nähe allgeiueiues 
ReadezvouB sein; dann soll ea mit gegamoitcr M;icbt weiter gebcu. Wei- 
iiiau eull dahin wirken, dase der bollaudlBche Aduiiral Ordre erhält, luit 
dem Kurfürsten fleissig zu commnoii-irea. 

h^in weiteres Schreiben des Kai-fürston, dut. Bordcsholin 24. Sept. 
1658 fehlt. 



Der Kurfürst an Weiman uud Copes. Dat. Frierlrirlislmrg 
in der Vorstadt vor der ftirstl. Kesidenz Gottorf 29. Sept. 1()58. 

lUarechbericht; der Feiud auf dem Rückzug Fordert Cooperation der nieder- 
läudisclicn Flotte Dud Ealhaltuiig vud l'urlii:ular(ruclateu.] 

— Seit dem scind Wir mit der kaiserlichen und Unserer Cavalleric 9 Oct. 
fortgegangen (dann die Inrnntcrie und Artillerie neb»t noch etzHchcn 
Regimentern zu Pferde ecind noch zurllckc und die Tülen werden 
ehester Tage bei Uns erwartet) und heute dato alliier zu Friedrichs- 
■ bürg, die Vorstadt von Schleswig, Unser Hauptquartier gcnommeuj 
da Wir dann vom Feinde nicht» augctrofTea, sondern vcrncbnicu, dnoä 
sie sich allesammt nacher Fridericbsöde rctirircn. 

Nun seind Wir ferner resulvirt, dieselben mit göttlichem Beistand bis 
dabin zu verfolgen, allein verhoffen Wir auch, es werden die Herren 
Generalslaaten nicht allein nunniclir mit ihrer Flotte iii See sein, son- 
dern auch mit aller Macht verhioderD, dass uiclit die Schweden etwa 
ihre Völker zur ticc binilbcr nach Pommern, Prcusscn oder JUtlaud 



I) Tgt. Tüching p. 65. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



^^Q I, BrftDdeuburg und die Niederlsode. 

und Holstein ahersetzen und Uns daselbst eiue Diversion machen oder 
in den Rücken gelieu. 

Dies Eolleu die Gesandlen ausführlich den Generalstaateu vorstellen — 
Wir Unsere Theils wollten nicht nachlassen, zu Lande Unser 
Hiisserstcg zu wagen und daran zu setzen; allein nih^steo die Herren 
Ktftaten die äaclie mit nicht niiiideiem Eifer zu Wasser fortsetzen und 
die Bchwedinche Flotte zu' ruiniren oder in den Häfen zu halten und 
alHO die See zu bpfreien suchen; viel weniger wollen Wir Uns be- 
fürchten, dass sie in irgend einige particulare Traetaten mit Schwe- 
den sieh einlassen werden. — 



"Weiman ao den Kurflirsteo. Dat. Haag 14. Oct. 1658. 
(praes. Husum 13. Oct) 

[Die FloUe baou negen widrigen Windes nicht auelaiir«n , k«iii VurwaDd; e'm 
fi'iihereB HbnlicheH Beispiel. Gute Stinimnng. Memoire uii die nenerBlilät. 
ItegODdere LeiBtungen vou Holland in AupbIcIiI. Die Geiieralslaaten nollen eine 
Position au der Elbe iu Uauden des Kiirfiirsten. Ilrängen der lläneu. Von 

Englaud kciiiB Kiumiscbung zu fürchten. 1 

Alhie ist der Eifer fHr die gemeine Sache immer noch sehr gross 
und nichts höher zu beklagen, als da5s die Flotte nicht heraus kann. 
Von Stund zu Stunde hoffet man, es werde gelingen, allerinaassea 
denn dieselbe nun vcrwiehene Tage zweimal nach einander bereits 
unter Seil gestanden, aber wegen schleuniger Veränderung des Win- 
des sich wieder zurllckzichen und, wie ungern man auch gewollt, 
streichen mtissen. Es verursachet unter dem gemeinen Volk viel 
Murrens wider die Obrigkeit und den Admiral; wenn aber alle» 
Heissig durchsehen, so ists die Hand des tiimmels, die es verursachet, 
und männiglich. von Herzen bctrUbet, dass der Staat seinen Ernst nicht 
mit genügsamer That erweisen kann. Im Jahr 1(124 ists auch einmal 
so gegangen, indem Graf Johann Ernst von Nansau an die 
(> Mouat Itcgen inllsRcn, che er mit seinen Schiffen heraus und nach 
Venedig kommen können. Inmittelst ist man dennoch in Arbeit, da» 
eine oder andere Mittel zu erfinden, wodurch man zum Ziele gelan- 
gen möge. 

Und ist die Affectioij für E. Ch. D, llbcrall deromaassen gross, 
dass man glaubet, Sie rfeicn das einige Mittel, wodurch man daa 
gemeine Wesen restauriren könne und möge, 

Pie Ge^uuiUeu bcnulzen tiicav Stitninuiig, um bei den Ocueraletnatcn 



A-iOOt^lC 



YerzÖgeruDg der hulländigcheD Hilfa. 137 

eiu Memoi re (s. Beilage) einzureiihen, auT welches hin sie nun morgen mit 
finigen ernannten Cumtoissaren in Coiifereiiz trete» sollen ') 

Bei Holland haben wir um Pulver -und Lunten k part angehal- 
len') und hat seihige Provinz ihres Theils (wie wir äusscrlieh, wiewol 
aber ohne grosse Sicherheit, vernehmen) sich ziendich erkläret. — 
Gar gewiss kostet die Flotte ein grosses, und saget man uns, die 
versprochene Sulisidien werden dadurch^ mehr als »Anfach aii^e- 
lebret. — 

FUr allem möchten sie gerne einen guten Fuss hahen an der 
Elbe, jedoch aber nicht durch sich, sondern E. Ch. D., als welche sie 
»Dfangen dahin za consideriren, dase dieselbe das rechte Mittel sei, 
SD der Ostsee ins künftig zu balanciren. Erbieten sich dahero auch, 
nenn man einen oder den andern Ort belagern wollte, zu hohen 
Dingen. — 

Die dänische Ministri treiben drauf, dass man mit der Zeit meh- 
rem Succurs an Volke fertig machen und eine gute Anzahl Fahr- 
^ezeugs etwa nach dem Kiele und an die (iegend, damit E. Cb. D. 
sieb dessen auf den Nothfall gebrauchen könnte, senden wolle; und 
nerden wir nicht nachlassen, solches auch zu secondiren. — 

Aus England spargiren die Herren Schweden zwar, da.s ihnen 
UOlfe komme; man kann's aber alhie nicht glauben, und vernimmt 
msn vielmehr, ob mau daselbut wol der Schweden Ruine nicht gerne 
sähe odio Austriacorum , dass man doch den Einfall in Dänemark 
uffcDtlich schier improbire. 

Mit Portugal ist noch nichts sonderltchs gethau, und gehet im 
Uebrigen wenig für. 

Kun, aller Welt Augen sehen auf E. Ch. D.; Gott, der Herr der 
Beerschaaren wolle Sie leiten, stärken, schätzen mit WeiBheit, Muth 
nnd Stärke! 

Memoire von Weiraan nnd Copes an die GencralstunUn. 
Dat. 11. Oct- 1658. — Darlegung litr Ahsiehtcn des Kurfürsten fiir die 
lirhallung uyn Dauemarlf; die Ucncral Staaten tollen, Kroft der Atliame 
»on ltj55, ihn mit Rath und That dabei unterstützeu; sie werden trsni'ht, 
(inen Gesandten naeh Mopean zu sehicken nnd ihren Admlral z» kräftiger 
Unteri^lützang anzuwei»ven; da? Nähere wird auf eine besondere Ootiferenz 
tenriesen. 



>) Vgl Secretfl ReBointien 1. 617. 
■) Kbendu. 8. 61». 



^aovGoOt^lc 



238 ^' Braadeaburg und dte Nietterlande. 

Weiman an <lcn Kurfllrsteii. Dat. Haag 21. Ort. 1658. 
(l»raes. Husum 18. Oct.) 

' [Die Flolte endlich in See; Stärke durselbuD. Ordre dea Admirals. ilolluad in 
bester Stimmutigi nacbgeecbickte Ordre nach Wuusch des Kiirrürsteo. Dar- 
BtreckuDg tod Knugsmatorisl. Scadang nacli Hoscan. Stollaug Englands,] 
21. Oct. Endlich ist am verwichcnen Freitage späte alliie die sichere Zei- 
tung ciDgckoflhnen, dass die Flotte den 17. des Morgens frQlic aus- 
gelaufen . , . Wir können schier nicht beschreiben, wie selir männigliclt 
darüber gcfroliloeket, und wie eifrig die Regierung ist, dieses Werk 
auszuführen. Ohne die KaufTahrteischifie bestehet die Flotte aus 
35 Ca| litalorlogsschifTen, 4 Brandem, 6 Pluyten und etlichen Galeotten, 
davon ein guter TheÜ auch gearmirct und mit gutem Canon yeraehen 
sein soll. Kriegs- und Bootsvolks ist eine mehr als genügsame An- 
zahl darauf, alles gesund, mnthig und willig, dem Feind unter die 
Augen za sehen. Man zweifelt danebst nicht, es werden ad 10 oder 12 
dänische grosse KriegeBchifTo dazustosscn und dass man also allem 
Anaehen nach mit der Hlllfe Gottes den Schweden gewachsen eeio 
lind den Weg zur Billigkeit werde zeigen kßnnen. — 

Der Admiral hat Ordre alles zu thun nach GutGuden, damit 
Copenhagen und also der König von Dänemark gerettet werden möge, 
und soll er zusehen , ob er nicht ein Tlieil seiner Flotte durch den 
Belt gehen, mit den Danen fUr Copenhagen sich conjungiren lassen 
und also die schwedische Macht zu beiden Seiten des Sunds angrei- 
fen könne. — 

Holland ist inniittelst am ver\vichcnen Sonnabend wohlgcmuthet 
geschieden und durfte künftige Mittwoche über H Tage wieder nein- 
komnien, um alsdann weiter zu thun und zu resolviren, allermaassen 
das gemeine Interesse erfordern wird. Zuforderst aber haben 
sie auf unser Mcmoriale und Suchen unter sich geresolviret und 
es dahin gerichtet, dass sich selbigen Tages die Generalität 
damit auch noch goconformirct, dass man dem Lieut. -Admiral 
in Eile nachschreiben und befehlen solle, mit E. Ch. D. nicht allein 
vertraulich und Üeissig zu corrcspondircn, sondern auch dran zu sein, 
dass sich die schwedische Trnppcu aus den Eilanden mit den andern, 
so etwa draussen seiud, nicht conjungiren mögen; demnächst auch, 
wenn E. Ch. D. würden gutfindcu, einige Völker nach Seelami brin- 
gen zu lassen, dass er solches facilitiren, Schiffe dazu herloihen, 
pressen und also alles, damit solches geschehen möge, thun und be- 
sorgen helfen solle. 

Zwar ward dabei in Holland auch geresolviret, mau solle expresse 

i:q,t7r.d .*^nOO<^IC 



AaaltiQreD der hoIläDdiatbeo Flotte. X39 

hinzuBetzen, da E. Cb. D. den eia oder andern Ort belagern wollte, 
dou er dazu helfen und, wo es zu Wasser zu thun, denselben mit 
Scbiffemaoht scblT^sen und alle Zufubr und Succura hineinzubringen 
verhindern sollte. Wenn aber einige Provinzen deswegen nicht gein- 
stmiret und sonst der Meinung gewesen, solches wlird sich von selbst 
auf allen Fall wol weiseo ... so hätte man sich iloswcgen nicht auf- 
zuhalten, sondern die Ordre, wie oben, ininaassen auch selben Abends 
noch geschehen, durch einen Expressen ah- uud weggeben zu lassen. 
Diesen Mittag hat man uns davon Communication widerfahren 
lassen. — 

Nebst dem ist zugleich gercsolvirct, dass mau E. Ch. D. Ihilver 
und Lunten aus des Estats Magazinen leiben, dahcro gegen einen 
Revers de restitucndo ahfolgen lassen solle. — 

Sonst ist auch die Schickung nach der Moscau gleichfalls gcdecre- 
tiret und deromaasseu fcstegestellet, dass der Gesandte soll beordert 
werden, E. Cb. D. und die polnische Interesse zu befordern und zu 
secondiren. — 

Frankreich und England halten sich, das schwedische Wesen be- 
treffend, noch stille und werden ungezweifelt auf den Success der 
Flotte und hernach auf starke Mediation gedenken. . . Ich kann aber 
nicht merken, da^ man endlich so gar sehr als vor diesem auf 
Eogeland sehen werd; fUrnebmIich aber mnss man glauben, dass 
selbe Nation sich und ihr Interesse auch kennen und dem Könige 
von f>chweden nimmer gönnen werd, sich ^Ileine grusH und künftig 
über alle Meister zu machen; inmaassen man solches aus ihrer Con- 
tenance und sonst auch führenden Discursen wol vernehmeu kann. 



Der Kurftlrst an Weiman. Dat. HHsiira 20. Oct 1658. 

[Di« holUndiBclie Flotte; Aoleihe vod MunitiuD. Uie Verbandlungeo de Lambrt'B ] 

Freude über du eiidliubc AuKlHufeD der hollaiicltscheu Flutte. Ucber- ;i 
sendet cioea Revers über die von den Ueucra blauten zu eiitleibeuile Krieg.^- 
muuiti'iD, 

Was von dem franzJJHischen Gcsapdtcn de Lunibrca wegen der 
polnischen Tractaten vorkommen, solches werdet Ihr inmittckt em- 
pfangen haben '). Dass Wir Euch aber diesfalls niclits gescliriebcn 
oder befohlen, eines und das andere mit den Herren Staaten zu über- 
legen, haben Wir darum gethan, damit ihr Vorhaben, die Flotte aus- 
zuschicken, nicht etwa dadurch stutzig gemacht werden niücbte. Ueber 



<) Tgl. Urk. and ActeoBt. U. 171. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



]40 I. BrsDClenbaYg nnd die Niederlsode. 

das liithen Wir auch weiiifr Hoffnung, (iass aus der Zusammenkunft 
wol Bo bald etwas werden durfte. Weil auch sehr dahin gearbeitet 
wird, dass es nur auf particiliar Tractaten gerichtet und insonderheit 
Dänemark escludiret werden möchte, so halten Wir hesser zu sein, 
zu erwarten, bie der Höchste durch einen oder den ander» glOcklicheo 
Success denen, so bishero so wenig Lust zum Frieden spUren lassen, 
bessere Gedanken verleihen möchte. 



Weimau an den KurflUsten. Dat. Haag 29. Oct. 1658. 
(praes. Fiensbuig 28. Oct.) 

(BemiihnogPD um bessere iDatructioneti Tür den niederländ, Ädoilral Bedenk- 
liches Dränget! der Poleo zum Frieden. Oestcrreicb für den Angriff in ecbwe- 
ilisch PommerD; die Dnuco im Bremipchen und in Schweden. Plan einer Er- 
weiterung der brandenbargiscben AIÜBDce) 
29. Oct. E. Gh. D. werden aus nnsem Kelationibus , '. . gnüd. vernommen 

haben . . . dass zwar bereits dem Admiral befohlen, mit E. Ch. D. zu 
correspondiren, auch zu behindern, dass die schwedische Forces sich 
nicht wieder an einem Orte conjnngire)i, aus- oder ansetzen möchten. 
Nun haben wir nachgehends unser bestes gethan, gestalt den 
Estat noch weiter zu engagiren und im )Verke befunden, dass sie 
durchgehcnds herzlich genciget sein, den Köni^ von Schweden zu 
Raison bringen zu helfen und dass sie dahero, sonderlich Holland, 
nur nach Mitteln umsehen, wodurch man am fUgUchsten zu einem 
solchen Zwecke gelangen möge, jedoch solchergestalt, dass es ihrer 
Seite nur in terminis defensivis und assistcntiae ex capite foederum 
geschehe und Frankreich oder England nicht veranlasset werde, wenn 
man zu weit gehen und sich blossen sollte, sich des Gcgcntheiles pari 
Martc anzunehmen. — 

Zwar mUssen wir bekennen, dass wir, ehe die Flotte heraus war, 
diese Sache ziemlich sanfttich behandelt, und weiln wir den guten 
Willen gesehen, Hbcr den Effect nicht gehen wollen; wir haben auch 
das wenigste nicht gcthan als auf Begehren und Gutlinden der fUr- 
nehmsten Glieder nud Confidentcn. Wenn wir aber immerfort erwo- 
gen, wie höchlich daran gelegen, dass die Gealliirlen dieses Staats 
Hilfe au der Ostsee nicht nur um Copenhagen und dieses Mal, son- 
dern fJberall an der Ostsee und so lang dieser Krieg währen wird, 
benöthigt sein, so haben wir altcrends unser hestes gethan und es so 
weit gebracht, dass wir nicht zweifeln, es werd morgen geresolvirct 
und feste gcstcllct werden, obwol in des Admirals Instruction vom 

i:q,t7r.d .*^-.00<^IC 



HoIUod im oordJBcheD Krieg« eug>giert- l^\ 

7. Sept. Art 8 enthalten, dass er nunmelir aicli daran iiiclit zu bindeu, 
sondern mit oder oline der dänischen SeliifTsmaclit die scliwedisclie 
Flotte allerorts zu verfolgen, zu incommodiren und /,u vertilgen liahen 
solle. Wir holTen, es wercl auch noch hineingerllcket werden, das» 
er directe auf £. Ch. D. Begehren cooperiren solle, wenn die Atliirte 
gut fiuden werden, an der See etwa Belagerung zu thiin. 

Aus England wird Bcliwedeu nocli wenig zu erwarten liabeu. -- 
Wegen der polnischen Tractaten hat der Eslat annoch das wenigste 
nicht geresolviret, und vernehmen wir gnugsain, das») es ihnen misx- 
(ällt, dass Polen die Danen nehcinet einigerniaassen vorheizugehen 
und den Friede ex conxilio Gallico zu pruripitiren. — Wir wünsciie- 
ten zu wiesen, was E. Ch. D. gnäd, Intention bei diesem Werke »ei, 
und ob wir solche Tractaten, und was davon dej)Pndiret, zu beflirdem 
oder zu versetzen, Mftnniglieh hfilt es flir eine nachdenkliche Kaciie, 
dass Polen rebns ita stantibus so sehr eilet; wir unsers unterth. Ortes 
aber zweifeln nicht, B. Ch. 1). werd es deromaassen betrachten, dass 
Sie Uires Interwse dabei versichert sein können. 

Der Herr Fricquet ') fraget immer, es thuns audi nicht weniger 
die Regenten alliier, ob man sieh in ätrohhalnien (ita ajunt) binden 
und die Schweden im Bremischen und Pommern nicht angreifeil wollte. 
Wie wir aber unsere Theila darunter zu nichts geinstruiret seind, so 
lassen wir solches jcdesmals unbeantwortet und an seinen Ort ge- 
stellet sein. 

Die dänische Ministri treiben sehr darauf, und wir unterlassen 
nicht, dasscib zu secondiren, dass die Übrige 4000 Mann Secunrs mö- 
gen nachgesehicket werden und vermeinen sie, der Herr Feldmarscball 
Eberstein wUrd damit, sonderlich da ihm E. Ch. D. einige Reiterei 
dazu gäbe, im Bremischen fruchtbarlich agiren können. Nach Nor- 
wegen suchen sie gleichfalls Oflicirer und Hülfe, geslalt also den 
König von Schweden auch im Herzen, d. i. in Schweden, anzugreifen; 
und stehet zu vermuthen, dass man ihnen endlich an die Hand gehen 
werde. — 

Holland durfte mit ehestem wieder einkommcn und . . . werden 
wir dran sein so viel mCiglich, dass unsere Assistenz in Kraft der 
Allianz wieder ins Mittel kommen möge. Ob wir aber deswegen 
etwas erlangen werden, darob kOnnen wir E. Ch. D. wenig Ver- 
sicherung geben; vernehmen aber, dass etliche in die Gedanken 
kommen, man mUsste ermelte Allianz coiroboriren, d. i. die H Jahr 



') JobSDU Fricqaet haiserlivber QeBaoUler im Haag. A itzema IV. 'i82. 



1,^2 r Br*n<leDbarg noi] die NiaderUnde. 

auf 15 protongircn und sie eonst aiicli Ruf alle £. Ch. 0. I>ande und 
Estat extendiren. Uini geben wira dahero E. Cli. D, zu gnfid. Be- 
denken aiiheiin, ob Hie uns uiclit gnftd. zu instmiren, wie weit wir 
uns darunter auslassen sollen. 



Der Kurttiist au Weiiiiaii. Dat. Hauptquartier p. Husum 
25. Oct. 1558. 

IWpinan soll nach ICugland reixeo ) 
1. Nov, Naclideui Wir ans England die gewisse Nachriclit erlanget, datis' 

wenn dax Werk daselbst nur recbtschaffen incauiiniret und getrieben 
werden inOchte, die Sebweden von danuen kein Succurs erlangeo, 
noch zu erwarten haben wUrden: so wollet Ihr Euere Sachen also an- 
etellen, damit Ibr Euch sobald möglieb nach ü^ngland begeben könnet, 
zu welcbem Ende Ihr denn biebei das uötbige Creditiv zu empfan- 
gen habt. 

Weinian aii den KurfUraten. Dat. Haag 5. Nov. 1658. 
(pracs. Flenaburg 5. Nov.) 

|Erfi>1|;reltlie Reise nocli t^feianil. D\k neue Ordre an den Admiral. HüfutruppeD 
fiir Dänemark. Von Kngiand her keine Oefahr, Unangeoelimea Friedens drängen 
der Polen, I 
> Nov Sogleich aujetzt komme ich von meiner Reise wieder zurück und 

verboffe, Seeland werd hinfüro sieb in alleo Fragen nuamehr besser 
anschicken. lumittelst bat man uns die nebst kommende Resolution 
Kugestetlet und fUr etlichen Tagen schon durch verschiedene Oaleotteo 
dem Herrn Admiral (wiewol ingebeim und derogestalt, dasa man'« 
nicht schriftlich erbalten kann) diejenige nähere Ordre nachgeacbickt, 
wovon meine für 8 Tagen abgestattete unterth. Relation mit mehrem 
Meldung gethan. Man vers|ineht uns darüber auch uoeb grosse Dinge 
und dass man bei nächster holländischer Versammlung von näherer 
Zusamnieusetzung mit E. Cb. D. reden werde, — 

Die Patenten für die 40()0 Mann dänischer AssistcnzTÖlker seind 
fertig und die Admiralitäten iu Arbeit das Ueberbringen zu besorgen. 

In England stchets, das schwedische Wesen betreffend, noch in 
vorigen tenniais, und weiss ich von guter Hand, dass der Uerr Re- 
sident Appelboom sieb beklaget, dass sie vom Protectore nichts als 
Worte wurden zu erwarten haben. . . Wenn man die innerliche Ge- 
legenheit der englischen Sachen ansiebct, so kann man auch nicht 
glauben, dass sie sich annoch in dieses W^erk werden misoben. Die- 



„A^iOOt^iC 



BollaDc] im Därdtscheo Kriege engsgiert. ^43 

»es weiss ich aucli wol gewiss, dase Holland endlich nicht gar viel 
darnach fragen dilrfle, allennaaasen der Herr liath Pensionär! u» lieute 
noch deswegen gegen das englische Dräueo ein tapferes Votum 
gefDhret. ~ 

Die polnische l'ractaten seind alliie bei so bewandlen Sachen 
gar nicht angenehm, nnd ist zwarn der Herr Pinoeci ungeduldig '), 
da£B man ihm auf seine Memoralia nicht antwortet, es dürfte aber 
der gemeinen Sache wenig gutes damit gestiftet werden, da andere 
oiil iiirer Gefahr Polen gerettet, dass dieselbe durch einen gepräci- 
pitirlen Frieden uudankbarlioh verlassen werden sollten. 

ßeiliegend: Resolution der ti<^-ueI'aUtaa teu aiiT das Memoire 
voD Weim«» ond Copes vom 11 Oct. Dat. Haag 2. Nov. 1658'). 



ffeiman an den Kurtiiirtten. Dat. Haag 8. Nov. 1658, 
(praes. Flensburg 5. Nov.) 

|Pi» Datiere Alliaoce; Daratrvckuug vou Kricgsmunilioii. G»*gen die polLiachtD 

PrifdeDBbestreliuDgen. Mllfijtntppbn Tür DÜDemiirlc. Nledetlündisclie Pläoe auf 

Glärkstadt. Nachrichten von der Flotte. Falsche Nachrichlen Schlez.er'a aus 

LoodoD; wie die ijachen dort wirklich alehen.) 

Den verwichenen 5. dieses haben wir zuletzt gCKchriehen und ist 8. Nov. 
siedert wenig fUrgegangen. Zwar haben wir es wegen der näheren 
AlUance so weit gebracht, das» man in Holland darob ein jioinct 
van beschryvinge geraacbet und in den Provinzen anfanget hin und 
wieder za deliberiren, wie weit man jedes Orts Deputatns darunter 
n inatniiren "haben m<ige. 

Wegen des Pulvers und der Limten stehets gleichfalls in solchen 
Icrmiais, dass morgen beschlossen werden dürfte, wo man die Geld- 
mittel hinnehmen solle, gfistalt draus nach Kothdurft einzukaufen. — 
Prinz Wilhelmen von Nassau f. Gn. thut gar viel bei der Sache. 

MH den polnischen Tractaten war man nicht allerwol zufrieden, 
and ärgerten sich die fUrnebmste deroniaassen dran, dass wir Ur- 
sache gehabt, nicht altein den Herrn Pinoeci mit allem Glimpf in 
etwa zurückzuziehen, sondern auch durch allerhand Mittel den Estat 
ui versichern, dass es mit selben Tractaten nach Jetziger Bewandtiiiss 
der Sache zumal wenig oder wol keine Noth haben werde. — 

') HieroofmuB Pinoeci poluischer Geaandler im Haag. Aitzema 
IT. 21; Wiciiutfiirt 11. M7. 

', GedrncLt b«i Ailiema IV. ^ä3 t Vgl. Urk. d. Actenat. 111. lai. 



„A^iOOt^lc 



144 '■ BranJpnbiirg and ilio Niederlandp. 

Die Patenten nir <lie 4000 Mann dänischer Htllfc enllen auch nun- 
mehr we^- und ausgegeben aein. Wo sie nun hingefllhret werden 
solle», darüber ht noeh nielils eigentliches geresolviret; vennuthlieh 
aber wird» wol nach Seeland, gestalt die Eilande desto eher zu säii- 
bera, gclien. Etliche sagen, man sollte sie dem Herrn Eberstein ') 
zusenden, gestalt damit in» Bremische zu gehen, und könnten die 
I'oleu einige Cavallcrie daxu herleiheii, wodurcli man denn den Sclnve- 
den an solchem Orte Work gäbe, ohne dass E. Ch. D. oder Oester- 
reieh im Kelche etwas anfingen. Und wird deswegen tä-glieh mit den 
dänischen Mlulstris, wobi i wir denn wol das beste auch nach Ver- 
mögen rathcn werden, gehandelt. 

Ich merke wid, dafs einige im Estat ein Auge auf die CJlück- 
stadt haben und gPgcn Verpfändung selbigen Orts Geld und Miltel, 
HO viel man begeliren miichtc, verHpreclicn, und dass man an Seite 
des dänischen Minlsterii darin noch gai- langsam gehet. Vielleielit 
ists nachdenklich fDr den König, weil» diese Leute nicht gerne etv:aa 
wieder geben. Hamburg dürfte auch sauer sehen, andere desgleichen 
Üinbrage darnb scliöpfen. Wenn nmn's aber recht einsieliot, so möchte 
es nicht auszuschlagen sein, da man an dänischer Seite sonst nur 
gute Conditiones machete. Oar gewiss könnte dieser Estat nach sei- 
ner Gelegenheit damit nicht viel gewinnen. Sie fressen nicht weiter, 
wie andere. Sie würden sich aber damit gegen Schweden dero- 
tnaassen eugagiren, dass mau ihrer bis aufs äusserste hinfUro sich 
versichert wUaste. — 

Im Uebrigen siebet man immernoch sehr auf die Verrichtung der 
Flotte und hat man davon heute erst durch des Admirals Briefe diese 
bestündige Nachricht erhalten, dass sie wegen steten contrarie Win- 
des nicht fortkommen können und also den 20. dieses sich noch un- 
gelUhr am Skagcrrack zu Vierburg befunde, stark, wol bemannet 
und muthig. Witten Wittesen ') war nebst den Seeländlechen 
Schiffen auch bereils dabei angelanget. Die Soldatesque hatte man 
auf die Schiffe vertheilet; sie waren ad 3G Orlogsschiffe, ohne die 
gearmirte Fluyten, Branders und Galeotfen. Am Sonnabend sind 
ihnen aus der Maas auch noch drei capitale EricgsscbifTe gefolget, 
und vevhoffet männiglich, Gott werd ihr gerechtes FUmebmen mit 
starker Hand segnen. — 

Zwar schreibt Herr Schletzcr, England nehme sich der Sehwe- 

■) Däoiscbcr Feld marsch all. 

*) NiederlüDiliaclier Viceadmiral, welcher dann in der Schlacht im Snnde G«L 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



Die hollünd. Flotte aat dem Weg in die Ostsee. England. I45 

den an. Wenn aber noch der hieBige engÜBche Resident, welcher 
noch diesen Abend bei uns gewesen, davon wisBen will, und dieses 
Staats fUrnehniBte Glieder mich noch diesen Nachmittag aufs höchste 
yeraicbert, dass ganz nichts daran, sondern rielmehr sicher sei, man 
werde sieh daselbst aus dem Handel liaKen; ee lasse sich auch dorten 
zwischen dem itzigen Herrn Protectoren und der Armee deromaasseu 
an, dass sie in und mit sich selbst gar gelUhrlich gebrouillirct wer- 
den dürften: so lasse ich Bolcbes billig bis dahin, dass man nähere 
Zeitung erhält, zu eines jedweden Urtheil gestellet sein. Dieses ist 
wol gewiss, wenn sie auch ausgelaufen, so würden sie zti späte kom- 
men. Ascue selbst war auch noch zu London auf der Gasse ge- 
sehen worden. ') 



Der Kurftlrat an Weiman. Dat. Flensburg 1. Nov. 1658. 
(conc. Scliwerin.) 

(Die Cooperation mit der niederländ. Flotte, lieber die altiance-müssigB Hiiru 
der NiederlÜnder; vor alletn wünscht der Kurfürst, dass sie nar seibat actir ein- 
treten. Krweitenmg der ÄlliaDce. Der Kurrürst hat nichts gegeo äen oBtreicIii- 
■chen Angriffsplan in schwediacb Pommern. Reise nach England; die Excesse 
der Scbwcdeu in CarlaDd vorzas teilen.] 

Antwort auf die KelattoD v. 29. Oct. Der Korfürgt hat drei rerschie- H- No" 
deoe Scbifie bd den aiederläadiscbeQ Admiral abgeacblckt, nni uit deui- 
Eelbeu kraft Eeioer neuen InatructioDcn sich in Commonication zu Eetzen. 

So viel biemüchfit dasjenige betrifft, was Ihr in Unserm Namen 
kraft der Alliance hei den Herren Staaten suchet, wlirde Uns zwar 
solches sehr zu Statten kommen, wenn Wir bierunter etwas erhalten 
könnten; wie Ihr ihnen dann desfalls rationes gnugsam vorzustellen 
wissen werdet: insonderheit, dass dieses nur eine Continuation des 
Krieges sei, worin Wir vor drei Jahren mit ihrem Einrathen getreteu 
and wozu sie damalen zu helfen Bich Bchulilig ermessen ; welches sie denn 
jetzo um so viel mehr Ursach hfitten, weil Wir eine so geraume Zeit 
die Last des Krieges alleine und ohne Hülfe getragen. Ihr habt aber 
gleichwol hierbei behutsam und glimpflich damit umzugehen; dann 
Wir nicht gern wollten, dass sie etwan chocquiret oder ihnen das 
Werk acfangs zu schwer gemachet werde. Derowegen könnet Ihr 
es nur vor allen Dingen dahin zu bringen suchen, dass sie seihst 
recht ins Werk treten und darauf tapfer agiren möchten, Künnte 

■) Deber George Aecne nnd seine Bethelligong en der Rustang für 
Schweden vgl Wicqnefort 11.533. 

Hiiui. I. Oncb. d. Ol. KurlUnten Vll. 10 



J^^g I. Brandenbarg ond die Niederlnnde. 

aber über das vor Uns etwas erhalten werden, würde es Uns lieb 
Bein; wo nicht, wollen Wir Uns dennoch in etwas gedulden. 

Dass sonsten nicht allein die Alliauce auf 16 Jalir, besondern 
auch noch ferner auf alle Unsere Lande estendiret und also noch 
viel enger eingerichtet werde, solches soll Uns recht aDgenelim sein, 
wie Ihr Euch dann in Uuserm Namen dahin zu declariren habet. — 
Es wUrde Uns aber sehr lieb sein, dass dergleichen mit deu anderen 
Interessenten, als Polen, Dänemark und Oesterreich auch möchte ge- 
schehen können und also die Verbindung um so viel fester gemacht 
wUrde; dergestalt, dass sich niemand so leicht unterstehen durfte, 
einen und andern Theil anzugreifen. 

Wenn der Herr Friequet Euch weiter fragen müchle, ob man 
sich an Strohhalmen binden wollte'), habt Ihr denselben dahin zu 
beantworten, dass Wir nur von I. Kais. Maj. erwarten, was zu thun, 
und wohin man weiter gehen solle und alsdann solches ohnweigerlich 
embrassircn würden. 

Euere Reise nacher England habt Ihr aufs flirderlichste werk- 
stellig zu machen und dem Frotectori die jüngste curländische Action 
aufs beweglichste und dabei auch dieses vorzustellen, dass daselbst 
die von Unserer Frau Schwester angestellete Gemeine der Reformir- 
ten ganz zerstöret und von den Schweden nach nichts mehr getrachtet 
würde, als die Reformirten, überall zu tilgen; und zweifelten nicht, weil 
der Herzog von Curland mit des Herrn Protectoris Vater allzeit in 
guter Freundschaft gelebt, er würde sich seiner annehmen '). 



Der Kurfürst an Weimaii. Dat Flenabiirg 8. Nov. 1658. 
(eonc. Schwerin). 

jOegen die holläudischeD Absiebten auf GliickaUdt.l 

I8.N0V. — Soviel die Festung Glückstadt betrifFt, da müssen Wir nicht 

unbillig in denen sorglichen Gedanken stehen, dass, wenn man darauf 

ferner das Auge schlagen und deren Einräumung prätendiren wollte, 

dass es hei vielen andern allerhand Nachdenken causiren und dem 

■) Vgl. oben p. 141. 

*) Herzog Jacob von CurIftnJ, mit des Knrrürsten älterer Schwester 
Louise Charlotte vermählt, war mit seiner Familie von dem in LivUod com- 
maadireaden schncdiscben General Doaglas in seiner KesidcDa Hitaa über- 
fallen, gefangen geaommea and nach Riga gefütirt worden. (Pufeadorf Carol. 
Gustav. V. g 131): die schwedische Reclitfertigangsscbrift darüber gibt Aitiema 
IV.ääTf.; Tgl.Oeijer-CartionlV,327. Man betraobtete die Gewslttbat als 
einen Act der Rache gegen den Kurffirsten von Braodeobarg: Wicqnefort 1L536r- 

i:a,t--r.d .t^iOOt^iC 



CDrlani]. GliickBladt. Die Schlacht im Sani]. I47 

Staat nur zum Unglimpf gereichen wUrde, als wenn man Ton denjeni- 
geo, denen man zur AssiBtenz und Kettung kommt ... selbst den 
Schlüssel zu ihren Landen prätendiren und wegnehmen wollte. Was 
es den Schweden vor einen allgemeinen Hasa TcrurBachet, dass die- 
selbe um ihrer Commodität willen an einen und andern solche An- 
sinnungen thun, das ist Euch bekannt; daher Wir nicht gerne woll- 
ten, dass die Herren Staaten gleichen Kamen erlangen sollten. Habt 
demnach, so viel an Euch . . . solches guovis modo zu divertiren. 

Beirulgend ein GriilnlationERrlirciben des Kurfürsten an die Oe- 
neralstaaten Tür den inzwischen glücklich erkämpften Erfolg der Flotte 
im Sand. ') 



Weiinan an den Kiirfllrsten. Dat. Haag 20. Nov. 1658. 

(Sieg der niederländischeD über die scbn-edieclie Flotte. Angebliche englische 

Hilfeflolte. Bedcnklichhuit der Reise Dach Knglund. Tolen nnd Oeslerreich 

dränget! auf eine neue Alliance.] 

Endlich seind hie Briefe vom 11. dieses n. st. eingekommen, -"u Not 
welche berichtet, dass die Flotten an einander geratben und die 
bolISndische einen trefQiohen Sieg erhalten. Zwam seind solche 
Briefe nur aus Litbeck und keine dabei ans Copenhagen, noch an 
den Staat, noch an die dänische Ministres, dahero die widrige Partei 
sich immer noch eines andern flattirct und die Gcmllthcr suchet irre 
zu machen. . . . Wenn aber dennoch so cinmutbig und so sicher alle 
Briefe davon reden, so zweifelt niemand, der Sache sei, wie ge- 
schrieben. — 

Und können wir kaum beschreiben, was fllr ein allgemeines 
Frohlocken diese Zeitung bei dem ganzen Estat dannenhero verur- 
sachet, hingegen aber wie zerschlagenen Muthes sich die widrige 
Partei allerends bezeiget, derogestalt, dass Holland Über die Maasse 
nunmehr eifert, das Werk weifer zu bringen und zu befolgen, die- 
jenige aber, welche der Bcbwcdiscben Partei zugethan seind, ans- 
drOcklich sagen, der König sei verloren, wo er nicht quocuniiue pre- 
tio Friede mache oder Engeland stUhdlieb mit ans Werk greife. — . 

Aus England wird abermalen ausgestrenet, dass der Protector 
10 Fregattten (worin sonst schier seine meiste Macht bestehen soll) 

') Die Schlacht im Sund am ». Nov, 1G58, in der die niederlündische Flotte 
glücklich den Eingang in die Ostsee erkämpfte, und deren Folge die Aufhebung 
der Belagernng Kopenhag;enB von der Seeseite war. Von dem Gratulatioas- 
achreiben des Eurfürslen liegt bei einer spätem Relation anch ein gedrucktes 
EzempUr in holländischer Uebersclzung, dat. Fleasborg 18. Nov. 1058. 

_ 10* 
i:q,t7r.d .*^-.00<^IC 



]^48 '■ Itrao'lcuburg Dud tlie Hiederlaode. 

nach dem Sunde gescliicket; der Herr Nieupoort aber, wie auch eein 
Secretarius (als welcher irestert albier angclanget) köunens annoch 
niclit glauben und vernieineu, dass sie nach dem Westen ausgelaufen. 
Wie ihm aber ißt, eo achtet man's alhie bo gar gross nunmehr nicht, 
-vveilu man's gedenket gegen inannigltch ausziiAihreu. De Ruyter 
lieget im Texcl mit einer trefflichen Macht dagegen aucli wieder 
fertig. — 

E. Ch. D. befehlen mir in dero gnäd. Rescripto vom 25. Oct, dass 
ich mich nunmehr nach Engcland zu erheben hätte, und iverd ich 
mich stilndlich dazu fertig machen; nicht zweifelnd, dcro eleviscbe 
Regierung wcrd mir zu den assignirtcn 4000 Rth. ungesäumt verhel- 
fen; wUnsehete aber dennoch büchlich zu wissen, wenn der Protector 
Schweden Suceurs geschicket und sich also damit wirklich geengagi- 
ret hätte, ob E. Ch. D. dennoch der gnäd. Meinung verblieben, dass ich 
dem ungeachtet weggeben »olUc. Gar gewiss uiüehte solches be- 
denklicli sein, auch dcroniaasscn, dass ich niclit weis?, ubs nicht die- 
sem Staat und sonst auch andern Alliirtcn möchte Ombiage geben, 
bei einer solchen IJcwandtniss einem solchen Regiment sich gor zu 
sehr zu nähern. 

Der polnische Gesandte ist auch zwar noch hie, hat aber bis- 
üero nichts wirklichs gctlian, und zeiget er zuweilen ziemliche Unge- 
duld. Wir unterlassen aber nicht dieselbe damit zu mildern, dass 
wir ihm zeigen, er tliue auch, wenn er nichts thue, und sei es in 
einem solchen Staat mehr als eine Antwort auf ein Memoriale, mehr 
als eine Allianz in scripto, dass sie wirklich agiren; der Rest solle 
per se wol ullgeniählig folgen. 

Der üsterreichische kaiserliche begreift es zwarn in etw« 
besser, inuinassen er denn auch nichts ohne uns tbut; Hinget aber 
auch nunmehr an, davon zu sagen, man müsse von einer besoudem 
Allianz reden und sich etwa am Mittwoche darüber zusaramenthun, 
gestalt nebst Polen, Dänemark und uns deswegen etwas sichers feste 
zu stellen. Ob wir nun zwar ^vol sehen, dass der Estat so leichte 
iiit zu einer solchen Alliaucc vei-steheu wird, auch ohnedas nicbl 
wissen, worauf es E. Ch. D. specifice wollen gedirigiret haben, so 
werden wir zwar die Conferenz nicht difficultiren . . . zweifeln aber 
nicht, erwUhnte Gesandte werden aus dem Werke selbst die Schwie- 
rigkeiten erspUren. 



^aovGoOt^lc 



Die Schlacht im Sund. Hüfacorpa für Dänomarb. Eogland. ^49 

Weiman an den Kurfilreten. Dat Haag 22. Nov. 1658. 

[Die Schlacht im Samle. Die BilfatroppeD für Dänemark; die Frage wer sie 
commaDdireo «oll. DiffercDi zwtachen PHde Wilhelm nod Prinz UorilE von 
Naasaa. Qnte Zeituog ans KDglaod. Die Giuctalädter Sache, EriegamuDitiun 
voa deo HolUoderD geliefert Die projectirte AlliaDco Ewischen Oeelerreicli 
aad den Niederlanden. Anhairsche Heiralhssacho.] 

HaB hat immer noch keioc genauen Nachrichten über die Seeschlacht 32. Nui 
im Sand; nor doss die Schwedeu geschlagen sind, steht fest. 

Man ist sehr eifrig, die bcwuseten 4000 Mann, welche denn be- 
reits vor etlichen Tagen allcrends angcfangcD zu marscbiren, nach 
Copenhagen bringen zu lassen. Der de Ruyter lieget fertig, diesel- 
ben rn convoyiren; der Colonel Killegray, von den 4 Obristen der 
älteste und welcher bei Provision coramandiren dürfte, ist heute auch 
schon weggegangen. Und ist man im abrigcn noch in Bcratlischla- 
gung, was man ihnen fttr ein Chef geben solle. Alles zielet auf Fdrst 
Wilhelm von Nassau und treibet solches die Stadt Amsterdam 
mit besonderer Affection. Ich zweifele aber, ob S. f. Gn. sich dazu 
einlassen werden ftlr kllnfligem Martio und dass man agircn kGnno. 
Der von Beverwert soll seine Dienste auch angeboten haben; mir 
dflnket aber nicht, dass die Herren Dänen sehr dazu incliniren. 
Heute bin ich von fllrnehmcr Hand ersuchet, Prinz AVilhelm dazu 
noch disponiren zu helfen, und wird man bald sehen, wo aolcliCK 
hinaus wolle. Weil S. f. Gn. an Dänemark so nahe verwandt, an 
E. Ch. D. beschwägert, tu diesem Staat so mächtig geradiciret, so 
glaubt man, dieselbe werden das rechte Instrument sein, in diesem 
Werke am besten zu agircn. 

Eines ist sehr im Wege, dass das Feldmarschalksanit immernoch 
80 sehr im Streite bleibet, und dass Prinz Wilhelm Hr. f. Gn. Prinz 
Moritz, dieser aber jenem darunter so sehr zuwider ist. Wäre denn 
wol zu wünschen, dass solches gehoben und beigelegt werden könnte; 
welches sich denn auch mit der Zeit wol finden möchte, sonderlich 
da sie beide alhie gegenwärtig sein. — 

Hiebei kommt eine gar erfreulielie Zeitung aus England, welche 
Howol der Herr Nieupoort, als der dänische Minister eonfimiiren: 
dass der Herr Protector den .Schweden alle Hilfo an Geld und Schif- 
fen gänzlich und rund abgeschlagen; und darauf Ascuc und andere 
bereits angenommene Officierer angefangen zu difficultircn, nach dem 
Sunde. und in schwedische Dienste zu gelien; und daws man also gar 
gewiss diesen Winter von Engeland nichts böses werde zu erwarten 
habeo. — 



^aovGoOt^lc 



^gQ L Brandeaburg und die NiederlsDde. 

Wegen des Glückstudtiscben Handels ist noch nichts ge- 
BcbloGsen, weil die Ministri deswegen besonderer Ordre aus Däne- 
mark gewärtig sein. 

Unser Kraut und Lotli wird inmittelst verhoffentlich an E. Ch. D. 
Agent Dogen geliefert sein. — Es ist ziemlich mechanicq damit ge- 
handelt und gar wenig, was man bekommt. Wir gedenken aber, es 
sei besser als nichts, weiln das Abschen das meiste ist, und von Zeit 
zu Zeit ein roelirers erfolgen muss. 

Verschiedene Bcüprechmigcn mit den aoweECudcD Geeaiidteo der 
alliirtea Mächte; der kaiüerliebc drängt darsiuf, dass man eich nieder- 
laodischer Seit» über die angebotene Alliance erkläre; Weiman hält ihm 
die Schwierigkeiten vor und bittet ihn, uicbt in der Sache zu drangen; das 
beste gei, wenn man nur überhaupt die Niederlande Kur Actiüii brachte. 

P. S. E. Ch. D. Gesandter, der Freiherr v. Loben ist nebst 
dem fili-stlich Anhaltischen vorgestert alhie eingelauget, und haben 
wir unsers Theils heute bereits bei I. Hob. gnäd. Audienz gehabt '). 



i.Nov- Der Kurfürst an Weiman. Dat. Flensburg 19. Nov 1658. — 
Eine AUiauce zwischen den Gencralstaateu und dem Kaiser wäre alkrdins» 
tebr erwünscht und Weiman soll altes Ihnu, eie zu ermöglichen; inzwi- 
schen soll er den kaiserlictien Gesandten daran eriunera, wie lange Braa- 
denburg habe werben müssen, ehe es diese Alliance erreicht. 



Weiman an den Kurfllistcii. Dat. Haag 25. Nov. 1658. 

[Uogewiasheit über die Vurgänga im Sund. Die Allianccfrago mit dem Kais«. 
Die üilfseendung nach Dänemark wiederum in Frage gestellt Kbeosu WeinaDS 
Reise nach England J 
V Noch immer nur Zeitnngsnaebrichtcn über Lübeck über die Vorgänge 
im Sund; daa Gerücht behauptet sich, dass W ran gel auf schwedischer 
Seife gefallen; „worüber sich niänniglieb desto mehr erfreuet, dass sie sa- 
tten, er sei nicht alleiu E. Ch. D., sondern auch dieses Hslats höchbter 
Keind von allen Zeiten gewesen." Weder vou dem Konig von Däne- 
mark, noch von Opd;im sind bis jcut Briefe eingelangt, so dass die 
schwediarhe Partei schon anfängt, wieder das Uiiu|)t zu erheben. 

Die Allianceangelegenheiten sind im alten Stand; in Betreff der kai- 
serlichen sagt de Witt zu Weiman; „es wäre eine lautere Unmöglich- 
keit dazu zu gelangen, als lange dieser Staat mit Frankreich oder England 
nicht würde in offene Ruptur oder Krieg geratbeu." lieber die Erneuerung 

') In Sachen der Verheiratung des Füreleu Johann Qeorg von Anhalt- 
Dessau mit der Princessin Uenriette Katharina von Oranien, der Schwä- 
gerin des KurfÜTsteD. 



Aj.oo»:ji 



Die Schlacht im Sand. Neaea SehwftDkeD. ßngland. Carland. ^51 

oDil Verlängei-UDg der britiideDburgiscben bittet WeimaD nm genaue 
[DGtnictioa. 

1d Beireff der 4000 Mann nocb Cupenhagen wird man jetzt bedenk- 
litb, sie bei dem gefährlichen Winter noch wegzuBchirkcn, und ist geneigt, 
es bis zum Frühjahr zu TerGcbiebcu- V,s tritt eine Conferenz zur Bera- 
ttinog darüber zusammen, woran auch Wciman und Copee Theil neh- 
tnea. Sie dringen nebst den dänischen Gesandten eifrig darauf, dass die 
Tni[ipeD jedenfatls sogleich abgeschickt werden — „gctbanc Sachen wären 
die beMen; wären sie zur Stelle, so könnten sie im Frühling nicht zn spät 
kommen" — Die an der Conferenz theittichmenden Militärs heben dage- 
gen die Schwierigkeiten eines jetzigen Transports n. b. hervor. Schliesslich 
geht die Sache an die Generalität zurüik, wo noch immer nichts resolvirt ist. 

Weimans Reise oach England wird von den Befreundeten in dieser 
Zeit Dicht gern gesehen; das Uauplhinderniss derselben aber ist, dass es 
ihm völlig unmöglich ist, die ihm dazu assiguirten Uelder von der clevischen 
Rcgiernng zu erlangen. 



Der KurfUret an Weiman. Dat. Flensburg 23. Nov. 1658. 

(Reise Weimans nach England. Die schwedische Gewalllhat in Curlaad.] 
Mit der englischen Reise soll Weiman es halten, wie die Priucessiu 3. Dec. 
und „der Staat" es gutfinden werden; wegen der Gelder soll Auorduuug 
geschehen. 

Sollte auch hochged. Unserer Frau Schwiegermutter Ld. der 
beBtindigen Meinung verbleiben, dass Ihr solche Reise nicht fort- 
zusetzeD, so halten Wir nötbig zu sein, datts Ihr dem Herrn Nieu- 
poort von der Eucb aufgetragenen Commiseion durch Schrei- 
ben Parte gebet, damit er solches alles dem Herrn Protectori 
rtmonstrirei) und den für Schweden destinirteu Succurs hintertreiben 
möge. Wobei er auch insonderheit die von schwedischer Seiten wi- 
der des Herzogs zu Curland Ld., dero Gemahlin und fürstliche Kin- 
der vorgenommeneu unerhörten Proceduren und Untreu, wozu denn 
»uch noch die gefängliche Hinwegfbhrung hochged. Sr. Ld, und dero 
ItiDixn türgtl. Familien mit hinzukommen; und sonderlich auch, dass 
nunmehr in Curland bishero gesammelte reformirte Gemeine von den 
tjehweden ganz zerstreuet, und wie die Reformirte überall von den 
Schweden so übel gehalten werden, beweglich vorgestellt werden 
köDDte. Zweifeln nicht, es werde solches nicht ohne Frucht sein, 
sondern den Herrn Protectoreni , dessen Herr Vater dem Herzogen 
von Curland allemal viel Freundschaft erwiesen, zu anderen Gedanken 
''ringen. 



^aovGoOt^lc 



^^2 I- Braadeoburg nad die Niederlkude. 

Weimau an den Kurftlrsteu. Dat. Haag 29. Nov. 1658. 
(praes. zu Satorp 25. Nov.) 

[Die gewonnene Seeac hl acht. Die Hilfe nach Dnoemark durchgeBelzt. Erneaerang 
der Ältiance. De Witt über den Plan einer Reise nach England. Geldmanget 
das naupthinderaisB-l 
1-. Endlich siüd authentische Nacbricblcn über die gcwonDenc Seeschlacht 
eingcianfen; alles ht io grosser Freude; die schwedische Partei lässt die 
Köpfe hängen. 

Wir inmittekt seind niclit stille gestanden, sondern haben uns 
dieser Conjunctur bowoI bei dem eogliechen Ministro, als auch die- 
sem Estat aufs beste gebrauchet und es dahin gerichtet und richten 
helfen, dasa der Herr Downiug ziemlich in sich gehet und gestern 
Holland '), heute aber auch die Generalität mit grosser Animosität 
geresolvirct haben, dass nunmehr die 4000 Mann zu Segel gehen und 
mit 4 OrlogsschifTen gcconvoyiret werden sollen. Dem Admiral wird 
mau dureU Expresse zu Wassoi- und Lande dabei noch auch aufge- 
ben, denselben entgegen zu schicken, im tlbrigen den Feind zu ver- 
folgen, E. Ch. D. mit seinen Schilfen an die Hand zu gehen etc. 

Wegen Erncnerung der Alliance will Weiman. morgen Audienz bei 
der Qeneralität nehmen; Freiherr v. Loben (dessen Mission sonst eine 
andere s. pag. 150) wird daran Thoil nehmen. — 

Eben wie mir von den Meinigen E. Ch. D. gnäd. Rescript dat. 
. . . Nov. gereichet ward, stund der Ratb Fensionarius von Holland 
bei mir im Salet, nnd wie er hörete (allermaassen ich das Glttck hab, 
ziemlich confident mit ihm zu sein), daas ich noch nach England ge- 
dächte, so liess er sich öffentlich heraus, dass seines Bedtlnkens es 
nunmehr wUrd beeser sein, damit an- und stille zu stehen; hie könnte 
ich bei so considerabler Conjunctur mit Batb und That Dienst thun-, 
in England aber wUrd ich ohne Nutz sein . . . indem man gnugsam 
versichert wäre, dass der Protector nichts wagen, sondern sieh stille 
halten wlirde. 

Trotzdem, erklart Weiman, würde er, dem Wunsch des Kurfürsten 
entsprerhpnd, vielleicht bereits unterwegs sein, wenn er die nöthigen Gel- 
der aus Cleve bekommen hatte; j» ma[i schreibt ihm von dort, dasa die 
ihm Hssignirten 4000 Rth. erst im Decfjmber iimselegt werden sollen. Es 
wird also wol, wie auch de Witt räth, nöthig sein, bis zum Frühjahr zu 
warten. 



ete Reaolnlien I. ^21 f. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



Schlftcbtim Sood. Neae kräftige EnUchldsie. Vergebliches Gegeoirirken. ^^53 

Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag . . . Dec 1658. 
(praes. zu Satorp 29. Nov.) 

[Veraache der BchwediacheD Partei vereitelt; resolale Kotachlüsae. ErbilteniDg 
gegen ScbneduD. ADballische Heiralti,| 

Was alhie bei der Generalitfit am verwichenca Freitage reeol- . 
viret worden . . . solches haben wir alefortenB uaterth. berichtet. Die 
schwedische Partei bat solches deromaasscn empfunden, dass sie fol- 
genden Tags die französische und englische Ministres bewogen, gestalt 
ihr letztes EfTort zu thun nnd also die nebstgehende Memorialien zu 
übergehcQ '). Zwar haben sie sich eingebildet, der Staat wUrd sich, 
wie vor diesem also auch nun, durch dergleichen Grimacen lassen 
irre nnd wendig machen ; es hat aber so weit dran gcfelilet, dass sie 
desto weiter gegangen und entschlossen, den Viceadmiral de Ruytcr 
mit noch 4 oder 5 grossen Orlogsschiffen nach dem Snnde gebu zu 
lassen, gestalt daselbst mit 15 Kriegsschiffen den Winter llber zu ver- 
bleiben , zuvorderst aber mehrbenannte 4000 Mann dahin zu con- 
voyiren, — 

E. Ch. D. können schwerlich glauben, wie sehr männiglicb ver- 
bittert ist über der Schweden Gräuel; und kann ich fast nicht be- 
schreiben, mit was Eifer eben die Prediger, welche fllr etwa 20 Jahr 
für selbe MatioB als Engeln baten, nunmehr den grundgUtigen Gott 
anrufen, dass er die schwedische Tyrannei und Gottlosigkeit strafen 
wolle. — 

P. S. In der fUrstlich Anhaltischen Heirathssaehe seind wir so 
weit gekommen, dass wir morgen oder ttberniorgen mit den Pactis 
Termeinen ganz richtig zu sein. 



Der Kurflirst an Weiman. Dat. Satorp 30. Nov. 1658. 

[Scbarfe Erklärung gegen die rranzÖBiacb-englisuheo Menionalien.] 
Wir haben aus Euer untcrth. Relation und derselben angefügten lo. Dec. 
französischen und englischen dem Staat Ubergcbcncn Memorialien 
ersehen, welchergestalt dieselben Namens ihrer Prineipaten gcaurhet, 
dass man nämlich die Consilia dahin richten solle, damit von beiden 
Kronen Dänemark und Schweden einseitig Tractateu, exclusis Omni- 
bus alÜB, eingegangen werden machten. 

Dieweil Uns nun solches zum höchsten Präjudiz gereichen . . . 
wQrde, so wollet Ihr Euch deshalb sowol bei dem Englischen als 



') Beide gedruckt beiliegend; dat, aa Mov. 1656- 

DqitzedüvGoOt^lc 



154 I- BrAadeoboi^ und die Niederlande. 

FrattzösiBchen im Haag aameldes und zum böchetea beschweren, auch 
friedlich bedingea, dass Wir' bei so geetalten I>ing:ea zu andern Re- 
solutionen zu greifen unumgänglich wUrden bewogen werden. 



Weiman an deo Kurfürsten. Dat Haag 6. Dec. 1658. 

[Alles im beeten Gange; eaergische Muaasregela zur HilfleietiiDg für Dioemark ; 
Wilhelm von Nasiau als Führer deraelben la Aaaaicht; ÜODfereai über Er- 
neuerung und Erweiterung der Atliance. riölzlicher SchreckecbuBB ausEDgland. 
Eine englieche Flotte nach den Sund geschickt. Grosse Bestürtsnag und Ge- 
einnuDgsänderuDg. Ermotbigangsveraache Weiman's. Abscheu der Niederländer 
vor der Verbindung mit Oesterreicb and iäpanien. Ordre an den Admiral 1 
-' Alles ist dieses Ortes bishero aach Wunsche gegangen, indem es 

mit deo 4000 Mann und deren UebersenduDg nicht allein, sondern 
auch damit richtig gewesen, dass man 6000 Röcke verfertigen, 
Strümpfe dabei geben und einen ziemlichen Vorrath an Geld und 
Victualien zu Schiffe bringen lassen und weiter dem Admiral befehlen 
sollte, dass er ad 15 Schiffe im Sunde lassen, mit dem Rest hinUber- 
kommen, jedoch zuvorderst befordern sollte, dass der Succurs aus 
der Nord- oder Westsee in Sicherheit nach Copenbagen gebracht 
werden möge. Man war bereits auch in Berathecblagung begriffen, 
wie man gegen den Frttfaliag eine neue Flotte auszurüsten, die Miliz 
zu Lande zu redressiren, nach Dänemark, Moscau und Polen zu 
schicken und also allerends das gemeine Werk mit Macht zu beför. 
dern hätte . . . Auf welches Fundament es denn auch gelegt gewe- 
sen, dass man von uns gutgefunden zu begehren: wir möchten ihre 
Consilia secondiren und also bewirken helfen, dass auch £. Ch. D. 
Ihres hohen Ortes nach allem Vermögen Ihr Bestes thun wollten, ge- 
stalt das allgemeine Werk aufs kräftigste und communi coosilio zu 
befordern. . , Vnd war das Werk auch unter der Hand bereits so 
weit beleget, dat^s man, um der Sache noch immer näher zu kommen, 
S. f. Gn. Prinz Wilhelm von Nassau sollte durch allerhand Mittel 
gedisponiret werden, gegen den Frllhling in Person nach Dänemark 
zu geben und daselbst die 6000 Mann en chef zu commandiren. Mit 
uns ist man heute auch auf unser jüngstes Memoriale in Conferenz 
getreten, wobei . . ■ wir uns denn näher ausliessen . . . dass es die 
Raison und das gemeine Interesse sein wUrd, wenn man die Allianz 
vom Jahre 1655 flir sich nehmen, examiniren und nach Gelegenheit 
jetziger Zeit und Laufte . . . verändern, verstärken und also einrich- 
ten wflrd, dass das eine Theil ohne das andere nichts gewinnen, 



Aj.OO<^IC 



Plötslicher SchreckichuBB aas Bogland. 255 

nichls verlieren kÖDnte: die Zeit wÄre zu proloogiren, E. Cb. D. gan- 
zer Estat darin simpliclter zu begreifen, der ungedeterminirte Succurs 
zu benennen und der moduB praestandi deromaasBen ausztidrttcken, 
dasB man zu beiden Seiten ausser Zweifel und ad singula niomenla 
möchte verpflichtet und versichert sein . . . mrnehmlich aber, dass man 
sich beiderseits dahin aufs festeBtc zu verbinden hätte, aus diesem 
Kriege nicht zu treten, bis man zu allgemeinen Tractatcn kommen 
könnte. 

Worauf denn eiue befriedigende vorläufige Äntwoit der niederiäudischeD 
CommisBare erfolgt. 

Der Freiherr von Loben nahm darauf auch dabei seinen Ab- 
schied, und wir waren kaum an's Quartier gekommen, oder wir ver- 
nahmen, dass die englischen Briefe vom 29. Nov. angekommen und 
umständlich mitgebracht, der Protector hatte, nachdem er von der 
ActioD im Sunde eigentlichen Bericht erhalten, mit grossem Eifer 
geresolviret, dem Könige von Schweden mit aller Macht zu assistiren, 
und dass sie dahero bereits 21 Fregatten beordert, heraus und nach 
dem Sund zu laufen und es dahin zu richten, dass die beide Korder- 
kronen nach Einhalt des letzten Rothschildisoiien Vertrags h part ver- 
glichen, zum wenigsten, daea der König von Schweden nicht geruiniret 
werden möchte. 

Und schreibt der Herr Nieupoort dabei, es sei alles gegen 
Oesterreich gerichtet, und dass man mit ganzem Fleisse trachten 
werde, E. Ch, D, davon abzuziehen, und, wie sie sagen, zu salviren. 
Sie werden dabei auch allen Fleiss anwenden, diesen Staat auf ihre 
Gedanken zu bringen, und dabei alle mögliche Versicherung geben, 
dass sie, inmaassen sonst dasGerllcht davon läuft, Dänemark suchen 
zu conservtren und im Sunde keine Veränderung zu machen, viel 
weniger ftlr sich daselbsten etwas zu stipuliren , welches etwa dem 
Staat oder anderen Nationen könnte zu Nachtheil gereichen. 

Nun können E. Ch. D. leichtlich gedenken, dass solche Zeitung, 
als welche gegen Vermuthen und des Herrn Nieupoort so vielfältig 
gethane Versicherungen gar zu plötzlich eingclangele , nicht wenig 
Besttirtzung gemachet, und dass dadurch verschiedcue KcHolutiones 
dOrften, wo nicht aufgehoben, doch zurllckgehalteu werden, und dass 
es uns unmöglich fällt, dahero fär dieses Mal in einem und anderem 
etwas Beständiges zu schreiben. Denn wie es gehet, und wie man 
auch resolviren wird, so werden damit alle Sachen eiue andere Art 
and Farbe annehmen, es sei daie man alhie stille stehe, nachgebe 

i:q,t7ed ,.V^nOOt^lC 



]^50 ^- BraDdeobui^ nnd die Niederlande. 

oder resolvire, was angefangen, mit Ernst und bis aufs ftuBserete aus- 
zuführen. 

Weiman versucht im Gespräch mit Einzeluen tie zu errouthigen: 
„Copenhageo wäre entsetzt, versehen ; die schwedische Macht klein , die 
nnsrige sehr considcrabel, der Winter obhanden; wer wisse, was den Eng- 
lisrhen durch Sturm und Ungewittcr begegnen könnte? Im Sund wäre für 
i>ie kein Hafen, noch in den andern Eilunden; des Staats Flotte könute iu 
Copenhagcn bleiben, da sie nit stark genug wäre zn agiren oder zurnck- 
zukommcn" etc. und für das Frühjahr könne man eine nene Flotte ans- 
i'ÜEten, womit man allem gewachsen wäre. 

Inmittelst sehen sie wol, wo sie A vivc force gehen, mit England 
brechen uud in einen offenen Krieg kommen sollten, daes sie an allen 
Oeitcrn ihre Commercia in trcfTliche Gefahr setzen und endlich ge- 
zwungen werden dilrften, sich io die öetreicbische spanische Interessen 
zu werfen ; und weiln schier männiglich annoch daftlr grauet, so wird 
ihre Unsicherheit immer noch desto grösser. Dahero wir denn nicht 
unbillig bekümmert sein und nicht wissen, was etwa aus diesem 
Werke werden dürfte. 

Dieses vernehmen wir gleich jetzt, dass sie dem Ädmiral zu- 
schreiben, dass er sieh auf allen Fall nicht von Gopenhagen begeben 
solle; inmaassen man denn zugleich auch befohlen, dass die 4000 
Maun, wie sie sonst den 7. thun sollten, nicht zu Segel gehen, son- 
dern nähere Ordre sollen abzuwarten haben. 



Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 9. Dec. 1658. 
(pracs. zu Satrop 6. Deo.) 

[Berathungen über die neue Lage der Dinge gegenüber dem Aufirelen Eng- 
lands. Verschiedene Ansicblun. Die muthiger« prävatirl uuch. üio Hilfetroppeu 
nicht nach Dänemark gesandt, aber in Bereilsuhurt gehallen; dagegen Gvldaen- 
dung. ßemübung tlüs iranzösiacben Gesandten, den Kiirrürsteo von Oeslreich 
zu Irenneu. Die Verhandlung über itie neue Alliance stockt. Uebulo FofitioD 
des Öslreichiachen Agenten Fricqaet. AbechlusB des Anlialtiachen Efaecontracts ) 
Seil den jüngsten Niichriehtcn aus England (6. Dec.) stehen die Ge- 
neralität und die Provinz Holland in eifriger Deiiheratiou '). Versehiedene 
Meinungen machen sieh geltend. Für die einen ist die Uaupti^acbe, in kei- 
nem Fall mit t^ngland m brechen und daher müsse man die angebotene 
Mediation zwischen den beiden nordischen Kronen annehmen, selbst für den 
Fall, dass vorerst die anderu Alliirten nicht darein begriffen werden konnten. 
Andere sind entschlossener: Schweden werde doch die so angebotene 



:q,t7edn>G00t^lc 



PlöUltcher Schr^ckBcliuBB aus Englaad. -^^'J 

Mediation nicht annehmen, und daher dürfe man DSnoniark und die Allinnre 
dnrcfaans nicht im Stirb lassen. 

Und möchte der Staat aich inniittelst allerends in gute Verfassung 
setzen ... man bfitte auch nicht Ursache sich zu prärjpitiren, weiln 
die englische Flotte wenig wUrd ausrichten können; vieUeicht kOnnte 
sie um contrarie Winds nicht einmal in den Sund kommcD, zuge- 
schweigen dass Ungewitter und der Winter sie in kurzem ungezweifelt 
wDrd zurück unil nach Hause weisen können. Man möchte dahero 
die ganze Flotte im Sunde lassen, die Stadt Copealiagen von Lübeck 
aus oder sonst auch victualüren und auf allen Fall die 40U0 Mann in 
Nordholland und an solche Oerter, die der See am nfichsten wären, 
proTisionaliter verlegen. — 

Und können wir ein anders nicht Tcrmerken, als dass diese 
Opinion prävalire; allermaassen wir denn auch sehen, dass alle Sa- 
chen in effectu darnach eingerichtet werden, und zwam indem am 
IS. und 7. die Resolutiones genommen, auch die Ordre» drauf alsbald 
geexpediret worden, dass die 40U0 Mann in Nordholland einquartieret 
und der Admiral im Sunde verbleihen solle. — 

Zwam ists zu beklagen, dass der Succurs nicht wirklich weg- 
kommt, inmaassen es denn männiglichen leide (hut, dass der König 
von Dänemark vergeblich darnach seine Mesures wird genommen 
haben. Wenns aber mit Raison oicbt hat begehrt werden können, 
dass man's gar zu sehr hazardiren und eine so sfallliche Mannschaft 
den Englischen in die Hände spielen sollte, so kann man sich darüber 
noch einigermaassen damit trösten, dass man an Dänemark eine merk- 
liche Summe Gelde«, gestalt damit zu Copenhagen 7,u werben, folgen 
lassen dürfte. — 

Der Ambassadeur von Frankreich ist inmittelst bei uns gewesen 
und protestirt sehr von seines Königs beständiger Affeclion gegen 
E. Ch. D-, wie denn auch, dass sie mit ehestem eine fUrnehme Ge- 
sandtschaft an E. Ch. D. wUrden lassen ahkonmien. Alles aber 
scheinet gnugsam dahin zu reflccHren, dass sie E. Ch. D. nur von 
Oesterreich mögen abziehen ; wozu wir ihnen denn wol wenig Hoff- 
nung offen lassen. 

Wie ihme nun ist, so stehet unsere Handlung wegen Corroboration 
unserer Allianz durch diese Zufälle stille, und mögen wir darunter 
nicht gar viei Werkes machen, auf dass wir uns nicht prostituiren. - 
Eines thut uns leide, dass auch der kaiserliche Abgeordnete, 
Herr Fricquet, anftlnget in etwa verdriesslich zu werden. Er 
siebet, wie alles auf und gegen Oestreich losgehet, fürchtet vielleicht 

i:q,t7ed ,.V^nOOt^lC 



2gg r. Brandenburg und die Niederlande. 

auch , man müclite sie endlieh drangehen ; dahero ist er zuweilen 
Ilhel zufrieden und will , der Staat diUsbIc sich mit ihnen einlassen 
oder I. Kais. Maj. werden müssen andere Mesures nehmen. Ich merke 
auch wol, dass er lieber hiitte, dass wir wegen unser Allianz nicht 
ä part, sondern auf ein Gesammtwerk mit ihm gehen mlichten. Wenn 
wir ihn) dennoch aber mit allem Glimpf und klärlich rcmonstriren, 
dasB man sich mllsste nach der Zeit schicken und diesen Staat nach 
seiner Art und so gut als nina kann mcsnagiren ... so gibt er sich 
zufrieden und zeiget in allem seinem Thun, dass ers um die gemeine 
Sache treulich meine. Ich fllrchte aber, das Werk selber und die 
Zeit werde ihm zeigen, dass es für Oesterreich annoch zu frllhe sei, 
mit diesem Staat, wo er nicht mit Engeland vollkomnilicli bricht, in 
Allianz zu kommen. Die Furcht fUr Engeland, der Hass des spani- 
schen Namens ist noch gar zu gross, und dtinket uns immerfort, es 
sei im Anfang gnug fUr sie, dass man sie lernet leiden und mit der 
Zeit lieben. 

P. S Am Sonnabend ist die AnbaUisrhe EhesUrrung unterschrieben 
worden und die Gesandten beute abgereist. 



Weiraan an tleu Kurfürsten. Dat. Haag 13. Dec. 1658. 
(praes. zu Sonderburg 11. Dec.) 

IFrankreich und England aolidariscli; kein parLicnlarer Friede; ScbwedenB Bo- 
dentung. Dieselbe nach Uen GegeiihemerkHngeu Weininu'a. Das Sichere ist 
nur: kein Brach der General Staaten mit IDnglend. Fricqiiet verEweirelt an der 
ÖBt«n'eichiBchoD Allinoce mit den Staaten. Memoire Weimans über die neue 
Alliance.) 
13. Dec. Die rranzösischen und engliscben Gesandten versicbern wiederholt 
Weiiiian: dass es nicht anf einen einseitigen Friedcnsscbluss abgesehen 
sei zwisi-hen Schweden nnd Dänemark; der pobuNche Friede solle zugleich 
auch bewerkstelligt werden. Aber man dürfe Schweden nicht zu Urund 
gehen lattsen, „weilu sie ein so noUibles Glied des protestnn tischen Wesens 
und ein so mächtiges Gegengewichte wären gegen die päbstische nnd spa- 
nische Domin ntion" 

Und saget der englische Kcsident ausdrücklich liiebei, was Eng- 
land habe bei diesem Werke geresolviret und gethan, solches alles 
sei hei Frankreich gerathen, gutbefunden und geapproblret. — 

Wir unsers Tbeils haben nicht unterlassen, ihnen darauf zu re- 
präsentiren , wessen man sich zu allen Seiten gegeu Schweden zu ver- 
sehen, und wofUr sie sich selbst zu baten, sonderlich an England, wie 
nachdenklich es für sie wäre, sieh in dies Spiel zu mischen und zu 



Einwirlning d. fraDS.-eDgl. Diplomatis. Frieqaet. Neuer AlliaDceentworf. l^Q 

Ternrsaohen, dasB fllrerst Frankreich das arbitrium rerutn in die HAnde 
kriegen und Schweden bo viel gewinnen ni&chte, dasB ea liemacher 
den Proteclorem, wie für diesem die Evangelische in Deutsehland und 
die Herren Staaten in Miederland, das ist mit gewaltigem Undank, he- 
zahlen könnte. — 

Wir unterlassen auch nicht, dem englischen Residenten dabei zu 
zeigen das Interesse der reformirten Religion und wie man's an 
schwedischer Seite damit sowol in Preusscn als in Curland anfinge; 
welches ihm denn scheinet nicht wenig: zu Herzen zu gehen. — 

Wir sehen aber nicht, dass solches alles ein mehres wirke, als 
daas man's wol aufnimmt und anfanget, die Schweden nicht mehr zu 
lieben ; die Furcht aber gegen Oesterreich ist dagegen s» gross, dass 
man sie annoch nicht kann hassen. — 

Und wie es ist, so kann man ftlr dieses Mal annoch ron hier 
aus nicht sicheres melden, als diese Unsiclierheit: wo der Staat siehet, 
dass zwischen Schweden, Dänemark und Polen, mit Eiuschliessung 
E, Ch. D., oder sonst an der Ostsee ein ziemlicher Friede getroffen 
werden kann, so dürften sie sich um andere, oder den gemeinen Frie- 
den nicht deroniaassen bekOmmem, dass sie darum mit England sollten 
brechen. 

Der Herr Fricquet siehet solches alliie auch gem&lig, und ob er 
wo! filr wenig Tagen mit Gewalt auf eine Allianz mit Oestreich 
directo treiben wollte ... so bekennet er docli nunmehr, dass er fDr 
sich wenig HotTnung sehe, dahero allerdings nütliig und zu wUnschen 
wäre, dass man nur an Seite E. Ch. D. zu einer nähern Verbindung 
mit dem Estat gelangen könnte, nnd möchte der Rest mit der Zeit 
folgen. 

Schickt daa Concept eines Memoire'« roit über dte zu erneaenide 
Allianre, das er bei den Qene rat Staaten einreichen will. 

Das Memoire bebt hervor, diiss seit (tem Absrhiass der Alliance ron 
1665 die Dirn^e in einen Hehr andern Stand gekommen sind; was damals 
„alleen in jalnnsie bestünde", da.s ist seitdem „tot eenen openbaeren Oorlogh 
Qftgeborsten". DHber ist es nun nöthig, dass die Allianee dem nngepas^t 
werde — „dat de limiten vnn defensie worden gereguleert naer de proportie 
van de aenstaende periculen." Es wird vorgeschlagen: 1) die Alliance 
wird aof den ganzen Slaat und seine Alliirten beiderseits ausge- 
debot; 2) für eine längere Reihe von Jahren ge^chlosseD; 3) mit näherer 
Bestimmung der gegenseitigen Hiirsverpflichtungen; 4) auf so lange, bis 
ein völlig sicherer Frieden alle Betheiligteu befriedigt. 



^aovGoOt^lc 



260 I- Brnndenbarg and die Niederlande. 

Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 16. Dec. 1658. 
(praea. Sonderburg 15. Dec). 

lätellung Hollandg zu deo MediatioDspläneu voa Fraolcreicb und Bnglaud. War- 
nung zur Voraichli Oestreich »od Foleo halten eich reservitt.) 
16. Dec. Uebert^endct die Resolution der Staatcu von HoIIaod aur die Eingabe» 

von de Thou und Downing (beide dat- 30. Nov.), dat 12. Dec. 16&8, in 
Betreff der Vennittelung zwischen Dänemark und Schweden, bei der sie 
^ich, um einen allgemeinen dauernden Frieden herznstetlen, gern faetheili- 
gen wollen'). Sonst noch allea im alten Stand; das Memoire wegen der 
neuen Alliance ist noch nicht übergeben worden. 

AIb viel wir vernehmen können . . . BO wird man nimuiermebr 
an Engeland oder Frankreich Tractaten, Mediatioo und dergleichen 
in Beschwer ziehen, Bondern sich zu allen Zeiten darzu willig erbieten 
und fertig halten ; man wird sich aber dadurch nicht lassen abziehen, 
was angefangen, auszufUliren, sondern dabei beständig besteben und 
den Frieden armata manu zu befördern suchen; zu welchem Ende mau 
denn täglich berathschlaget, Mittel zu finden, gestalt eine estraordi- 
narie Equipage gegen den Frühling zu thun und damit den Gealliir- 
ten zu assistiren. 

Können aber dabei unerinnert nicht lassen, dasB man sich den- 
noch nicht gar zu sehr auf fremdes Thun und Versprechen verlassen 
küune, allcrmaasseu wir denn wol besorgen, wenn man sonst in 
Dänemark und Preussen ziemliche Mittel zum Frieden sähe zu erlan- 
gen, dasB man solchen Falles auf 0. ') wenig sehen, sondern nur 
allein suchen würd, E. Ch. D. zu retten und, da solches E. Cb. D. 
nicht anständig, das teutsche Interesse fahren zu lassen. 

Auf diesen Grund sehen nunmehr die üeterreichische und pol- 
nische Ministri, dass man alhie alle Negotiationes bauen mDsse und 
resolviren daher täglich mehr und mehr, von ihren AUiancen insbc- 
sonder stille zu schweigen, bis man in etwas näher ins äpiel seheo 
werde, — 



Weimaii an den Kuiflirsten. Dat. Haag 21. Dec. 1658. 

[Gute Zusiclierungeu der Ni«<derliLnderi abervri)! nur bia zu einem gewisaen Ond 

2uvi-rläHsig. Keligiüse Uedeukliclikeiteii verbreitet gegen die KatbullEchea, ilie 

TreiiiiDDg der Alliancp noch niebt weiter beiriehen; Fricqaet empfindlich nai 

argwobniBch-l 

21. Dec. Von allen Seiten werden ihm die besten Zosichernngen gegeben über 



) Beide gedruckt in Secrete Besolatien I. 630 ff. vgl. oben p. 153. 
; D. b. Oesterreich 



Hollond una die CooceHpolitiV. 161 I 

dieAbfichten der Republik; man will drn Fried«'!), abeniiani'Clzl die Rüstungen 
fort und wird näiicninik und den KuHür.-len feeinef P:iHs im Sliflip laKseii. 
An jruter Affeclion ist wol iiielit zu zweifeln; Oäuemark und 
PreuRscn werden sie aucli wol nielit dran ^clioii und 8i> weit nichts 
«heuen; nU sie aber lieber im Kriefre Idciben. mit Entrlaud und Frank- 
reii-h brechen und alfo Runimam reriini in Gefahr »etzen, als E. Cli. D., 
da dieselbe »Imc Oesterreiili niolit tractiren kann, draa geben wür- 
den, 8<deheK möchte wol nielit olme Zweifel, dahero-mehr zu biilTen 
als zu versichern sein. — 

Vielen lieget sonst das Keligionswesen und dass man den 
RöniiBcli-KathoIischen nicht zu viel trauen oder zuwachsen lassen 
müsse, trefllich im Kopfe, wozu denn nielit wenig hilft, dass man bei 
den polnisch-kosakischen Conditionen der Keforniirten und Lutherischen 
so ungOtlieh (inmaassen ei; alhie offenem Drucke lierumgelragen wird) 
gedacht'); und l)esorget man, man werd an polnischer Seite auf eine 
solche Maasse auch in Preusscn die Stüdte tractiren wollen. — Die 
Regenten alhie werden es endlich selbst auch den anwesenden kaiser- 
lichen und polnischen Ministns zu Oemlltlic IUhrcn, damit nicht dadurch 
zwischen den Oeallürten Ui-saehe zu Jalousieu gegeben werden möge. — 
Mit unsern Alliauztraetateu aber stehen wir noch stille und 
haben das Memoriale annoch nicht tibergebeii, weili) wir vermerken, 
dass die Sache noch nicht reif genug ist bei dem Staate, um was 
endlicbs dabei zu erhalten; und ohnedas nicht allein Kngcland damit 
geirritiret, sondern (was mehr ist und welches allen Wunder gibt), 
dass auch der Herr Frictjuet sich deswegen ärgert und es dahin 
scheinet zu deuten, dass E. Ch. D. mehr auf diesen Staat als Oesler- 
reich reflectiren; woraus er sich denn vielleicht noch andere Dinge 
einbildet und dass die Kais. Maj., wenn dieser Staat es zwischen den 
nordischen Königen zum Frieden kommen Hesse, sich nicht gar zu sehr 
zu F. Ch. n. wflrd verlassen können. Welche unzeitige Apprchension 
wir dann jedesmal zwar sucliei) . . . wegzunehmen, vemclmicn aber, 
wenn man sie schon cinesmal hintertreibet, dass sie bald wieder her- 
fUrkommt, dahero scheinet ziendiche Wurzel gegriffen zu liaben; wes- 
wegen wir denn auch in etwas leiser gegangen und nur dieses gc- 
than, dass wir dureh den Kath Peiisi<inarium in Holland ohne Me- 
morial oder förmliche Schrift das Werk ins Mittel gebracht. — 

') 1) b. bei dem Vertrage vod Uadiatscli (lii. Sept. 1658); vermüga deagen 
die Koeakeu der Ukruite vorubtrgelieiid wieder unter pobiiselie Ilerraciiart Korück- 
kehrteu; Tgl. Ilerrmatiu Gesell d. ruBS. StnaleR 111. G41 T. 

Mit«. I. OcmU i). Or. KDrfBnUn. VII. 11 

i;q,t7ed^>G00t^lC 



1Q2 '' Rrnnjpiibiiif; uiiil ilio Nifilerlnnile. 

Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 23. Dec. 1658. 

IVerlngiiug der Stnalen von noiland. Die Gpliifiago. Aiisiclit de Witts übor 
Ernoiierndf; der Alliance. HemJuiig voii Sliiigelniid uud Vogelauiis nach Uäiio- 
mnrli urd Scliwcdcn. Man versielioit Weiman miverßiijjlicher lulendoiicn dshfi. 
Der polniache und der kniserlietie Geeandtt; Vertraiien des Knisers ?.a dmn 
Knrrürgten. Der Däne verengt GliiekHtndt. Die englische Flolle kann hielit 
ouflaiifen. Die rlieiiiisdie Altiance.] 
23. Dec. Die Staaten ?on Tlollnnd sind ;iin 21. I)ec- au.s einander gegangen 

und werden etwn Mitte Jntiunr wieder zuEnminentroten, wo dann alle wol 
instniirl sein sollen. 

Das fllrneliniste ist dabei in ConBideration pewesen, was man 
nämlicli fUr einen beständigen Frmde ausfinden solle, geetalt daran» 
die zur Equi|)ag43 der FloHen und zu AsBiBtens-, der Gealliirten nötbige 
Spesen auf alle Fälle zu nelimen. Negotiiren und deswegen etwa» 
förzuetellen ist fast bei ihnen criinineil, dabem man aueb die Beduc- 
(ionsgelder nicbt rlibreu will, weiln dieselbe zn Ablegung der Scliul- 
den gewidmet seind. 

Steheis dahero darauf, dass man den 2(Xrten Pfennig anlegen 
oder die Last- und Feilgelder wird angreifen miisnen. 

Diesem näclist ist auch unsere AllianzbaiHllung bis zu kUnl>iger 
Versammlung differiret worden, und sagetc mir heute der Ratb Pen- 
sionarius, es wären seiner alle Glieder darin einig gewesen, dass 
man dieselbe auf etliche Jalire prninngiren . . . müebte, hätte aber 
gnugsam verspüret, das» man in puncto der wirkliclien Hilfe und der 
Extension auf E. Cb. D. ganzen Staat schwerlich wlird einig werden . , 
und hätte es mit der weitern Extension wenig zu bedeuten, weiln 
derselb, wer da schuldig E. Cb. D. in Preussen, Pommern und Cleve 
zu schützen, per indirectuni sich wUrd verbunden finden, E. Ch. D. 
ganzen Estat retten zu helfen. 

Den franz. und englischen Ministris ist am Freitage auf ibre 
Meniorialen eine solche Antwort, als wir jUngst Uberschicket, zuge 
fertiget worden. Und seind darauf iu Holland der Herr von Slin- 
geland und der Herr Vogelsang, Pensionarii von Dortrecbt nnd 
Amsterdam, zu der Scliiekung nach Dänemark und Schweden geno- 
mtniret, welchen dann die Provinzen Seeland und Friealand auf allen 
Fall noch zweene werden beifügen. — 

Es bat aber, wie man uns -mit hoben Contestationen betbeuert, 
diesen Verstand, dass sie darum keines Weges wollen ablassen von 
angefangener Defensiou des Königs von Dänemark, noch auch die 
Schickung lassen wirklich für sich geben, wo sie nicbt durch Frank- 
reich und Engeland zuvorderst versichert sein werden, dass Sehwe- 

i:q,t7r.d .*^-.00<^IC 



VerBthkdetie Sachrichten wihrend d. VerlngtiDg der Staaten von Holland. 163 

deo sie und Friede begehre . . . Und sagete mir oberwälinter Herr 
Balh Pensinnarius , äüsn snlclies des Staats innerliclie Meinung und 
reclite Intention wäre . . und möchte icii solclies E. Cli. D. zu dero 
Nachricht kUbnIich Übersclireiben. 

Mit den östreicliieclien und polnischen MinistriH haben wir zuwei- 
len was zu thun gehabt, um dieselbe ausser Ungeduld und Jalousie 
vx halten. Nunmehr aber, dass sie täglich den Grund des Staats und 
unserer Conduicte handgreiflich sehen, nllermaassen es denn vernttnf^ige 
und feine, audi hie wolgelittenc Leute seind, so ist alles gut und 
wol zufrieden. 

Der Herr Fricquet hat uns I. Kais. MaJ. an ihn de dato 30. Nov. 
ab^e1a.98enes allergn. Rescrijit in original! selien und lesen lassen, 
worin dieselbe sich nach der Länge auslassen, wie und wnsmnassen 
man nunmehr auf die österreichische Allianz zu dringen, allerends 
aber befehlen, dass es mit unserm, als E. Ch. D. Ministrorum, Gut- 
finden gcDian und zur Hand genommen werden solle. Und mitssen 
wir bekennen, dass wir aus selbigem Schreiben treffliehe Merkzeichen 
gesehen, dass I. Kais. Maj. ein sonderbares Vertrauen zu E. Ch. D., 
ffie auch L Höh. und Prinz Mauritzen f. Gn. setzen und ein an- 
ders nicht hegehren, als durch zulässige Mittel männiglicben bei dem 
seinigen zu schützen. — 

Sonst haben L Maj. von Dänemark hiehin gerescribirct, dass Sie 
die GlUcksladt nicht könnten Übergeben und dass Sie dem Staat 
anf den Drontheimischen Zoll oder dergleichen alle begehi-te Ver- 
sicherung geben wollten. Ob sie nun damit werden deromaassen zu- 
frieden sein, dass sie zu näherer Anleihe verstehen sollten, daran 
mDssen wir unsers unterth. Ortes nicht wenig zweifeln. 

Wie es in England stehet, werden E. Ch. D. aus Hrn. Schlotzer's 
Briefen vernehmen. Gleichwie er mir aber per Postscript lasset 
irissea, dass der Proteetor selbigen Tages Ordre an die Flotte ge- 
Echicket, sie möchten, wo es der Wind einigermaassen zuliesse, sonst 
UDcrachtet alter andrer Dif6culteteu wieder auslaufen: so schreibet 
der Herr Nieupoort schier das Widerspiel, und dass sie zumal ge- 
devalisiret wären eingekommen, auch selbst die Thenies deromaasscn 
von Eise triebe, dass es nicht glaublieb, dass sie diese Macht noch 
einmal gegen die Gewalt der Nordostwinde und befrorener Ströme 
wQrden wagen; also dass man die Gewissheit darunter mit nächstem 
erst wird zu vernehmen haben. 

Im übrigen hat das Frankfurtische AUianzwCsen und dass 
sonst auch Pfalz-Neuburg sicli liie und dort mit Waffen und Wer- 

11* 



254 '- nrtiii<l«iiburt; und ille Ni eile rinn de, 

buDgen berumschleppet, alliie bo viel veruinacliet , dass der Staat es 
anfanget zu apprelieoiliren ; dauneiiliero befohlen, das» man auf die 
Guaruisnnen ein nacliendes Auge liaben solle, l'riüz Mauritzen 
f. Gn. neind aiieli nebst uns in Arbeit, darunter vom Estat auf allen 
Fall näbere Erklärung und Assistenz zu erbalten, und wird viel ge- 
saget, aucli von Paris bieliiu geschrieben, dass nie, die Alliirte, was 
«onderliehs fUrliaben und kUnflig von der Tlirenniselien Armee 
sieh ad 2(XX) oder 3000 mit ilinen würden eonjuiigiren. 



Der Kurfilist an Weiman. Dat. Sondeiburg 12. Dcc. 1658. 

|Die Eroeufruug «Iit Alliuiicp za belrcil'eii. Der Kaiser darf tiiclit hrüskirt wer- 
den. Zureclil Weisung des cnglischon Geanndlin in Beznt; niif die Sldlung 
Scbuedcns ] 
c. Aiitwoit auf difl Relationen vom 13 und ]ö Dec, — Das Memoire 
über die iinie Alliancc wird gcliilligt. Woinian i-oll (]iisMdl)e ebeslens 
übergeben und liio Suche angrlegctitlich betreiben, , damit die ttefalirlirlie 
iiiteiidirtc |>aiiiL-ul;ir Tractaten um so viel w<-iiif;er Siiiit ßiiden mt>gen." 
Die Alliaiiuc mit dem Kniser rieilieh hiit -.eni^^ AuR-icIit; Weimaii boU 
nur vcibiilcn, dnss der kii'serJiebe Ue.'niiiÜe nicht {'i;ieii Rilat heibeiführt. 

Gegen sok-iie Tractaten aber, darinnen allerliöelifilgcd, 1. Kais. Maj. 
gänzlich ausgeaeblossen werden wollte, habt Ihr Encli mit aller Maeht 
zu setzen, dieweil Wir dabei sehr gefährdet werden dürften. Zu 
einem Universal frieden aber könnten niclit guugRame Debvoires an- 
gewendet werden. — 

Dem engliseben Gesandten aber kann gleicbwol remonstriret wer- 
den, dass die Couteslationes, ho er an seiner Seiten thut, dass ihneu 
nämlieh die Kdnigl. sehwediseben Proceduren gegen Dänemark sehr 
zuwider, mit dem versproehenen Succurs gar nicht übereinkämen, 
und wäre dieses nocli viel zu frlihe gesprochen: ihr Interesse litte 
es niebt, dass Schweden gar unter die Flissc gebracht werde, weil 
man viel mehr iu denen terminis versirete, dass Schweden nur be- 
bindert werden sollte, andere mächtige Kronen zu subjugiren und 
sieb dadurch Meister über so viel andere Status mehr zu uiacbcn; 
wenn die Sache erstlieh Ju solelien- Stand geratben, dass Schweden 
gar unter die Küsse gebracht werden könnte, so wäre alsdann ander- 
weit hiervon zu sprechen. — 



^aovGoOt^lc 



Der ÖBIreichische und d. potiiUch« Gesandte. Die Medialioa. England ]^gg 

Weiman an den Kurftiraten. Dat. Haag 27. Dec. 1658. 
(praes. zu Ripen 25. Dec.) 

VerhandluDgen der Niederländer mit Frankreich und lingland über die Mediation. 
Fricquet und Pinooei, Furcht vur eiuem Krieg mit England. Eroberung von 
Wtta. Die VerbandluDgen Atiakia'P. Der PraUgrar ron Neubnrg. Klage über 
den Ädmirnl Obdam ] 
Man gibt nach wie vor die eifrigsten Ver.^icherungcn, dass die Staaten 27. Dec. 
tren bei der Partei halten werden, und dass all ihre Verbaudlungen nur 
lum iteslen derselben zielen. „Und haben die Dopntati der Generalität 
aru terwichenen '24. dieses zwar ini', den fianz. und englischen MinistrJs 
eine Conferenz gehatten, wobei sie sieh verglichen, dass der König von 
Schweden diesen Staat zur Mediation adniiltiren miläste; inniaassen denn 
erRihnte Ministri angenommen, solches dnrch .Moiis. Aka kia ') mit ehestem 
aaswirken za lassen. '' Man bittet W ei in an e'ifnfi, dies nicht zu missden- 
ten — ^man möchte keine Ombrage ron ihrem Than nehmen, nochs auch 
übel deuten, dass man ihres Theijs die Fornies so ger;ide nicht iu Acht 
nehme, man wäre ja ihres gnten Willens gnug-am versichert . . . nähme 
diesrlbe (Mediation) nun der Könifr von Schweden an, so stünde es ja 
auch Enra Theile hei ihnen, einen general und sichern Fiieden zu befordertt, 
iliren Alliirten zn hohem IJestcn; nähme er's nicht an, %o hätte man dieser - 
Si'its den Glimpf gewonnen, zumal nichts aber verloren, weil man intnitlelst 
degtn weniger ni<ht mit aller Macht agircn würde." 

Wir unsers Theils wenden allen Fleiss an, um den Staat bei 
herzhaften Consiliis und die Geallitrtcn auBser Jalousie und Unge- 
duld zu halten; womit wir uns denn zuweilen gnugsain geembaraeBi- 
ret finden; sintemal bald der Kaiserliche Jalousie nimmt, dass er mit 
seiner Alliance nicht fortkann; bald der Herr Pinocci Ungeduld zei- 
get und sieh vernehmen lasset, sein König könne sich auf diese 
Maaeae nit länger aufhalten lassen, sondern müsse endlich seine Me- 
Bures nach sich selbst nehmen. Wodurch wir denn auch desto mehr 
zurSckgehalten werden, von unserer particulieren Allianzhandlung 
in reden oder unser längst abgcfasstc« Memorial zu Übergeben. — 

Man fanget an höchlich zu apprehendiren , dass der itzige Herr 
Protector, sich desto mehr zu befestige», nach seines verstorbenen 
Herrn Vaters Exempd Krieg filrhabc mit diesem Estat und desselben 
Einwohnern; zumal man glaubet, (lass man dem englischen Volke, 
welches hiesige Trafßques und Keichthum nicht wenig beneiden soll, 
daran einen Gefallen erweise . . . Wozu denn auch dieses kommt, 
dass man glaubet, Frankreich sehe solches nicht ungern«, gestalt da- 
durch das arbitrium rerum in die Uände zu kriegen und den Fu88 

') Ueber dessen Vermitleluagslbütii^'keit auf dem uurdiacheu Kriegsschau- 
platz vgl. Urk. und ActoDBt. 111. 



„A^iOOt^lc 



Ifig I. BraDdeobarg und die Nicderlnude, 

aus dem englischen Eieen mit der Zeit zu zietieu. Und wird man 
also dieses Ortes um desto melir auf eine kräftige Equipage bedacht 
sein mDssen. 

lieber E. Ch. D, glUcklicbö Progresscn gegen die IdbuI Älsen '), 
wozu wir auch unsers Tbeila von Herzen Glück wünschen, war man 
alhic über die Maasse frob, und ist darunter alsfortens die etwaliche 
Beschreibung zum Drucke befördert worden. 

Mons. Akakia ist alhie nur etwa 3 Tage stille gewesen und 
gestert wieder aufgebrochen, um sich zu I. Maj. von Schweden zu 
begeben. Er saget mit hohen BctheucruDgen, Frankreich wolle einen 
Frieden und wollteu sie sich von Schweden nicht länger dupiren 
lassen, sondern alle Htllfe zurückziehen, wo der König nicht rund re- 
solviren wollte; 400,000 fl hatten sie gegeben, mehr aber würden sie 
nicht ausreichen, bis sie des Königs von Schweden wol versichert 
wären; sie könnten auch leiden, dass Oeßtreicb includirt würd, denn 
sie müssten nutbwendig auch Friede machen mit Spanien. Endlich 
aber, und wenn man lange mit ihm geredet, so ging den vorigen 
Sincerationen viel ab, wenn er sich bedünken lassen, man würd dcn- 
noeb an verschiedenen Oerfem tractiren müssen ; denn männiglichen 
dieser alte schwedische Griff gar zu viel Nachdenkens gibt. — 

Dass der Herr Pfalzgraf von Neuburg droben am Rhein mit 
wenig Macht viel Geschreies macht, hat die Sachen alhie dahin ver- 
anlasset, dass man auf alles gute Ordre stellet im Clevischen, und 
dass deswegen Prinz Mauritzen f. Gn. ersuchet ist, dabin zu gehen 
mit gewisser Ordre an die andern Gouverneurs, dass sie auf 
Ersuchen S. f. Gn. mit Völkern zu Ross und zu Fusse sollen 
assistiren. 

Vnd ist man im übrigen nicht gar zumal zufrieden, dass der 
Admiral die Herren Schweden in der Ostsee deromaasscn lasset do- 



Joh. Copes an den Kurfürsten. Dat. Haag 30|20. üec. 1658. 

(Fri^qaet. UazufriedeDlieil mit dem Admiral Obduni.| 

!. Der Kaiserliche Abgesandte Herr Fricquet saget, dass er von 

I. Kais. Maj. befehliget sei, über eine Defensivall iance zu Beförderung 

des gemeinen Friedens mit diesem Statu in Conferenz zu treten 

mit Begehren, wir, Namens E. Ch. D., zum selbigen Zwecke coope- 
riren wollen. 



') EroberoDg der luael Alaeo um 16. Dec. 1658. 

DqitzedüvGoOt^le 



Alscn. Akakia. PfaU- Neu barg. Admiral Obdam. Fricquet. 'IQ'J 

Des Herrn von Waesenaers, hiesigen Admirale, Schreiben aus 
Copenhftgen vom 18. Dec. haben hiesiger Uegiening keine Satisfaction 
gethan, indem er immer Über seine Kriegscapitainen klaget und wie 
sie die schwedische Schiffe in Landscron nicht eingehallen, viel min 
«ie verfolget hätten; so hätte er auch nur ein einziges Schreiben von 
E. Ch. D. erhalten und dahcro unwissend gebliehen, welcbergestalt 
er E. Ch. D. möchte an die Hand gehen. So sei er auch fUr seine 
Person indisposä, dass er seine Kammer halten und zu Schiffe gar 
nicht agiren könnte. — 



Der KarfUrst an Job. Copes. Dat. Hauptquartier zu 
Kipen 5. Jan. 1659. 

[Fricquet. Die Hallung Obdnm's <leni Kurfüraien gegenüber.) 1659. 

Copes ?oll die BemUhangcn Fricquet.s tnögliclisb unterstützen. 15. Jan. 

Dass Wir dem Adniiral Opdam nicht mehr als einmal gesehrie- 
ben, ist zwar nicht ohne; dann weil wir nichts gewissers verhofft, 
als dass er darauf das begehrte Fahrzeug schicken würde, so haben 
IS'ir mit fernem Schreiben hillig zurückgehalten. Was nun denselben 
an solcher begehrten Uebersclnckung gehindert, uml dass das gute 
Dessein nicht beßrdert werden können, das lassen Wir zu seiner Ver- 
antwortung gestellet sein. 



Weiraan an den KurfUrsten. Dat. Amsterdam 4. Jan. 1659. 

IStiomiDag voo Holland. Fricquet und aeine vergeblicbeu Vcreucbe; herrecbendu 

Abneigung gegen tipanien oud OcglreicK Spaniscb-franKÖsiauhe FriedenBlrac- 

laleo-, EiDwEtkung dcTselbeo auT die liiceigen Aussichten. Wciman tn Amstcr- 

dam; gute Stimmung daseibat. Danisr^tiec Anleihevcrsuch.) 

Holland dringt jetzt ernstlich auf Abschiekung einer Flotte von 60 4. Jan, 
Scbiffen nach dem Sand; zugleich auf enge Verbindung mit Kurbrandeoborg. 

Der Herr Fricquet hat schier alle Glieder in particulier be- 
suchet, aber ein anderes nicht ausgerichtet, als dass er gesehen, wie 
ffol und nützlich wir ihm gerathen, sich in publico nicht zu prosti- 
tuircn; es ist noch gar zu frtthe mit den Bi>anischen und Ostrcichischen 
Allianzen in diesem Staat aufzutreten .... Wenn auch die Regenten 
wollten, so wDrd man doch die Prädicanten und das Volk eher zur 
Oesperation als auf einen solchen Weg bringen können. — 

Wir waren dieserwegen vorgestern bei dem Herrn Fricquet 
nebst dem polnischen in Gonferenz, und kann er zwar dagegen nichts 



Aj.OOt^lC 



\Qfi l- Brandenburg und die NiederlBode. 

sagen, allermaossen er auch in der That sich darnach ricbt<;t; udh 
dUnket aber, das» der Mann trefüicli argwöhnig ist und immer sor- 
get, man niOcIite es nicht recht mit ihm meinen. — 

Ans Frankreich continnirets, dass man zu Lyon traetire mit spa- 
nischen Ministris, und das» die Pracliminaria bereits ziemlieh weit 
geavaneiret gewesen wären. Und gibt dieses auch nicht wenig Mii- 
thes an diesen Staat gegen Engtand und Schweden, weil man nicht 
zweifelt, dadurch werd die englische Maclit zicmlicli gedistrahiret und 
die kaiserliche verstärket werden. Und künnen aus diesem allen 
E. Ch. D. böchstvern (luftig ermessen, dass alhie das gemeine Werk 
zwarn annoch einen so gewissen Cours nicht genommen, dass niati 
darauf fussen könne, jedoch dass es auch aunoch nicht so bewandt 
sei, dass mau an Bestsludigkeit und herzhaften Reeolutionen gar ver- 
zweifeln sollte. 

Vür Eude des Monats aber sei kein Ausschlag zu erwarten; er sei 
daher uacb Amsterdam gegaogen; von hier Molle er mit Prinz Moritz 
URch Cleve sich begeben, in Eile seine Privatsachen ordnen und dann nach 
dem Hnag zurückreisen. Die Stimmung in Amstordam ist vortrerflich. 

Dänem;irk wirbt um Geld für neue Truppen; ohne Verpraudung von 
Olückstadt bekommt es aber diesmal keinen Heller. 



Der Kurfllrst an Weimaii. Dat. Hauptquartier zu 
Ripen 27. Der. 16Ö8 (com\ Scliwcriu). 

(Die Dt'ue Alliance, Keine parliculareo PtiedeDaverlinndlungi'D. Farspruclio für 

Oeflterreich. Der Ffalzgrar von Neuburg. Diplomatiacbo Cooperation mit 

Oeeterreich ] 

Die Üeschräiikung der zu erneuernden Alliynce auf eiuen Tbeil der 
kuiTürsilichcu Laude i^t, wenn irgend niüglith, zu vtrmtiden. 

Was aber die Friedcnstractaten anhelangt, ist so hochnötig, das« 
selbige universcl seien und an einem Ort geschehen mögen, dass "Wir 
auch alles, was ausser dem vorgenommen werden möchte, niclit allein 
ganz inutil, sondern auch dem gemeinen Wesen sehr nachtheilig hal- 
ten; Bcind auch versichert, dass, wenn der Stjuit nur fest darauf be- 
stehen wird, man schwedischer Seiten darinnen zu willigen keine 
Difticultct machen werde. 

Zu dem Ende Ihr denn demselben vorzustellen habet, dass man 
in diesem Werke uiclit auf den alten Hass, ho man gegen Oesterreich 
hat, oder auch auf das Haue an ihm selbsten sehen mllssle, als ob 
man nicht zu achten, dass man selbigem Hause Gutes thäte; beson- 



A-nOO<^IC 



SpiDisch-rraDiös. FrieilvDSVsrbaudl Ot^slen-eidi im Hiia};. Die OsUeefloUe. \QQ 

(lern es inuss vorneliinlich dahin gesehen werden, dass des Feindes 
Dessein gebrochen, welches bloss dahin gerichtet, dass zwar derselbe 
mit eines Thcils Frieden machen, dennoch aber in armis bleiben und 
den Krieg an einen andern Ort transferiren will. Welches wenn es 
ihm gelingen sollte, Polen und Dfinemark nimmer sieher, et eonse- 
quenter der Status stets unruhig sem würd. Zu gcechweigen, daes 
Wir auf solche Art der Schweden Begierde recht aufgeopfert werden 
würden; dann wenn Polen, Dänemark und der Staat die Hand vom 
Werke abgezogen und Schweden den Krieg gegen Oesterreicli con- 
tinuiren sollte, so würden Unsere Lande das stetswährende l'hcatrum 
belli nnd Wir viel ttbeler dran sein als itzo, da Wir Uns aller solcher 
.Assistenten gebrauchen können. — 

Wir haben dieses alles auch dem hier anwesenden Gesandten 
Yssbrandten vorstellen lassen'). 

BeilJegeod Ali.'^chrift eines „narbdenkliclieri" Schreibens des PfaU- 
giafen von Neuburg an den König von Polen. Weim.in noll da^selhv 
»a geeigneter Stelle im Hi<ag uiJtlheilcn [Fehlt] 

Weil Wir auch vernehmen, dass es mit der ösferreicliischen 
Alliance noch viele Difücultäten gibt, so hat der Herr Yssbrandt 
auf Unser Begehren sich erboten, solches, als welches Wir dem ge- 
meinen Wesen sehr zuträglich ermessen, an seine CoDÜdenten und, 
wenn Wirs begehreten, auch an den Staat selbst zu dem Endo zu 
recummandiren, damit man sich darzu verstehen möge. Ihr werdet 
nicht unterlassen, dasselbe auch an Euerm Orte äussersten Fleisses 
zu befördern und dem Herrn Fricquet alle gute Anleitung darzu zu 
geben. — 



Job. Copes an den Kiirfllistcu. Dat. Haag 27!17. Jan. 1659. 

(ttollaoil heao(rB(jl die Kiiukbcruriiiig der Ftultu iius der OdCeuu. Giüiide widi>r 
und für. Diu Gcntrnlilal Irilt bi'i. Uii7,iifrii>dunliBit mit dum nciiehmeii des 
.Idmirali) Upduni. UiiB UnturuL-lmifii des Kiirfiirslvii !;i:gi'ti Fridcriciu ; man K»i'i- 
l'dl »n der MÖglichkeil]. 
Bei der jetzigen Vei-eammlung von Holland ist wegen Kevocirung üT. Jmi. 
der SchitTsflotta unter dem Admiral Opdam eine so ernsthafte De- 
liberation angestellt, als wol immer in einiger Staatssaclic ist ge- 
schehen. Einerseits ist considcrirt, dass man dem Könige von Dänc- 
markcn kraft der Üefensivalliance GOtK) Manu zu liefern schuldig 
und nur 2000 gesandt habe; das gemeine Interesse ebenfalls dahin 

') Vgi. ürt. u. Aumnat. III. 133 f. und oben pug. 1^9. 

DqitzeaOyGoOt^lc 



I'JQ I. Braniienburg und die Niederlande. 

liege, den Orisund in Sr. Maj. Händen und Gewalt zu bringen und 
zu maauteiliren ; das» auch ein Engagement so weit seinen Anfang 
genojnmen, dass eine so anselinlictie Flotte dahin gesegelt, und mit 
liöchster OiFenBive des Königs von äcliweden obiger Secours in Co- 
penhagcn gebracbt und desto böhere Hostilitat verursachet ist; dass 
man dcio Maj. von Schweden die Copenhagische Belagerung nit allein 
unfruchtbar machen, sondern auch tentiret habe, dero ganze Flotte zu 
ruiniren , und dadurch E. Ch. D. und die Conföderirte wirklich anzu- 
feuern, Schweden zu suppriniiren — und also die Flotta dort bleiben 
mttsetc. — 

Andernthcils ist hergegen vorgestellet, dass Engeland sich neben 
Frankreich des Königs von Schweden angenommen und zwar Frank- 
reich durch dero Gesandten den Statnm von dergleichen zu tbun abge- 
mahnet, Engeland auch wirkliche Hilfe zu Wasser iterative hineinzu- 
echicken unternommen und annocb dergleichen Hülfe anbiete; ja da- 
durch Ursacli nehme, diesen Statum in anderen Sachen zu querelliren . . . 
zu geschweigcn, dass Engeland Überaus stark arniire und ein Parlament 
zu kräftiger Fortsetzung so.lches Dcsseins ausgeschrieben habe: und 
man also Flotta, Frieden zu halten, billig zurllckziehen milsste. 

Trotz aller angcstL'Ilten Gegetibemtibungen muea sii h die Generalität 
doch dem Vorschlag Hollands ansdiliesEcn; eie läsüt bei dem däDiachen 
Uesiindteii und bei Cope« den Kot^cbluse noch mit einem besonders 
dringenden Grund eutEchulüigeii: 

nämlich dass die Flotta dergestalt von allem unversehen und von 
Mannschaft entblösst wäre und durch eingerissene Krankheit in kur- 
zen Wochen dergestalt ferner würde entblösst werden, dass sie her- 
nacher derends nicht würde zu hersetzen sein, ja wol nicht in See, 
viel min heimwärts gehen können. — 

Des Herrn von Opdams Fahrlässigkeit, oder wie es seiner Sei- 
ten genennet wird, Indisposition und dadurch verursachte Versftum- 
niss, E. Ch. D. mit Fahrzeug an die Hand zu gehen, wird bie überaus 
übel gedeutet, auch bei seinen besten Freunden. — 

Mit hüchsteni Verlangen ziehet man hie zu GemUtbc den glücklichen 
äuccess der Entrcprinse uf Fredrixode, Wiewol bei niänniglichen sel- 
bige vor eine Unmöglichkeit ufgenommcn wird. 

Der entsprechende Iterehl an die Flotte zur Itiiikkehr ii<t ulsbald 
t^. d. 2T/1T. Jan. un dieselbe erlassen worden.'). 

■) Vgl. Aitzeroa IV. aTT. Secreta BeBolot II. 3. 



^düvGoot^lc 



Rückberufunp der Ostsceflolte. 171 

Job. Copes an den Knrfllraten. Dat. Haag 29 19. Jan. 1659. 
(praes. Ripen 22. Jan.) ') 

P1«D die niederländische Flotle aus iea dänisrben GewäBBerD Eurüvbinruren. 
Grosie Rüstungen Eor See; BeaorgDJBS eiavs neuen engliachen Kriege») 

Wegen Zurdckforderung der SohifFflolta von Kopenha^u ist an- 29. Jui: 
DOffa nichts bestSndigeB resolvirt, nur dass in kurzem selbiges ge- 
schehen solle; es sei, dass man sie insgesanimt hiehin ziehe, oder 
selbiges dem Herrn Admiraln anheimstelle, wie viel Schilfe er dort 
lassen wolle, oder dass man ihm von hinnen RcBolutioa zuBchicke, 
etwan 10, !2 oder zum höchsten 14 dort zn lassen. Alles dannoch 
mit diesem Vorsatz (wie man uns hie dessen versichert) dass inwendig 
Bcchs Wochen eine neue Flotte fertig sei, so das gemeine d&nische 
Wesen secundire, und dass auch da« englisclie Vornehmen sie daran 
nicht verhindern, viel min zurückhalten solle. — 

Die Armatur zu Wasser gehet hie Oberaus stark vor sich, und 
tragen viele hohe Regenten keine Sehe» zu sagen, dass sie wol be- 
merken, dass England mit sie brechen wolle, weiln es sich so tief in 
die dänische Sache immisciret und ufs neue so stark armirct. 



Weimau an den Kurfürsten. Dat. Haag 31. Januar 1659. 

|Die Itevocatiun der Flotte. Betheueningen der Gcneralstaaten. tielduoler- 
Btiitznng für Dänemark. Eine Falschheit scheiat nicht zu Grunde sii liegen. 

Der kaiaerliche Gesandte Fricqiiel mit Beineoi Anliegen gcicbeitcrt) 

Sobald ich vernahm, dass man io Uolland was wichtigs ftlrhatte, 31. Jan. 
so hab ich alles zu Cleve zurDckgesetzet und mich in aller Eile wie- 
der hiehin verfQget. 

Angelegenheit der Rückberufunj; der Flotte — vergebliche ßemübun- 
gcn dagegen — die UnraöglicIikiiC wird fiufs dringcndütc Torgcstcllt — der 
Admiral verlangt dtircliaus die Ufit-kkelir; er leide Mangel an Officiercn, 
Mannschaften und Lebensmitteln; mit dem, waa er nocb habe, könne er 
kanm 8 Schiffe arrairen cte. Uelirigcns »ersichert man aiifs eifrigste, dass 
ika keinen Atifall bcdenteii eoIIo, man werde bald mit besserer Aus- 
rüstung zurückkehren etc. 

Mich insbesondere hat man ersuchet, ich möchte es feste glauben 
imd E. Ch. D., inmaasscn es der Herr Ambassadeur Ysbranda 
gleichfalls thuu wttrd '), versichern, dass sie es redlich meineten und 

') Die Dalining dieaee Briefes acheint unrichtig zu sein ; der Brief würde, trenn 
■m 22 Jan. d. I. 1. Febr. sL n. zu Ripen praaentiH, cur drei Tage unterwegs ge- 
wesen sein; der Fehler liegt aber wol In dem Datum aus dem Haag; der Brief 
moBS, wie auch der Inhalt zeigt, vor dem vom 21. /IT. Jan. geechriebon lein. 

■) Urk. n. Actenal. IH.IM. 



A-nOO»^lc 



272 '- Brandenburg und die Niederlande. 

nicht aussetzen wollten, es mtlchte auch gehen wie es wollte; weswe- 
gen man mir denn auch in Vertraueu geofTenbaret , man werd erster 
Tage I. Maj. von Dänemark eine merkliche Summe Gelds zu Wer- 
bungen zaiilen lassen und vorschiessen. Wenn wir nun betrachtet, 
dass nicht alles unbegründet und dahero die sechs Provinzen die 
Kevocation geschehen lassen, wiewol sie dagegen in den Protocollis 
einmUthig geprotestiret , so haben wir ein anderes dabei nicht ver- 
mocht, als dass man alles dahin gericlitet, daes sie künftig auf dem 
llauptwege recht und gerade fortgehen mpgen. — Und niHssen wir 
dieses wol bekennen, dass sowol I. Höh. als auch wir nicht anders 
sehen oder vevsiiüren können, als dass alles bis hiehio noch treulich 
nnd ehrlich gemeinet sei und dass man nichts sonderlicbs, als etwa 
fatale grosse L'nglUcke, welche die Gemüther gar zu sehr schrecken 
möchten, zu besorgen und im Übrigen sich einer durchgehenden guten 
Affection zu versichern hat ; wobei man denn nicht wenig auf die 
Traclnten mit Frankreich und Spanien, auf das Parlament in Enge- 
land und ob E. Ch. D. Friederichs-Odde würden wegnehmen können, 
reflectiret. 

Der kaiserliche Gt'saiidte Fricquec bat während W.'s AbwcseoheiC 
«lies versucht, um sein Anliegen wegen einer Alliance durchzosctzen; er 
ist nber einfach aliEchläf^lich beschieden worden und will nun ruhig die 
bessere Gelegenheit abwerten. 



Der Kuiftlrat au Weiman u. Copea. Dat. Ripeii 23. Jan. 1659. 

(Die bolläDdischu Flutie darf nicht aus dem Suud zurückgezogen werden; an 
ist das bestu Miltel, Schweden zum Friedeo za bringen, Bitte um Ucbcraen- 
dung von TrnnsportBChiffen ) 
r. Wir liabcn aus Eurer, Residenten Copes, untertli. Relation'), 
wie auch aus andern Schreiben, eine Zeit hero gespüret, dass man 
daselbst vorhaben« gewesen, die Flotte aus dem Sunde wieder zu- 
rückzufordern. Weil aber solches dci- gemeinen Sache Überaus schäd- 
lich sein würde, so habt Ihr Euch nach aller Mögliclikeit dagegen zu 
bemühen und allen Fleiss dahin anzuwenden, dass nicht allein die 
Flotte aldar verbleiben und mit allerhand nothdtlrftiger Provision ver- 
sehen, sondern auch dass auch die andern Schiffe daselbsten aufs 
allerförderlichste equipirct werden mögen, damit, ehe und bevor die 
Englischen wieder in See kommen könnten, man denen Schweden 
beikunnuen niOcIite; wiewol Wir die gewisse Nachricht haben, d«it 

',. Nämlich der vom 27. Jaauar. 

DqitzedüvGoOt^lc 



RückbcrufuQi; der Osfseeflotte. J73 

wcDD man ao schwedischer Seiten merken wUnI, dasB die Herro 
^aten bei dieoer Hesolutioii verbleiben, man in ganz kurzem einen 
Oeaeralfrieden haben würde, welclier t^ich aber su oft relardireu 
dflrfte, aU oftc die Schweden die geringste HolTnung bekommen, dass 
etwa die Herren Staaten in ihrer gefassten Hesolution sich irre niaclien 
bu^en. 

Itaclideni auch 7.11 unterschied lielien Entrepriseii eine groitse An- 
uhl Fahrzeug höchst nötig sei» wird, so habt Ihr Eucli zu bemühen, 
Jamit eine gute Anzahl dessen mit den ernten Orlngschifleii Uber- 
knmmen möge, weil man solches dieser Orten so viel als man be- 
dOrftig gar nicht haben kann. 

Die Kin.^prache gegen die Abberufung dor Flotte wird gleich darauf, 7. Febr. 
<i»t. WJborg 28, Jan. und wiedermu dit. Wiboig 1. Febr. l(ir>9 in noch 11. Febr. 
nicbdrucklicheier Weise wiederholt. 



Weiman an den Kmfllrsten. ' Dat. Hajigr 3. Felir. 1659. 

Et hicibt bei dem gefasslcn IJefcbluss und bei den giKen Vnsiehenin- 3- Febr. 
ffn der Oeiiernl.^laoteu, das^^ sie Iren nnsli.illen ivrrdeii. Bei alledem stehl 
in Bezug auf das von liier r.n Krivailenile fest — „dnss wir K. Cli I>. kei- 
nes Dinges iilü eines duichgehemleu gnlen Willens vei sicliern mßpeii." 

Weiniuii und Copes Italien eine Couferenz niil Cunimif-.^aren der 
(jener al.'taMeu verlaogt nnd abgehalten, woiiu alle>, vertr.-inlii'h und neit- 
Uufig be-ptoc-hen wurden i>l; u. .-i. verlangen sie aneli die Erneuerung und 
Er«eiterunp der Allianee von lti5S ). 



'- 16Ö9. 

inmiiimmaDg io Betreff der Flotte. Hollgodigcher Antrag auf Cuutrcorüre an 
ilcD AÜDiiral; der Burulil abgugaugeu. Die ungliscLe Flutte ungefalirlich. i>iu 
Provinzen schaBTen Geld fnr neue Rüstung. Vsbrandta t 
Meine jüngste haben E, Ch. D. untertb. hinlcrbracbt, wie dass 7. pebr. 
Holland nit min al» die andere Provincien uns versiebci-t, dasn sie 
die Hand vom Werk nit abziehen wollten. . Nun erhellet selbiges mehr 
iii«l mehr daraus, dass, da die Glieder selbiger Provinz Holland von 
ilireii Herreu Principalen wiederum anliero gelanget, sie dergestalt 
animos aeiud eingekommen, dass sie hei der Generalität uf gesteru 
hallen eingebracht, dass man dem Lt. Admiral Herrn von Wassenaer 
wUe schreiben, sich uf keine Rückreise nach Hause zu begeben, 
wndem mit der ganzen Flotta dort zu verbleiben, bis dass man ihm 

'1 Vgl. oben p. Xr>9. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



]^74 T- BrnDd^Dbiirg ood die Niederlande. 

nähere Ordre wUrde zuschicken; zu welcbem Ende dann heute bei 
jetziger Post drei Duplikaten nach Copenhagen abgesandt werden '). . . 
Und verlioffen sie, dass gegen Mnrtiuni unfehlbar eine eo ansehnliche 
Sciiiffflotte wild abernial fertig sein, dass sie bastant sei, den Secours 
nach dem Orisund zu bringen und dann nach BeachafTenheit des ge- 
meinen Wesens dem Werk ferneren Naclidruek zu geben. Wozu wir 
desto grössere Hoffnung sehüpfen, weil der Herr Ambassadeur Nieu- 
poort aus London uf gestern hieliin benchtet, dass ihre jüngst aus- 
gewesene Flotta dergestalt zei-rllttet, dass sie woi in zween Monaten 
nicht wiederum in See kommen werde. 

Die sämmtllclic Provincien, sunderlichcn aber Holland , seind 
emsig im Werk begriffen, die Geldmittel zu dieser und andern kost- 
baren Kriegsprslparationen auszufinden und zu deliberiren, wie nians 
mit der Abschiokung der Gesandtschaften hin und wieder tliun werde. 
Dem Abgesandten Herrn Ysbrands, weil er tifler um nach Hause 
zu kehren hat angehalten und noch daruff bestehet, möchte insoweit 
darein gewillfaliret und jeiuand anders zu E. Ch. D., wiewol irgend 
in geringerer Qualität, deputirt werden. 



Der Kurflii-st an Weiman u. Copes. Dat. Wiborg 22. Febr. 1659. 

4. März Freude Ober die neue „rühmliche Resolution" der OeiieralKtaaten in 
Betreff ihrer Flotte. 

Matthias Bögen an den KurHirsten. Dat. Ämaterdam 
8. Febr. 1659. 

(Wichtigkeit einer ei);etien Flotte. AiiBsicht auf eine Invasion nach Schweden. . 
ö. Febr. Diverpc Nachrichten über die Pricdensverhandlnng zwischen Spanien 
und Frnnbrelch; über den Stand der englischen nud der hollandischen 
Flotte. 

Denken E. Cb. D. auch auf eigene Schiffsmaeht? E. Ch. D. 
sowol als dero itzige Conföderirte nillsseu nur die Rechnung machen, 
dass Sie sammt und sonderlich Schweden alzeit zum unsterblichen 
Feinde bal>en werden, heimlicb oder öffentlich. Wider solchen Feind 
aber ist eine beständige Macht zur See nötiger als zu Lande. 

Ach wie hoclinötig wäre wol itzund E. Ch. D. eine Schiffsflolta! 
Im sumptigten Htdstein und JUtland ruiniren wir Mann und Ross fast 
ohne Feind; stunden wir nur mit der geringsten Macht in Schonen, 

') Vgl Secrete Resolut. II. C. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



n die FloltP. Die TrnnPporlflotliüe. ^75 

M wSre der König ohne Reich unii Schweden ohne König. Das 
offene Elsenburgk ') geoecupirt, sclmittc denen beiden alle Communi- 
ntion, allen Entxatz und Hülfe ab. Stoekholni und das halbe 
i^fhweden dürfte una nicht da? zehente Theil Blutea kosten, als 
Friedrichgodde ') wol kosten möclite ')■ 



Matthias Dogen an (leu Kui-fiirsten. o. D. *) 
(praes. zu Wiborg den 20. Febr. 1659.) 

[Noihrnr Schwerin'e. VprhnndluDg in Amslerdnin mit <le Grare über Bchlennige 
Siirli-iglnng mit Zufuhr »Dil ober eiue birprsion nuf <]od Insi^tri oder in Scliive- 
dm. Weitere VerhnndlnnR über dna Project Im Haag. Günstige Anriialimc 
its Projecles. Wo die Diveralon geninrht werden knnn. Viele klcino SrlilBe 
besser sIb wPDig grosse. Die Scliiffe sollen nneh Anlliorg dirigirt werden ] 

Ich hab immerdar zu Gott die IIoiFnung gehabt, einmal einest. Febr. 
«ieblige Gelegenheit zu erhalten, um meine unterth. Treue und 
Affection zu E. Ch. D. Dienst zu krönen mit einiger höclistangeiegc- 
oer und höclisterspriessliclier That, Solche Gelegeniieit haben ver- 
hoffentlich mir S. Exe. von Schwerin mit dreien Zeilen dcro jUngnten 
Schreibens an die Hand gegeben durch folgende Worte: 

dasa, ivenn wir nicht bald Schiffe von hinnen Rchicketcn, 
ehe der Vorrath, der nicht gross ist, da aufginge, so würde 
alles Tergebens sein und niüssteu Sie wieder aus dem Lande. 

Hit diesem Creditiv verftigte ich mich stracks zum Herrn Präsi- 
denten de Grave, gab ihm zu bedenken, was aus diesem dänischen 
Wesen wollte werden, wenn E. Ch. D. durch solche Extremitäten 
anch desperata consilia nehmen wUrden! 

1) Würden und könnten S. Oh. D. zu Brandenburg, um der Re- 
putation, ja nicht aus JUtland und Holstein weichen, ehe und bevor 



') D. h. Helslugborg. 

*) D. b. das jetzige Fridericia. 

\ Ueber die hier aogeregten und in den folgenden Relationen behandelten 
Vertacbe DÜgen's, dem Kurfürsten eine eigene Transport floKe 7.um Bebnf 
cioer Difersion gegen die Schweden auf Seeland oder in Ijchuoden selbst stur 
VnfÜgnngzu stellen, findet sich anderweit keine Nachricht. Nur in den äecrete 
RcsolulieD 11.10 steht eine ganz kurze Notiz, daas die dänischen Gesandleii 
■HO .,eenig kleyn Vaertnjg bequaem tot transport van Rajtereo ende Knechten" 
uhallSDi die BodealuDg der Sache ergibt sich erst aus den Berichten Dogcn'a, 
snf dessen Veranlassung die dänischen Gesandten bandelten, und desBen sonst 
■enig ta Tage tretend«) Thütigkeit im Dienste des Kurfiirslen hier in inleressan- 
1» Weise illnstrirt wird. 

') Aus dem Haag vom 21. Febr, wie sieb aus der folgenden Relation ergiebl. 



„A^iOOt^lc 



]^76 '■ BrriDdenbnrg und die Niederlaitde. 

auch das letzte Viertel des restireadeu letzten D]ag:ereii Oclisens würde 
verzehret sein. Was Nutzen denn S. Maj. von Dlneuiark von so 
erleeiten Liindcru lialien würden, wjlrc leifht ?.a ermeRRen, Wir hier 
verlören aucli unsere in den UÄudern augsiteliende jj^rossc Hehuldcn 
und würden auch keine fette Suppen künni^eii Winter hahen, noch 
die reiehe Landjuuker ihrer Weiden Zier jrenieeseii können, wenn die 
JütländiRche Orlisen uns sofcar ahgiujren etc. 

2) Uuinirten S. Ch, D. dero brave Armade «hiie Feind, ohne 
Actioii und Ehre und ohne alle HülfteiKlung gesuccurrirfer Krnnen. 

3) S. Ch. D. durch Hunger 7.nrUckgetriei»en , durfte ÜSneniark 
durcli die schwedischen Waffen ganz und gar uiilergeliraclit oder 
doch zu sejiaraten Traetaten, un» alliier für allen anderen Alliirten 
am allermeisten schüdlich, gezwungen werden. 

4) Wären endlich alle unsere angewandte und noch anzuwenden- 
den I'nkoBten und Succursen unnütz und vergeblich und alleine dazu 
nütze, dass sie uns die Kuptur mit Schweden und dero XcheustSuder 
bemitteln dürfte. 

Man fragte stracks, wie diesem allen docli fürzubauen. Ich 
meinte, dasH dem ganzen Werke mit etwa {;0,000 Kthlr. Kosten 
merklich zu helfen wSre, wenn man etwa die 20() kleine Schifte, be- 
laden mit Haber und lieu auf eine 10 oder 12 Tage für r)000 Pferde, 
Brod, Kiise und Bier für etwa 80U0 Manu auf gedachte geringe Zeit 
zuschickete, dass also E. Cli. IX dero Armada in einem Tage ein- 
schiffen und den andern Tag, ehe der Feind einigen Nachricht haben 
könnte, dieselbe dem Feind auf den Hals wieder ausladen könnte. 
Dadurch würde 

1) Sr. Ch. D. Armade geeonserviret bleiben und nicht vor Hun- 
ger weichen oder verderben dürfen; 

2) würden S. Maj. von Dunemark wieder einig Land und Leute 
bekommen, wenn wir Jütland cvacuirten und uns bei Schweden zu 
Gante nötigten; 

3) würden die gcsecundirtc Länder ciuigcrmaassen verschont 
und nielit ganz und gar von uns dürfen geruiniret werden; 

4) würden wir hierdurch an Schweden soiclic Diversion geben 
können, dass sie andere zu bcspringeu würden inbaiten müssen, um 
ihre eigenes zu beschirmen; 

5) wenn S. Cli. D. glücklichen Progreaa hatten, könnte mau hier 
die gedachte Unkosten und ein viel melirers an unserer grossen 
Kquipage entweder mesnagiren (die Motiven ah utili seind hier sehr 



„A^iOOt^iC 



riie Trniigporl Hotlille. 177 

kräftig) oder doch die Flotta, tvann» Notli Ihütc, niich dem WcHtun 
zu ^brauchen, wenn man dero ostwärt» nicht würde benötiget s«iii; 

6) wir alhier könnten durch diesen Vorst^hlag siclierlirh cvitircn 
den Choc^ oder Stos« und Bruch, bei einigen so sehr mit England 
bcfnrchtet; denn wenn in diesem H. Ch. D. glticklich Spiel hatten, tw 
ivUrde niemand mit Schweden halten und auf ein halb verlorcneii 
Spiel beisetzen; und ich glaube fest, das» dieser ITeil wol fast am 
tiefsten durcbgedi-UDgen. 

Herr de Grave fand sieh alsbald im Werke und begehrte, dasa 
ich diese Rlotivcn auch den beiden andern anwcscodeD Rürgermeistcm, 
Herrn Spiegeln und von Hörn fleiBsig beibringen, aber doch keines- 
wegs versäumen wollte (weil periculum in mora und Holland diese 
Woche auseinander ginge) mich noch den Dingatag Abend nach dem 
Haage zu verfttgcn, diesen meinen Vorsclilag den Herrn von Marsc- 
veen und Penaionario von Beuningcn eröffnen und zugleich ihnen 
nomine Praesidis ansagen, dass «io zu Erhaltung und Auaflihrung 
oflgedachten Vorschlages alle bedenkliche Mittel und Wege anwenden 
sollten und die Ordre und Instruction darauf vom ganzen Käthe ge- 
wärtig sein (welche Ordre auch in am|>Iis8ima forma durch einen 
Scabinum gestern hier gebracht ist); doch dass ich die dänische Mi- 
nistroe dazu mUeste antreiben, daes sie durch ein expresses Memorial 
diesen Vorschlag an Holland eröffnen und Schiffe und Geld dazu bc- 
gebren sollten'); sobald der Vorschlag von Holland nur beliebet, 
wtlrde man »ihn Zweifel um die schleunige Mittel bei Amsterdani an- 
klopfen, 90 wollten sie dann sich dabei wUlig und bereit finden 
lassen. 

Mit dieser erwünBchten Ordre und Hoffnung komm ich in den 
Haag, richte mich in Vorstellung meines Postulati nach dem Willen 
and Gutfinden der Amsterdamer Gecommittirten, Hberwinde bei allen 
difficultirenden Gliedern alle ohstacula, flllirc die dänische Ministros 
an den Reigen und bleibe selbst davon und halte auch E. Ch. D. 
ausser aller Obligation und Verbände wegen deren biezu benötigten 
Gelder, und versichern mich nicht allein meine Amsterdamer, sondern 
auch die Ü&nen selbst mit grossem Muth und Hoffnung, dass wir 
alles nach Wunsch und Begehren erhalten werden. 

Nun recommandire ich allerends nichts mehr als Secrctessc und 
Celerität, Verschwicgculieit und höchstmöglichste Beschleunigung doM 
Werks, ehe uns England etwa praeveniren oder doch unsere Klein- 



■) nies >reMlinli um :.0 y<-lt.. e. Seert'U RcBoluf. U.'M. 



:q,t7ed.>G00t^lc 



178 ^- Bi'andenbnrg naA die Niederlande. 

gläubigen abschrecken möcbte, und damit E. Ch. D. nicht zu einigen 
Extremitäten kommen dürfen. 

Den endlichen Aussclilag diCBes Werk» werden wir vielleicht erst 
morgen Samstag Abend haben; diesen Brief aber muss ich nun mit 
die Nachträgen uf Amsterdam Bcnden, weil die Poet da morgen um 
G Ulir zu Abend abgehet. 

Wir hoffen auch mit diesen Frachtscliiffen eine 20 oder mehr 
Kriegsschiffe, und, will es glücken, auch noch wol 1000 Fussrölker 
anzuschicken; und wenn dagegen durch die Belt auch noch 10 oder 12 
Kriegsschiffe von Copeohagen kommen möchten, könnte man den 
Feind dann leicht auf den Inseln trennen und von einander halten 
und also mehr als an einem Orte anzugreifen gefaast sein — welches 
ihn in Furcht und Reepect halten würde. 

Wird zu consideriren sein: 

1) Ob Zeeland, da die Anlandung auf Copenhagen oderAmack, 
weil doch einige Lebensmittel ftlr Boss und Reiter mitkommen, oder 
aber FUnen, um unsere Quartiere in Holstein wider Friederichsode 
zu versichern, anzugreifen sei. 

2) Ob nicht die Polen durch diese Schiffe nach erhaltener unse- 
rer Entre priese einige schleunige Diversion in Ponrmern machen 
könnten, wenn sie durch den dänischen General Eberste in zu Lande 
mit einigen Fussvölkcrn und Reitern gefolget und secundiret wftrden, 
imi dadurch -Schweden aus Preussen zu ziehen: so ginge es in Pom- 
mern an auf Rechnung der Polen und Dänen. 

3) Ob es besser in Schonen und Schweden selbst Diversion zu 
macheu? Doch auf was Diversion wir es anlegen, im Fall wir FH- 
nen nicht besetzt zugleich, so wttrde eine gnugsamc Macht wider 
Friedericlisödo milsscn bcstclieu bleiben. 

Ich habe begehrt viele und kleine Schiffe; kleine Schiffe können 
so nahe au Laud anleg'cn, dass die Pferd in See am Strand Grund 
haben können, wenn es aus dem Schiffe gesetzt wird; kleine Schiffe 
können in alle Hafeu Pferd und Reiter einnehmen, laufen ohne Ge- 
fahr über alle Untiefen über, können sich unfern dem Strande leicht- 
lieii l'Ur einem Feind Sahiren, der sicii so nahe ans Land nicht darf 
wagen. Viele kleine Schiffe sein auch besser als wenig gritsse zu 
Eutropriusen: denn wenn au« jeglichem der begehrten ÄX> Schiffe nur 
r> Pferde ausgeladen werden, welches von ir> vielen darin noch blei- 
benden Reitern und Matrosen wol in einer Stunde gescliehen kann, 
80 stehen alsbald lOOO Reiter wider den Feind fertig. 

ScbliesMlichen könnte ein Theil dieser Schiffe E. Oh. D. auch 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^iC 



Die Tronaporlflottille. " ^79 

dienen, nm Preussen, wenn die Notli solches erforderte, zu secuüdi- 
rcn, auch einige Mchwedisehe Ocrter und Inseln zu infcBtircn; man 
mBEsto dann aber mit den Schiffern de novo Fracht bedingen und 
Belbi<;e prompt imd baar hezalilcn. 

Der Herr Canzler Weimau ist noch nicht hier, habe also scincK 
^len Kaths und Hülfe ungerne entbebrcu müBscn. 

Habe vergessen zu sehreiben, das» wir unsere Schiffe gcdcetiui- 
ret haben .... nach Aalbur^:, da ein guter Hafeu sein soll; im Fall 
E. eil. D. soleheä nicht contramandiren , so wird es dabei bleiben, 
wenn wir die Schiffe erhalten. 



Der Kui-ftii-st an Dogen. Dat. Wiliorg in Jiitlaiul 22. Febr. IGö'J. 
Billigt seine M.iassrcgelu und treibt zur Beschleunigung. t 

Mattliias Dügeii an den Kuriiivsteii. Dat Anisteiilam 
1. März 1659. 

(ADfinucheDde Schwierigkeiteo wegen des error<lerlichcu GelJea. Voracblug dor 
dänischen UeBiiDd(cn.| 

Naclidem mein Vorschlag wegen Ansendung der 200 Stücke i. 
Frachtschiffe (wovon iu meiner untertli. Relation am 21. Febr. aus- 
fabrlieli berichtet) hier und im Haage sowol bei Holland als der 
Generalität beliebet und darauf bei denen vun Holland der längst 
begehrte Vorscbuss einer grossen Summen Geldes an die Herrn däni- 
schen Miuiutros desto williger zugestanden, folgendes aucli der Ad- 
miralität zu Amsterdam Advis darauf erfordert worden, bin icli eilends 
auf Amsterdam gekommen und die Sache gegen Ankunft Herrn 
Bosewings dergestalt gepräparirt, dass mau sieh hier zu schleuni- 
ger Ausrüstung nötiger Convoyschiffe stracks willig erkläret. 

Vernahm aber mit höchster Verwunderung bei Ankunft der Herren 
däuisehen Ministri '), dass wegen Ausreichung begehrter Quittung Über 
die versprochene Gelder einige Differenz wäre entstanden, uud dass 
BJe daher gedachter Gelder so bald nicht könnten fabig werden; ge- 
traueten aber die geringe Summe zu den Frachtschiffen entweder beim 
Königl. Factorn alhie, oder aber bei dieser Stadt zu Lehne wol zu 
entrangen. Nun aber entschuldigt sich die Stadt, dass stdchcs ohne 
Hollauds Vorwissen und expresse Ordre nicht geschehen könne; der 
Faetur aber weigert deu Vorschuss ausdrücklich. 



■) BoBewing und Clinrisiui. 

12* 



^düvGoot^lc 



J^gQ T. BranJoiihnrK und Jie Niederlnnde. 

Als 1>ab ich endlicli die von der Admiralität dabin bewilliget, 
daoR sie gedachten VorscIiuBs thun wollen; doch mit Bedingung, der 
dänische Factor solle Bürge bleiben, dass sie ihren VorKcbus» entwe- 
der an der Einiipagie abkürzen und innebeballen, oder doch dersel- 
ben von des Fislats zu vorschiesscn (sie) Geldern wieder haben sollen. 
Nun erwartet Herr Kosewing stündlich den dänischen Facloren, b« 
auf seinen l.nndglltern Hich aufhält, da man denn sehen wird, ob er 
zu godachfcr Bürgschaft sich verstehen werde. Im Fall er weigert, 
dergestalt BUrge zu bleiben, so baben E. Cb. D. keine Schiffe eher 
zu erwarten, bis die Staaten von Holland wiederum werden versam- 
melt sein; welches noch wol ein 3 oder 4 Wocheu wird anlaufen. 

Es wäre fürwahr zu lieklagen, dans dieses Work sollte bestecken 
hIeihciK Die Armada verdirbt ohne Feind, das Land wird verzehret 
ohne Vortheil, und wer weiss, was Aussehlag diese Verzögerung end- 
lich uclmieu dürfte; der Feind und dessen ^Nehenstünder feiern 
auoii nicht. 

Nun werden E. Cb. D. meinen vorlüngst erlheilten Ralh wol füh- 
len und tasten können, dnss man hier allezeit einen Geldkasten zur 
Noth haben müsstc, da alles, wessen man bedürftig, in höchster 
Eile, auf bestem Markte hei aBer Begebenheit unfehlbar zu be- 
kommen ist, — 

Die mehr gedachten (dänischen) Ministri sagen, dass sie alle 
Gelder nach Bezahlung einiger Schulden hier auf Copenbagen Ober- 
zumachen Ordre haben, und wUrdcn also alle Kosten auf ihre Gefahr 
auf unsern Anschlag verwenden, weil sie weder vom Könige, noch 
Ueiohsrätben, auch nicht vom General-commiRsario, Herrn Alefellen 
der doch bei E. Ch. D. sich aufliült, dazu beordert wären. — 

Die dänischen Ministri vermeiucn, eine gute Quantität FährschilTc 
von Copenbagen werde abgesandt werden ; auch könnten von E. Ch. D. 
alle PrivatschifTe, so in Jütland, um Ochsen abzuholen, kommen, in 
Arrest genommen und gebrauchet werden, dass etwa ein Hundert hie- 
siger Schiffe dürften genug sein. Ich lasse mich solches alles nicht 
anfechlen; in Copenbagen wird wol geringer Vorrath bequemer SebilTe 
sein; die in Jütland kommen, sein meistentbeils in den Hafen an der 
Nordsee uud nicht in der Belf gelegen. 

In sunnna, ich spüre wol, dass man nicht vom Gelde scheiden 
wolle, werde aber dieses Wild so nicht verlassen. Wäre aber wol 
KU wünschen, wenn fremde Mittel nicbt zureichen wollten, dass wir 
dann unserer eigenen gebrauchen könnten. — 



^aovGoOt^lc 



Die Traneportflottill)!. 281 

Weimaii an den Kurfilrsten. Dat. Haa;;; 3. Mäiz 1650. 

GemeiD^am mit dem düiiiüchcit RcitiOcntcn Charisiuij babu er is :<. 
endlich mit grosser Mübe dahin gebracht, „<lai,s lutwedcr llullaiid oder die 
Generalität die Mittel Torächics.sen werden, wo der Herr Rosewing zu 
Amslerdant sciter gestern nicht selbet Ratb gcsebaffet haben möchte." 



Der Kurfürst au Weiman u. Copes. Dat. Wiborgr 5. März 1659. 

[Urängt Bur schleaaige Seodang der Schiffe. Ermahtlaag zur Stondhurtigkeit an 
die OeDeralslualen ] 
Antwort auf W.'s Brief vom 3ten, Die Schiffe werden mit SehnRocbt lö. I 
erwartet — 

^stalt Wir denn alle Anstalt dazu gemachet, dass, sobald dieselbe 
»nkommeD, das Werk sodann alsofort durch des Allerliüclisten gnäd. 
ßeistand angegriffen und dadureh verlioffentlich che ein univcrsalci* 
sicherer Friede erlialten werden soll, als man durch kostbare Trac- 
taten und Medialionen wol nicht wUrd thun können. Wann auch die 
.Schiffe schon Itzo hier gewesen wären, da die Schweden vor Copcn- 
Itagen ein Bolch remarquables UnglUck erlitten '), müelitc Unser 
Deseein albereit mit groeseni Suecess verriclitct sein. Aus CopcnUa- 
gen haben Wir Uns wenig Fahrzeug oder wol gar nichts zu vcr- 
Behen, und hier zu Lande ist dessen gar wenig zu bekommen, also 
(lass ea nunmehr darauf ankommt, was man in Holland bei dem 
Werk wird thun wollen. Die Engländer mögen dabei thuu, was sie 
wollen, 80 wollen Wir doch hoffen, dass die Herren Staaten General 
die Hand nicht abziehen, sondern wol bedenken werden, dass es mit 
ihrer Freiheit ßowol als mit unserer aller auf solchen Fall würde ge- 
schehen sein, wenn der König in Schweden von seinem itzigeu bOsen 
Vorhaben nicht sollte gehindert werden. — 



Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 10. März 1659. 

IHilfatruppen gegec Schweden; wer ihr Anfiilirer soiii still. l'Vankreich und 
KDirlind sind einig über die VurmiUelaug im Norden; liesorguiBa. diua ein 
uuth diu Uuüera lötaalen uöligen worden aiuU auzusciiliesscn; vurlauG^'« friiiiao- 
(itche Zwangsmaassregeln. Verbindung der Gvneralslaatuu mit de« Itiacliur 
von Münster. Der öaterreichisclie GeBandtc Fricquet] 
Man ist noch eifrig dabei die gewilligtcn Geldmiltel zu bcscbnffeii. E^ in. 
ist }et£t die Frage, wer die 40U0 .Mann, die man dem König von Däticiiiurk 

■ Der miaBlDDgenö Sturm aur KopODhageu in der Nacht vom 20/21. Febr. 
Pufeudorf Carol. Gustav. VI. ä 5. Geijor- C urlaon IV. a2!tff. 



,A^nOO»^IC 



2g2 '' Brandenburg nnd die Nioderlaode. 

zu Hilfe Bchickcii. will, cümmfiudircn soll; Prinz Wilhelm hat noch nioht 
erklärt, ob er dazu gcnci^jt itt; er ist vou DüDCinark vorgcscblagcu; uuuh 
von Fürst Moritz ist die Rede. — 

Sonst vernehmen wir, da8H Moos, de Thou nunmehr empfan- 
den habe, wessen sieli Frankreich und Engelaut! wegen Beilegung 
und Venuittelung der nordischen Kriege vergliciion, und dass er da- 
mit zuvorderst auf Amsterdam gegangen sei, gestalt daselbst die Ge- 
niUthcr vorab zu sondireu und, denie vorgegangen, alhie darob die 
uütigc Ouvertüre zu thuu in der Generalität Worauf nun solches 
eigentlich bestehe, können wir dieses Mal annoch nicht sagen; ungc- 
zweifelt iat'e auf den ßotbscliild'gchen Tractat mehrentheils und also 
auf particuliere Tractaten angcselien. Wir werden aber nicht unter- 
lassen dabei zu advigiliren. . . Wir können genugsam merken, dass 
beidoj Prankreich und England, Uimmel und Erden bewegen werden, 
diesen ätaat auf ihre Gedanken und Ueiten zu bringen, inmaassea 
denn England zu dem Ende an allen Orten drÄuet und Frankreich 
auch bereits so weit gegangen, dass es auf alle fremde, das ist hol- 
ländische, Fracht- oder Transportschiffe neue Taxe? gelcget hat. Wir 
wollen aber hoffen, der Staat werde sich daran nicht gar zu sehr 
stossen. — 

Ilieboi, gnäd. Churfilrst und Herr, muss ich untertb. berichten, 
dass man alhie im Estat anfanget, sehr auf den Herren Bischöfen 
von Münster zu reflectircn, und dass man wUnschct, es wäre dahin 
zu bringen, dass man den westphälischen Kreis mit diesem Staat ver- 
liindcn und wol endlich gar gegen Schweden mit einfleehtcn möchte. 
Mir zweifelt niciit, E. Cb. D. werden bei jüngster Zeit darunter auch 
lies Herrn Bischöfen f. Gn. Schreiben erhalten haben, wozu ich denn 
aiijetzt auch die protocollarisclie Erzählung alles dessen, was mir zu 
(.'ocsfcld fUrgekommcn, gehorsamst (Iberseude '). 

Der Herr Fricquet liat Befeld von der Kais. Maj-, die bischöfliche 
MilnKtcrschc Interessen alhie zu sccondireu, in specic aber den Staat 
■M ermalinen, dass sie sieh der Stadt Münster nicht annehmen mögen. 
Wir haben ihine <iher gcrathcn, allermaassen es auch männiglich 
ihut, er möchte sich mit erwähnter Abmahnung, da er dem Bischöfe 
iiitht mehr Schadens als Vorlheils gedächte zuzubringen, nicht über- 
eilen. — - 



') Vgl. ubcu p. 134; üus Protokoll selbst (etilt. 



^düvGoot^lc 



de Tboa. Bischof v. Häusler. Ueber WeimaD'e Reiee noch fioglaud. ^^3 

Weiman au deu Kiirfiirsten. Dat. Haag 10. Wärz 1659. 

[Die Reiae Wuim&D'a nach England. ErwSguagea gegen die Eäthüchkcit der- 
eelboD. Bitte nm loBtraction.) 

Ale mir E. Ch. D. im verniobenen Jahr gnäd. aufgegeben naeb 10. Mär 
BD§:eland zu ^ehen, udiI ich daran behindert worden anl^nglicb durcli 
des Protectoris Tod, faemach Aabs der Staat alhier, Bouderlicb I. Uoh., 
es durchaus nicht gut fanden, und dann E. Ch. D. mir endlichen auch 
pw pogtBCriptum aufgegeben, stille zu stehen bis zu näherer Ordre 
[tu geschweigfen daes ich zu Clevo bis hiehin ungcaciitet ulles eingc- 
veodten Fleisses nicht eines Hellers Werth mächtig werden können) 
QU die Kosten abzutragen, da mir die Kammer ohne des geliquidirtcr 
Gelder an die 8000 Rth. im Restant ist): so ists dahero dabei ver- 
Idieben und gar gewiss dabei wol nichts versäumet worden, weiln 
Duu von Tage zu Tage genugsam siebet, dass selbe Regierung noch 
durch äusserliche Ehrbezeigung, noch durch Raisonnementen von den 
scIiwediBchen Interessen will abgezogen werden. 

Wenn aber dennoch ich nicht weiss, ohs E. Ch. D. auf solche 
MaasBe Ihres hohen Theils begreifen und inmittclst die Zeit verliluft, 
so bin ich darüber in nicht geringer Sorge gestanden, also dass ich 
wiiier entschlossen gewesen, mich zu der Reise fertig zu macbeu. Wenu 
ieh aber zuvorderst nicht alleiue der Sachen gi-Undlich nachgedacht, 
sondern auch in meiner Instruction befunden, dass ich darunter mit 
I. Höh. Gutfinden verfahren sollte, so sehe ich, dass zuvorderst I. Höh., 
hemacher auch FOrst Maurits der beständigen unbeweglichen Mei- 
anng seind und verbleiben, dass es E. Ch. D. /.umalen nicht zu,r.ithen, 
mich dahin gehen zu lassen, und kommen dabei verschiedene rationcs 
in Consideration : 

Zur Condolenz imd resp. Congratulation wäre es zu spät und 
zu nünscheD gewesen, dass man dieselbe in das Jüngste Schreiben 
hätte lassen einigermaassen mit etnflicssen. Rcalia aber daselbston 
m tban und also zu arbeiten, dass sMi England mit Scliwcdcu nicht 
dermaasseii, wie bisher geschehen, vcnuisehcn niöchfo, da wäre wenig 
oder wol gar keine Hofi'nung, darunter etw.'w auszuricliten. Der l'ro- 
lector nitisste Krieg haben, müsste gegen Spanien, gegen Ocstcrrcicb 
am der Religion willen, gegen diesen Staat aber wegen der Commcrcieu 
tgiren; dieses Frincipium wäre wie seine Seele und könnte er davon 
nicht abweichen, wo er bestehen, wo er Geld \om Volke haben 
wollte. Ob ich nun würd Hofi'nung haben mit RnisonuirLU ihn davon 
lu divcrtiren, da ganz England bigot für Schweden und \ erbittert 
gegen Oesterreich und diesen Staat wäre, solches mochte ich bedenken. 



V^iOO»^ Ic 



\^^ I. BraoduDburg und die Nicdurlande. 

llcri' Nicupooi't mit seiucr cngÜBchcn Habitude und Religion, Herr 
Petccom mit Bciocr grossen Erfalirung und Dignität, Curland mit 
ilircn Affcctionen, Danzig mit ihrem Interesse, das» es nicht in schwe- 
dische Hände kommen möchte, richteten bisUero nichts aus und schreien 
um Hülfe, auf dass sie alleinc nicht ridicut werden möchten, und wlird 
ich so gewisse nur zukommen, um den Haufen zu vermehren, als 
dieses feste und unveräudcrlich bliebe^ so lange £. Ch. D. bei Oester- 
rcich stehen und zu keinen particulier Tractatcn lenken wollen, Aaas 
j'lir Sic iu England nichts wilrd zu thun sein. Da man aber glaubete, 
man würd sie weiser machen, in deme man ihuen die Schweden, und 
wie sie mit der Religion umgehen, recht beschriebe, so wUrd ja solches 
nicht helfen; das Interesse schlüge doch vor; man hätte es mit so 
vielem Schreiben, gedruckten BUchern und ßemonstrationen an Jepsou 
zum Berlin, au Downing alhie versuchet, allermaassen ich dann 
aiich den ganzen Elbingisehen Religionsverlauf und was dergleichen 
wider die Heformirte fUrgenommen, gleichwie mirs zum Berlin von 
dem Herrn St. ') und anderen gekommuniciret worden, zuvorderst ge- 
schrieben, hcrnaclicr. in offenem Druck mehr al9 genugsam an die 
Englische und sonsten fiberall, und wohl wisse, dass es dem Hofe zn 
London mehr als bekannt geworden sei ; alles aber deromaassen ver- 
geblich, dasB sie nicht ablicssen, sundeni sich noch mehr fUr Schweden 
erhitzeten; ja dass »ic es fast für ein Zeichen einer Feindschafi nähmen, 
wer gegen Schweden, auch mit höchster Wahrheit, reden wollte. Wobei 
ich denn meines Theils desto unglQckltcher sein würd, dass sie mir 
von deswegen nicht günstig sein möchten, weiln ich mich von vielen 
Jahren hcro sowol in oranischen als andern E. Cli. D. Sachen gegen 
sie hätte niflssen gcbrauclieu lassen. 

Dagegen aber wäre ich dieses Ortes lllr andern bekannt, geaccre- 
ditirct, gelitten und beijuem, E. Ch. D. gewisse Dienste von Tage zu 
Tilge zu thun; dcrogcstalt auch dass viele Regenten bei I. Hob. gelbsten 
erinnert, man möchte mich nicht gehen lassen, hie wäre das ccntrum 
rcrum, hie mUssteu E. Ch. D. ihre Subsistence finden; wo es hie fehicte, 
so würden Sic es in Engeland nicht antreffen; bliebe diese Hcimblicq 
im Kriege und der Actiou, so würden E. Ch. D. keine andere Partei 
folgen; wllrd das Werk zu Tractaten gedeihen und E, Ch. D. dazu 
llircs Theils auch lenken, so würden Sie es doch durch und mit dem 
Staat am besten auswirken, und wäre es klar genug, wenn ich weg- 
ginge, ilass ich gar gewisse alliic versäumen, in Engeland aber nichts 

') Sic. üemciat ist vielluicht der Uofprediger Stoacli. 

i:q,t7od^>GoOt^lc 



Gegeo die SeDdDDg W's Dach England. Glnchglüdver Zoll- Aue tiDglaad. Ig5 

i:ewinneii wfirde^ wciln ich ja nicht ireflenken könnte, daae E. Cli. D. 
mit den Bchwediechen Interessen würden symboliairen (»ic); zu gc- 
Kchweigen das» FOrat Mauritscn f. 6d. schon gemerket, dass es hei 
dem karis. Hofe grosse Jalousie erwecken durfte, daes es viel kosten 
wQrd, dass die Mittel nicht zu finden, dass Herr Schlezer in grossesten 
Aesgsten sitzet und deswegen einen seiner Domestiquen hiehin ge- 
schickct, welcher dann sich vernehmen lAssel, es wflrd in England 
wol keiner zur Audienz vcrstattet werden, ehe die Schlezeriscbe 
Schulden wUrden richtig abgezahlet sein ! ') 

So habe ich zwarn alle diese Motive eines tretflicben Gewichtes 
in sein ermessen, mich aber erkläret, dass ich zwarn stille stehen 
wollte, aber . . . E. Ch. D. von allem berichten und mieh deroselben 
endlichen gnftd. Bescheides erholen, allermaassen ich denn auch in 
l'ntertbSnigkeit hiemit etc. etc. 

Jedenfallt) würden die hiesigen Ge^vbäfle uuter einer Reise iiftcb Eng- 
leiden mUssen; W. bittet, lieber entweder Scblczer in London zu belassen, 
oder einen drillen dabin zd flcbiclieii. 



Weiman au deu KiufUrsten. Dat. Haag 15. ]^[ärz 1659. 

[AWas im Gang. Der GlückstSdler Zoll. Rücksicltt auf England; Naobrlcliteu 
von dort ] 

Sobald in den näcbstcn Tagen die Staaten von Ilollimd znsaumenlrc- ir> h 
teil, soll alles in Ordnung kommen. Die düaischen GesftndCeu gedeukeu 
dann ibreo Vertraf; über Verpfändung des Ulück^tkdter Zolls zum Scbluss 
zu bringen; darauf bin wird dntjn Ämsterdaiu Gelder vorstbiessea, und 
damit wird man die Trau$poi-t8chiffe einkauren können ctg. luxwiüelicu 
wird auch au der neuen DtedcrUndiü^heu Orlogflolte eirrig gerübtet. 

Und können wir ein anders annoch nicht ersehen, als dass alles 
nach Wunsche gehen dUrCte, wo nicht das englische Wesen Verände- 
rung mit der Zeit verursachen möchte. Man saget uns zwar besUln- 
dig, man wolle sich au England keines Weges stossen; ich dürfte 
mich darauf aber um so viel desto weniger verlassen, weil männiglich 
bekannt, wie man England apprehendiret, wenn ich nicht considerirele, 
dass sie ihre Flotte im Sunde haben, demnach deroinaassen im Spiele 
sein, dass sie nicht heraus können, wenn sie gleich auch wollten. 

In En;;luud bat das i'arliimcnt trotz ullen Uegcnreden Eiusi.btiger 
con ueuem besclilo'^sen, den Prate<.'tor mit Au>rii:ituiig eitler groa.^en Flotte 
iiuüb deoi ännd zu beauftragen j dorh will d:ts I'nrlanietit sieh das urbilriuiu 
[mi-is et belli vorbcbulteii haben; so äim jcdeiifftlls dieser etigli^ebc 
iiuecurs für Sehwcdcn nicht allzn rasch erfolgen wird. 

') Tgl. w. a. die Acten der Schlezer' echen GeBandtachaft nach London. 

i:a,t--r.d .*^-.00»^lc 



l^gg I- Brandenburg und die NiederluDde. 

Weimau an den Kurflirsteii. Dat Haag 17. März 1659. 

[Gute ZuaicIieraDgeD von de Witt. Einwand der Provios Seeland. Der Vertrag 
über den Gluckstidter Zoll. Der englische Resident Downing.) 
t. Wir haben heute eine praeallable Conferenz gepflogen mit dem 
Herreu Batli Pensionario von Holland und es nach vielem Discurs 
dabin beleget, dasB er angenommen, es bei der Versammlung (der 
Staaten von Holland) dahin zu richten and zu erinnern, dass keine 
Veränderung geschehen möge wegen der Flotte und Succursus, bod- 
dem dass man alles dabei aufs eifrigste beschleunige; 2) dass die 
von Amsterdam bei erstem Antritt uiögen geauthorisiret werdeo, den 
VorscbuHS zu thun zu Abschickung des dänischen Fahrzeugs; 3) dass 
wegen Erneuerung der mit E. Ch. D. habender Allianz eine endliche 
Resolution genommen uad im Übrigen altes Fleisses dahin geseheo 
werde, dass man den Herrn Bischof von Münster auf guten Wegen 
halte und nicht negligire. — 

Sonst hat Seeland angefangen darauf zu treiben, man möchte die 
ganze Flotte nicht wegeendcn, damit man auf einen oder andern Zu- 
fall das Land nicht cntblösscte ; allcrmaassen sie denn auch begehret, 
man möchte ihnen zum wenigsten noch zwei Compagnien in ihren 
Frontteren lassen. Mau hat aber am 15. dieses solches sowol im 
Rath von Staate als auch in der Generalität verworfen. 

Der dänische Vertrag über deu Glucks tädter Zoll ist, nach Aus- 
»Bge der däDiBchen GcsandtcD, dem AbBchlass ganz Duhc.. W. fürchtet, 
dass ilber das näbcre und die ciozclucn BcdiogunKen gerade er nicht viel 
wird erfahren können — „weil wir von Anfang ab in Kraft K. Ch. D. au 
uns vorlängät abgelassenen gnäd. ficfebls dieses Werk gänzlich zu wider- 
rathen und zu divertiren gcsuehet haben." 

Sonst ist diesen Nachmittag der englische Resident Herr Dow- 
ning zu uns gekommen unter Vorwand einer Bcvisiten und saget, 
Engeland habe gei-esolviret , den nordischen Frieden zu bcfordem 
nicht durch Mediation allein, sondern auch ipsa media, die sie ver- 
meineten dazu nötig zu sein. ProtcBlirete aber dabei, der Herr Pro- 
tector wllrd nimmer zugeben, dass Schweden Dänemark Ubermeistem 
oder E. Ch. D. eines Fuss breit Erde wegnehmen sollte, und wDrd ja 
solchen Falls E. Ch. D. lieber mit Schweden als mit Oesterreich in 
Freundschaft stehen. 

Wenn wir nach geziemenden Complimentir- und Danksagungen 
nun ihm der Schweden principia und Manieren nach der Länge an- 
zeigctcn ... so stund er voll Zweifels und gab mit seinem Stillschwei- 
gen gnugsam zu vernehmen, dass er Überzeugt ward. 



.yGoot^lc 



VerliBiidlaDgua für nod gegeo das CoDcert. \ß'J 

Weimaii an den Knrflireteii. Dat Haag 21. Mitrz 1659. 

(SabBidieo für DäDomark. Schreiben aus EDgiaad. Geheime Couterenten 
de WiU'a mit Baglaod nod Frankreich. Andenluugeii über die Ziele der Oon- 
cerlverhiuidluageD. England für Bruadanbui^ wolgesiont. Weimaa's Gegeabe- 
mübaogeo und WarnangeD vor Schweden; er stellt de Witt £ur Rede; dessen 
Ausflüchte. Die Transportschiffe.] 

VoD Seiten Ilollanils kowoI iil^ der Gcueralitüt andauernder Eirer für 21.6 
die Rüstung; die Staaten von Ilüllaiid hiiben hente resolvirt, für Dänemark 
alsbald 70,000 fl. aaszuzalilen, womit das „Fahrzeug" unvorEiiglich hcrgc- 
rlcbtet werdea soll für deu Krieg anf dea däaischeu luselo ')- 

Eines ist, welches uus nicht allein, sondero auch andere nicht 
wenig geallarmiret hat, dase näinlich der Herr Nieupoort vom 
1». März biebin ^eecbrieben, wesmaasaen der Herr Protcctor nichts 
feindliches zur Iland achmen, sondern nebenst Frankreich und diesem 
Staat cooperiren wollte, damit man conjunctä operä die nordischen 
König:e vergleichen und also die Ostsee in KuUe wiederum bringen 
möchte, und dass er deswegen dem Herrn Downing gemessenen 
Befehlicb, mit den Herren Staaten zu concertiren, bereits zuge- 
schickt hätte; und ilass darauf erfolget, dass der Ratb PcnHinnai-iuH 
von Holland in verschiedenen langen Couferenzen gewesen zuvorderst 
mit erwfihnetem Herrn Downingr, hernach auch mit dem Ambassa- 
deur von Frankreich,- und dass niemand, auch selbst die Generalität 
nicht, in Erfahrung bringen können, was dabei etwa-gethan und ver- 
handelt wurde; dahero nicht unbillig zu besorgen stunde, weil man 
ohne das wol weiss, dass Holland den Krieg sehr scheuet und Eng- 
land höchlich apprebendiret, dass etwas nachtheiliges geschlossen, 
lam wenigsten verursachet werden möchte, dass mit der Flotte ge- 
tardiret und den Englischen Zeit gegeben wllrd, eher als andere im 
Sunde anzulangen. — 

Wir sprachen zuvorderst mit dem Herrn Downing,* hernach 
auch mit dem Herrn de Thou und vernahmen aus allen denen dabei 
hinc inde geführten Discursen, dass sie allen Fleiss wflrden anwen- 
den, gestalt diesen Staat auf ihre tjeutimenten dahero dahin zu brin- 
gen, dass man aus einem Munde gleichsam reden und zwischen den 
l>ciden nordischen Königen und derselben Alliirten einen solchen Frie- 
den, als man alhio würde gut 6nden, bemiltcln sollte; und wUrd man 
dabei ftlmebmlich auf den Kothschildischen Frieden sehen, so weit 
Dänemark anginge, jedoch dass zum wenigsten der Artikul, worin 
andern benommen mit Kriegsschiffen in die Ostsee zu kommen, ge- 



^aovGoOt^lc 



X^^ l- Braadeobarg aod die NiederlaDde. 

hoben udiI herauHgeuomnien werden möchte '); was aber Polen und 
E. Cb. D. anginge, da nittsate Schweden zwarn Preuseen restituiren 
gegen Erlangung einiger Geldeatigfaction und dergleichen, E. Ch. D. 
aber niftsste und sollte in vollkommene Sicherheit gesetzet und dabei 
gegen Schweden und niäaniglichen gegarantiret werden. Von dem 
kaiserlichen Intereese will Eogelaad wenig hören, Frankreich aber 
Baget, wie die kais. Mty. in diesem Werke nickt anders als auxiliarU 
könnte consideriret werden, so wDrden sie keine Ursacb haben zu 
klageü, wenn Polen und Dftnemark nur eine Inclusion oder Amnestie 
vor dieselbe auswirkten, und wo sie damit nicht zufrieden sein wur- 
den, so mllsste mans dahin gestellt sein lassen, den andern aber nicht 
verdenken, dass sie Friede beschlössen, wenn sie dazu kommen könnten. 

Der Herr Downing protestirte abcrmaln sehr, dass der Pro- 
toctor nicht leiden wQrd, dass man E. Ch. D., worin es auch wäre, 
zu kurz thnn sollte. 

Man war auch sehr geschäftig, durch allerhand Wege von udh 
zu erforschen, wie E. Cb. D. etwa dieses Fürnehmen begreifen möch- 
ten, und ob man auch bei künftigen Tractaten etwas Sonderliches 
stipuliren wUrde- ^Vir gaben aber allemal gnugsam zu vomebmen, 
dass wir uns darunter defectu mandati zu nichts anders auslassen 
könnten, als dass wir wol wUE.Bten, dass E. Ch.'D. nicht hohers wUn- 
Bcbeten als einen allgemeinen Frieden ; fuhreten ihnen aber dabei 
immerfort nach der Länge zu GemUthe, wie gctährlich Schweden, 
wie naehdenklich es zu allen Seiten wäre, solcher Nation durch par- 
ticulier Tractaten wiederum die lland zii st&rken; man könnte die 
kaiserliche Interesse nicht derouiaassco aussetzen; mit dem Roth- 
Bchildiacben Tractate wttrd Dänemark auch nicht wieder auf die 
Beine geholfen; England möchte sich ftirsehen und der £lerr Dow- 
ning seinen Herrn und Vaterland für der schwedischen geföhrlicheu 
Nachbar- und Freundschafl warnen etc. 

Wenn uns nun aber dieses noch nicht genug zu sein schien, so 
haben wir heute mit dem Rathe Pensionario von Holland selbst da- 
von gesprochen und endlichen davon begehret, er möchte uns ehrlich 
und aufrichtig sagen, wie es um diese Sache bewandt und wie es 
damit genieinet wäre . . . wollte Holland verändern, so möchte es 
solches uns nur sagen, und da es ihre Gelegenheit nicht wäre, den 
Alliirten beizustehen, so möchte man sie denn auch nicht lange auf- 
halten mit vergeblichen Vertröstungen. 

')Uubcrd{eBen Artikel desltoeakilder Friodena vgl. Qeijor-CarlsuD IV. 274. 



TerbandlaDfceD für nod gegun Am Conc«rt. ]^g9 

Und gab er mir darauf zur Anhvort: er wäre FOrbsbens gewe- 
seo, selbst zu mir zu kommen uud von diexera Dinge zu reden und 
sigete weiter, mir wäre bekannt, waa Herr Nieupoort geschrieben 
and dass sie einen guten Friede lieber IiStten als einen so kostbaren 
Krieg; er liätte deswegen die franz. und englischen Ministros geson- 
diret, wollte mir aber nicht bergen, daes M. de Thon gar keine, 
Herr Downing aber nur einige general Ordre hsttte, mit diesem 
Staat etwas zu behandeln; wenn sie dennoch aber von Bemittelnng 
des nordischen Friedens viel geredet und drauf verschiedene Gedan- 
ken, FBrschläge und conditiones wilrcn ins Mittel kommen ... so 
wäre endlich dieses der Scbluss gewesen, dass beide mchrgen. Mi- 
iiiHlri Dber sieb genommen, alsfortens an ihre Principalcn unistllnd- 
lidi zu berichten und es dahin zu dirigiren, dass ilmen mit eiiCHteni 
ober alle Dinge eine besondere gnugsamc Instruction möchte zuge- 
schicket weiden. 

Auf weitere Einnendungeii Wciiuans rcmonRtriit de Witt „mit rie- 
l«n eruKtliihen Gbbcrden, da^ä s\t: dic»cs alles iiiciit aiillinlien sollte, ihre 
turige Rcbolutiuucä ins Werk zu .stellen, und müehle i<:h da« K. C'li. I>. 
aaBdriicklicIi versichern" eir. 

All DÖgon ist gesehrieljen worden, dass das (leid für die Transport- 
Tahrzenge nun bewilligt ist — pr \H nun nnr zn bestimmen, wohin es ge- 
echiekt werden soll. 



Der Kurfllret an Weiman. Dat. Wiborg 23. März 1659. 

llirDBtlichc Vernalimng gegen die Bemühungen der CoDcerlpulitik. VerneiEang 

anf die allftemeinen Fricdenstrnelnfen in Thorn. Der Kiirrürst wird eieli keinen 

Falls Diif SeparalTerb&Ddlnngcn einluBsea.) 

Euer etc. vom 21. dieses st. n. ist (30. März) alhie einkommcn, -> 
woraus Wir ersehen, wie eifrig man sich an französischer und cngli- 
Kcber Seiten bearbeitet, einen pai-ticulnren Frieden zwischen den bei- 
den nordischen Kronen allein zu stiften. Unseres Orts mUssen Wir 
dafOr halten, dass so viel mehr dabei zu befürchten, weil nicht aliein 
Unser Resident zu London Heb letzer, obazwciflich instinctu der 
Schweden, dergleichen Partieulartractaten Uns auch an Hand geben 
ilörfen, sondern auch von schwedischer Seiten selbst dergleicben An- 
werfe geschehen. 

Gleichwie aber Unsers gänzlichen Ermessens dem Werke hiermit 
durchaus nicht wUrde geholfen werden, also wollen Wir Uns auch 
[iaran ganz nichts kehren. Nur kommt Uns dieses allein fast fremde 
vor, dass des Itaths Pensionnrii Uis<'urB, so verdeckt er auch densel- 



A-nOO»^lc 



\QQ I- Bntndenbm^ nnd die Niederlande. 

ben gcfUhrct, dennoch dahin zielet, dass die Provinz Holland daroo 
nicht abgeneigt sein ralichlo. Ihr haht aber Behr wolgethan, (lass Ihr 
Ton Unserer Seiten ihm alle Hoffnung dazu benommen. Ihr wollet 
damit ferner continuiren, auch, wenn etwas deshalb an Euch weiter 
gebracht werden möchte, Kolcbes dem kaiserlichen Gesandten nicht 
verschweigen, damit, wenn es demselben sonst vorkjime, es keinen 
SoupQon bei ihm erwecken möchte. 

Wenn es sonst den Staten General ein rechter Ernst, einen ge- 
nerale« sichern Frieden zu befördern, so können Wir nimmer glauben, 
dasB dieselben die Tractaten dahin zu ziehen begehren werden, als 
welche mit ihrem Belieben albereit nacher Thoru TCrwiesen, woselbst 
auch schon die meiste' Gesandte ankommen, und ohne Ruptur de» 
Friedenswerkes nunmehr kein ander Ort beliebet werden kann. Da- 
her Ihr Euch denn mit allem Fleiss angelegen sein lassen wollet, 
solches zu hintertreiben. 

Sollte es aber nicht bebindert werden kOnnen, so vermögen Wir 
Euch dennoch deshalb keine Vollmacht aufzutragen, sondern Wir 
werden sie daselbst handeln lassen, was sie wollen, dicweil es, wenn 
Wir Uns dabei interessiren sollten, Unserer Sache mehr Schaden als 
Vortheil bringen würde; zugeschwcigen dass Unsere Allürteu dadurch 
ganz und zumal in höchste äuspicion gesetzet und von Uns alieniret, 
der Friede auch dadurch mehr verzögert als hefürdert werden dürfte. 

Mahnung, dass die Transportschiffe etidlicb geschafft werden üoIIcd. 



Mattli. Dügen an den Kurillräteii. Dat. Amsterdam 
25. März 1659. 

[Die Absendang der Transportschiffe wird betriehen; Ametcrdam schieBst das 
Geld vor.] 
t. Diesen Morgen haben die Herren dänischen Ministri, HerrCopes 
und ich mit den Herrn Bürgermeistern hiesiger Stadt Conferenz ge- 
halten wegen schleunigster Anschickung oftorwfihnten Fahrzeuges; 
da dann die Herren Bürgermeister eich willig Hessen finden, um die 
70,000 fl. oder 28,000 Rth., so bei diesem Estat in specie zu Auf- 
bringung begehrter Frachtschiffe an DSnemark zugestanden, baar zu 
Torschiessen , hiemit die Schiffe aufs schleunigste gemiethet und 
nacher Jutland roOchten angeschicket werden. — Und werde ich von 
dieser Stunde an im Werke begriffen sein, um Schiffe, soviel immer 
möglich und obbcrülirte Summe nur vorreicben kann, anzunehmen. 
Indessen gehen Herr Itoscwing, dänischer und Herr Copes, E. Ch. D. 



Dn KorfurBt gegeo du Concert. Die TraoBportflottille. Hiireror nn Doltand. ^Cfl 

Resident morgen wieder nach dem Haag, um alda bei der Generali- 
iil Ordre auszubringen an die Admiralität, das» meine FracIitsciiifTe 
mit behöriger Convoy versorget, auch zugleich der Herr Admiral Op- 
ilam befehliget werde, mit einer guten Anzahl Kriegsschiffe sich auf 
gewiese Zeit für Aalburg einzufinden, um E. Ch. D. Exploit zu se- 
mndiren. — 



Der Knrfiirst an Weiraan niid Copes. Dat. Wiborg 
16. MHrz 1G59. 

IDriDgcD auf baldige Abseodung der Flotle; desgleichen auf reelle Hilfe in 
PrenssPii gegen einen ecbwedlscben Angriff. Scbwcden soll den Engländern 
PilUn aDgebot«Q baben Bitte am tausend Uusketiore oder entsprochendeB (aeld.) 

Uns Bcind Eure . . . Relations alhier wo) zu gekommen, und rcr- 2G.Mär 
lioffeu, die Herren Staaten werden sich an der eaglisehcn Ausrüstung 
Dicht keiiren, sondern um so viel mehr mit Abscliickung ihrer Flotte 
eileD; denn wenn dieaelbe über Verhoffen länger ausbleiben sollte, 
ist zu befürchten, dass die Lebensmittel in dieiiem Orie bald erman- 
geln und Wir wol über 14 Tage alhie nicht stehen werden können. 

Der Kurfürst habe bisher wenig Gelegenheit gehabt, nuf die BuDdeshilfc 
Ansprach zu machen, welche die Allinnre von 1655 stipulirt — 
oaclidem es aber nunmehr das Ansehen gewinnen will, als wenn 
sedes belli in Unser Herzogthum Preussen transferiret werden wollte, 
^talt denn die Schweden in 6000 Mann stark daselbst tlberaus 
pn^sen Schaden anjetzo verüben und zu besorgen stehet , dass 
Uuglas sich mit ihnen conjungiren und alsdann wol etwas haupt- 
xäeltliches tentiren werde, Wir auch über das Nachricht erhalten, dass 
man von Bchwcdiscbcr Seiten denen Engländern die Pillau offerircn 
Boll: so wollet Ihr dieses Werk wieder ein wenig auf die Bahn brin- 
gen und die GcmUther mit allem Glimpf dahin disponireu, damit 
solch Unser Erinnern und Begehren im besten aufgenommen und 
l'na anitzo mit dem dänischen Succurs nur ein tausend Mousquetirer 
zugleich mitgeschickt werden möchten. 

Zeigt sich Bedenken, diese Tnippc im Feld agircn zu la^i^cn, so soll 
ff. die Zusicherung geben, dass sie nur als Garnison verwandt werden 
Foll; will man auch das nicht, m soll man dalür wenigsienfi einige.^ Geld 
n-hicken. Sollte aber diese ganze b'ordernng dem Hauptwerk .'^rhaden und 
die Abt^endung der Fb>ttc bee in trächtigen, so tintlcn ^ic sie eiu.xtweilpn l>ei 



^nlt lassen. 



^aovGoOt^lc 



J92 '' nrnndonburg und dio NiedurlaDde. 

Mattli. Dogen an den Knrfilrsten. Dat. Amsterdam 
29. März 1G59. 

[Dia Miclhuiig der TransportacliiBe ist im Gnog. Diu Iliirstruppea Tiir 

Kopeuliagea.] 

7,. Auf Rnth erfahrener Schiffer hat er den Plan aufgc;;el»en, lauter klein.' 

Fidirzcngc zu iiiiclbeu und sicli vielnx-lir cnlschlos^eu „Flenteti" 7.\\ iirh- 

nien, »1. h. öcbiffe von lfiO-180 Last, worin bequem 80— ft» Rosse nnJ 

Reiter irnnsportirt werden können. 

Besrhreilit die Methode, wie die AnaschilTnng der Reiter und Pfenle 
dabei Statt zu Gnden bat. 

Gestern und vorgestern haben wir 1 1 Fleuten all g^emicthel, 
derer jede 90 I'ferdc führen kann. Wir bedingen, das« sie 14 'IVe 
zu Aalburg, da iiilnilicb das Rendezvous sein »oll, nach den einzu- 
nebnienden VMkern sollen warten inÜNseu ohn einigen Entgelt. — 

Hoffen also solcher Schiffe ein üU beizubringen, welche deuu 
mehr als ein &000 Kelter werden filhreu können. — 

Die 4001) FuBsvillkei-, so nach Coi)enhagen sollen, liegen albereits 
hier flir dieser Stadt, ~ So viel ich kann merken, wird man mit der 
grossen Flotte auch nicht feiern. 



Matth. Dügen an den Kurftirsten. Dat. Haag 1. April 1659. 

[Die TraDsportflotte.) 
I.April. Zu Ende dieser Woche hoffe ich alles Falirzcug, soweit Ä* 
28,000 Rtbir. reichen können, heisammen zu haben; will Tag weder 
Nacht nicht feiern, bis sie ausm Vlic in See sein werden. 

Weiterhin kommt ein neuer rneidenzriill, indem der däuiaehe UeEatidte 
Rosewing erlilärt, mehr (ils 50 Srh'ffe seien niebt nötig, nnd fest driraut 
beharrt nicht mehr Geld nnzuweisiii. Dögou muss üich darein fügen, el>- 
gleieb er meint, dasa in 50 solchen Schiffen nielit mehr als 3000 Tfirde 
zu transportiren sind. (Relat. 4, April 1659) 



Weiman an den KurfUraten. Dat. Haag 1. April 1609. 

[ConcertverhandluDgeQ. Die Transport Hottillo. Die liolländiacho Fliitle.j 
I. Die Geneialbtnaten lassen durch Commissaie mit dem französiFchPD 
und dem engliiclieti «esaudlen über ihre Vorsrbläge verhandeln; die briilfii 
fremden Oei^andten conmioniciren darüber auch mit Weiman und den d»ni- 
sehen tjesandtcn, nnd namentlich der euglifliho ver<«ichcrt eifrigst, daKi< >>i< 
ftar nicht die Absicht hätten, Schweden sehr zu titärkcn und Dänemark u 
verkleinern. Ihre iui-tincliou fcheint sehr allgemein gehallen zn sein. — 



Dia Traoeportflottille. Die grosse FlottenrüstoDg. Olücketndter Zoll. j^Qß 

„Woltle Gott, daag iomittelst die Subiffe aus Däaemark kommen und E.Ch.D. 
damit über und in die Eilanden gehen und also uuter so vielen verworre- 
Deu Hediationeu den Frieden mit den Waffen inuL-lieh könnten!" 

Noch imincr neue Zeichen, dass min es njil der Ausiiistung der Flotte 
sebr ernstlicb meint; es ist Eibwer, Si'hiOsvolk duzu zu bekommen; nach 
vprsehiedenen anihrn VerMichen hat die Admiralität liesehbiKsen, die 
Grönlands fahrten für dieses Jahr vollkomnicn zu untersagen; dann nerde 
man Lcule genug bekommen. 



Weiman an den KnifUraten. Dat. Haag 7. April 1659. 

jOie Plollo. Der Verlraft »her den Glückstüdter Zoll. Uulerreilang mit de Witt. 
WeimoD bSIt die Conccrt verband langen fiir angefäbrlich,] 

Die AuErüstnng der hollündihehen Flotte geht vorwiirts. Die bew. 7 April. 
Traiis[ioTtfabrzeuge sollen morgen oder übermorgen auslaufen. 

Die dänisehe Vcrbandlmig über den Gilückslüdlor Zull scbeint dem 
SehluJK naiic zu sein; das liringt den Dünen denn die Sammc von 
1,11)0000 Rthir , indcsR legt fielt, doch vielliicbt noch d> Generalität hindernd 
diuviychen '}. Die briindenburgiüeben Gesandten wiinfcben den Ab- 
pcbluss nicht 

la BetreEf der bedenklichen Verhandlungen mit England und Frank- 
reich bat Weiman eine Unterredung mit de Witt — 
und war endliclien der HchluBs: der Staat kOmite diese Handlung 
nicht Tervreigem, verliesae sieh aber aiicli nicht darauTj die Flotte 
und andere Mittel sollen darum gar gewisse iiiclit stille stehen, und 
möchten B. Ch. D. darauf fusscn und andere versichern: sollte die 
en{;liscbc Flotte können zurückgehalten werden, so konnte die ihrige 
mit Vortheil hie bleiben, welln solchen Falls der Herr v. Opdam 
doch MeUter in der See und bestand (A. h. bastant) wäre, E. Ch. D. 
zu alles zu verhelfen; sollte aber die englische heraus kommen, so 
würde die ihrige gar gewisse nicht nachbleiben, sondern den Alliir- 
ten zu Httlfe gehen, wie und was aucb draus erfolgen möchte. 

Alles wol betrachtet — . 

80 Laltea wirs dafür, dass alle diese Confercnzen und FUrschläge all- 
gemälig verschwinden und endlich gar werden zu Wasser werden; 
denn gar gewisse wird der Staat nicht trauen, wo sie für ihre Allürte 
und sich nicht ziemliche conditiooes bedingen können, und da Frank- 
reich und England sich nit förmlich verbinden wollten, den König 
von Schweden nolentem volentem zu Annehmung derselben zu dispo- 



; „Articulen, aoupendu de oppignvrnniie vande rcBtinge Geluk- 
rcte Resol. II. 20 IT. 



1. Or, Kur 



„A^iOOt^lc 



194 ^- Brandenburg nnd die Niederlande. 

niren, so ist alles vergeblich, sintemal sie uns offenttieh genug sagen, 
wo es daran ermangeln sollte, dass sie solchen Falls das ^anze Werk 
fllr eine Fourberei und Betrug halten mtlssten. Wer kann aber glau- 
ben, dase Fraukreich und der Protector dem Könige tod Schweden 
deromaassen zusetzen, ihm unannehnilichc Gesetze präscribiren und, 
da er damit nicht wollte zufrieden sein, dass sie solchen Falls stipu- 
lata fide versprechen wollten, ihn entweder selbst mit Gewalt eu 
zwingen oder seinen Feinden hUlf- und ratlilos zu Übergeben!... 
Und sehen wir also unsers unterth. Ortes keines Weges, dass rebus 
ita stantibus aus diesen Conferenzen etwas beständiges werden. 



Matth. Dogen a. d. KurfUrsten. Dat. Amsterdam 12. April 1659. 

[Die TraDSporlflotlitle soll in See (!ehen; Stärke und Aoarüstiing dergelbeD. 
Gute ZusicheraogeD tod holländiacber Seite. Gerücht über eine eoglische 
Flotte «n der KöMe. — Oontralrer Wind,] 
12 Apri). Die Mebraahl der bew. Fahrzeuge ist bereits im Tlie, die letzten gehea 
bcnte dabin ab, bei bleibendem guten Wind wird die ganze Flotte nXchsten 
Dienstag io See gehen. 

Die Flotte besteht in 54 Schiffe, Fluyte genannt; die DSuen ge- 
hen in ihrer Liefa auf, dass man räumlich damit 4300 Pferde werde 
fiberfnhren können, olme Reiter und Fiissvolk. 

Näheres über die AuRrüstnng mit Wasscrtassern, Plaukeu, Auslademn- 
Ecbinen für die Pferde, Futler efe. Ein „wol versuchter alter Soldat", 
Ednard Barbier wird im Namen des Kurtürsten bei der Flotte sein und 
die Aufsicht führen. 

Diese Stunde besuchte mich einer der fttmehmsten Regenten, bo 
von Versammlung der Herren Staaten aus dein Haag gekommen; ver- 
sichert höchlich, dass man, ea koste was es wolle, unveränderlich bei 
der Partei halten wolle; dass die 4000 Mann unverzßglich mit der 
Kriegsflotte nach dem Sund fort sollen, sobald nur die Zeeländer mit 
ihrer Esquadron Schiffe fertig wären; welches innerhalb 8 Tagen für 
Texel erwartet würde ; die französischen und englischen Friedenscon 
ferenzen im Haage wären nur lauter Spiegelfechten ohne Grund, 
ohne Nachdruck, 

P. S. So ich diesen wollte scbliessen, kommt Mons. Vorburgb, 
hiesigen Estats Ambassade- gewesener Secretarius zu Münster, berich- 
tet, dasB ein Fischer aus dem Vlie Zeitung bringe, 42 englische 
Schiffe in der See gesehen und gesprochen zu haben; ich gebe davon 
stracks Advis an die Herrn Bürgermeister und die AdmiriUität . ■ . 
um darnach unsere mesures zu nehmen. 

i:q,t7r.d .*^nOO<^lC 



Die TranepOTtBottille. Stocken der Tractaten. \QPf 

In einem weitero Bericht Dögco's, dat. Amsterdam 15. April lti&9 ir>.April. 
stellt sich dies doch nh eia leeres Gerücht bcrnus; aber wegen contraren 
Windes hat die FlnTtenflotte noch nicht au^Iaaren künncn. 



Weiman an den KnrfUreten. Dat Haag 14. April 1659. 

(Die CoDcertverhandluDg stockt. Von der engliBclieo Flotte oicbta übles ed 
rSrchteD- BedenkcD wegen der TranEporlflottille. Neue lostmctioo für den Ad- 
miral Opdam. FriedeDsverhandlaDgen nwischcn Spanien und Frankreich; die 
SielluDg Oeeterreichs zn denaclbeo. Die Verpf»nduug des GlückstÜdler Zolls.] 

Die Confcrcnzcn mit de Thon und Dowiiiiig kommen nicht weiter, 14. April, 
da beide neue Ordres von ihren Regierungen erwikrteii. 

Wenn nun viele hieraus anfaug^cn zu sehen und handg^eiSich zu 
BpOren, dass aus allem diesen Handeln wenig zu hoffen, sonderlich 
da von allen Orten die Zeitung kommt, dnss die englische Flotte in 
44 kleinen und grossen Schiffen bestehend bereits für drei Tagen zu 
Doggersand gesehen worden und der englische Ilesident solches nicht 
weiter widerspricht '), als dass er hoffet, der Protector werde sie 
reyociren oder doch so gcinstruiret haben, dass man sich von der- 
selben nichts feindliches zu versehen hätte; so fangen die fUmchme 
Regenten an, ziemlichen zurückzusehen und zu glauben, was man von 
Anfang billig glauben sollen, nämlich dass alle diese Händel nur 
artificia und Mittel gewesen, dieses Staates Eciuipagrc auf- und zurück- 
zuhalten; allermaassen denn von deswegen auch morgenden Tages • 
in der Generalität darnach die mesures genommen und zu wirklicher 
schleuniger Abschickung der Flotte kräftige resolutioncs an die Ad- 
miralitäten und die Conunissarien der Generalität genommen werden 
dtlrften. — 

Inmiltelst seind die zu Amsterdam gcheurete W Fluyten am ver- 
wichenen Sonnabend nach dem Vlic gegangen. Wir fUrchten aber 
nicht unbillig, dass sie in fremde Hunde geratheu und ausserdem es 
E. Ch. 'D. eine bedenkliche Sache Bein wilrd, dero so kostbare Rei- 
terei darauf zu wagen, als lange'Sie nicht sehen, dass Dänemark und 
Holland in der See Meister seind mit ihren Flotten. 

Beiliegend eine ueae Instruction der Goncralst;iaten Iiir den Admiral 
Opdatn, worin demselben die Ankunft der neuen Flotte onter Viceadrairal 

') Beiliegend die niederlündieclie VvhQtBtiizaag eines .englischcD Placats: 
„Declaratie aeo hef Voick van Kngbelaudt", über die gegenwärtige 
Sebiffsexpeditlon nach der Ostsee; es wird die pulitisclie Notwendigkeit darge- 
legt, eine Flotte In deo Sand eu Hcliichen oaA die dazu bestimmten SchiBe 
einsein namhaft gemacht; es sind ihrer 40 mit 8i>8^ Mann tmd It^l^ Ge- 
(cbiilien. (o. D.) 

13* 



196 ^- B'a'i^Piiburs ond liie Niederlande. 

de Rnyter angemeldet wird, doch noch ohne bestimmten Termin; sollte 
mittlerweile die eitglische Flotte in die Ostsee kommen, so soll er derselben 
mit aller Höflichkeit begegnen; sollleii gegen Erwarten die Engländer Feind- 
seligkeiteD gegen ihn verüben, so soll er Gewjilt gegen Gewalt brauilieii, 
(Dat. II- April 1659.) 

Und wollen verliofTen, <Iie Coiinexitiit der Sachen, und dass man 
sieh hie und dort peu ü peu engagiret und einlasset, wie denn auch 
ein und andere Zufälle, welche bei einer solchen Regierung, da es 
recht geuiesnagirct wird, viel wirken, werden mit der Hülfe Gottes 
endlichen alle Furcht zurllcktreibeu und die Sache auf einen guteu 
Fusa und wieder zurechte bringen. 

Von Brlissel vom 12. schreibt man, dass am Frieden zwisclien 
Frankreich und Spanien schier nicht melir zu zweifeln sei, und gibt 
dieses alles alhic nicht wenig BtolTe, die Gemtttber anzufrischen. 
Zwar will M, de Thou vom Frieden nichts wissen; andere aber glau- 
bens desto mehr, in sonderlichem Betracht, dass die Königin in Frank- 
reich durch die Tnfante ihre Conservation ins kDnt^ig suchet, und 
Oesterreich dadurch so gar viel nicht verlieret, weil so viel Prinzen 
und 80 wenig Hoffnung in Spanien ist zur Succession; der Kaiser 
wUrd dadurch befreiet von so nachdenklicher üuptur mit Frankreich, 
und die Königin, dass sie hinfUro uicbt dürfe eine geringere schien 
auf dem Stuhle, den sie nicht gar lange kann mehr cinbehalten. Der 
Herr Fricquet kommt nunmehr auch schier auf solche Gedanken 
und glaubt, dass solchen Falls I. kais. Maj. auf das Churfflrstliche 
Fräulein von Sachsen gedenken würde; gewiss sollen viele am kais. 
Hofe sein, welche fastidio Hispanorum niclit ungerne sähen, dass sich 
die kais. Maj. wieder mit den deutseben Häusern alliirte. 

Der daniüche Gesandte Rosewing ist nach England abgegangea. 
£r bat die Glüclistüilter Verpfikiidung für 1,100,000 fl. zum ScMd^n aof 
RatiGcalion gebracht. Weiman hat ihm die nötigen Mateiiaiicn an die 
Hand gegeben, am in England zeigen zu können, „dass die Scbn-cden mit 
der Religion spielen nnd gegen das Haus Oesterreich so hoch schieieit, 
d.-imit sie durch solchen Vorwaiid nur Mittel erhalten mögen, ihre fliau- 
bensgenossen über Hauren zu Herfen und an der Ostsee sich Meistei' zn 
macheu." 



Weiman an den KarfUraten. Dat. Haag 18. April 1659. 

[Die englische Flotte in See gegaugen; Eiadrack der Tliataache. Wicderte- 

ginnen der GoDcerlverhaudluugeD. Unterredung mit dem Bürgermeietet lot 

Amsterdam.) 

m. April. Der Auslauf der englischen Ebitte hat hier viel rerpiexität angerichtet; 

Holland hat eilig Deputirtc zui'auiiuengcsclii. kt, um zu bcratben ; man hat 



FnoEÖBiBch'epaDischeFried«UBau3Btcht Die ouglieche Flotte aaegelHnTeD. ^97 

iodcEE doch bescbloaseu, in Be^ug auf die Flotte keiueo UDdern Bescliluss 
m fassen, Eoadcrn alles ?.um Auslaufe bereit zu niachen. 

MSnniglieh fiog auch an, von denen bieliero gebalteuen Couferen- 
KD Qbel zu reden und viele der Fürnelinisten zu sagen, man hätte 
sie dieserseits rechte gewarnt, es wäre bei den andern nur lauter Be- 
trag und möchte sich der Estat nicht länger äifen lassen, sondern in 
eioer gerechten Sache recht zugehen und die verdrückten retten 
iielfen mit der Macht, die ihnen Gott gegeben. 

Nunmehr aber werden wir vertraulich berichtet, dasa die beide 
franz- und englische Ministri . . ., mit den Dcputatis der GeneralitAt 
aufs neue in Conferenz gekommen und zu erkennen gegeben, sie wä- 
ren von ihren beiderseits hohen Principalen nunmehr mit gnugsamer 
Instruction und Vollmacht, das angefangene Werk abzuhandeln, ver- 
sehen; wären dahero endlicli auch wol zufrieden, ein und andere 
nShere Fürschläge 7,u fhun, wenn Deputat! der Generalität mit gleicher 
Macht zu handeln und zu schlicssen würden gequalificiret sein. Und 
wäre darauf nach vielem Deliberiren gcresolviret worden, man sollte 
oftgcmelten Deputatis die begehrte Vollmacht, wiewol derogestalt 
gehen, dase sie zwar in Handlung treten, eoncertiren, schliessen, un- 
teraclireiben , aber der Generalität und dem Staate die Ratification 
ToUkommlich fUrbehaltcn sollten. — 

Wie uns nun dieses allen ziemlich nachdenklich Airkani, so ha- 
ben wir zwar kein Mittel ersehen, alsfortens dagegens etwas fürzu- 
nehmen in publice, haben aber Gelegenheit erlanget, mit dem von 
Hörn, deputirtem Bürgermeister von Amsterdam, insbesondere zu 
reden. . . . Und gab er uns, wiewol, wie es schien, mit ziemlicher 
retenue zur Antwort, jedoch auch mit vielfältigem Hinzuthun, wir 
mochten E. Ch. D. dessen versichern, die Flotte sollte unuachbleib- 
lich auslaufen und sich an nichts kehren; die Conferenzen hätte man 
nicht ausschlagen können; denn man mUsste hören; man würd eich 
aber nicht präcipitiren, noch die AUiirle vorbeigehen, und hätten son- 
derlich E. Ch. D. sich dessen zu allen Zeiten beständig zu versehen. 

Weiman an den Kurftlisteii. Dat. Haag 21. April 1659. 

jFutlgaug der Coaci'rlvcrhuudlung. Verciuburtu licJiiiynu^tvii. ßuiuouslratiuiiBD 
Weiniaii'» gugeii tltn ,,nbsclnäu!iL'hori Griff"; er ühiirriidi-t de» friealäiidisclien 
D^pnlirteu, nicht tu ujiterBchroiheii Weimnn's Vortrnfr vitr dim Generalstaalan. 
BertthuafC mit den kaiacrlichen, polniscUen und düiiisclicn Uesundten; eis eini- 
fto lieb zu eoergiBclien Vorglolluugeu. OlittHaiuB uiid de liyu. Verliällaisa vud 
de Tbou aud Duwuiug zur SueLe.] 
Erwähnte Conferenz ist darauf selbigen Abends noch bis in die 21- April. 

i:q,t7r.d .t^iOOt^lC 



]^98 '- Braadeubarg und die Niederlande. 

Späte Nacht hinein gefolget und des äonnabendB hernach durch dea 
Herrn v. Gent und den Bath PeDBionarium von Holland mit schier 
unerhörtem Eifer continuiret worden, solehergcfitalt dass wir, wie 
hoch man't) auch zu eccrctireu gesucbet, in Erfahrung bracht, was- 
maassen man in der Sache zwischen beiden nach vielen hinc inde 
pro et contra getlianen Debatten, wobei man an Seiten dieses Staats 
zwar eine gute Weile beständig an den a)ten guten consiliis gebalten, 
endlichen aber, nachdeni Frankreich und Engeland es kurzum nicht 
anders gewollt, über nachfolgende Puncten einig geworden:') 

1) Mit ,altcD mögliuheQ Mitteln" HerstelluD^ des Friedens zwischen 
Dänemark und Schweden, und zwar auf Qrnnd des Rothschilder Tractals; 

2) nnr mit Ansnabme des dritten Artikels, betr. die künftige Aus- 
schliessung fremder KnegsschiiTe aus der Ostsee; vielmehr wollen die drei 
Nationen (Frankreich, England, Niederlande) mit Macht darauf halten, dass 
ihnen allen die Ostsee für jede Art tüii Schiffen völlig offen bleibt. 

3) Schweden darf fortan auf Schonen keinerlei Zoll mehr erheben; der 
dänische Sundzoll soll auf ein festes naverändcrliches Quantnni festgesetzt 
werden, nud zwar narh Maassgnbc „als derselbe jem;iln am geringsten ge- 
wesen." 

4) Der König von Schweden soll angegaugeii werden, Dänemark 
einige Theile vod Schonen zu restituireu oder zu belassen; weigert sich 
Schweden dessen, so muss man es dabei belassen, aber dann jedenfalls 
auf bucbstäbliuhe Einhaltung des Traclats driugcu; Däuctäark muss danu 
befreit bleiben von Einräumung der Insel Ween (d. i. Uven), Zahlung der 
ansbedungeuen Geldsummen etc. 

5) Es sollen sofoit staatifcbc Gesandte nach Kopenhagen geschickt 
werden und dieselben dort gemeinsam mit dem englischen Meadow die 
Tractateu cntamlren. 

6) Die holländische Flotte unter Opdam bleibt in der Ostsee; sie so- 
wot als die englische sollen 6 Wochen lang stille liegen, die Engländer in 
Crouenburg, die Niederländer „hinter den Lappen" — „dero.üjestalt und 
zu dem Ende, dass dadurch beide Parten mögen gezäumet nud zur Raison 
gebracht werden, iu der Güte zwar, wo es innerhalb besagten 6 Wochen 
sein kann, ä force dus armes aber, welcher sich zu obbemelten Articulo 
nicht Tcrstchen wollte. 

^) Schweden soll zur Uatitieation des Elbingcr Tractats, „una cum 
punctis van Elucidatie" vermocht werden, wodurch mau Kurbrandciiburg 
und die Stadt Danzig aus dem Kriege bringt. 

8) Kurbrandenburg soll innerhalb jener 6 Wochen erklären, ob es mit 
cingeschlosseu sein, demnächst die Waffen niederlegen und sich auf d!e 
Garantie der drei Mächte vorlassen will. 



') Erster Eotnurr des nachmaligen „Haagcr Coacerts" vom 21. Mai 1659, 
1 dem er in mehreren PuDklen verschieden ist. 



^düvGoot^lc 



D«r erste Coacerteotwarf. 299 

9) Es soll, „aber ohne reciproqoe VerbinduDg", nsib Tbora gesandt 
werden, um die polDJacben Tractaten gleichfalls zu Endo bringen zu belfen, 
mit bcEondercr RückBicht .luf die Interessen Brandenburgs. 

Wenn wir unsere unterth. Theües nun Über diese Haadlung: nicht 
weni^ beettlrtzet worden und an einer Seite betrachteten die hohe 
Sincerationee, welche man uns stetshin und mit so hohem Eifer und 
Ernste darüber gethan, an der andern Seite den übermässigen Schrecken 
fftr Krieg und Bruch mit Engeland, danebst wie die nebstgehende 
Instruction darauf schlaget, und dass man gar ernstlich befohlen, 
dass ftlr den 20. Maji (welcher Tag denn ziemlich auf die Zeit der 
6 oder 8 Wochen eintriSl) keine als solche Schiffe, so etwa Victua- 
lien nach dänischen Oertern bringen, sollen auslaufen: so haben wir 
uns zuvorderst einen oder andern aus der Generalität, hernach aber, 
weiln der ßath Pensionarius nicht anzutreffen, zu dem Uerm von 
Gent, als dem Haupte solcher Commission und llantllung, erhoben 
nnd demselben . . . nach der Länge fUrgestellt ... es wäre wider 
aller Welt Brauch, gegen die Ehre und Dignität so vieler Geallürten 
und ein abscheulicher Griff, diejenigen durch Kunst und List zu sepa- 
riren, welche die Hand Gottes so wunderbarlich bishero bei einander 
gehalten hätte, dass alle unsere und des Staats Feinde dagegen nichts 
vermocht hätten. Die Allianzen brächten ausdrücklich mit, der einer 
sollte ohne den andern nicht tractiren oder handeln ... so sollte man 
uns, der Geallürten Ministros, in ihren Erinnerungen zum wenigsten 
hQren; wir repräeentirten ja £. Ch. D., nach Ausweisung Unserer 
Credentialien. — 

Mach ein und andern Discursen blieb nun solches dabei, und 
weil dennoch die Deputati auf ihrem Sinne beharreten und Holland 
(oder vielmehr einige wenig) hart darauf drungen, man möchte unan- 
gesehen unsers Suchens mit Vollziehung des Werkes verfahren, so 
richteten wirs endlieh bei dem friesländischcn Deputate dahin, dass 
derselb sich difficuhirete, rebus ita stantibus zu unterschreiben. Und 
gingen darauf zu dem Präsidenten der Generalität und trieben das 
obige nnd was dem anhängig mit einem solchen Eifer, dass zuvorderst 
die gräuliche Furie der Deputation ein wenig gestillt und uns drauf 
um die Glock zwei nach Mittage durch den Agenten der Generalität 
angedeutet worden : weil es contra legcs Boipublieae wäre, auftnilnd- 
liches Anbringen des Präsidenten Etwas zu resolviren, so gäben sie 
am frei, um die Glock drei zur Audienz zu kommen und daselbst 
unsere Kothdurft mllndlich und schriftlich fUrzustcllcn. Welches wir 
denn auf Anrathen der Confidenteo auch gethan und um die Glock 



Aj.OOt^lc 



200 ^- Br^odenbai^ und die NiederlaDde. 

vier hinaufgegangen sein und daselbst in einer zumal starken Ver- 
sammlung theÜH directe, theils indirecte geproponiret und fUrgetragen 
haben alles, was wir vermeinet bequem und capnbel su sein, vielen 
die Augen zu eröffnen, zum wenigsten Zeit und Coinmunication zu 
gewinnen und für aller Welt, eonderlicli weiln solche Sachen sehr 
esciatiren, nii- den Alliirten zu zeigen, dass E, Ch. D. an diesem 
Dinge unschuldig etc. 

Der Antwort ist W. nun noch gewärtig, hofft aber hei der eutsrbiede- 
nen Ansicht Hollands nicht viel davon. 

Wir haben uns heut um den Mittag mit dem kaiserlichen, polni- 
schen und dänischen Miniatris zUEamniengethan und in höchster Con- 
Menz Überleget, was ... zu thun. Wobei wir uns denn endlichen 
verglichen, man solle zu allen Seiten auf die Communication dringen 
und diesem uäciist den Staat suchen quovis modo ad saniora coneilia 
zu bringen; und sollte man zu allen Seiten darunter schriftliche und 
mtindliche remonstrationes in der Generalität, zu Amsterdam, in Nord- 
bolland und andern Provinzen thun und mit öffentlichen Protesta- 
tionen zu erkennen geben, dass solche conditiones voll Schande, 
Treulosheit, Gefahr und unehrlicher Verlassung stecketen, fllrnehmlich 
aber dass dieser Estat ein anders nicht thäte, als dass sie ihre rechte 
Freunde und alle diejenige, da sie durchaus keine eontrarie Interesse 
mit hätten, den Feinden zum Raube dahin geben ... dagegen aber 
sich Überliefern würden an- die Diseretion einer solchen Nation, die 
sie hierait absolute Meister macheten, die nimmer mit Holland würde 
symbolisiren können etc. 

Und hat darauf der Herr Cbarisius, dänischer Resident, diesen 
Nachmittag schon angefangen, mllndlich und schriftlich dergleichen 
- bei dem Eathe Fcnsionario als bei der Generalität rcspectivo zu thun, 
mit dem ausdrücklichen Hinzuthun, dass solche conditiones ruinlich 
wären fUr seinen König und dass er dahero glaubete, I. Maj. wDrde 
sich eher zerhacken und zerhauen lassen, als Sie sich zur Annehmung 
derselben sollten lassen obligiren. 

Der Herr de Eye wird desgleichen thuu. 

Dieses ist bei diesem Werke fDr allem anzumerken, dass Mr. 
de ThoH dabei sehr langsam gewesen, vielleicht weiln er auf den 
Frieden mit Spanien und dahero auf Veränderung in ihren Interessen 
gereflectiret. Dagegen aber ist man an englischer Seite dermaaseen 
faeil und willig gewesen, dass sich die Deputirte seihet nicht drin 
schicken können. 



^düvGoot^lc 



Der erste ConcerteDtwnrf. 201 

Weiman an den Kurfilrsten. Dat Haag 25 April 1659. 

(Fortgang der Coacertrerhandlung; iDclutiuD des Kurfüraleti. Gegenhemühungcu: 
die Geaandten der verbündeien Mächl* FreuDdlichkeit des englischea GcsaDdteo.) 

Die GcsaDdCeo babeo f<i «gefahren, eifrig gegeo das Conoert zu remon- 25. April. 
Btriren — 

and haben endlichen so viel unter der Hand auBg:erichlet, daas annoch 
hinein^efnget worden, maa solle E. Gh. D. zu den Gopenhagischen 
Tractaten invitiren und deroeelben Interesse, soweit man dieselben 
fDrslellen wUrd, aufs kräftigste sccoudiren. Item, die Kraft E. Ch. D. 
Inclueion solle nicht auf das Datum des Elbingschen Tractats und 
wie E. Gh. D. dero Zeit bestanden, sondern anf den Tag der Erklärung, 
dasa £. Cb. D. mit der Inclusion wollten zufrieden sein, reflectiren und 
schlagen-, dabero die Meinung sein, wo E. Gh. D. nunmehr wollten 
iodadiret und damit zufrieden sein, dass man 8ic auch bei der äou- 
Terainität in Preussen guarantiren solle. 

Zwar haben wir ein ntehreres gesuchet und alles, was erdacht 
werden kann, gethan, um das Werk gar umzustossen oder doch con- 
diliones in einem oder dem andern zu verbessern — unendliche Ar- 
gumente haben wir Aabei gefUhret und den Staat für Unglbck ge- 
warnet. Wir haben aber doch damit ein melires nicht als was oben 
ernähnet ausrichten können, und dass wir gesehen, dass die Gemllther 
in treETliche Unsicherheit gesetzet worden; also dass die holländische 
Dircctores Werkes genug gefunden, ihr Fltrnehmen zu behaupten und 
Opposition in der Generalittlt zu verhüten. — 

Inmittelet ist der Traetat annoeh nicht unterschrieben , weil es 
bald dieses bald jenes behindert, und saget man uns, dass es morgen * 

dennoch unfehlbarlich geschehen solle. 

toter den Befreundeten im Haag versehiedcnc Ansiuhtcn über die An- 
grlegeoheit — 

die meisten stimmen hierin Übereinander, Oestreich, Polen und E.Cb.D. 
mQssen feste bei einander halten, und wtlrd ihnen solchen Falls nichts 
Kbaden können , und worden E. Gh. D. durcli diesen Tractat so viel 
gewinnen, dass Sie Polen bei beständigen consiliis wUrden halten 
können. — Und können wir E. Gh. D. wohl versichern, dass der 
Kaiserliche Gesandte nlhier mit unserm Verfahren Über die Maasse 
wo! zufrieden ist, allermaassen dann derselb gestern zu uns gekommen 
and uns mit weinenden Augen schier gedanket für unsern Eifer und 
beständige gute Officia für die gemeine Sache. — Die Polnischen und 
Dänischen bedanken sich auch gar hüchlich etc. 

Dieses mflssen wir in Unterth. noch hinzusetzen, dass uns der 



Aj.oo»^Ic 



202 1' BrkDdeDbarg ond die NiederlaDde. 

englische Resident bei wfihrenden diesen HAndeln viel guten Willens 
bezeiget und sieb für E. Gh. D. Interesse Über die Maasse aequitabel 
emieeeo, weswegen wir denn anch mit ihme gar gute FreundschaTt 
erhalten. — 



Der KurfUrBt an Weimaa und Copes. Dat Hauptquartier 
Wiborg 20. April 1659. 

(Eatscbiedeaür Protost gegen das Concert; soll bei den Generalstaatea angebracht 
werden.) 
O.April. Wir haben aus Eurer unterth. Relation vom 21. dieses nicht ohne 
sonderbare Bewegung amständlicb Temommen, wie man so gar un- 
vennuthend die in dem Hauptwerk genommene Resolution zu ändern 
und auf allen Fall, dafeme auch der König in Dänemark innerfadb 
6 Wochen sich dem gemachten und beliebten Aufsatz nicht bequemen 
wollte, ihn darzu mit Gewalt zu bringen Vorhabens sei. 

Wann Wir nun bedenken, wie so bald anfangs die Herren Staaten 
nicht allein den König in Dänemark, sondern aneb Uns . . . ihrer Be- 
ständigkeit znm höckfiten versichern und Uns zu gleicbmassiger auf- 
riehtiger Festhaltung anmahnen lassen; darbenebenst dass der gote 
König in Dänemark, welcher sich vermöge Bundes etc. auf die Htllfe 
verlassen, alle Galamitäten ausgestanden und seinen Feind ziemlich 
schwach und mllrbe gemacht, nnnmehro . . . erfahren soll, dass ihm, 
anstatt verhoffter Rettung nicht der Feind, sondern seine Bundsver- 
wandten und die ihn guten Theils zu der genommenen Resolution 
animiret, erst hart fallen und zu der Unbilligkeit, welche sie vor diesem 
selbst verdammt, . . durch Gewalt zwingen . . . wollen; überdem dass 
man, Uns ohngewarnet, mit Andern Ober Uns und Unsere vermeinte 
Sicherheit in Handlung einzulassen, Über Unsern Staat und Armte 
gleichsam zu disponiren und Uns absolute leges und Gesetze voreu- 
schreiben sich unternommen...; endlich auch der Kais. Maj. mit 
keinem Wort gedacht, sondern dieselbe gar vergessen worden: so 
mögen und können Wir gar nicht begreifen, durch was für Ursachen 
der Staat auf eine dergleichen nachdenkliche und der Republik selbslen 
höchst präjudicirliche Meinung gerathen. 

Die englische Flotte kann es nicht sein; denn das ist kein un- 
vermuthend neues Emergens, sondern ein wolbekanntes Werk gewesen. 
— So wElrde es auch ein gross Disavantagio vor die Republik sein, 
dass England auch nur durch Aussendung 30 ad 40 Sebiffe cap^el, 
dieselbe dergestalt in Schrecken und in Furcht zu bringen, dass sie 



Protest des Eturfüratfln. BinleDkea von FraDhreicb nod EngUnd. 203 

deshalb ohne Vorwi&sen, auch UDgen-arnet Ihrer Bundesverwandten, 
mit andern sich in Handelung einlassen und ihn ... abandonniren. 

Die Gesandten sollen den General Staaten die Sache von dieser Seite 
ciDgehend vorstellen. 



Weiman an den Kurfllrsten. Dat Haag 28. April 1659. 

IBerorsteheDde Unteracbrifl de» Coocorls; kleine ModiQcaliooon. Sanguiniache 
AnffaMnngeD in Holland über den Werth des Coucerlea. Plötzliches Einlenken 
TOD de Thou undDowningi Bestürzung uod Verwirrnng in HolUadi neuer Eifer 
ßr Flotten rüata Dg. Polen. Dänemark. Downiog sucht Weiniaa zur Heise nach 
LoudoD zu bewegen.] 

Am 2b. Abenda sollte die Vereiabarung zwischen den Niederlanden, 38- April. 
Frankreich und England unterzeichnet werden; den Wortlaut des Acten- 
Stückes zn bekommen, ist noch aumöglich. Die BemübiingPD Weiman's 
haben höchstens dahin geführt, dass man einige Punkte günstiger für den 
Kurfarsten eingerichtet; indess ist damit der Sache nicht geholfen. 

Gar gewiss war man auch allerseits der Meinung, sobald die 
Unterscbreibung wtlrd flirgegangen sein, uns Communication des Trac- 
tats selbst widerfahren zu lassen. Der Rath Pensionarius von Holland, 
wie auch andere, betbeuem gleichfalls zum Höchsten, dass sie es mit 
E. Cb. D. redlich gemeint und dass sie keineswegs gezweifelt, man 
wQrd £. Gh. D. sowol bei Preussen, wie Sie ea jetzt besilzen, als 
auch bei anderen dero Ländern und Leuten gegen männiglicb zur 
Genüge kräftig haben schützen können. Weswegen denn die Direc- 
tores dieses Werkes unglaublich froblocketen und diese als ein Mittel 
ausschrien, welches ihnen Über Menschen Vermutben aus dem Himmel 
zugefallen; und wie sehr die alte Regenten darüber seufzeten, wie 
liocb und theuer wir die Hftupter für Ungltlck warneten, dannoch diese 
Leute beständig dabei verblieben, es wäre dem Estat in Ewigkeit so 
glQcklicher Stern nicht aufgegangen, als eben diese Zeit, dass sie im 
Suude Gesetze geben, sich aus dem Kriege wickeln und ihre Aliiirten 
salviren könnten. Das Herze riss uns fast im Leibe entzwei, wenn 
wir alles dieses bfiren und zusehen mussten. — 

Es währte aber nicht.lange damit; denn gleich in Momento, dass 
die Post von Hamburg ankam und die Zeitung brachte, dass die eng- 
lische Flotte im Sunde angelanget, entschuldigte sich bald Mens, 
de Thou, bald Mr. Downing, dass sie den entworfenen Tractat 
nicht unterschreiben könnten, ein jedweder schier auf einen besondem 
Prätext . . . und kriegt also dieses grosse, dieses so hoch ausgeblasene 
Werk damit den ersten Stoss. Worauf man dann vernahm, dass fol- 



..Goot^lc 



204 ^' BrantleDburg und die Niederlande. 

genden Tages (26. April) der Ratfa Pensionarins voller Melaocolei, 
voller ConfuBJOD und BeetUrtzung in ziemlich harte ContestationeB 
mit oftbemelten MiniBtria soll gerathen sein. 

Und kOnnea wir dieses wol bezeugen, dass wir unaers Theils 
nimmermehr eine aolcbe Conetemation in den GemUtbem der Regenten 
dieses Staats gesehen, als eben am verwichenen Sonnabend; der eine 
war scbamrotb und über sein eigen Thun verbittert; der andere be- 
kümmert und voller Sorgfalt fUr die Ehre und Sicherheit des Staates. 
Wir muBSten erst anfangs unaers Theils, als hätten wir zu dieser Ver- 
änderung geholfen, auch wol etwas leiden, welches sich aber von 
selbst damit gcbtiaset, daas sie nach der eraten Hitze sahen, dass 
wir sie nicht ohne Grund gewamet. Insgemein aber schrie man ober 
der Franzosen und Engländer Betrug; und gelangle es endlichen bei 
der Generalität dahin, dass man alsfortens an die Admiralität anfa 
ernstbafligste gerescribiret, sie möchten zur AuarUstung der Flotte alles 
was möglich iat thun und anwenden; die committirte Räthe aber schrie- 
ben alafortena, wie auch iterato gestern, an die Glieder von Holland, 
wo sie ihr Vaterland wollten für einem irreparabeln Schaden bebOten, 
Bo möchten sie ohne Zurltcksicht ihre Deputates gegen morgen hiehin 
schicken, mit vollkommener Macht, ohne Rücksprache zu ratheo und 
zu acliliessen, wie man bei einer so beachwerlichen Verändcning der 
Sachen nunmehr zu verfahren habe; in specie aber dasa man alle 
Commercien- und Kauffahrteiachiffe einhalten und damit also die Boots- 
leutc neccseitiren möge, sich aufs Lands Flotte bestellen zu lassen. 

Und macliet man also die Miene, dass man nunmehr noch wieder 
weise werden und die vorige Fehler corrigiren wolle; und hilft dazu 
niclit wenig, dass wir ihocD aus denen uns durch den Freiherm 
von Schwerin commuhicirten polniBchen und andern Briefen fllr- 
gezeiget, wie sehr Polen eich auf dieaes Staats Beständigkeit ver- 
lasaen; dahero die Tractaten zu Tbom lieber abbrechen, als sich ohne 
die Anwesenheit dieser Republicq zu einigen Friedenahandlnngen 
accommodiren wollen. 

Zu deme antwortete der König von Dänemark auf des E^tats 
Schreiben vom 29. März, dass I. M^. feste halten und zu keinen par- 
ticulieron Tractaten schreiten wollten, der gänzlichen Zuversicht, ob- 
gleich die Englische den 10. April im Sunde angekommen, dass der 
Estat dennoch seinem so theuern Versprechen genugtbun, die Flotte, 
Succurs und andere Nothdurften senden und sie also von allseitiger 
Gewalt wUrde kräftig retten und befreien. 



^aovGoOt^lc 



Noch einmal das Coocert veruiluU. 205 

Indess wird es nicht lange daoerD, so bringPD die fraozöbieohea ond 
enfilitchcn Mioistcr wieder etwa^ neues aaT, „wodurch »ie die Kraft der 
Volgeiiitenlionirten wol b;ild hemmen nnd vciBfliwächen können". — 

Der Herr Donning bezeuget sich höclilich, dam man in England 
sehr grosse Reflexion nelime auf E. Cli. D.; und wie er sich darunter 
zu alles berzlichen erbot, dennoch aber anzeigete, er kannte iu loco 
E. Ch. D. Advocalus nicht sein gegen so viele schwedisclie Ministros, 
die ihren Hof kräftig agitiren und einnehmen: so wolle er mir in 
Vertrauen ralhen und zwar aus vielen bewegenden erhebliclien Ur- 
sachen, ich mjtehte mich von Stunden an nach London erheben und 
dagelbst £. Ch. D. Interesse beobachten; er wolle mir alsfortcns ein 
SchiiT, Pass und- Recommandatiousschreiben mitgeben, dass ich als- 
fortens zu secreter Audienz sollte gelaugeu und ohne viele Grimaeen 
E. Ch. D. inaestimable Dienste tliun können. 

Wie mir nun solches ziendich unvermuthet fUrkam, dahero remon- 
Blrirete, dass solches so in Eile uit sein könnte ... er der Herr 
Downing dannoch dabei beständig verblieb, so nahm ichs zu be- 
deaken an, sprach mit 1. Höh., die denn in etwas bekümmert war, 
mit dem Uathe Pensionario in Holland, welcher sehr dazu rieth, und 
Bberlegele es endlich mit mir selbst — 

wobei, alles gegen einander gehalten, er es endlich fiir richtiger hält, nur 
ein-;tweileii von Dowiiing Bedenkzeit darüber zu verlangen und so die 
Sache zu vertagen. 



Joh. Copes an den KurfUrsten. Dat. Haag ^i^^la 1659. 

[Nener Eifer für die FloUe. PJrbittening auf England und Frankreich. Gewalt- 
tliilEn zur See. Sislirang des b i>l I an di sehen Handels. Verbaodlang mit der 
Conpagnie der Orönlandsfahrer. Oesandlscbarten nach Kopenhagen nnd Thorn.] 

Nunmehr ist man hie mit so grossem Eifer, die Kriegsflotte in 3. Mai 
See gehen zu lassen, im Werk begriffen, dase an allen den fünf 
Admiralitäten espresse Deputirtc aus Mittel der General Staaten ab- 
gesandt sein, dieselbe bei Tag und Nacht auszurüsten und unter Segel 
lu bringen. Und trilgt man keine Scheu zu sagen, dass man eine so 
grosse Elusion ron Frankreich und England nit erwartet hätte, und 
nicht unterlassen wollte, sich davon der Gebühr zu ressentiren. Wie 
man denn nun auch täglichen verspüret, dass England und Frankreich 
den Raubereien zu W^asser dergestalt die offenen Häfen darleihen, dass 
kaum ein Kaufschiff gesichert gehen mag, unterm Vorwand, dass es 
af Bchwcdiscbe oder portugiesische Gommission geschiehet: so ist man 
in Holland dahin kommen, dass man der Generalität hat binterbraebt, 



A-nOO»^lc 



20g t. BrnDdenbar^; QDd die Niederlande. 

dass besser sei, ein ganzes Jahr ohne Handel zu sitzen, als dergestalt 
nberfallen und beraubet zu werden. Und hat also der Estat ein ge- 
neral Verbot gethan, keine SchifTo, -wie sie geucnnet oder wes Güter 
sie geladen, aaslaufen zu lassen, in Hoffnung damit die noch flbrige 
Eaufmittel zu eonserviren und die umliegende Etlnige und Städte er- 
spllren zu lassen, dass mau ihrer ebenso wenig entrathen könne und 
also iltnen Protection schuldig sei. 

Den Grunlandsfarders ist ein zweites Verbot, nach ihrem Walfisch- 
fang zu gehn, gethan'), welches, wie es selbiger Compngnie zumal 
nachtheilig, so hat sie hiehin berichtet und inwendig zehn Tagen 
1200 Matrosen' dem Estat zu liefern angeboten, wenn sie mit den 
übrigen ausfahren möge. — 

Denen nach Copenhagen und Thorn oder Warschau angeordneten 
Gesandten ist ufgegeben, sobald möglichen sich zur Reise einzu- 
schicken; wie dann der Herr Honart, so nacli Polen gehet, gestern 
uns die AbschiedsTisite gegeben. Denen beiden nach Copenhagen 
destinirtcn Gesandten, Herrn Vogelsang, Syndieo Ton Amsterdam, 
und Herrn Haren von Friesland, ist der Herr Slingelant, Syndicus 
der Stadt Dort, so vor diesem in Preuasen und Polen gewesen, ad- 
juDgiret worden, zweifelsohne, weil Holland ein so grosses Interesse 
in diesem Werk hat, auch in der Anzahl der Deputirten zu prSvaliren. 

Weimau ao den Kurfürsten id.tdnt. — die nämlichen Nachrichten; 
daza wiederholtes Scbwanlicti, ob er doch rasch nach England reisen soll 
oder nicht; zaletzt unterbleibt es doch; aber er iet sehr perplex und ratblos. 



Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag . . Mai 1659. 

(OrosBe RüBtDDgea für deo Krlegafall. Die TraaiportBoItille. Denaoch kein 

Tertranea zu fasBeo ; Gerücht vod Eroeaerung der Cou ce rt verhau dl ung, Uater- 

reduDg mit de Witt; BeBorgoisae deSBelbeo, OuschlGsaigkeil Weimaug uud der 

PrincesBin -Witwe über die Beise nach Eagland.) 

„Unser letztes ist gewesen am 2. dieses". An der Orlogflotte wird 
eifrig gearbeitet; die Admiralitäten bereiten sogar jetzt schon die zweite 
Flotte vor für alle Fälle. 

Ganz gewiss ists, dass die Flotte, welche nunmehr auslaufen soll, 
aus 43 flber die Maasse grossen und trefflichen Schiffen bestehet and 
derogestalt bemannet wird, dass eich an die 11,000 Mann, die Solda- 
tesca miteingerechnet, darauf befinden werden; und dass man heim- 
liche Ordre gegeben an den Admiral Opdam, um sich mit so rielen 

>) Vgl. oben pag. 193. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



Leteles SebwaDken Tor der EotscheidoDg. 207 

Schiffen an eine gewisse bestimmte Platze zu be^ben, daes sie Rech- 
nung machen, wenn's zum Treffen kommen sollte, dass sie an die 
73 capitate Schiffe stark sein wOrden; und scheinets, dass sie zu dem 
Ende doppelte Mannscliaft, Vivres u. a. Nothdurft haben mit sich ge- 
nommen. 

Man versichert uns danebst auch, dass man unsere Transport- 
schiffe zugleich will mit hinUbemehmen und pro re nata £. Cfa. D. 
damit hinüber gehen lassen. — 

Und möchte dahero wol an wirklicher Aussendung der Flotte, 
wie es auch gehet, nicht zu zweifeln sein; maassen man uns dessen 
denn mit so hohen Betheuerungen versichert, dass wir selbst anfangen, 
es festiglich zu glauben. 

IndesB hilft dies atleB nichts, weon man dabei Dicht zogleich von hier 
BUS fest entBchloEsen ist, „Dänemark contra qnosrunque zu assistlren" und 
et ZOT Noth auf den Krieg ankommeo za lassen. Dazu aber ist noch wenig 
Ansdcht. Man spricht bereits von WiederaurnHhme des Tractats mit Eng- 
land und Frankreich. 

Fnr etwa einer Stunde bin ich mit dem Herrn Rath Pensionario 
von Holland dieserwegen in ein lang und ernsthaftes Gesprfteh ge- 
rathen, und weil derselbe seiner Seite es dafOr hielte, wenn sie den 
projectirten Tractat zur Richtigkeit bringen könnten, dass aolchen Falls 
dem ganzen Wesen, sonderlich aber E. Ch. D. genugsam w(lrd geholfen 
sein, sintemal, wie es ginge, der polnische Friede doch auch dranf 
Vdrd folgen mttBsen; ich aber mit höchstem Eifer drauf remonstrirete, 
dass das der Weg wSre zur Separation, dahero zu allgemeiner Ruin 
der Gealliirten, und dass ich ihn um Gottes und seiner Ebre willen 
hat und beschwor, er möchte sich vorsehen und sein Vaterland und 
dessen einige wahre Freunde ob nimium bellorum metum nicht in 
Verderb setzen. — 

Er sagte mir in grosser GemQthsbestürtzung, er wttsste nicht, 
was daraus werden wOrd, die obhandene Conferenz wUrd es zeigen. 
Dieses aber mtlsste er mir öffentlich sagen, wo sie mit Frankreich 
und England wttrden zerfallen, dass solchen Falles DAnemark, dahero 
■neb Polen, wflrd verloren gehen; denn sie solchen Falles mit England 
deromaassen würden zu thun bekommen, dass sie nicht ein einiges 
Schiff würden nach dem Sunde zu senden Macht haben. 

Da ich meines Theiles nun getrost drauf antwortete: dass uns 
solches nioht so sehr als ein so gr&ulicher Zwaogtractat schaden wttrd, 
zugesehweigcn dass des Staats Reputation dadurch bei weitem nicht 
so viel leiden wUrd, als wenn sie die Partei so lascfaement und ohne 



A-nOO»^lc 



20g I' Brnudenbarg und di« Niederlaade. 

einigen Schwertscblag abandonniren sollten: bo war die endliche Ant- 
wort, vielleicht könnte es dabin noch wol gedeihen ... er fUrclitete 
aber, wir würdens alle mit einander mit der Zeit bereuen, weil aus 
diesem Handel gar gewiBS sebr grosse K.\tremitäten würden erfolgen. — 
Wir unsers Theiles sind indessen wegen der Besendung uacll 
Engeland zum bOcbsten bekümmert und können an einer Seite wol 
coneiderii-ea , weil durch so gräuliebe Veränderung in diesem Staat 
die Erafl der Sachen sich nach London zeugt, ilass man solchen Ort 
ohne eine fatale Ungelegenbeit kaum kann negligiren, und dass man 
dahero gar gewiss jemand aldar inuss haben, und zwar um so viel 
mehr, dass man an Seite des Protectoiis selbst drauf dringet und zu 
guter Hoffnung schier Tbtlr und Thore öffnet'). Weswegen ich denn 
schier fertig gestanden, dorthin mich in Eile- zu erbeben und mein 
bestes zu thun. ^Väre es nicht eben alles zu heben, so wUrd man 
doch odia neglectus gehoben und den Schweden ein und anderes ein- 
gerieben, den anwesenden Confödcrirten aber zum wenigsten zugesehen 
haben. I. Hob. selbst auch war etliche Mal derselben Meinung und 
wollte mich dimittircn . . . wenn wir aber nun nachgehends immerfort 
wieder vermerket, dass I. Höh. Ihre Meinung geändert (in dem sie 
gar beständig dabei bleibet, ich wUrd hier viel versäumen, dorten 
aber so viel nicht ausrichten . . . zugesehweigen dass es ihr unmöglich 
sein wUrd, das Anhaltische Heirathwerk ohne mich zur Kichtigkeit, 
oder auch sonst die Oranische Tutelsachen, sonderlich die Education 
des Prinzen betreffend, in einen solchen Stand, als erfordert werden 
würd, zu bringen): so stehen wir abermalen in grö^ester BekUmmerniss, 
bericbtens E. Ch. D. aber billig, auf dass Sie Ihre Mesures darnach 
nehmen mitgen. 



Weimaa an den Kurfürsten. Dat. Haag 9. Mai 1659. 

[Amsterdam gegen das Concert, De Witt zweideatig.] 
n. Mai. Das Zu stände kommen des bi' ab nichtig ten Vertrags ist sehr zweifelhaft, 
die meistou wenden sich immer mehr davon ab. 

Der Bürgermeister ron Amsterdam sagte uns gestern rund aus, 
es wären Particulieren, die es getrieben, und mttsste man dem Staat 
hierunter nichts beimessen; man möchte auch auf seinen Namen wol 
sagen, dass es erlogen wäre, wenn man sngete, dass die Stadt Amster- 
dam oder jemand von den Regenten drin gewÜIiget oder drum ge- 

') Die GeaandlBchtirt SchleEer's in I^oodoo batte iuzviachen eio üble 
Ende geDommco; Tgl. weilerhio die Acten derBelben. 

i:a,t--r.d .*^-.00<^IC 



Lctztce Schvnnkpn vor <lot RntschcidDog. 209 

wuüst hfittc. llnil »prcclien ncliier alle Regenten auf solche Art, aleo 
(taes wir schier nicht wissen, was iler liebe Gntt unter dicBem bo 
nunderbarcn Zufalle mag verborgen haben. Wie ihnie aber ist, man 
wird Oieses immer mehr und mehr erlernen mUssen, dass man Bieli 
Lininiermehr auf solche Leute aufs wenigste verlassen mag. 

EU sagetc mir der Rath PensionariuB von Holland fast für etwa 
einer Stunde, wir machten uns zufrieden geben, Churbrandenbnrg und 
Hnltand mtlsBtcn dch nimmermehr scheiden; es wttre bei ihnen nicht 
büB gemeint gewesen und das Werk besser als wir glaubeten; wie 
ihm aber wäre, so würden sie nunmehr einen andern Conrs halten, 
UDil wie sie sich einmal ums Licht fuhren lassen, so wollten sie nun- 
mehr ihre Macht gebrauclien und nach einem gemeinen Frieden 
trachten. — 

Dieses kommt uns nicht ohne Verdacht Hlr, dass der Rath Fen- 
sionariuB bei obigem Discurs immer anhing: wenn man etwas reil- 
lichea mit dem Herrn Downing würd sehliessen, solches würd dcn- 
nocli niemand ttbel denten können; und dass wir in Erfahrung gebracht, 
dasB zwischen beiden noch viele heimliche Congressus seind ; also dass 
auf allen Fall E. Ch. D. nicht unbillig in Ihren consilüs darauf müchten 
KU reflectiren haben. 



Job. Copes an den Kurfürsten. Dat. Haag 2.112. Mai 1659. 

|Wiei]erauf[iabm« der ConcettverlinndluDgeD. BeaorgoiBB vor dqucd eDgllBchi-n 

tatrigneo. Der Slond der bereit liegendcD Flotte. Woran dii> EDlecheidnng hängt 

b^i den FriedeaBverbaDdlnngeD. Bewegaogen dea NeabnrgerB. Der Bischor von 

Müoater.] 

Obwol die hie heimlieli vorgenommene Friedcnsnegociation, be- 12. Mui 
treffend die Kronen Schweden und Dänemark, gleichsam abgebrochen 
gewesen, indem an englischer Seiten man etwas neues, und welches 
hiesigen Estats Deputirten nicht annehmlich, hat einbringen wollen, 
so ist doch heute eine abermalige Conferenz gehalten und daraus er- 
sehienen, daas man beiderseits die Sache nicht gerne abbrechen und 
liemäcbst zur Ruptur kommen sollte. 

Dieses Mal seiud die englische Brief von London nicht eingekommen ; 
mau gibt zwar vor, es sei der Wind contrari gewesen, oder im Par- 
laiuent gehe es nicht nach Wunsch des Herrn Protectoris: so muss 
man doch viel ehe glauben, dass sie dort mit der Zurtistung einer 
Denen (^otle so stark fortfahren, dass sie abermal die hiesige zu prä- 
veuiren und also alles im Orizunt zu ihrer Devotion zu ziehen ver- 

U.X«. ., U«.U. ,1. <ir. KuttU«.en. Vii. 14 



210 I. l(riin.lL-Hl.iirg imd die Ni.'flprliitide. 

Iioffen. Uie ist zwArcn alles fertig-, die bei der Itotterdamischen Ad- 
miralität cquipirte Ci KriegiscIiifTe Bind aiieli scliou nach dem Reudez-rou« 
uiigcföhr Tcxel gesegelt, die io Seeland verfertig:ten 7 KriegseliiflTe 
Krtllteu am 10. oder 11. dieses auch auslaufen . . .; so seind audi der 
Aiustenliuuisi-Iien Admii;alitüt 24 Kriegseliiffe clienfalb fertig; uixl 
wird die gesanmitc Flotte uff 43 Seliiffe, andere sagen uif 45 ge- 
i^diätzet, in nlleiii fUlirend 1775 Canonen und 10,r>00 wcbrbare Mann, 
wenn selbst die ■H)M Landvölker, 8o auch scbon zu Schiffe gebraebt 
sein, nur uff -JititO Mann gerechnet werden. Und von allen übrigen 
Munitionen, wie auch von Matrosen ist eine so grosse Ueberzald ge- 
nommen, dass mau die unterm Herrn Admiral Opdani dort liegende 
Schiffe vollkoinmenllieb versehen und armircn kann. — 

Uie Königl. dfiniscbe Maj. tliut thireb dero Ministruni liier immer 
am cntstb affigsten erinnern, dass Sie den Rotbaehildischen Vertrag 
nimmer werden nnnebmcn, viel min sich von dero Alliirten separiren. 
Wir thuD eben dasselltige, werden aber beiderseits immer damit ab- 
gewiesen, dass nian's hier wol meine und einem jedwederen die TbUr 
offene, sein Iiiterewse ebensowol in Dänemarkeu als in Polen tu be- 
dingen. Und ist CS gewiss, da>s, so viel diesen Staat betrifft, es meist 
an diesen zween Puncleii baflet, dass Frankreich und Engclanit ihn 
nicht vcrsieliern wollen, daas der Elbingschc Tractat mit seinen bei- 
gefügten EIncidalionsjmncten bei Schweden solle angenommen werden, 
und danebenst, dass man jener Seiten daruf bestehet, der Admiral 
Updam solle still sein und mit seinen dort habenden Si'biffen nicht 
agiren, wie die engliscbe Flolte auch nit tbuu wolle, w<izu man hie 
nit verstellen will. Woraus dann ferner ist abzunehmen, dass man 
hie wol inöcbte leiehllicheii zugeben, dass die jetzige Flotte unter dem 
Viceadmiral de Ituyter nicht agire, wofern Fugland im gleichen 
tbuc. — 

Es ist ans Cöln bei gestriger I'ost biehin avisirel, dass 4000 fran- 
zösisfbe Heiter den l'asa durchs Erzslift Trier gesinnen thäten. Der 
Herzog von Neuburg hätte elf Wagen mit Munition am 4. huj. in 
IXlren bringen lassen; so witrdcn auch die zween GRlicbsche Städte 
Siltert und llinsbergeu fortificiret. Und ginge dort die Rede, dass 
höcbstgcd. Herzog die Stadt Gulieh belagern wollte. 

Aus Coesfeld wird hiebin berichtet, dass des Bischofs von Münster 
f. Gn. das Chur- und Flli-stliche Schreiben, wobei sie I. Maj. abmahnen, 
keine Völker nach Umbaut zu schicken, mit aller Höflichkeit excusiret 
haben zu unterschreiben. 



^düvGoot^lc 



■ iler Kiil^diciiliiiisr. 



Weiniaii an dcti KurOlrstuii. Dat, Hjiag 16. Jfai 165!). 

|l)i(! FliKeDrüalung im hesti^n Gang. UpruJiig-'inlc ZusicliiTUiigeii vuu de Will. 
WelmuD voll ZnvnrBicIit, Hcvorpiclipniler Friede zniücliPn SpatiJeii iind Frniik- 
rtjch; venniilblidiiT KiuHufis <tesselbaii aurilie lipxiehnngcu EwiBchcn ^InglnDil iitiil 
Kruukrricti. Duzu diu Krleis in Ku^laud; der ijtiirK des l'rulccturs; vermiithljcliu 
Fi>lgKn lieseulliOD. Rtsuliite Nuliücalion dur GmmralstunUii an die Ix^iüun Ue- 
undlen der Goticerlmäclile, Insfnictioii für de Itiijicr. Mutliig« Stimmung finf 
der Flotlo nod altenlhalben. Nncliricht von cineni fili'greichen Gefecht V/aenv- 
uaer's gegen dis Schweden. Düncmark. l'oteii.| 

Die Flottenrüstimg geht fort; die seeländipfhcti nnd Maas-Schiffo sind l'>. 
nirlilicli bercitE aut^gel.iufeii imch dem Oi't de): nendoK'VOiis, die Amsler- 
daiiici' und friesii^clicn fioUen liereiCs unter Ses;ol sein. 

Und Ijctheucrte mii- der Katli Pciisionariu» hei meiner Wieder- 
kunft von Cleve und Amsterdam, daas es ilinen nunmehr ein Ernst 
diimit sei und ich mich versichern möclite, dnss sie das englische 
FriedenBwerk nicht länger anfiialten würde; mit Bc^eiiren, wir mtichtcn 
uns dahero zufrieden gebeu und aufa vraigc keine Reflexion mehr 
iiebmen; sie könnten auch wol sehen, daaa aus England bei diesem 
Werke (weil der Herr Downiiig das erwartete Pouvoir nicht bekäme, 
wie man vermeinet gehabt) nichts gutes zu erwarten stünde. 

Wie weit ee ilime dabei nun Ernst gewesen, kann ieli niclit 
Hagen. — Dieses aber, gnädigster Churfilrst und Herr, dieses ists, 
was uns Muth und Hoffnung gibt, das uns stärket, das uns verursachet, 
atlgemidieb zu glauben, der Htaat werde mit hineintreten, weil der 
Himmel, weil die sclicinbare Hand Gottes sieb selbsten hineinmischet 
und nunmehr in der That zeiget, da man aus fleischlichen Einsiebten 
et nimio belli metu sich und die Freunde des Staats gar zu liederlich 
dran gehen wollen, dass ee wahr werden niHsste, was wir Namens 
E. Ch, D. in voller Versammlung der Staaten General sagten: wo der 
Staat Dänemark und uns vcrliesae, so würden doch die Alliirtc sieh 
von Ehre und redlichen Mitteln kcincswegea lassen wendig machen; 
sie würden zu Gott und der gereclitcu Sache halten, sehen, wen Un- 
treu treffen wBrd, und da Mensehen würden zagen, so wUrd der Himmel 
sich öffnen und Mittel weisen, die gemeine Sache zu behaupten! Immer 
haben wir sie gcconjuriret und ersuchet, sie möchteu nur einen Sommer 
beständig bleiben, und mUsate gar gewiss inmittelst zwischen unsern 
Feinden, ihres wunderbaren ZuStandes halber, Veränderung ftirfallen. 
lud ist sulches endlich deromaassen erfüllt, dass es männiglich be- 
kennet, dass es auch die allerungläubigsten mit Ver^vunde^uug an- 
Hehen, dass es nunmehr an allen Orten ausbricht. Frankreich hat 

14* 



A-iOOt^lc 



2J2 '- Brandcnbiirg nnd die Niederlande. 

Friede mil Spanien, uud schreibet es der Cardinal mit eigenen Händen 
in Dat. 0. Mai an Mona, de TIiou. Von guter Hand vernelmien wirs 
aueb, dass ihm befohlen zu bcCärderti, dasB Holland die Flotte nach 
dem Sunde Benden möge, wie denn auch der AmbaHsadcur seihst be- 
kennet, er sehe nicht anders, als dass Frankreich und England sicli 
ivol bald brouiiliren werden. Das Höchste aber und das FUrnebmste 
ists, dass es in England bei dieser Conjiinetur, da alles in crisi summa 
bestund, eine so gränlicbe Revolution abgegeben;') alle Welt reflee- 
tirtc auf die Macht des Protectoris; diese Leute zitterten für seinem 
Worte; Ehre und Treue wankten fUr seinem Dräuen — und nunmehr 
ist's damit m weit gekommen, dass etliche ihn für verjaget, etliche 
für gefangen achten; wie ihm aber ist, die Miliz ist zu London Meister, 
das Parlament gcdissolviret, alles getheilet und das gemeine Werk 
in einem solchen Zustande, dass gar gewiss wunderbare Veränderungen 
obhanden seind. E. Ch. D. werden solches alles am Besten aus den 
Beilagen vernehmen und . . . hieraus scblicssen, wo es möglich, dass 
diese Officirer sich jemalen mit dem Proteetore können versöhnen; 
wo es möglich, dass dieses Werk nicht noch andere Weitläuftigkeiten 
nach sieh ziehe; wo es müglicb, dass ein so weitanssehender Handel 
die Revocafion der Flotte nicht verursachen sollte, dass dennoch einige 
Zeit dazu gehöre, che sieb alles wieder setze, ehe die Ombrages weg- 
genommen werden krianen, und dass indessen daran nicht zu zweifeln, 
diese Flotte werde heraus und also der Ausschlag des ganzen Werkes 
a casu und von allerband ZulUllen dependircn. 

Dieses wilre zwarn annoch zu i4)prehendiren, dass der Protector 
bei so bewandten Sachen und nm Zeit zu gewinnen, dem Herrn 
Downiug annoch möchte Ordre zuschicken, die alhie gejirojeetirte 
Conditiones zu unterschreiben, wodurch die bekannte Leute in Hollami 
sich abermnln möehten lassen äffen, oder dass der Admiral Montagu 
inöclite mit der Zeit befehligt werden, dem Könige in Schweden gegen 
Dänemark wirklich zu assistircn — man kann sich aber solches allzu 
Bcbwertich einbilden, weil seine Sachen zu London nicht danach be- 
wnndt sind und auf allen Fall es zu spät und sowol hie als in D.1ne- 
niark die Sachen auf einem andern Fuss sein würden; allerniaassen 
wir denn unsers Theits bereits dagegen arbeiten. — 

Wir babens auch zicmliclier Maasscn bereits in die Provinzen 
Hicssen lassen und empfangen von alten Oertern ziemliche Satisfactiou, 



I Die Ueseiligiitig <lts i'ruletlurs Richard Cromwvll; vgl. ' 

«dl.' Cosdii.lilf IV. IT ff. 



Aj.OO<^IC 



Letztes ScbiraDkeD vor der Etil ecke! du Dg. 213 

also das» wir liofien, der liebe Gott werd weiter uud weiter Segen 
geben in bo gerechtfertig- und wolgemeinfer Sacbe. 

Sobald sonßt der Estat die Briefe aus England erhalten, sind die 
Ck)niaiissarii PacificatorcB zu den bekannten Ministri» gegangen und 
haben pro forma gefraj^et, ob erwähnte Minititri annuub niebt fertig 
wären, die projcctirte ConditioneB zu unterschreiben. Uud da der Herr 
de Tbou zwarn Ja, der Herr Downing aber absolute geBsgel, er hätte 
keinen Befehl dazu, so haben sie denenselbeu drauf gcreprääcutiret, der 
:^laat wäre sclmldig, der Krou Dänemark zu assistiren, uiUssteu also ihre 
Flotte ohne längern Vemug naeb dem Sunde senden, inmaaäseu sie 
denn von der Generalität befehligt wären, sok'lies ihnen zu Dotiliuiren 
und bekannt zu machen. 

Worauf denn dieses auch erfolget, dass man darauf gestern den 
ganzen Vormittag bis ad quartaiu iiostmeridianani an der Instruction für 
den de Ruytcr und den Admiral gearbeitet und drin so weit ge- 
komiuen, dass dieselbe, wie man uns »agct, in ziendich rigourcusen 
terminis beschlossen und festgestellet worden '). Ist's möglich , so 
werden wir derab die Abschrift suehen zu bekommen. 

Und sagen die Oommissarii der Generalität, welche in Texel und 
sonnten hie und dort in den Hafen gewesen, ditBs alles freudig und 
frohe, der de Ruyter Über die Maasscn wuragcux und die Schiffe 
alle mit einander trefflich an sich selbst und trefflich versehen wären; 
also, wo der Wind ihnen diencte, dass sie in wenig Tagen Zeit würden 
in der See sein können. 

Die Admiralitäten seind auch nmthig genug, und aeind wir mit 
ibDcn in Arbeit, zu übei'legen, wie wir unsere Fleuten etwa mügen 
mit hinüber bringen, wozu denn bisbero einige in Holland noch wenig 
Lugt gezeiget. — Wir hoffen aber, man werd nunmehr andere Ge- 
danken schöpfen. Und weil sogleich der Herr Acidalius von LHhcek 
in Dal. . . Mai uns die glückliche Ecncontrc des Herrn von Opdani 
gegen die Schweden (wovon Holland per expressum Conmiunication in 
diesem Augenblick mit grosser Freude begehret) überschrieben "), so 
i^elien wir immer mehr und mehr, dass Gott mit uns im S|iielc sei und 
es ein Greuel sein wUrd, wenn sich die bekannten bollündischen Frie- 
dcDDi&cher noch weiter unterstehen wUrdcn, ihre Haud gegen die Ehre 
des Vaterlands aufzuheben. 

') Vg). dagegen deo char&kteriBliscIien Briuf von de Witt od duD Admiriil 
Wasseaaer :□ Secret. Resol. II. ä3ff. 

') Das kkioe Seegefecht bei der Insel Peliuiero, vowoa fufeudorr Carol, 
'iusl. VI. j. 7 berichtet. 



^aovGoOt^lc 



214 I- Brandeobu[^ Dod die Niedisrlandtt, 

Der König von Dänemark hcHfund auch noch fest« uml hat uns 
desselben Maj. dureh dero. hiesigen Residenten danken lasuen für un- 
sern Eifer, den wir bei diesem Werk allerends verspüren lasHen. 

Der Gesiindte nach Polen, Iloiinrt, ist naii wiiklich abgetcist, wie W. 
|i>rmfll von der Ueiieralität angezeigt wird. 



Weimaii an den KuifUrsten. Dat. Haag 19. Mai. 1659. 

[Das Sougefecht bei Fuiimeni. Furt<;uug der GoDcertverliandlangcni Stimmi-u 
iliigegen; svltsttmu AnBicIiten übur die neusten Vorgänge in Kngland. Duwoini.'s 
niriiu Instruction. nesehloBsenc Kiniiprnclie der hrandi'nbnrgischen udiI dSnisobon 
(Jfsandten. Do Witt verkündet diiii nahen Abschluss; seine politisciiBn üriindt- 

dufür. Holland wird es über die andern I'rovioKen davoutragen.j > 

la. Mai. Hiedcr unserer jüngslen unterth. Uelation vom I(i, dieses hat man 

alliier die crfrculielie Zeitung, wasmaassen der von Opdani die 
Huhwedeu geschlagen und uacli einem scharfen Gefcehte gezwungen, 
die öee zu räumen, haufenweise erhalten; wiewol wir tmscrs Ortes 
annoch nicht evselien können, dass es mit dieser Zeitung so gar richtig 
sei, indem wir es dafUr halten mdssen, dass es allen Umi^tandcn nach 
nur ein Gcsdiützgefceht, gewesen ') und, da was sonderliches fllrgc- 
gangen, dass solches ex postfacto mllgse erfolget sein. — 

Wie ihm aber ist, so hat es der gemeinen öaclie keinen Schaden 
gethai), sondern die Glieder der Regierung hie und dort, sonderlich 
da alles eben auf dem Scheiden bestund, in einem und anderem nicht 
wenig animiret, — 

Da man nun Ilber dieser Sache in der Generalität vielfiiltige De- 
batten gehabt, vernehmen wir, dass etliche Provinzen drauf bestanden, 
man könnte darunter mit Fundament nichts schliessen, wo die Deputati 
der Generalität nicht vollkommene Ouvertüre tlinu wBrden, wie es 
denn eigentlich mit den Tractatcn, welche man die verwichene Zeit 
mit den ausländischen Ministris entworfen, bewandt sei; und dass 
darauf erfolget, dass erwähnten Deputatis auferlegt worden, vollkomm- 
lieh darunter an das Corpus zu rapportiren; allcrmaaseen denn auch 
jrcschchen . . .; und da«a darauf am folgenden 17. dieses der liath 
l'ciisionariuN von Holland zur Versarandung gekommen und bekannt 
fiemacht hätte, wasmaassen der Herr Downing endlich vorigen Abends 
Keinen Expressen aus England bekommen und nunmehr bevollmächtigt 

') Wie anch Pafendurf I.e. augibl: „ita erninug rtuidem machiuie aÜijuan- 
diu auenime [Higniitunr'; dann Irieb der fiturm die Küniprenden aus einander. 



A-iOOt^lc 



LelitcB SchivnDben vor der Rulscliciduag. 215 

wäre, die jUngsthin geprojeetirte Tiactaten zu rcaBSuniircn und auf 
gewiesc MaasBC zu SclilusBe zu bringeu; dalicro dass ca die Notli er- 
rnrdcrn wfird, dasa die Deputat! der Generalität sicli mit beiden aus- 
liDdlBchen Ministris zuBammenthuu und zum wenigsten vernehmen 
mijchten, was denn aus diesem Werk endlichen zu hoffen sein würde; 
und dags man's zwar ins gemein dahin liabe gestcllct sein lassen, je- 
doch aber etliche gnugsam ihren Missfallen darunter bezeiget, auch 
uirlit unterlassen hätten anzuweisen, dass dieses Ding nbernialcn nui- 
ein lauter Griff sein wtlrd, den Estat wiederum in Schlaf zu wiegen 
uDd zu amusiren; es wäre nicht glaublieh, dass ein Expresser ange- 
kommen, und das Londisclie Werk nicht deromaasscn beschaffen, dass 
man vom Protectore in solchen Sachen so geschwinder Resolution hätte 
^wärtig sein können; es wäre endlieh dennoch aber bei der vorigen 
Kesolution verblieben. 

Und mag wol nicht wenig dazu helfen, dass die Führer dieses 
Pacificationswerkes, sonderlich die Herren de Witt und de Groot, der 
Meinung sein sollen, dass die ganze englische Kevolte nur ein lauter 
Spiege Ige fechte und siniulirtes Werk sein soll, gestalt daraus die In- 
flinafion des Volkes zu vernehmen und darnach in weiterer Anstellung 
der Regierung sich zu reguliren und zu richten. Wiewol viele vcr- 
nDnttige Leute darunter mit ihnen gar nicht einig sind nnd es billig 
ilafür halten, dass alle solche Sachen, welche in Engtand filrgegangen, 
nicht nach einer Simulation schmeckten, sondern die einigsten Mittel 
wären, dem jetzigen Proteetori den Garaus zu machea- Es wäre ja 
wol eine gar erschreckliche Simulation, sich fangen, besetzen, zwingen 
Vi lassen von seinen eigenen Offieierern, und, was noch mehr ist, an- 
deren die Revue der Miliz, die Besetzung des Towers und sonst zu- 
zulassen, ein Parlament gcwaltthätig zu dissolviren, dessen man doch 
per pluralitatem votorum absolute mächtig und Meister war. 

Für nlie Fälle wird mit deu befreundeten Ue^iiiidtcn Überlegt, was zu 
iban sei, wenn etwa Dowiiing ernstlich die Traetaten wieder in G;ing 
Wngen wollte — 

wir verglichen uns dahin, wir wollten allerseits unser bestes thun, den 
Estat von so nachdenklich und gefährlichen Traetaten und Confcrenzen 
ZQ divertiren; unS sollte zu dem Ende der Herr Gharisius am 2(). 
diecea .\udienz in der Generalität nehmen und daselbst ein sehr nach- 
drückliches Schreiben seines Kiinigs nicht allein überliefern, sondern 
auch dabei eine solche Proposition thun , dass der ganze Estat sehen 
könnte, dass I. Maj. von Dänemark lieber alles leiden, als sich Ge- 
setze geben lassen, dahero eher alle Extrema ausstehen als den Roth- 



A-nOO»^lc 



2XQ L Braodeubuig nod die NiederlaDde. 

schildischen oder parficuliere Traotaten belieben wUrd '). Wir unsere 
Ttieils wollten darauf das gleiche thun, und aollte darauf der polnische 
Resident folgen und begehren, der Estat möchte sich rotunde er- 
klären, ob sie bei der gemeinen Sache gedächten zu stehen oder 
nicht; und wollten wir einander behilflich sein, darunter solche 
Dednctiones schrifllicb einzustellen, dass vielen angst und bange wer- 
den niöcht«, ehe sie deren ungeaelitet zu weiteren Unbilligkeiten re- 
solviren sollten. — 

Inmittels bin ich gestern mit dem Käthe Pensionario von Holland 
über diese Händel in eine besondere Conferenz gerathen, wobei er 
denn nach vieler Bezeugung, das» er's wol meinte mit E. Gh. D. und 
ilass er seinem mir vor 8 Tagen gegebenen Worte zu Folge ailes in 
voller Vertraulichkeit mit mir communiciren wollte, nach der Längre 
erzählete, was bis selben Tag in der Sache fürgegangen und dass 
endlich alles darauf bestände, dass der Herr Downing nunmehr ex- 
gircsse Ordre erhalten, näher zu tractiren und zu schliessen. 

Die Sache hängt nur noch an Ceremouialien, indem England dabei die 
„Vorstelle" vor Fraükreich verlangt — „gar eine zu grosse Impertinence" 
Dieint de Witt, für einen „Proteotor, welcher in effertu doch nichts als 
ein Minister, ja wol vielleicht in selbigem Augenblick gar eiu Privatus 
wäre". Im übrigen aber wird mnn sich vereinbaren; wobei de Witt trotz 
der lebbaften Remonstrationen Weiman's verbleibt. 

Die Seele aber seiner ganzen Intention bestund darinnen, dass er 
mir im Vertrauen meldete, sie mtlssten der Zeit weichen und wllrd 
solches dem gemeinen Wesen nit viel schaden; es wäre die Haupt- 
niaxime dieses Staats, s<dang es die äusserste Noth nicht erforderte, 
mtlssten sie mit England nicht brechen; die Zeit wtlrd Rosen bringen, 
die Traetaten würden langsam dahergehen, Dänemark bliebe inmittelst 
in seinem itzigen Zustande, Schweden zehrte sich heimlich auf, Polen 
könnte ja inmittelst in Preussen kräf^g agiren und England zu solchen 
Revolutionen verfallen, dass es dem Estat ohne Muhe sein würde, die 
alte Consilia gegen Schweden wiedeiiim zur Hand zu nehmen und 
ohne Gefahr auszuführen; ja, wenn auch Dänemark particulatim trac- 
tiren müsste, so wäre solches für die gemeine Sache so nachdenklich 
nicht, als dass dieser Staat mit England in die Hiyire gerathen und 
durch unglückliche Bataillen zu Grunde gerichtet werden möchte .... 
AVUrden wir dahero wol thun, da wir uns zufrieden gäben und E. 
('h. D. versicherten, dass sie alles mit Ehre und gnugsamer Sorgfalt 
überlegen, dahero nichts thun oder eingehen würden, welches nicht 

') Vgl. Aitzema IV. 3»3. 

DqitzedüvGoOt^lc 



Letites SchwaDkrii »or d. Kiiteclieidong. Dua IlaoFccr Concdrt v. 21. Mui. 217 

ealweder die unvermeidliche Noth oder das gemeine Interesse erfor- 
dern wflrde. — 

Inmittelst vernehmen wir, das» oftbcraelte Ministri diesen Nacli- 
mitta^ bereits mit den Deputatis der fUrsitzcndcn vier ersten Provinzen 
in Conferenz gewesen, ohne dass wir nnnoch erfahren können, was 
(Ubei fDrgegangen sein möge. — Zwar gehen Groningen, Obcryggel 
und Frie»land merklich zurllok und t>eind mit diesen Hündelu nicht 
gar wol zufrieden. Wir können uns aber niclit gar zu grosse Hoffnung 
tialiei machen, weiln wir immer ttlrchtcn, wenn sonst niclit Verände- 
mog vorßiUt, welche unsern Remonstrationen Luft und Kaum machen 
nuVhte, cb werd Holland doch endlich alles nach Hcincm \Villen em- 
portiren. 



Die Geueralstaateii an den Kurftlrsten. Dat. Haag 22. Mai 1659. 

[OfGciellt) Nolification vom Absuhlnss ilus lluagur Couci>r(CB.| 
Zeigen ihm an, diiss gestern zwischen ihnen und den Ocüandtcn von^2. Mai. 
Krankreich und England ein Tractat t;esclilo.iEcn woi-den i)>t „toi Tindiugc 
van eeu eerlicke ende versceckerde Vied« tasc-hen de Couingcu van Swi'dcu 
eude Deuemarcken ende oiu te rcatabilicreu de Cuuimcruc ende TralOu«) 0|i 
de Oostzee": sie ültertiL-Dden ihm Abschrifl des Art. VII des Trattitts und 
fordern ihn auf, seine Oesaiidcen zu den Verhnndlnrgeu zu senden, da die 
luieres^ea Brandenburgs dabei durcbnns gewahrt werden trollen.'). 



Der Kurfürst aii die Geueralstaateii. Dat. Feldlager liei 
Friderichsode 26. Jlal 1659. C<^onc. Scliwerin.-) 

jGegi'u das j^i^aoblüasene Cuueuit. Dusselbu kuiniiit uur dcD tic1iwud<!u zu liuiv 
DDd ihren ^eineinschäd liehen Plätien. Die Stellung des KiiDigs von Dnn«inarh- 
UerKurrürat lehnt ea ab dem Concerl beizutreten. Kroiahniingzur Standhudigkeil.! 

E. H. M. Sehreiben vom 22. Mai ist alhier wol einkommeu etc. 5. Juui, 
Nun möchten Wir wol von Grund Unserer Seelen wBnfchen, dass die 

') Der Vertrag vumai.Mai lt;59, gedruckt u.a. in Secrete Resolut. It-töff- 
Aiti^m« IV. 3**3ff. — Art. VII. b.'SHgt, daae Frnukreicli und Knglond eich bt- 
mülieo wollen, die Ratificatioo und Ausfiihrung dea Elbinger Trnclates zwischen 
.''chweden und den Niederlanden vom U. Sept. lüüiWvgl. oben. p. 6» ff.) zu bewirken, 
uad dasa der üurrUrst von Brandenburg und die älaitt ifauzig der Vorthvile 
ilie^i's Traclatee tbeilhuft werden aulleu, wenu aiu binueu eiueni .Mouut aich niil 
ihrer lucluaiou in deuaelbeu einverstanden erklären. Art. VIII bestimmt, daio 
die InlereKHen des Kurriirsteu gegeoulicr dem Künig von ä^'hwcden freu niUch oft- 
lieh Burgenoniuieu werden und zu diesem Zweck acino Gesandten zu den bevor- 
iieheDden Verbaudhingen zugelassen werden sollen. 

') Vgl. aaten p. 224f. «. d. 5. Juni 1Ü59. 



^aovGoOt^lc ■ 



g]^g I. BrandpDburg und dio Niederlande. 

gegenwärtige Conjuncturcn und des Feindes beständiges DesBcin der- 
gestalt hescliaffcn, dass durch dicecs Mittel ein allgemeiner beständiger 
Friede gestiftet werden niöclite, so sollten Sie gewiss im Werk erfahren, 
daes niemand sei, der solche Ihre gute Intention mit melirem Eifer 
secundiren, Ihre anwendenden BemQbungen höher rühmen etc. . . . 
würde. Wann Wir aber E. H. M. Zeit währenden dieses Krieges ge- 
führte tapfere Consilia und boclivernUnftige Resotutiones betrachten 
und dabei dero eigenes bobea Interesse, welches Unseres gänzlichen 
Ermessens gewiss auf solche Art nimmer salvirt werden kann, be- 
denken, so würden Wir gewiss wider die treue Freundschaft und auf- 
gerichtete Verbttndniss, wie auch die Uns bishero erwiesene Affeetion 
handeln, wenn Wir E. H. M. nicht offenherzig vorstellen sollten, wie 
durch das communicirte Project von dem allzeit rühmlich vorgehabten 
Ziel sehr weit verfehlet und nichts anderes ausgerichtet werden wird, 
dann das» die kostbare Zeit, wirklich zu agiren, vergeblich hinge- 
bracht, die Krön Schweden in ihrer unersättlichen Begierde, dero Des- 
seins auszuführen, gestärkt, der Krieg nur von einem Ort zum andern 
transfcriret, die Unschuldige bedrängt, verlassen und gleichsam dem 
stetswährenden Dominat der Krön Schweden untergeben und in summa 
alle der gemeinen Wolfahrt zugethane GemUtlier von E. H. M. alie- 
niret und zu andern Gedanken gebracht werden. 

An E. H. M. löblich guten Intention haben Wir im geringsten 
nicht zu zweifeln, und ist gar nicht ungemein, daes der Feind selbst 
oder durch dessen Freunde die allertapferste Conailia, unterm Vorwancl 
grosser Friedensbegierde, zu Zeiten irre mache — gleichwie aber der- 
gleichen betrdgliches Vorgeben bei wolintentionirten Regierungen nur 
auf eine geringe Zeit einigen Effect haben kann, also zweifeln Wir 
nicht, E, H. M. werden in ganz kurzem selbst gleichsam mit Händen 
greifen, wie alles dasjenige, was im Haag abgehandelt, allein den 
Hchweden zn gefallen, ohngezweifelt auch auf deren Veranlassung ge- 
schehen. Wobei Wir der tröstlichen Hoffnung leben wollen, E. H. M, 
werden von nun an das gemeine Werk desto vigoureuser angreifen, 
so viel mehr Nachtheil dasselbe durch die bisherige Cunetationes und 
gemachtes I'rojcct erlitten. — 

Wir stellen es zwar dahin, ob die Kgl. Wrd. zu Dänemark sich 
dergestalt in einen hochschädliehcn Frieden einlassen werde; dieses 
aber bitten Wir allein, E. H. M. belieben wollen zu erwägen, was Sie 
und Ihre Posterität selbst vor unwiederbringlichen Kchaden und Nach- 
tbeil daraus haben wtirden, wenn selbige Krön dergestalt subjugiret 
und alle Vortheil in der Ostsee in Händen der Schweden verbleiben 



A-iOOt^lC 



Protest des Kurfureteo gegun das C'oncort. 219 

sollten; und ob nicht nllein (iurcli den Rothsctiildiaclien Fiiedcn (woran 
iicli doch die Schweden nimmer vergnügen lassen werden) die Freiheit 
Ihrer Commercien gnuggani gesperret nnd die Schweden dasjenige er- 
langet, wovor E. H. M. Vorfahren lieber Gut und Blut verloren hätten. 

Wie ungchuldig auch Dänemark hiezu kommt, solches ist E. H. M. 
selbst guugBam bekannt, und geschiehet deroselben daran gewiss Un- 
recht, dass in dem jetzt gemachten Project der Schweden unerhörter 
Fricdensbmch noch justificiret und das Werk darauf genommen wer- 
den will, ob wäre dieser Krieg Über die nicht beschehene ErfUllung 
der Rothschildischen Tractateu entstanden. Der ganzen Welt ist be- 
kannt und offenbar, dass an dänischer Seiten alles und jedes, an 
ischwedischer aber niclit das allergeringste adimpliret worden. So viel 
herrliche Provinzen, welche der Krön Schweden abgetreten, seind des- 
halb mehr denn ein gnugsames Zeugniss. 

Eines ist nur, dessen die Kgl. Wrd, zu Dänemark beschuldigt 
werden kann, dass dieselbe nämlich Kur Iluiitür l'rsach gegeben, in- 
dem dieselbe, auf der Schweden inständiges Begehren, sich nicht ob- 
ligiren wollen, £. H. M. und anderer Benachbarten KriegsscIiiifL'n die 
l'assage durch den Sund zu verwehren. Xaehdeni aber Frankreich, 
England und E. U. M. dieses Ihnen also zuträglich crmessen,- das» 
?>ie auch selbst in oftberlthrtem I'roject zu Ihrem Besten sich verbun- 
den und einen solchen Dominat von der Krön Schweden uicht gedulden 
wollen; so lassen Wir E. H. M, dero hohem Vei-stand nach selbst ur- 
(heilen, ob nicht die Krön Dänemark viel mehr meritire, dass sie 
dieses Ihretwegen erlittenen Unglücks lialbcr mäehtiglich supportiret, 
denn dass dieses Ursach sein sollte, dergestalt ahandonniret, zu einem 
i^chinipflieheu, hijchst schädlichen Frieden forciret und in einen so 
unglflckseligen Zustand gesetzet zu werden. — 

Wie dem allen aber, und was hierauf weiter erfolgen und von 
der Krön Dänemark beliebet werden mochte, so ist doch E. H. M. 
l'ni^er Zustand und Gelegenheit, und das» Wir nicht allein mit Däne- 
mark, besonderu auch mit andern gegen Schweden in Bündniss be- 
griffen, bekannt, und werden Uns dahero niclit verdenken, dass \yir 
liabei fest und unven-üekt halten, bis der AllergUtigstc Gott einen be- 
ständigen und sicheren Frieden verleihen wird. Denn ob zwar E. H. 
M. vermeinen, dass Sie Uns mit der Krön Schweden vergleichen und 
uehst Frankreich und England garantircn wollten, so wUrdc doch 
ai>lcheB Unsere Ehre nicht salviren, wenn Wir die mit der Krön l'olen 
aurgerichtetc genaue und feste Verbdndniss ... brechen sollten; zu 
gcschwcigen, dass ... die Intention der Schweden helle und klar am 



A-nOO»^lc 



220 '■ Braa(I«ubuTg uod die Niederlande. 

Tage lieget, den Krieg an einen andern Ort zu pflanzen ; solches aber 
nirgends geschelieti kann, dass Wir nicht allemal das Theatriun in 
Unscrn Landen dazu aufrichten lassen und nach geendigteni Krieg 
von dem Unsrigen der Schweden Begierde ersättigen mlisstcu, 

iDmittebt aber dankcD Wir E. H. M, freund- und nachbarlich flir 
Ihre tragende gute Sorgfalt, ersuchen dieselbe ferner dabei zu ver- 
liarren, vornehmlich aber, dass Sie dieses gegenwärtige Werk wol 
überlegen und sich dabei erinnern wollten, wie E. H. M. bowüI die 
Kgl. Wrd. zu Dänemark als auch Uns selbst unaufhörlich und docIi 
gar neulich durch reiterirte Schreiben etc. . . . angcfrischct, Ihre Be- 
ständigkeit so hoch betheuert, dass es dicserseits eine grosse HlaKinc 
gewesen sein würde, den geringsten Zweifel daran zu haben; und 
demnach das angefangene Werk zu Ihrem unsterblichen üuhm . . . 
vigoureusement augrcifcu und sich diireh keine fernere schiidliche Per- 
suasiones von Ihrem rühmlichen Scopo divertiren lassen wollen. — 



Weiniaii aii den Kiirfllrsteii. Dat. Haag 23. Jlai 1659. 

IFruultreich will dua C'üucert returdirvu VorwiiTt« ZuslSude in KuglaDd; Bicharit 
Oromwell und Fleetwuod. Deniiucb de Witt für das Coticert. Leichtere Urtheile 
über die Wicliligküit der Sache. Die l'hiMppiua Weiman'e gegen das Cooceri. 
Kudlidie Uulerauicbuung des Trautales. W. gluubt uu seine Nichtigkeit. Ui« 
Flutte de Rujtur's bereila ia See.| 
i. Am verwichcnen 21. dieses kamen die Zeitungen ans Frankreich 
und England ein, beide vom . , . Mai, worin eines Theils der Friede 
mit Spanien continuirte . . . und sonst berichtet ward , der Hof hätte 
an Mons. de Thou albic gemessene Bcfehlieh ergehen lassen, sich 
mit hiesigen Traetaten nicht zu übereilen, sonderu dran zu sein, dass 
der polnische Friede zugleich oder wol gar zuvor befördert werden 
möchte. 

Dagegen liefen die eDgiiscbe Zeitungen derogestalt hinzu, dass 
alle Briefe schier mitbrachten, der Protcctor wäre wie ein Gefan- 
gener ohne Macht und nur zu einem Privatstandc gedestiniret ; der 
Herr Flectwoud aber alles in allem, also das» er mit seinen Offi- 
cirern das ganze Werk nach Gefallen triebe; Thurloe gefönglieh hm- 
gesetzt, andere noch auch verworfen, und in Arbeit begriffen gewesen 
wäre, das alte grosse Parlament, welches vom Jahr 1C49 bis Ifö3 
gesessen und auf nichts als auf rcpnblicaniscbe Maximen gegangen, 
wieder cinzurufen und durch dasselbe alles, was Zeit her der Prolecto- 
rischcn £egierung fUrgenommcn, aufzuheben und zu verbesserü. — I»' 



A-iOOt^lC 



Der naager Tractot vom 2t- Mai. 221 

1 ileno wol nunmehr gnugsam priiellet, dasa es kein Spiegrel- 
gefeclite geweecn zwischen tliesen Sehwähern '), und es wol zu ver- 
mutiien, dasB der eine dem andern nit wol würde können weichen 
sine caede et sangnine; ja dasa auch Flcetwood, wenn er alles em- 
portirete, doch Bcliwerlich eine Bepublicq richten wllrd, wciln er sich 
iisdem artibus wUrd mtlsaeu consei-viren, womit er sicli herfllrgezwim- 
gen, und das erste Exempel in der bekannten Welt geben wDrd, dasa 
ein Krie^sheer anders ala Monarchen gegeben, und da diescx lange 
halanciren sollte, dass solchen Falls die Miliz sich nothwendig wllrd 
mfissen theilen — also zu bedenken sein, ob nicht nach so i>ewaDdten 
8acben dem Könige die Tliür geöffnet wUrd, anf seinen Thron wieder 
m gelangen. Wie es aber wäre, so stunde England ohne Haui>*, die 
Kegierung ohne Autorität, die Ministri ohne Charakter, also dass mir 
der Herr Rath Pensionarius von Holland selbst sagete, der Herr Nieu- 
poort Bcliriebe ihm, mit dem Protectorc wäre es gethan, 

Und vermeinten wir auf solchen Grund, dass man nunmehr doch 
in Holland sich nicht länger wUrd lassen ätfcn, sondern die Augen 
üffoen; allermaaäsen auch die meisten Itcgenten dahin schienen zu 
zielen. — Ea währete aber nicht lange; der Herr Downing, ward 
gesagt, triebe auf den Schluss der projeetirten Traelaten und hätte 
»ch dabei bedenken lassen, man inUsste schliesBcn oder brechen. 

Und folgete also darauf, dass ich mit dem Rathe Pensionario von 
Holland zur Conferenz kam, wobei er mir viele Dinge und Kationes 
zu GeuiUtlie fllhrete, warum mau billig zu schliessen. 

Lange Ausrührnng von de Witt und Remonstratio nen Weiman's 
Jagegen; uliue allen Krfolg. 

Wir entschlossen nun darauf so viel möglich dagegen zu arbeiten, 
sprachen mit verschiedenen aus Holland, mit denen von Amsterdam, 
aus den ProTinzen und fanden bei vielen viel gutes Willens, bei den 
meisten Unwissenheit und bei allen eine gräuliche Furcht für England, 
besonderlicb aber dass sie vermeineten, mit diesem Tractat würd doch 
nichts gethan, sondern verhütet werden, dass man England durch 
Kuptur von aussen nicht inwendig wieder einig machen möchte; der 
Kest wären Grimaccn und könnten sie nicht sehen, dass" was sonder- 
iiches daraus werden wUrd. — 

Wir atiesaen uns aber nicht daran, sondern macheten, dass der 
Hen Charisius folgenden Tages darauf Audienz suchete und dabei 

'1 I>. b. dem gewaseiien Protector Ricliari] Cromwell und dem jetzigen 
Fühnr der Armee in Rn^lnnd, Flpctwuod, dt-r mit ICit^liarda idcliwpHter 
Briilgi-l verhfiralliel war. 



A-nOO»^IC 



222 T. Brntiilcnhnr? und die Nidlcrlanilc 

prnponiretc und tlbergab, wie die ßeilo^eii ausweisen'); den andern 
Tags thaten wir in einer treffliclion Frequenz de«g:lcielien [Beilage), 
und können wir E. Cli. D. w>l Yersiehcrn, da^s wir unsers Tlieiles eine 
überaus grosse BestUrtzung der Genilitlier vermerkcten ; und wie wir 
naeli Art der Baelie mit einem mehr als gCKölinlicIien Vigore redeten, 
dasB es zwarn so viel verursachet, dass man sieli lange gezauket uud 
geselilepfet, ehe man einig geworden '), 

Wenn aber dennoeh der Herr von Gent und der Ralli Pensio- 
narius als Primi üeputationis mit einer unglaublichen Opiniastritilt das 
Werk getrielien, . . , s« ists dennoch endlich dahin gediehen, was wir 
auch gptlian, dass man wieh, der einer nach dem andern, lassen ein-. 
leiten und dass also der Sehlnss geworden, dass man sich mit deu 
Ministris zusammcnthun und den Traetat unterseli reiben sollte. In- 
maasscn denn solches auch deromaassen erfolget, dasa den 21. dos 
Abends um die Glnck !t dieser so fataler Traetat völlig unterschrieben 
und die wunderbare Cnniödie, welche mit so vielen wunderlichen Ver- 
änderungen, ungleichen Mitteln und verschiedenen Sentimentcn und 
Zufällen getrieben, endlich so uDvermuthlieh ausgespieiet worden, als 
es niänuiglich dafUr hält, dass niemaln einiger EITect drauf erfolgen, 
Houdern alles entweder in sich selbst zerfallen oder den Urhebern (die 
wol gewiss particuliere Passiones bei dieeem Werk gehabt) noch zuletzt 
ihren wolverdienten Lohn geben werde. — 

Ueber dem ist die Flotte filr 4 oder f) Tagen mit 80 trefflich 
gutem Winde ausgelaufen, dass man glaubet, sie sei schon im Sunde 
und schwerlich zurückzuhalten, also dass alles bereits möchte ge- 
schehen sein, was diesem Traetat zuwider ist. Wir wissen noch nicht. 



') Fehlen; vgl. WicquAfort II. ri82. 

*) Uieae Rede Weimau's vor den tieDeraUtoaten ist gedruckt bei Aitzema 
IV. ys7— 392; oiu merkwürdiges SpecimcQ politischer BcredtBamkeit, welches 
damals offuiibur ßroases Aursulien erre<;le vgl. Wicqnefort II. .'•(StlT). — Uus 
haiidschririliche Exemplar, wciclies bei di^r Uelaliou Weimau's eich findet, ist 
(nach einer von Herrn GR. Ur. Ilaesul mir rreimdlicli milgetlieillen Vei^leiclmng) 
unvollstüpdig, es enlbäli nur ungefähr ein Drittel der gedruckten Rede und bricht 
in dem Ailzemn'scheu Tust p. 390 col. 1. Z. G v.o. ab; aber auch bis dahin 
fehlen in der Handschrift mehrere längere Stellen. Nach der Art dieser Text- 
verscbiedenhcilen liegt die Vcrmulhiing nm nächsten, dass die handschrinlichc 
Beilage zu Weiman's Relation ein Fragment der nrsprünglichen Redaction der 
Rede ist, wie sie von W. nirklich gehalleu wurde; nschmula hat er dieaelbe ver- 
muthlich (wie bei Schriflslücken dieser Art oft geschah) auch als gedruckte« 
Flugblatt verbreiten luosun und bei dieser (iulegenheit einige Krweilerungru vor- 
genommen; nach einem solchen Rlatt wird dann Ailzcma ilje Ri-dc in seinem 
Werke abgedruckt haben. 



A^iOOt^lC 



Ucr na«g.!r TrncUt v,.r.. -21. Mui. 223 

iib die Trans|)ortsc1iifre mit ilcme de Ituyter mit ausgelauleu, köuucus 
aber seliwerlicli glauben. — . 



Weimaii an den KurOirsten. I)at Haag 2(5. Mai 16ö9. 

tUnlPtreilnnK mit dr Thon. Dio CnnrcilmächlP nicht sehr eiiiiß. Rii^tor nnter- 
wegs mit der Flotte: llofTniin» ouf Pineti rimHii^t ilesBclhen mit der cnRÜticlici] 
Flolle. Hirricht Oiidam's über das ]vHtc Siitrefffii ; Uniiurripdi'nheil mit ihm.] , 

Lebhafte Auscinniulersttziiiig Wciiiiiin's mit dem riniizOüiKuhcii Ue-26. Hai. 
saudtPii de Tlioti Gier das Hunger C'oiieeit. 

Wir veriialiiiien nachgehend, dass cfl ilimc dcroiiiaasscn /u Herzen 
gegangen, dass S. Exe. einen ExpreBBcn drauf naeli Frankreicli ge- 
Kcbicket. — Wir nierkca danebut aueb wol, dass ttie dem Staate au<.'h 
iiiclit allerdings suclien zu balteii, was wegen de« Sand» niul der Ra- 
tilieatioii de» Klbingiücheii Trai-taten verglioben worden, indem sie selbst 
zu verstehen geben, nmn werde den König von KrJiweden dazu nicht 
dinponiren können. Und nmss Honst nncb was dahinter stecken, das 
noch Handel geben dürfte zwiselien ihnen allen, weil sie die Ministri 
Bedenken tragen, dalicro dem Katai abrathcii, unR ud<1 andern Ministri» 
die in der Generalität gedecretirte Comnmnieation widerfahren zu 
lassen. — l'nd ditnket uns, wo die Sachen in England sich weiter noch 
in Confusiou setzen, wie vermuthlicb, und der König von Dänemark 
indessen beständig bleibet und bei der Partei hallt, man werd alliie 
noch einmal so leicht wieder zurflcktreten, als man liederlieh sich 
durch Kureilt für England von der Partei hat lassen abschrecken. 

Wozu denn dieses kummt, dasB der Kuytcr mit einem bber die 
Maasse trefflichen Winde bereit« weggewesen, als man hie gesehlosseu, 
uud dass mau ilmi zwarn alsforteiis naebgeschicket, aber, ncscio quo 
fato, das rnglltck gehabt, dass man in langer Zeit noch Pinek, uoeh 
(ialeott(Bn gar war alles weggelaufen) bekomme» können, um in die 
See zu folgen; und das« man also nicht wenig besorget, ehe dio nahem 
Ordre» folgen können, der Ruyter bereits im Sunde und mit den Eng- 
lischeu (welche in instructioiic haben, sie nicht [lassireu zu lassen) 
bereits geengagirct gewesen sein möchte. 

Also seind auch Schreiben des Herr Üjidam's angekommen In 
Dat. 12. und 14. Mai, worin zwar berichtet, dass er mit den Schwe- 
dischen zusammengekommen, und mau dieselbe einmal so weit be- 
reichet gehabt, wo dem dänischen Adniiral Itielekc das Mastscil nicht 
weggeschossen, dass man sie ruiuiren können, hernacli aucli, weilii 
Itielcke noch nicht wieder fertig, daws er seines Theils sie auch 
laufen lassen; worltber denn die Generalität und mauulglich heftig 



224 ' Drnmlenburg und lÜf Niederktiitp, 

aicli gcalteriret und viele sich vernclimen laaseD, erinelter Herr Op- 
el am hätte Bicii Ehre und Leiten damit gnugsam sclbftt abgcscbrieben. 
Er füget aber doch cndlieb noch dabei, er gedenke von E. Ch. D. 
Völkern in Füliuen hinUberzubringen und . , . ') zu entsetzen ; woraus 
denn dermalen die Sachen deromaasscn gealteriret sein könnten, da»« 
alles daRJenig, was man alhie getractiret, zu Wasser werden, und von 
selbst zerfallen dürfte; zu gcechweigen dass man flirehtct, ein und 
andere Provinzen möchten ihres Theils auch die Ratilication noch 
diflicultircn und das» also . . . diese so lang gewährte ärgerliche Händel 
auch vielleicht gegen den Dank derer, die sie dem Estat aufgedruu- 
gen, gar einen andern AiiBscblag, als sich etliche eingebildet, nehmen 
könnten. 



Weiman an de» Kui'flirsten. Dat. Haag 2. Juni 1659. 

[Die Sciiilniig der Transpontlatiill.i aurgeguben, li'ic Hpa ni seh- frnnzüsi eben Pric- 
deiiBvcrbnodlungcn.) 

i Die Transportschiffe werden nicht kommen, weiln der dänische 

Resident mir heute berichtet, dass die Schiffer sich durch Sentenz bei 
den Wasscrriehtern zu Amsterdam lassen lossprechen und. also gede- 
bandiret, der dänische Commissarius Marselcs auch gecondemniit 
sein soll, die ganze Fracht und zwar auf eine solche Maasse, als 
hätten sie bereits Dienst gethan, zu bezahlen. 

Gar gewiss isls sonst, dass der Secretarius der spanischen Am- 
bassade alhie ausgibt, dass Spanien mit England so gut als verglichen 
sei, und dass also viele alhie nicht wenig apprehendiren, dass endlich 
der ganze Kriegshandcl von allen Seiten her sich auf diesen Staat 
ausgiessen dürfte. 



Der Kurfürst an Weiman und Copes. Dat. Feldlager 
bei Fridrielisode 26. Mai 1659. 

jl'lan aur die Insel FuhncD, Unsichcrheil, was von Opditm ond der niodcrlürd. 

Flotle zu crnarlen ist. Was der Kurfürst alieio verlaugl.j 

5. Juni. Ucborij endet die Antwort »af eiu ihm dieser Tngc zugegangenes tjctirei- 

heil der GcDeralstaateu, zur Uubeneichuug an dieselben'). — «Uus würde 

sonst lieb seiu, wcuu dieües tichreibeii etwas divulgiret weiden könnte- ')". 

'j Unleserlicli. 
■') Vgl. oben p.217fF, 

') Dieeeni Wunsch entsprechend ist dieses Schreiben ins tIoliÜDdiacbi> Über- 
setzt und nls Fliigblalt gedruckt wnrd.-u: Brief vnnde Rcnr-Vnr^t van 



„A^iOOt^lC 



ßa3 Hasfcer Conccr). Plan f^egen Fühoen. England. 22*) 

Im übripen melden Wir Eucli gnäd., (lasn Wir gleidi itzo in pro- 
dnctu aeiii, die InHul Fiilinen r.u attacquiren, geHtalt denn alle Antitalt 
iirrpit daitu fertig, alBo Aas» Wir Uns getrauen, näclixt götlliclier Hilfe 
innerhalb wenig Tagen glQoldirh damit zu Werk zu l(oninien. 

Nur allein lieget Ins diene einzige Consideration dabei im Wepe, 
ilane der Admiral Opdam contraniaudiret sein möclite, sieli der Alliirten 
nicht anzunehmen, daliero es dann leiclitlich kommen könnte, dasH 
man von der Keliwcdisehen Flotte auf der Inmil beseldo^Bcn und alle 
Lebensmittel, welelie man darauf bringen lasKcn nmss, abgeHeli Bitten 
werden niöeliten; welcbcH dann inRondeHicit an kaiserlieber Seiten m» 
li»eb eonsiderirot wird, dasB Wir noeli diefc Stunde zu Ihun linben, 
dieselben zu dieser Entreprise zu disponiren. 

Ob nun zwar in dem Projekt enthalten, dasH 0])dam keine Be- 
förderung zum Transport leisten sollte, welches man auch eudlieh da- 
liin gestellt sein lassen muss, weil man mit den alhie habenden 7 
KehilTcn wol ziircelit zu kommen sieh getraut, so wollen Wir doch 
hoffen, man werde demselben zulassen, wenn Wir nuf benicltcr Insnl 
sein und von Schweden umgeben werden sollten, die Alliirteii zu ise 
cundiren. Und damit solclies also gesihetieu möge, so habt Ihr Kucb 
darum so hoch zu benillhen, s» lieh Eu(-h ist die Conscrvation l'nserer 
Armee, welche sonst in liücliKtem Pcricul stehen würde, — 



Weiman an den Kiufllrsten. Dat: Haag G. Juni 1659. 

IDic Znalfiiidc in Knglniiil und ihre inr>);lichpn Pulgen. VerKcigiriing dir Rnlili- 
nalionen. Krohomng von FriüpricFn,] 

Ich mups dabei dieses melden, wiewol Ja wenig Hoffnung ist, " 
da.sa aup dem Wesen zu London eine Rcpublicci werden kiinne (ist'H 
doch zu keinen Zeiten gesehen, wo die Miliz geregiret, dasa man da- 
selbst libeilatem gefundiret), dass dennoch viele seind, sowol hie als 
in Frankreich, denen deromanssen angst dafllr wird, dass sie anfangen 
zu erkennen, wie sehr man vor Jahren sein Verderben befördert, <la 
man gegen die vorige künigliehe Regierung so hochlich, so unbillig 
erhitzet und eingenommen gewesen. Man saget, und ist's wol /.u 
glauben, dass sie sich endlich wieder an Spanien hilngen dürften, weil 

Brandenburgh geachrei-on aen de H. Stalpn Htrit-rnul nvi-r hut 'l'<'in- 

pprameiil 'twelck in '« Grnvcii-Hugc geconcipivert in pi'ivoeBl wpgcii de rf< ei- 

lialie vnn.ii- Noordur Kui.iiif;rn. MlICI.IX. H [.üi:. ^^ - l'.-r i;ri,.f h\ ilnlirt: 
VBldl-L.'CPr liy Fi.'.lii:i-0.1dr d.'ii a; M,.j 0>u\v .«(vi WAI. 



..Goot^lc 



225 • I' Braoileoburg hdiI die Nioilerlnndc. 

ilas engliselie Volk nacli niclits als nach Kricfr gegen Holland und 
nach Friede mit Sjianicn rufet und srlireiet. 

Von F^iif^lnntl, wie voii Kraiikrcicli liört nmn iiii'lits über ilii- linlilirfttion 
ilrsi El.-iagrr VcTfinfCK; es ist. ilPiiinarh nocli iii'-lil hIIck vorlnieii. 

V. H. .Snfrloicli cHialtcn wir die liriefc vom }>i.2H. Mai und lialien 
rrsache, E. C'li, l>. zu glilckliclicr Eroberunjr der Festunj; Fried rirbsmlc 
zu (-■iingratuliren '). 



Wcinian tiii den Kiirftirstcn. Dat. Haag 9. Jimi 10r>9. 
(pracs. im Feldlager bei Filiicii fi. Jniii l()r)9.) 

lAlli'a in siiciiriiPO. AeiiF!"'iiit)g von Jp Tlioii. iUe nnglifclio FJölli- in ilrrOsl- 
scc ItutteE""!? '1" royniiatisdipn Lager] 
i. Alles «iitct alliit iiiuiicifint nin^li auf die Verriclitung der nieder- 

läudiHclien Oe^nndtsdiift zu Coiienlinffcn und wie sioli S. Maj. von • 
Dänemark liieitintci betiagrcn werd. Anders Tlieils sieht man zugicitli 
aueli auf die Iltndel m Ln^l-iud und was der Admiral Mnnta^'U 
machen werd Item, oli nielit cm oder andern Ortes etwa eine noti- 
liilc Verilndcumg /ufillcn niuditc welehc in etwas guter Lnfl wieder 
gelten könnte l nd btclicu innnttelst fast alle andcru Deliberntinnes 
stille, dergestilt diis kium Matirie zur VerKnmutInng übrig geblielieii 
die vcrwiclienc ligc /wir h-vlten die Provinzen Über die liatifiealiAn 
und wie wt it dieselbe /u tliun, allerends Landtage, und tbun wir nclml 
dein dänischen Ministio tlk» was müglieh, uin dieselbe, wo nioht gar 
zu verhindern, ]cdocb in etwas noch auf- und zurtlckzuhalten ; iumaasnen 
denn zu dem Cnde L. Ch, D. Kesident Coiies annoch in Geldcrlandc 
und der Herr Cbarisius ncbut meinem Redienten in Seeland gegangen 
ist . . . Kann aber schwerlich glauben, wo nicht mcrklielie Verfmcle- 
rungen fllrfallen, dass sie absolute zurückgehen und den Tractnt im- 
(irobircn sollten. An Willen mangclts gar gewiss nicht, und ist fa^t 
keiner, der nicht das ganze Werk detestiret und uns in allem glcicli 
giebct; die Furcht al»er für Kriege und dass sie sehn, wie IIoIIaikI 
die englische Macht apincliendiret, stosset alle gute Consilia gänsilicli 
Hbor einen Haufen. 

DtT fraiiKosische Gesandte de Thou zeigt, duss ihm an dem ganMn 
Hunger L'oiiecrt weniji; gelegen ist, und es ht sehr widiri: che inlieh, liiv^' 
„ b'vanb reich mit der Zeit anf .-niilere Coiisilin komme". 

Ans F^ngland ist dem Herrn Downing nichts zukommen. — In- 
iiiittels ist hie das OeRclirei, dass Montagu mit der Flotte wieif^r 

•j l';i'>I..Tnii!r \-im l-V.-.i.TikS'.iMi- ^im li;/-.'(i Miii W-U. 



•,Gooq)ii 



Alles \a BuspcDso. f rederikiiodde'. Krisia il^r pngliBclieD V erhält aisBe. 227 

weg und ZDrHfk nach Eng'land ?ehe. Und ifib> ^r gewisse, dnRH 
iniu ain K^l. cngliBohen Hofe lu ßrDasel was snndcrliohefl fOihat; 
allenuaasfen der Herr Oncali in Eile dahin gefordert und ein Schrei- 
ben gezeiget, worin enthalten, man wtlrd in 3 oder 4 Woclien wn^ 
snnderlichcB vernehmen. Die Klltgxten nihie bilden »ich iniinerfort 
aueh noch ein, es werde gar sieher mit dem englisehen Wesen growe 
Hevolutione« geben; die UAupter unter »tirh, die Miliz und das l'nrln- 
ment wOrden doeh endlich nicht einig bleiben, dahero ein Dritter 
wieder hineinkommen, als der Kllnig, oder einer von allen sich Meister 
maclieD, wie Olirarius. 



Weiman an den Kin-filrsf«n. Dat. Haag 13. Jnni IGöfl. 

IViTwirrlc VerliiillDiaBu iu Englatiil. lu tlotlaDd liufft niuii eiiT die Ufetnnraitim. 
Nuclirichlen Boaewing'B aits I.ouiion] 

E. Ch. D. werden au» den Ueilngen und was sonst der eiirlfui- l;> ■' 
diRehc MiniBtcr ') nclircihet, mit mchrcnn vernehmen, wie anjclzf die 
.Sachen in England und Frankreich bescimffen, und könncu wir ein 
anderes noch nicht ersehen, alx dasR e» mit Frankreich und S])anien 
eine gctliane, in England aber noch eine wcitausseliende Sache sei. 

Gewiss hat man dem gewesenen I'rotectori die gethane Erklfl- 
ning mit gewaffnetcr Hand abgezwungen; Monck trauet man nicht 
zu sehr; von Henry Cromwell in Irland ist alles ungcwii's; Mou- 
tagu hat annocli nicht geantwortet, und acind die Interessen der 
jetzigen Regenten ohne Ende difTerent und verschieden; dahero die 
Kingslcn alhie es immerfort noch dafür halten, es werd an selhoin 
Orte endlieh wunderbare Itevolutioncs geben. 

Und isls leicht zu begreifen, dass es dermainctnst zu einem dieser 
dreien ausschlagen mllsse: entweder dass die Miliz ein freies I'arli)- 
uient berufe, mch demselben gänzlich submittire und abdanke, dem- 
nächst eine rechtschaffene, independente Uepublicq fomiirc; oder dnKs 
aus so vielen Kriegshäuptern sich einer mit der Zeit wieder Meister 
mache und den zweiten Olivarium gebe; oder dass die Häupter 
sich unter einander, die Miliz das Parlament, und die nunmehr bin 
und wieder am Kegimente sitzen, das Volk deromaassen ebocquircii. 
dass dadurch dem Könige die ThUr, wieder in sein Erhthcil zu kom- 
men, geöffnet werden möchte. — 

') Dur ReBiilont des Ucriogs von Cnrlanü in London, KlinB StraiiBB, der 
ancli in Vorbindnnf; mit dem bmiid<'«bnrf(i8tUfn llufc simid, bcBimdors iiatbdem 
Schler.er Kn ilon Scliwcdon libiTK^saiiECii wnr; v^l- w- n. iIJc Acti'ii der Selile- 
evr'achen Ueiaii dl schart. 

15* 



22R t- ßrnadenbiirg nnil die Niederlftode. 

Die Zeit wird nun Holclien über kurz oder lang offenbaren; dienes 
aber merken wir wol, das» man athic nunmehr da» dritte am liebfiten 
Bähe, weiln .man von Tafre zu Tage genugnam siebet, dana dicwr 
Staat zu allen Zeiten' von En^clnnd M'ird leiden mlisBeu, wo nirlit 
endlich die nlte königliche Hegicrung wieder eingefitbrel wird, l'mi 
Rciiid viele, die sich Hnffnun^ dazu machen, weiln niemand glaubet, 
da^H die jetzige AmnJe sieh jemaln eiucni Parlamente unterwerfen, 
dalieni unmöglich sein wird, eine Republic(| zu formireu. .— 

Was nun sonst albie die Publica betrifft, da ist alles noHi in 
vorigem Stande, und so lange man nicht weiss, was die Gesandtschaft 
liei dem Könige von Dänemark ausrirbtet, wird man sich scbwerlicb 
einiges Dinges annehmen. 

Der Herr Rosewing schreibet aus London an seinen Kimig. 
man wllrd sich au den Ilaagischen Tractat nicht Innden, sondern, wie 
au allen Orterii, also auch im Sunde andere Ministros verordnen, unil 
wären sie Ihres Theils mit den Commissarii« des Parlament« bereits 
auch in Confcrenz gewesen, welche ihnen denn gar grosse Hoffnung 
gegeben, dass sie ihres Theils die Sachen gar anders, als die Croni- 
wcllisehe Familie gethan, würden consideriren. Wobei er denn dieses 
auch bericbtetc, dass die Kaiifleute zu London abermalen eine Petition 
ans Parlament übergeben und um Friede» mit Spanien angehalten, 
niid dass er glanbete, das Parlament inclinirete nicht allein dazu, ma- 
dern wäre bereits zu Brüssel mit D. Atonzo de Cardenas (welelies 
denn auch von Antwerpen geschrieben wird) deswegen in vollkoniuiener 
Handlung. 

Wenn iinr Düiiemaik fe^t bleibt, so ist die HofTnnng noch nicht T*'r- 
lort^n, auch die Nieder] aixlii wieder nnf den reclifcn Weg zn bringen. 

i. üesoliitinn des Kurfürsten. Dat. bei der Iiisei Fanoe frepfn 

[■'nhn''n 12, Juni 16Ö9. — Der König von Dätiemnrk gibt immer neue Ver- 
teil lieningeii und Beweise, dass er fest bei den Verbnudeten aushallen und 
firh keines Falls zu Part iculiirtrac taten berbeitasseii will; Weiuian foH 
dies den 6euev;dsta»teu immer von neuem Tnrstellen. 

Weimaii an den Kurfürsten. Dat. Haag 16. Juni 1659. 
{yraes. im Feldlager bei Fiinen 13. Juni 1659.) 

irjiinstige Ordre an den Ädmiral Opdani. Verwirrter Stand der Dinge) wachsende 

Uiiinfriedenheit mit dem Hanper Trnelnt. Powning nach Knginnd inrüeUic rufen 

ilAee der Kiirfiipstin, - Ordre der (JSL an Op.lam.) 

i- K. L'h. |). vom Ifi. Mai st. v. an ndrh abgelassenes gnäd. liescri]rt 

hub ii'li in l'ntertb. wol erhallen und daran!" wegen der Onlre an ileo 



UaBtcherheJl der ÄUBriiLiu 



229 



Adniiral von Holland derumaaseen niciii Ifeetcs gctiiaii, das» diesen 
Mittag drauf geresolvirct uud ohne Itesuniption weggcscliicket worden, 
iDoiaa^Dcn die Beilage ausweiset Zwar hat man der Allürten dabei . 
iD ftpccic niclit gedenken wollen, weil es wider den Tractat laufen 
Word; (inmaaesen denn aueli die von Holland aus solchem Grunde 
weigerten, das wenigste drin zu timn, Ins dass ith deme de Witt 
lienilicli liart darunter zuredete uud zum Glücke aus des Froiherrn 
vun Schwcriii's Schreiben vorzeigen konnte, sobald E. Cli. 1). etwas 
gewonnen, dass solches alsforteus au Dänemark wieder eingeränniet 
würde); sie sagen aber, es werde auf eines auslaufen, und weun's nur 
den bioBsen !Namen hätte, dass der Allüi'ten Truppen in Fttbnen unter 
dänischem Commando ständen, so liätteu sie Ui-sacbe gcnu^, solche 
hm] gegen Schweden zu vertheidigcn ftlr Dilnemark. 

Indem ich nun hiendt beschäftigt war, fand ich nicht gut, K. Ch. 
D. Schreiben an die Generalität zu übergeben, weilu ich illrchtcte, es 
möchte einige Leute gar zu sehr chocquiren und also das andere 
Werk desto diflSciler niadien; wenns aber damit nunmehr seine Itich- 
ligkcit hat, so werd ich damit ISnger uicht einhalten. 

Im Uebrigen stehen die Sachen alhie noch gar wunderlich; Krank- 
reich redet von einem gemeinen Frieden, England von näherer Zu- 
suumenkunft, keines von beiden Theilen sendet die liatificatioii. Die 
l'rovinzen seind ilires Ortes ^luch annoch nicht alle damit fertig, uud 
lieiteiget Gelderland, wie sehr der Herr von Gent auch dagegen ict, 
da#8 es Ehre und Affection für E. Ch. D. hat; l'treclit und Overysscl 
kommen gleichfalls noch nicht ein; und wie männigüch, gross oder 
Itleiu, diesen Tractat detestiret, so sehen die L'rhebcr dieser Confusion, 
JasB man sie nicht ohne Ursache gewarnet, derogestalt auch dass sie 
Itr Schani und Furcht nichts zu sagen wissen, als dass sie Zeit ge- 
wonnen und die erste Attacque mit den Engländern geevitirel haben. 

Im Uebrigen fangen sie an, auch ihres Tlieils auf den gemeinen 
Frieden zu denken und zutreiben; gestalt sie denn heute geresolviret, 
deswegen allen ihren Gesandten in Frankreich, England und Däne- 
mark nöthige Ordre» zuzusenden uud sonst auch mit M. de Thou 
albic darüber in Conferenz zu treten. 

Der Herr Downing ist vom l'arlameut gerevocirct und hat Iieutc 
seinen Abschied schriftlich genomiiieu. 

Unsere gnadigste Churftlrstin und Frau ist, Gott sei Lob, den 
\2. dieses glücklich und gesund zu Delffzyl angelanget '). 

') Sie kam nacij HulIaDil, um dur Hoclixelt ihrer äcbwustor mit dem l'iiraU'u 
Johann Georg t. Anbalt-Deesau beiEuwobneo; vgl. obeu p. 150. 156. 



:A-iOO»^lc 



230 '■ Brauduuburg uud diu Niuderlaude. 

Um! wltnBcheu wii- im L'citrigen mit liöchutcni Verlangen /.n ror- 
nehmen, wie cb mit der Attacquc aiit'FUlinen hergegangen. Alle Welt 
»egnet E. Cü. D., wUngchet GlUck und glücklichen AusBclilag. 

Bcilagi'. Kesulutic güarrestetrt sonder Resamptic, oiiimc 
t^CBOiiiivu to wcidcti aetidb Gedcputcordc nuar Dttnuemiirckeii ende di;n Ad- 
luitid, — Dat di'u Admirul biiiuiu deu lydt vun 3 weeökeii cude de pro- 
luiigptiy, die diuiroii soude moy;j;e« volgiu, vry bijfft deffciisivelyck te Hgtt- 
rvn tot afl'weeriiige vau alle opprc^bicii ende Unauwingcii, die duor ofl'tc 
Diidt-r benetii'ic *;iii de Sweedsclic iimclit soudeii nnidgcii weidou oudcr- 
iiomiuL'U trgciiii ecnige Landau, plitatseii ulTte cylandcn, die op de rcreptm 
vaii dci'eu buUen syn ondcr de macht uffCe de gehoursamhevt vanden Coniiiek 
vau Deiinemurck, uffte uaar Dato vüu dien oudcr S. M. geboorBiuuheyt ge- 
bracht süuden uiougeii werden. 

FilFftt Williclm Kriedi'ich von Nasüaii an den Kurfllrsten. 
Dat. Groningen 17.7. Juni 1659. 

lAukuuft der Kuirdrstiu] 

i- EHtaut si lieurcux (jue S. Alt. El. Matlamc ci-t arrivi^ en cette 

province, en ectte viJlc et en nia maitton en parfaictc »autö, j'ay j«g6 
de moii debvoir d'en donner cognoisäanL'c ä V. Alt. El., pour luy 
asseiirer, qiie je m'estinie le plus heiirciix ot content du nioiidc de voir 
c« jmir, qiie S. A. E, MadaniC löge dessoubs mon tolt cl, cc qu'est 
encorcs le plus grand bonlieur, S. A. E Madame se tcmiioigne sati- 
faict du logement et reception, grande honte et bonlienr '). 

J'espöre qiie oepeiidant S. \. E. Madame est icy, qiie Ic toiit- 
piiiüsant par sa maiii forte bcsiiira Vos arniCB q'ui »ont Justei;; tar Üs 
ne vont iiour conqiierir, niais seiilcDient pour conserver Ics terrcs et 
siihjccis de V. A. E. et de doiiucr la paix efe. IConipliment] 

i. Kill anderer Biier dat. üvöiiiiigcii 24,/l4. Juuj: er höre von dem riuii 

gegen die Insel FUhnen und wÜDächc dazu Glück. 

Der KurfiirBt an Unit' Wilhelm t'riedricli von Nassau. 
Dat. Feldlager bei Coldiug 28. Juni 1659. 

1 Vurb frei lull gc 11 iiud Versucli ijegon Kühnen. Klage über doo Adinirul Upduiii.) 
i. Dankt für die tilüekwüDKche für die E.\pedition gegen Fübneii, die in< 

zwisi^hen durch allerlei UmälAndc aocb verhindert worden i^t. 

Wir hatte» zwar vorgestern resolvirct, bei Middolfalirt einen Ver- 
glich zu thun, wie dann die SehifFe und einig Filhi-zeug mit einem 

'} Am IJ. Juli achreibt WilLelm Friedriubftu den Karfürstim, dasa beulo 
die Kurruietiu nach dem Haag abgereist ist. 

i:a,t--r.d .*^-.00<^IC 



D'w Rurrürstip ll Holbuil. U«scliiri»rJu über Ädmirul U|)ilaiu. 231 

favorablen Wiod rast nalie und auf einen MiisketcnecliufjR an die Stadt 
f^erlifket; woil man aber wegen unvermuthetcr Vciändeninft dos Winde« 
nnd des starken Stromes das Volk nicht an Land bringen können, aU 
haben sich die Hchiffe, nachdem man ein paar stunden gegen einander 
liart, wiewol ohne sonderlichen Effect, eanoniret, wieder ÄiirUekge- 
ziigen. Sobald Wir abef das annoch erwartende Ffthrzeug; bekommen, 
werden Wir nicht unterlassen, mit dem ersten guten Winde die Attacque 
zu versuchen. 

Im üehrigen können Wir aucli E. Ld. iiiehf bergen, welcherge- 
atall Wir j&ngsthiti Unaern Kriegsrath nnd Oborcomiiiissarium, den 
von Waldaw, an den Admiral Opdam in guter Intention atigefertipt 
und von demselben begehret, daes, wenn er ja nicht offensive gegen 
den Feind agiren wollte, er Uns nur die Kee und den Itttcken frei 
halten und zum wenigsten solchergestalt l'usere fitrhnbcnden Destioinen 
facilitiren möchte. Er hat aber gemciten Unsern Abgeordneten nicht 
allein ganz verächtlich tractiret, sondern auch, nachdem er alles, was 
Wir von ihm begehret, pure abgeschlagen, von Uns und Unsern Actio- 
nihns sehr nachtbeilig und schimpflich discurriret; also dass Wir gnug- 
Bame Ureaeh hätten, Uns hierüber bei dem ahlortigen Estat zu be- 
schweren. Wir haben aber um allerhand lledeukcn Willen Unserm ete. 
Weiman anbefohlen, an gehörigen Orten nur dieses llli-zustellen nnd 
in begehren, daas der Eatat ihre Üisplicenz hierüber gegen besagten 
Opdam bezeugen und im Uehrigcn der Flutte solche Ordre gehen 
möchte, damit dieselbe nicht ferner still sitzen, sondern <lie Gelegen- 
heiten, .etwas gutes gegen den Feind auszurichten, besser als bishero 
gexcheben, in Acht nehmen sollte '). 

E. Ld. werden verhod'entlicli Ihro auch get'alleu lassen, beides mit 
Gelegenheit ein und andern Ends, wo Sic es diensnni ermessen wer- 
den, zu verstehen zu geben etc. 

])L'r Kurfdi'st an Weiniaii. Dat. FoldlngiT j^i'^l-ii der Iiisol 
Feniiüc Über 8. Juni 1659. (couc Schwerin.) 

llliti tiollSiulLBcbo Tülilik but im SorJou allen varJürbi'n. KwuchHtrdu üIilt Oi.- 
duiD. Poleu will Mttrieoburg vcrpriiadeo, ucj QaU\ tu bi'kuuiiuen.l 
Autwort auf die Keliitinn vom 9. Juni. 1?*. Jm 

Wir mitssen es Gott und der Zeit befehlen, dai<s alles so wenig 
geachtet wird und dass sie doro Orten denjenigen, gegen welchen sie 
kurz vorhero alle andere l'otentatcn aufgewiegelt, anitzo in ihren 
'> Vgl. w. u. ilaa Schi-eibeu au Weimao id dat. 



:q,t7ed.>G00<:^lc 



232 ^' Bi'itiiituuburg uiiil diu Nitüerluiiile. 

Sr.lmlz tieliiiicii und (lenBcIbcn widor iliie, ilcr Staaten, Freunde, und 
bedritckle Naclitiarn bofOidoi-n helfen; wie es denn gewiss int, und 
Ilir es ilincn aufli rundaus wol sagen könnet, dass der König von 
Dänemark ni(^)it den Schweden, »oiideni den Herren Staaten zuzu- 
sclireihcii habe, dase er nun innerhalb wenig Zeit alle Insbln und was 
ihm zum Lcbentsaufcnthalt noch Übrig gewesen, so schändlieh verlieren 
mtisscu, da sonsteu, wann sie euntinuirct und den Herrn üpdaninieht 
fontraniandiret hätten, die tiaclic, nächst göttlicher Hülfe, so weit ge- 
bracht sein sollte, dass der König von Schweden innerhalb wenig Zeit 
noicns volens eineu . beständigen und sicheren Frieden h&tte eingehen 
niDsBen. 

Und weiln Wir dennoch Unsere Ehre und Sicherheit bedenken 
und alhic weiter fort agircn müssen, gleichwol aber solches ohne 
grossen llazard nicht zugehen wird, i^o lange Herr 0|idani i^titlc stehen 
und dem Feind alles gewähren lassen wird: als habt Hir nochmals 
Euch aufs äusscrsto dahin zu bemühen, dass, im Fall ja Herr Opdam 
nicht otfcnsive gehen Bolltc, er dennoch befehliget werde, die Schweden 
ab und die See frei zu halten; widrigen Falls dürfte es sich leicht 
Kulragen, dass die Alliirfen alhier ein Unglück haben könuten, welches 
gleichwol den Herren Staaten wenig Profit geben und nur allein der Schwe- 
den Intention, horgegen aber den Frieden gar wenig befördern wUrdc. — 

Hiernächst haben Uns Unsere Gesandten vom polnischen Hofe 
berichtet, dass man daselbst nochmals gesonnen, den Schweden eine 
SatisfactioB an Gelde zu geben, welches Wir endlich dahin gestellt 
sein lassen müssen. Weil sie aber damit umgehen, dass ein vornehmer 
- Herr aus Frankreich solches Geld vorschiessen und dargegen feste 
Oerter, als etwa Maricnhurg, zur Hypothek bekommen solle; gute 
Patrioten aber lieber sehen würden, dass solches Geld von den Herren 
Staaten vorgeschossen und ihnen solcher Ort nebst einem gewissen 
Zoll eingeräumet würde; so könnet Ihr Euch deshalben erkundigen, 
wie man dazu intenlioniret sei, und Uns davon mit ehester Post unterth. 
Nachricht abstatten. 



Wcimaii an de» Kurfürsten. Dat. Amstenlam 24. Jinii löÖ9. 

|Yi.'rliuu<l1iiii|^u iu Aiiislurdaiii: Div Trunspurlllattille. IhilTnuug nuf oiul* be^i^urc 
Wenduug. UroeBU MFss^^urrivdculii'it Liit de Witt uud dem Hanger Trautat Aus- 
flücbte de VViti's. h>ubi'ruiig di-r lusel Fauüu. Rvise Weiniuti'B Dach'Haarlum 
iiud Leiden.) 
li. Kr ist, bcsondcrB auf Wuuscb des däui^cheii Ciesitodtcn, jetzt tu Auister- 
dum, wo CS lür den Augenblick mehr zu thtiu gibt als im Haag. Man kftUQ 



Aj.OO<^IC 



Bpschwordc üb. Opduin. GuU' älilnmuuj,'ia AuisUrJuDi. Kruhurung v. FuDoe. 233 

voll bi<.-r iius <lic ölTciitliclic Mcitiiiiig iiui bcHtcii büitibeitc-ii. /iigldih wirü 
uucli die Augt'Ifgeulifit der fitilitr fiir tieu Kuifür^itcti gcmiclhtttii, alier 
iiirht ubgcgBDgcucii, Traus|iortscliiB'u t^Gurduet; vi» Thcil derselben, die iiiiin 
i'twu au-'li arniireti kann, euH dem KurltirAtcn ur>ch zugi'sehiekt tveidc-ii. 

Wir haben mit vielen der fUrucbnistcn Leute vielfUItigc Confe- 
renzcn gclialtcn und vermeinen alles auf einen eulcbeu Fus» gericblet 
zu haben, da^ wir E. Ch. D. wul einigermaasscD versichern dUrfleii, 
vio I. )[aj. von Dänemark beständig: bleiben nud sieb zu niehte ein- 
InsKcn, dass sukhen Falls dieser titant wieder auf die vorige Uoiisilia 
iiml dabin zu bringen sei, dase sie es, weil nunmebr die Flotten 
(,Müeklich gcconjungiret seind, mit England und Sebweden ungeschcut 
wagen dürften. 

Die Bürgermeister albie geben uns dazu die höcliste Hoffnung, 
und iüfB fast iiitbt zu bescbreibcn, wie das Volk murret, der gemeiner 
Magistrat sebilt und männiglifh dem Herrn de W. fluchet. Ungehörct 
ist» bis daher gewesen, dass der Kaufmann alliic sieh in die Tolitica 
mischet; nunmehr aber ist» damit so weit gekommen, das« sie uffent- 
lieli sjnechen. Und wird uns von guter Hand gesagtt, wciln der ßatii 
I'onsionarins ups biehin gefolget, um die Leute in etwa wiederzuge- 
winnen, dass einige ihme selbst gar schimpflioli und bart zugeredet 
und ihn ironicc ihren l'rinz genenifet haben sollen. Wir wissen auch 
wol, dass er bei den Uurgenueistern gewesen, um sein Werk zu 
JustiKciren; er hat aber dabei gespOret, dass es nicht anders zu thun 
gewesen, als dass er sie versichert, sie hätten mit dem Tractat nichts 
denn Zeit zu gewinnen und die Conjunetion der Flotten gosucliet; und 
wo Dänemark nicht w'ollle, so wäre kein Bedenken, so bald die 3 
Wochen um wären, auf die alte Conuilia wieder zu kommen, und 
weil der Terminus verflossen und um wäre, s« wUrd der Tractat von 
ihm selbst exspiriren und zerfallen, — 

Indessen haben wir albie die baebsterfreuliche Zeitung von glllck- 
lieher Eroberung des Eilands Fenoe erhalten') und , , , können E. Cli. 
D. kaum glauben, wie sehr diese Zeitung hiesige Leute erfreuet. — Lud 
wie ich den Burgermeistern des Freiherrn von Schwerins an mich 
aligelai^senes Schreiben vom 4. Juni bt. v. fUrlas, so erblasseten sie 
schier fUr Confusion und erkannten das UngtUok, welches dem ge- 
meinen Wesen zustösaet durch die unglückliche Haagiscbe Händel und 
die Kevoeation der fijchifl'smacht, wuvon ich des Herrn von Opdams 
Schreiben zeigete. — 

') Kroberung der IiiBel Firnuc um 10. Jiiiii bI. ii. J'irtli kuiBi'i-litJu', brauiluu- 
burj^ischa und poluische Trupiieo; vgl. Druyseu III, 2. i^l. 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



21^4 ^' BiaiiJeabiirg und dit- N ieJorlanile. 

Wir utiHei») Orts untcrlaxi^cn nicht», wodurch wir die dänische 
ronwilia krmneii aiistürkcn und animircu. — Ich gehe damit wieder 
nach dem Haagc, werd "aber zu Harleni und Leydcn auch bei den 
MagiBtraten en paissaiit einige Devoiren tliun. 

Weimaii an den KurfUi-steji. Dat Haag 27. Juni 1659. 

INii'uiiooii'nDd erine eigen mächtige l'roIun^atiüD «In Waffe ustillptuuiIcG. Vur- 

weia (iir deiiaelben.] 

i. Die »tlgenuiiic Stiiutnutig wendet siili mehr und mehr vou dum tluagcr 

Ti'itctiit nb; man ist d»hcr cielir ungehalten über die von deui (iesandtcu 

Nieupuort in Lüiidon vereinbarte Prolongation '). 

Etliche in der Generalität liabeit dieselbe nicht allein absolute 
verworfen, Hondern auch gar hart darauf beittaudcn, man Biillfc er- 
wähnten Herrn Nieup^oort anstund» revotiren und ihm seine Verant- 
wortung in persona thun lassen; wäre es ihm an die Hand gegeben, 
so sollte ijr Auctorem zeigen; wiirc es aus Ignoranz geschehen, so 
wäre er der Chajge nicht wUrdig; da or's aber uialitiose gcthan, so 
sollte man ihn darüber, andern zum Exempel, gcbdhrlich abstrafen. 
Der Herr de Witt hat auch wo! Werk gefunden, sich von solclicm 
Vngcwitlcr zu denieslircn. Es ist aber endlicli so weit gcmihlcrt, dass 
mau darunter geresolviret und vennduet, allermaHSHen die HeilHgen 
mit mchrcni besagen, weiches denn bei den Ucgcntcn selbst dahin 
ausgedeutet wird, dass es in den Augen der Englischen nichts aiuier« 
sein wtird als ein lauter Uesadveu. 

De Witt hat hierauf eilig eine Herul'uui: der tiCciateu vuii lIullHnd nach 
dem Hang auf 1. oder 2. Juli veraulas>t. 

Hcilagc. Schreiben der ücaeralstaateii au Nieufiourt. Dut. 
II »ag :iO. Juni lt>D<J. — „Hakende de vuorgcrucrUe jirulungiitie tielßV, Uel>- 
bcn wy geouideclt, tiat gb; u dientlialveu tc vci'rc hebt geelargccrt eudc 
sult ghy uyt de vourgcroerde onse Missi»c bespeurt hebbcu, dat wy den tjt 
viUidien tivcr wat eurt«v soudeu genomen hcbhcu, um bchuorlyck nadruek 
liyt werk te houden. Niet te min de saccke by n in diervoegon gcadjusiccrt 
wescndc, soo licbben wy goetgevondea oiisc Kss. Ocdcputccrten by de 
C'oningcri van Swcdcti cn Deiiucuiarkcii, mit^gudcrs deu Heer van Wusse- 
iiaer LuC. Adni te authori^ceren, dat hy na u mii>»ive den 13. deses acu haer 
respeetivelyrk mutacia mutnudis gcselireveu sulleu vermögen te regulcren. 

Ferner beiliegend das cntspreehende äciireibeii au die Gesandten Sliu- 
i;flant*(bei dem König von Scliweden) uud VoKcIsang und llarcn (bei 
dem König von Dänemark). 

') Niimlitli uijK- rroluiiguiiod dos zwidclu-u .luu bi.-ldcn l'lütleü iu dur Oalsec 
dardi deu'i'reclal vuni '21. Mai elipulirleu WaffuuäliDatuuJesi vgl. A i t ze um IV. IVJi. 



A-iOOt^lc 



IMk Proluni^atiuu des W uffe n tili IIa Uli ües. Ktiglanil. 23Ö 

Weimaii an <leii KarfUrsteii. Dat Haag 4. Juli 1669. 
(piaes. im Feldlager am 1. Juli.) 

|l)<-r düiiiaclio Ueaiileot Petkom. NachrichUn aus LoDdou. MvniuirB uii üIh 
GtfDeraUtaateu.l 

Der Königl. dänischer Keeident zu London Herr Petkum kam ■l.J'ili 
am ersten diescH zu mir und vernahni irh . , ., dass er nach C'opcn- 
hagon cüct, um daselbst zu sein, wenn etwa die engliselic l'lenipo- 
tentiarii im Sunde werden anlangen, gc»talt seinem Könige den um- 
htändlielien Berieht z« gehen von ßewandtniss der .englischen tiachen 
und sonst bei den fOrfallenden Handlungen sich nach Iteüeben I. Maj. 
brauchen zu lassen. Es scheinet ein werklich und eifriger Mann zn 
sein in seiner Herrschaft Dienste und der die englische Regierung und 
Iirfercsee aus dem Grunde kennet, weiln er lange Zeit daselbst gcre- 
!sidiret hat. 

lind saget er mir im tibrigcn, die englische Uegiernng huttc an- 
noch wenig Wurzel, und was man auch davon aiiHsf reuete , so wäre 
CS d«ch in Schottland und Irland noch nicht richtig; die Arm(^e möchte 
keine 7000 Mann ausbringen, Gold w:irc nicht voriianden und dos 
öffentlichen Pasquillireiis (wobei das Volk nur entweder um den König 
oder ein Parlanienfum legitiinmn schrie) scliier kein Ende. Jedoch 
uiBsstc er dieses bekennen, sie würen für die Conservation der Krön 
Dänemark viel raisonnabler «Is die Proteetores jemaln gewesen, und 
könnteu die Schweden nunmehr nicht alleiii thun, weiln ihnen der ge- 
wöhnlicher Zutritt nicht wenig dadurch verschnitten, das» ins gcmoin 
verboten, Ministros anders als in piiblico zu sprechen. Mit Frankreich 
wären sie nit wol zufrieden; nach dem Friede mit Spanien sehnete 
sich schier miinniglich, und wäre der llass gegen Holland deroniaasscn 
gross, dass er fllr Knptur fürchtete mit der Zeit. — 

ßciljcgcud ciu von Weinittn uud Copvs bei den Gciiemlü tilgten ein- 
gereichtes Memoire dat. 1. Juli: der Eurfüiüt erkenne imtiiur mehr die 
seltädlicheii Fulgcii ilcs Traetat:^ vum 21. Mai; der König tuu Srhwedcii 
nimmt eine dänische Insel nach der andern und niemand liindert iliii'); in 
Pulen erhebt alle;:, was scbwedii^eh gesinnt ist, das [Iaii|)t. Kis wird niii 
^'ceiguete Urdre« MD den Adiiiiral U|idam gebeten; auch möiie man un (Icn 
Konig und dio Uepublik Polen ijclii'eiljen und dieücllcu der gntcn Ab^ii hteii 
der Ueuerulstuatea vereiehern. 

< Wriljrcnil Il^ri pi'uluii^irlcD WiillunatilUluiiilus liiillu Kiiiii^; Iviii'l (.iiialuv 
ijie iNjaln Muen, Fntatur uud Liiubud j^nnz in auiiicu ItesilK j^ehrucht. 



^aovGoOt^lc 



236 T Braudmibur;; uud die Niudcrlaude. 

Weiinftii an den Kurfflrstcn. Dat. Groningen 8. Juli 1659. 
(piacs. im Feldlager 4. Juli.) 

Die Vcrii;milluiig ültcr die Frage Jer l'iuloiigatioii ües Twiiiiiis des Hunger 
Vc^l^ugl^ gellt noch weiter. Die Ulieder der Uenerali^taaleu ciitid Lueli Haus 
gegniigcii, uoi bis zum 10. oder 11, Juli «ich neue lostructiuaen zu holen. — 
Inzwischen beschliosst WciniHii, dicise Zeit zu eiuer Heise Dach Groeiiiugcu, 
£11 lienutzeii, bcKUiiders „wegcu der f. Auhiiltii^cheii Heirutliüpuclcu und der* 
i^leieheu Siuheii, novun mir ullciu die Wisiseuüchurt beiwuhuel"; zugleich 
AUL'ht er unterwegs überall für die Sache der Allitrtcn zu wirken; um lU. Juli 
will er im Ila^g zurück sein. 

Beiliegend ein neues Memoire von W ei man uud Copes an die Uc- 
ueralstaateii gegeu den Vertrag vom '2U Mai dat. b. Juli lt!5ü. 



Fürst Wilhelm Kiiedrieli von Nassau an den Kurfürsten. 
Dat. Groeningcu 5. JuU 1659. 

IKbge übur Uiiiliiui. (jute bJrbl.'iruiigeu vou Priesluud uud Groeuiugen.] 

i. ^Vütlscht gute« dliiek zur baldigen NVicderholung des Aiigrißs uuf die 

Intel Filliucu. Er bi-kliigt das Itcucbuien des AdmirulK 0|idain und wird 

iin geeigneter Stelle dcsihidb Klage Tütircn. Leider hat man es iti Holland 

nur nilxu viel mit Leuten /.u thiin, „die ihre besondeni Maximen rühren" etv. 

Fricsland ist bereits resolvirt eu einer Kiklärung, „damit die Flotte in 
Arlion treten nnd ninn dieser Seiten die tielegoiiheit zu Verrichtung etwa» 
gutes für das gemeiuc Beste hesser nls bi:-liero in Acht nehmen mögi:". 
Uroeningcu wird dein sieb hoAeutlich ansehlicssen. 

Iti einem cigeuliäiidigen l'oätscript meldet er, d:iss so eben „die vuu 
Stadt und Lande" (vou Groeningeii] die gleiebe Resolution bcs' blossen haben, 
wie die Staaten vou Friesland'). 



25.Juli. Danl{ schreiben des Kurfürsten au Wilhelm Fricdriih für seiucu 
Antheil an der Ke^ulution vou Frie^land uud tirocningeti, däss die Flotto 
wieder in Actiun treten soll. Dat. Feldlager gegcu Middulfulirt 15. Juli 165u. 

'JtJ. Juli. Duuksehreibeu an die Stauten von FrJeslaud. Da*, ibid. 16. Juli 
It>5U. — Desgl. an die Staaten vou Oroeningen id dat. 



Copes an den KurfUrsten. Dat. Haag 






7. Juli. Weiuuiu hat eine Reise nach üroeningen nuternomnicn , iibcr die er 

selbst Bericht crslutten wird 

') Fiiret JuliUDu Ucorg v. Auhaltisl gluicbrulls bei dieseu VerbaudlDOgei) 
iu Oroeningen auweseud und buricbtet darüber dem Kurfürsten eigenhändig. Uut. 
Uroeuiageu b. Juli lii50. 



^düvGoot^lc 



Fricsland und (irocningen. UDhr>flicliki.-it Opdam'a. 237 

Der KnrfilrBt an Weimaii. Dat Feldlager bei Cohling 
28. .Tmii 1659. 

1^'' ml II Du itra Oburcommieanrs v. Wnlilnw ati cleti Admiral Ojxinm. Uriljötlioliki'll. 
(IvR Admirals. Weiinan soll libcr ilm Klage rüliroii.l 

Kiifh ist alhereit wissend, weloliergeftalt und warum Wir l'nserii fi ■'"li- 
Rath und Coinniissariuni Hangen von Waldaw an den Lieutenant 
A<linirn1 Opdani abzuseiiicken venirsaelict worden. Nun lint 7,war der- 
sellic die ihm anhefoldenc C'oniniiswion f;el)ülirend aliftclejret, wie er denn 
vor wenig Tagen sieh allererst allner wieder bei Uns eingofundeD; 
anxtnft alier dass Wir vcrlmffet, es würde derfiell)e von liomeltem Op- 
ilamen niebt allein wo) au%ononinien, sondern auch mit guter lieso- 
lutinn wiederum diniittirct wonlen aein, eo hahen Wir mit hiieliRter 
Refrcmdimg von ihm vernelimcn mitssen, dasH er liald anl'angx fast 
unliöflieli tractiret worden, indem man ilin nielit allein lange filr der 
TiiBrc stellen und anfwnrten lassen, sondern, naehdem er cndlieii liin- 
tiogelassen worden, hätte der von Opdain ihm alsfort nach seiner 
aligelfgten Werbung (da Wir doeli ein mehrers nieht gesnelit, alw 
Ins die See vom Feinde frei zu niaehen und dessen Seliilfe, welche er 
bis in gegenwärtige Stunde darinnen naeh l{eliel)en agiren hisset, alizn- 
halten) alle« rolnnde aUgesrlilageii, aiioli snusten sieh nicht gesehenet, 
sowftt von Uns als UnKern Actionen fast sinistre und s]iÖttlieh mit 
nicht geringer Unserer Despeftimng zu diseurriren; wie er dann ilin, 
tlen von Waldaw, also damit diniiftiret und sich naeh Copenhagen 
ljegel)en. 

Kun seiQd das glciehwol solelie Proceduren, die ihm weder an- 
stehen, noch Uns zu leiden gebtihren. Wir hütten auch solches olles 
7.war selbst durch Schreiben an den Staat bringen' wollen; damit es 
al)er nieht das Ansehen gewinnen möge, als wollten Wir Uns mit dem- 
selben in Aetion einlassen, so hal)eii Wir tlienlieher befunden, solches 
alles durch Euch an gebührlichen Orten mUndlich vorstellen zu lassen. 

Weirann soll erergisch Si)tisrfti'tion für die drm Krrriir.'tcn zngpfügtc 
ßeleidigung Tcrlangeii '). 

Joli Oopes an ilen Knrfiirsten. Dat. Haag ll.|l. Jnli 16ri9. 

IRxIremer Besclilnsg von Hrjlland; Sommation an .Schnellen iiiid niiiiemarlt. Ki- 
moiiBtralJoiien und Eiitaelinldigiingen wider nnd fnr den ScIiiiU.l 
Nunmehr schreitet man hie zu den Kxtrcmitätcn, und damit nmn 11. Juli 
■nil Frankreich und Kngeland nicht zerfalle, und dass die llnndbin^ 

•) Vyl. i.l.ei. |.. L>:i)r. .liis i^Minilu r. nii d,i. FJ,r-l. ii Will,,. Im L'i i.-.ii i i li 



A^iOOt^lc 



238 '- ^rfioi^ahmg und A'm Niederlaade. 

vom ll.|2l. Mai seinen Effect erreiche, lint mmi in Hollaatl, nacli viel- 
faltig ^elialtenci) DeIil)eratioiieii, ilaliiii sich resolvirt, hei der fioiic- 
ralität dicscfl vorzutragen, tiass man I. Maj'"" von .Schweden uiul 
DiincnmvkcH dui'ch allerseitH, so französisch als englische und hicsifres 
Eslatu Gesandten laeee vortragen und ersuchcu, Kieh kategorisch 7.u 
erkl&ren : 

1) oh Kie den Rnthschild'schen Tractat gedenken zu halten und 
wirklichen zu vollthun; 

'J) wenn sie dazu verstellen, daruf an Stund zu hnudclu und xa 
schli essen. 

3) wenn I. Maj. zu Dänemark eich weigerich fltelletcn, deroselhen 
wissen zu lassen, dass dieser Status so eine kostharc Scliitfuflolta da 
selltsten nicht mehr zu unterhalten gcdäclite; 

4) und die 4O0O Afann auch, nebenst die 20(Xt, so in Coiwnhagcu 
seind, gestalt sich einer und anderer Mnolit alliie, gegen allen vor- 
fallenden Misshelligkeiten, zu gebrauchen, zurllekzuzioheu '). 

Wir haben zwar liie, ko an Königl. däuischcr als an E. Ch. I>. 
Heitcn, mit stetigem Ansuchen nicht still gestanden und sie immer ihrer 
Belohlcn, ihres Interesse und so oft zugesagten Hülfe erinnert und zu 
verstehen gegeben, dass, da doch in Ewigkeit Sehweden nicht zu 
trauen, mit einer kleinen Hülfe, wenn nur die lUliirte Völker Überge- 
setzt würden, die Sache zum guten, sicheren und reputirlichen Friedi'D 
zu bringen wilre; da hingegen, wenn solche ihrige Kcsülutioues wür- 
den vor sich gehen, altes zumal «lespernt gcstcllct und diesem tXat 
uud zugleich den Alliirten ein so überaus hohes PräJudiz zugefllgct 
wllrdc. Sie liabeu es auch gnugsani (immer so viel sie es uns zu 
verstehen gaben) llberwogen, sagten aber, es sei kein ander Mittel 
vorhanden, als zu diesen E&tremititten zu treten; denn sie wider Eng- 
land und Frankreich eich nicht setzen, auch einen so kost])aren Krieg 
so nur auf ihre Kosten geecbälic, nicht langer führen könnten; die 
Zeit wäre auch schon so weit nvanciret, dass, wann nian's abhandeln 
sollte, kaum so viel übrig würde sein, die Flotte nach Haus kouimeu 
zu lassen. 

Dieses seind nun die Ursachen oder vielmehr die Prätextcu dieses 
Abfalls, und hat man nicht annehmen w<dlcn, dass wir ihnen saltsaui 
zu vci-stchen gegeben, die englische Flotte wllrde uiT die ihrige nicht 
ehest losgehen, weiln unmüglicb wÄrc, dass der Herr Montagu dazu 
beoi-dert wilre, da die Itegierung dort so fluctuirete; viel min, dasu 

DqitzedüvGoOt^lc 



VersDcb zur Darchführong des Coocertea. 239 

sie alle« ilirer Seiten sollten wagen; denn sie <tcn Säcliadcn, «len sie 
etwan erleiden nuicbten, nidit würden krmuen ersetzen; und dicsox 
Eslals Flotte bcdUrtlc sie nirlit zu attaoqniren, könnte mir der Alliir- 
ten.LSger ilusecrlielien kcIiüIzcu nnd dem Ueherkunft indirecte l»e- 
Tönlern etc. . . Sie blieben aber bei ilireni boelidcliädlieben Sentiment 
und gaben uns zur Antwort, daes sie oHion allca, als ob wir jregcn- 
wärti^, Uberlc»:ct, auch nicht alle ^Icielie tieilanken gebäht, ilaunocb 
cudliehcu hei dieser einhelligen Ueüolutiou hStten ))Cgfcbcn iiiUHsen, 
dass man den Frieden haben niiisstc und zwarn nach Laut dieses 
Vertrages. 

Es sngete der Herr liatli Pensionaris mir rccbtaus, E. Cb. 1>. 
wQrdcn Ursach sein der totalen Huin de» Königs von Dftncmarken, 
wenn Sic denselben ferner zurllekbielten ; dann sie Schreiben hntten 
gesehen, die E. Cb. D. an höbe Potentaten hätten abgeben lassen, sie 
versichernd, das» Sie den König von Dilneniarkcn in die I'artbei wiil 
würden ballen. 

Ich sagcte hieruf, dass dieser Status alle» Unheils den ebesicn 
Stein mit diesem Partieulartractat geleget und E. Cb. l>. zumal ver- 
dAcbtig gemacht hilltcn bei dero Itundgoiiossen, und dass daheni E. 
Cb. [>. dort und dero Ministri an ihren Orlern, wie wir auch iiic, nicht 
könnten slumui bleiben, sondern einem jedwederen niUiid- und schrifl- 
liclicn mitsstcu ku verstehen geben, dnss wir nn allem erfolgenden 
Unheil unschuldig und hiesigem Estat uiebl zu folgen oder von der 
guten ]'artci ah7.utretcn gesinnet wären. 



Weiniaii an (Ifii Kiirflirstcn. Dat. Haag; 14. Juli IG'it). 
(]n-ai.'s. Kcldlnger bui ColiUnj^fn U, Jiili.) 

[.SHiwnnkPti vor <Iit Kiilsclici<liiLi|^. Ilor lli>r<;i;riii<:i»li'r iIk (;rnvi-. V.>rl>r<'i'li<'iiili' 

..rnntsfil,i> Sym|.™tliifU. (^onftTPriz mit lU' AVid- Hi'..l.sii:|,liHliT r.,nji ilT'Inl il..- 

ÖBtreichinchcn fiesnnJti'ri Fiic([Upl.) 

Kw iht norh nllcs uriRewit^s, wie livr St.iiit errh iloa wctlcrrii Imltm wird. 14- ■'"li. 
AiiiKtinlam, I.cvdcn, llnnrlciii sind gut gcsiiint; Wpiman nnd ('oprs :ir- 
beitcii nn doii andern, sie auch gut zu sünimcu. 

Ftlmclimlicb bai>cn wir bei dieser Gelcgenbeit dem Herrn Blirger- 
metater Gravc von Amsterdam mit allem Ernsten zugeredet und dem- 
selben die 80 vielfilltigc Sincerationes und gemeine Interessen dero- 
maasscn zu tiemllllie gefUhret, dass er die Fehler deren von llcdland 
erkitnnto nnd i)ekliigeto, da«w er seine grauen Ilaare nunmehr noch 
vieUeiebt würde niilssen mit seines Vaterlandes Sebande unter die Erde 



A-iOOt^lc 



240 t* Brnodeabnrg uad die Niederlande. 

bringen; und ilaes er nichtes mehr bedauerte, als (iasR er sähe, tlass 
die Republik nicht lilnger capabel wäre, gegen der franz «der cii^- 
litwhen Natinueo Griffe sanis C()i]sitii8 Statt und Raum zu geben; je- 
doch das8 er dabei filgete. annoeli \Yäre Hoffnung, der Staat witnie 
sieh nieht präcipitiren , dahcro Dänemark diesmal nicht für den ite- 
fusanten erklären; ja iin Gegentheil lioffete er seine») Ortes, was die 
Vernunft nicht vermöchte, daas solcliea die Zeit, ZufTdle, Kriegsactinne» 
und die Geduld wördeu wieder zurecht bringen und verbeesem; au 
seinem oder seiner Stadt guten Willen ermangelte es pönal wo! nicht. 
indem sie alles gethan, was immer mögtich geweeeu, gestalt den Sinai 
bei herzhaften ennsilii? z« halten. 

Andere fflnielinic Glieder flthron uns dergleichen Dispursen, koI- 
eliergestalt dass sie ilir Unglück erkennen und nicht wenig beseiifien, 
dass ilir liebes Vaterland ohne Prinzen, ohne Haujit sei. Zugeschwcigcn. 
dass das Volk Überall die grösscBte Ungeduld zeigt und Ö'ffenllicii an- 
fangt zu sagcu : England nirchtc filr dem König, Holland filr ileiii 
Prinzen, und wäre solches die Ursache, dass beiderseitige Nationc« 
unglltcklieh, verlassen und elendig wären filr Gott und der Welt, und 
wilrd dieses nicht aufhüren, wo Gott nicht einig wenig böse Leulc 
aus dein Mitlel wlird räumen lassen. 

Doch wird dies allos nicht viel helfen, und dem Kurfürsten wini pc- 
rnthcit, sii'h auf alle Fälle gefasst zu machen. 

Mit dem de Witt haben wir heute eine ziemlich lange Conferenz 
gehabt, wobei wir ante omnia gesuchet, mit aller Sanftmutli denselben 
wieder auf eine gute Bahne zu bringen . . . Die dfinischc Miuistri 
haben auf unser Gutachten desgleichen auch gethan. Es ist aber allen 
vergeblich gewesen, indem deraelb bei seinem Werke einen Weg wie 
den andern unbeweglich verbleibel. — 

Der Herr Fricipict ist seines Tiieiles auch nicht wenig unge- 
duldig, und wie er E. Cli. D. tapfere Beständigkeit zu allen Zeiten 
fUr unvergeltlicli und inästhiiabel ausruft, so hat er durch ermeltcD 
Herrn Petkuui ') sich genugsam berichten lassen, es auch beute aus 
des Rathes Pensionarii Discursen selbst gnugsam begrifTen, dass seine 
Gegenwart alliie mehr Schadens als Vortheil bringet; dahero gcresol- 
viret, weiln er nunniehro selbst siehet, dass man sein znni Schrecke 
brauchet, wenn die Pacificationsleute den ein oder den andern rer- 
setzen wollen, er wolle bei Sr. Kais. Maj. uui Revocalion anhnllcn; 
mit dem Erbieten, wciln dazu viel Zeit gehörete, dass er sich mit 

') l>;liiif('li.'r lio.-UUi.l in I.oiHlnii; vor rU,\«t'\i 'l*i)<ri>ii nilf drv Dnri-hrfiF.' nirll 



A-iOOt^lc 



Die Pacifioationiparlei im Siege, 241 

Eselat Toii hinnen erheben wolle, ehe er ftucli von Wien Bescheid er- 
halten, wenn nur E. Ch. D, es mit tlcr gering:steii Litler an uns würden 
gutfindcn zu ap|»ro!»iren. Wir unseres Tlieiles [haben] uns aber dar- 
unter sehr zurilckn'elialten, wiewo! wir wol glauben, wenn er mit 
einiäTCin Aufsehen bei dieser Conjunctur abbrechen mochte, dass es 
den Pacificatoribus einige Scliwierigkcit verursachen dtlrfte. 



Weiraan an den Kiiifilrsten. Dat. Haag 18. Juli J659. 

lAllgeiaeiue WeDÜiin^ zum Sclilimmon. Wodurcli die Facliou de Witt's diese 
*prbeiReführt ; daa Memoire de Thou's. Verhaiidliiunen mit Kogland. Krkl."ining 
dfi EüDigi von Däneroark. Amsterdam und die öffenlllche MeiDong gegen die 

ji'lzige Politik. Wie die Drobnolc de TIiod'b zu Stande gekommen. ] 

Alles TCründert sich alliie von Tage zu Tage mehr und mehr, und 18. Jnü. 
so gut es sich beim Anfange angelassen für die gemeine Sache . . . 
so ^ar kehret sich nunmehr alles ins Gegenspiel, also dat^s man glcich- 
Miin mit vcrstocketeni Herzen zu seinem Verderbe rennet; und wie sehr 
das Volk, wie sehr auch einige Provinzen dagegen streben, die Di- 
reelores in Holland dennoch alles nach ihrem Sinne eniportiren und 
eiarichten. Mau thut alles, was England will, und was England nicht 
nill oder weiss, solches befördert man Namens des Estats dabei, es 
sei dem Corpori lieb oder leide. 

E. Ch. D. werden solches aus den heikommenden Nieupoort'- 
sehen Briefen vom 7, und 11. Juli zur Genüge vernehmen. Man treibet • 
dabei auf die liatitication des Haagtsdien Tractats; man gibt Schooneii 
dahin; man suclit nur QTiisquilien fllr Diineniark und den Elbingischen 
Tractat fiir sich selbst; und was das ärgste ist: cxlra ternünos tractatus 
erbeut man eich, Dänemark zu zwingen, anstatt da.«s man einem so 
(celreuen Bundesgenossen mit allen Kräften beistehen sollte. Uns 
grauet, wenn wir daran denken. — 

Man hat in Holland gar lange deliberiret und aufs hitzigste gegen 
einander debattiret, was denn endlichen zu thun, derogestalt auch dass 
alles gleichsam auf der Spitze stand und dass für wenig Tagen noch 
alles nach dilnischem Wunsche und wie wirs begehret, hätte mögen 
resolviret werden. Da sieh aber solches alles gar zu plötzlich ge- 
wendet und niemand schier ausdenken können, wodurch eine so ge- 
schwinde Veränderung entstanden, so haben wir zuletzt erforschet und 
erfahren, dass die bekannte Facfion, um Ihr Acussersfes zu thun, den 
Ambassadeur von Frankreich bewogen, ins Mittel zu treten, und da 
alles auf dem Hcldusse bestanden, ein Memoriale, wie die Beilage 

Mitit. 1. Geich. d. Gc. KucrOciilen. VU. 16 



Aj.oo»^Ic 



242 ^- l^MQdsn'turg nod die Niederlande. 

zeiget '), illrzubriiigen, wodurch denn die Glieder ini? gesammt dcro- 
maasscn intimidiret worden, dasa man zuvorderst gar stille gestanden, 
endliclieu alier dureh besondere Commissionen es so neit jretiraclit, 
dass die Consilia günzlieh vcrüetzet und im ganzen Werke ein so 
grosser Schreck verursacht worden, als sonst im Anfange niänniglieh 
geantmiret war, noch Schweden noch Engeland zu fflrchten; aller- 
mafissen denn fiiif solchen Grund alsfortcns Leyden, Harlera und das 
ganze Nordholland, Edam auslicRchciden, zurückgegangen; danncnhern 
das Werk so weit gehraclit worden, dass es nunmehr dem Rathe Fcn- 
siouario und etlichen wenigen wieder in die H:lndc grcfallen. 

Kicht zwar, dass sie ihr entworfenes Advis gäuzlich hchaupteti 
können (welches in Effect dahin gezielet, dass man Dänemark ftlr 
refusant erklären sollte), sondern dass sie es dahin gerichtet, dass 
heute Vor- und Nachmittage in der Generalität gcdeliberiret und end- 
lieh pluralitate votorum {wobei Frieslaud und Oberyssel absolute ge- 
coutradiciret , Gelderland, Seeland und Utrecht aber nur sub spe rati 
sich eingelassen) geresolviret worden, man solle an den Herrn Nicu- 
poort diesen Abeud noch sehreiben, er sollte seine Negoeiation con. 
tiuuiren und mit England daliin schlicssen: wo Schweden au Dänemark 
Drnntheim, Bornholui, Wecn und die Guineische Satisfactionsgelder an 
Statt des verursachten Kriegsschadens über- und resp. nachlassen, den 
Elbingischen Tractat mit den Elucidationepuneten simpliciter ratiticiren 
und also auf den Kothscbildischeu Frieden handeln und schlicssen 
wollte, dasa man solchen Falls communi opc et consilio darauf drin, 
gen , , . und endlichen dem nichtwollenden Theile die Hülfe entziehen, 
dem willigen aber allen Zuschub und Beistand thun sollte. 

Gar gewiss ists auch, dass die Direetores dieses Werkes mit 
Privatschreiben diese Consilia aufs höchste poussiren und secondiren 
werden; wobei denn dieses kommt, dass der Ileir Downing gestern 
bereits ein Memoriale übergeben, wobei er bekannt gemachet, dass er 
als Commissarius ad causam alhie noch etwas zu verbleiben und wegen 
der nordischen tfaclie einige Propositiones, welche, wie man filrgiebet, 
sehr avantageus für den St.iat sein sollen, würd zu thun haben, und 
dass man ungezwcifelt eheste Stunde ndt ihm darüber in Cunferenz 
treten und das ganze Werk dahin wird zu belegen suchen, dass man 

') Memoire von de Thoii. Put. Haag 16. Juli 1659. - Lo BOuaBiirne Ära- 
baEsadeiir de France . . , se trouve obltgi' de dedarcr a Leurs Si'igneuries dp 
la part du liuj soa Hnistre, tiue ei dies surlent du Concerl . . . que le Koj ma 
Muistre sorlira dis toniies de lu niudiatiou e( ossiatera ouvertcmeDt de loules 
809 fotces Ol de luiitu sa poiMnoee le Boy du Savdn etc. 



•,Gooq)e 



Die Pacificati OD sparte i im Siege. 243 

die englisclie Freundschaft immier büher zieljcii, dagegen aber alle 
andere pite und tapfere Consilia von Zeit zu Zeit melir und melir 
hintertreiben möge. Dalicrn es denn auch ist, dass man keine neue 
Flotte ausrilätet, dass man die vorlfingst gewilligte 70,000(1.') zu Ab- 
üniliiiig und Annebiiiung; des Fahrzeugs an die dünisclic Minislros niclit 
zahlet, dass man alle andere gute Fürsehläge zurllckliisiset und auf 
nichts stehet, als was daliin gehet, dass man mit Eiigtanil nicht breche 
und man gegen Scliwedeu wiederum freie Hände bekonmie. 

Was der König von Schweden am 20. Junii fllr eine Declaration 
ausgegeben . . . eolelies wollen E. Ch. D. aus der gedruckten Beilage 
fnäd. erselien ').... Wir wissen niclit, ob man sicli nunmehr, da 
man alles von Engeland zu liaben vermeinet, auch gar gross drum 
bekilmmeni werde. — 

Und ists gar gewisse, wie Fricsland gegen alle diese Verände- 
rungen mit allem Eifer und ex scripta geprotestiret , tlass die Stadt 
Amslerdam bis auf diese Stuude noch feste stehet und alle diese neue 
Consilia, sive scrio, sive in speeieni iinprobiret und gänzliclicn ver- 
ivirfet. Die Affection und der Eifer des Volkes bleibet gleichfalls noch 
für die gute Partei. — 

Dem Herrn Downiug haben wir zur Genllge angewiesen, wie- 
^el^hrlich es fttr England sei, sich einen Zaum im Korden anzulegen, 
Mona, de Thou, aU S. Exe. uns vorgestern eine Visite gab, haben 
wir zu Gemitthe gefiiliret, wie schmerzlich es E. CIi. D. und dero hohen 
Ailiirten würde ftirkommen, dass er das obgemeltc Memoriale (iber- 
gelien. Wie aber jener sehr hoch contestirete, sie sueheten Dänemark 
nitlit zu ruiniren, wiewol selbe Krön ihnen nicmalcu als böses ge- 
tban; . . . allermaassen er denn auch wol zu verstehen gab, der Hass 
gegen Oestreich würde endlichen auch wol durch einen Frieden mit 
X|)amen erlöschen; wtinschete aber immer noch, E. Ch. D. möchten 
jemand nach London ans l'arlament schicken: so war der Herr de 
Thou an der andern Seite wegeu des Itbergebenen Memorialis ziemlieh 
confus und bestUrtzet, protestirte sehr von seinem gnten Willen und 
dass er's (hun müssen, weiln er von guter Hand berichtet worden, 
dass alles in Holland gleichsam in puncto gestanden, den Haagisehen 
Tractat vom 21. Mai zu renveraireu . . . wollte aber wol bekennen, 
«ass ers uicht übergeben, sondern blosshin nur einigen wenigen fllr- 

'■ Vgl. oben p, 1«. 190. 

') VerklQriugB vaade H. Eoaiackl. Majeet. van Sweden, aengaende syne 
ibtnBghBQtliejdt tot de voltreckiughe der Vrede. — Dat. Crouoaburg. Am 
ScIImb: Ujt laele vaude Ko. Maj, Eduard Ehrensleeu. 4 B!l. 4». 

lÜ* 



„A^iOOt^lc 



244 I' Brandenburg und-dio Niederlnnde. * 

gezeiget; woraus wir denn wol ein anders nicht merken können, als 
<las8 es eine ^cmacbctc und zwisdicu ilini und dem R. 1'. tieimliel) 
concertircte Saclie gewesen, geslalt dadurch die Glieder zu intintidircn 
und daliero desto elier zu seinem Ziele zn gelangen. 



Der Kurfiiret an Weiman. Dat. Feldlager bei Colding. 
8. Juli 1659. (eonc. Schwerin). 

18 Juli. IDebele Nochricblen aus dem Ilnog. Dio Forderungen der ConcerlmScIite be- 
deuten den Ruin Driooniarks und dio Allmacht Schwedens. Lebhafte Remoo- 
slratioD gegen geniEsc ÄciiBeeruDgen de \Vitt'B ; scharfe Kritik von dessen Politik.] 

Wir haben zwar gehofft, dass Euerer bei vergangener Post ein- 
gekommenen VcrtrÖ8fung nach die Herren Generalstaaten eine solche 
Resolution ergreifen und an ihre Flotte absebieken würden, welche 
ihrem Interesse, auch so vielen von ilineu getlmnen hoben Versiehe-' 
rungen gemäss wäre . . . Mit liGcbster Unserer Bcstilrtzung aber hahcih 
Wir in Euerem Abwcsen aus anderen alliier cingekonimcneu glaub- 
würdigen Schreiben ersehen, dass man eben im Werke begriffen ge- 
wesen, eine Ordre an die Gesandton in Copenhagcn abgehen zu lassen, 
.dass sie dem Könige in Dänemark andeuten sollten, dass, im Fall 
derselbe den Rotbschildischen Tractat nicht annehmen wollte, der Staat 
nicht gesonnen wäre, weitere Assistirung zu leisten, besondern Flotte 
und Landesmiliz zu revoeiren und also in der Tbat nicht allein den 
Künig von Dänemark, besondcru auch Uns und Unseren Staat daran- 
zugeben. 

Nun ist jederinänniglich gnugsam bekannt, dass der Rothsehil- 
dische Tractat so buchst naehthcilig vor dio Krön Dänemark, die 
Unirten Provincien und alle Benachbarte nicht allein jetzt albercit ist, 
wenn Schweden achoa ein uiehres nicht erlanget, wonach sie doch be- 
ständig trachten werden . . , besoudcni, was das bedenklichste ist, 
Copenhagcn auf solchen Fall allezeit und unaufhörlich gleichsam wird 
belagert bleiben und gar schlechter Unterschied sein wird, ob die 
Schweden auf Seeland anjctzo stehen bleiben, oder ans denen anderen 
eedirten Plätzen stets bcselilossen und blocquiret wird. 

Und thut nichts zur Sache, was man von der Guarautic spricht; 
dann da man itzo bei habender grosser Macht den König in Dänemark 
so unschuldiger Weise opprimiren lasset, so wird wol nicmaitds einige 
Hoffnung darauf machen, dass, wann Schweden, ihrem festen Vorsatz 
und dein aus dem Rothschildischcu Tractat erlangten Vortheil nach, 
über kurze Zeit den liest unter ihre Gewalt zu bringen sich unter- 



A-iOOt^iC 



Kur Kurfiirat Kogeii du Witt. 245 

nclimeu wird, diejenige, bo aiiitzo so knitsinnij;' , ja vielmehr übel 
alTeeliuniret sicli vur das gemeine Weseii crzeiyeu, al»(1aiin, wann sie 
iTstlicIi Kosten anwenden und aieli armircn sollten, aicli der Saclien 
mit Ernst aunebmeu würden. Zu gcaelineigen, daas Schweden, wenn 
es in dem itzigeu Zustande verbleibet, hernach in so geschwinder Eil 
zu ihrem Inteut gerathen könnte, dasa es dem Staat unmöglich fallen 
würde, mit ihrem Serours zeitig genug iieizukommen. 

Alldieweil aber dieses alles alhereit itbcrflitsstg remonstriret ist . . . 
und AVir fast befUrcbteu müssen, dass Fatalitäten bei diesem Werke 
scfn, so niüsseu Wirs eudlicb Gott, der nnch seiner untadelhaftcn Ge- 
rechtigkeit die Regierungen auf Erden verändert, alles aulieimstellen . . , 
und werden auf ein ander Mal so leicht auf der Herren Staaten An- 
maUnuugcij, wie Wir dieses Mal gethau, Uns nicht hcrcden lassen, 
weil sie Uns anjctzo, nnclidcm Wir ihren Consilii» gefolgct, in der 
Niith stecken lassen und einem unersättlichen Feinde anfupfern wollen. 
Müssen wol gesteheu, dasa Wir Uns einer solchen Unbeständigkeit, 
zumal in einer Sachen, da der Staat mehr als Wir interessiret ist, nicht 
versehen, und wann Wir dergleichen thun wollten, niüehten Wir viel- 
leicht gar bald Mittel linden können, Uns aus dieser Sachen und noch 
wol mit Vortheil zu reissen; ob aber alle dabei vorgehende Conditiones 
dem Staat getilllig sein würden, daran müssen Wir sehr zweifeln. 

Dieses aber gehet Uns hiehei sehr tief zu Herzen, dass, da Wir 
hisher Unsere Aetionca dergestalt guflihrct, wie es der Staat selbst 
desidcriret und öffentlich gelobet hat, dannoch der Uath l'ensionariua 
de Witt sieh unterfangen soll, olTentlich über Uns zu schreien, dass 
Wir Ursache an des Küniga in Dänemark Itnin wären, indem Wir 
denselben von dem ICothsehildischcn Traetat dchortireten '). Ea ist 
aber diese Beschuldigung so nusverschitnit und unbegründet, so ver- 
wegen CS ist, dass ein solcher Mensch sich von Unseren Aetionibus 
dergestalt zu urtheticn unternehmen darf Wir haben Uns nie unter- 
»ilauden, den König in Dänemark zu bevormunden oder vorzuschreiben, 
wie er seine Sachen anstellen solle. Wann AVir aber denselben von 
Unserer Bestilndigkeit versichert, auch wol dabei die Gelührliclikcit des 
Itotlisehildischen Tractatcs angewiesen haben, so haben Wir nichts ge- 
thau, als was von dem Stasit aellist vielfältig geschehen, Wir auch noch 
diese Stunde von dem ganzen Staat nielit sagen können, dass derselbe 
sich hieriimcn sollte geändert habi'ii; dann was in den l'rovincicn des- 
halb umgehet, ist Uns nicht unbekannt; dass Wir Uns aber mit dem 

') Vgl. obeu p, 23!(. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



246 !■ Brandenburg und dio Nipderlande. 

de Witte, nachdem sich dcrscibige von franzÖBiscben, ciiglischeo und 
ecliwcdisclien Ministris gegen des Staats wahrhaftes Interesse amstcllen 
lassen, eonfomiircn und seiner unbeständigen, höelistscliädllehen Con- 
silien theilhaftig niaebcn sollten, dazu lieben Wir Unsere Ehre und 
Gewissen zu viel. Und wird er gewisslich der erste nicht sein, der 
mit seinem Exempel beweisen wird, dasa man zwar in dorn Staat nach 
der Natur solehcr Itepnldicq ein Zeitlang Bolehc sebfldlielie Consilia 
fuhren, auch ctzlicber Maassen durebtreiben kann, bald aber in die 
Grube fallen mnss, die man Anderen zu graben gedacht hat; wie Wir 
dann ninunermchr glauben können, das» die göttliche Itaehe lange 
über solche schädliche Leute ausbleiben werde. 

Und sehreiben Wir Euch dieses zu dem Ende, damit er es er- 
fahre und Bciuc Zunge auf ein ander Mal besser in Acht zu nehmen 
wiösc '). 



Joli. Copes au den Kiiiftirsten. Dat. Haag lfl.!9. Juli 1659. 

|l>owuiDg bleibt iin Haag. Neues ciiglia.lita rriijucl. Uer (.■uglisch-franzüslstbe 
Verlrng vom ;i Februar) 
i Es liatle der englische Resident albio Herr Downing selion seinen 

Abschied gcnonjmen, war auch mit einer güldenen Kette ad l'A^) A. 
Xaniens dos Estais bcgiftigct geworden; ihm ist aber ein neues Cre- 
dcutialc vom Parlament zugesandt worden, dabei ilim befohlen in 
Qualität eines Commissarii sieb noch hie aufy.ubalten und der Norder 
krönen IJefriedigung zu respiciiren. — 

Ho seind auch in England bereits einige Conditioncn zu l'apicr 
gebracht, wie man das Werk finden solle, mit Beifögung, dass man 
demjenigen dei' Königen, so sieh nicht filgcn wdrdc, nicht allein die 
Assistenz entziebcn, sondern wirkliehen zum Aeeommodement zwingen 
solle . . . und ist beute bei der Generalität alhie den Vor- und Nach- 
mittag eifrig beratbschlagt worden, wclcliergcslalt man den Henn 
Nieupoort bierauf inslruiren solle; wovon der Herr Canzler Weiniao 
ausfUbrlicb unterth. berichtet, 

') Dieses Schreiben curairtc einige Zeil später im Hang, ■□ hoUäudiscber 
Uebersetzung gedruckt, wie Copes in einem Beriübt vom T. Oet. iüjd mitllieül' 
nach diesem Blult druckt es aaeb AiUemu IV. UM ab. De Witt erbebt bei 
deu liraadeuburgiechen ticsiiudten lebliufto Beschwerde über di^i indiscretu Vet- 
riSentlicfauDg; diese aber stelleD in Abrede, dass sin dieselbe veranlasst haben; 
privatim war ihm das Schreiben des Kiirfiirsten sebon vorher von Weimaa nil- 
gctbeilt worden; vgl. unten s. d. 28. Juii 1>J59, uud diu Benrthcilung des Schrei- 
bens bei WicQuefort IL 58If. 



A-iOO<^lc 



Üie l'uuificutiuuHiiartei ubi'uitaf. 247 

Wir haben dabeneubcnst vom köu. franzrisisclieii CcgantUcn hic- 
sclbslen in einer Visilc, mi er uns vor zweon Tagen jfcgebon, vor- 
■ uummcn, dass zwisehen s^eiucm Küuif^ und der englischen Hegierung 
am 3. Febr. jUngst dieses vergliehen sei, das» sie beide dem König 
vun Sebweden bcispriiigen wollen wider alle diejenige und sundcrlich 
diese Unürtc Provitieien, so wider Hchwcdeu feiudliehe» agiren möchten, 
lud ob wir dieses wol ehest vor eine fabrieirtc Sache ufgcnomnicn, 
so haben wir doch verstanden, das» der engtiselic KesideDt Downing 
el)en dasselbe sollte gesagt haben, und dass er selbige Vcrbindniss 
unter sich hätte und vorzeigen könnte; und gebet dieselbe in copia 
hicnebcnst '). 

Dickes nun hat in Holland grusle Alteration verursai-hct und nie 
zu mehr disponiret, den jUng^t ufgcrielitelen Tractat de 21, Mai ein- 
zufolgen und sieh aller Ilostilität wider Scbwcdeu zu enthalten. 



Weiiiiaii an den KiiritUriteii. T>at. Ilaajf 21. Juli KiÖO. 

[Oiu l'acificaliuniijmrti'i volliß nlieiiinir Irul/. vit;lfa('Ueni Witlorspruch. Vereucb 
(billige Stimmi'D in ili-r (ii>iivruliiüt zu gi'wiDiicn. IlnOnuiig: auT allcvnieiae poli- 
liachi.' Weniluii^L-u ; :<pauuurig iwisi-iieii KiigUnil uuJ FraDkrcii^h. tichwankFDde 
Zukuuflupiriuo.j 
Die Arigc'leg:ehhciteii geben trutz allci' uiigcwaiidier Mühe ^iublimm; die 21. Juli. 
P!intiratioLi-|Jiirlt'i i>t oljpii niif trofz iilletn Widcr.^ipruih. — 

Zu gesehweigen da.«« das Volk ferc ad scditiononi nsque au den 
fiirneli nisten Oi rtcrn murret und wUtlief, auch die meiste Itegenlen un- 
geduldig, seliwiorig uii<l seliicr desperat seind, rimdaus bekannt, dass 
iiic da^i ISrisc sehen und doch nicht (liehen, dass man 7.u seinem Ver- 
derbe nit gehe, sondern renne etc. Was hilfts aber* Wir sehen, dass 
dem ungeachtet die l'acilieationspartei (es mag ihnen endlich aueh 
geheu wie es wolle) durcli allerhand Üünke mid Gritfe alles iutimi- 
dircn, alles auf ihren Willen zwingen, also dass wir E, Ch. ü. keines 
Weges versichern können, dass der I>tat in Kurzem wieder auf eine 
gute Maassc R<dl(c zu bringen sein. Der Herr de Orave, Rurger- 
mcister zu Amsterdam, »agetc mir heute noch, Itempublieam esse im- 
|)arem sanis eonsiliis, es wiirc zu bedauern; sie von wegen ihrer Stadt 
stunden feste und wollten nnt gegenwiirtigcn eousiliis nichts zu thun 
haben, sie würden aber von den andern (Edam ausgenommen) ver- 
lassen und blossgestcllct. 

') Es isi <]i-r bvkauiitu (.-[iflisdi-rrauzrisiBche Vertrug vom 3. Febr. 16.''>9, der 
dcD Ausgangspunkt der Veroiitlolungspolitik der Weet mächte bildet (Du mont VI. 
2. ?44) 



„A^iOOt^lc 



243 ^' Brandeuburg und die Niederlande. 

Die von Stadt und Lande haben heute auch noch von ihrer Pro- 
vinz ciue ziemlich nachdrliekliche Ordre, dass man nämlich nach Ex- 
spiration der zweimal drei Woeheu die Flotten solle ungehindert agiren 
lasscu, erhalten, also dass wir für solche Opinion nunmehr 3 Vota fllr 
uns haben und in voller Arbeit bej^riffeu seind, aus Geldcrland oder 
sonst noch die vierte zu linden und es also in künftiger Woche, da 
Friesland präsidircn wird, dahin zu bringen, dass die Resolution vom 
18- verändert und dem Adiitiral und den Deputatis im Sonde gnug- 
same Ordre de non amplius prolongando et agendo möge zugeseliicket 
werden. Wie weit wir aber damit werden fortkommen können, solches 
mag dio Zeit lehren. 

Wabr^cheinlirb wird die Oi'gcnp;irtci es mit atlcu MiltolD uur dubiti 
zu briDgcu äucliea, daäs die äummcrtuuufitc übac Ai'tiou biugezogen wcrdcu; 
vOD Aufung Oclobcr iin fcrbietct es siob dann von selbst. 

Inzwiscbcii stebn düch ^'rosse Dllgcmeiiic Ycräudcrutigeii bevor, die deu 
Aspcct der DiugC andern werden. 

Die Jalousie zwiselien Frankrcicli und Fngcland nimmt von Tage 
zu Tage mehr und mehr zu und stehet schier nicht zu zweifeln, wo 
der Friede mit Spanien (woran denn kaum zu zweifeln) seinen Fort- 
gang gewinnet, ca werd endlich daraus erfolgen, dass solche Nationcs 
unter sich zerfallen und zu beidcii Seiten diesen Estat suchen werden; 
gleich wie denn Frankreich auf eine genaue Allianz sehr eifrig dringet 
und das englische Parlament seiner Seite auch fast Über seine Ge- 
wohnheit civilisiret und in Arbeit begriften ist, Sir Henry Vane, 
caput eonsiliorum, in Ambassade hiebin zu schicken und auf eine 
nähere Zusammensetzung zu dringen. 

Aus welchem allen denn dieses erfolgen wird, wo dieser Staat 
seine Sache wol in Acht nimmt, dass er arbiter rerum werden und, 
wie es gehet und wes Partei er auch annehmen wird, dieses erlangen 
kann, dass die itzige Partei verändert und dem Könige von Schweden 
entweder England oder Frankreich werde abgezogen werden können. 

Zwar kann man davon aunoch nichts sicheres sagen, und ob, oder 
was Partei man wählen wird; dieses aber merken wir wol, dass die 
Directores Hollandiae metn regis-Caroli und was dem anhängig ist, 
nach Engeland sieh lenken, und dass also eine wunderbare Verändc- 
i-ung kommen niüehte. Wiewol es sonst zu vermuthen, dass man 
ins gemein pro bono Ilei|)ublioae fllrs beste halten wird, bei Frankreich 
und dessen Partei zu bleiben, dahero sich nebst Spanien und andern 
von der englischen Dienstbarkeit bei dieser Zeit zu befreien, zugleich 
auch durch dieselbe Mittel Schweden auf seine Maasse zu bringen. 



Das Bwcile Hanget Concert. 249 

Gestalt dann viele glauben, das ganze Spiel werde nach dem gerechten 
Willen Gottes sicli endigen in der Strafe deren von England und 
Sfliwcdeu, als welelic beide sieh gegen Gott und MenBclien am mcisteu 
verBÜndiget und eine Weile licro vergriffen. 



Weimiui an den Kuiiiirstcn. Piit. Ilnag 25. Juli 1650. 

(Zwtileit Haagiir Uuncert. BfSliirzte und bi.'scli;imtu Stluiiuuug Jui'ubcr U'iu 

ilasieltii; zu UtunJo gi>kL>ninii.'u. Ktidia uiil eiuor oiuzigoii iatjuimo Mnjurilät; 

HoBuuDg, die Sacbe uuch zu rcilruaaireD, gering. Die nllitrtcu Uesaudtcu woUun 

auslialti;!). Duppulzüngigkeit du Witt's gegen Fricquet ] 

Endlich hat die bekannte l'artci nach so vielem Dispntlreii, nach 25. Juli. 
so vielen ungehörtcn Veränderungen durch allcrliand gräuliche Griffo 
nnd Listen es so weit gcbracbt, dass Holland am 18. dieses gcschlosBcu 
und die Generalität verfolglicli gestern und vorgestern nach eincui 
langwierigen Delibcriren und heftigem Gezanke per niaiora geresol- 
viret: man solle mit den auswärtigen Ministris sich vereinigen und 
also mit gerammter Force Dänemark zu partIciiHcrer Handlung, daliero 
dahin zwingen, dass es innerhalb 14 Tagen den Uotliscliildischeu Ver- 
trag annehmen möge '); allcrmaasucu denn darunter bereit» die uOthige 
Ordres die verwidiene Nacht ku Wasser und zu Laude per exprcssos 
seind abgelassen und sowol nach England al» nach dem Sunde ver- 
schicket worden. 

Von ganzer Seele bedauern wir's. Und wie es an unseren fleissi- 
gen aelirifl- und mUndlichcn Gegenerinücrungcu wol gar gewisse uiclit 
crmangelt hat . . . »o ht ein jedweder, der mit der bekannten Faction 
Dicht vermischet, über diesen fatalen Handel bcaeliÄnit, bekümmert und 
bestilrtzet, also dass ... die Auclores sell>8t zu ihrer Exculpation 
nichts als die extremam nccessitatcm und dass man salutem populi 
nickt an die Unsicherheit eines einzigen Seegefcehtcs hangen solle, 
flirzuBchUtzen wissen. 

Gar wunderbarlich ist's damit hergegaugeu und das ganze Werk 
in einer so grossen Geschwindigkeit von dem einen Extreme zum 
andern und auf diesen Fnss versetzet worden, dass auch die klUgste 
und älteste Regenten in Holland selbst bekennen, es sei unbegrei flieh, 
wo CS hergekonmien. Zwaru wusste man wol viele Tage znvorn, 
wohin der Rath Fcnsionarius zieletc mit seinem Auhang; es war ihm 

<) Secret« Resolut. II. 1-8 ff. At tzeuiu tV. 3'.>8f. Der Uuricbt vuu Copi->a 
id. dat. rügt liiuza, dass das uuue (Joiicert vuui 'J4. Juli iu der Wuljuuiig Jus Trao- 
lÜBigchea Geeaadtea de Thuu untcrzeicliuel wordea ist- 



.A^nOO»^IC 



250 '- BrantleDburg und die Niederlande. 

aber alles nocli bis auf den 15. wnd 16. deromanseen verleget, Aass 
er schier desperivete und sieh also gcnothdranget sali, zu allen Extrc^ 
mitilten zu sclireitcn, allermaassen er indessen denn sich mevklicben 
über unsere contraria ofißela beschweret, und endlicheu (welches nuo- 
nielir liberall bekannt wird) mit des IleiTn de Thou vorhin geex- 
praetisirtcr Declaration ') und de3 Herrn Downingcn vielfältigen 
seil riftl ich eu Sineeratinnen und Vcreieiierungeu, dass England die Ra- 
tificiition selucken und redlich halten wollte, die Gemilther znvorderet 
zweifelliait, endlich aber so zagliaft geinaelict, dass er zuletzt mit 
voller Kraft durchgedrungen und unser Werk an allen Oertern suspeet 
und zu Schande gemacliet. Zwarn haben wir immer dagegen ange- 
hauet ... es ist aber alles vergeblich gewesen, weiln dein Gegenthcile 
es gar zu leicht gefallen, ein so wunderbares Corpus, da es einmal 
von guten Gonsiliis abgewichen, auf dem Irrwege beständig nicht allein 
zu halten, sondern auch zu verstärken. — 

In der Generalität stund alles in summa crisi, und wo uns nur 
ein einziger Mann aus Gelderland festgehalten, allermaassen er uns 
schier versprochen, so wäre vorgestern das ganze Werk redressirct 
worden, t'nd ist's zwar nicht ohne, wciln selber man von dem von 
Gent und dem Uathc l'cnsionario ultra inandatnm seiner Principalen 
ist verleitet und verrücket worden, dass wir annoch arbeiten aus Gel- 
derlaud ein Desadveu zu erlangen und also, weiln Friesland, Groeningen 
und Overyssel noch feste ballen, die Majora in der Generalität wie- 
derum zu machen. Wir seind aber eines guten Öuccessus so wenig 
versichert, dass wir E. Ch. D, nie^t rathen dürfen, darauf auch grosso 
Reflexion zu machen; es könnte sonst auf den Fall, da etwa Däne- 
mark beständig hielte oder Schweden sieh widersctzete, allermaassen 
es viele fllrchten, viele wünschen, noch ziemliche Operation thun; da- 
hcro wir denn auch gut gefunden, damit nicht allerdings stille zu 
stehen. 

Wie nun dieses alles sehr beschwerliche uud wichtige äachcD 
seind, so haben wir uns mit den Kaiserlich-, dänisch- und polnischen 
Ministris zusanuiicngetlian und ins gemein überleget, was bei so be- 
wandten Sachen zur Uand zu nehmen. Wenn nun dabei allerhand 
Discurse und FUrschhlge ins Mittel gekommen (wobei auch der Herr 
Fricquet sehr beklaget, dass der Rath Pensionarius sehr übel mit 
ihme gehandelt, indem er, um das Volk für Schweden und England 
desto mehr zu bewegen, fast alle Tage geharanguirct, wo man mit 

I) Vgl. oben p. 212. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



Dae sneile Haager Concert. Nachricht«D aas England. 251 

Engeland in die Haare käme, so wdrde man alsfortens mit Oesferreicti, 
dahero mit dem alten Erbreinde wieder aneiianiicii müssen, wicwol 
er ihm, Herrn Fric(]tiet, scibsten jedesmaics jrar andere Mienen ge- 
niacliet und nimmer ratlien wollen, dass er sich von hinnen begeben 
sollte): SO' war endlieh dieses unser iin vorgreif liclics Gutaeliten und 
iinterth. Bcdllnken, man mlls-^te dieses Ortes immerfort noeli der guten 
Partei fltrsteben nnd unnaehUssig darunter arbeiten, damit mau die 
Sache desto leichter redrcssiren könnte, wenn etwa Engeland, wie filr 
diesem, andere Wege einginge, Schweden sich opponirete, oder I. Maj, 
von Dänemark, da man billig alles zu contribuircte, beständig halten 
und sieh nicht wilrd ei-sclirccken lassen. 

Nun, Gott verzeitic diesen Leuten alle ihre Feliler, stärke E. Ch. 
D. und die gute Partei mit dei^to mehrer Gnade und gehe, wie icbs 
gänzlich hoffe, was dem gemeinsamen Wesen alhie abgebet, dass 
solches E. Ch. D. Glorie vermehre in dci-o gUteklichcn Actionen! 

,Ioli. Copcs an den Knrfilrsten id. dat. 

Aus Kngland hat man, d«ss der Herr Henry Crorawel! niis Irland 
zu l.ondnn angckumnirn und selbigen Litnücs GulcgerihfiC dem PnrhtneDt 
binterhrncht hnlie nud vcTüicherl;, dass doit «lies in Hube wäre Worüber 
er bedanket nnd hcurlaiibct i^t, iiffin Lande zu äfincit (iiitein zu gehen. 
Sein UiuUcr aber, der gewesene I'roleclor, Iiac eine Protection ulT Wuchen 
(-^ie) wider seine Crcditoren, duds sie ihn in selbiger Zeit nik;ht überfallen 
Follen, erhallen; und srlircilit dieses Kstnts Uesundter Herr Nienpoort, 
dass, wciin des vorigen abgelebten Protecloris 01i?er's Trauer nneh nicht 
bezahlet ist, dass niiiti ihn selbsten darüber besprochen, dahc noulitcns . 
dieser Fmtector Richard Ihr) Kxc. d;is Tucli selbsteu zu Hans guschicket 
und «erehret, und dieser Status ihme PcrniUsion gegeben, selbiges Präsent 
atiiii-.ehmen, — ' 

Anders in einer von Wciniaii redi<;irCeu Zeitung dat. Hnag ^5. Juli, 
„Henry Cromwell war nobeaonnen giiug gewesen, naeher Iiondon zu 
kommen, woselbst er am 17. bei dem Kalb von Staaten Audieuz gehabt, 
welcher ihm deu)nii(;h>t, sieh aufs Land zu begeben, anborohlcn und seinem 
Bruder Kiihard geboten, innerhalb G Tagen das Haus vullkömmlieh zu 
räamen, wogegen sie ihn aus sonderbarer Gnade noch ti Monaten (sk) von 
Ausprui-b seiner Creditoven befreien." 



Zeitung aus dem Haag. Dat. 25 Juli lliöSI. (von Weiman), 

Die Gedeputirte nach dem Sunde scind am 14..'i4. verreiset. Und hatte 2': 

man im Ucbrigen vcrsrhieJcnc suspeete Personen und viele Pferden in We?t- 

niünj-ter und andern Oertern gearrcatiret; waonenhoro alhie und anderswo 

die Uoyalisteu Eich bereits flattiren, dass ehe lang in Kugland wieder neue 



„A^iOOt^lc 



252 '' Brandeubutg und die Niederluode. 

Troiibles entstchu werdeu. Ocwise Ut'n, dasa tli« Miliue will l>f£alili.'t üi'iii, 

uiiii dass ktiiio Kcuugsiiuii' Mittel fiiilmuUou, womit lu.iii ilerusdi.cii rÜL-k- 
stittidigeii uud iiiir i'tlichc Milli<,ni'ii ^Mt [wUufvmhu tjolO iiUlnigoii kuunc; 
ilemgestiilt diiss maii-^ ü;ifiii- lialt, ila^ I'iuliiiiK'.iE \\crdu «cgcii Goldi.uiiigcls 
die l'lolle, wekla- :^ü viel kg.ska, iiirlit lat]g(.T im Simdc h;ilteii köiiufri und 
zurück kommen lua^eii mäi^ätu, 

Zeitiins ans dem Ilajig. Dat. *J8 Juli IImU (vou Coiic>). 
-Ja Juli- Dt'ii l*i. Jtili i>b zu ti roLtitititeii das rürsllicli AnhallisLlio Itcilager gar 

(rlii.kli.li gtliulteii worden. Uud weil» 1. V\i. L>, ilie ^_'llur(ür^lill gCKt-igt, 
dasS yiu Ilir vätürliulics I Imis iioclinuilc» genif ^.jilu'ii, sd werdeu üie beute 
zu Uj-swiL-k alh-c nächst bei di/m Hange aulangeii, nebst der Frau Mutter 
Hub. uud l'rJuK Mauritüeu f. Ga. 



Wfinian :i» den Kuifiii-ötcii. Dat. Umv^ 28. Juli Wö'ü. 
(jn'iies. (^(ilttiiLg 2ö. Juli.) 

IWIn.lälillu nuoli dum Abäuliliisa dt-a zwi-ilvu Cüui^orl.rs. Ue Witt Blatidlmrt. 
Uisüurs mit iUin ilOor si^ii.i; A eiisseiiingt-j] iu Hl-IivII" des Kiirrursleu. IJio l)u- 
[„Llirten im Smid umimgl 
i- Alles ist nun in i-uspoiisi); es kuniint dar.iul' mi, wie Dänemark und 

öebwedcn die neue liüts.haft aufuebinen werden. Viele Sliiiimen erliebcn 
sieh iiaeb wie vor gegen die Politik der bek.iniilen l';irtei — „wo wäre es 
gehiirel, dass ein Cont'öderirier airli zum Iti-bter, eiu Huudesgenuss zum 
Feinde, und eine üepulilieii i^ieh stelletc, üolebeu Kunigcti auf sülebe Art 
(icsetic zu geiicni^" 

Der Ilatli PcuBionarius aber cum suis ist ^''ar einer aiiilercii Meinung, 
indem er uiibeweglieli dabei bleibet, wenn sie mit Engeland brcclicn 
»ullteu, so wären sie, dabcro aucli Dtlnemark und ilie Alliirten, ver- 
loren; ciuc ungltlekliehc ILitaille küniitc dem Lstat alle Commcreia 
niinireu. 

Ich zeigete iliinc darauf E. Cli. D. gniid. IiC^criiittnu vom S./18. Juli, 
und raerkete ie!i wol, dass er in etwa darüber sfutKcle, sagetc aber 
endlich: niemamt wllrde ibnie verdenken, dass er als ein Minister na 
einen Minister seine Meinung rund ans sagetc, und iiättcn wir, aii 
unser und dflniseber Seite, es nifht allein niilndlieli, sondern auch juib- 
licc uud sebriftlicli über des Staats Ai'tiones deromnassen getliaii, dass 
wir den gemeinen Mann seiner zu Uiehtern gomaelit. Wie ieli nun 
darauf vcrseliicdcntlich replicirte, so blieb er d.ibci, seine Meinung 
wäre 80 und könnte er darin nit verändern, und weiln wir darunter 
von ihnte diserepireten, so wäre es nbs eriniinc, wenn jemand darunter 
causam voti hcraussagete absque animo injuriamli. — 



A-iOOt^lC 



DftB zweite Concert; de Witt; <ie Thon. 2Ö3 

Als viel man aua allco Briefen von Cronenburg und Kopenhagen 
siehct, pciml die Deputati nicht gar wol einig, indem die Herren Slin- 
^elnndt und Iluybert sidi ziemlich nach Schweden lenken, die an- 
dere aber den geraden guten Wog halten; welchen sich denn der 
Herr von Opdam am nieifiten filget in seinen Briefen an den Staat, 
also daes wir aucli nicht gut gefunden, gar zu sein* tlbcr ihn zu do- 
lircn, weiln wir besorgten, es möchte Rolchcs das rechte Mittel sein, 
ihn zu irritircu, daliero in die schwedische Partei zu stUrtzcn. — 



Weimaii an den Kurfürsten. Dat. Haag 1. August 1659. 

[F)c Thoa löugncl Beinen ^iillicil an ilcni zweiten llangor Cnnccrt; BcllBames 

Henehmen des Maunee. Angele^'Ptiheit des HeBidenten Wicqiiefort in Paria. 2u- 

aiände in KoginnJ ; baidise VerandiTting uoiimgünglicii. Die Bpauisch-frnuzÖBisctie 

Heirat] 

M. de Thon saget nunniclir, er hab dem letztem Tractat zwischen 1- Ai 
England und diesem Staat zugeschen; gleichwie er aber dazu keine 
Ordre gehabt, so hätte er ihn nicht nntersch rieben , sondern es ge- 
glichen lassen, dass Keimbliqucn über Könige verordnet, was er seines 
Theilc» bekannte gar hart und zwischen Künigcn gar zu ungewöhnlich 
zu sein. AVie uns nun aber dieses in Ansehung seiner Ücclaration 
vom 10. Juli ') und dass das letzte Conventum in seiner Stube gcmacbct 
und beschlossen, gar fremd fitrkonimt, inmaasscn wirs ilime denn auch 
vorgestern noch ziemlich rund zu Gemilthc gefUhret, so können wir 
uns in des Mannes Thuu nicht wol Schicken, müssen aber wol glauben, 
Jass er sieb von den bekannten Leuten aus Holland zu alles leiten 
IriSBct und nicht gnugsam begreifen will, dass er contra propria coni- 
iiiida laborirct, wenn er hilft, dass dieser Staat sich immer weiter und 
weiter mit der jetzigen englischen Regierung vertiefet. 

Bei dieser Gelegenheit kam zugleich mit ins Mittel, dass der Hof 
zu Paris E. Cli. D. Kcsidcnlcn Wiequefort befohlen, sich aus Frank- 
reich zu Ecfirircn, und als wir ein und anders (wicwol unter der aus- 
fhllcklichen Protcstalion , dass wir nicht wtlssten, wie es E. Ch. I), 
liegritfen) dabei, und warum es hart wäre, angezogen, so sagete er, 
Jass man gar gcwiise am Hofe nicht geglaubct, dass er annoeh in E. 
Ch. D. Dienst wäre, und dass er selbst bereits erinnert bsltlc, es wllrd 
allerseits am besten sein, diese Sache zu keiner fcnieren Verweiterung 
kommen zu lassen; gleichwie wir denn sehen, dass der Ilhcingraf und 
viele andere filmehme Leute sieh bcmlllieu, erwähntem Wiequeforteu 

') Vgl. oben p 242, 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



254 '' Br&ndeobarg UDil diu Niederlaade. 

Torzuspreclieti und die H-and zu bieten; zugeschweigen , dage sie alle 
mit einander es dafür balten, E. Cli. D. werden sich seiner aunehmen, 
weilii er allerends fUrgil)t, dass er von E. Cli. D. niemaln wäre revo- 
ciret, sondern bis dabcro TollkoDimlich geeontinuiret worden. — 

Aus England schreibet Herr Nieupoort von niebts als von Friede 
und Einigkeit; andere aber melden gar andere Sachen, und dass da- 
seiltet, zwißdicn dem Parlament und der Miliz täglichen die Jalousie 
dermaassen zunehme, dass ungezweifelt Veränderung erfolgen müsse. 
Gewiss ist's sonst wol, dass das Parlament sehr suchet, neue Miliz 
aufzurichten und die alte zu dumpfen, und zu dem Ende gibt man 
täglich neue Patenten aus an neue Creaturen. Man hat auch bereits 
den allen Trainband, d, i. den Ausschoss, wieder ^vollen in Wesen 
bringen, und gehen nunmehr alle Gedanken und Sorgen dahin, dass 
man Geldmittel finde, gCBtalt die Soldatesquc allerends zu stillen. Wenn 
nun aber gar sehr zu vermutbcn stehet, dass hiebei das ganze Werk 
sich stossen möchte, indem das Parlament ein Grosses cmportiren 
würd, wenn's hieniit dufcbkänic, hingegen aber die jetzige Miliz und 
Officirer wUrdcn ausbabcn, da sie sich dcromaassen das Ketz fein oaiift 
würden llber dem Kopfe zusammenziehen lassen: so glaubet niännig- 
licb, es niUsscn in Kurzem die englischen Sachen einen anderen Gursum 
nehmen, es sei das» es einen neuen Protcctorem oder den alten König 
wieder gebäre. 

In Frankreich wird nichts so sehr besorget, als die Vollziehung 
der spanischen Heirat, und merket mau, dass alles andere darum 
stille stehet 



Weimau au den KuifUrsten. Dat. Haag 4. Auguat 1659. 

|Der ucuo Traclat; Schreibun aa den KüQJg von Daiieniark. Zusammengehen mit 
den OuBanilten der AUiirleo. Diu englietlie und die fronzüaiacliu KnliGcatiun. — 
Vcrihcidigutigsschrift von Niuupoorl.] 
4. Aug. Alles notli iingewiss; es koiumt nlles auf die Antirort an, die Schweden 

und DäneDinik auf den neuen Trni-tjit geben werden '), • 

Inmittclst lasset dennoch das Volk nicht nach zu murren, Am.ster- 
dam zu protcstiren, Friesland, Ovcrjssel und Stadt und Land zu 
widersprechen; danncnliero die Paeificationsparfei auf die gener.alc 
Tractaten zu dringen, gestalt dadurch wieder gut zu maclien und zu 
redressiren, was sie . . so liederlich verdorben und in so grosse Un- 

>) An eben diesem Tage, i. August, wurde vod England und den Nieder- 

Innden das angenannte dritte ITiiDgor Üuncert unterzeiclinot; 8. Secrete Resol. 
II. lOSr. AiUemalV. 406f. 



,Goo»^lc 



Das dritte Baader Conc«rt. Die engliBohe Ratification. 255 

Sicherheit gesetzt haben. Zu dem Ende wird nunmehr in Frankreich, 
nunmehr auch in England aller Flciss angowendot ... die Zeit aber 
wird uuB lehren mtlSBen, was davon zu hoffen. — Uns gibt man iu- 
dessen {rute Worte. Man sucht die unwillige Geuiüthcr aurs beste zu 
Etillcn tind hat man an I. Mnj. von Dänemark gcresolvirct zu sehreihen 
und remonstrire« zu lassen, allcrgestalt E,*Cli. D. aus dem Deisohlussc 
sich mit mehreni werden lassen bcriehtcn können; es seind sehr 
schwache Gründe darinnen gelegct und die Argumenta deroniaassen 
schlipferig, dass die Membra Status selbst damit lachen '). 

E. Ch. D. können sich dabei wol versichern, das« wir in allen 
Sachen in recht gründlicher Einigkeit leben mit den kaiscrliclicn, d:V 
njschen und anderen confuderirten Minislris, in der gewissen Hoffnung, 
der liebe Gott werd in einer so guten Sachen dermaln einst noch ein 
Mittel schicken, das gemeine AVcrk entweder zu einem allgemeinen 
Friede oder zu mehrenn GUlek und kräftigeren Aetioneu befördern 
zu helfen. 

Der englische Herr Downing verspricht uns selbst darunter alle 
gute Cooperation . . . Dieses ist gewisse, dass die vcrwichene Xacht 
ein Espresser aus Engeland angekomnieu und nicht allein die förm- 
liche Ratification des Traclafs vom 21. Mai, sondern auch eine Decla- 
ralion mitgebracht, dass Engeland zufrieden, den dänischen Frieden 
dahin zu bcmitteln, dass über das der König von Dänemark Drontheim 
und die 400,000 litb. behalten solle. — Ob und wie aber Mr. de Thou 
seiner Seite mit seiner liatilieatioD fertig, dahero üb und wasnmasseu 
die wirkliche Extradition geschehn solle, diescrwegcn kann man au- 
noch ein mehrcs nicht berichten, als dass die Klügsten glauben, weil 
Engelaud will, dass Frankreich wol müsse. 

Beiliegend eiue gedruckte Flugschrift: 
MisMvp I vnn D. H. | A. N») I fegens | De loopeiidc discoursen, 

peruchieti ende .Memoiieiu — [Sindtnappcn]. Tot Amslcrdnm, Oc- 

ilruckt by Simon Dinksz vnn de Made . . . 16ö9. 
In Form eines Briefes au einen Freund, dnt. Loiideu . . . Juli Hi;"i9. 
eine Kechifcriigung dtr Hnoger-Conccrt-I'olitit und seines AntliLÜ» daran, 
nauienilicb der von ihm bewirkten l'rülüngiitiun des Waffenstillstands, womit 
er überzeugt sei, Daueinark eincu groKseu D:en!^t erwiesen ku balicu. Olnie 
denselben wäic Diinemnik so nie so Terliiren gewceen. Frankreich und 
Eugl.md stehen fest bei dem TraetJtt vom 21. Mai; Frankreich erlilärt, 
Schweden [Ulfe sehiekcn zu wollen, sonio man davon abgeht; Frankreich 

■) Secrcte Reaoi. II. Hl ff. Aitzema IV. 4(Wff. 
') D. h,: van Dlcnj tlloern] A[mbBsaadcur] N[ieupoorlJ. 



^düvGoot^lc 



256 '' Brandenburg nnd die Niederlande. 

begünstigt Schweden deshalb so, weil der Kaiser mit Dänemark jetzt so 
eng verbunden ist. 

„Do jalou^iien tnsschen het KevBerlijrk Hnys van Oostcnrijck ende dat 
van Vranckrijck sijn niet vnn heden noch gister, wy onnen dat niet effeu 
maken. In Schonoii de ziel van Dcnncmarcb, de Comniercie is de ziel van 
onscn Slaet; wy hcbbcn te doen gehadt om de Commercle niet Vranckrijck, 
niet Spaignen, met Engelandt, oock met Dcrmemarck lange ja ren, dick ende 
menichmael: 't Eyiide is geweest de Vrede; Wy hebben Spaignen Spaignen, 
Vranckrijck Vranckrijck, Engelandt Engelandt, Dennemarck Denneniarck 
moeten laten blyven; also ook nu wy Sweden Sweden moeten laten blyven. 
De Commercie en vryheyt van dien ist al, en 't sijn al menscben, tnet men- 
schen moeten wy handclen, cu wy sijn selfs oock menschen. Indo Sont is 
te voor groote exactic geRchiet, 't soude by de Bweden niet vcel erger kön- 
nen werden getuacckt; maer als Vranckrijck, Engelandt ende oiisen Staet 
het eens z^" (gc^'Ü^k deur 't Haechsclie Tractact die eenicheyt ia gemaeckt), 
dan gijn wy gesamentlijck buyten alle twjjffel meestcr vau de Navigatie 
ende vnn de Sont, de Castclen mögen sijn acn Wien sy willen, 't gchieten 
van do Castclen is uict met allen; willen de Heeren Denen niet geholpcn 
weseii, of nienense te sullen bcter geholfen worden deiir do Geallieerden, 
nicn kan 't haer niet bclclten; de dric Staten ist gcriouch, als niaer de Na- 
vigntie wert hersielt in vryheyt." 



Der Kurftlrst an Weiman. Dat. Feldlager hei Coklinge» 
26. Juli 1659. (conc. v. Selnveriii.) 

[Verlust von mehreren KriGnaschiffeu bei einem tingliictliclicn Kencontre mit deii 
Scliweden. Klage über die ünthStigkeit der Iloliriiider Üer Kiirfürat unschuldig 
an dem gehabten Vcrluall 
5 Was sich jüngster Tagen zwischen denen bei Uns gewesenen 

dänischen und liolliindisclieu Orlogschiffen und dem Feind fllr eine 
unglUcklicIie Rcncontre zugetragen, solches geben Wir Eucli aus dem 
Reisciiluss, davon Ihr das Originale alsofnrt zu llberlicfcrn, mit uichrcm 
zu ersehen '), Ihr kömiet die Umstände dieses Werkes, wie Wir solche 
in Unserem Schreiben kürzlich angezogen, an gebörenden Orten aus- 
führlicher ftlrstcllen und renionstiircu, was für bochscbädliche Effecten 
die unvermutldiche Veränderung und fast unbesonnene Fnlcipitanz in 
den Consiliia daselbst nach sieh ziehen, und wie nnglücklicb es endlich 
ablaufen dürfte, dafern man nicht zu andern Gedanken und besserer 
Conduictc sich bewegen lassen wollte; die bishero den ganzen Sommer 
durch zu verschiedenen Malen sich ereignete höchst gewünschte 

I die Oeuernislaalon, wclchea auch Ailzema 



^düvGoot^lc 



Nii'UpooH. SchUppe der iiioilorlfindiftlieu FloUo. 257 

Occasiones, welche man vielleiclit nimmermehr so gut wieder fiudcn 
«Drde, hätte man lieber mit Trainircn und Stillsitzen fllrnbcr^hen 
lassen, als sich deren zu Abbruch des Feindes und Beförderung des 
allgemeincD Bestens bedienen ^vollen, da es düch gewiss und fast 
handgreiflich am Tag lüge, dass solches das einzige wahre Mittel 
wäre, einen allgemeinen, sicheren nnd ehrlichen Frieden zu erlangea. , . 
Dafern Ihr vermerken würdet, dass der Staat Uns wegen Verlust 
der Schiffe etwas imputiren und desfalls einige Prätensiones auf Uns 
machen wollte, so hattet Ihr dagegen ftlrzustellen: 

1) dass die unvermeidliche Nothwcndigkeit, wenn Wir anders 
nicht alles alhie stehen Ia.ssen nnd unverriohteter Sachen weggehen 
wollten, Uns dahin gebracht, dass Wir resolviren müssen, das Fähr- 
zeug, so bei Ahlburg, Ahrhausen und derends zusammengeführet ge- 
wesen , durch Convoytrung dieser Oriftgschiffe abholen zu lassen, wie 
denn auch 

2) der in Norder-JUtland commandirende dänische Generallicute- 
nant Claus von Ahlefeld inständig deswegen bei l'ns anhalten 
lassen, und ob Wir zwar 

3) die Gefahr, so bei der Sache zu befürchten gewesen, wol Über- 
leget und alles zuvor reiflich erwogen, so hat doch 

4) der Admiral Koning und die andere Schi ffscap itainen ver- 
sichert, dass sie ganz keine Noth und Gefahr hätten und sich auf 
allen Fall mit genügsamer Sicherheit refiriren könnten, wie Wir ihnen 
dann auch 

5) keine andere Ordre gegeben uml ihnen ernstlich anbefohlen, 
.»'ich mit niemand in ein- Gefecht einzulassen, sondern ehestmöglich 

wieder zurDckzukommen; 

6) zudem von I. Kön. Wrd. und Ld. zu Dänemark durch einen . 
deswegen expresse an Uns geschickten Cammerjunkem versichert 
worden, dass die Holländer gegen die Schweden iu der See agiren 
und Uns solche frei halten wollten. 

Welches alles Ihr etc. 



Der Kurfilrst an die Generalstaaten. Dat Feldlager bei 
Coldingen 26. Juli 1659. 

jDotbätigkeit der bollüudiacbcn Flottg; Zasarotnenatoss mit der Bchwediscbeo ; 
scblecbtes BeDebm«n der hollüudi sehen SchifTu. ürmahnung gegen das CoDcert) 

Darlegung der Situation, nie in dem vorigen. Klage über die Uu- r>. Aug. 
tfaätigkeit der hoUändiücbcii Flotte, wodurch ca gekommen, „dass dem 

HiUr. I GbcIi. d. Or. Kurfiinlfii. Yll. 1< 

i:q,t7ed.yG00»^lc 



258 ^ BrnnilRnhiirK imd 'Üe Nii'dprlaado. 

Könige von DäntmarkeD gteichi^Bm anterm Canon E. H. M. h'loU/e eine 
rnstil nnch der andern wcggcnomiiien. 

In dessen allen Erwägung nun haben Wir die Rönigl. däDiscbe 
und die vom Lieutenant Adniiral Opdatu Unserer Direction untcrge- 
bepe SfliifTc nacher Alirbauseu wärts, um das daselbst von den Künigl. 
dänemäi'kischeu Gommissarien zusaiuinengebracbtc Fahrzeug auliero 
zu convoyiren und abzuholen, gcschieket. Als aber dieselbe jüngster 
Tage von 8 sclnvedischcn Schiffen angegriffen und E, H. M. Schiffe 
alsofo'rt die Taue abgehauen und vorsätzlich ohne die geringste Ge- 
genwehr auf den Strand gesegelt, die Matrosen Unsere mitgegebene 
Snldatcn abandonniret und sich salviret, auch ron denen Capitninen 
(ausser dem Comniandcur Schloeten, welcher auf seinem Schiffe ge- 
blieben), verlassen worden: so ist dadurch der dünische Admiral allein 
im Stiebe geblieben und, nachdem er sich eine Zeit lang wol geweliret, 
endlich in den Brand geratlien, aucb darüber neben den audei-co 
SehiffcD in der Schweden Hände gekommen, er auch selbst geblieben. 

Wir wUnscliten von Herzen, dass, gleichwie Wir bisliero zu Be- 
förderung des gemeinen Wesens an Uns nichts crmangeln lassen uod 
keine Gefahr, Mühe, noch Ungelegcnbcit deshalb gescheuet, also Wir 
E. H. M. auch einen andern und bessern Effect dero zum höchsten 
Präjndiz der Alliirten geniaclitcu Tractats und darauf erfolgter Vcr- 
lassung berichten könnten. Allein Wir müssen befahren, daes dieses 
noch das geringste Unglück sein wird, so aus Jetzt angeregtem IVactat 
zu besorgen, dafcm E. H. M. sich nicht Ihrer getreuen Bundesgenossen 
mit ernstlichem Nachdruck annehmen und die bishcri) genommene 
boclischitdliclic Itesolutioues und erthcilte Ordres ändern werden. — 



Weiiiiaii an den Kurfliraten. Dat. Haag 8. August 1659. 

( Rigcnthümlichc PJriilTnuDgcii und Krhidlnngen Downings. Vorfliclitigo Antwort.) 
Miin spricht ebenso oiTrig von dem polnischen Frieden, wie von dem 
zwischen den nordisuhcii Kronen. 

Der cngÜBcliC Commissarius Downing ist vorgestern zu uns ge- 
kommen und hat uns ... zu erkennen gegeben, wasmaossen er mit 
dieses Staats Dcputirten wegen des polnischen Friedens in Conferenz 
gewcsicn und darunter gewisse Flirschläge ins Mittel gebracht, auch 
deroniaasscn tiberschrieben hätte nach England, dass er verhoffete, 
darunter in wenig Tagen Zeit eine solche Antwort und Instruction zu 
erhalten, dass wir in der Thnt würden crspllren, wasmaasscn unsere 
an ihn gethanc vielfältige Ucnioustrationcs nicht wären ohne Frucht 



A-iOOt^lC 



Oid Stiilappn der iiiederläödisclipn FlolW. Downins'g F.rbletiingpn. 209 

gewesen. Er erkannte, <1ass Frankreich alle Ehre und Glorie bei dem 
polnischen Wesen an sich iillein nähme, da es doch des Ortes d. i, an 
der See nichts als durch En^eland vermöchte; sie wllrdeo scIbsten 
wirken und darunter auf nichts als auf E, Ch. D. sehen, dieselbe 
tuflHStcn sie eonservireu ob cnmmunia sacra und um Prcussen, damit 
Schweden nicht gar zu gross wHrde an der Ostsee. Um Polen hätte 
England sich nicht viel zu bekümmern; es wäre aber ihre Incli'uation, 
E. Ch. D. KU retten, welches sie nunmehr wol sähen unmüglich zu 
sein, als lange l'nlen nidit mit Schweden wiird verglichen und gecon- 
ciliiret sein. Ihm zweifelte auch nicht, weun's E. Ch. D. begehren wiird, 
England wllrd Sic zu allen Zeiten garantiren, olme dass E. Ch. i>. fUr 
sie sich wie für andere (die Herren Staaten) zu befüi-cbten. hätten, dass 
man von Ihr Städte oder Plätze (sc. wie im Clevischen) wUrd mit Ge- 
walt einbehalten; eher möchte es sich noch können zutragen, dass E. 
Ch. D. durch ihre IlUlfc derselben lte«titution und Wiedereinräumung 
sich möchten zu getrösten haben. 

Wie wir nun dieses so viclHtltig hohe Erbieten nicht ohne Nach- 
denken und Verwunderung anhöreten, so unterliesscn wir zwar nicht 
mit aller HrifHchkeit zu contestircn, dass wir nicht zweifelten, E. Ch. 
U. wOrd solches alles sehr angenehm sein, rcmonstrircten , dast^ das 
Haus Brandenburg von langer Zeit, sonderlich aber scitcr des Gülieb- 
sehcn Successionsstreitcs, in genauer guten Intelligenz mit England 
gestanden, dass sie bei dem Xantischen Vertrage gewesen und den- 
selben auch za garantiren versprochen; dase Schletzer zu Erneuerung 
alles desselben nach Engeland wäre geschicket und seine Untreue ver- 
arsachet haben dürfte, dass man bishero deswegen zu seinem Ziele 
Dicht gcrathen wäre ; er könnte aber desto weniger .nicht seine Herrn 
Prinzipalen wol versichern, dass E. Ch. D. ein besonder gutes Ver- 
trauen auf Engcland setzeten und nimmer scheuen würden, solches 
l)ei allen Gelegenheiten nach Vermögen in der Thal zu erweisen. 

Was nun aber eigentlich auf dieses alles zu bauen sein wcrd, 
solches stellen wir E. Ch. D. hohem Urtbeil billig unterth. anheim, und 
dürfte man in kui-zem was näher ins Werk sehen können. Allem . 
Verrauthen nach durfte es zu London Veränderung geben. — 



Job. Copesan den Kurfürsten. Dat. Haag 11. |1. August 1659. 

IVtrmnlhnngcii über Nienpoorls eigenmächtige Prolongation des tlottger TrnctatB; 
Bcinc Abberntang Bnapeodirt.) 
E. Ch. D. haben aus unseren vorigen untcrth, ßclationen gnä<l. ii. Aug. 
vernommen, wie dass mau den Herrn Nieupoort aus London zu 



Aj.oo»^Ic 



200 ^- Braiidenhurg nnil die Niederlnriilp. 

revociren gedächte, weiln er die Prolongation des Haagischen Traetats 
auf drei Woc-Iien eigener Autorität eontinuiret, und wie daSB viele Pro- 
vincien daruf stark anbielten; jedoch dergestalt, dass man jemandcD 
cxtraordinaric dorthin abseuden möobte, seine Stelle währendes seiner 
Abwesenheit zu vertreten und die Negotia zu beobachten. Weiln aber 
immer gemuthmaasset ist, dass er dieses uf etlicher Leute Anratben 
gethan, 80 beginnet es desto wahrsclieinlieher zu werden, weilu Hol- 
land jetzo vorstellet, er, Hen- Nieupoort, möchte ehest schriftlichen 
die Ursachen überschreiben, die ihn zu solchem Thun bewogen hätten, 
damit dieselbe untersucht, man resolvirc, wessen man gegen ihn zu 
verfahren halte'). Bleibet also seine Kevocation bis daran suspendiret. 



Weimau an deo Kiirfilrsteii. Dat Haag 15. Angnat 1659. 

lOsuerndo Uuznrrii'denbcit des Volks. Die Angelcguiihoit dor verlorenen Schiffe. 
Nahe Kutnstropbe io England ) 
; Nichls neues vorgernllcn. — 

Inmittelst nimmt das Murren des Volkes nicht ab, sondern es 
schilt und schmähet Bürger und Bauer ohne Aufhören, nrnelimliefa 
da neulich die Zeitung von den eroberten Schiffen eingelaufen. — 

Was indessen E. Ch. D. wegen erwähnter Schiffe in Dat. 26. Juli 
an die Generalität gelangen lassen, solches haben wir am verwiehenew 
Dingstage alsfortens Überliefert und dabei dem Präsidenten und an- 
deren eine solche nähere Information gegeben, als es uns E. Ch. D. 
bei dero gnäd. Rescripto wollen anbefehlen. Und vernehmen wir 
dranf, dass man sehr zörne Über die Capitaine und dass Commissarien 
heute ein Gutachten entworfen, worin enthalten, dasa man ihnen ihren. 
Proccss machen und also an diesen lauten ein Exempel statuiren 
solle. Man warnete uns dabei von guter Hand, dass der Herr de W. 
cum suis dahin gezielet, man möchte E. Ch. D. schreiben and dero- 
Hclben remonstriren, weiln Sie die Capitainen gegen ihren Dank auf- 
gehalten, so wären Sie Ursache eines so merklichen Verlustes, dahero 
schuldig, denselben abzutragen. 

Der mit den Befreundet«!) besprochene Vorschlag, ein Memoire dagogcu 
rill zureichen, wird aua vielen Gründeu verworfen and beschlossen, nur münd- 
liih zu operircD — 

welches wir denn auch gethan und so viel gefruchtet, dass nur allein 
an die Admiralitäten gesehrieben und dcnenselben befohlen worden, 
sich zu erkundigen, wo die Capitaine hingekommen und wenn man 

') Vgl die p. 255f. mitgethoilto Vertbeidignngesehrin Nietipoorts. 



Nieupoort. Die Sublappe Zeitiiugeu ana Kngluiid. 261 

ihrer mächtig, dagegen wie es eich gehUtiret anderen zum Exenipel 
in verfahren. 

Was nun von andQra Oertern weiter eingckommcn, solches wollen 
E. Ch. D. aus dem BeiBchlusse gnäd. ersehen. Wobei denn wol das 
Famehmstc ist, dass der Künig von Engeinnd bereits aus ßrabant weg 
und nach Engeland in Person gegangen sei; und dass wtrs um desto 
mehr glauben, weiln es die Princese Royal gesaget haben soll und 
BODsten die Sachen zu London deromaasscn wunderlich gestanden, 
dass man nicht ohne Ursache eine grosse Veränderung allerorts ver- 
muthet. Gewiss dllnket uns, weiln die Nation zu gross, zu wunderbar 
nnd hart, Gesetz und Gewohnheit von viel tausend Jahren königlich, 
alJes aberall gar zu sehr getheilet, das Parlament nicht angenommen 
oder legitim, die alte Miliz damit nicht einig, der Adel desperat und 
CS unmöglich ist, eine so grosse und wunderbare Nation, es sei aristo- 
cratice, es sei democratice zu regieren und im Zaume zu halten, es 
werde in gar kurzem und gar plötzlich , da die Armee keinen neuen 
Protectorem machet, oder doch endlich noch der König wieder hin- 
einkommen, wenn man ansiehet, dass auch kein Protector bestehen 
küDne ans Mangel der Geldmittel. 

Gleichwie nun dadurcli eine gar grosse Veränderung in allen 
Dingen verorsachot werden dUrfte, sintcmaln man albier auch alsdann 
aus einem gar anderen Tone singen wUrde, su wäre zum höchsten zu 
wQnschen, dasa der Kßnig von Dänemark inmittelst beständig halten 
und einer besseren Zeit abwarten könnte. 



Beiliegend die gewöhnlichen Zeitungen aus dem Haag. Nieu- 
poort schreibt, wie gewöhnlich, so, als ob uicht» besonderes -in Eogiaud 
]os wärei alle andern Schreiben von doit aber zeigen^ wie die Saibcu im 
höcbsteu Grad in der Schwebe stehen. „Man saget anth, dii&s xwci 
Quäkers sich fürs Parlament gepräseutirct, überlaut gerul'eu : Kacho über 
den abgelebten Königl und sich in demselbiKcti Momento erstoihcn." 

Weiman an den Kurfilrsten. Dat. Haag lÖ. August 1659. 
(praes. im Feldlager bei Beetlioff 14. Äug.) 

lAbfall GelderDS vou der PaciBcatiuns parte!. Dia Verhaadluugou im Nürdon; 
ilagliclikeit einer Bchaellea Einigung zwiechen den beiden uordisehen Königen. 
Haltlosigkeit des Ilaoger Tractates. CuQfuaion in Englaad. Der Resideui de Uye ) 
zur Charakter istik des Reaideotonwcsens.) 
Die PaciGcationspartei treibt ilir Wesen weiter; seitdem Herr v on G e ii t 18. Au^i 
?crreiBt ist, bat Gelderland begonnen, sieb davun znrUckzuziebeu — „wir 
vernehmen von guter Hand, dass es den lUcli Peiisintiuriuiu nierklicb bo' 



A-nOO»^lc 



2^2 ^' Bruudeoburg und diu Niudurlitude. 

trübet, dass er Dach so vieJeni Murrcu und Schmähen des Vulkes auch an- 
soheo iiiUESC, diis.s die gcldiisclic Provinz, mit welcher siu l)ishero gecooelu- 
diret, sieb gemälig vou ihiu abzeucht und zu den ündern dretca bcätäudigcn 
Provincicn lenket". **■ 

Auf die Naebrielitcn aus dem Sund, ob Schweden, oh Däueinark den 
Haager Tractiit annimmt oder uicbt, wartet man mit Spannung. Ycrsehie- 
denartigo Vcrnmthungcn werden gemacht; die Einen m.-ilen aus, dass 
Schweden, die Andern, dasK Döncmarli die Aonabme Tcrweigcrn werde. 

Eb bleibet aber wol auch dabei nieht, Bondern es aeind nicht 
wenig filmeliraer Leute, welche es daf^r halten, keines von beiden 
wQrde erfolgen, sondern vielnicLr hätte man sich nicht unbillig zu 
versehen, dass die beide Könige unter sich zusammentreten und ex- 
claso Statu einen Frieden machen möchten. Solches wBrd ihnen bei- 
derseits für der Posterität leidlicher und in Ansehung des Doininit 
maris baltici und sonst der Zölle und Reputation halber weit am für- 
träglichsteu sein. Schweden wttrd damit sich von» ElbingiBchen Tractat 
befreien, Dänemark von so vielen Schulden und Affronten, England dürfte 
es nicht ungeme sehen, weiln es doch nichts so sehr suchen dürfte, 
als diesen Staat zurückzusetzen. Und wo noch ichtwas dag:egen zu 
bedenken wäre, so möchten es die Alliirte sein, uni} dass Dänemark 
hiufilro Schweden nieht wflrd trauen können ohne holländische Gua- 
rantio. Man müsste aber dabei bedenken, dass Schweden fast in einem 
Augenblick Bich mit den Alliiricn setzen könnte, und dass Molland zu 
allen Zeiten das dänische Interesse wUrd am|>Iectiren mttssen, wcnn's 
auch ausser Verbllndniss , ja auch wol gedisgnstiret wäre durch der- 
gleichen Trnetaten. 

■\Vic nun solches alles aber nur tiefe Resveries unter den für- 
nehmsten Leuten sein, so wollen E. Ch. D. gn. daraus abnehmen, da 
die Humeurs und Judicia dcromaassen verschieden seind, dass die 
Consilia publica nicht allein vielen Verändei-nngen unterworfen, sondern 
auch die bekannte Pacilitatorcs nicht ausser mci-klicher Gefahr bleibenj 
sonderlich da fast ein jedweder die bishero geffthrete Consilia anfanget 
zu verfluchen und daran zu sehen, wie weit der Estat von Gott und 
Ehre verfallen, indem er so vcrtraueten Freund schier wie ein Kind, 
wie einen prodignm ohne Macht, ohne Rccbt hält und ti-acliret; und 
dadurch nichts anderes thut, als dass man der Welt Freundschaft nud 
Gottes Segen mit Gewalt von sieh abkehret und gleichsam mit Füssen 

StÖBSCt ! 

DüB Gci'üuht erhalt sich, dass der König bereits nach England hinüber 
sei; alles dort ist in grössier t'oufusiou; einige llafeu, resp. KrlegBgchiffo 
haben sich für den König erklärt, de.-^glcicheu die i'ro»iuz Keut. 



,.V^nOO<^IC 



Politische Unaiclierheit im Ilai^. KnglificheB, Du Bjq. IlSuemurk. 263 

Der Herr Nieupoort meldet aber dabei noch dieses Idb heaon- 
dcre, da£B das Parlament cini§;e Glieder zu ibm depiitiret uiul mit 
aD|;ewübnlieher Höfliobkeit zuvorderat entecbuldigen lassen, dass um 
der inländiscben Desordre willen in puncto der Kapereien annoeh 
kein eicher Schlüge genommen werden küuncn; hernaeli aber hätten 
sie gemeldet, sie wären bericbtet, es wären unter Tromp etliche 
Kriegsschiffe auf der flandrischen Küste, und wollten sie sich nichtes 
widriges 2u ihnen versehen, und was dergleichen mehr. Woraus man 
ins gemein vermutbet, daas ihoen nicht gar zu wol bei der ti^achc sein 
mDsse; wozu denn auch dieses kommt, dass sie diesem Staat bei den 
jetzigen Conjuncturen gar zu sehr fügen. 

Der poluische KesidcDt du Bye but neulich im Namen dcsi Ucrzoi's 
vüu UoUtein-Oottorp bei der Uenerjilität ein Mcuioiru üliiTgubeu [dat. 
Hiiag 24. Juli ]Gö9|, worin Klagen über tue AUiirteii geführt wcrJeu, wäh- 
rend Pule» doch selbst zu den AUürten gehört. Weimaii .<ctzt de Byc 
darüber zu Kcde — „und habe nach eiu uud auderem geführten Disenri^u 
wul weiters nicht TCraehmcn köniicu, als dass er Eolchoü nach der Lilter 
des Kescripti und so weit abs frandc ciiigeriehtet, weiln er von Polen übel 
bezahlet wird, das« er diesen Dienst eiuom solchen Fürsten nicht weigeru 
kouneti, von welchem er mit poluiscbeiii Belieben Bcistulluiig und ziemliebcu 
Vortheil hat." Uebrigens ist de üyc der Saühe der Älliiiten ganz wol 
ZDgetban. 



Weinian an den Kurftirstcn. Dat. Haag 25. August 1659. 

|Du8 abkbiieude Schruibeii dos KSuijja vül Diinümark. Angublitli buvuratulieude 
Iliirvgosuche tiea Parlanivuls.] 

lieber dem Königl. dänischen Schreiben vom JI;i'|,'^, wovon die ;i5- Anj;. 
Coi)ia hiebei gehet '), haben sieh die Pacificalorcs sehr geärgert, und 
sagete der R. P-, es wäre pitoyabel und ein elendiges Werk dmn; 
denn je der Mann (sc.der König) von nichts nilisste berichtet sein, 
was in seinen Sachen fOrgegangen, in Beti-acbt dass so gar viele und 
zumal unerfindliche Errores darin vorhanden wären. 

Aus England will, jedoch ohne grossen Grund, verlaufen, dass 
das Parlament eine ansehendlicbe Gesandtschatt biebin abkommen und 
um Assistenz, sonderlich aber um eine considerabilc Anleihe Geldes, 
werd sprechen lassen. 

': Mieeivu van doa Kooiug vau ücaeuarckeu auo du Hvoruii Sluti'ri Ueneraul 
<l«r Vflreeoictkd» NaderlanduD. Guduti^url duu 31 Jalii 16&'^. Uudu älijl. MÜt'LlX. 
6pp.4*. — Uaroacli bei Aitzema IV. KWH'. 



^aovGoOt^lc 



234 ^- Brandenburg und diu Nioderlande. 

Weimaii an den KnrfUrateii. Dat. Amsterdam 30. Aug. 1659. 

(Krisis in UDgland. Die Kurfüreiio uud dio oraaische Familiu io Amsterdam ) 
'. Aug. Dn im Haag jetzt wenig za Tcreäumen ist, habe er sicli ;inf Gutfiuden 
der Kurfürstin Iricher begeben, nm zuzuseheu, wie dieselbe bei ihrer Anwe- 
senheit iu Amsterdam aurgenommen wird etc. 

Diibei Zcitungsbcri<;ht id. dut. Immer drolicudcre Niichrirht<.-n aus 
lüngbind; die ganze iiretbytcnuuiscbc Partei ist jetzt für den König; den 
Parlamt'otsgliedcrn wiid es unheimliih, viele machen steh ans dem Staube. 
Es kumniC alles :iu auf den Erfolg, deu Lord Lambert davon trägt, der 
vom I'ailameiit abgcsüiidt iäl, die Stadt ehester zu belagern und den Auf- 
stand dort zu dämpfen. Misslingt seine Expedition, so wird die Revolution 
wol allgemein werden „dem Könige zum besten". Uliickt sie, ,eo dürfte 
ea einen neuen l'rotectorem geben uud die köuigliche Hoffnung noch eine 
gute Weile zurüek geh alten werden", 

„Alhle wird f. Ch. O. und das ganze IIuus vou Oranlen über die Maasse 
köutlieh, ja nicht anders als königlich gctrautiret and solches mit solcher 
Affeetiun für Oranje und Kraudenburg, dass es mehr einem. Wunderwerk 
nls der Zeiten Beschaffenheit ähnlich erliiene. I. Cb. D. die Churfürstin 
gedachte heute aufzubrerlien; man will es alter keines Weges gesehehen 
lassen, also dass der Aufbruch bis künftigen Montog den 2. Sept. verschoben 
worden." 



Zeitung uu» Amslerdum . . Sept. 11)09. (Weimau.) 
BesL'hreibuug der Abschicdsfeierlichkeitcu zu Ehren der abreisenden Kur- 
fürstin. 

Alles steht jetzt darauf, ob Schweden die Tractateu annimmt, und ob 
es Lambert in England gelingt, die royalistische Partei zu ruiniren — 
entweder König Karl, oder Piotector Lambert. 

„liier Kcind zu 40 ad 5Ü Nortsfahver glücklich angekommen , und hat 
die hiesige westinüi^clie C'ompagnie dem Herzogen in Curland nnnmebro 
auch sein iu Uuincu habendes letztes Fort dolosc weggenommen." 

Der Kurflirst aii Weimaii. Dat Hauptquartier RellinghauBen 
28. Aug. 1659. 

[Nenus ächreibcn an diu Geuerul Staaten mit Mahnung Eum Handeln ; die uiedur- 
ländiecho Flotte; Oiidani uod Uiiyter. Intercipirlo Briefe des äcliwedenkÖniKs,] 
'-lit. Saclulem der Köuig vou Schweden die Fricdcnstractaten einzu- 
gelicn plftt refllsirct, auch die Htaatisehen Gesandten dcshalben gar 
hoch affrontirct, so habet) Wir der Nolhdnrft zu sein erachtet, an die 
Herren Generalstaaten einliegeudes Originalsebreibcn [nebet Copiej ab- 
zugeben, welches Ihr dencnsclhcn insinuJren und sie aufs inständigste 
anmahnen werdet, dass sie ihren so vielfältig wiederholten Verspre- 
cbeu uud hohen Versicherungen, so sie desfalls getbau, nunmehro 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



Aus F.ngUnd. Neue Mahnung KD di« GcmTulsUatea. 265 

Dachkommen . . . wollten. Worzu dann <tas einzige Mittel übrig, 
dass sie ihre Flotte nicht länger stille liegen lassen, sondern derselben 
Ordre ertheilen möchten, damit sie wiederum ehestes Tages agiren 
sollte. 

Im Fall Ihr auch, wUler alles Verhoffen, vernehmet, dass sie 
etwa die Flotte gar avociren wollten, so habt Ihr mit allen hierzu 
dienlichen Remonstrationen solches zu divertiren. Wfir es aber, dass 
sie ja ein Theil< derselben zurEtckfordcni wollten, so habt Ihr Euch zu 
bem&hen, dass Ihr es dergestalt verniittelt, damit Opdam abgefordert, 
de Ruyter aber daselbst zu agiren gelassen werden möchte. 

Hierbei Copicn einiger intercipirter Schreiben des Königs von Schweden 
ZD geeigneter Verwendung im Haag, (fehlen.) 



Der Kurfllrst au die GeneraUtaateu. Dat. Hauptquartier 
Kellinghauseu 28. Aug. 1659. (conc. Scliweriu.) 

jNbqb HahoQDg, Qacbdem Scbweden den Eloager Tractat e Drück gewiesen.] 
Wir zweifeln nicht, E. H. M. werden aus Unseren vom 26. Mai 7. Sept. 
und 26. Juli an Sie abgelassenen Schreiben, wie aach von Unseren im 
Raage subsistirenden Ministris Unsere bei gegenwärtigen Gonjanctarea 
mit denen vorhabenden Particulartractaten wolmcincnde Gedanken 
gnugsam vernommen haben. Wiewol Uns nun vorgekommen, als sei 
es von E. H. M. angleich aufgenommen worden, dass Wir die vorge- 
twesene Tractaten nicht vor das rechte Mittel urtheilcn wollen, wodurch 
ein bestindiger Friede zwischen den nordischen Kronen und was da- 
von dependiret, erbalten werden könnte, so halten Wir Uns dennoch 
versichert, dass E. U. M. keine andere Opinion von Uns haben können, 
denn dass Wir, der zwischen Uns so fest verbundenen getreuen auf- 
rechten Freundschaft nach, nichts anders als was sich in der Wahrheit 
also verhält und auf gutem Fundament beruhet, vorstellen werden, und 
wissen gar wol , woher dergleichen Intei-pretationes rühren ; ge- 
stalt denn E. H. M. nunmehr in der That werden erfahren haben, 
dass Unsere wegen der daselbst vorgeweseneu Tractaten gethane 
Erinnerungen nicht ohne Clrund gewesen und aus getreuer nachbar- 
licher Freundschaft hergeflossen; indem E. H. M. zwctfelfrei nunmehr 
bekannt gemachet sein wird, dass der König von Schweden an nichts 
weniger, denn an einen Frieden (ohngcachtct derselbe aufs allervor- 
theühafteste vor ihm bedungen) gedenket, im Fall nicht alles zugleich 
darunter begriffen, was zu einem absoluten Dominat gehöret. 

Dann ob zwar auch von glaubwürdigen Personen anbero berichtet - 



Aj.OOt^lc 



2gg L Bruiidenburg und die Niederlande. 

worden, welchergestalt liocligedachtcr Künig von Scliweden E, H. M. 
Geeandten wider aller Völker Recht gar scbimpfUch und indigne trac- 
tirct, auch sieb gegen dieselbe gewsUtbätiger Bedräuungen TeraehmeD 
lasBcn, 80 können Wir doch niinnierniebr glauben, daas derselbe sich 
so weit sollte haben empoi-tiren lassen, einen so mächtigen Staat, der 
nun bei einem ganzen Saeeulo so viel glorwtlrdigste Tbaten getban 
und ihre Reputation aufs höchste gebracht, solches auch um die Krön 
Schweden, zumal bei diesem letzten Haagischen Tractat, gar nicht 
meritiret, dergestalt zu lacessiren und zu offendireu. Allein dieses at 
gar gewiss, dass er die von E. H. M. offerirte Tractaten, wobei sieh 
doch nicmands besser als die Krön Schweden wttrde befunden haben, 
so ganz pint refusirct, dass keine Gedanken mehr darauf zu machen. 

Ersuchen demnach E. H. M. frenndnachbarlich , Hie wollen nicht 
allein zu Conscrvirung Ihrer hohen Reputation, sondern auch zu Main- 
tcnirung Ihres eigenes Interesse eine solche Resolution ergreifen, damit 
(iero kostbare Flotten nicht länger mUssig liegen, sondern dae Werk 
nunmehr mit Ernst und Nachdruck angreifen roSgen. 

E. 11. M. werden hierinnen so viel weniger Bedenken tragen, weil 
Sie auch vcimöge des Haagischen Tractats sich darzu verbunden, auch 
sowol dem Könige von Dänemark als Uns diese Versicherung gegeben, 
dass, sobald nur der König von Schweden diese Friedenshandlung 
ausschlagen wttrde, Sic zu wirklicher Action und Rettung des höchetged. 
Königs vou Dänemark treten wollten. 

E. H. M. wollen sieh versichert halten, dass Sic auf diese Weise • 
den so liochnötigen und von allen Allürten höchst desiderirten und 
gewünschten allgemeinen Frieden, vermittels göttlicher Gnade und 
■Beistand, einzig und allein befördern und vermittelo werden. 



Jüh. Copcs an den KurfUrateii. Dat. Haag ''^s",Ü: 1659. 

lAdmirul Updjiii's ItKUionstriiliunCD; Aitistcrdam'a OegäQcrkliimngCD. Die Ge- 

eandlen ia Koiieohngeu.) 

t. Der Lieutcnant-Admiral Wassenaer bezeuget bei seinen jüngaten 

Schreiben, dass er wol nach Hollami zu kehren begehret, weiln er 

die Lilirtcning der Gemeine, wie auch etlichen der Regenten Tadclen 

nicht entgehen könne; jedoch sollte ihn dergleichen Geschwätz, wie 

ers nennet, nicht irre machen oder von seiner Schuldigkeit abhalten. 

Dieses letztes nun hat die Stadt Amsterdam Abel ufgenommen and 

in pleno ihrer Versammlung doliiret, dass er in vielem in sein Dertur 

manquiret habe; und ist diese Klage so weit gegangen, dass man bis 

lil Articulos wider ihn ufgesetzt . . . Wiewol andere es dafür halten, 

i:q,t7r.d .,*^-.00<^IC 



Dia AbluhDUDg dcB Huugur TroctitUs durch Schwudfu, ^ 267 

dags, weiln die Sachen dort gi> Uhcl ausgeschlagen, man nun alle 
Sebuld diesem ufblirden wolle. 

Die M«diatoreu, „oder vielmehr Arbitri" aan Kopenhagen schreiben, 
tiase sie SOO Soldaten, die m;in üchon uns Kopetjhageu zu Schiff gebracht, 
wiudcr zurückgeschickt; trotz dem DrüDgeu der ciigliächcn DevollmäcUtigtcn, 
die durauf drangen, hätten sie sich nicht ciiUchlicssou köuucu, eiuo» Tbeil 
der Flotte zuniekziisi'hickeu. 

Weiman an den Knrfllrsten. Dat Haag 7. Sept. 1659. 

(NachriuhloD aus dem Sudi]; tichweden unlBchiedce im Verwerfen des Huager 
Vortrags. Peinliche ätiniuuug durüber iu Holland; die rechte Zeit gegen 
Schweden versüuuit. Düuotnark wird neue ITüfrLuiig gegeben; man rellectirt auf 
die brandeubnrsiacha CaTalleric. Nene Bealätigiing der Ihirturickigkeit Karl 
Gustav 's-] 

Mit der letzten Post stud Nachrichten von den Staatiseben Depuürten 7. Supt. 
eingetroffen; der König von Dänemark hatte sich bereit:« am '2i. Aug. st. n. 
zu Parti culartractaten herbeigelns.seii; der König von Schweden dagegen 
war bei seiner Meinung geblieben und wollte ^ich au die Uaagcr lJeäehlU»!-e 
nicht kehren. .\m "28. Aug. st. n. sollte von den Depiitineii der drei Mächte 
iioi'h ein Versuch bei ihm gemacht werden; inde^i^ sah man den gleichen 
Erfolg voraus. 

Dieses Missglücken des Planes erregt in Holl;iud sehr peiuliche Empfin- 
duDgcD — 

da man siehet, dass es per uaturam uumöglicli ist, wu E. Cli. D. Qiclit 
gnugsame Cayallerci dazu hergeben uud Itbcrgehcn lassen wollen, zu 
seinem Ziele zu gelangen; Ja, weiln die rechte Zeit vcratricheu uud 
sich Schwedea an allen Oerteru doromaassen verstärket, das» man 
eine Überaus lange Zeit wird haben mUsseu, ehe man alles mit Gewalt 
wird recuperiren können, dass es gar zweifelhaft, wenn auch E. Cii. D. 
wollten hinübergehen, dass man sie aus ihren Nesten wUrd vertreiben 
ki)nnen. — 

Und ists eben aus solchem Gmnde, dass man schier nicht weiss, 
wo man sieh fainkchren soll, und dass man iu Holland in den Mei- 
Dungen gar diserepant gewesen, alu mau am verwichenen Sonnabeud 
dieses Work in eventnni zur Berathschlagung gezogen . . . Einige von 
Holland seind bereits heute bei dem dilnisclien liesidcnteu gewesen 
und haben unter vielen anderen Contcstationen . . . begehret zu ver- 
nehmen, ob er auch gnugsam geiustruirot wilre, mit ihnen über ein 
und ander Sachen in Gonferenz zu treten; bevorab, ob er auch wilsHte, 
was und wie viel man wo) gegen die winterliche Zeit an Speisseu, 
Holz und Kleidung itlr die Stadt Copenhagen, auch sonst Haber, Heu, 
Fahrzeug für die CLurhraudonburgische Cavallerei wlinl nötig haben; 
mit Begehren, wo er deswegen nicht gnugsam gciuötrujrct wiire, dass 



Aj.oo»^Ic 



268 1' BruDdüuburg und die Niederlande. 

er deswegen ungesäumet nach Hofe Bcbreiben und gungsatnea Befehl 
und Ordre drauf cinliolen möchte. 

Und hat er darauf geantwortet, in specie wäre er deswegen zwam 
niclit beordert; wciln aber der Uebersehlag leicht zu machen, und keine 
Zeit mtlBsto verabsäumet werden, so däuehte ihnie, er hätte wol an 
a. Kön. Maj. zu schreiben; hie aber würde man am sichersten und 
besten thun, wenn man sich damit nicht lange aufhielte, sondern zum 
Werke selbst schritte und die wirkliche Mittel verBchaffcte; und wollte 
er nicht zweifeln, seinem Könige würde nicht unangenehm sein, wenn 
man Sie nur in solchen Sachen nit viel fragete. 

Sogleich in diesem puncto vernehmen wir auch, inniaasscn uns 
es der Herr Acidalius zu grossem unserm Vcrgnitgen und Vortheil 
schreibet, dass Schweden gänzlich opiniastrire, so gar auch, dass I. 
Maj. dieses. Staats Deputates nicht allein ziemlich hart tractiret, son- 
dern auch als legatos hostium von der Mediation gänzlich ausge- 
schlossen. Welches alles denn zwar bei männigliclien vor eine gene- 
röse und rechtmässige Äction wird gedeutet werden, gar gewiss aber 
bei vielen eine erschreckliche Confusion wird gebären. 

Zeitung aus dem Haag. — Das Volk murret gar sehr gegen die 
ßegetiteii und srhciiiets, da man sich selbst gedenket weiss zu bienoea, 
dass der abaerite Admiral darum desto mebr leiden düri'te. — 

Moni«, de Thou lauft auiioch gar sebi- herum; wenn mau aber saget, 
dum er von seiiicui Könige einen xiemliehcu Verweis bekommen wegen der 
Haagischc» Traetaten und soneteu Mr. Treslon') in Däuemarken sieb 
gauzlicb entzeucht and für Schweden streitet, so ist man athi« mit ihneo 
nllcn nicht gar wol zufrieden. 

Weimaii an den Kurfürsten. Dat Haag 12. Sept. 1659. 

[Aufre),niQg im Uoag über dio EntscbtioBsnag des Königs von Schweden. Um- 
sehlag der Stimmung geguu ilia; nucb iu England. Vorbereitung zu ueueu Moaai- 
regeln. Spanisclie Subsidieu für Dänemark. Kngluud will aein« Bund von Scliwe- 
den abziehen; wunecht eine brandenbargische Gesandtschaft. Die Holländer 
wünschen die Cavalterie der Verbündeten nnn nach Seeland libersasetEcn. Wei* 
uiaue dreifucbe Propositian; er will den mittleren Weg bis auf Instruction inae- 
huKcn. HiePacificationspartei ancb jetzt noch nicht gebessert.] 

SepL Indeme der König von Schweden bis auf den 30. Aug. st. n. un- 
vermuthlich hart opiniastriret, die englische und nicderläadische Mi-' 

') D.h. der Chevalier do Tortou, frauEÜsisvher üesandter auf dem uordi- 
schun Kriegsschauplatz-, vgl. aeine Memoiron. In eiuum Convolut des Berliner 
Geh. Staatsarchiv es, welches aurgefaugenu Bricrscharten aus den Jahren des nor- 
diseben Krieges enthalt, Üudct sieb auch eine Anzahl ven Briefen Terluns au 



A-nOO<^IC 



Die Ab|i>bi)iiiig (Icb Haagcr Trnctatc? dnrcb Schweden. 269 

Distros zamftl indigne behandelt, die Kaagische Cnnvcnta mit einer 
harlnSckiger Bc&tfindigkeit unver9Dderlich verworfen und solclies mit 
hüehHter Confusion hiehin berichtet worden int: so ist'» kaum 7.u 
beecbreiben, was Alteration soiehes alhie bei klein nnd gross verur- 
sachet, sonderlich aber denen, die ihre Rechnung so Übel gemacliet 
und eich mit unerhörter Prasumption unternahmen, Könige zu zwin- 
gen, ehe sie einmal gedacht, dass Bolches unnii)g1ich sein würde ohne 
die Hölfe derjenigen, welche man bei so ungeregelten Tracfaten so 
uneraartetcr Dinge verworfen, zum wenigsten zur Seite gesclzet und 
mesprisiren wollen. 

Hierauf fanget nun der alter Eifer wieder au, und will man nun- 
mehr alles tbun gegen einen unversetzlichcn (sie) König. Holland hat 
endlich darunter sieb nach reifer Deliberation am ersten erkläret und 
es darauf gestern und heute dahin bei der Generalität gebraebt, das» 
resolviret worden, man solle, wo es annoch nicht ohne das gescbfibe, 
die Flotte allerseits aufs kräftigste gegen Schweden agiren, Copenhagen 
auf eine lange Zeit von alles versehen, E. Ch. D. Völker hintiberholen 
lassen und darunter nicht allein Engeland, sondern auch Frankreich 
engagiren, und also an allen Orten alles tbun, was nur einiger Maaosen 
bedacht werden könne, um einen so barten Feind zur Raison zu 
bringen. 

Herr Downing eifert gleich hoch; Herr Nieupoort schreibt 
ans England, dass das' Parlament, auch nach erhaltener Victorie, feste 
bleibe und solches den schwedischen Ministiis rund ausgesaget; wes- 
wegen man denn niclit zweifelt, wo Schweden . . . geopiniastriret bis 
nach Esspiration des Termini, es sei die Feindschaft bereits wirklich 
wieder angefangen, und würde mau also mit der Zeit noch was gu- 
tes zu erwarten haben fDr das gemeine Wesen. 

Morgen wird man mit dem Ratlie von Staaten Über dem modo 
eiequendi in Deliberation treten, und will man nicht allein zu Am- 
sterdam zum Magazin alles fertig machen, sondern auch die heimliche 
Anstalt tbun, dass 200,000 Rth. gegen solche Versicherung, als Depu- 
tali zu Copenhagen werden feste stellen, (wobei ungezwcifelt auf OlUek- 
stftdt nocinnalen wird gezielet werden) I. Maj. zu Dänemark mögen 
fQrgesetzet werden. Den von Opdam lasset man zurUckekommen, 
und ist beute im Quartier des Ambassadeurs von Frankreich (der den- 
noch nit weiter gehet, als dass er alles anhöret) zwischen dem Herrn 
Downing und den- Commissariis dieses Staates verglichen worden, • 
dass man zu beiden Tbeilen ein gewisses Theil Si'bifTe revociren möge '), 

■) Secrcte Rosolal. It. 120 ff- 



Aj.oo»^Ic 



2'7Q L Urandeiiburg und ilio Ni«derlmid,o, 

worüber denn die Generalität ihren Leuten im Sonde gemeBsenen Be- 
febl zugescliieket und in speeie angezogen, sie hielten» daflir, es wilrd 
die Zahl nicht llher 20 laufen, Kudem darauf gesehen werden mUasen, 
dage man von dieses Staate wegen daselbst alle Zeit am stärksten 
bleiben möchte. 

Herr Charisius saget uns dabei, daes er aus Spanien Zeitung 
bekommen, man wolle daselbst seinem Könige ein Subsidium von 
100,(K)Rth. zufertigen. 

Und da uns gestert der Herr Downing von des Parlaments 
Victoric Comniunication getban und wir heute darauf die Complimen- 
ten abgeleget, so sagetc er abermaln, sie würden Schweden nicht weiter 
helfen und, da sie sonst vom rechten Weg abgewichen, einen andern 
Gang halten . . . Erbot sieh hüchlicb fUr E- Ch. D. und trieb aber- 
malen darauf, man niOclite doch nach Engeland schicken, mit Vcr- 
fliclierung, da.ss E. Ch. D. für allen daselbst viele Affection finden 
würden. 

Der Rath Pensionarius hat mit uns gerodet, der von Beunin- 
gen desgleichen, Holland selbst hat sich darüber nit wenig beküm- 
mert, wie und auf was Maassc man's dahin bringen möclitc, dass E. 
Ch. D. oder die Allürte ihre Cavallerie möchten borleilien und hinüber- 
gehen las-sen . . . Wir haben uns bis anhero immer noch zurückge- 
halten und nur von weitem gezeiget, dass E. Ch, D, gerne alles thun 
wollten, um sie fUr der Zeit nicht verzagt zu machen. Wir haben 
solches alles auch mit Gutfinden des HeiTu Fricquet getban und ... 
endlich uns fUrgenommen, morgen Audienz zu suchen und dieses Werk 
eigentlich zu cntamiron . . . worauf denn ungezweifelt erfolgen wird, 
dass man mit uns wird in Conferenz kommen wollen, gestalt zu ver- 
nelimen, wie und auf was Mansse E. Ch. D. gemeinet, die Truppes 
folgen zu lassen. Sie ihres Theils seind genugsam fiberzeuget, dass 
sie entweder an Schweden den Sond lassen, oder sich der Alliirten 
werden gebrauchen müssen, und dass ihnen sonst kein Mittel in der 
Welt übrig sei. 

Wenn wir dennoch aber darunter E. Ch. D. eigentliche Willens- 
meinung nicht wissen und es für gar beschwerlich achten, darunter 
zu hazardiren und nach eigenem Gutdünken zu verfahren — indem in 
effectu drei Wcgo voratehen, die E. Ch. D. nebst dero hohen Alliirten 
würden eingehen können, als nämlich: 

]) dass man die Völker hergilbe ohne Condition und Handlung 
und also alles an die Zeit und die Discretion dieser Leute stellete — 
welches denn nicht wenig bcdenklich;- 



^düvGoot^lc 



_ Nene Lage nach SchnedeoB Ablelmang. ^ 271 

2) daag man darunter was bedeckt und fUrsicIitig ginge, inrlem 
man niebt nlsfortens die Völker, sondern nur die Hoffnung dazu gäbe 
und die Parten iumittelst dcBto mehr an einander waclisen liesse und 

3) dass man sie nicht gäbe, sondern weigerte und mit Schweden 
tractiretc, geetalt sieh nach dein Exempel dieses Staates ante omnes 
selbst zu salviren und diejenige mit Dänemark allein baden zu lassen, 
welche ilires TheÜH erat eowol Dänemark als die Alliirten dran ge- 
geben und so liederlich abandonuirct ; retteten sie Dänemark, so wäre 
solches m&nniglirh zum besten und also der Friede gcneral; wo nicht, 
den Alliirten nicht zu verdenken, dass sie für sich gcsorgct und das 
Qhrige der Zeit zu rcmcdiircn aiihcimgcstcllet, sunderlich da sie ge- 
sehen, dass diese Leute es respectu Polen auf eine solche Mansse zu- 
vnrhin mit ihnen vorgehabt und es sehr eonsidcrabcl, ob die Alliirte 
nielir als diese Leute und England würden verlieren, wenn Schwe- 
llen sieh Hber den Sond MeiHter niaebctc; gewiss würd Holland nud 
England damit ins künftig so viel zu thnn bekommen, dass wir un- 
sere Ortes desto eher niüchleu in liuhe sein; zu dem könnte man vor- 
theilhafte Conditiones dabei sti|)uliren, durnntibus tracfatibus Pommern 
gewinnen und sich also durch solche und dergleichen Wege hesser 
als durch die dänische betrUglichc Kriege salviren; und was der- 
gleichen mehr billig in Considcration kommet : so stehen wir an, niebt 
wissend, wo wir uns hin kehren sollen. 

Das erste Mittel ist gar zu unsicher und würd dahin gedeihen 
können, dass das Volk verloren ginge uud damit nielites ausgerichtet 
tvQrd, als dass man diesen Leuten hUlfc auswirken, was sie so un- 
billiger Weise gegen die Allürten selbst angefangen. 

Das dritte wäre vielleiebt auch vorbcizugehn, weiln es viele 
nachdenklich Dinge mit sich echlepfet, welche, nisi in extremis, bil- 
lig (nichtj gehazardirct werden, und wissen uns darin auch niclit aller- 
dings zu linden. 

Also dass wir sehen, wo man sich des ersten bediente, dass es 
Societas Icouina sein wUrd; und da man das dritte amplectirte, dass 
es zn alleu Seiten, wie verantwortlich es auch es alieno escmplo et 
facto sein möchte, hart und gefährlich sclieinen dürfte. 

So sind wir der Meinung, wir wollen uns des zweiten bis daran, 
dass uns E. Ch. D. werden Ihres Willens Meinung haben zukommen 
lüHscn, mit aller Circumspeetion und Fdrslcbtigkeit zu gebrauehea 
suchen. 

Und können wir dabei nicht bergen, dass es allerorts mit Hän- 
den und Füssen gleichsam bcrrurbrieht , wo diese Pacilicationsleute 



A-nOO»^lc 



272 ' '- BroudODbarg and die Niederlande. 

nur nocli einigcrmaasscii, und wann ee auch ist, zum Frieden kommen 
künnen, dass sie immer fort noch scIilieEsen und mit Zurücksetzung 
aller andern, aus Ful-clrt der Miliz, damit vcrfabren werden. Zu ge- 
Bchweigen, dase man ohne das nicht versichert ist, ob Engeland, wie 
sehr es auch nunmehr )trotestiret, zuletzt beständig bleiben und halten 
werde. — 

Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 15. Sept. 16B9. 

[Audienz bei ileo rieneral Staaten. Neae Nachrichten ans dem Sand ; die eng- 
lische Flotte nach Haus geflegelt; die Ilolländer zum An^^iBT nuf die Schnedeo 
bereit. Der ßrnch vor der Thür. Fricquet. Vorbereitungen anr Verproviantirnng 

von Kopenhagen.] 

'i. Sept. ^'ir haben ani 13teu in publice Audienz erhalten und gepropo- 
niret, allermaassen £. Cli. D. aus der Beilage gnSd. ersehen werden'). 
Unsere Rede war in ihr seihst viel nachdrücklicher und mit mehrer 
Weitläufigkeit auf die ßewandtniss der " gegenwärtigen Conjmicturen 
gerichtet; uiid war alles nicht allein mcht unangenehm, sondern man 
wDnscbete E. Ch. D. anch bei der Antwort Glück und Wolergehen zu 
der pommerBchen Expedition. — 

Wenn nun aber die endliche Zeitung aus dem Sonde fUr wenig 
Stunden eingekommen und man daraus ersehen, dass alles mit grosser 
Confusion und Uneinigkeit zerschlagen und der Herr Montagu auf 
eine zumal unerwartete Weise mit den meisten englischen Schiffen 
davon gegangen, die holländische Deputirte aber ihren Leuten, son- 
derlich dem de Rliyter, Ordre ertheilet, feindlich zu agiren und die 
schwedische Schiffe im Sonde anzugreifen und zu ruiniren, and was 
dergleichen mehr hieliin geschrieben worden, woraus nichts anders ab- 
zunehmen, als dass Schweden bereits fUr refusant erkläret worden, 
dahero wenig Hoffnung Übrig ist, dass die Sachen sollten wieder zu 
Recht bracht werden können ohne eine rechtschaffene Rupture: so 
werden wir nicht länger traisniren, sondern mit aller Sorgfalt zusehen, 
was wir bei so bewandten Sachen zur Handlung kommen and, wo 
es möglich, eines oder anders zu gutem Schlüsse bringen mBgen. 

Zuvorderst ist die mefarerwähnte Resolution vom 12ten dieses 
bereits weg und die Ruptur damit mehr als gnugsam geentamiret — 

Mit dem Herrn Fricquet gehen wir darunter mit grosser Ein- 
mUthigkeit, und wie er alle Tage mehr und mehr selber siebet, dass 
alhie die Sachen noch gar zu unreife sein zu bcsondern öetreichisehen 

') In dieser Aadienz wurde das Schreiben des Kurfürsten an die General- 
elaolen {oben p. 26f>f.) üborgeben. Die boiliegonde Rede Weiman's entspricht 
inhaltlich ganz den Ansführungcn in seinen beiden Schreiben vom T. and 12 Sept. 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



Heue Lage nach Schncdens Abl^hnnng. HeinifBlirt Monlngn'e. 273 

AllinDZCTi, so ist er unscrs BedUnkens gar wol zufriedeD, dasa wir 
iin^era Theilä mit E. Ch. D. Credit und AlliaDZcn die gemeine Inte- 
ressen, so viel thuulirli, nppityiren. Der däiiiselie Resident hat mit 
dem Rathe von Staaten bereits wegen VerseLung der Stadt Kopen- 
Iiageu Cunferenz gehabt, und ist dabei bcscldosaeu worden, man solle 
alliie eiuen Vorratli bei einander bringen und nach enuclteiu Copen- 
bsgen bringen für 4000 MiütSre und 10,000 Familien, wie aucli Ha- 
ber, Heu und Strolic für Cavatlerei, und sollte man sulcliCH für einen 
leidlielieD Preis daselbst verkaufen, wozu der Estat Leute beetellen 
BoUte, den Vermögenden flir ihr eigen Geld, für die armen Leute aber 
möehte der König einstehen. 



Weiman an den Kurfürsten. Dat. Haag 19. Sept. 1659. 

[Di« Abfahrt der eugliachea Flotte uds dem Sund,] 
Uel)er die Retraiete des von Montagu ist man voller Argwohnes 19 
und Xaehdenkcns, sonderlich weil man Naehricht hat, dass die eng- 
lische FIcnipotentiarii den ücpntirteu im Sonde die Miene geniaehet, 
es wäre wider ihren Willen; dem Herrn Downing aber sollen sie 
geschrieben haben, dass es mit ihrem Gutfinden geschehen. — 

Männiglich Hinget an, mit offenen Augen zu sehen, wie sehr 
man sich mit den Haagisehen Tractaten habe ums Liebt fuhren lassen, 
indem die Zeit unnützlich verflossen, Schweden verstärket und Frank- 
reich sowol als England ohne Stoss oder Schlag zu ilirem lutent ge- 
lan»:ct seiud. — 

Der Herr Downing ist bei uns gewesen, und wie er immer sehr 
protestiret von des Parlaments guter Affection gegen E. Cli. D,, so 
vertheidigt er mit grossem Eifer des von Montagu Helraicte damit, 
dass sie Mangel an Vivres gehabt und die Staatisehe Deputirte sich 
mit ihnen wegen Zurtlekschickung eines Theilee der Flotten zu beiden 
Seiten, wie sehr ers begehret, nicht vergleichen wollen.. Sagte im 
iHirigen, sie würden den Schweden nimmermehr trauen, und was der- 
gleichen. Welclies wir unsers Theils mit Discretion angenommen und 
mit der Zeit erst werden zu vernehmen haben, wie weit diesen Leuten 
zu trauen. 



Weiman an den KurfUi-sten. Dat. Haag 22. Sept 1659. 

[AllgemeiDe Unsicberheit der Lage.] 
Viel Dt'liberatioueD zu allen Seiten, zu GuDsten DäDemaiks, aber doch 22. Sepu 
keine rechten BesiblÜÄse ; die PaciGeaCiünspnttci wartet noch immer auf ir- 

Hxlcr. 1. (icKh. .1. Cii. Kiiimr.leu. Vn. 18 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



274 ^' BrandeDbnrg und die Niederlande. 

gend einen Umechtrang im Snnd, und namentlich, ab Nieupoort in Eng- 
land ni^ht einen snichen zu Wege bringen wird. — Daher hat sich der 
Staat anch, trotz aEier priraten Diticurse darüber, noch nicht in Verliindang 
mit Weiman gesetzt über die gemeinsam zn ergreifenden Massregeln le- 
denfalls, sobald Schweden sich eitiigermaasBen zur Vernunrt anlässt, so ist 
die PaöißcationspBitei hier wieder obennur. Die Deputirten im Sund arbeiten 
allein darauf hin, nm jeden Preis-den Frieden zn ermöglichen „und sowol 
Dänemark in seiner Sicherheit nis den Estat in seiner Repntation dran zu 
geben". 



Weiman an den Kui-ftirsten. Uat. Haag 29. Sept. 1659. 

[VerprovianttriiDg von Kopenhagen. Bäckaicht aaf England. Beroratehende 
acbwadiache Oesandtschart. Bevoratehender rraDzüsisch-S|>aniacher Frieden.] 
29. Sept. Endlich hat am 26ten dieses die Generalität wegen VerseUung 
der Stadt Copenhagen sich vergliclien, wie die Beilage ausweiset'), 

Holland lauret und lauschet darunter desto weniger nicht auf En- 
geland und was das Parlament bei so bewandten Sachen werd tliun 
wollen, und wird man übermorgen vermuthlicli davon etwas grQnd- 
lichs vernehmen! Dem Herrn Nieupoort ist sonst unter der Hand 
dennoch auch befohlen, wo das Parlament nicht wilrde nach Einhalt 
oberwähnter Resolution zu bewegen sein, etwas nacli Copenhagen zu 
schicken, dass er die Kohlen und andere Notliwendigkeiten auf des 
Staats Credit einkaufen und wegsenden solle. 

Mit uns ist man annoeh zu keiner Couferenz gekommen. — Der 
Herr Downing soll sich erkläret haben, das Parlament wUrd gar 
gerne geschehen lassen, dtwa man E. Ch. D. Tnippen hinüber liolete; mit 
und wegen der Kaiserlichen aber würden sie sich nicht einlassen, weiln 
sie mit Spanien im Kriege BtUnden und besorgen mUaeten, dass Oest- 
reich in den Eilanden Fuss setzen mischte. Und wie Deputati darauf 
repliciret, die Kaiserlichen stünden unter E. Ch. D. Commando und 
wäre nur Cavallerei, so hätte er sich bemerken lassen, seines Ermessens 
könnte der Estat nach Gutfinden darunter rerfahren, und wflnscheteu 
sie ihres Theils so sehr als der Staat, das Schweden zur Baison und 
auf seine Maasse möchte gebracht werden. Und Tcrnehmcn wir, dass 
man diesem nächst nunmehr die längst mit uns fürgebabte Gonferenz 
. . . ersten Tages werde suchen werkstellig zu machen. 

Natürlich gehen neben allem immer die alten Hoffnungen der P.rcifi- 

') Ljate Tande groote Frovisie door de Vereeoighde Nederlandcn ge- 
deatineert tot het rictalieren ?ande Stadt Coppeahage, om aen de Borgers aldaer 
gesleten te werdeo. — Auch gedruckt bei AitzematV. 40Ü, wo die Geaammt- 
kosten sich auf 474045 t), belaufen. 

i:q,t7r.d .*^-.00<^IC 



VerprovisDliruDg vod Eopenhegen. GeBaudl^chuft CitjH's. 275 

cation^partei her, die n:imciilli.'li bei den Deptitirtcu im Sund unablässig 
tbätig ist — 

und mag man's unter der Hand wol beleget haben, dftss eine seliwe- 
dieche Gesandtschaft unter hollündtscliem Geleite aus Croneuburg al- 
liier mit ebestem, wiewol man's in publieo nicht wissen will, anlangen 
dnrfte. 

Aus Frankreich continuirets, dass der Friede von beiden Königen 
unterschrieben und die Heirat festgestellet, , . . wicwol man glaubet, 
Spanien werd sich, um die consilia et arnia Gallica so lang möglich 
in suspenso zu halten, mit wirklicher Heimfllhrung der Infante nicht 
präcipitireu. 

Weiman an den Kui^tirsten. Dat. Haag 7. Oct. 1659. 

[BrandcDbnrgisches aoH dänisches Memoire. Die GeBaiidtschaft Coyets nach 
dem Uaag.l 

Endlich seind wir wegen der Generalität zur Confereuz gonöthiget 7. Oci. 
am 2. dieses '). 

Beifolgend das dabei üborgebcne Memorial; sie sind dabei ohne 
nähere Inslrnction gewesen, nur ein Brief ?on Schwerin hat sie über die 
loteiitioüen des Kiirftirsten belehrt. Sie haben dabei, gewarnt Ton anderen 
frilheren Gelegenheiten, Huch auf den Kaiser und dessen hiesigen Gesandten 
geeignete Rücksicht nehmen müssen. 

Wir können auch bis anhero nicht sehen, dass solches unser Me- 
moriale anders als mit gutem Vergnügen aufgenommen worden und 
solche Früchte geschatfet, dass endlich darauf und was sonst dabei 
an dänischer Seite gehandelt und remonstriret worden *), die nebst- 
komniende Rcsolutiones vom 3. erfolget und nach dem Sunde geschicket 
worden. Wozu noch dieses kommt, dass gar gewisse nach Holland 
ins besonder an die Deputirte gesehrieben und dabei in ziemlich 
scharfen Terminis zu verstehen gegeben, dass dem Eetat die letzte 
Handlungen zu Copenhagen und das Cajettische Wesen nicht an- 
BtHnde '), mit fernerem Befehle, sie möchten sich hinfUro ftlr derglei- 
chen Dingen huten. 

') Vgl. Socr«te Resolut. II, 135; das brandenbargische Memoire bei 
Aitnema IV. 420ff. 

•) S. das „Beer aenBlotelijcke" Memoire des dänischen GeBsodlen Charisius 
ibid., wo ÄitBema über den Eindrack, den dasBelbe machte,' aehr anders be- 
richtet 

*) König Karl GuBtav Bchiclite in dieser Zeit einen ansBerordentlichen 
Gesandlen Peter Julins Coyot naeb dem Haag .Bern Credenzbrief dat. Fro- 
deribbaig 27.|17. Aug. 1659), gegen dessen Zalaasuug die brandenburgischen und 
^äaischeD Gesandten lebbafi remonatriren. 

18» 



276 ^- Brnodenburg nnd die Niederlaoile, 

Joh. Copea an den Kiirfttrsteii. Dat. Haag 14.!4. Oft 1659. 

(VerproviaDtirutig vod KopenLngcD. Aus Kiiglaiid | 
1. Uff morgen ist der Tag angeordnet, die eheste Kanfflolta von 

liinnen nach der Ostsee abgehen -zu lassen, wclclie theilw Kaufninnn- 
aehaften nach Danzig und Königsberg, theils einige NotliwendigkoitCD 
uff Kopenhagen fuhren sollen. Die Convoysehiffc sollen über vier 
oder fltnf nicht sein. Ucber etwau 3 Woehen aber sollen mit einer 
stärkeren Convoy abgehen die Behuften, so I, Maj. von Üäueniarken, 
dero anwesender Bllrgcrschaft nnd sAmnitlieher Kiliz sollen zugesandt 
werden, und ein jUngazin angestcHct, in welchem ein jedweder seine 
Nothdurft kaufen und nieht höher, als der Einkauf alhie ist heschehen, 
bezahlen solle. 

Es bleibt das Parlament zu London noch bei seiner vorigen 
Meinung, keine neue Sehiffsflotlc nach dem Sund gehenzulassen; nur 
hat man . . . durch hiesigen englischen Besideufen uns thun zeigen 
ihre Resolution, wie dass selbige Republik in allem sich conforuiire 
mit dem, was die Plenipotentiarii und Extraordinnrii Deputirten ver- 
richten und zufrieden sein, dass die hollAndische Elolte wider Schwe 
den, hie er die Tractaten annehme, ogire etc. 

t. Zeitung aus dem Uaag (von Wotmaii) dat. 17. Oct. 1C59. 

Dlt Gesandte Nienpoort in Loaduti kommt iu seinen Vcrlmndlungcn nicht 
weiter, mno verschiebt ihn von eioem zum nadeni Mtilp. 

„Man hat alhie mit gros^pin Eifer am 14. hnjus peresolviret, demsplKen 
zu regcrlbiren, er »olle das Parlament nocbmDlen ikkI zniii UeberHu^K sitiii- 
miren, den Haagischen Conventi.s nicht nur mit Worten, sondern auch mit 
der Thot nacbzükommeu; dahero was von Eugli^jolieD sich in de» Königs 
in Sibneden Dienbten befindet, zu levücireii, itzgciiiilten König mit Mncbt 
zu Anneliinuiig dys Friedens cotopcllircn zu helfen, zu dem Ende wieder 
eine Ruffi^^aDte Srhitfi^maehC nach dem Sunde zu senden, alle srhwedisrho 
Schiffe, es sei in den Hafen oder auf See, überall nnzugveirpn und arrestiren 
zu laeBen*^ etc. 



Der Kxirfllrat an Weimaii. Dat. Hauptquartier zu Ricliteiiberg 
8. Oct. 1659. 

(Kr Boll im Haag om Subsidien anhaHi-n; desgleichon um Kric<;eKCbiffo gegen 
Slralsuad.] 

Antwort auf die Relation vom 29. Sept. st. n. Er er-viirte mit Ver- 
langen die neitercu Re^olutioneu <iu^ dem Iluag. 

luniittelst hiiltcn Wir auch wol gchoffct, Ihr wllrdet Ijiserm am 
näehstabgewiehcnen IG. Aug. ergangenen Reseript gemäss von oinoni 



NivtlL-rluDiIt.' um) Hii',-Iuiicl. Dlt Kurrüret forilurl Subiidien. 277 

Subüiilio etwas angebraeltt haben. Nach(1eni aber solches noch zar 
Zeit nicht gcscheUeft, unterdessen aber die Last des Krieges allein 
weiter zu tragen Uns uniniiglidi fallen ■n'iU, so wollet Ihr . . . Euch 
dahin Aueserst bearbeiten, dannt ein Stück Geldes von dem Staat er- 
liallen werden möchte; denn ausserdem Wir kein Mittel absehen, wie 
das Werk länger erhallen und der allgemeinen Sachen ferner was 
nützliches beigetragen werden könne. Ob auch gleich solches in Kraft 
der .Uliance nicht sollte gcfoniert werden können, so ist ja ohne das 
die Sache an sieh so billig, dass ... sie vcrhoffentlich ohne Diflieul- 
tiren in diesem Punct Uns willig Satisfaction gehen werden. 

Kr>üll uiimeritlich hinsvciscn aut Fraiikrtii h und die Weise, wie dieses 
den König von Si'liweden UDter.-tützt. 

Und habt Ihr sicherlich zu glauben, dass, wenn solches die 
änsscrstc Xoth nicht erfordern thäte, Wir es lieber länger verzogen 
haben würden. 

Es würde Uns auch sehr zuträglieh sein, wenn Ihrs dahin bringen 
könntet, dass der Siaat etzliche Schiffe vor die Stadt Stralsund legen 
liesse. 



Der KurfllrBt an Weiman. Dat. Hauptquartier Proen bei 
Stralsnnd 15. Oct 1659. 

(Krmunterung zum Feslhallen für die fleneralslaaten.] 
Nachdem nunmehr der polnische Hof mehr Begierde zu General- 25. Oct. 
fricdenstractaten bezeiget als vorhin, in Sonderheit weiln man daselbst 
siehet, datis es mit den particulier Tractaten in Dänemark ins Stocken 
gerathcn und kein Succcss hierunter 7.u vcrmuthen, und alBo vermittels 
gritriiehcn Beistandes ein Ocncralfriede in kurzem zu hoffen, wenn 
anrh die Herren Staaten gleichfalls darauf dringen, desfalls einen 
mehrrrn Ernst versiidrcn lassen und zu keinem parliculier Friede sich 
verstehen wollten: als habet Ihr mit allem Ernst und Eifer Euch da- 
bin zn bearbeiten, dass llir ihnen solches mit allen darzu dienlichen 
Haisons, und sonderlicli wcjren annoeh glllckliehen Sueeessen der 
.\lliirten Waffen an allen Orten, remonstrirct und sie dahin disponiref, 
damit sie auf Univcrsalfriedenstractaten feste bestehen, darauf dringen, 
auch an ihren Gesandten am polnischen Hofe schreiben möchten, dass 
er daselbst dergleichen treiben solle. 

Dabei Ihr sie dann immerliin versichern könnet, dass, wie glück- 
lich es auch dieser Orten geben möchte, Wir doch nimmer die Be- 
gierde des Friedens verringern, sondern allein darin die Wolfahrt 



A-nOO»^lc 



278 ^' BraudeDbur); und die NtedeilaDdc. 

UnBeres Staate suchen wollten; wie die Schweden noch diese Stunde 
keinen rechten Vorsatz hätten Frieden zu maclien, war daraus gnugsam 
zu sehen, dass sie die alte salvos conductiis, von denen sie doch 
selbst vor diesem erkannt, dass sie den Gesandten keine gnugsame 
Sicherheit geben und dcsfalls andere versprochen, wiedergebracht; da- 
hero ohn Zweifel abcnnaln eine gute Zeit vergebens verstreichen wird. 
Und weil diese ihre Obstination sich vurHßhnilich darauf fundiret, dasa 
man in Holland keinen rechten Ernst gegen sie gebraucht, so wollten 
Wir hoflfen, sie würden zu desto meiner Beschleunigung des von ihnen 
selbst so hoch gewünschten Friedens ihre so oft gcfasete tapfere Re- 
solutiones dermalcneins zu Werke richten, wovon Wir aber bis dato 
den geringsten Effect niclit gesehen, besondern vielmehr täglich alhie 
erfahren und mit Augen ansehen müssen, dass die Schweden ohne 
einzige Verhinderung ihre Volker aus Dänemark anhero bringen. 



Joh. Copos au dcji Kurfürsten. . Dat. Haag i?,;ri'V. 1659. 

[[>lc Sulilaclit bei N]'bur;j:. HuSuuDg auf l'iuu LunduDg in Sueland; dusgldchen 
auT eine Actiaa der Flutte iu E'ummerD. Scbwieriglicil Gcidsubsidieu zu er- 
luDgcuj grueser Geldiuangel.l 
Dem Estat alhie, sunderlich aber der Provinz Holland, so jetzo 
in corpore versammelt, ist es eine überaus angenehme Zeitung ge- 
wesen, zu hören die total Niederlage der schwedischen Armee in 
FUhncn, und dass sowol die ihrige als E. Oh. D. und übrige alliirte 
Völker Bo tapfer sieh getragen und so eine hochrQhmlichc Victori er- 
balten haben'). Und ist der holländischen Schiffsflotta, wiewol nur 
am allerletzten dazu gekommen, weiln sie zwecn Tagen durch wider- 
wärtigen Wind und hartes Wetter nicht agiren können, auch so riel 
Ehre zugewaclisen, dass sie den Sehlnss des Werkes befördert hai 
Nun wird bei uns und den wolaffectionirten ferner gehoffet, der 
Viceadmiral de Ruytcr werde eine mehrere Anzahl Völker, als vor 
diesem, nach Seeland oder Schonen können llberschiflen . . . und sich 
der guten Zeit annoch vor dem Frost bedienen. Wozu wir desto mehr 
Hoffnung haben, weiln alhie der extraordinär! Deputirten Schreiben 
aus Kopenhagen, am 12.122. Nov. an besagten Herrn Viceadmiral ab- 
gegangen, in eopia vorgezeigt worden, worbei sie ihn ersuchen, sobald 
die Action in Fühncu würde glücklich ausgefUhret sein, er mit seiner 
Flotte und Völkern eilig nach Kopenhagen kommen, gestalt der schwe- 

I) Schlacht bei Nyborg auf Fühneii am 24. Nov. Itj59, in welclier die Scbire- 
deo von den Veibündeteo röllig geachlageD wurden. 



.yGoot^lc 



Schlaubt bei Nyborg- Kein Geld im Haag. 279 

diseben Flotte, so sicli aua Landskron, stark 28 Schiffe, begeben, den 
Pass, geetalt daeelbeten sie nit wieder einlaufen, abzuschneiden und 
ttberall verfolgen und ruiuireu oder ja immer bis nach Gotenburg 
treiben möge. — 

Diejenigeo, so E. Ch. D, Fortune gerne höher gezogen sehen, ver- 
meinen, wenn man in Pommern etwas ferners tentiren wollte, dass 
der Viceadmiral de Ruyter ein Kriegsachiff 3, 4 oder mehr E. Ch. D. 
nit verweigern wUrde, nun man hie so weit gegangen, dass mau dero 
Völker zu Schiffe eingenommen und davon sich in so einer notabeln 
Actioü auch zu Wasser bedienet hat. Etliche der AdmiralitlUsglieder 
lassen sich so weit aus, das» man ein E^quadroo Eriegschiffe uf £. 
Ch. ü. Namen sollte mögen auslaufen lassen. Ich zweifele aber, ob 
alle holländische Begenten dieses würden zustehen. 

Geldmittel aber alhie zu' erbalten ist eine überaus schwere Sache, 
wiewol E. Ch. D. ingefolge der Allianz selbige nicht behöreten ver- 
saget zu werden, und wir sollen, sobald der Herr Canzler ') hie sein 
wird, solches tentiren. Es hat die Stadt Danzig, wiewol sie der Re- 
stitution halben sich in allem fügen uud verbinden wollen, bis uff diese 
Stunde nicht einen Ueller empfangen. Ebenfalls hat auch die Krön 
Polen, da sie die Quota des Danzig'schen Zolls verschreiben wollen, 
nicht ein 100,000 Rth. haben kUnnen. Und ist dieser Geldmangel vor 
hiesigen Estat selbsten so gross, dass man nicht siehet, wie man gegen 
den Frühling neue Equipage zur See thun und die Flotte abermal 
wird herausbringen können. 

Daher denn auch die Meiuuog, wenn Friede mit Schweden möglieb, 
desto besser — noch immer stark Tertretea ist. 



Zweites Schreiben id. dat. 

[Hravisolflolte für RupeahsgeD. Die oicderl. Depulirleo ia Kuptsnbagen leiheo 

deoi DäoenkÖDig Geld. UatersuchnngscoinniigBion gegen Opdam.] 

Die zweite Proviantflotte ist vor 8 Tagen von Amsterdam oder 
Tessel nach dem Orizunt mit gutem Vorwind ausgesegelt, und ver- 
hoffet man, sie werde eine kurze Reise haben und sicherlicben in 
Kopenhagen kommen können, wie dann auch der Viceadmiral de Ruy- 
ter etwan 7 oder 8 Convoy-Schiff bis uf Schager-Ryf ihr entgegen- 
gesandt hat. — 

Die zu Kopenhagen anwesende cxtraordinari Staatische Herren 
Deputirte haben selbigem König uf sein emsig Anhalten etwan 

') D.h. W«iinaD, Caozler vou Cleve, der in diesen Tageo verreiat war. 



2g() I. BranJeubarg und die Niederlaude. 

10,000 Rth. vorgestrecket und Wechseln uf äea Ratli von Staaten 
gezogen; welches hie nicht wol iet ufgenommcu, jedoch vor (lieBCS 
Mal passirtjUiit schrifllicher Antwort, sie möchten äioh dessen ferner 
enthalten. 

Dem Herrn v. Opdam, LieuL-Adniiraln, scind Commi^sarien ge- 
geben, seine Relation dieser ganzen nordischen Reise zu examiniren, 
welche alle seine vorige hieliin geschriebene Brief und ßelaliones exa- 
miniren und zweifelsohne viele Fehler ihm nnfbUrdcn werden. Er 
hat sich zwarn mit dieser Antwort schon gcfasst gehalten, dass ihm 
durch den Haagischen Tractat die Hände gebunden und durch die 
contrariirende Ordres, so ihm zugesandt, nit mUgtich gewesen ist, den 
Feind, wie er wol gerne gewollt, zurückzutreiben, auch nicht Naskau 
KU entsetzen, weil er keine Landsoldaten gehabt, dazu zu gebrauchen. 
Oa man nun ferner uf ihn dringen würde, nimmt er dieses zur Ent- 
schuldigung, dass man von Anfang ihn zu dieser Charge gezwungen 
und, ob er lange sich geweigert und, dass er die nicht verstünde, ge- 
sagt, ihn dennoch nit habe erlassen wollen. 



Weimau an den Kurfiirsteu. Dat. Haag 16. Det'. 1659. 

(Kriaia der uiederlündisclitiD Politik; die eDigegeualebutidvD AneicbteD übur die 
jetzige Lage. Vermulhiicber Sieg der Pacificatiouspsrtei.j 
16. Di'c. Er ist auf kurze Zeit verreist geweseu, theils lu Piivatgcschärten, theils 

auf dringendes Verlangen des Bischofs ¥. .Münster, der ihn zu sprechen 
wünschte, in Coesfeld. Er bitlet um Verzeihung; es war im Hnag jelzc 
nicht viel zu versätiiiipn. Jelzt kommt iinn hier alles ad suinmam crisiii und 
ist viel ZD tbuQ — 

und zwar zu dem Ende, wo man keine wiikliche Assistenz für E. Cb. 
D. wUrd erhalten können, dass der Estat dennoeh immer mehr und 
mehr möchte aiigestärket werden, bei der Partei zu stehen und nach 
so bewandten Sachen die Hand nicht abzuziehen von so getreuen Bunds- 
verwandten und 80 guter Sache . . . Wobei wir denn wol so viel 
vernehmen, dass durch die englische Uneinigkeit und die Fünische 
Victorie vielen der Muth ziemlich wachset, und dass dahero den De- 
putatis und der Flotte in Dunemark befohlen worden, ihr Heil und 
Glück weiter gegen Schweden vigorose zu vei-suehen; und dass man 
in Holland noch immer disputiret, ob man nunmehr nicht I. Maj. von 
Dänemark von dem Haagisehen Traelat zu befreien, zum wenigsten 
unter dem ein oder andern Prätext den Krieg so lange zu coutinuiren 
hat, dass man Schonen zu recnperiren und sieh also hei dieser Gele- 
genheit einmal vor alle von schwedischer Furcht erledigen und liberiren 



A-iOOt^lC 



TJutereacfauDg gegen Opüam. Kampf d«r Porteieti im Haag. 281 

möchte; und dase zwar Anieterdam und einige andere eonsiderabile 
Glieder sehr auf diesem, der Rest aber mit dorn Katli I'ensionario 
darauf bestehen sollen, man hiitte zwar nach so bewandten Sachen 
dem Könige von Schweden ein wenig härter zuzusetzen und von I. 
Maj. eine kategoriBL'he Resolution, ob Sie die Haagiscite Conditiones 
annehmen wollten oder nicht, zu begehreu, mit der öffentlichen Be- 
dingung, dass sie auf den Weigerungsfall den König von Dfinemark 
von erwähnctcm Convento wBrden mlitsüen allerdings freizäblen; dass 
man aber davon den Anfang machen, dahero die Tractaten gänzlich 
zur Seite setzen und den Estat in die bereits unerträgliche Kriegs- 
küste weiter noch engagiren und vertiefen sollte, so lang man sonst 
cinigermaassen sieh würd daraus reissen können, solches wäre eine 
so gar hochbedcnkliehe Sache, dass sie ihrer Seite dazu nicht wllrden 
resolviren, es möchte auch gehen, wie es immer könnte oder wollte. 
Wortlber es denn zwarn Kwisehen beiden verschiedene nachdenkliehe 
Harangues abgegeben, also auch dass man annodi nicht cigeutlich 
sagen kann, was dcmi endlieh der Schluss sein dürfte. 

In puncto der Assistenz, welche man E. Cb. D. zu tliun, scind 
auch verschiedene Scntimenten, wiewol deswegen in publico nicht viel 
Gerüchtes ist. 

Wenn wir aber alles erwägen und consideriren, worauf in diesem 
Estat am meisten zu reflectiren stehet, und dass wir E. Gh. D. auch 
billig unsere Furcht zu Ihrer Nachricht nicht bergen, so verhalten Wir 
billig nicht, dass unser» Bedtlnkcns wol nichts sonderliches gcresolviret 
werden wird, und dass die Paeificationspartei mit dem süssen Friedens- 
namen alles emportiren, dabero schwerlich zu holfen sein wird, dass 
sie den Haagischen Schluss sollten fahren lassen . . . Hierunter möchten 
sie vielleicht auch ihre Deputates (so ohne das, leider, hitzig genug 
seind) unter der Hand noch animiren und sich also an nichts anderes 
kehren. — 



Weiman an den Kurfllrsten. Dat. Haag 23. De«.-. 1659. 

[Die Schlacht !d Fiiliren, Trotidem keiue AiiBsicIit üiif polilisclii! Wi'inluug.] 

Ueberseüdtt ein Schreiben dos Eöitigs von Daneiuaik au die Ucoeral- 23. Ürc 
«taaCCD mit der Auzeigc von dem Sieg in Fühticn, dat. Kopcuhageu 21 Nov. 
1059; nebst den Mcmorialieri au die Gcnerahtanteu, womit der däntscbo 
Ite-ident Cbarisius und Wcituau zu dem Siüi; gratnlirea [beide dat. 
20, Dec.) ') 

'} GedrackI bei Aitzema IV. töö. 



^aovGoOt^lc 



2g2 ^- BrnadeDbnrg und die Niederkode. 

Mao iüt eifrig bemuht, den Staat von Schweden abzubringen, aameuC- 
Itrli hat mau ver£UC-ht den Kath-Peu^ioaiir zu g&wjuneu, aber ganz vergeb- 
lich. Es ist ftUo wenig Hoffnung zu maubeu — 
in besonderem Betracht, dass es gar gewisse dem Estat sehr sauer 
wird, die erscliieckliebe Koste länger zu ertragen; zu gcschweigen, 
dass CS alle Tage sehr anstös&lich ist, dass man in Dänemark ihnen 
alles aufbürdet und solches zuweilen durch ein und andere Begeg- 
nungen, die nicht gar zu höflich sind und männigllch alhie sehr de- 
gousfiren. 

Man wird aber näher in's Werk sehen, wenn die dänische Au- 
bassadeurs alhie dermaleinst werden angelanget sein. 



Beiliegend Zeitung aus dem Haag. — Gewi:<s ist ee, das^ die 
PuciHrationEparteiin Hollaadsicb heimlich flaitiret mit der FuhnischcnVictorie, 
wciln sie Tcrmeiuen, Schweden werde nunmehr mit *ihrcu Leuten ä pari 
wol gerne Echlieesen . . . Worin sie denn desto mehr gesCarket werden, dass 
sie peuuriani aerarü gar zu sehr für sich haben und ailerenda fiirschützea 
können. — 

Die des Königs von Schweden Humeur vermeiucu zu keuuen, glau- 
ben nicht, dass er bei diesen Coujunctuien nach dem Frieden werde lau- 
schen, nm seine Schwachheit nicht an den Tag zu geben, zu mehr weiln 
sie uicht sehen, wo er solchen Falles seine Truppen würde hinführen und 
die Winterquartiere nehmen lassen. 

In der Münstcr'ficheu Sache wird man sich wol fürseheu, dass man 
sieh nicht vergreife, und ist der Domdechant, der von Brabeck ioctigDito 
alhier, um solches in omnem eventura fürzukommen. Worin ihn die Kaiser- 
liche und Churbrandenbnrgische Ministres nach ihrem Vermögen secondiren. 
Unter der Hand aber arbeitet man, wie man den Bischöfen mit der Stadt 
möge vergleichen. Inmittelst machet sich S. f. G. in eventnm zu alles 
fertig, inmassen Ihr denn Chnr-Cöln dazu bereits 500 M. z. F. und 100 1. 
Pf. wirklich übergelassen; Pfulz-Nenbnrg präaentiret 3000 M. z. F.; selbst 
haben Sie 30U0; ron dem Kaiser und Ghur Brandenburg haben Sie gleich- 
falls einigen Zuschub zu erwarten; und soll Sic Spanien bereits bis auf 
2000 Pferde versichert haben. 

Die Anleihe der 100,000 Rth. für Polen gebt gar zu Wasser, ohuge- 
zweifelt dFiss man sich Friede mit Dänemark und Schweden einbildet. 



Weimaii an den Km-ftirsten. Dat. Haag 6. Jan. 1660. 

[Der p^renäiscbc Friede. Diverse politische Nacbrichtou, Das Schreibe» Mb- 
zartu's au dea Karfürsten.] 

ir. Der Friede zwischen Frankreich und Spanien ist endlich gerati- 
liciret. Die däniscbe extraordinari Ambassadeurs seind beute zu Delfl 
und werden morgen alhie cingeholet werden. M. Cajet hält sieb 



r^reDäiscber Friede. FruDiöaische DrobuDgoD. 283 

stille; Englaud ist annocli gar wunderlich geembrouilliret. Aus Däne- 
mark kommen keine Zeitungen . , . Der Rath Pensionariue bleibt un- 
beweglich bei seinem Haagischen Tractat, wie sehr er sonst schwüret 
und protestiret von aufrichtiger guter Intention. Andere arbeiten 
hcimlicl), öffentlich so sehr dagegen, als sie sehen, da»s die erwähnetc 
Partei Himmel und Erde beweget, um mit ihren äentinientcn ilurchzu- 
dringen. Niemand stärket sie mehr' darin als Frankreich. Indessen 
aber wird Holland innerhalb 14 Tagen etwa hie sein, und weiln das 
ganze Werk ziemlich wunderlich aussiebet, weiln die Consilia so gar 
sehr gctheilet sein, so ist^ vom Aueschlage noch wol so bald nichts 
sicheres zu melden. Zwar wirds auch gar delicat sein, dieses Werk 
recht und wol zu treiben; denn man eich leichtlich gar zn sehr und 
wol uanittzlioh drin vertiefen möchte; zumala gar sehr zu befürchten 
stehet, der Kath Peneienarius cum suis werde unter dem süssen Namen 
des Friedens und mit dem franz- und englischen ächreckmaotel endlich 
gegen den Krieg alles emportiren. Wir unsers unterth. Orts aber 
werden darum dennoch nicht unterlassen unser bestes zu thun und 
mit Kraft zu zeigen, dass der besonder Friede der rechte Krieg sei. 

Beiliegend Zeitung dat. Haag 6. Jan. — Mons. de Tbou hat 
cudlicb am verwicheiicn 3. dieses die NotifKalion des Friediiiü und was- 
Diaassen Schweden geneigt sei, nicht allein mit Dänemark, fondera auch 
mit andern Beinen Feinden Frieden zu machen, per Memorialc, welches er 
dem Präsideutcn durch seinen Secrctarium einlierera lassen, getbiin. — S. 
Exe. haben dieselbe Memorie auch durdi einen Edelmann den Cburbran- 
detiburgiscben Miuiatris gecommuniciret. Was von der Kön. Scliwedischen 
Intention darin gesaget wird, ist gegründet onf ein Schreiben, welches der 
König ?on Frünbreich an die gealliirte Chur- und Fürsten des Reichs und 
der Cardinal an den von Grarelle gen Frankfurt unläugsc abgehen lassen; 
worin man sehr zum gemeinen Frieden räch und da der Kaiser oder Chur- 
brandenburg nicht wollten, mit grosser Kriegsmacht, womit man Schweden 
assistiren wollte, dräuet; inmaasscu denn alhie auch Abschrift eines Schrei- 
bens, welches der Curdinal Mazarini an S. Ch. D. zu llrnndenburg gcthan 
b.-iben boII, unter der Hand sehr herumgetragen und bei mäuntgiich der Art 
zu sein gcurihcilet wird, dass cm von 8r. Ch. D. zu Brandenburg entweder 
durch nicht Antworten gcmesprisirct oder doch so beantwortet werden uiüsse, 
dasfi man Herze und deutsche Kedlichkeit Kcbcu Hesse'). Mr.de Haute- 
Rivc kam deswegen auch zu den Churbrundenburgiscben und liess sich 
btdiinken, Frankreich würd 20,000 Manu aufs Vorjahr ins Feld bringen 
können. Die Churfürstlichen liessen ihn aber sub specie einer betiondercu 
Vei'traulii'hkeit sehen, dass der Kaiser allein ad 40,000 Mann ohne die 
pommerischen Armeen übrig nnd fertig hätte; und kann man's gleichsam 



') Vgl. Droysan III. 2.471. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



234 ^- Brandeuburg und die Niederlaade. 

mit Händen tasten, dasü alle ditse Diuge nur laoter bontade»; seind und 
Schweden selbijteii Uarauf uiubt fusseii werde. — 

So viel man souslen begrciCeu mag, scbeiDtii, ditrsü Frauk reich den all- 
gemeinen Friede mit Krnst suche, jedoch derogestalt, dass tichwedeo gänz- 
lich solle in Deutschland gercslituiret uud alles bei dein histr. Pacis gelassen 
werden. Und kommt von guter Iland: wo der Kaiser und Chnrbrandenburg 
dazu iiiuht verütehen wollten, dass sie solrhen Falle Arraken an Schwedea 
anbit'teu werden, wenn sie sich nur im Deutschland ^ttachiren umt mit Dü- 
uemark uud Polen Frieden uiauhen wollen. 



Woinian an den Kurtlirsteii. Dat. Clevc 14. Jan. 1660. 

[Verauch, de Witt mit Geld zu gawinueu. Bemüliuugoo. die SucluaionBacto nu 
beseitigen und dus Haus Oranlen wieder einzusetzen, ^ladt und Bischof vun 
Münster, im Streit liber das jus praeaidii.J 
li.Jnu. Am (!. Januar besprachen wir uns in gebeim mit ilen dänisclen 

Miiiistris, dass man allen Fleiss anvenden, dannenliero die allerseitige 
Actiunes dahin richten sollte, damit die Rothschild isc he Uaagische 
Tractaten bei die Seite gesetzet, Schonen restituiret, der Estat inmiltelst 
b«i der Partei gehalten und, wie es ginge, zum wenigsten ein general 
Frieden befordert und erlauget werden möchte . . . Und weiln dabei 
diese» nur fftmehmlich geconsideriret ward, das» uns der Kath Pensio- 
narius gar zu sclirccklich zuwider wäre, dass man wUrd trachten 
müssen, denselben quocunque modo aut pretio entweder zu gewinnen 
oder in diesem seinem Fürnehnien bei andern Gliedern dermaassen 
bekannt zu machen, dass er endlich gegen seinen Willen, wo es 
möglich, zur Haison bracht werden möchte: so war endlich der Scliluss, 
sie ihrer Seits wollten dazu Fleiss, königliches Wort und Geld an- 
wenden, und möchten wir unsers Theilea iu- und ausserhalb Holland 
das Unsrige dabei auch tbun. — 

Allermaassen denn auch geschehen , indenie ich mit dem Rathe 
Penüionario zuvorderst in eine Confcrenz gekommen, das gemeine 
Interesse bester Maassen getrieben und endlich das Werk der Har- 
monie, gestalt Prinz Wilhelm zum Statthalter zu machen, das eng- 
lische Seclusionswerk aus dem AVege zu nehmen und also zwischen 
den Provinzen, denen Häusern von Oranien und Nassau und andern 
Theils denen von Holland ein beständiges Vertrauen zu stiften; aller- 
maassen denn bereits die von Amsterdam zuvorhin auch auf unser Ver- 
anlassen dazu die Hand angeleget gehabt und der Herr de AVitt öclion 
mit mir vielfaltig ges])rochen, wie es etwa ins Werk zu richten sein 
möchte. 

Der Herr Bürgermeister Spiegel von Amsterdam hatte darub 



Aj.OO<^IC 



De Wilt ani die orBnische Kestitiition. 285 

auch mit I. Höh. sclion fltr einigen Tafren vertraulich geredet, und 
blieb endlich der Srhluss, weiln er, derRath PcnBionnriu», von Herzen 
wiiucchete, daRs iliesCR VersHhnungswerk möchte zur Wirklichkeit 
lirarht werden, daas ich mich nacli Anisterdam begehen, diese Sache 
«laMclbst rcchtschnfTen anbinden, dnnnenhcro es dahin dirigiren aullte. 
dase ihren Depntirten aufgegeben werden möchte, l»ei nächwter Ver- 
8aminlung dasselbe nomriglicli durchzutreiben. — 

Wie weit es diesem Manne nun damit ein Ernst sei, snlehes kann 
ich zwam nit sagen, kann aber dieses nicht l>crgen, weiln er mir be- 
kennet, dass die Oranisehe Sinmltates bei üime nicht ohne Wirkung 
wären, dass er meines ßedlinkens damit nicht allerdings spielet, wie- 
wol er sonst, was die Publica betrifft, auf seinen vorigen Sentimcnten 
(lomiaassen verbliebe, dass er BAgete, der Estat könnte den Krieg 
nicht länger auf solche Maasse fllhren etc. Und ... bin ich drauf 
alsfortens nach Amsterdam gegangen und liah daselbst mit dem re- 
gierenden Bürgermeister Spiegel und demc von Beuningen so weit 
gesprochen, dass sie mir gnugsame Hoffnung gemacht, sie wttrden bei 
nAchster Versanmilung sothaue Instruction mitbringen, dass sie sowtd 
in publieis als auch privntis unscnn ßegeliren ein Oenflgen würden 
leisten können. 

Zu Utrecht und Amheim hab ich bei den Hegentcn auch ziem- 
liche Inclination gefunden. — Wie es nmi allerdings nölliig war, wegen 
der Feldniarsehalkschan mit Prinz Maurilzen f. On. gründlich zu 
reden, und ieh auch sonst in privatis zu Cleve nölhigs zu thun hatte, 
so bin ich ftlr dreien Tagen nlhie angekommen, in Meinung morgen, 
wills Gott, wieder wegzugeben. 

Prinz Job. Moritz zeigt sich nun mit allem, was im Intcios.-:c des 
KinrUr^tcn and der guten Snche von ihm voilnrigt wird, ciiiTCisiauücn; er 
erklärt sich bereit, dem Prinzen Wilhelm dir Feldmnischnllsclinft 7.u libci' 
lassen — 

welches mich denn deroniaasscn erfreuet, dass ieli nunmehr mit mclirer 
Hoffnung als Jemalen wieder nach Holland wende und allen Kleiss 
anziikehren gedenke, das» E. Cii. D. zu Ihrem Zwecke gelangen , . . 
mögen. 

Das Mllnsterscbe Wesen ist in suspenso; denn da wir's im 
Hange so weit gebracht, dass der Herr Fricquet und der Rath 
Pensionarius sich unter der Hand dahin vereiniget, wenn des Herrn 
Bischofen f. Gn. der Stadt durch ein zweifach Hcbloss an jedem Thor 
die Halhscheid der Schlilsse lassen wollte (inmaassen es zu Besoncon, 
Dole, Gratz etc. isl), dass solchen Falls die Stadt in den andern 



A-iOOt^lc 



236 ^ BrandeDbnrg nod die Niedertande. 

Functen der Seatenz pariren sollte: so hat äer voa Brabeck solches 
ad referendum angenommen und sich darauf nach Coesfeld begeben, 
und der Rath Pensionarius versprochen, dass inmittelst alles stille stehn 
sollte. 



Joh. Copes an den Kurftlrsteii. Dat. Haag 20.|10. Jati. 1660. 

[Die ForderuDgeo KsrI Gaetav's von Schweden. HochfabreodeB Anrirelen von 
Coyet.| 
20. Jan. Die Herren Staaten von Hotland seind nunmehr in corpore ver- 
gadert, Zweifels ohne uff die Sachen von Schweden und Dänemarken 
zu ilelibcriren ; dazu desto grössere Anleitung gibt, tiass vor zween 
Tagen aus Copenhagen hie angelangt sein die Articuli, so I. Maj. von 
Schweden gestracks vor dero Abreisen nach Gothenburg den Herren 
Mediatoribus übergeben — 

Dieses Geschrift nun, wie es sehr weitläuftig, so gibt es allerhand 
ImprcBsiones, etliche meinend, wie es viel ungereimte neue Vorstellungen 
hat, so sei es nur daruf augesehen, Zeit zu gewinnen; andere, dasB 
CS darum zu höher angezogeu sei, dadurch ein mebrers, als die Haa- 
gische Tractaten geben, zu bedingen, mehrentheils zwarn zum Nacii- 
theil der Kronen Dänemark und Norwegen; und dass darum der 
König von Schweden denen Uoterthanen von Frankreich, England und 
Unürten Provincien dieses alles, was sie vor ihre respective Nationen 
begehren, zugebe. 

Die däuifchen ond schwodisrheu Gesandten hier arbeiten eifrig gegen 
einander — 

und gibt den Kön. dänischen Gesandten es viel Vortheils bei den ge- 
meinen Gliedern hiesiger Regierung, dass ihre Proposiliou so humblc 
und niedrig, hergegen des Herrn Cojct so altier und trutzig einge- 
stellet gewesen, und dass uf diese der Status mit ziemlicher Hitze hat 
geantwortet, wie aus dem Gedruckten zu ersehen '). 

Dannoch wenn man die GemUther der hohen Regenten und so 
nber die Haagische Tractaten gesessen haben, untersuchet, so beepUret 
man, dass sie von denen Vorschlägen nicht abweichen, sich auch 
gänzlichen einbilden, der König von Schweden werde mehr und mehr 
beikommen und nicht alles, wie in Ffihnen unglücklich geschehen, so 
auch in Zeeland und Schonen uf die Spitze setzen; dass auch Frank- 
Teich und Engeland selbigem König dazu vertraulicher Weise wol 

') Die Rede Coyeta, am 35 Kov. 16ü9 gehalten und dann auch gedracict 
verbreitet, bei AitiemalV. 421 f.; vgl. Wicqnefort [I. 634; die ofBcieil« Ant- 
wort der QenerniBtaaten erhielt Coyet erat am ir>. Jan. liiGO (A itzema ibid. 537''. 

i:q,t7r.d .*^nOO<^IC 



Schwedischer Troti. Grosses StormlanreQ gegen de Witt, 287 

ratlien werden, da dann Frankreieli immer gesucht, Schweden vr>n 
dnnneu los zu maclien und ins Römische Reich zu fUliren. 



Weiman an den KurfUrsteu. Dat. Haag 26. Jan. 1660. 

IVereiobfirung mit CliarieiDS über den FuldzDg gegen die Pacificationspartei. 

Fricqnet. Schnierigkeilen wegen des Geldpunkles und der Handelaklenme- 

De Will Dod der Plan der oraoiacben Restitution. Amsterdani. TroU allem 

wenig Hoffnung anl Aendernng der holländ. Politik.] 

Nene Besprechnngen mit den dänischen Gesandten über das einzn- 2 
schlagende Verrahren nud einigen sich beide so: 

mau möchte nunmehr die Hand ans Werk legen und omni modo da- 
hin trachten, dass die Pacificfttionspartei versetzet und also der Estat 
mOchte gedisponiret werden, die Haagische CouTenta in etwa an die 
Seite zu setzen und bei der Partei zu halten, und dass man darunter 
die Glieder fieissig visitireu, ioformiren uud akviel den Rath Pensio- 
narium angehet, sieh eines gewissen Mannes, der Über ihn vermag, 
gebrauchen, dannenhero versuchen sollte, ob er dadurch etwa oder 
durch uns auf gewisse Maasse möchte wiedergewonnen werden können; 
in allem Fall, dass man sich bezeugen sollte, wo sie nicht wollten, 
dasg sie alsdann erwarten möcliten, dasü man in Polen weise sein, 
sich nicht länger herumleiten lassen, sondern mit Schweden A part 
Bcbliessen, dahero die ganze Eriegsbllrde ihnen allein auf den Hals 
wflrd devolviren und wälzen. Alles was gcpassiret, sollte man loben, 
znm wenigsten dissimuliren. Selbst nahmen die Dilnische an, deme 
Ton Opdam, wessen Fanten sie sonst gnug zu bescheinigen getrauen, 
nicht zu widern, sondern behUlflich zu sein, damit er sich gegen 
Amsterdam retten und wieder bequemen möchte, hinföro wieder Dienst 
M thun, zum wenigsten in den holländischen eonsiliis, wozu er sieh 
sonst merklich anbeut, Wobei aber dieses auch gesupponiret ward, 
wo solches nicht helfen sollte, und man sehen würd, dass der Rath 
Peosionarius nicht zu versetzen stUnde durch diese gelinde Mittel, dass 
man solchen Falls in Bedenken nehmen sollte, ob man nicht aperto 
Marte seine Consilia zu impugniren und also quocunque modo dieses 
Mannes gar tu nachdenkliche Rathschtäge mit allen Kräften und un- 
gescheuet zurückzutreiben haben sollte. — 

Wir unterliessen nicht, von diesem allen mit deme von Fricquet 
Tertranlich zu reden . . . und konnten wir ein andres nicht verspüren, 
als dass er sich alles, was wir gutgefunden, gänzlichen gefallen Hess. — 

Und erfolgete also weiter darauf, dass die Dänische sowol als wir 
bei den Gliedern von Holland die Visit« obangeregter Maasse fleissig 



A-nOO»^lc 



2gg I- ßrandenbars und die KiederlsDde. 

ablcgcten und allerseits befanden, dass dieselbe ziemlicb wol incliniret, 
aber alle mit einander der erschreeklicben Eöete halber, so bei Con- 
tinuatidn des Kriegs erfordert werden wUrdeii, in voller Angst waren; 
ntil boben Bezeugungen, dass sie sähen, es wUrd ihnen auf die Dauer 
uuniUglieh sein zu bestehen; alles wQrde ausser Landes consumiret, 
das wenigste mllsste aueli mit Baarschaft gcfhan werden; inmittelst 
stunden die Commercien theils stille, theils wflrden sie in dem engli- 
Bi'lien Canal und der Westsee durcb allerhand Capereien aufs Susserste 
geturbiret, und dass das ärgste wfire, dass sie uuglllekliche ßencontres 
befalii-en und also darüber Engeland, Frankreich und langwierige Kriege 
besorgen mtlssten etc. . . Die von Amsterdam, Haarlem, Leyden etc. 
waren dennoch sehr herzhaft; und wie man darauf auch mit dem 
Herrn Rathe Pcusionarlo zur Conferenz kam, fanden wir denselben 
immer noeb und aufs alte roll Scliwierigkeiten, wiewol er die polniscbe 
Tractaten sehr apprehendirete. — 

Ich meines Tiieiles kam nun mit ihme auf das Reconciliations- 
werk, zeigcte dabei an, was ich au Amsterdam, wie auch bei FUret 
Mauritzen zu Gleve darunter verrichtet und ersuchete ihn, er möchte 
glauben, dass man's ehr- und ernstlich meinete, und muss ich dabei 
gehorsamlicb melden, dass er mit hohen Contestationen bczeugete, er 
suehetc E. Ch. D Dienst zu Ihun, wOnsehete zugleich, dass die Si- 
multatcs mit denen vom Hause von Oranien aus dem Grunde müehten 
gehoben werden. 

Die Ilaoptsnclic alier liegt an der Stadt Amsterdam and mnss Weiman 
Rieh besonders mit den Bürgermeislern Spiegel und de Qfbtc in Ver- 
bindung setzen; wo,'; flurh in iiäehEter Woche geschehen soll. — 

Und können wir im Übrigen wol nach so vieler nngewandte- 
Muhe, wie leide es uns auch thut, nichts anders melden, als dass all 
hie alles sehr unsicher und vielleicht mehr zu fllrchten als zu holten 
ist, also dass es scliwerlieh zu- rathen sein möchte, ia»s sich E. Ch. 
D. oder Polen gar zu sehr auf diese Leute verlassen sollten, wo Sie 
sonst was gutes tbun könnten. Die Glieder in Holland selbst seind 
wie verworren und deromaassen verthcilet, dass sie in medi» conveutu 
einander angesehen und der einer zum andern gesaget, sie wßssten 
nicht, was unter ihnen rcgierete. 

ßcilicgeud Zeitung id. dat. „Die Herrn Abgesaudtcn von Chur 
Cöln und .Mainz fciud auf den 8. Jau. zn Paris augekomnieu und gehen, 
wie man saget, mit vollkommenem CoDteDtenient und einigen Wecbselbriefen 
wieder nnch Deutschland, " 

iinmrv Terwoirrniio Nnchrichlen an.< Knglniid General Monk nähert 



Brandenburg oiid de Will. 289- 

M<h mit seinen Tinppei) London, d:iG Parlament liisst ihn begrüssen uiid 
DBcli London einlnden; nieniiind wci^s, was Monk will und was cndlieh 
iterdcn wird. 



Weiman an den Kurflirsten. Dat Haag 3. Febr. 1660. 

[Conferenis mit de Will; gute Zusicherungen desselbee: geraeinganiür Plan mit 
drm dsDiBeben Geanmllen. De Witt für eine Sendung nach Kn;;land. Der Sireil 
in MiiDBter niid der KaiBer. Die Untersuchung gegen Admirnl Opilnm. Ge- 
neral Monk in England.) 

Die Naobrichten von ansäen her sind immer aufregender und ver- 3. Fein 
«irrender; raan ist sehr besorgt, dass Polen mit seinen Seiiornttriictnirn 
»Di^scheidet und die Last des dänischen Krieges den Niederländern .iillcin 
überlädst 

Ich, Wciraan, hatte mit dem Rath Pensionario eine gar nach- 
denkliche Confercnz, allein und ins besonder, worin ich mit allen Um- 
ständen anwiese, wie weit dem Estat, wie weit ihmc, Herrn de Witt, 
daran gelegen, dßBS man zurücksähe, und gleichwie der grosse Gott 
alles deromaassen geschickt, dass es annoeh Zeit wftre, weise zu sein, 
dass man ohne ehdliche Ruin der Sache nicht langer könnte stille 
i»tehcn etc. Ich zeigete dabei ins besonder an, wie scliier alle Welt 
und unsere Aliürte selbst sich einbildeten, er Hebete das Haus Oranien 
nicht und mlissten sie darum leiden, weil seine Passion sich auch auf 
Churbrandenburg exteniliren dürfte; mit dem Hinzuthun, dass mau 
sonst nicht sehen könnte, warum er sich in dem ganzen Werke so 
schwierig bezeigete; für Engeland hätten sie sieh ja so gar nicht zu 
fSrchten, weiln es mit sieh selbst gnug zu thun hätte und interessirct 
wäre, Dänemark ait gar verloren gehen zu lassen. Frankreich wflrd 
auch nicht viel tlinn können, weiln es sieh selbst ohne des Estats ^'or- 
wissen mit Spanien zu einem gemeinen Frieden verbunden und Mr. 
de Thou es alhie selbst und publieo scripto bekannt gemacht hätte, 
nber demc das deutsche Reich es mllsste abtragen, was davon zu bc- 
fBrthteu stünde. Worauf ich ihme denn auch die uns durch den Frci- 
lierm von Schwerin zu reeliter Zeit auf E. Ch. D. Befehl conununi- 
cirte intercipirtc Schreiben in passibus utilibus vorlas und endlichen, 
da wir von dem bekannten Keeonciliationswesen vertraulich geredet 
und einig worden, dass ich nach Amsterdam gehen sollte etc. , . diese 
Antwort von ihme erhielte: er hätte Gott zum Zeugen, dass er bei 
dem ganzen Pacificationswesen bishero keine Passion hätte gehabt als 
seinem Vaterlaude gutes zu thun, dass er E. Cb. D. eher liebete, als 
hassete, und schwor er bei seiner Seele, Holland hätte in Sachen der 
Athirten zu allen Zeiten nur allein auf E, Cb. D. und deroselben Cou- 

Uitcr. I. li^-Kli il. üt Kuininltu, VU. 19 

i;q,t7od lyGoOt^lc 



290 '■ Uraiiilüuburs «lA ilip Nieclerluntli'. 

servatiou geeelien; sie thatcns noeli auch; und da er bislicro tou meinen 
Sentimentcn diserepiret, mo vvürc iliinc es leid gewesen, dass er darüber 
mit uns zerfallen sollen. Wfe wirilnii aberkeineMalire würden beimessen, 
dass er seiner Provinz Interesse und Senfiiiienten befolffct, so wollte 
er uns versiclieni, wenn er nui" so weit kommen könnte, dass er zwei- 
feln kOnnto, ob England sich wUrd wieder ins seliwediscbe Werk 
mischen, dass er solchen Falls ohne Zurttcksielit nns beifallen und 
■/.eigen wolle, dass er nicht weniger Affection ftlr K. Ch, D. als Aversion 
lijiltc gegen der Schweden Unrcdiiclikeiten. — 

Wie ich midi mm Nanjcu» F.. (h.D. sehr bedaiikete etc., so 
lialieu wir mit den dünisclien Ambassadeiiren uns allerdings verglichen, 
das Werk pen a pcii und mit sanfter Hand weifer zu bringen, dem 
Manne zu ilankeii tind Dankiiarkeit Iteizubringcn, seine Freunde zu 
gewinnen und also zu sehen, ob wir zu unserem Zwecke (|Uoeunc[ne 
[iretio gelangen können. Wir werden dabei auch sehen, wieweit wir 
uns der 0|idainisehen Hiindel werden bedienen {«ünnen '). 

Die dänif-fhen (le^aiidton ttollcn zu dem Kmlo morpcu imcL Aiusteidjini, 
Wcimnu einige Tngc später. 

Der kaiserliche Gesandte ist nit gar wol zufrieden, dass die 
Generalitilt (wiewol mau mit uns auch uocli nicht gesprochen) in den 
Uesolutionen von ihm gar niclits meldet. Der polnische Resident i.-«! 
vielleiclit wegen der verweigerten 10IJ,(K)() Iltli. deromaassen gerilbret, 
dass man ihn kaum zurllck und auf zientlielier Bahne lialten kann. 

De Witt rüth ininipr noch sehr da7.u, dass der Kurfürst einen ßc- 
stiniitcii an das Pnrlnraeiit nach Kiighmd fcliieko; dns gegenwärtige I*jir- 
Inment «erde doch wol eine Zeit liuig hestelien, nud da könne der Knrfüist 
in der S'hwedisehen Saiho dort viel wirlieii. 

Das Mllnsterisehe Werk stehet aunoeli in vorigem Stande; allein 
verursaelien die Kaiserliche Trouppen an allen Ortern viel Geschreies. 
Wie sich nun der Herr Risehof danmter hegreift, solches werden K. 
Ch. D. ans der Beilage gnüd. vernehmen. (Fehlt.) Dieses aticr weiss 
ieb dalici wol, dass man S. f. Gn. am Kaiserl. Hofe ziemlich Übereilet, 
und als demselben Deputatus nur um Hülfe in eventnm und termiuis 
generalibus angclialten, dass man alsfortens zugeschlagen, die Vi'dker 
hinuntevgescbiekt und hernach gefraget, ob der Mann aueli Ordre hätte, 
Un gezweifelt' ist" 8, um die Quartieren zu gewinnen; e^ hat aber beule 
alhie bei der Generalitet ein solches Aufsclieu gegeben, dass icli nit 
weiss, was endlicli daraus kommen dllrfte. 

') 11. h. der Unlersuchiinp gegen den Admtrnl Opdnm wepen seiner Ffilirnni: 
alä Onrnmnndant der Oatpeeflutle: Vf;l. Socrcl, »eBnInt. ir. H!<— 18,'i. 



„A^iOOt^lC 



Münster. Hie ÜiiterBnchnnft gegen Opdam. Gonpral Monk. 291 

1'. ö. Sogleich vernehme, daaa der Rath Fensionarius in Holland . 
bei der Resumption anfs neue in favorem des von Opdam geeon- 
duiliret, ohngcachtet »ich Alcmar endlich mit Amsterdam aucli gefllget, 
niid nlso acht die grosseste ätädte dagegen echriftlich und aufti 
»cilärfste geprotestiret '). 

Die Monkische Conduite in Engeland, weil er über Vernnithen 
«ich fltr das Jetzige Parlament erkläret und im Whiteliall sein Quartier 
nimmt, giht viel Alteration, und habe ich ein Schreiben aus London 
gesehen, dass alles Volk Über ihn gräuheh anlangt zu schelten und 
lu srlmiähen, ja dass man gar harte Dinge gegen ihn fUrnehmeu 
dürfte. Das Parlament soll inmittelst aber sich publice erkläret haben, 
sie wollten das Volk suchen von Lasten und Schulden zu deehargiren, 
ditDuenhero sich in auslündisclie Kriege ohne die gröttseste Noth nicht 
engagiren, und wäre gewiss, dass sie nicht gar zu gut schwedisch 
wfiren. — 



Wcinian an den Kurftii-steii. Dat. Amsterdaai 10. Febr. 1660. 

ICaaforenz m't niedErlfiDiliaclien Dcpntirten. Vorstellungen Weironii's über die 
i^nchlnge, Unterredung mit de Witt; er vertheidigt die Concerlpolilik; seine Kr- 
htrtuLigen in der omniachen RestitntioneBache; Erwägnog über die Ehrlichkeil 
de WiU'ii. Verhandlungen in Amsi^rdan: Missetimmnng gegen de Witt; die 
groäicn Studie gegen die ktcincu. Beuningen. Pensionär de Groot. Allge- 
mpiiie Slimmnng für DÜBeninrk «nd Hass gegen Schweden in Amslerdam. Der 
erwartete UntBCliwung in England.] 

Am 8. Feiir. noch Amsterdnm gereist. Torlier hnt noch im Haag eine 10. Febr. 
Ccinferenz. mit Staatischen Depiitirten Statt geTanden (s. die folg. Relation 
Ton Copes). — 

Wobei wir denn nach der LSnge angezeiget, wie gar widrige 
Operationes der Haagisclie Tractat fhue in Polen da man mit gutem 
Grond sagete: wir bleiben in der Partei oder wir treten draus, so 
wird Dänemark drum nicht weniger oder mehr bekommen; warum 
sollen wir uns denn miserabel machen ohne Nutzen? in Dänemark, 
da der König von Schweden ungezweifell dergleichen präsupponirete 
und gedächte : ich sehliessc oder schliesse nicht, so wird's mir nidit 

') Die f^oiiclnaion nach der Untersnchnng gegen Opdam erfolgte dahin, dnsB 
lierselbe „voor syne goede condoite ende devoiron, in des aelfs joogstc eraploy 
betoont ende aengewelTdt, bedankt" werde, Secret. Resolnt. H. 185, wo aacli 
die Kinwendnogen der widersprechenden Städte AmBterdani etc. lo dem bei- 
liegenden Jonrnnl Weiman's wird hinzngefügt: die proleatirenden Städtedepn- 
lirlen denlen an „dacs sie vermerkelcn , warum der Ruth PeuBionar die Opda- 
ni«che Partei bicil, nämlich weil er fnrchle, die Opdnmische Defension werde 
die Raagieche Pacification nnd dem Urheber müssen criminel machen". 

19* 



292 ^' BraDdenburg und die Niederlaude. 

TOrtheilen; warum denn grepräcipüirct, warum niclit der Zeit abgeselien, 
der Quartier g:eiiosHen, Dänemark geruiniret und den Staat so lang ge- 
plaget als ich kai\n? der Haa^ißclie Tractat lasset mir docli öidierlicit 
und Vortheil gnug, wenn ieli ihn auch zuletzt wUrd annelimen mllssen — 
und dass dalier »olclics Priucipium notliwendig mtlsstc we^gcnnminen, 
zum wenigste» so weit gealteriret werden, dass uoeli Polen, nocli 
Seliweden darauf gar zu eelir ftissen und darnacli ihre Mesures nehmen 
könnten . . . Alle Contractcn hätten von sich selbst diesen mitfuhrendeii 
Verstand: wo die Sachen in einem solchen Stande hieihen. Nun wSre 
ja so viele Zeit llbcr die bedungcue 14 Tage dahin, so viel Schade, 
80 viele Verflnderung erfolget, die englische Regierung so oft verrficket, 
Frankreich bis auf diese Stunde sriumig, die vnlligc Katification ein- 
zubringen, ja Frankreich hätte selbst sich mit Spanien uoforic ver- 
gliclien, einen allgeuieiucn Frieden zu befordern und also im M'erke 
selbst genugsam gezeiget, dass es auf den llangisclien Tractat nicht 
gar sehr refleetirete, und möchte dannenhero der Esfaf seines Ortes 
auch bedenken, ob sie sich an Strohhalme binden oder vielmehr be- 
denken wollten, wie sie sieh ihres Theiles aucli in Freiheit stellen 
machten. Zum wenigsten könnten sie iliren Dc|iutirtcn zuschreiben, 
dass sie sich auf allen Fall mit den Traetaten nicht llbereilen, souderu 
alles offen lassen sollten, bis dass sie dem Estat von I^ewandlniss dex 
Werkes zuvorher berichtet und der Estat auch zuvorderst vernommen 
haben wlird, was der Herr Nieupoort in Engeland wUrd ausgerichtet 
haben . . . Welches alles die Herren Conmiissarii denn gar wol auf- 
nahmen und uns versicherten, ■ dass sie von allem getreulich rcferireu 
wollten, und der Estat von Herzen geneiget wäre, nn Dänemark und 
E. Ch. D. als „haere oudstc ende getrouweste bondgenotcn'- 
alle Dienst und möglichste Freundschaft zu erweisen. 

Worauf denn des Abends noch der Rath l'ensiouarius de Witt 
zu mir an unser Quartier kam, gestalt über voriges noch in etwas 
weiter zu discurriren; and . . . immer noch anzeigcte, der Estat könnte 
dadurch immer noch in Verweiterung mit Eugeland gcratlien; denn 
so bald Schweden von solcher VcrSuderung vernähme, wllrd es sieh 
erklären, die Conditiones zu acccptiren, und wltrd sotchcn Falls der 
Estat sciue Macht entweder müssen stille halten oder agiren lassen^ 
wo jenes, solches wUrde uus nicht dienen, noch Dänemark; wo dieses, 
so wllrd Eugeland und Frankreich sich gar gewiss wieder drin mischen, 
und wäre solches eben das, welches seines Bedünkens der Estat keines 
Weges hazardircn mtlsste, weiln sie einer solchen Macht nicht ge- 
wachsen, daliero der Estat, Dänemark und E. Ch, D. ganz und gar 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



Braudtiiitiiir; und de Will. 293 

ilrauf §:elien niiiclitcii, da man darin den gci-ingriten Fehltritt tliun 
illirftc. Worauf er mit liolien Uezeiigungen contcstiretc, tiass es gar 
keini! Passion wäre, die üiu auf solchen Seutiraenten hielte, sondern 
spin Gewissen, iu welchem ers filr Gott nicht anders bislieio begreifen 
können. — 

Un<l kam endlich von selbst mit mir auf das bekannte Reenn- 
Filiationswerk, zum höchsten protestirend , dass es ilim damit ein 
rechter Ernst wäre . . . Und weiln er mir die 0|nl.imisehe Sachen 
zu lesen anvertrauet, gestnit (wie es zum wenigsten äusserlieh hiess) 
meine Gedanken darüber zu vernehmen, so war endlieb seine Meinung, 
man kannte diesem Werke, wortiber denn noch gar viel Geschreies 
i»t, seine abbelflichc Alaasse aucl[ zu allerseits Vergnügen geben, wenn 
man mit dem Reconciiiationswerk, also dem Feldmai-scballat, nur wUrd 
zur Uielitigkeit gelangen; denn weiln dadurch ein ander aneehulicbes 
Amt wilrd vacant werden, so könnte der von Opilani solches an- 
nehmen und also von der Admiralschaft mit Ehren abstehen, wodurch 
denn alle vorige Ötreifigkcilen tacite heigeleget, zum wenigsten vor- 
beigegangen werden könnten. Und erbot sich im (ihrigen zn allen 
guten Dingen mit mehr als gemeiner Expression. 

Wie weit ihm nuu dieses ganze Ding ernst sei, kann ich zwarn 
oicJit sagen, weswegen ich denn wol zuweilen in grossem Zweifel 
stehe nnd nicht wol weiss ... ob wir nicht lieber solcher Freundschaft 
misstrauen nnd gerade gegen ihn an und lo^igeheu sollten. — Muss 
aber wol bekennen, dass ich endlieh zum gelindesten und sichersten 
lenke, dahero dahin ziele, dass man diesen Mann in der Gute zu ge- 
winnen suche, wo es einigermanssen möglich ist; für diesem iiab ich 
. viel Candor's und ßedliclikeit drinnen befunden, kann also nicht aller- 
ilings feste stellen, dass er's contra conscientiam thue, was er thnt, 
oder dass er uns zu hetrllgen suche, da er sich nunmehr publice et 
[irivatim ziemlich gcuelim stellet. 

Was A Disterdam betrifft, so hat Weiniau hier ilie Stimmung unver- 
■iidort zu Gunston des Kurfürsten und Diinemarks gerunden. 

Ich vcrfligete mich zu dem Herrn von Polssbroeek, redete Hber 
die zwei Stunden mit ihnic; endlich kamen zwec andere Burgcrmeistere, 
w nach dem llaage gelten, auch dazu und war nach einem kräftigen 
Üebatt alles dessen, was bei diesem Werk aus- und inwendig gecon- 
«iileriret werden kann, dieses der allgemeine Schluss, sie ihres Theiles 
Wollten sieh mil nnserm Voi-sclilage günzlicfa und absolute fügen und 
bei der Versammlung denselben ans allen Kräften poussiren. 

Mit dem von Beuningcn redete ich nachgehend, weiln er selbst 



A-nOO»^lc 



294 ^- BfiiDdeDburg UDtt die Niederlande. 

ZU mir kam, und thut derselbe in allen Dingen wol «ein Bestes ge- 
treulich; wobei er mir denn auch bekannte, dass dem Käthe renai<(- 
nario wegen der Conelusiou, so er für 0)idani gegen Willen der 
Hieben considerabelBten Städte genommen, ziemli<!b Übel zu Muthe wäre, 
lind dass er ihn gewarnet, er niöehte eich kenneu, die Publica auf 
solche Art nicht treibeu, als er Jdngst getbau , noch auch Intriguc 
machen mit den kleinen Städten, die grossen würden dadurch ge- 
nöthiget werden, einen anderen Weg zu wählen; und sollte der Herr 
Andres de Graef sich haben verlauten lassen, das wtlrdc die Baline 
machen zn einem Bai'neveldisehen l'rocedere und was dergleichen. 

So nüthigten sie mich endlich den Mittag bei den Herren däni- 
sclien Ambassadeuren zu Gaste, da denn der meiste Magistrat zugegen 
war und miinnigücheu zeigete, dass Ihnen meine Gegenwart nicht 
unlieb, fUrnclimlich aber E. Ch. D. Freundschaft zu Herzen ginge. 
Der Herr l'eter de Groot war auch da, und wird dereelb heute 
seineu Eid als Pensionarius an diese Stadt ablegen, anstatt dessen 
von Beuningen, welcher selbe Cliarge von deswegen, dass er in die 
Vrocdschnp aufgenommen, zuvorn abgeleget hatte. Man hat crwähneten 
de Groot vorhin verdächtig gemachet, dass er zum Haagischen Trac- 
latc gar zu sehr geholfen, und leugnet er mii-s nunmehr auch nicht' 
Wir haben aber daran nebst den Herren Dänischen so weit gearbeitet, 
dass er nunmehr unsere Partes alles Fleisses zu vertreten angenommen. 

Der Herr Charisius ist auch von einigen anderen holländisohen 
Städten wieder zurückgekommen und saget, dass sie alle mit einander 
sich sehr geneigt und gltnstig auf sein Anbringen erkläret hätten. — 

Man thut den dänischen Ambassadeuren gar viele Ehre an mit 
Gaslereieu, Comödienspielen und dergleichen, wobei das Volk denn 
wol einen llhcraus grossen Haes gegen Schweden bezeiget; gcstalt 
denn auch der Herr Cojet hier gar schlecht empfangen und von einem 
Burgermeister nur getraetiret, weilu es sein Amt gewesen, von allen 
andern gar kHhlsinnig grehattcn, von den Kauflciiten aber, da er vom 
Kathhause gekommen, nicht einmal des llausabzieheus [sie. Hutaln 
aichensyj auf dem Damme gewflrdigct geworden. 

Unter der Hand ist sonst au den Herrn Vogelsang nach Däue- 
iriark geschrieben, die Dei)utirte möchten mit den Tractaten gar nicht 
eilen. Engeland aber und was Monk daselbst machen wird, dürfte 
im ganzen Werke dennoch wol das meiste Licht geben; welches denn 
den Vernünftigsten, auch selbst nunmehr dem Herrn de Witt dero- 
gcstalt fUrkommt, dass er glaubet, alles lenke sich daselbst wieder zu 
der Monarchat-Regierung. _ 



jdnvGoOt^lc 



t'iiurureiizbcsprecliutsgi'ii mit uiudarlüDiliscIu'u UepiiUrliru. 295 

Joli. Topcö au (It'ii Kurfllrsteii. Dat. Haag if,,!"!;,, 1660. 

ICuufertuK mit cloii tiualisulmn Deputirtei». Der poltiiache Beiiiient Jraht mit 
eiuuiD Separatfrieden.) 

Es Ii.ibcn I, H. M. am 7. Felir. uus ala E. Ch. D. Ministros liic- lo, Fil>r. 
selhsten (liircli dcro Agenten erBuchcn lassen, mit iliren llerien Üc- 
initirlen Kur Coiifcrcnz zu kumincn, wie wir dami j,'etlian und vor uns 
j:efun(Icn den Herrn Huyj,'en8 aus OelderlaTiJ, Herrn I'ensionariiiin 
de Witt ans Holland, Herrn Ötaveuiwse aus Zceland, Herrn von 
Anicroujren atts Utrecht, Herrn IJootynia aus Frieslaiid und Herrn 
Öehuy lenliorgli aus Groenin^-eu; welclie uns, Xantens E. Cli. Ü., als 
(icro jiltestcu und getreuen Bundjrenosseu, wie sie sagten, mUnd- und 
bernaeh i»flirii'tliebeu bekannt jrcmaelit, wie dass der Statue naeli Eu- 
^'eiaiid freschrielien uiul seiueni Anibassadori Nieujioort ufgegebeii 
hätte, dort alle menseli- und mtlglielie Devoirs anzuwenden, gestalt die 
jetzige liegierung sieli crlilärcte, ein nielircrcs als bei vorigen Con- 
ventimien war liedungen, Uäneniarkcn zum Vortbeii bei Öehweden aus- 
mwiiken, wciln selbige Schwediselie Maj. ilureh dero Tergivereatioucn 
'Icr Krön Däuciuarkcn so grossen .Scliaden liäfte zugefllget. 

Uabencbens, wie der Status gleichfalls dero Gesandten in Uflnc- 
iiiarkcn liiitte uffgcgeben, alle bedeukliclic kräftige Mittel an die Hand 
zu nehmen, Schweden zum Frieden zu bringen und die bei sieh ha- 
bende inilitaire Machten zu Lande und zu Wasser immer lassen urgiren 
|teg. agiren?] oliue einziges Moments Verabsilunuing , so lang bis die 
^•chwedisclic Maj. zum Frieden wirklichen sich erkhlretcu und effcctive 
zum Besciduss gebracht sei. 

Dom Herrn von Hünnrt auch iu Preussen hätten sie zugeschrieben, 
I. Maj. und Seuatores Kegni dahin zu disjionircn, das» kein Friede 
dort geschlossen würde und derselbe auch uiikrät'tig nidchtc sein, so 
lange IJänemarJ; mit Schweden nicht verglichen wäre; wie dann auch 
dieses Status mit Schweden geschlossener Elbingschcr Tractatus kralt- 
his sollte sein, wenn der danische Friede nicht vor sich ginge. 

Die Autwort dtr Uran den biujjcr dnrjiirl' s. oben in der Itelalion von 
Weluiiin. 

lici selbiger Zeit haben sie den Herrn do itye, Kon. polnischen 
Itesidenten, ebenfalls zur Conferenz gerufen und ihm ihre Ucsolution 
wie uns vorgetragen, der ihnen anaJi ebene rnmassen, wie er uns hcr- 
naclier referirtc, hat geantwortet und klar gesagt, dass, wann der 
Status hie iifl' keine andere Gedanken käme, den goneralcn Frieden 
zu verhandeln und eins ohne den andern nicht zu schliessen, so würde 
Polen unfehlbar mit Schweden schliesscn, wie er dann von seinem 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



296 ''■ Uruiitieubutg uud Ji« Niederland«. 

Kr'uijre cxpresöe Ordre halte, es liic zu hintcrbringeu uud darufT ca- 
tcgüiioc Antwort und Resolution zu begehren. 

iicifoli^cnd ein aiD 6. Felir. der Ueueratität ijbergebuuce Mcmoriul, 
die pieussisi-hcn Verbaudluugen betreffcod; in der Uuiipt^ache dunh obige 
Confeicnz erledigt. 

Zeitiiug aus dem Haag. Dat> 13. Febr. 1Ü60. {von Weimaii.) 
INachricblcQ ans Euglaud. Die Opdam'sche UatereiicLnogseaclio.] 
ir. Aus Fiigeluiid scbieilit man vom 6. Febr., dass das Parlament am 
1'3 Jau. ft. V. vertuitleU einer Det-Iaratiün pubüciren lasbeu: uaehdcui- es 
Outt gefallen, dem Volke durcb einen blutigen Krieg den Weg zu seiner 
Freiheit zn bahnen, da^s daset-lbe. binfüro vieler Ur^arhen halber aU eine 
Kepubli»|Ut' und freier Staat von denjenigen, so das Volk in einem l'atla- 
uienl repräseiitiren und von deniselbigen Parlament vou Zeit zu Zeit er- 
wählet werden sollen, ohne König, singuliere Person und Herrenbaus, welche 
zu allen Zeiten nur uf ihr eigen und nteht uf das gemeine Interesse ge- 
sehen, gcguuverniret werden mils^e. Wobei sie dann proteMiren gegen die- 
jenige, weli'he niänniglich cioubtetcu in den Wahn zu bringen, als ob doü 
gegenwärtige Parlament nur sitchete ^icb zu porpetuiren und mit Gewalt 
|>ro arbitrio zu regieren; und znr Darthuuug des coutrarii und Limitirung 
ihrer Maeht re!>tslellen sechs Puneta und zwaru 1) dass die hohe Obrigkeit 
in tuehrgenannCcm Parlament i-esidircn, die Milice aber desto weniger auch 
nieht der cicilen Maeht unterworfen sein; 2) was der Nation Ficlhcit, (iut 
uud Hlut betrifl'l, nichts als naeh den üeietzeu gethan werden und als weit 
die urdinaric Administration derselben angehet, üflgenanntes Pailameut sieh 
darinnen niiht mischen; S) dasselbe für die Bestellung des MiuisterÜ oder 
Predigtamts Sorge tragen; 4) Kirchen und Schulen bei ihren Privilegieu 
bundliaben; 5) dcu Commercieu uud Scbilfahrt so viel möglieb benefieireu 
und 0) die Gemeine von Lasten und Schulden, als viel der Jtzige Zustand 
es erleidet, dcsehargiren solle. Ob welehem allen sie als über (Jrundge- 
setzcn be.sländig zu halten gemeinet sein. 

Der (Seueral .Monck bat sieb damit gcconfirmiret, ludern er in einer 
Antwort auf einiger Provinzen au ihn geriihtetc Schreiben^ worin dieselben 
um ein frei Parlament sprachen, wchhe er durch den Druck gemein machen 
luüscn, wcitläuüg anführet, was seit Abschaffung der Königl Regierung, bei 
welcher mau vou fndepcndenicn, Presbyterianern und audern dergleichen 
Öetten niehts gewusst, in den Gesetzen, geist- und weltlichem Staude für 
notabele Vcrändt.ruugcu fürgefallen und daraus, dass es eine Unmöglichkeit 
sein würde, denselbeu abcrmalen zu inlervertircn oder alle solche Interessen 
durch die monarehicalo Regierung zu exbauriren, besehleusst, d;iss Kuge- 
Inud nunmehr uothwendig durch ein Parlament oder aristocratice müsse 
gcgouveruiret werden. 

Diese Conduite des General Mouclis, welcher bereits mit seiner Armee 
um Uamptoncourt angekommen und in Wbitehall sein (Quartier nehmen wird, 
gibt viel Alteration uud hab ich ein S<:breilien aus London gesehen, dass 
alles Volk über ihn gräulich anfangt zu schelten und zu schmähen, ja dass 



Nachrichten aus Kugluuii. Uiu Oiidaui'ttuh« Sacbit. 297 

mau gar liurte Dinge gegen ibn luroehmeu dürfte. Die QeilipDtirtr, sü dio 
StiuJt London an ibn abgeschicket, sollen aucb auf ibr Anbiiugcri beiuo 
.=i>li'he ErkläruDg, nU sk sii'h versehen, erliaitcn hüben und der mcliri'rc 
Tbeil der Provinzen immer nocb za der Mouarrhie iiicliniren. Als abtir 
Eiucr, Kobert l';e und Major Fineker Namens der Kdellcute von Har- 
Bcbire eine zd Bernfuug eines freien Parlaiuejits zielende Petition eingegeben, 
liat lusn dieselbe nächst Verlesung so aaiitösslicb befunden, dass man vor- 
geuelte beide Persooea alsfottens befohlen in den Tower la bringen. 

Inmitteh hatte das Parlament Commissare genominiret zu Einfnrdc- 
ruiige einer monatlichen Sehßtzung von 100,000 S St, ; und gleichwie es dem 
Viceadniiraten Lüuson eine jährliche Leibpension vou 5U0ffSt. lür sich 
uud seine Erben zugeleget, also hatte es Fleetwood, Wbitelocke, 
Sivicklaud miü andere ad dicendum causam für eich gecitiret, und mag 
die lii'ic geben, was London dabei thuu und endlichen daraus werden wird. 
Die schwedische Minisiri hallen auf ihre ncnliche Kemou.-Iranz au- 
Jioi-b keine Antwort, wciln das Parlament nicht gur zu gut schwedisch sein 
und sich ohue dag ohne die grösse-te Xoth in ausländische Kriege nicht 
^ulle engagiren wollen. Herr Xienpoort halte gleiulifalis anuoch nichts 
aosrichteu können, weiln bei so vernirretcm Zustande in Btaatssachen nichts 
zu thuu gewesen. Herr Downiug hatte sich soneten gegen Herrn Ko- 
se w i n g ansgelüBsen, dass er wieder nach Holland ginge und instruirct war, 
ncitu Schweden so lange refucant und irruisoniiabel bliebe, für Dänemark 
bessere Conditiones befordern zu helfen. 

Die Opdaraische Sache machet viel Werkes . . . wubei die grossen 
IStädte wollen erweisen, dass sie endlich von den kleinen nnd also vou der 
l'liiralität des Halbes Pensionarii nicht gedenken zu dependiren. So leidet 
der Ton Opdam, weilu ihm der Kath Pcnsionariuii gar zu günstig ge- 
wesen; SD leidet das Publicum, weiln nicht wenig Zeit damit verloren gehet. - 

Weimau an de» KurfUraten. Dat. Haag 17. Febr. 1660. 

[Unlerredung mit de Witt. Betheuerungeu über Beiue Stellung zu dem Hause 
Orauien und dem Kurfürsten; seine Unschuld an der Acte van Sectusiei die 
Stelluug d«a Prinzen seitdem nur nm so günstiger. !□ der aliftememun Publik 
aliweicbende Ansicht. Unmöglichkeit mit Eoglund zu brechen; Ansicht der 
politischen Luge in den Augen de Wilt'a uud VVuimau's. Üie Miinater'ecbe 
Sache. Expedition in das Slift Bremen.) 

Ftlr acht Tagen habe icli aus Amsterdam llber Hamburg um- IT. Febr. 
ständlich berichtet, v/sis ich daselbst nebst den dftuisehen Anibassa- 
deuren thim und vernehmen können, wobei ich denn auch wegen der 
oranischen Sache gehorsamst ein und anders referiret. — 

In einer inzwischen gehaltenen zweiten Conferenz ist die Angelegenheit 
der Oranischen Ueconciliatjon und des Feldmarschallamtcs weiter besprochen 
worden. 

Und weiss ich für dieses Mal schwerlich etwas mehres dabei zu 
fUgen, als dass vorgestert der Rath FeuBionarius de Witt zu mir ans 



;yGoo»^lc 



29S ' nruudfubnrg uud die Niudurlaude. 

Quarticv gekoninieii, und da ieli ihm leferirete, was ich mit dem von 
l'oltihrocckc fllr eine Coiiferenz gehabt, mir nicht allein vielen Dank 
gesagt filr die genointncnc Sltihe, souilern anoh diese Versicherung 
gegeben, dasB er dem Werke weiter fleissig nachdenken, mit dem 
von Haveii sich bereden imd verfolglieh sein bestes thun wollte, ge- 
t^lalt ein HO nachdenklich niid heilsames Werk zu vollkommener Rich- 
tigkeit 7,11 bringen, wobei er denn zumal höchlich betheuerte, er trüge 
keinen llass gegen die Hilnser Oranien und Nassau; er wllaste, wie 
wcrth jjoichcr Name diesem Estat zu allen Zeiten gewesen, Hau hätte 
ilin wegen des Hecliisionswerkes im Verdacht gehalten; Gott wisse, 
oline Grund! Herr Rcveriiing uud Nieupoort hätten es auch mit 
einem wirklichen Eide in der Unlländieclien Versammlung betheucrt, 
und wäre er bereit, seines Tlieües desgleieheu ftlr aller Welt zu thuu; 
sie wollten solches auch zu allen Zeiten gnugsam darthun und er- 
weisen. Itekamite, die Geistlichkeit, die Miliz und das \\>\k wären 
alle für den l'riuz; und wie das Volk von Natur gegen das gegen- 
wärtige Kcginicnt pflcgctc zusein, so wäre es gewiss, dass der Prinz 
von Oranien mehr Atfeetiüu gewonnen, indem man ihn Übel tractireu 
mllsBcn, als er durch die Seclusion verloren, weiln solches Ding doch 
nur ein ludibrimn iniqui temporis gewesen. Contestirtc drauf heftig, 
dass er von Herzen E. Cli, D. zngctiian wäre und bestätigte es mit 
hoben Eidschwitren, mit dem Hinzuthun, ich möchte E. Gh. U. dessen 
versiebern. 

Da ich aber mit ihnic auf die l'ubliea kam, so sagetc er, ihm 
wäre nichts leiders, als dass er darunter mit meinen Scutimenten nicht 
kj)nnt6 einig sein; Gott wisse, eein Gewissen und die Gelegenheit des 
Staates lieasc es ihm nicht zu. .Seines BedOnkens niUsstc'es eine un- 
hewegliehc Maxinia im Staat sein, das geringste nicht zu liazardiren, 
woraus man in Ungclegenhcit könnte kommen mit Engeland; gegen 
selbe Nation könnten sie nicht bestehen, wenn sie Dünenmrk helfen 
sollten; und würde Schweden kein grösser Dienst in der Welt ge- 
schehen können, als dass man sie gar zu hart angriffe; denn dadurch 
würde Engcland gezwungen werden, mit sich selbst sicli wieder zu 
vereinigen und für die Krön Schweden abcrmalen zu den Waffen zu 
greifen. Er wUnschetc nichts anderes, als dass der König opinistrircto; 
denn solthcn Falls wollten sie für aller Welt zeigen, dass niemand 
dafür gepasstoniret wäre. Ausser oder denn gegen den Haagischen 
Tractat aber etwas dawider anzufangen, hielte er dafür, würde der 
Weg sein, entweder Engeland ins Spiel zu zielien, oder zum wenigsten 
zu verursachen, dass er zuschlagen uud also die Haagische Conditiones 



,Goo»^lc 



De Witt und Weimnii. 299 

eher als es der gemeinen Saclie diencte, anuelinicn luöelite. Leugnete 
sonst aucli nUht, man wtird den Polen nnd AlÜirtcn nicht vorweisen 
können, da sie ihres Tiieils traetireten; wiewol sip ihres Ortes so viel 
weniger L'rsach dazu hätten, als es bekannt wäre, dass sie fllr sich 
selbst und auf eigenen Kräften bestünden, dannenher« bei weitem so 
viel böses nicht zu besorgen haben könnten ans dem däuisclien Schlüsse, 
nenn derselb endlich erfolgete, als Dänemark aus dem polnischen, 
»eiln gewisse zu befahren stünde, daas Schweden solcheu Fallc!» gar 
EU viel gewinnen nud sich mit der Zeit gar auch an Polen und E. 
Ch. D. räelicn wllrde. 

Wenn ich nun darauf vevBchiedene wichtige Argumenta rei>licirte, 
Hinderlich dass England in keinem Stande, und es zu nllen Zeiten 
noch Zeit wäre, zurückzukehren, dass man auch was auf Gott und 
eine gute Sache mllsste lassen ankommen, dass Dänemark oline Schonen 
eine ewige Last würde sein für diese Kepublicii, dass der Kaiser und 
die Alliirte gar gewiss endlich die Polen nit würden zurückhalten 
künnen, wo man hie nicht resolvirete, ftlr Schonen und die General- 
Iractaten etwas zu wagen, und dass man sie mit geucral Argnmeiitcn 
nicht würde abschrecken; niemand wollte elendig sein für der Zeit; 
wo Schweden einmal mit Kaiser, Polen und E. Ch. D. versöhnet, so 
würde es auch wol eine Zeit lang ruhen; wer wüsste, was inzwischen 
kommen könnte; Dänemark würd Engeland und der Estat wol müssen 
conBcrviren; wo nicht, so wUrd Schweden Werks gnng finden, solches 
zu behaupten: gegen sieh selbst; deim gemeiniglieh blieben die drei 
nordische Kronen anf einem Haupte nicht lange in Iluhe; gegen an- 
ilere cimsiderabile Seemachten ; und weiln solches würd Engeland nnd 
dieser Estat sein, so würd es uaser wol vergessen; zngesciiweigen, 
wenn Schweden endlieh nicht eben einen so erfahrenen König haben, 
anler Kinder oder Minderjährige verfallen, uneinig und zcrtheilet nnter 
sich selbst sein dttrffe, wie denn davon Exempla vor allem in der 
scbwedisehen Historie zu finden wären, so dürften wir uuseres Ortes 
wol 80 gar grosses nit zu befahren, sondern vielmehr zu hoffeu haben, 
dass an Deutschland sein natürliches Mitglied und Pommern au seiuen 
rechten Herrn wohl ohne Mühe wieder kommen köuutc; wobei denn 
aufh wol zu glauben, dass man sich dcroseite mit solchen Verbind- 
nissen von Garantie versehen würde, dass man auf allen Fall wich 
um die schwedische Macht nicht so gar gross würd zu bekümmern 
haben. Und trieb ich diesem nächst sehr in ihn, er möchte solches 
alles erwägeu, dannenhero es bei Holland dahin richten helfen, dass 
man schleunig et#iis gutes resolvirete, zum wenigsten dassman den 



:A-nOO<^IC 



^QQ I. ßmuileoburg uod die Miederlande. 

Dcpittirten iu Dänemark beföhle, ohne nähere Ordre nicht zu Bchliessen 
mit ycb\Yeden. Welches er (ienn zwarn ad refercndum annahm; mir 
(Hinket aber keinesweges, dass er darum seine vorige Sentimcnteu zu 
verändern gedächte. 

In der MUnaterischen Sache warncte ich ihn. auch mit allem 
Ernste für Uebereilung; ihme dabei anzeigend, dass es nur Vortheil 
fUr ^Schweden nnd Ursache seio dürfte, wenn selber König in Däne- 
mark desto mehr in Dänemark opiniatrirete, und der Eaieer desto 
ehender sich mit Schweden reconciliirete, daea ihnen der ganze äcliwnrm 
auf die Frontiereu kommen könnte. Worauf er uns denn versprach, 
er wollte die Sache bei dieser Versammlung suchen ausser äehlusses 
zu halten, und möchte man also inmittels allerseits zum Accommoderoeut 
desto stärker arbeiten, und wollten sie die Stadt sehr dazu anmahnen. 

lieiticgciid Jüiiniul il;i(. IT. F^br. Uebor die Müastursuho 
Su(;bc ähiiliuh w. o. Dainu der Herr Friequct und die CharbriiiidL-Q- 
biirgiai'hen sttlicu aber nicht stille, dem Steinte aazuweiscn, äuss Geld geben 
üu UngehorEamc auch gebrochen sei im Reich '), und da$ä dadurch universa 
rerum fucies mit der Zeit Veränderung leiden könnte. Uli sagen dabei, tu 
sei solches Mittel nicht zum Bruche nngeseben, sondern nur d»hiu, diiss 
man die Stadt cunservire lür despernteu Consiliis, und dass inmiltclst uue- 
toritnte Imperatoria das Werk niögo beigeleget werden; und würde der 
Kslac gaix'i gewisse die äcadt Münster besserer Maassen, auch derogestalt 
d;izu nnimiren, dass nicht zu zneifcln, der Fürst von Münster, wenn er 
wollte, würde bessere Conditioiies, als mau sich einbildet, dabei obtinireu. 

Männiglich verlanget von der Bchaackiscbcn Expedition im Stift 
Urcmen etwas zu vernehmen'). Die t^chwedisclie Partei ist heftig deswegen 
gcallarmiret ; alles rennet und trabet, und weilu der Oberst Metercu gc- 
suhriebeu, diiss vou den bolländisehen Fussvölkeru etliche würden mitgehe», 
so soll der Ambassadeur von Frankreich sich ziemlich hart dagegen ver- 
nehmen lassen und dabero in Delibcnition kommen, ob man solle zugeben, 
dass des Estats Truppen ausser den dänischeu Landen mit vollen Fahucu 
geführet werden sollen. Andere arbeiten dagegen, und wäre zu wünschen, 
sie waren nun schon weg; denn es solchen Falls sein Verbleiben dabei wol 
nehmen dürfte. In allem Fall könnte man für eine Zeit lang unterstcckcu 
oder in die Uaruisonen an Statt anderer verlegeu und kann solches albic 
keines Weges anslossig sein, weil man heimlich uit ungernc siebet, dass 
den Schweden das Itremiscbe, da sie son^t gar atark werben, möge'iuutil 
gemachet werden. 

') Uie Stadt Miiaater liees, da die Uüberlaaauug vou Truppen nicht guwribrt 
wurde, durcL ihren Agenten Aitzema um eiuu Summe Geldes bei den (icuural- 
ataatcn anhalten znr Führung ihres Kampfes gegen den Biscbor. 

'-} D.h. >lie Expedition unter Führung des dänischen Feldniarscballs Schaack; 
Vgl. die folg. Relatiou von Copes. 



iq,t7ed.>G00t^lc 



Münster. Krieg im Slirt Bremen. .Ans England, 3QJ 

Joh. Copes an den Kiu-fiirateii. Dat. Haag 17.|7. Febr. 1660. 

|Di« politische Lage in England und Gfni>ra[ Mont. Dünpmarl;. Cojet. De 
Thon and der Einfall in das Siift Bremen. Dowoin;;. Der Streit in MCiaster.] 

Des Generallieutenants Moncks Marclie nacli London geiiet etwas 17. 
langsam vor aicli, weileu er eine Musterung gelialtcn und des Parla- 
ments zu ilini gesandte Depiitirte ebcst emivarteii wollen, wclelie ihm 
das Generalat, wie man schreibt, uffgetragen und seine Völker ilivcr 
Bezalilung versichert hAtten. 

Entzwiiichen haben die Glieder des Parlaments sich beflisscii, uf 
alle Wege sich der Gemeine aDgcnchui zu machen und eine Acte 
pabliciret, so einem Jedwederen zu Gemlitlie führet, dass sie in kurzem 
eioe solche beständige Anstalt der Republik formiren werden, dass 
sie in Ruhe bleiben und aller ihrer Privilegien , Religion, Hab und 
Guter versichert sein mögen, welche auch im gleichen Übereinstimme 
mit der Libertät und Gesetzen eines freien Estats, wozu ein jedweder 
»ein repräsentirend Glied einschicken möge; bei welcher Repräsentation 
die hohe Obrigkeit werde besteben und die Kriegsmaclit ihr unter- 
worfen bleiben; danebenst dass ein gottesfürchtiges Ministerium angc- 
stellet, die Prediger mit gebtilirendem Unterhalt und Ausfolgung der 
dam verordneten Zehenden versehen und die Freiheit der Couscienz 
Btabilüret, Collegia, Universitäten und Schulen bei ihren I'rivilegien 
erhallen, die Commercien, so zumal zerfallen, zu Lande und zu Wasser 
hersetzt und alle utTgebrirdete Ufflagen, so viel möglichen, gelindert 
and die so liberaus grosse Schulden abgestattet werden sollten; zu 
ffelehem sie vcrhotften, in gar kurzer Zeit zu gelangen, wann nur niolit 
einige Miscontentirte sich ufflchnen und selbiges bebinderen niöcbten. 

Der Herr Monck gibt unterzwisehen einem jedwederen gute 
Hoffnung, etwas gutes zu erhalten, wie man denn ersiehet aus ge- 
wissen Schreiben, so er an die von Devon, so zumal ein freies Par- 
lament haben wollen, gesandt, dass er keiner der Partheien die ge- 
riogste Jalousie oder einigen Widerwillen, als Consistorianten , Inde- 
IKodenten, Anabaptisten u. a. geben wolle, viel min die kJiniglichc 
Kegierung anstimmen, sondern eine üepublicq formiren, ab bei welcher 
ein jedweder sein Inferest beibehalten könnte. 

Die dänischen Octiandtcii tauchen Uacbdriicklich eine EikliiLiiiig *\p?- 
l>t.iats für den QencrDirticilcn zu erlnngcn; dann wolle auch .il^bnld PüJeii 
tfn nllev Vcrbandlnug mit Schweden abstehen. 

Der schwedisclie königl. Deputirter Herr Cojet hingegen trachtet 
cliestea Tages eine Conferenz mit der Generalität zu halten, dabei, 
^ic man sagt, er die Navigation in der Ostsee freiBlellcn und hiesigem 



d.yCoOt^lc 



302 '- Bronilcnliiirg und die Niedetlniide. 

Estat die Mittel an tlic Hand g^eben wollte, liberall zollfrei und iiniie- 
hindert zu negotiiren. 

Der franzAsiscIie Gesandte Herr de Tlinu gecimdiret stark selbigre 
schwedische Interesse; und weiln man hie berichtet ist durch Schreiben, 
so aus Fllhnen kommen, daes <Iie königri. dänische Feldmarschallen 
die holländische FusBvßiker ans selbiger Insul nach Holstein und, wie 
^esa^t nnd auch geglaubt wird, nachm Fdrstenthum Bremen ziehen. 
m ift der Herr de Thou Willens, darlllier dem Estat die Unbilligkeit, 
indem sie das Hömisphe Reich invadircn helfen wollen, und dass Bern 
König es nicht ungeahndet lassen könne, zu renionstriren. 

So ist auch der Herr Downing aus Engetand wiederum hie an- 
gelnnget, Zweifels ohne, Namens des ParUments viel vorzutragen und 
der französischen Intention beizufailen. 

Man ist hie ebenfalls wegen der Stadt MUnster in starker De- 
liberation, wie ihme zu thnn, da die Deputirte selbiger Stadt um Geld 
und Völkerliilf anhalten, vorgebend, die Churfbraten Mainz und Cöln, 
andere sagen aueh Schweden, hätten ihre Depntirlen daselbsten, ihnen 
Hülfe wider den Bischof anbietend, welches Mittel sie als ein Antreib 
nehmen, hiesigen Estat ku thun resolviren, sie mit Geld beizuspringen, 
damit fremde Miliz abgekehret werde. Der bischofliche Agent zeiget 
hingegen alhie vor Sr, Kais. Maj. Mandatum paritorinm sub poena 
bnnni, wofern die Stadt inwendig zween Monaten nit der Sentenz 
l»arire und vor all sicli fremder Herren Hülfe enläussere. 



Zeitung aus tlem Haag. Dat. 20. Febr. 1660. (von Weiman.) 

[Nacbricbieo aus England. Doffning, Miinater'ache Saclie.j 
1. Kdir. Herr Xieupoort meldet aus London in selbigem Dato [13, Febr], als 
der Qencr.il Monck am 6. mit der ATontgarde zu St. Albnnß aiigekommcn, 
wiii-e er von dem VieendmiinlPD Laiison und von etlichen 20 Capitaineii nnd 
Oflicirern aus der Flf>lte verwillkouimt worden. Daseilist waren aueb ai» 
W. einige fiiruchmc rersoneii von wegen der Kdelleiite von Suffolek und 
Norfuirk kommen anhalten, dnss der fluctnironde Znstand der Nation dnroli 
ein freies Parlament müsste gestabilüret werden. Woranf gemelier Ooneml 
in termiiiis gcneratibus geantwortet, solche Dinge müs^tc man bei der civilen 
hohen Obrigkeit suchen, nnd wollte er seines Theils, als viel an ihm wäre, 
zu Beförderung des gemeinen licütcii gern contribuiren. 

Inzwisclien in London Meutereien der Truppen, die aber rasch bcendigl 
werden, nachdem am 13. Febr. Monck seinen Kinzug in London gehallen. 

Was nnn aber endlichen nns dem Üanptwerke werden würde, solches 
war noih gar nnsicher und nngesrhaffen daroli /.u urtherlen. Monckcs, 
als eines von X.itor geiescvvirten Menscbens, A'^trones glauhetrn viele, das:! 



„A^iOOt^lC 



Milnetcr'sche Aiigelegetilieit. Ans Kriglnnd. 3011 

aDDOch Tcrdecket waren. Wie es aber ginge, eo würde es zum Treien Pnr- 

laoipnle. id est zum Könige, oder für eine Zeit Inng nneh zu einem neuen 
I'roterlorat (für die frtie Uepiili|ii-(j wur nielits) sieh allgeniäiieli wieder 
ffhicken. — 

Herr Dowiiing lint gcstert der Geneialitiit iiud nllen Ministres seine 
Ankunft und Chnracteiem eines Alile<;nti oder Knvnje extrnordiuafre be- 
tannt semnrht . . , und verlanget •männiglieh 7.u vernelimen, wie nnd w;is 
et thnn und anbringen werde. 

[Die Münüter'sche Angelegenheit.] Die Kuiserliehen und Ciinrbrnn- 
dciibnrgischen thnu alles w;is müglieli, um Tliüilichkeiten fiirzuktmiineii, und 
irt? wol s'i weit bracht, dnss die hitzig.^te zlendich zurüeksehen nnd gnng- 
fnme Versicherung geben, wn der Fiir-it von -Münster mit Annehnning der 
Sentenz sub reservatione benefieiorom juri.'i dennoch mit der Gnrnison, Stel- 
lung des Comnmndanten nnd den h;dben Schlüsseln h. double serrure sich 
cM'gnügen nnd im übrigen Aninc.-tic ertheilen wollte, dn^s der E^tat tolrhen 
Falls die Stadt würde abweisen und disponiren, niediiinfe nobÜitatc sich 
mit ihrem Fürsten' in der Stille zu vergleichen. Welches daim gnr gewiss 
wol das ehristlichsle, sicherste und sonderlich für I. Gn, von Münster das 
rühmlichste und avnntageusste fein würde; flenn gar gewiss dieses der Weg 
ist, mit der Zeit zu seinem Ziele zu selnngen. Der Wnllfisrh ist gefangen, 
wenn er den H-'frpnn im I.eibe hat, wie weit er auch läuft oder toliet! 



Zeitiiiig. Dat. Haag ''xMtV 16C0. (von Copcs.) 

IF.ngland nnd Frankreich ["egen Vcrpfänilnng eines diiiiisch.'n IlnfenB nn die 
Niederinnde.) 
Herr Downing protestirt im Hang eifrig gegen jeden etwaigen Ver- -2. fi 
'ncli der Oeneralstnaten, für Ihre Kriegs Unkosten von Dänemark einen oder 
den andern festen Ort nn der Ostsee zu erlangen, wie nnnientlieh dnvon 
die Rede ist, dass Dünemark den fieneralstaaten Drnnlheim oder Glüekstadt 
verpfäDden will. England werde es nicht dulden. Daher werden wol die 
jelzt im Hang anwesenden dänischen Gesandten schwerlich eine neue Geld- 
nnlfihe erreichen; zumal Frnnkreich derselben Ansicht mit Dngland ist. 

Wviinaii an den Kni-filirtten. Dat. Hiuifj 24. tVbr. IGfiO. 

[Frankreich für Schweden. Kemühimgon nüiieninikB ilnge^'on.] 
In den dänischen Sachen der alte Zustand unverändert; Tlollnnd und-j.|.| 
die bekannte Partei halten nach wie vor an dem llanper Traclat. Frank- 
reich spricht zwar viel vom flenernlfricden; aber wenn es zum treffen 
kommt, „so zeigen sie, dass sie allerorts für Schweden auf der Wnehe 
licgea" — 

inmaasscii solcliofi Ur. de Thoudic vorwiehenc Woche, da in Holland 
sieh alles am besten angolasson, mit »einen Visiten nnullich gnup; gc- 
wigei . . , Was nie anch in Kngeland cinigorniaas.-<cn noch vennögon, 



„A^iOOt^lc 



gQ^ I. Brandenburg nnd die Niederlande. 

solches wird alles mit einander noch dahin gerichtet, daes man Schwe- 
den nicht verlassen müsse; so gar auch, dass Mr. Bourdeaux vor 
wenig Tagen zu London die Notification des Friedens mit einer schier 
schändlichen Maniere gethan, indem er fllrgegeben, die höchste Noth 
liätle sie zu solclten Tractaten gebracht und niüchte England versichert 
sein, dass sie hei aller Gelegenheit dennoch so sehr fllr das Interesse 
ihrer Itei)ublicq gesorget, dass sie niemalen die geringsten PUrschläge 
hStten wollen anhören, welche etwa zu Nnchtheil selbiger Kcpublicq 
hätten mögen angesehen sein. Der HeiT Rosewing hat dagegen 
Namens Dänemark ein nachdeukliches Memoriale gegen Schweden an 
den Rath von Staaten Überliefert, und schreibet dabei, man sei im 
Parlament mit dem schwedischen Procedere nicht gar zu wol zufrieden. 
Ob aber der Herr Downiug, welcher heute noch bei der Generalität 
Audienz haben wird, auf solche Art sprechen werde, darob werden 
wir künftig berichten. 



Joli. Copes an den Kurfürsten. Dat. Haag 24. Febr. 1660. 

|r>ii>nicderliuil. Truppen sollen nichl mit in'a Stifl Brcnieti. Anleilie für Uätie- 
mark. Mlioater'sciie Sache.] 
24. Febr. Die Provinz Holland hat nicht können gut finden, dieses Estats 
Fuasvölker, so uf FOhnen gewesen, nach dem Stift Bremen und also 
uf deutsehen Boden wider Schweden zu fahren; sondern vorgeschlagen, 
es wäre besser, dns offene Wasser abzuwarten und sie nebst andern 
dänischen und alliirten Trouppes zu SchiflFe nach Schonen oder woda- 
selbstcn I. Kön. Maj. von Dänemark es würden nützlichen erachten, 
zu fuhren. Woruff die hiesige dänische Gesandten über sich ge- 
nommen, es hei ihrem König, wie auch den Feldmarschalken Schaack 
und Eberstein dahin zu richten, dass diesem Estat damit gcwill- 
faliret wtlrde. 

Es ist ferner in Deliberation gebracht, demselbigen Könige einen 
monatlichen Vorschub von 20,000 Bth. zu thun, so aus denen in 
Copenhagen vorhandenen holländischen Esswaaren I. Mnj. sollen ge- 
folget werden, die dänische Miliz und andere nötige Ausgaben daraus 
zu finden etc. Welche Präsentation die Kön. dänische Gesandten an- 
zunehmen willig seind, zugleich aber zu versuchen, dass sie eine zween 
Monate voi-ab hie contant ziehen möcliten, bis etwas dort wUrde in 
Vorrath sein. Wie weit ihnen solches nun wird gelingen, ist ungewigs, 
weiln Geldsachen hie langsam hergehen. 

Wegen der Stadt Münster wird gearbeitet, die Mediation zu 
tentiren und darüber mit dem Kais. Herrn Abgesandten alhie zu con- 

i:q,t7ed ,.V^nOOt^lC 



Dänemarb. UuDBter. PraDZ. OccupatioD von Orange. 3()5 

certireD. Dabei dann dieser Vorsatz ist, wann selbige nicht verfangen 
wUrde, Geldmittel der Stadt beizubringen, damit sie iiiclit in fremde 
H&nde zerfalle, und zeiget der Statns jemehr dazn angelrieben zu 
werden, weiin vor gewiss aus Münster bericlitet worden, welcher Ge- 
stalt die geietlicbe Chur- und Ftlrsten des Rlieins ihre Mediation und 
wirkliche Hilfe der Stadt anbieten, mit Begehren, sie ihre Deputirte 
von binnen abfordern möchten, damit die katholische Ueligion keinen 
Schaden erleide. — 

S. Maj. Yon Frankreich haben den Herrn Grafen Ton Dobna, 
Gubematoren in Oragnien, sommireo lassen, Ihr das Sehloss einzu- 
räumen, weiln Sie sagen, dass Dispute wäre unter den Princessen und 
Sie die Saclie als Blutsrogt bemitteln wollten ')- WorufT derselbe Ilerr 
Gubernator hiehin geschickt, und will sich dieser Status dieser Sachen 
80 weit annehmen, dass er an die Princesse Royale schreiben, wie 
auch die Kön. Maj. von Frankreich durch einen Expressum beecuden 
und also das llnlieil helfen abwendet) wollen. 



Weiman an deu Kurfürsten. Dat Haag 29. Febr. IGGO. 

(Riu neues Memuire von Coyet. Obamächtiger Haas gegen Schwedeu, Frankreich 
und England. Downing nod de Tliou. Du Witt.) 

Von neaen Vorrälleu niobts als ein von dem schwedischen Gesandten 
Coyet b'ei der Oeneralitüt ciit gereicht es Memorinl, wodurch aber die 
StinnnuDg für SebweUeii eher verscblimmert ah gebessert worden ist. 

Und ists wol gewisse, wo man niemand als mit denen (Schweden) 29. Febr. 
zu thun hätte, man wUrde alsdann der Sache bald zu rathen wissen; 
denn gewiss alles dagegen dcromaassen eingenommen, dass man vom 
Staat wol alles erhalten wUrd, was man fllr die gute Partei begehi-et, 
wenn auch die Paciticationsicute es im Herzen nicht gerne silhen ... 
Wenn aber Frankreicli, wenn England reden, wenn diese Macht sich 
gegen uns reget, wenn die mit ihren Griffen und Bedräuungen sieh 
wider uns setzen ... so ist zwarn wahr, dass sie damit die innerliche 
Sentimentcn des Volkes und der Regierung nicht versetzen oder weg- 
nehmen, sondern vieiraehr verursachen, dass männiglieh anfanget die 
frantze Boutades und die englische Ilärtigkeit so sehr zu hassen, als 

■) Ueber die Angelegenheit des kleinen Fürsteutbuma Orange, welches, 
dem Prinxen von Oranieo gehörig, vermöge der erzwungenen Capitulation des 
Oeavernenrs Grafen Friedrich v. Dobna, jetzt von den Franiosen occu- 
pirt wurde s. die ausriihrlichen Nachrichten bei Aitiema IV. 620 ff. Wicque- 
Tart IL fi61ff. Groen van Prinsterer Archives de la Maison d'Orange 2xae 
Serie V. ISitr, 

M.t,r. ». U..«l.. .1. t;r. K.,nir.tc.,. Vll. 20 



A-nOOt^lC 



306 ' Brandenburg und die Niederlande. 

der Schweden ungerechte Sache; wir unsere Tiieils befinden dabei 
auch, dass der meiste Haufe der Regenten heimlieh wQnechet, dae« 
der Estat Muth fassen . . . und aperto Marte etwas anfangen müchte, 
womit man eine so ansehendliche Bepublicq hors de paye setzte und 
sich revangirete . . .; mäqniglich siehets, männiglich begreifls, ja 
niänniglich des Volkes flueiiet schier, dass es nicht angenommen, nicht 
gcfolget wird — Aber, gnfid. Churfllrst und Herr, was hilfts? Die 
Wenige gehen doch ihren Gang und wenn man auch alles gethan hat, 
was nur zu erdenken stellet, gestalt denn E. Ch. D. gnäd. bekannt, 
dass wir alles angewendet ... so ists doch unmöglich, dieselbe auf 
andere und gute Wege zu Ijringen. — Ins gemein ist der Wille gut: 
man hasset auch diejenige, die die gute Consilia behindern. Wann wir 
aber nunmehr zum zweiten Mal erfahren, wenn die Hoffnung auch am 
gi'öseesten ist, dass man solches alles dennoch mit franz- und engli- 
schen Memorialen gleichsam in einem Augenblick umstossen und be- 
hindern kann, so ersehen wir von Zeit zu Zeit mehr und mehr, dieses 
Estats Regierung derumaasseii bestellet zu sein, dass sie noch ihrer selbst 
mfichtig, noch fremden guten Willens und Einralhens iähig seind und 
dass man dannenhero sich mit keinem Bestände darauf verlassen könne. 
Wir haben am Freitage mit dem Herrn Downing geredet, und 
weiln derselbe solche Mängel gar zu wol kennet und üfTentiich heraus- 
saget, Engeland würde zu keinen Zeiten leiden, dass Dfinemark dem 
Estat Drontheim und Glücksladt einräume, so besorgen wir, dass die 
Herren Ambassadeurs von der Anleihe, wozu man ihnen sonst zumal 
grosse Hoffnung maclief . auch wenig wirkliches erhalten werden bei 
künftiger Versammlung. M. de Thou thut auch wol seines Ortes 
alles was er kann . . . inmaassen es uns denn sehr hart zu sein scheint, 
dass er in seinen Memorialen an den Estat den Zug in Pommern pro 
infraetione Instrumenti Pacis öffentlich ausschreien darf, unangeschen 
wir ihm für und nach das Contrariuni wol gründlich erwiesen. 

Am 18. Febr. eine lauge Unterredung mit de Witt, wo Weiiiinn 
norhranis seine Ansicht der Ijagc nusfilhrlicli vorlegt — ohne neue Argu- 
mente, Ebenso de Witt in seiner Entgegnung. 



Weiman an den Kurfürsten. Dat. Amsterdam 2. Mfirz 1660. 

[Auch AmBlerdam gibt die Hoffanng auf, eine ^Vendung der DtederlHDdigcfacD 
Politik zu bewirken. Die polnischen Frieden strac taten. Trnctaten znisclicn 
Spanien und England.] 
:. Ist sogleich nach der letzten Relation nach Amsterdam gereist. 

Sogleich liab ich mit dem von Polsbroeck, als welcher alhie 



Aj.OOt^lC 



Niederlünd. Schwäche. AmsterdHin. Franxöaiache Drohungen. 307 

das Haupt ist uod von welchen] alles, was sonst diese Stadt regieret, 
absolute dependiret, gau^eam venioinuien , daes es ilineit leide tliut, 
dasä man im Haa^e nicht weichen will . . sie seufze» darüber und 
fAgen rundauB, auf solche Art könne der Estat nicht lau^e bestehen. — 
Wozu denn dieses kommt, das» von BrllsHel und aus dem Uaage ge- 
schrieben wird, Monk hätte eich, naelidem er sieh des Parlamentes 
und der Stadt London ganz und gar beuiächtiget geliabt, rundaus und 
rollkommlieh ftlr ein frei Parlament, das ist fUr einen König er- 
kläret, welches alles denn in publicis eine zumal grosse Veränderung 
geben und fUr den dänischen Zustand eine gerathenc Sache sein 
wörde. 

Änf all die guten Worte ist aber nicht viel zu geben, ebenso wie Buch 
bei der oraniscben ReconciliationsEache. 

Cebrigens räth Weiinan die polnischen Ti-actaten für alle Fälle doch 
nicht zu remachlässigeu; mau kann damit, wenn man He nahe zum Schhiss 
praparirt hat, allerhand gnte Wirkung fhuii. 

Sonst saget man alhie auch, dass Spanien mit Engeland tractire 
und dass der Schluss eher erfolgen möchte ^als sich Frankreich oder 
sonst jemand einbilden dürfte, welches gewiss denn auch Veränderung 
geben, zum wenigsten den Herren Frantzen das Gebisse was näher 
legen würde. 

Copea an den Knrftlrsten. Dat. Haag 2. März 1660. 

(Drohende AostalteD ia Frankreich] 
Bin hier elngelrolTeDer Brief ans Paris meldet, „da^s der Mareeba] de 2 
Torenne Ordre habe, steh zum Marche nach Deutschland anzuschicken, 
vella der König von Frankreich den König von Schweden nicht wolle oder 
könne verlassen, viel min dero Kais. Maj, einige Vortheile nf selbige schwe- 
dische Krön in Händen lassen". 



Weiinan an den Knrftirsten. Dat. Haag 9. März 1660. 

IBemuhDDgen in Amsterdam um Eriangang von Krie|;8schiffeu ; man muss sich 
'of Schiffe von kleinem Kaliber beschränken; Mangel eines Hafens für grosse 
Schiffe. General Uonb und seine neneRten Mausregeln in London. Nahe Ads- 
■icht anf Frieden auf Seiten Polens, des Kaisers und Brandenburgs. Bestürzung 
de Witt's. Der Bischof von Münster.] 
Den 3. und 4. hab ich [in Amsterdam] mit dem Herrn von Polss- 9. Mär 
broeck tanquam aliud agecdo so weit geredet, dass er bekannt, wir 
mtlssten Schiffe in Pommern haben, man mttsste uns darunter assistiren; 
und weiln glaublich, dass wir nit Mittel hätten, sie einzukaufen, dan- 

20* 



„Goot^lc 



308 ^* Brandenbiifg und die Niederlande. 

noch auch bei dem Estat zu gefölirlicli wfire, deswegen Geld zu suchen, 
80 mUBste die Stadt Anisterdam es timn; er wolle es anbinden, mit 
seinem Herrn Brüdern davon reden etc. Ich sagete, wir würden damit 
auch vielleicht in dem polnischen Wesen Veränderung machen kJJnncn; 
100,000 oder 80,000 Rth. Wiire genug; E. Ch. D. würden auf allen 
Fall Hypothek auf den Pillanischen Pfundzoll gehen können und ver- 
hoffentlieli ge8tatt«n, dass jemand daselbst Namens der Stadt benennet 
würde, daa Interesse selbst zu empfangen. 

Ich gedachte endlichen, wenn man des Geldes sicher, dass wir 
solchen Falles die Schiffe nach Gelegenheit nehmen könnten und wo 
dazu einige Hoffnung wilre, dass ich über ein Tag oder fünf wieder 
hinUberkommen könnte. Die Macht, Schiffe zu heuren oder einzu- 
kaufen, stellete er im ganzen Diseurs ungefragef feste, weiln solches 
in der Allianec begriffen, — 

Inniittelst hab ich nebst dem Agenten Dogen zugleich mich er- 
kundiget, ob man etwa für 80,000 Rth. 20 Kriegsschiffe bekommen 
könnte, und befinden wir, da^s zwarn Hoffnung guug sich dazu offen- 
baret, als viel kleine Schiffe von 10, 15, 18 Stöcken angehet, gestalt 
damit zu kapern, liie und dort einzufallen und sonsten den Feind, 
allermaHssen man fitr diesem aus Dünkirchen gethan, damit zu in- 
commodiren, sonderlich da Dänemark im Kriege bleiben und also die 
Staatieche Flotte im Sund oder dahcrum agiren sollte. 

Man berichtet uns aber dabei endlichen, wenn wir weiter gedenken 
sollten und zwarn dass wir grosse Schiffe vermeineten einzumiethen und 
damit aperto Marte zu fechten, dass solches darum wUrd vergebens 
sein, weil E. Ch. p. dazu keine taugliche Hafen hätte, und kommt 
also darauf an, ob denn E. Ch. D. zu erwähnten kleinen resolviren 
und darauf in eventum Ordre und Mittel beizuschnffen gnSd. gutfinden 
würden. Und dUnket uns unmaassgcblich , wo mau in Pommern zu 
agiren gedenket, dass man in eventum zum wenigsten auf etliche 6 
oder 7 billig zu gedenken, weiln man damit in den binnenländisclien 
Strömen und an dem Strande mehr Dienst Ihun künnte, als mit den 
grossen, zum wenigsten Secours behindern, Volk hin und wieder 
bringen, Zeitungen einholen, und also versuchen, ob's endlich weiter 
gebracht werden konnte. 

Aus Engeland ist gestern ein Expresser von dem Herrn Nieu- 
poort angekommen, mit Beriebt, als vorhin eine ziemliche Anzahl 
und wol bis zu 200 Mann von denen in anno 1G48 verjagten Parla- 
mentsgliedem vor und nach in die Stadt wieder eiDgesehlicIicn und 
bei Monck es dabin gedirigiret, dass davon zehn mit anderen 7.ehn 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



FlüUuuplHDti. MoQk nad das b'arlument. 3()9 

des üitzcudeu Parlaments unter der Hand zusamnieD^ekommen und in 
Conferenz geleget, ob man sothaue cludirte Glieder nicht ohne Unter- 
scheid nieder einzulassen und zu readmittiren hätte; dass nach vielem 
Debat Monck endlich die Balance gemachet und denjenigen beige- 
pflichtet, welche AHirmativam gesustinirct; solchergestalt wie darauf 
die vorgcmelte Glieder von ihm armata manu wieder eingefflhret, zu 
Sita und Stimme geadmiltiret, er, Monck, darauf zum General Über 
die Milice erwählet und zugleich alles dasjenige, was »either a. 164H 
gethan und geresolviret, fUr nichtig erkläret worden. Das Volk war 
ober die Maaasen fröhlich darüber gewesen, in Hoffnung sie wUrden 
noch wol ein niehrer Coutentement erlangen- Hie ist auch eine iHr- 
nchme l^erson aus Engeland angekommen, und berichtet dieselbe, dass 
sich alles zu Revocation des Königs lenke und derselbe, ehe drei 
M'otheu zu Ende laufen, wieder in sein Reich sein werde. Monck 
wird inmittelst sehr gertthniet, und wie er von dem ganzen Volk pro 
liberatore patriae überall ausgeschrien und gleicbsam aduriret worden, 
so hat er sich nachgehend immer bei der Stadt gehalten, White- 
Iiall (juittiret, den Magistrat geebret und gehöret, und da ihn cins- 
maleu das Parlament köstlich tractireu wollen, sich davon entsehul- 
digcl, wcilu CS das Ausehen gehabt, dass mau ihm den Hals brechen 
wollen. 

Hier gibt es j,tos8 Aufsehen und wissen einige sich nicht wol 
darin zu finden, weil ihre Rechnung dadurch gar zu sehr verrücket 
wird; wozu dann dieses noch kommt, dass sie sich bishero heimlich 
flatlirct, vielleicht auch durch den van Honart haben lassen berichten, 
Polen würde so leicht nicht schticssen, zum wenigsten der Kaiser und 
Chur Brandenburg darin nit begriffen, sondern exciudiret werden; 
dahero nicht zu zweifeln sei, Schweden wUrd endlich in Dänemark 
den Uaagischen Tractat noch annehmen, in Deutschland gehen und 
also nicht nötig seiiv, dass sie an die AUiirteu eine nähere Versiche- 
rung gäben; und dass sie vorgestert dennoch aus den Danziger Briefen 
vom 25. Febr. das Contrarium gesehen, sonst aucli von der AUiirteu 
Ministris berichtet worden, dass alles zum Schlüsse lenket und dass 
der Kaiser und Chur Brandenburg sich endlich um ihretwillen nicht 
eruciticiren, sondern der Notli weichen und für Dänemark thun, als 
ihnen rebus ita stantibus würde möglich sein; denn sich der Rath-' 
pensiiinnris darauf bei den Kaiserlichen und Churbrandcnburgischen 
angegeben und höchlich begehret, sie möchten es doch helfen richten, 
(Uss zum wenigsten ihre hohe Principalen die Waffen nicht nieder- 
legen, sondern damit contjauiren möcbten; müeste bekennen, der Estat 



A-nOO»^lc 



^\Q t- Brandenbarg und die Niederlande. 

hätte es um gie nicht verdienet, aber amore Daniac, welches sunst 
endlieh gar darauf gehen und nocli ein mehrere verlieren wttrd, möchte 
man an solches Suchen Gehör gehen; ihre Sicherheit wUrde üb auch 
sehr erfordern. Wann ihm aber post muita abgefraget, wenn sie es 
thäten, ob dann der Estat sieh hinwieder verbinden wollte, ohne 
Kaiser und Chur Brandenburg nicht zu schliessen mit Schweden, oder 
sonst denenselbeii hinfllro zur See dagegen zu aesistiren, und er darauf 
ungeseheiiet nein eagete, so nahmen wir es nur ad referendum und 
gaben ihm inmittelst gründlieh zu vernehmen, dass niemand sich ohne 
Pflicht und gratis würde miserabel machen für andere. 

Der Bischof von Münster ist bereits in grosser Verfassung, 
will aber nicht wiesen, dass er sich in die Fraftkfurter Alliance ein- 
gelassen. 

Weimaii au de» Kurfllraten. Dat. Haag 16. März 1660. 

llIoSnuDgcD der herrschendea Partei auf MoDk; Eifersucht gugea die Flottea- 
plüue des Kurrürsteo. Tod des KöaigB Karl Guatav; die FaciGcatoreu wendeo 
auch (lies zu ihrem Vortbeil. Drohende Erklärung de Thou'a. Streit über das 
neue französiechti Lastgetd.] 
z. lieber Hamburg werden E. Ch. D. gnäd. veraomtnen haben, wa« 
sonst nochmalen in dem beigeheuden Duplicat . . . wird wiederholet. 
Zu uiehrer Erläuterung desselhcn aber fügen wir billig weiter noch 
dabei, gleichwie man an diesem Orte auf nichts als auf Engeland und 
auf die evenlus rerum siebet und sich dann zu London . . . (fiis Werk 
wiederum gar wunderlich ansehen lasset, indem Monck alle seine 
äusserliche Actione» gegen den König und auf eine Kcpublique an- 
leget, zum wenigsten nach der alten Cromwellischcn Melhodc sein 
eigen Aufuehnicn suchet und zur See rüsten lasset: dass also solches 
alhie die Gemüther derjenigen, die am Ruder sitzen, ziemlich wieder 
aufzeugt. 

Es Etückt alles und kommt nicht weitei; auth die ADgelegcuhcit der 
Schiffe in Amsterdam, trotz aller Veisprcchiingeu, steht still und Dogeu 
bemiiht sich vergeblich dort um Uescheiil, ,s.imnit sähe mnn nicht gerne, 
dass K. Cb. D. an SrhiffsmachC allgemälig gedenken sollte". 

Nur vor dem Abschlusa des polnischen Friedens hat die I'acificatiuns- 
partei einen grossen Schrecken. 

Selbigen Tages [11. März| ist darauf noch die Zeitung erfolget, 
dass der König von Schweden den 13. st. v. zu Gothenhurg Todes 
verblichen, und haben wir darauf sondiret, ob die Holländische heute 
dadurch nicht zu was Vigor zu bringen wären, allermaassen sonsten 
das ganze Volk darüber zum höchsten frohlficket. Wir merken aber 



A-nOO<^IC 



Gen. Munb. Tod des KötiigB Kar) Gustav. Franz, Drobungeii. 311 

wi>], dasB die Pacificationspartei es gar anders aiifnininit und es dafUr 
hält, Schweden werde nunmeliro nicht länger trainiren, sondern Bowol 
den gemeinen Frieden suchen als den UaagiBchen Tractat absolute 
aanehmeu. 0er Herr von Gent sa^et mir auch, er seines Theiles 
wollte.' es wäre in Polen schon geschlossen; denn damit wttrden E. 
Ob. D. Ihr preussisches Interesse salviren; in Dänemark würde Schwe- 
den endlich doch auch woi foi-tmtlssen, und weiln E. Ch. D. darin ge- 
iocludiret wHrden, so klinnten Sie sich an allen Orten in Frieden 
«ctzen. 

Wenn nun aus diesem allen gnugsam erhellet, wo diese Leute 
hin zielen ... so wird man wol am sichersten thun, dass man . . . sich 
auf diesen Staat nicht weiter verlasse, als auf ein Mittel, welches ex 
caBu und contingenter sehr gut oder sehr schlecht sein könnte. Wobei 
denn dieses noch zu conwderiren, daes PYankreich und Engeland 
omnein la{)idem bereits raoviren, um denselben in der alten Fureht zu 
lialten, so gar, dass M. de Thou gestert Audienz suchen und dabei 
dräuen dilrfen, wo der Estat ratione Daniae nit bei dem Haagisohen 
Tractat bleiben wollte, dass sein König alle seine KrÄfte einspannen 
und damit dem König von Schweden (mortem namque dissimulaverat) 
nintra (luoseunque zu Wasser und zu Lande assistiren würde. Wobei 
er dann auch nach vielen grossen -Rodomontades von seines Königs 
Macht dem Estat verwiesen, dass er sich unterwinde, nicht allein Pla- 
faten anzuschlagen gegen den Fasszoll in Frankreich '), sondern auch 
darunter andere benachbarte Potentaten gegen seinen König aufzu- 
wiegeln und also einem solchen Monarchen seine ßegalia publice zu 
disputiren; zugleich nicht wenig extollirend, dass sie mit den meisten 
Chur- und FUrsteu im deutschen Reich in gar genauer Alüance stünden 
irad die Gedeputirte zu Frankfurt unlängst seinen Ktinig versichert 
hallen, sie wollten dem Könjg in Schweden Pommern wieder liefern 
und männiglich hei dem Inst. Pac. schützen. Und obwol ein jedweder 
siehet, dass solches precario und instinctu Suecorum, forte etiam abs 
mandato gesehiehet, derogestalt dass milnniglicli anfanget der Franzen 
l'ebermuth zu hassen, so thuts doch seine Wirkung, weiln eine solche 
Kf^ierung leichtlich zu intimidiren stehet und alle Zeit die Pacifications- 
partei sieh dessen gar meisterlich zu gebrauchen weiss. 

') In diesen wurde bei Strare von :j(HK) ß. per Schiff den niederländ. Uoter- 
thaneu verboten, in don fraazüBiBcheu Hüfea das dort neu eingeführte „Last- 
ud«r FasBgeld" zu zahlen. Zugleich versuchten die O.-St., England und die 
HaoBestädte in ähnlichen MasBregeln zubewegen; vgl. Aitzema IV. 483 f. liöOff. 



^aovGoOt^lc 



312 1' Braadenharg und die- Niederlande. 

Wpimaii an den Kni-ftirateu. Dat. Haag 23. März 1660. 

[Uer Tod des äcbivedenköiiigs ohne die ^«hoffte Wtrtcung Tür die gute Sache. 
DtBcurs mit de Wilt. De Thou und Cojet. Zeitung aus England; Generftl 
Monck] 
z. Sobald ftlliie des Königs in Scliweden 'I'od erschollen, liätte eicli 
niänniglioli scliier einbilden mögen, dass der Estat diircli einen solchen 
Zufall hätte können bewogen werden, Mutli zu ergreifen, die Hand 
was näher ans Werk zu legen und also zu resolviren, wodurch eich 
Dänemark der vollkommenen Restitution und die Allürte eines allge- 
meinen Friedens oder einer verfraulicben Wiederzusammcnselzung zum " 
wenigsten hätten zu erfreuen gehabt. Wir unseres Ortes nicht allein, 
t^onderu auch andere aliiirte Miuistri thaten auch wol treulich das 
Beste zur Saeho, viele fUrnehnie Glieder lenketen diesem nächst auch 
nach unseren 8entimenten, also dass den' Franzosen und kschweden 
dieses Ortes nicht wenig Angst ward bei so bewandten Saclien. Wie 
aber endlichen der .\n9schlag gewesen, als Mons. de Thou drauf 
»Isofort eine so herbe Proposition getban und der Herr Cojet in Hol- 
land sein schriftliches Memoriale, allermaassen die Beilagen zeigen, 
übergeben: solches werden E. Ch. D. verlioffentlich aus dem nebst- 
koramendeu Duplicat bereits zur Gnilge vernonmien haben: an Statt 
Gutes Böses, an Statt Eifers und Muths nichts denn Sicherheit und 
nachlässige Consilia, so gar auch, als man zuvor vor dem polnischen 
Schlüsse in Furcht und BekllmmcrnisB stund, dannenbero anfing zum 
wenigsten gute Worte zu geben und auf Wiederbringung einigen Ver- 
trauens zu gedenken, so liess man in einem Augenblick hernach alle 
solche Consilia fahren. Niemand war froher als die bekannte Pacifi- 
cationspartei, niemand als Holland, und weiln eie alsfortens schlössen, 
die schwedische Regierung wttrd, rebus ita stantibus, nichts als Friede 
suchen kommen, so nahmen sie ihr Haagisches Werk nunmehr fllr 
gethan, sageten, der gemeine Friede wUrd zugleich drauf erfolgen, 
Polen und E. Ch. D. wäreu damit ausser Gefahr, des Kaisers halber 
würen sie nicht so sehr bekllmmert. Summa: wie in einem ungesunden 
Leibe die Arzenei, so thut alhie, was die Zeit auch mitbringet, nichts 
sebier als contrarias operationes. Wir sehen mit Leidwesen, dass die 
dänische Ministri und viele alte fllruehme Regenten sich merklich 
dartlher bekümmeren und dem gemeinen Wesen ein besseres zuwUn- 
schen; der Herr Fricquct und ich haben auch nach verschiedenen 
mit den sämnitlichen alliirten Ministris gepflogenen Couferenzen endlich 
auf Veranlassung der MUnster^ehen Sachen am 21. dieses mit dem 
Käthe Pensionario der Länge nach aus dem Werke geredet und dar- 



A-iOOt^iC 



Per Tod des Königs von Schwodea, Äu3 England. 3^3 

bei, was die gemeine Allianzen, die Billigkeit, Sicherheit und das ge- 
meine Interesee erheiecheten, gründlich angefUhret und getrieben, ihn 
seihst auch aufs höchste daran erinnert, was er die vorige Tage noch 
bei uns selbst gerathen, gerecommaudiret und versprochen; sie möchlea 
doch nunmehr feste stehen, auf Schonen gedenken und sich dos Vor- 
theils, welchen Gott aus besonderen Gnaden den Allürteu bei einer 
g" pr criticquen Conjunctur gleichsam miraculose zuschiekete, mit 
Weisheit und nicht tnidankbarlieh gebrauchen nnd bedienen. 

Wenn er seines Ortes aber das Werk gar anders angriff und 
antwortete: man niftsste solche Zuteile nicht zum Argen und Kriege, 
sondern der Christenheit zum besten, demuacii zum Frieden gebrauchen, 
wenn man Gottes Güte recht erkennen wollte . .; die schwedische 
Regierung böte in Dänemark nunmehr alles an, solches niHsstc man 
nicht verwerfe«, in Polen wlUd sie desgleichen tbun, der Friede wäre 
die vollkommene Genugthuung fiir alles . . . die schwedische llegicrung 
halte fbr diesem den Krieg auch nach ihres Königs Tode nicht ua- 
gUckiieh gefUhret; wo man sie nun eclilagen wollte, so möclite mau 
ihnen den Friede nicht schwer machen; vielleicht wElrden sie mit sich 
selbst 60 viel zu thun bekommen, dass mfinniglichen das Seinige ohne 
Krieg mit der Zeit wieder zufiele — : so werden E, C'h. D. aus solchem 
Olscurs, inmaassen denn die andere Glieder, selbst auch Amsterdam, 
aus gleichem Tone stimmen, zur Guttge abnehmen, wo nicht Gott 
nocbmalen Wunder tliäte und etwa den König von Englaud plötzlich 
rcetituirt, dass von hinnen nichts beständiges zu erwarten, — 

Holland ist mit der Antwort an M. de Thou bereits fertig uud 
soll sie ziemlich klingen'), Herr Cojet wird wol keine erhalten, 
weiln man damit lachet, daas der Knecht dräuet, wenn der Hcrre 
flehet. 



Zeitung ii ii s dem Haag. Dat. 19. März lötiü. (von Wduiaii.) 
Aus England: ,es blieb dabei, dass sirli das ilzige l'iirlamcnt am 15.,'Jö. 
Mart. bclbstcn di^isolvireu und das andere gegoii den 15 i^ö. April i'iiiküui- 
ineu sollt«. — Die iu Irlaud ^clireien auch nacli ciucni tVciuii F 11 rl 11 nie 11 tu, 
und biitlc iiiuii die verwiebcne Tage ciuige Fur^cblägc gcthuDj sowol wegoii 
eines Heiretihaus, als auch einer siitgulieren l'crson, iu spccie des l'ruteclorü 
Kichard, in dereu K'anicu man pro more et lege llcgni das Parlament 
convoeireii konnte — uud saget man den General MoJiek von Meinung zu 
«ein, man inüsste solches tbun sub nomine custodum liberiatis Augliuo; 
wobei d^ii :«ebr notabel ist, dass man dieses als das erste Mal vom Herren- 



^aovGoOt^lc 



314 I' Braadooburg and die Niederlande. 

hause im Parlameat gesprochen; und duss mau von einer besondcro Vena 
sprechen dürren, scheinet, als wäre es nur dahiu aogeseheii, dass man al 
gemälig das Volk wolle soiidireu oder gewöhnen an eine stnguliere Peno 
CS möchte dann Monck oder König Carolus sein. Für Moock ist eii 
Genealogie in offenbaren Druck gekomnien, worin gededuciret, dass er t( 
dem Hanse Lancaster komme." 



ileituug aus dem Haag. Dat. 26. März 1660 (Weimau). 
{Die RestauralioD in EugluQd. Die kirchlichen Verbültnisee. Admiral Moalagu, 
Das Parlnmeat. Auleiiie fnr Düaemark, Schlassnort der hollsndischea Polilik.] 
■z. Man spricht nunmehr öffentlich im Parlament von Revoeation des 
Königs, des Oberhauses, und kann solches wol nicht hall) geschehen. Alle 
l'rovinzeu sebrcieu darum; London richtet alles dabin; Irlaiid erklüret Eich 
öffentlich; alle Republikaner lasset man aus dem Parlament allgemalig weg- 
nehmen. Lambert iet in den Tour gebracht . . . Das Kirchwesen wird such 
dahin gelenket. Dabero bat man das alte Convenant d. i. Dogma Calviui 
und das Presbyleriuni aufs neue festgestellet, gepnbliciret und öffentlich diin 
stehen lassen, dass man den König und des Königs Haus conserviren und 
beibehalten wollte. Anabaptisten aber und andere, die der Royant^ von 
An zuwider sein, hat man geproscrJbiret, iind da sich die verwicheue Tas.'e 
einige Ofücirer zusanimengethan und gegen diese des Parlaments Veifali- 
Tuug schriniifhe Remonstranz übergeben wollen, so ist Monck mit seinen 
Uliedern uus dem Parlament zu ihnen gegangen und hat sie pro auoloritate 
dlnsipiret. 

Montagu ist Ädmiral geworden und zur Flotle gegangen, Wer weiss 
warum? Gewiss hat derselh ans dem Sund heimlich mit dem König gecor 
respondiret und Ijr. Maj. Kxpressen zu Copenhagen in der grosaen Kirchen 
geabbouchiret ; und kommt dieses hinzu, dass ich aus besonderen Briefen 
gesehen, dass das itzige Parlament sich noch was werde continniren und 
nnterm Prätest, dass sie über Form der Ausschreibung des künftigen Par- 
laments, ob's nomine Regis oder Custodum Anglicae libertatis nämlich ge- 
schehen solle, heftig disputiren, endlich selbst die Khre suchen werden, mit 
dem Könige zu capitnliren und also dem Werk die letzte Hand anfzn- 
Icgen. — 

An Dänemark scind endlich die 60000 Rtb., wiewol mit schweren Con- 
ditionen, gewilligt'); weiter ists nicht zu bringen gewesen, weiln man den 
Frieden haben will, wie es auch gehe. 

Sic sagen endlich nunmehr auch rund aus, der Staat könne eher Repu- 
tation, Freundschaft, Dänemark, Polen und Brandenburg, als Ruptur mi'. 
Frankreich und England wagen; jenes sei reparabel, dieses ihr gew'n'ses 
Verderben. Wollte Polen nicht warleu und Dänemark lassen sinken, su 
müssien sie es leiden und aus zweien Uelieln das geringste wählen. 

') NTioilich gegen Verpfändnng des Amtes Drontheim, vgl. Secrete Re- 
solut. II, 199f. 



^düvGoot^lc 



Ana EnglBod Niederluida und Frankruicb. 315 

Weiman au den Knrfiireteii. Dat. Haag 6. April 1660. 

IHoB'uuDg der Pacificatoren auf Ute RestauratitiD in Knglaud. Vergebliche Ar- 
beit. De Witl's ErörteniDgeD geg«n die fraazÖeiechen Ntiueruogeu iu Bezug auf 
Handel uod Zölle. MazaHa'B Eiiileukeu gegeuüber dem KurrürateD.) 
Die Sache ist immer noch beim Alten; es hilft bei diesen Leuten hicr'>- 
gnr nichts — „und weiss ich nicht, obs auch helfen würde, wenn gleich 
iiochniHlu eiu Wunder geschähe und der König in Engeland gerestituiret 

Sie sagen, sie mllssen Frieden haben, und weil eie glauben, der 
König werde auf allen Fall nicht anders als mit Capitulatiou wieder 
hineinkommen, so flattiret man sich bereits damit, dass seine Macht 
nicbt gar gross sein und Holland dabei nicht gar sehr zu fUrehten 
haben werde. 

Wir mUBsen sonst wol bekennen, das» allereeit« Ministri die ver- 
gangene Woche de eoncert ihre äusserste Kräfte angewendet, um eine 
Veränderung zu Wege zu bringen ... es ist aber alles vergebens und 
fehlet so viel daran, dass man damit etwas ausrichten sollte, das» die 
Remedia contrarie Wirkung tlmn . . . und dass man endlich diese 
leure gar zu schwedischen Freunden machen dürfte, weiln sie durch 
(las stetige Remonstriren sich grämen und die sie nicht genug geob- 
ligiret, lieber zu Feinden mit der Zeit haben möchten, als mit so 
vielen Verweisungen neutral und (wie es die Faeificatorcs nennen) 
undankbar und unvergnllget. — 

Bei der Confeienz mit dem Herrn de TIiou liat siinst der Kath 
I'ensionarius sehr herzhaft geredet und nicht allein aus allen Briefen 
von König Henrich des Grossen Zeiten ab, sondern des Herren Bu- 
zenwalls Proposition vom 4. Sept. lr>!*3 und sonst angewiesen, dat^B 
die jetzige Königliche Linie sein Gillck niemand mehr als diesem 
Eslat 2U danken habe ') ; gciitalt denn darauf so viele Tractaten und 
ResolutinncB, worin die Könige in perpetuuni versprochen, dieses Staats 
l^eute nicht hölier als ihre eigene Unterthanen zu beschweren; sondern 
hat zugleich auch gededueiret, dass man* sich dessen durch den MOu- 
sterischen Frieden nicht unfähig gemacht und dass er, Ambassadeur, 
demnächst wol wissen, es auch seinem Könige rcferiren möchte, dass 
sie nit würden nachlassen drauf zu bestehen; gleichwie es mehr als 
bekannt, dass solche Innovatiunes nur Mittel wären, der Ministrorum 
Käckel zu milen; wo man auch nicht mit Fleisse suchcte, die Ge- 
mUther der Unterthanen alhic gar unversöhnlich zu verbittern gegen 

') EbeuBO bei Altiema IV. f!91. 



^aovGoOt^lc 



326 ^' BruuduQÜurg uiiil dio Niuilarlaade. 

Frankreich, so iiiöditc er, Ämlmasadeur, liinfüro den Estat aucb mit 
solcheu Memorjalen, als sein letztes gewesen, verechonen. 



2,Aiiril. Zeitung. Dat. lUag 2. Aiiril 1060 (von Weimau). — Der Cartliual 
(Mii/ariu) liut an dun chuibraHdeuburgiBchon Gesandten ia ParU, den 
lIiTin Brandt, eiuen grossen Brief ge^cbricbcii, worin er in cffcctu tciu 
iSolireibeu, welches er hiebcvorn uii I. Ch. D. gethyn, Euebet zu justili- 
L-ireii >] ; woraus deniioeh erhellet, dass vv immer I. Cb. D. suchet zum Frieden 
zu disjionircn und jilso Schweden indirecte zu retten. 



Vuni Aiiril 1060 ati tritt iu deu Berichten aus dem Haag die Ange- 
legenheit der Itestau ratio u in Kugland l&st ausGchlicssliib in den Vor- 
dcri!rund; es liegen besojiders ausführliche geechnebene Zcitungeu von 
Weinian und von Copcs darüber vor; über deu Fortgang der uordisclien 
Verhältuisge bis zum Frieden von Olivii bieten sie weniger; stall deren 
treten mehr die Münslcr'sehen Differenzen hervor. 

Zcituug dat. Haag l>. Mai 1(!60. VVcJman ist in Breda gewcaeu 
und bat eine Conferenz mit Köuig Kiirl II. gehabt (und mit der Priueei-s 
Kovnl weiien der oranischen Suchen) — „Zweimai ist er bei dem Könige 
gewesen und hat jedesmal viel treffliche Tugenden in dem Herrn versi>iiret. 
Kr redet französisch mit einem gar guten Unheil und,- da doeh das tie- 
bichte in etwas traurig scheinet, mit einer gar freudigen und anlockenden 
Mieue. Eifert für die Behgiun, und haben darunter noch Frankreich noch 
Spanien ctwns von ihm zu Vortheil der ihrigen erhalten können. Suchet 
mit Holliind die alte Freundschaft uud betheuert höchlich, dass er aus ver- 
gangene nicht will gedenken; mit diesem könne man die franze lusolentie 
zurück und Spanien auf gute Mi<asse halten. Liebet deu Prinzen von Oranien 
über alles. Für die Häuser Broudenburg und Nassau erklären und erbieten 
Sie sich sonderbarlicb hoch; mit dem Hinzuthun, die mit ihme gelitten, wäre 
billig, dass sie sieb auch mit ihme crfreueten. Hat ihm verschiedene Dinge 
gcsaget: an I. Hüh., die er sagetc zu respcctiren als seine Mutter: für I. 
Ch, D., dass er sieh genau will mit verbinden; für die fürnehmste Herren 
von Holland, dann erzeigend, dass er Königliche Uedunken habe." 

i. Zcituug dat. Haag lü. Mai 1660. Es ist Nachricht eingelaufen, dass 
der Friede in Danzig (Oliva) dem Abschluss ganz nahe ist; uud auder^eil«, 
dass in England Monk sich bereits oHen für den König erklärt hat; a° 
der Spitze der Widerstrebenden steht Lambert; man glaubt in Hollaud, 
dass es doch einige Confusion geben werde, ehe der König durchdringt, ">"' 
deshalb hat mau auch bis jetzt deu König nur unter der Hand mit Privalceni' 
plimcutcn^begrüsscn lassen: „publico nomine würden sie nichts thun können, 
ohne sich in (iefabr zu setzen und dem Könige selbst Schaden zu ihnn". 

') Vgl. oben pag.i'-i. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



Die Best an rat ioD in England. ^^y 

Jedoch Ut in Frage gekommen, ob man nicht unter der Hand dem König 
«inigenGeld geben Eolle, um sa mehr als Ma/arin ihm in dieser Beziehung 
grosse Offerten gemac-bt hat, auch ihn auTgerordert, nach Frankreich zu 
kommeu und von dort aus nacb England zu gebea. Hier in Holland wird 
man alleg thnn, den Eöuig ron der Heise nach Frankreich abzuhalten. 
Weiman hoffe von der Persönlichkeit des Königs die besten Eulschlüsf^c 
nnd besonders, ,dass England sich hinfiiro mit Holland setzen, dannenhero 
üebest Dänemark und E. Ch. D. dem geraeiuen Wesen vorstobeu werden, 
damit noch Frankreich (inmaassen es bereits anfängt), noch Spanien, wenn 
es Portugal gar zu gliieklifh wegnehmen sollte, der übrigeu Welt gar /Ji 
beschwerlich fallen mögen", — 

18. Mai 1660 (Cnpes). Downing ist in aller Eile nach London gc- 18. Mai, 
reist — wird aber bei der Rönigt. Partei dort nicht sehr gut ankommen. 

25. Mai 1660 (Copes). Die eaglitche Flotte unter Montagu, 12 grosse 2r>. Mni. 
Kriegschiffe und etliche kleine, liegt vor Scheveningcn, wo Copes und Wei- 
man sie besuchen. „Der Herr Admiral Montagu empfing uns gar freund- 
lich in Bciuem Schiffe, so die Königl. WalTen binden uff fiihrete mit der 
ÜQterschrift „Dien et tnon Droit". — .Mau erwartet stündlich die Coin- 
miesare des Parlaments. 

25 Mai 1660 (Weiman). Hent soll der König Karl in den Haag 25. Mai. 
kommen; grosse Vorbereitungen. Die Schiffe in Sfhe?eniugeu tragen alle des 
Königs Flagge, eine Krone im weissen Feld mit C. R. „sie hatten dieselbe 
7. Tb, von des Admirals Leilackeu in der See gemacbet und vorigen Tngcs 
erst aufgestecket . . , Die Matrosen zeigeteu viel Freude und wiesen uns^ 
dasg sie hinter dem Rohr den Prolector Cromwcll in effigie aufgebenltet, 
als eineu Tyranntn". 

I. Juni 1660 (Weinian). König Karl II. im Haag, De Witt be- 1. Juni. 
xeogt die grösste Freude und Affertion, ^insinnirt »ich überall und über 

alles, gehet bei dem König aus und ein , . . und wirds dahin riehlcn, dass 
an den König und seine hohe Ministres etliche Tonnen Golds sollen ver- 
ehret werden". — Am 29. Mai haben die brandenburgisehen Gesandten neb^t 
dem indesE angekommenen Prinz Moritz Audienz bei dem König. Gra- 
tulation und liebenswürdigste Versicherungen. 

II. Juni 1660. Zeitung über die Ankunft des Königs in England. 11. Juni. 
Es soll noch manches von widerstrebenden Elementen da sein. Der Streit 
iwischen Hisohöflicben und Pres byte rianern wird wieder beginnen; „der König 

bleibt dabei: not Dishop, not Klugl in könig- und fürstlichen Regie- 
rungen müsse keine Gleichheit sein". 

15, Juni 1660, Man hat jetzt in den orauischen Streitsachen gute li'i. Juni. 
Miene gemacht, aber nur zum Schein — in der Hauptsache wirds nicht 
anders werden. 

17. Juni 1660 (Wciman), De Witt bat öffentlich gesagt, „er seines IT.Jimi. 
Theiles nlleinc wolle coniradirircn, wenn auch alle Sr. Hob, seine väterliche 



;,Goo»^lc 



gl^g I. Brandeobni^ opd die Niederlande 

Chargea woDtea auftragen; tind da es alsdann nichts deeto weniger gC' 
schehen wörd, es sei wegen England oder ans Antrieb des Volkes alhier, 
btttte er schon längst geresolviret, seine Charge alsdann niederzulegen und 
gutwillig abzudanken, damit er sirh nicht besUndige und übel aaslnufen 
dürfte mit einer solchen Regierang". 

i. 22. jQni 1660. Weimnn räth, möglichst bald nach London eine Gr- 
fandtschart zu schicken und die englische FrenndScbart zu poussircn. „Wer 
England hat, hat diesen Staat; wer beide hat, hat Schweden 
nicht zu fürchten." Das ist die Hauptsache für den Kurfürsten; es wird 
aber viel Mühe machen, in England „die Fassion für Schweden aus dem 
Herzen des präoccupirten Volkes wegzunehmen". 



^aovGoOt^lc 



II. 



Der nordische Krieg 

bis zum Vertrag von Königsberg. 



D.qil.zMBlG001^IC 



sBBiGooi^lc 



Einleitung. 



"ie Zeit von dem ersten Gewahrwerden der Gefahr eJoes neuen 
scbwe diu rh- pol nis eben Krieges bis zu dem Abkommen, welches der Kurfürst 
Friedrich Wilhelm geuöthigt wurde in dem Köuigsberger Vertrag vom 
17. Jana.ir 1656 mit dem siegreichen König Karl Gustav von Sfliweden 
ibzuschliessen, war für die brandeuburgisrhe Politik eine ungemein gefahr- 
'olle und bewegte. Während die politisohe Action den Karfürsten so eben 
noch mit voller Kraft den Anfgaben zugewandt gewesen war, die dem brau- 
deuburgischen Staate aus seiner Stellung im Keicb und zu den Parteien 
des Keirhs erwuchsen, wahrend hier noch alles unfertig und in den ersten 
AnfäDgen der Bildung begriffen war, während man noch die Arbeit einer 
langen Reibe von J-ibvea vor Heb sah, um alte Schäden zu heilen, be- 
gonnene Organisationen zu vollenden und den St.-iat allmälig für grössere 
»ctive Aufgaben nach aussen hin fähig zu machen; so trat iu der Gewiss- 
tieit eines bevorstehenden Krieges zwischen Polen nud Schweden plölzlich 
die Nothwendigkeit an ihn heran, in sehr angenügender Verfassung in eine 
grosee Krisis bineJDzntreten, die voranasichtlich den ganzen enropäischen 
Norden erschüttern und namentlich den Inhaber des Herzogthums Preussen 
nnvermeidlich in Mitleidenschaft ziehen musste. Es ist hiernach so wenig 
zn venrnndern, wie man es in Abrede stellen kann, dass die brandenbur- 
gieche Politik in diesem ersten Stadium der nordischen Verwickelung keine 
sehr hervorragenden Erfolge aufzuweisen hatte. Der Eönigsberger Vertrag, 
*«lcher Brandenburg nebeu geringen Vortheilen eine Menge der empfind- 
liebsten Beeinträchtigungen brachte, welcher das Uerzogthom Prcussen aus 
einem polnischen zu einem schwedischen Lehen machte und dem neuen 
I<ehDEherrn Rechte gewährte, die der alte schon längst nicht mehr hatte 
fonJern dürfen oder ausüben können — er war eine Niederlage und er war 
dies um so mehr, als die brandenburgische Politik, trotz aller angenrälligen 
Schwierigkeiten der Lage, mit bewunderungswürdigem Mutbe gleich im An- 
fang der Verwickelungen sich ziemlich weit gehende Ziele gesteckt hatte, 
' denen es in dieser Krisis nachzustreben gedachte. 



A-nOO»^lc 



322 "■ ^^' nordiacUe Krieg bis gsom Vertr^ von Königsberg. 

Denn die anfange UDteiuommeuea Versuche der Piiedensvcrmittelang 
zwischen den beiden streitenden Mächten boten von vorn herein wenig Aus- 
sieht auf Erfolg. Man setzte sie in's Werk, als eine nicht zu unterlassende 
politisrhe Pflicht, indem man dabei doch zugicirb der weit wahrschein- 
licheren Eventualität fest in's Ange blickte, dass der Krieg zwischen Schwe- 
den und Polen bis aufs äusserste geftihrt werden, nnd dass er vielleicht ia 
den gesammten Besitz- und He rrschafts Verhältnissen der nordischen Be- 
reiche ganz nenc Combinationcn, somit auch für Brandenburg ganz neue 
Möglichkeiten heranfführen werde, die man nicht unbenutzt lassen dürfe. 

Die Politik des Kurfürsten Friedrich Wilhelm ist in diese grosse 
Krisis nicht anaschliesstich mit dem Gedanken neutraler Abwehr and mög- 
licher Erhaltung des Bestehenden hereingetreten. Im Jahre 1655 lag der 
Hinblick auf eine mögliebe Auflösung des polnischen Reiches unzweifelhaft 
nahe genug. Brandenburg hatte gewiss alle Ursache, sich Plänen dieser 
Art nicht rüchiialtslos hinzugeben; die Erhaltung der bestehenden Zustände 
entsprach in diesem Zeitpunkte seinen Interessen am meisten; aber der 
Kurfürst konnte sich auch uicht verhehlen, dass es in seiner Macht, bis jetzt 
wenigstens, nicht lag, solche Pläne zu vereiteln, wenn nnn der entschlossene 
Anstnrm des erobcrungslustigen Schwedenkönigs und die augenscheinliche 
Widcrstandsunfabigkeit des polnischen Staatsgeffige's gleichmassig auf die 
Katastrophe hinarbeiteten. 

Vielmehr war es dann für ihn gebotene Pflicht, zur Stelle zu sein, 
um den Gewinn davon zu tragen, der unter diesen Verhältnissen etwa zu 
erreichen war. Es galt, aus dem Schiffbruch Polens für Brandenburg die 
Stücke zu retten, deren Besitz ihm eine gesichertere Stellang schuf gegen- 
über der M achter Weiterung gefährlicher Nachbarn, jetzt namentlich Schwe- 
dens, aber schon auch im Hinblick auf die sich immer näher herandrängende 
Gewalt des moscowitischen Reiches. 

Die Erlangung der Souveränität des Herzogthums Preussen war das 
Ziel, welches der braodenburgischen Politik von Anfang an als das ersl$ und 
wichtigste vorschweben musste. Aber das Verlangen nach territorialen 
Abrnndungen und Vergrässerungen verband sich damit sofort nnd aufs 
natürlichste. Die Behauptung Freussen.s forderte, wenn Schweden wirklich 
seine Absichten in Polen erreichte nnd siegreich blieb , mit diesem mächti- 
gen und begehrlichen Nachbar an der Seite, einen stärkeren Rückhalt als 
er bisher Polen gegenüber genügt hatte. Wenn es mit der Auflösung des 
alten polnischen Reiches in irgend einer Weise Ernst wurde, so musste 
Brandenburg die äussersten Anstrengungen machen, um dabei uicht leer 
auszugehen: dies war ein Grundsatz, den diesem Staat die Natur seiner 
politischen Lage im siebzehnten Jahrhundert schon ebenso dringend gebot, 
wie später im achtzehnten. 

Nur hatte Friedrich der Grosse andere Mittel, seinem Willen Gel* 
tung zu verschaffen, als die seinem Vorfahren im Jahre 1655 zur Vernigung 
standen. Je grossartiger die Erfolge Karl Gustav 's von Schweden in 
seinen ersten Kämpfen gegen die Polen waren, um so weniger zeigte er 
sich gesonnen, mit dem Brandenburger als Genossen anf gleichem Fnsse 
xa verhandeln; als der Kurfürst sich weigerte, auf Bedingangen einzu- 



Aj.OO<^IC 



EinleituD)?. 323 

gehen, die ihn schutzloB neben einen übermächtigen Bundesgenossen Etellen 
lolluu, veTpichteLe er znnächst ohne viel Bedeakett anf seine Mitnirknog; 
es mochte ihm ein Leicbtee danken, nach dem poInJEcheD König auch den- 
enkD poloisehen Vasallen zu Boden za verfen. 

So wurde halb gegen seinen Willen, halb mit demselben der EnrTiirst 
Friedrich Wilhelm jetzt in ein anderes Verhältniss zn den Unterneh- 
mongcD gebracht, die ohne seine Theilnahme Karl Gustav allein zq voll- 
bringen gedachte. Das Bedenkliche and Feindselige, was diese Pl&ne für 
Brandenbni^ hatten, stellte sich nnn mehr in den Vordergrund; jedenfalls 
«arman entschlossen, sich dergestalt in Rüstung zn setzen, dass man ent- 
weder dem siegreichen König an den Grenzen von Preassen halt gebieten 
oder ihn nöiigen konnte, fiir die Bandes genossenschaft Brandenbarga einen 
besseren Preis za zahlen, als er bisher gewillt gewesen war. Nicht zum 
offenen Bruch liess man es kommen, die Verhandlungen wurden unablässig 
weiter geführt, während Karl Gustav seinen stolzen Siegeszog dnrch 
Polen vollbrachte. Aber in derselben Zeit wurde das Vertheidigungsbünd- 
aiss mit den Ständen des polnischen Antheils von Prenssen verbandelt und 
abgeschlossen; mit dem kaiserlichen Hofe trat man in Verbindnag, um von 
dorther wo möglieb eine Gegenwirkung gegen das unberechenbare Ungestüm 
der schwedischen Siege zn bereiten; in den Niederlanden betrieb man die 
Abeendung der vertragsm aasigen Unteratützang kraft des ao eben abge- 
Eehlossenen, von Schweden so eifrig angefochtenen Bündnisses; zugleich 
GELcbte man die eigenen kriegerischen Rüstungen zu vollenden und alle Ver- 
theidigungsmassregeln für den äaasersten Fall zu treffen. 

Dennoch kam es nicht zu diesem änsaersten Fall, oder streifte den- 
eelben nur gleichsam. Allerdings traf der Kurfürst jetzt seine militärischen 
Dispositionen, am sein Herzogtham aud das mit ihm zu bewaffneter Neu- 
tralität verbundene „königliche Preassen" vor einem eventuellen Angriff 
schützen zu können ; aber indess worden auch die Verhandlungen mit dem 
König über die Bedingaiigen eines doch noch abzuschliessenden Bünd- 
nisses eifrig fortgesetzt; und als nnn in der That im November 1655 Karl 
Qnstav mit seiner siegreichen Armee die preassiscbe Greoie überschritt 
und auf Königsberg marschirte, so zeigten die Hassnahmeo des Kurfürsten 
eine so unsichere Haltnng in der Mitte zwischen dem Versuch kriegerischer 
Abwehr nnd dem Wunsche politischer Vereinigung, dass das in weiten 
Kreisen damals verbreitete Gerücht von einem schon längst gesicherten 
Binverständniss der beiden Fürsten, welches nur durch einen Scheinkrieg 
Docb verhüllt würde, um für den Brandenburger den Anschein dea Zwanges 
IQ retten, in dem Gang der Ereignisse eine deutliche Bestätigung zu fin- 
den achten '). 

Trotzdem war dies nicht der wirkliche Sachverbalt, wie nach den vor* 
hudenen Acten mit Sicherbett zu behaupten ist. Vielmehr scheinen die- 
jenigen nicht ganz im unrecht zn sein, welche in dem Gang der branden- 



*) Vgl. Pierre dea Noyers Lettres pag. 81. Rndawski, bist. Polen. 
fg. 219. 



Aj.oo»^Ic 



324 ''' ^"^ Df^i^iBcbe Krieg bis lam Vertrag von Eöuigsberg. 

bargiscbeo PoliUk während der letzten Wochen ror dem Eönigsbergcr 
Vertrag einen Mangel an fester Führung, ein ansicberes Schwanken zwischen 
entgegengesetzten Entschlüssen wafarnehraea zu können meiutea'). Man 
wird an der Hand der weiterbin veröffentlichten Acten in der Lage seiar 
die verscbiedenen Möglichkeiten der Beurteilung gegen einander abzu- 
wägen. 

Jedeofalla ist nicht zn verkennen, dass durch die überraschend 
schnellen and vollständigen Siege Karl GnBtav's in der ersten Phase 
seines polniscben Krieges Tür den Earrürsten die Basis gleichberechtigter 
Geltung, auf die er sich in Anfang zn stellen gesucht hatte, in merklicher 
Weise verschoben war. Nach dem jähen Zusammensturz des polnischen 
Reichs (dessen schnelle Wiedererbebung zunächst nicht vorauszasehen war) 
hatte die freie Buiidesgenossenschafr- Brandenburgs, obwol immerhia er- 
wünscht, doch für Kart Gustav einen erheblich geringeren Wertb erhal- 
ten; im Nothfall glaubte er sie erzwingen zu können. Und indem nnn der 
Kurtürst, gestützt auf eine nicht nnbeträcbtiiche Heeresmacht, einerseits 
seine Selbständigkeit zn behaupten versuchte, anderseits sich aber doch 
Buch nicht zn dem Wagniss eutscbliessen konnte, ganz ohne hilfreiche 
Bundesgenossen es anf die Entscheidang der Waffen ankommen zn lassen, 
die er daher aar zögernd uud zurückhaltend führen liess, und indem end- 
lich doch auch Karl Gustav es vortheilbafter hielt, den Kurfürsten zum 
Freund als zum besiegten Gegner zu haben: so ergab sich aus dem Zn- 
sammenwirken aller dieser Umstände (zn denen vielleicht anch noch die 
Mitwirknng mannichfacher persönlicher Verhältnisse und Interessen sich ge- 
sellte) die eigentfaümlich unklare Situation, aus welcher dann der Königs- 
berger Vertrag hervorging. Es ergab sich daraus auch, dass dieser Ver- 
trag eben nur für den Augenblick der Ausweg ans einer schwierig com- 
plicirten Lage war, mit geringer Aussicht anf dauernde Geltnng; bei der 
leisesten Wendung der Geschicke zu Ungunsten der schwedischen Sache 
mnsste sehr bald der Moment eintreten, wo der Kurfürst sich an denselben 
nicht mehr biuden wollte und Karl Gustav ihn dabei nicht mehr fest- 
halten konnte. 

Von den Actenstücken , welche znr Erläuterung der brandenbnr- 
giscben Politik in dieser ersten Phase des nordischen Krieges in dem 
nachfolgenden Abschnitt mitgetheilt werden, siud, neben dem Berliner ge- 
heimen Staatsarehiv als Hauptquelle, eine nicht nnbeträcbtiiche Zahl 
dem fürstlich Waldeek'scben Archiv zu Arolsen entnommen, dem wir 
schon für den vorigen Band viele wichtige Beiträge zu verdanken hatten, 
und welches für die Zeit bis in deu Herbst 1657 sehr wertbvolle Mate- 
rialien über den politischen und militärischen Verlanf der nordischen Krisis 
enthält. 

Eine Kategorie von Actenstücken haben wir geglaubt hier ans- 



■) Vgl. des Noyers p 47. Kaochbar. Leben und Thaten des Fürsten 
Georg Friedrich voc Waldecb p. I03ff., nnd die am Schlnss dieses Abschnittes 
folgenden Anfzeicbaangen von Watdeck. 



^aovGoOt^lc 



EiDleitang. 325 

BchlieüscD zu sollen, die näniHch, welclie die „DefensionEverliandluiigeii'' 
d«s Kurfürsten mit deu Ständen des Herzogthums Preust'en betreffen. 
Begreiriicher Weise berühreo Bich dieEelben auf's oächste mit dem Ver- 
lauf der allgemeioen Angelegenheiten dieser Zeit; indcüs scbieu es doch 
angemessener, i^ie dem Theile dieser Publikation rorzubebiilten, welcher die 
Bttndit-cbeii Veihaudlungea im Herzogtbum Preiissen im Zusammenhang 
behandeln wird '). 

') Aach für diese Partien eotbält daa Archir zu Arolseo wichtiges Material, 
to Dameollich eine Beihe intereasaater CorresponilenzeD Waldeck'a aus der 
Zell «einer Sendung nach Preueseo gemeiueam mit Ho verbeck im April 1650; 
anderes auch für die nächatfolgende Zeit 



^aovGoOt^lc 



II« Der nordische Krieg bis zum Vertrag 
von Königsberg. 



1. Berathungen und Vorbereitungen. 

1654 Waldeck, Raiflons pourquoy S. A. E. se doit armer, et r^fu- 
tation du contraire [o. D. — Eigenh. Ärols. Archiv) '). 

(Moralische uod reichsracbtliclie Verpflichttiog aar Beschaffung von RüataageD. 
Weilere Nützlichkeit deraelben. EiDweoduDgeD nad Widerlegnng dereelbeD.J 
II est chreetien, qu'on se mette en estat de pouvoir proteger bcs 
susjecte, et la conscienee y ohlige. II eat juste selon le monde, et 
les conetitutioDs de l'Empire promettent, meemeB ordonnent, qu'un 
cbacun s'asseure contre les malheurs apparaotB. La Bulle d'or 
nomine les i^lecteurs des soustiens de ce grand bastiment, qui le sous- 
tiendra priv^ de forces. L'.Union des ^lecteurs reut, qu'ils se main- 
tiennent et secourent promptement Comment exeeuter cela, sans estre 
armä? L'ordre de l'execution ordonne sus peioe de reparation du 
dommage, de secourir, ä la requisition du gouverneur du Cercle, son 
voisin sans delay. Quel moyen d'y satisfaire, sans avoir du monde 
prest? Le mesme ordre commende de se tenir tousjours en eetat pour 
se defendre soy mesme et se guarantir du mal. Quel efFet peut avoir 
cette ordonnance, si Vordre pout cela n'est establi de bonne heure? 
La guarantie du traittä de paix contient expräs, qu'on doit secourir 
touB ceus, qui y ont part, et prononce la sentence du ban contre ceux, 

') Dieses Stück beSadet sieb nodatirt io einem Foscikel des Archivs zn 
Arolseo, welches Acten aas den Jahren 16M/55 enthält ; vermnthlich ist es bald 
nach dem Vertrag von Stade (24. Nov. 1654. Urk. n. Actenst. VI. 625) ge- 
achrieben; wir bringen es an dieser Stelle, obwol es auf die nordische Kriegs- 
gefahr noch nicht specii^ll Bezug nimmt. 



^aovGoOt^lc 



BetitbnDgen und VorbereitnngeD. 327 

qai y voudroient contrevenir; la resolution prise k la diäte de Ratis- 
boDDe et conclusions de CercleB mesmes e'y confortnent. Enfin les 
alliancea faitee depuis peu ne Bouffrent point de delay, si l'on [ne] veut 
manquer de parole, tellement que l'honueur y est engag^. 

L'utilit^ aussi e'y treuve, d'autant que S. A. E. peut asaeurer ees 
eetats contre toute sorte d'invasioDS promptes et se mettre ä loisir ea 
defense esgalle h force, qui la pourroit attaquer.. 

Un Estat de ^erre forma fait eviter le desordre, qu'un arme- 
ment subit dans la neceseitä cause, oü les amis et ennemis rouinent 
eo meeme temps le pais. 

S. Alt. E. estant armä, l'envie paseera k ceux qui la considerent 
comme un desjeunä. Les Roys et Republiquee, qui ont l'iaterest 
eomman avee luy, rechereheront son allianee. Les Estats de l'Empire 
bien intentionu^s auront reeours k lui. 

n aura moyen de soulager ses suajects fidelles et de faire venir [?] 
indirectement les meschants. — II previeodra par \k les souslerements, 
qui par les practiques de ses eunemis pourroient estre causäs. 

n ne sera plus obligä k dompter directement par armes l'inso- 
lence de quelques humeurs brouillants. 

Ce qui pourroit estre contraire h cette resolution: 

1) L'ombrage, que les grands potentats en pourroient prendre. 
II n'est pas ä considerer, puisque ne sommes pas seuls qui ar- 
mons, et les traittäs publics et les eonstitutions de l'Empire le re- 
qniörent 

2) La panvret^ des susjects. 

Laquelle sera bien plus grande, si les ennemis occupent le pais et 
B'il faudroit armer dans le desordre et apris estre attaquä; enfin 
l'ordre peut remedier k tout, si cette pauvretä n'estoit causäe d'ail- . 
lenrs. 

3) Les privilÄges des Estats. 

L'ioterpretation en appartient au prince, qui n'est pas obligä de 
hazarder son estat ä cause de privileges. Aussi u'ont ils point d'efTet 
contre les eonstitutions de l'Empire et dans des occurences extra- 
Qrdinaires. 

4) Le danger, que les Estats prätendroient avoir toute la directiou. 
On leur la peut laisser quant k la distributiou des quartters et 
le payement; pour le reste il faiit qu'il demeure au prince, et 
l'on ne raanque pas de remides, pour se mettre k courert de ce 
costä l&. 



^aovGoOt^lc 



328 ^- ^^^ Dordiache Krieg bis taia Vating tod Königsberg. 

5) Si les Eetate se roidissoient, on auroit la guerre. 

Si cela arrivoit, il y faudroit apporter les remödes convenablee, et 
pour cela ne laisser pas Taffaire. 

6) Si l'on se vouloit asseurer des Estats, il faudroit autant de 
gens de guerre pour retenir le pais en devoir, qiie pour se- 
courir ses alliez. Pour exemple le Royaume de Naples pour- 
roit estre allegu^. 

A tous eeux, qui ne connoiesent pas le pais, eette difBcult^ est appa- 
rante ; mais oü il a'y a pas ud fonds coosiderable dans lee mains des 
estata, une milice establie, des places fories et une persoDne de teile 
autorit^, qui les pulsse faire suivre ses sentimens, «es dangers 'ne 
soDt ä considerer, quand on est en bonne posture; surtout \k oü ils 
ne fönt de plaintes que contre les charges, abusant le peuple bous ce 
pretexte si specieux ; mesme considerant les personnes, qui compoaent 
les estats, il s'en trouvera gu6re, qui voudroient avec leur bien ha- 
zarder leur personne, et s'opposer au Prince, quand il a des forces 
considerables. 

7) La consideration qu'on doit faire des Estats d'HoUande, qui en 
pourroient prendre pretexte, pour incorporer les villes de 
Wesel, Emmerich etc. 

Considerant leur eslat present, il n'y a rien h craindre de ce costi 
lä. Puis il n'y a point d'exemple, que les provinceB ayent tooIq 
s'opposer k des arrests de l'Empire et y assister quelqu'un. La perte 
de la Tille de Brenieu leur est Bi conaiderable, et la coaclusion de 
l'Empire est pour la ville: encore n'y fönt y [d. h. ils] rien. 

8) L'on voit, que l'Empeureur fomente presque l'obstinatioD des 
Estats-, l'on doit donc apprehender, qu'il les assistera. 

Les constitutioDS de TEmpire ne luy ostent tout pretexte de iustice, 
et s'il se veut servir des forces, il ne manque point de preteste 
contre nous. 

9) L'Espagne et le Duc de Lorraine se pourroient ing^rer dan» 
TafTaire. 

Ceux-lÄ ne peuvent approcher le pais de S. A. E. avec des corps 
considerables, sans passer, toucher ou donner de l'ombrage aui 
autres estats, et out desia fait des demandes, tellement que tout 
autre pretexte sera connu aux intereesös et voisins, et en sera fall 
une cause commune. 

10) Le Duc de Neuburg s'en pourroit prövaloir. 
Les fondemeuts susdits Ten empecbent assez. Du plus le treitJ 



BeratboDgeri und VorbereilnngeD. 329 

proTisionel Tenant ä estre rompn , il court pIuB de risque, que 
S. A. E.; car s'il a de l'aseistaace , Elle n'en manquera non plus. 
11) Les Su^dois sous pretexte de leur pretensioD B'en pourroient 
mesler. , 

Si l'Estat de lenrs affaires le pertnet, et s'ils ont des forcee et un 
dessein forma, ila sont ä considerer-, mais comme saiiB cela Königs- 
marck ') n'oseroit sans ordre B'embarquer dang une affaire de 
teile nature, et cet ordre ne pouvant eetre obtenu eu si peu de . 
temps, il semble estre plue raisonnable, qu'oii previenne par un ar- 
mement dans la vraye saison les deaaeinH, qu'ila pourroient avoir 
form^ et qu'ils pourroient encore former Biir la connaissance des pro- 
cedures de l'Enipereur et de» Estals en meenie tempB. Puis il n'y a 
paB ä croire, que, n'ayant pas encore la ville de Bremen en leur 
pouvoir, ils voudroient entreprendre deux affaires d'aeaez grande 
congequence ä la fois. Enfin si l'on apprebende quelque deBsein, il 
K faut mettre en eBtat de leur resiBter, se pouvant servir de ce 
pretexte de leur pretenBion, sans que S. A. E. face quelque choBe. 



Waldeck, Gedanken wegen der Gefahr in Preussen. Dat. 
27. Dec. 1654 (Eigenh. Arola. Arch.). 

(DriDgeDde Gefahr für Freussen. Schleuoige Rüstung nöthigi Alliaacen und 
Geld. Krieg oder Frieden. | 
Be haodelt »ich um Moskowiter, Schweden nud Foleo; von den zwei 1655 
ersten tet der Sieg der einen nie der anderen für Prengi-eti boihgefährlicb ; 6. Jan. 
TOD den Polen ist allerdings kein Sieg zu befürihten, aber wol „dass, 
wenn die Angst und Noth sie dringen soUtej sie ehe Sr. Gb. D. Lande als 
ihre eigenen hin weggeben würden." 

Die Sache ist oft erwogen worderf, Fillau anch Echon einmal verloren 
gewesen — ^das sicherste meines Ermessens ist, man nehme die Gefahr 
aaf das allerhöchste and bedenke die Remedia dagegen." 

Deren seind nun meines Ermessena zweierlei: kräftiger Wider- 
stand oder die GQte. An der Güte wird gezweifelt, so muss das 
andere gewählt werden. 

Darzu gehört VerfasBung und was dem anhängt, AUiancen und 
Geld. Welches meines ErroeBsens das einige Mittel, weil keine Gltte 
gehoffet wird und bekannt, dass Über dem Interesse grosse Herren 
ffenig Liebe gegen einander bezeigen. 

V Graf EöaigeDiarch, achwediicber Stattbalter im Uerzogtlinm Bremen. 



330 "' ^^'' DOr^iBche Krieg bis inm Vertr^ tod ESoigaberg. 

Wenn nun der Schweden Vornebmen auf Polen gerichtet, so ist 
nicht zu zweifeln oder alles, was zu Facilttining desseo dieneam, 
werden sie bei die Hand nehmen; worzu denn die Hafen, wie man 
sagt, (denn ich des Landes njcht kündig) ihnen grossen Vortheil ecliaffen 
können; und so ferne sie dieselbe hinweg hätten, würde der Rest 
schwerlich bleiben. 

Daher ist an eine YerfasBODg so schleunig als müglich sd denken nnd 
es nicht aurzneichieben bis zur Anweseuheit des EurfiirBten iu Preussen. 
Inzwischen gilt es, Gesandtschaften an den Moscowiter, den Herzog von 
Curland zu schicken und besonders bei Polen und Schweden selbst sich znr 
VermitteluDg zu erbieten „und zn verstehen geben, wer raisonnabele Conditio- 
nen nicht eingeben wolle, gegen den wolle E. Ch. D. sein." 

Desgleichen moss man überlegen, ob man mit den Generalstaaten, 
Franzosen, Spanieru in Verbindung über die Sache treten soll. 

Für Geld rnnsg aber hanptBächlicl) gesorget werden, 

Ansserdem ist dafür zn sorgen, dass, wenn man die Hanptkraft nach 
Prenssen wendet, doch auch die hiesigen Lande nicht ganz ausser Sicher- 
heit gelassen werden. 

Solches alles Torgenommen und e:Kequirt seiend, kann man doch 
auch alle Mittel, so nur ersinnlich, anwenden, in Frieden zu bleiben; 
denn ausser der höchsten Noth kein Krieg anzufangen, weil solcher 
nicht allein gelährlich und selten einem grossen Herren Nutz daraus 
entstehet, sondern ohne Moth auch Gott missfällig. 



Waldeck an den Knrfllr8.ten. Dat Berlin 5 Febr. 1655. 
(Ärols. Arch.)'). 

[Bitte um Unterauchang der Differenzen zwischen ihm und Schwerin.) 
15. Febr. W. bittet den Kurfürsten, in ßciug aof das, was im geh. Rath zwi- 

schen ihm und Schwerin vorgegangen, zwei Räthe mit der Untersnchnng 
zu beauftragen, woraus denn hervorgehen werde „ob ich Ursarb gegeben, 
dass man mir soll vorwerfen, ich wolle regieren und sei Ursach an E. Cb. 
D. Stüats Verwirrnng". Der Kurfürst werde dann erfahren, „dass ich Ont 



') Wir tbeilen die Dachrolgenden auf einen Streit zwischen Wal deck nnd 
Schwerin bezüglichen Äctenstücke ans dem Archiv sn Aroleen hier mit, da 
dieselben einen charakteristischen Beitrag zur KeuntDies des kurfürstlichen 
Conseila in der Zeit der beginnenden nordischon Verwickelang tiefem; wahrschein- 
lich bingeu die Gnanciellen Krürtorangen, van deaea der Streit ausging, auch schon 
mit den Plüoeo militärischer und allgemeiner politischer Vorbereitung auf die 
vorausgesehene Erisis zusammen. 



A-nOO<^IC 



Waldeck und Scbweria. 331 

DDd Lebeo bei E. Cb. D. in Gefahr setze, da aodere, so vor wenig Zeit 
nicfat so viel gehabt, dass eiu bliad Pferd über ihr Gut atraachelo köDDcn, 
jetzt ansehaüche Güter kaaren, hobero Stand annehmen, ja so absolat noch 
ihren Willen haben wollen, dass viele es beklagen." 



[Waldeck] Susject de la dispute de Mona, le Baron de Saeriu 

avee moy. (o. D. Arole. Ärch.). 
Ha souslenue est, qu'on doibt eßtretenir honorablement les mini- 
Mres de dehors, la reputation de S. AI. El. y eatant enguagöe et 
Testat de ses affaires en quelque fsQon recoDou par Ih. 
Mona, le Baron dit, que S. AI. El. peut bien estre Electeur et le 
demeurer Bans tellee depances, lesquelles il ju^e la rouine de Boa 
efltat. 
Je die, qu'avec 20 escus par an l'on peut aller bien loing, et que 
c'est peu pour le bien, qu'en tire S. AI. El. 
Mona, le Baron veult, que l'utilit^ n'en soit ei grando que le 
tordt, qu'une depance de 20000 escus fait ä Testat presant des 
finances. 
Je donbte du fondement de sa soustenue et mets pour rem^de 
nn Boin plus grandt pour l'augmentation des revenues. 
Laj aeseure, que le seul remäde est de retranscher les de- 
pances, et sur tout les susdittes, voulant monstrer, qu'elles «nt est^ 
si excessives, que la disette d'argent en est caus^e, et que les reve- 
nues ne peurent estre augment^es saus cela. 
Mon opinjon est, que les depances inutilles doibvent estre retran- 
chäes, mais le redräe des domaines point oubli^; et |je] plaints, qu'il 
a paru si peu de soin k faire le premier et allegue pour exemple 
50000 escus de guages et pansions au pays de Cleve qui estoit re- 
duittes a 12000, et selon le dire de M. le Baron cela n'a pas est^ 
ciecutä, fait ainsi tort 114000 eecus en trois ans, et s'iLs ne sont pay^s, 
S. AI. £1. les doibt aux aultres pais do mesme, et je me fais fort 
de preuTer et monstrer, que les domaines peuvent estre augment^s et 
redrefls^s et les depances necessaires et bonorables, avec ce qui est 
requis pour le plaisir de S. AI. El., treuv6. 
M. le Baron persiste k contredire, fonde tout le vedrös sus le 
retranchement des depances, dit, que sans cela les domaines ne peu- 
vent estre redress^es, et qu'il o'est pas cause, que la reduction n'a 



A-nOO»^lc 



332 W- J**"" oordiacbe Krieg bis zam Vertr&g von EöoigBberg:. 

pas est6 esecutee, nie, qu'il soit poBsible qu'on puisse treuver ce que 
je sougtieas et dit, qu'il 1e veult raonstrcr. 
Je in'offre k vouloir monstrer ce qiie j'ay dit et regrette, qu'on 
n'a pas observä l'oMre fait h Cleve, pour mieux^ pouvoir juger, qui est 
cause, que bien des cboees n'ont est6 faittes, et s'il avoit CBtä observf, 
que tout iroit mieus. 
M. le Baron persiste k vouloir preuver rimpossibilit^, dit, que 
je suis cause, qae l'ordre a est^ renversä en establissant Modb. 
Wöes ') et asseurc, que l'ordre observ6 tout iroit plus mal. 
Je le priois de specifier d'avantage, en quoy j'avois ronipu l'ordre, 
et goustenois, que l'observation d'iceluy auroit donnd beaucoup de la- 
miere de tamps en tamps h S. AI. El., et ei l'on avoit fait connoistre 
k S. AI. El. I'utilitä, eile Vaaroit appreuvi^e, et si Tod avoit obserrä 
mes admonitioDS, tout iroit mieux. 
MouB. le Baron dit, que j'estois celuy, qui avoit contraria l'ordre 
le Premier et que Tobservation auroit estä domagable, et si je s^a- 
vois quelque cboBe de bon, queles benefices, que je possedois de 
S. AI. EI., meritoit bien, que je le dis. 
Je respondis, que mon Berment et mes benefices m'avoit port^ ä 
l'advertir souyant, mais qu'il I'avoit negligä et avec cela n'avois je 
os£ m'introduire dans une aifaire, dont seien son dire S. AI. EI. oe 
vouloit pas que j'eusse copnoissence et dont personne ne st^voit rien 
que luy. 
II respondit, que je debvois monstrer ce que j'avois dit, qu'il 
estoit serviteur de S, AI. El., et que toutte ma visöe ne tandoit 
qu'ä vouloir toiit gouverner; que je disois, que luy seul leB affaires 
des financcB estoit eounues, n'estoit que pour luy donner le tordt 
de tout qu'i! avoit fidellement servy. 
Je remonstroia k S. AI. El., que sa visöe ne tandoit qu'ä mc 
porter k quitter cette court, que Jamals j'avois fait paroistre une in- 
tantion si mal foud^e que de vouloir gouverner absolument; si le re- 
spect de S, AI. EI. ne m'empescboit, et que je n'apprebandois de dire 
quelque chose, qui put cUoe<iuer S. AI. El.,' que je pourrois avoir pluB 
de maticre touschant son dire que luy, mais que je me contantois de 

') ». Weeze, ein guldtisclier Edelmonn, der, wie ea scheint, aut W»l- 
dock's VetanlaaBUDg eioa aDseliuliclie Übnrge am Hofe erhalten hatte; er bt' 
geguet weilerhiD ata Oberstallmeister der KnrrürHtiD, EammeTberr ood Haapt- 
iDBDD der kutfüratlichen Leibgardai vgl. Urk. u. ActeDst. II. 280. Im AroU* 
zu ÄrolaeD befindet aicb eine Privatcorreapondenz zwischen ihm and Waldeck 
auB der Zeit nach dea letzteren Bucktritt au9 branduaburgiachea Dianateo, wontt 
eich ergibt, dass «r Waldeck persönlich nahe stand. 



Wfttdeck DDd Schwerin. 3311 

dire, que si pas un du conseil 8(ait qnelque chosc contre ma conduitte 
et iprocede, que je l'advertis, ei luy reste une goutte de sang qui Boit 
fidelle ä S. AI. El., qa'il le disc, priant S. AI. El. d'ordonner quelques 
uns qui eBcourtent M. le Baron, qu'^il preuve, que je suis cause du des- 
ordre, que je veux gouverner tont et que je suis pas soignenx ä 
moDstrer ma reconnoisBence pour le bien que j'ai re^u de S. AI. £1.; 
qn'il paroiBtra, que j'ay eu pour but la conservatioo et l'aggrandiBse- 
ment de la reputation de S. AI. El-, la justice et le redrös de son 
estat, et afin que l'on voye, que je n'ay eu autre but; Tayant fiwt voir 
i S. AI. EI., je m'offre de vouloir quitter le Service, afio que teil 
pretexte ne reste k M. le Barou, voyant bien, qu'il ne peut reposer 
tant que je suis icy. 

Waldeek an Schwerin. Dat. Colin a. Sp. 7. Febr. 1655. 
(Arols. Arch.). 

(Porderl ibo aur, eine CommigsiOD des Geh. ßalhea über den Streit zwischen 
beiden entBcheiilen ed Inaaen.] 

Monsieur. La veritä et la raison reniportent enßn; vous con-11 . F«br. - 
fessez, qu'il est veritable, qu'il y a du desordre dans les finauces; 
vouz alleguez dea raisons, pourquoy je dois moustrer des rem^des, 
et je vois, coniine il seroit dangereux, si je tardois plus longtemps ä 
me decbarger d'une Obligation, que l'instruction de Cleve m'impose'). 

II paratt aussi, qu'il peut venir une heure (coutre rostre senti- 
ment, lorsque je todb le dis, il y a quclque temps), qu'on demande 
raison du pass^, comme il ni'arrive par vostre industrie; et quoyque 
declarez ne trouver rien k redire k mes actions que l'intercession pour 
Hess, de Weeze et de Primerose') (ce que mesme nie sert de fon- 

■) ü. h. die dat Clere 4. Dec. 1651 erlaBBeoe nene Ingtrnction für die Ge- 
BChirtaordonDg deB Geheimen Ralbea; vgl. CoBmar n. Klaproth p. 200 ff. 

') Ueber die Persönlicbiieit dieses Primerose, der hiernach gleichfalli 
(«ie Weei«) in den von Waldeck protegirLen und in VerbiQiluDg mit dem Hof 
gebrachten Mäonern gehörte, ist sonst nichts weiter bekannt. Vermalhlich eio 
englischer Flüchtling, aoa politischen oder anderen Motiven; ob und wie er mit 
der bekannten eoglisohen literarischen Familie des Namens Ensamnenhängt,' ist 
nicht ersichtlich. Von Seitan des Knrriirsten war ihm eine PenBiOD bewilligt 
worden, zunächst ohne amtliche Verpflichtnngen. Einige weitere Notisen über 
ihn finden sich im Archiv in Arolsen in einem Briefe, den er im Febr. 1655 von 
Colberg aus an Waldeck richtet; sie erscheinen elgenthümlich genng, nm hier 
beilänSg mitgetbeilt in werden. Er schreibt nn Waldeck: Schwerin habe 
ihm kürzl'ch dnrch Herrn v. Puttkammer sagen lassen, der Knrfnrst wünsche, 
dasB er nach Berlin komme, nnd zwar einerseits weil (wie er im Wortlant an- 
tührt): „l'Bleclenr vent, qae vons fenilletiez nn peu dans la bibijolheqoe poor 



Aj.oo»^Ic 



334 I^- ^^^ Dordiacho Krieg bis zdtd Vartrag von KÖDigeberg. 

dement, pour m'exempter de confusion) : si ne puJB je me Batisfaire 
du repos de nion äme, tnnt que je Tois les affaires de mon maitre en 
desordre et ce bon prinee point eeclaircy des discours assez chatoniU 



des raisoD qa'il tods dira" und ferner: „le petit pHoce commeDcera ä parier peu 
i peu; on vent, qu'il preoDS Aia sa jenneBae l'babitnde de la langne fraufoiae, 
en qaoy voaa pourrez aBsiater." — Vorerat proteatirt P. dagegen, dass maa eq 
glauben scbeine „que je auia quelqae grand Doctanr" — er bsbe in früher Ju- 
gend ein wenig Latein gelernt „et eoBaite eu quelqne teiotnre de la pbfloaophia 
Bcolaatiqne" — aber davon seien nnr noch Trümmer übrig; oar bin and her ohne 
AaawabI habe er seitdem noch ein Buch gelesen; nu er wlBae, das verdanke er 
„i la vae et ouye des choses du monde et ä nies reflexiona"; er habe seitdem 
einen so grossen Bbss gegen Bücher (besonders „de la crasse BColastique") 
„qu'il n'y a ficlion poetiqne, qai la past snrGaament descrire"; sein Vater habe 
ihm ancb in seinem Testament seinen Unwillen darüber spüren laasen. Den an- 
deren Vorschlag nimmt er mit Empfindlichkeit anr; vor etwa 36 Jahren hätte er 
Bich wol dazu eignen mögen; aber er sei crataunt, dass man ihm jetzt so etwas 
ZQmuthe; er Bollle dann wol ancb den jungen Prinzen TranzäsiBch lesen and 
schreiben lehren? „lellement que tant de temps et d'argent despense ponr roe 
rendre capable de servir des princes en choses solides abontiroit ä b^gayer avcc 
un enfant, qai ne parle pas, et ä faire cnsuite les susditB fonctiona, qui ne s'eier- 
Cent ordiuairement qoe par des pereonnes de la plua basse esloCfe". Er aieht 
diese Zumntbungen als eine Intrigne aeiner Feinde bei Schwerin an. Er habe 
die Sache bisher ganz mit Stillschweigen übergangen, aas guten Gründen: „le 
Premier a eat£ l'esperance, qae la proposition d'an traite avec l'Angleterre 
devant infaiiliblement r^nsair par l'agreation de S. A. El. et ne doulalit nulle- 
ment d'eatre empto;^ pour cet effect, comme me flattant d'eatre ponr ceste no- 
gociatioD antant ronmi ponr le moins de ce qui estoit requis qu'antre qai fast 
i la coar (en balanqant ane cbose avec l'antre, seit dit par parantbese), cela fast, 
dis-je, cause, qne, ponr ne rompre te col il mon dessein, je ne m'ingera; ä de- 
mander aacune Charge, outre qne par l'eBperance de cet emplo; je me propoaaj 
de ponvoir honorablement revoir les tant desir^es natione d'en bas et rendre en 
teile occaston a Hess, an Service plus important, qne moy on antre partiealier 
ofGcier ne ponrroit pent-eatre faire en tonte sa vie." Aasserdem habe ihn von 
Bewerbung nm ein Amt abgebalten „la conaideration de ma ü^b noire melan- 
colie, dont le snjet est si terrible et de laqnulle j'esperoia qoe Dieu me gu^ri- 
roit, en me faisant changer d'air et d'objecta". Er bittet wiederbolt> bei etwaigen 
Verhandinngen mit England ihn zn verwenden; kürzlich habe er Waldeok eine 
Schrift nberschickt, worin die Wichtigkeit einer aolchen Anknüpfong dargelegt 
wurde. Einige Monate später wendet sich Primerose von neuem au Wat- 
deck (dat Coiberg 6/15.Jn]i 1656) nnd erbietet sieb überhaupt Eor Verwendnng 
in diplomatiscben Sendangen jeder Art Es scheint nicht, dass man Ton dem 
Anerbieten Gebranch gemacht hat; doch bleibt Waldeck noch eine Zeit lang 
mit ihm in brieflicher Verbindung. Gegen Ende 1655 tancbt er einmal in Wieo 
auf; als G. v. Bonin als Gesandter dorthin kam (s. w. n.), traf er dort anch 
Primerose, der sieh an ihn wandte, mit der Bitte, ihm beim Kurfürsten die 
ErlanbnisB auszuwirken, seine Pension anch ansaerhalb der kurfürstlichen Land« 
Tersehren EU dürfen; übrigens sei er auch erbstig, „jeden untändlichen Dienst" 
aozunehmen. — Weiterbin ist er ans io den Aotan nicht mehr begegnet. 



„A^iOOt^lC 



Waldeck and Sobwerin. Primerose. 335 

lesi poar an si greand seigneur, doDt le doute ne lui eat pas eeule- 
ment faecbeux, mais aussy dangereux et ä moy fort pr^judieiable, 
Cest pourquoi je voua viens renouveller la memoire, que veuillez 
presser uiie assembl^ de quelques uns du Conseil ou de tout le corpa, 
ob paissiez produire lea d^aordrcB, que j'ay causez, et que je puiase 
fwre voir, que je n'ay autre passion daus cette affaire, que celle que 
maTcz enseignä avaot hier. 



Schwerin an Waldeck. Dat CöUn a. Sp. 8. Febr. 1655. 
(Arols. Ärch.J. 

|IbI Mit der ünterauchoDg einverBtaadeD. Weese und Primeroae. Entgegnang 
■nr Wftldeck's Vorwürfe in Bezug nnf die YRrbessernDg des FinanzweaeDS ] 

MoBBieur. Je connois I'advantage, que la veritö et la raison ont 18. Febr, 
(Jana la vie humaiue, et ayant jusquea iey gouvemö la mienne aelon 
cea deux maximes, je suis d'accord, que ce qui s'est passä demiäre- 
ment soit examinä rigoureuBcment par l'une et l'autre. Ausai c'ont est^ 
Celles, qui m'ont obligä d'ouvrir la bouche dans une affaire, oü il y 
alloit du bien du aervice de S. A. E. et oä Von taache d'augmenter 
de fraia ordinaires, ce qui tout seul me pourroit absoudre de l'accu- 
nation, que V. E. m'intenta au mesme temps, du dcsordre au meanage 
et de l'obBtacle que je mettois k aon redressement. 

De ne rien repartir daus une teile occaaioD, c'eust eatä un con- 
tretenpB, qui m'auroit sana doute ehargä de beaucoup de soupijon de 
la veritä, et il me fut ais£ de m'en exempter, puisque je n'avois qu'ä 
rappeller la memoire du paasä, pour monstrer, que je ne m'estois pas 
d^parti le Premier de l'ordonnanee faicte k Clere, et que je n'eatois 
pas coupable de son renversemeDt, ny que V. E. n'a jamais estä mes- 
conteote de moy d'avoir caus^ des depeuses, mais bien au eontraire 
de n'avoir pas Toulu consentir pour en ffure. 

Pour justifier ceste veritä, je me suia content^ d'alleguer l'exemple 
de Mr. Weea, et V. E. s'est hast6 d'adjouster celuy de Mr. Prime- 
roae. Si de cela il vous peut estre demeur^ quelque doute, il ne 
tiendra paa & moy, que rona n'en soyez cselairci devant Messieurs du 
Conseil, et j'aurois deaja faict moy mesme cette propoaition, si le bon- 
beur . . . ne nous avoit commandä pluatoat tout autre oecupation. 

Ausai m'importe-il d'entendre, eomment il me peut eatre imput^ 
avec raison, que j'empeacbe le redresBemeot du mesnage de S. A. £1., 
que je renrerse et hais les bonoes ordonnances, que je o'ay paa defer6 
aax bonnes admonitiona, que V. £. m'avoit faict de tempa en tempa 



Aj.oo»^Ic 



336 ^'- ^^"^ Dordiacbe Krieg bis zum Vertrag von KönigaberK. 

8ur ee Bubject etc., qui en vöriti sont de choseB, qui ne doirent pas 
laiHBer aucua scrupule dans l'esprit de S. A. £1. et dont la 
moindre meriteroit tVestre extreme tuen t ressenti et rigoureueement 
cbaati^ d'Elle, niais desquelles je me trouve absoiia par ma conecience. 



Waldeck an Scliwerin. Dat. Colin a. Sp. 9. Febr. 1655. 
(Arola. Arch.). 

[Porf^eBetzte Reibereieo.) 
Ifi. Ft-br. Messieurs du Conseil, en nous escoutant, eQaarout, ä qui de nous 
deux attribuer le plus les belles niasimca, qui fout l'ouverture de nos 
lettres. J'estime la reputation de mon maistre, son bien et son es- 
pargne, son advantage. Ma condition ne souffre poiut, que je serre 
d'accusateur , et r^asBumaot le suject du diseours passä et d§ ma 
soustenue, la justice de vogtre reparüe paroietra avee la raison, pour- 
qufly ne me rcspoudez point tur tout le contenu de ma lettre. Mais 
en attendant j'attends un peu d'c8claircisBement de ce que roulez dire, 
qu'ftvcz voulu eviter le soub<^n de la veritä, nn'importa'nt, de B^avoir 
rcsplication d'un terme qui semble chatouilleus. Je suis bien aixe, 
que Q'avez autre fonderaent que celui de Mr. Weeze, qui vous serve 
de sujet de vostre chaleur, qui est tres foible et encore moins fondö 
Ique?] tout le reste que pourriez alleguer contre moy. 

Si i'ay peu dire pour le pass^, que j'estois eatisfait de voua 
quant ä mon particulier, je s^^uray, si je le puis faire k l'advenir et 
apprcDdray ayec joye, quelle est la reserve, que tous faites dans 
vostre lettre. 

Einige weitere Hriere zeigeii, dftBs der ßeh. Rath sieb dta ZerwürfDiKbes 
aonnbrn. Soiunitz nod Uoverbeck wurden delegirt zar Verbandlaag 
awiBchen den beiileo Gegnern. — Die Sache epielt bis in den April 1655; 
das Resnltat erkennt man nicht; doch fand offenbar eine änsBerliihe Ver- 
söhn nng Statt. 

Protokoll des geh. Ratlis. Dat CöUn a. Sp. 24 Febr. 1655'). 

ü. Man. S. Cb. D. verlesen ein ächreibeu, worin notificirot wird, wobiu Schwe- 
dens Intent'). 

Quaeritur, wie sich S. Ch. D. verhalten solle. 

') Von dergleichen Protokollen des geheimen Rathes sind ans dieser Zeit 
DOr einzelne zerstreute Glälier erbalten; die meisten iuhalllich sehr uobedeatend; 
die Prolokolle worden schlecht und anrcgclraäesig geführt. 

*) Vermathlich eine von Dobrcsenski ans Stockholm eingetroffene De- 
pesche; vgl. Ort. u, Actenat. VI. 069. 



A-iOO<^IC 



Berat ha II gen und Vorbereituitgen. 337 

Graf TOM Waldeck: Kaieer'e Sobii, Herzog zu Neuburg, Sieben- 
bürgen Düd S. Cb. D. Beind bei Polen in Vorscblag. 

Polen suchen dem Churr. iu FreuGscn Eintrag za tban. Halt, wano 
es wegen des Eides gcF^rhehen könne, es mit Schweden zn halten. Interim 
Polen zn urgiren, was sie thun wollen. Mit Schweden zu tractiren. 

Herr «on Putlitz. 

Herr von Knesebeek hält, dass S. Cb. D. sich in Verfassung zu 
stellen, den Polen keine HüKo zu leisten, als so weit die Pacta verbinden. 
iDlerim mit Scbweden zu tractiren, sich aber nicht zu rerliefen, sondern mit 
der Lande Sicherung. 

Herr lloverbeck. Churr. kann üirb uff eigene Macht nicht verlassen. 
Nichts zu thun, so ni<?bt vcrantwortlicb. Der Eid kömmt in Consideration. 
Die Gerechtigkeit der Sachen werde bei Polen sein. Des Chnrf. Interesse 
kSone sich ehe mit Polen vergleitbeo als mit Schweden. Polen kann die 
SeehaTea nicht nehmen, kann keinen Krieg ohne Consens wider den Churf. 
anfangen. Schwedens Macht ist verdächtig; wollen Meister in der Ostsee 
werden; dazu müssen sie die Hafen haben .... 

Herr Somnitz siebet gleicbergestalt nicht, dass S. Ch. D. noch zur 
Zeit sich resolviren können, welche Partei zu nehmen, sondern Tractaten 
Eo eontinuiren. Uff einer Seite ist der Eid. Anders Theils der Zustand 
\a Polen; ob zwar grosse Macht, nehmen das Ibiige nicht in Acht, sehen 
Dff ihre Libertät. Bei Schweden seiud auch Consi de ratio nes, dass man ihnen 
nicht helfen könne. Besser also, dass es in vorigen terminis bleibe .... 
TJfT Mittel zn gedenken, wie Geld und Volk an die Iland zu schaffen. 

Cborfürst: künftigen Monti^ soll man hieven hauptsächlich trncti- 
ren. Mit Schweden ist hart zu tractircu. Polen ist noch besser. Wie es 
dahin könnte gerichtet werden, dass conaensn Polen, jedoch absque pacto, 
der Churf. etliche Ort occnpirte. 



Der KnrfUrst an Blnmenthal und Canstein. Dat. Colin a. Sp. 
26. Febr. 1655. 
(Coneept mit Correcturen von Waldeck)'). 
[Gefahr für Prensson; Verwicke langen zwischen Russland, Polen, Schweden; 
evcDt. Ansprach des Kaisers. Beschlossener Harsch nach Prensson. Auffor- 
derang Geld und Trappen aufzubnugen Vierzehn Fr^punkle. Qrösste Qeheim- 
haltung.} 
Wir haben Euch als Unseni geh. Käthen in sonderbarem Vcr-H. Mär 
trauen und dass es in höchster Veracbniegenheit gehalten werde, hier- 
durch in Gnaden zu TCrnehmen geben wollen, dass Wir bei der etar- 

■) Joachim Friedrich von Blnmenthal, Statthalter des Fürsteathnnis 
n*lberatadt. Bahao von Canaiein, Amtskammerpräsident nnd der Halber 
■tadter Begternng attachirt. Ein gleicblantendes Schreiben anch an Graf 
Wittgenstein, Statlballer des Pürstenlbams Minden. 

Itmut. >, Goch. d. Or. Kurninieu. Vll. 22 



A-nOO»^lc 



338 ^^- '''"' nördliche Krieg bis tarn Vertrag von EÖDigsbei^. 

ken Armatur, so hin und wieder auf des Reichs Boden und an Un- * 
serer Laode Grenzen vorgehet, sonderlich aber der grossen Macht des 
Moscowiters, der Überaus starken KriegsrOstung im Königreich Schwe- 
den und dann der schlechten Anstalt, so dagegen im Künigreicli Polen 
und Yomeiindicli im preussischen Antheil bis in Gegenwart gemachet 
wird, Ims nicht in geringer Gefahr befloden, zumal die Victorie des 
Moscowiters nicht weniger Unseren als des Königreichs Polen Ver- 
lust nach sich ftihret und der Krone Schweden das bisliero gehabte 
Glück den Appetit und Verlangen nach Unsern preussischen Se^ 
hafen, welchen sie nicht wenig bezeugen, wie Wir von Unserm Rathe 
Dobrczenski berichtet werden, je mehr und mehr erwecket, die Kroa 
Polen aucli, wie gleichergeslaU rorgegeben wird, den Frieden mit 
Schweden zu erhalten, demselben Unsere Seehafen hiowegzugeben ge- 
meinet sein soll, in Hoffnung einer grossen Victorien gegen die Mob- 
cowiter in BUndniss mit ihnen, den Schweden, zu treten und hernach 
wol alles hin wegzunehmen sich geltlsteu lassen niUchte. 

Hierüber ist Uns auch vorkommen, ob sollten die Polen den Kai- 
ser zu Hilfe zu rufen geroeint sein, welches denn nicht weniger Ge- 
fahr, der PrfitcDsion halber, welche sowol das Beich, als das Haus 
Oesterreich auf Unsere preussische Lande vorgeben, nach sich ziehen 
mochte. 

In Erwfigung nun dessen allen befinden Wir hßchstnöthig, allen 
möglichen Anstalt zu machen und Uns in solche Bereitschaft zu stellen, 
dadurch Wir Uns solcher grossen vor Augen stehenden Gefahr, wo 
nicht gänzlich, doch in etwas zu entachfltten ; haben auch 'zu dem 
Ende einige von Unsern Oberrathen aus Preussen anhero zu Uns er- 
fordert gehabt und mit denselben berathschlaget, wie in möglichster 
Eile eine nöthige und nachdrückliche Verfassung solcher Gefahr ent- 
gegenzustellen. 

Nachdem Wir aber befinden, dass Unsere Stände des Ortes zum 
weitläufigen Landtage incliniren, auch genügsame Nachrieht vorhan- 
den, dass daselbsten einige Leute sein, die es zu hindern suchen, und 
dann an Besclileunigung dieses Werkes und Gewinnung der Zeit, wie 
einem jeden, der bei Kriegen herkommen, bekannt, sehr viel, ja all« 
gelegen sein will: als haben Wir Uns entschlossen . . . etliche tau- 
send Mann in Preussen zu fuhren und mit denselben die vornehmsten 
Pässe, dadurch Wir Gefahr zu vermuthen, zu besetzen, damit selbigem 
Land nicht einem jeden ofTen stehe. 

Ob nun wol Wir bis zu 4000 zu Fusse, ohne Enthißssung Unserer 
Garnisonen, inner vier Wochen Zeit zur Hand haben küni 



,\jOO' 



BeratLnngen und Vorbereitungen. 339 

ZU 600 Pferden zu gelangen verlioffen, so ist (l(»eli dasselbe gegen 
eioer solchen Macht, 8o voratehet, viel zu wenig. Deiowegen Wir 
Euch denn hiermit gnfid. coniinittiren wollen, nicht allein Vorschläge 
zu thuD, wie des Ortes in Unserm FUrstenthum Halberetadt 1000 zu 
FusK und noch einige Heiter sonder Beschwer der Unterthanen bei- 
zuschaffen, so zu erwähntem Zwecke inner der nächsten sechs Wochen 
bereit »ein mögen, und daneben ein gut Stück Geld in Eile aufzu- 
bringen; sondern auch Uns Eure unterth. getreue und pfliehtmässige 
Gedanken Qber nachstehende Puncte unverlängert zu eröffnen. 

1) Ob Ihr nicht nöthig und gut befindet, dase Wir Uns dergestalt 
wie gedacht in Preussen verwahren? 

2) Ob Wir Uns in Persou sobald hinein zu begeben? 

3) Ob Wir Uns zwisclien Polen und Schweden zu interponiren 
und durch solche Armatur den Succese kräftiger zu machen? 

4) Ob Dicht Polen zu pressiren und zu weisen, wie sie den Ver- 
lust Unserer Lande verhüten können? und sofeme solches erschiene, 
ob ihre Partei zu nehmen, oder Schweden sonsten zu bewegen, dass 
sie Unsere Lande ungeirret lassen? 

5) Was fbr Conditiones auf solchen Fall zu machen ? 

ß) Wie Wir, ohne Uns mit einer Partei zu engagiren, in Sicher- 
heit bleiben können? 

7) Wenn Polen und Schweden wider Uns einen Schlnss machten, 
was alsdann zu thun? 

8) Wann das Eünigrcich Polen sich thcilen wollte, und Uns ein 
Theil sich ergeben, wie darbei sich zu verhalten? 

9) Ob alleine Wir etwas vorzunehmen, oder mit Schweden des- 
wegen etwas zu tractiren und mit ihnen zu theilen? 

10) Wenn Polen und andere gegen der Schweden Dessein Uns 
beistehen wollten, wie im Reiche Sicherheit zu finden, dass in denen 
Landen, so Uns daselbslen zustehen, Wir nicht angegriffen werden? 

11) Wie man es indessen in Reichsgeschäften anzustellen, damit 
man nicht an beiden Orten in Unruhe stehe? 

12) Wie es auch wegen der Wahl eines Römischen Königs zu 
halten, wenn indessen etwas vorkommen sollte, und wie solches Werk 
zn unterbauen? 

13) Und dann sonderlich, weil man weiss, dass in Polen man 
sehr nff des Kaisers Sohn bei Vacanz derselben Krön zielen 
wird, ob es Unser Interesse zulassen möchte? Auch womit und wie 
solches zu hindern? 

22« 



;dovGoOt^lc 



340 "' ^^' DDrdiscIiD Krieg bis Eom Vertrsg von Königsberg. 

14) Wie deme zu begegnen, dass der Herzog zu Neuburg der Un- 
ruhe in Preussen sieb nicht bediene? 

Und weil Gefalir beim Verzuge, werdet Ihr Uns aufs eiligst auf 
die erate Fragen Eure gründliche unterthäuigste Gedanken Übersen- 
den und auf die Übrigen mit dem ersten einkommen. Als auch, wie 
obgedaclit, au der Secretesse dieses Werkes viel gelegen, werdet Ihr 
Euch dieselbe äusserst lassen recommandiröt sein. 

P. S. Damit von gegenwärtigen Sachen auch ins künftige nicht 
etwas auskommen mßge, sondern alles in summo secreto verbleibe, 
so ist Unser gnäd. Wille, daes Ihr dies Unser Schreiben bei Ueber- 
schreibung Eurer Bedenken Uns zugleich zu selbst Händen wieder 
mit Uberschicket, auch keine Abschrift davon an Euch behaltet. 



Blumenthal und Cansteln an den Kurfürsten. Dat. Halber- 
stadt 2. März 1655. 

13 Mars Erste Antwort auf das beute eingegaogeue kurf. Schreiben — sie 
billigen den Plan der RlJEtung und lassen sieb dano weitläufig darüber ans, 
wie man in Halberstadt zn dem gelangen könne, was der Knrfurst fordert 
— freilicb werde es sebr schwer fallen, das Gewünschte anfzubringen. 
Reiterei nameDtlicb ist gar nicht zu BchafTcn. Eingehende Antwort anf die 
vorgelegten Fragen wird vorbebalteo. Diese folgt dann in dem Scbreiben: 



Dieselben an den KurfUrsten. Dat. Halberstadt 11. März 1655. 

(Blumeuthal eigenh) 
|Die Gefahr im Norden; der Earfürst miiBB selbst nach PreaeBen; grosse Trappen- 
zahl nöthig. BedeobeD gegen eine TheiluDg PoIdds. Der Pfalcgraf tod Neu- 
bnrg aogetäbriich. Die RaiBsrwahl.] 
rz Aasführliche Erdrterongen über die Möglichkeiteo der nordiscben Ver- 
wickeloDg. Will Schweden gegen die Moscowiter, gegen die Polen? Jeden- 
falls ist die Gefahr für Preussen sehr gross. Sie rathen dem Knrf. sehr, 
selbst nach Prenssen zu geben und die Angelegenheiten dort in die Hand 
zn nebmen. 

Mit der von dem Kurliirsten angegebenen Zahl aber ist nichls gethan 
— es bedarf wenigstens 10,000 M. z. F., 3000 z. R. and 1000 Dragoner, 
und das kostet, ohne die Werbegelder, mooaMich 80—90,000 Thir. 

Ist es möglich, aicb zwischen Polen und Schweden zu interpooiren, 
ao ist das besser, als selbst mit in den Krieg za gerathen. 

Betreffend die 8. Frage, wegen einer etwaigen Auflösung des König- 
reichs Polen, so sei der Kurfürst allerdings dem König von Polen mit 
Bidespflicht verwandt — ^so lange nun die änssersten Kettnngsmittel von 
allen Tbeilen nicht sein employiret worden und man noch nicht nnbeileu 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



Berathangen tind Vorbereit nogeo. 341 

kaoD, dass der Verlust dieees Känigreicbs aus Verhängniss Oottee her- 
komme: so lange müEsen trir auch fast aastefaeu, ob aaii solcher Resolation 
einiger Saccese mit genUsem Paadament kana gehoffet und mit gnter Con- 
scienz eolcbe Theilung könne angetiomineu werden." Weitere Brwägangea 
über den Modus einer etwaigen Theilung; comtnunio muter risarnm. Was 
durch Krieg gewonnen, wird auch nur dnrch Krieg vertheidigt; und nimmt 
der Knrf. eine solche Acqnisition an, ,so werden B. Ch. D. bei dieser Re- 
Bolotion auch eugieich sieb entschliessen and Teststellen (nÜEsen, entweder 
gegen Schweden oder einen jegJiahen, der Jalousie über Ihre (JIrossheit 
bitte, den Krieg, so lange Sie in dieser Welt leben blieben, zu coniiDuireu 
oder alles gewonnene mit Schimpf wieder zu verlieren .... Dabero wir 
denn vor itzo und so lange wir von obigem alleu keine mehrere particn- 
laria wissen, nicht rathcn können, dass E. Ch. D. noch zni; Zeit sich mit 
Schweden in dergleichen Theilung oder Vergleicbuog einzulassen btttten, 
in Betrachtung dass doch die»<elbe nicht viel besser als die, so der Löwe 
mit dem Fuchs anging, ablaufen würde." 

In Bezug auf etwaige Besorgnisse vor dem Neubnrger während der 
nordischen Verwickelung darf man sich beruhigen — er bat keine Solda- 
ten, er hat nicht '/> von dem geiiorben, was man in Berlin gemeint hat, 
and hat überdies Schwierigkeiten mit seinen Ständen; man batBlumenthal 
iue Cöln geschrieben, alles was der Neuburger geworben, seien nicht 
mehr als 200 Reiter und 300 M. z. F. 

In Bezug auf die Kaiserwabi (N. 12) erklärt Blumeuthal, er wolle 
eich damit nicht noch einmal die Finger verbrennen. 



Das Gutachten von Wittgenstein, dat. Petershagen I5.|25. März • 
1655, hält sieb ganz im Allgemeinen, indem er vor jeder lebhafteren nnd 
Eelbständigen Action warnt. 

Der KürfUrBt an die Geheimen Räthe. Dat. Ciillu a. Sp. 
26. Febr. 1655'). 

lAoCTorderong zur Ueantwortung von 26 FragpunkteD.] 
Seine Churf. Durclil. zu Brandenburg pp. unser gnädigster HerrS. Mar 
begehren Aber folgende Puücte dero geheimbten Herren Käthe schrift- 
liches Bedenken und solches in Löchster Verschwiegenheit zu hallen. 
1) Weil der getroffene Stillstand zwischen Polen und Schweden 
Bich allererst den 1. Juli des 1661. Jahres endiget, und auf Seiten 
Polen kein Friedensbrucb zu vernehmen, vielmehr aber diese Krön 

') Unter den zahlreicheo Abschriften, die von diesem Actenetücke vorbanden 
■iod, trägt eine das obige Datum ad marg., die andern sind nndatirt. Demnach 
■ären diese 26 Fragen an die geheimen Bäthe wol gleichzeilig gestellt mit den 14, 
<iie nur an Blumenthal, Canatein und Wittgeastein gerichtet wurden; 
d«B lelEtereo scheint dieses ausführlichere Sthrirtstück nicht zugegangen 
M lein. 



A-nOO»^lc 



342 ^'' ^^^ Dordische Krieg biB lutn Verirag vod EöDJgeberg. 

den ewigen Frieden, den pactis gemäss, urgiret, auch, da fiber Zuver- 
sicht von derselben, dem Stilletand zuwider, etwas sollte gehandelt 
. oder noch künftig gehandelt werden, in den pactis ein gewisser Mo- 
dus vorgeschrieben, wie ohne Waffen aus der Sachen zu kommen: 
ob dann zu praesumiren oder zu besorgen, dass die Krön Schweden 
brechen möchte, und was vor Motivea und Rationen dieselbe darzue 
zu bewegen oder davon abhalten könnten? 

2) Es besaget der StillstandevA-gleich , dass Sr, Ch. D. Herrn 
Vaters Ch. D. christscligen Angedenkens selbst Versicherung gethan, 
dass solcher Stillstand gehalten werden, und aus den prenssiBchen 
Porten den Schweden kein Schaden gescheheD sollte: ob dannenhero S. 
Ch. D. nicht schuldig, es auch ihr Staat erfordere, dieser Versicherung 
getreulich Dachzukomnien und durch alle Mittel und Wege allen Arg- 
wohn und Muthmassen, das Widerspiel geschehen zu lassen, oder selbst 
zu procuriren, zu verhüten, auch der itzigen Kön. Maj. in Schweden 
solches alles, wann es nötig, zu erkennen zu geben? 

3) Wann aber hiernächst verlauten und vor gewiss geglaubet 
werden will, dass, ungeachtet die Bremische Unruhe gestitlet'), die 
Krön Schweden dennoch in allen ihren Landen, auch ausserhalb ihrer 
Landen, stark werben und viele Uegimenter zu Ross und Fubs 
richten lasse; dann auch, weilen mehr als zu wahr, dass Ihre Maj. 
in Polen einen mächtigen Feind, den Moscowiter, wider sich haben, 
der albereit ziemlichen und grossen Progress gehabt und noch wei- 
ters haben könnte, wogegen die Polnische Arm^e in nicfat geringer 
Confusiou sich befinden und uneins sein sollte; auch vorgegeben wird, 
welches man allerdings nicht glauben will, dass Ihre Maj. sich des 
boni public! wenig annehmen und desswegen mit den Senatores und 
Ständen fast zerfallen; wanuenhcro gefürchtet und besorget werde, 
dass erwähnter dieser Feind immer weiter gehen und sich in kurzem 
des gröBSten Theils Polen bemächtigen 'möchte; und dann, dass die 
Krön Schweden bei solcher guten Occasion sieh, unter was Schein 
es immer sein wollte, mit diesem Feind conjungiren und endlich den 
König um Krön und Scepter, die Stände aber um ihre Freibeil 
bringen könnten; dass also von verschiedenen Orten vor gewiss wolle 
referiret werden, dass Ihre Maj. in Polen, nicht nur unter der Hand 
durch Schreiben uml heimliche Botschaften, sondern auch endlich 
durch Herzog Friedrichs zu Holstein F. D. dem Könige n 
Schweden zu verstehen gegeben, wann derselbe den Moscowiter ns 

') Vgl. Urk. u. Acteoat. VI. (Jäö. 

DqitzedHyGoOt^lc 



BerathnDgen und Torbereit ungeo. 343 

dem Reiche bnDgen, die occupirte Oerter ihme hinwieder abnehmen 
aad der Krön Polen restituiren wUrde, dass Sie alsdann nicht allein 
anf das Königreich Schweden renunciren, sondern auch ganz Lielland 
und das Dominium auf PreuBsen und Curland der Krön Schweden 
cediren wollten. Zu geechweigen, dass von vielen Jahren iiero, wie 
die Acta davon reden, am polnischen Hofe wider das Haus Bran- 
denburg ganz gefährliche Consilia gcftllirct worden, die dahin gangen, 
wie man dae Herzogthum Freussen von solchem Hause abreissen 
möchte: 

So wird zu deliberiren sein, 1) wie ä. Ch. D. es anzustellen, 
duB Sie bald hinter den rechten Grund dessen alles, was von diesem 
Pnnct erzählet worden, kommen möchten; und dann 2) was hierauss 
Sr. Ch. D. vor Despect, Gefahr und würkliehen Sehaden entstehen 
könnte? 

4) Fosito DuD, es könnte aus der Schweden Armatur und ihren 
Proceduren beigebracht oder bestendigs vermuthct werden, dass sie 
bei solcher guten Occasion, die hemächst calva sein möchte, sub quo- 
vig praetextu den Süllestand brechen oder doch aufs mindeste dem 
Feinde Zuschub thun, oder auch auf mancherlei Weise ein Misstrauen 
verursachen würden, als ob sie brechen, die preussische Hafen oeeu- 
piren und den alten Weg gehen wollten ; es wäre auch der polnische 
Znstand ao elend, dass König und Krön daraus sich nicht wickeln 
könnten, sondern mtlssten ex duobus malis das minimum erwählen, 
ond entweder den Kaiser, auch andere benachbarte Potentaten, wie- 
wohl mit schlechtem Vortheil, zu Hillfe rufen, oder mit der Krön 
Schweden gänzlichen Frieden treffen, erwähnte spöttüche Conditionen, 
ibnen und Sr. Ch. D. zum grossen Despect und Schaden, einge- 
ben und sich mit Ihr conjungiren : so ■ wäre zu ponderiren und 
wohl zu überlegen, was S. Gti. D. bey diesem gefährlichen und zwei- 
felhaften Zustande, auch ganzem Werke vor einen scopum zu ergrei- 
fen und zu führen, darnach die Consilia zu richten und alle occa- 
Btones zu attendiren und zu gebrauchen? 

5) Als nehmlich, ob anfangs dies Sr. Ch. D. Zweck sein könnte, 
dass Sie nur bei dero Fürstenthumbem , Landen und Leuten, derge- 
stalt dass keine Hafen, Vestungen, Städte und Häuser von einiger 
Partei occupiret, die fürstliche Intraden nicht geschmälert, noch gar 
eingezogen, noch die Unterthanen in Contribution gesetzet, oder aber 
das platte Land auch verbra.'nt oder geplündert würden, verbleiben, 
und sich dabei defcndireu, niemandem aber assistiren oder Ursache 
zur Offension geben wollten? 



^aovGoOt^lc 



344 ^^- ^^^ nordische Krieg bis cum Verlng von Königsberg. 

6) Oder ob Sr. Ch. D. zu rathen, dass Sie, falls einige Occa- 
BioD sich praesentiren thäte, oder auch wann dies nicbt wäre, Sie 
selbBteo auf gute Oceaaion zu gedenken Ibro vornebmeu, sich der Pol- 
nischen Beschwerden, genossener Lehnwahre , derer ComraisBionen, 
Appellationen, Grenzstreitigkeiten, und was des Dinges mehr ist, 
gänzlich zu entscblitt^n und davon zu entfreien; 2) oder, da solches 
nicht zu erlangen, dass Sie votuui et sessioneni bei den Polnischen 
Reichstagen, sonderlich bei einem Interregno, bekommen möchten, zu 
dem Ende, dass derjenige, so das Königreich haben wollte, Ursache 
hätte , auf S. Ch. D. zu sehen und derselben hinwiederum zu Ihren 
Zweck zu verheffen sieh obligiren mtlsste. 3) Wie S. Ch, D. mit 
Ihren Ständen in Freuseen in besserem Vernehmen und Vertrauen 
sich zu setzen, und auf was Weise Sie freiere Hände zn be- 
kommen. 

7) Oder oh auch S. Ch. D. bei diesem Wesen den Zweck neh- 
men wollten, wie Sie über dem, so erzählet worden, data occasione, 
ein mchrers acquiriren und Ihre Lande erweitern möchten? 

8) Gesetzt nun, dass dies Alles Sr. Cb. D. eigentlicher Zweck 
sein sollte, so mtlsste wohl ponderiret und überleget werden, 
wie S. Ch. D. dazu zu gelangen, worinnen am ersten zu vigiliren, 
und was zu Anfangs vorzunehmen, was Sr. Ch. D. zuträglich, und 
was höchstschädlich und verhinderlich sein könnte? Item, auf 
was Weise S. Ch. D. bei einer und andern Parthey sieb zn 
verwahren, damit von den beiden letzten scopis nichts gemerket 
würde? 

9) Und zwar, ob nicbt von der Defensions- Verfassung, sonderlicb 
in Preussen, der Anfang zu machen? 

1. wie dieselbe beschaffen sein mfisse? 

2. wie solche aufs schleunigste einzurichten? 

3. wie es mit den Oberräthen, Hauptleuten und Ständen aniu- 
atellen, dass sie bald und willig zu contribuiren? 

4. wie ohne grosse Beschwer der armen Unterthanen solche Ver- 
fassung zu continuiren? 

5. Ob nicht nöiig, dass S. Ch. D. von hier aus jemand in 
Preussen voran sendeten, der bei den Oberräthen öfters 
Instanz thätc und sowohl dieselbe, als auch die Uauptleute 
und andere Stände und wohlaffeetionirtc zu Sr. Ch. D. lo- 
tention mit allen dienlichen rationibus und demonstralioniboR 
praeparirte auf eine andere Occasion, deren S. Ch. D. 
sich zu bedienen; item auf Vortbeil und Verhindemiss gt- 



A-nOO»^IC 



Berathan^eD und VorbereiluDgen. 345 

naue Acht hätte, S. Ch. D. davon von Posten zu Posten 
avisirte, damit dieselbe ferner die Nothdurft beföi'dern 
könnten? 

6. Ob es nicht ratheam, weil die Herren Oberräthe »olches 
selbst etliche Mal geratben und inständigst unterthänigst 
darum gebeten, dase ü. Ch. D. selbst in Preuseen giengen? 

7. Was dero. hohe Praesenz daselbsten nutzen und operlren, 

8. Ihre Absentia aber verabBäumeti und verhindern könne? 

9. Ob S. Ch. D. mit einem geringen Coniitat, oder mit einigen 
Völckern dahin zu gehen? 

10) Ehirch welchen Weg am sichersten durchzukommen? 

11) Wann die VHlckcr zu unterhalten den Preussen zu schwer 
Mcn wollte, auf was Weise S. Ch. D. den Polnischen Anlheil zu 
Holfe nehmen könnten, und was fllr Mittel daraus zu ziehen? Ob auf 
Generalmittel zu gedenken, oder auf ein freiwillig Subsidiuni auf et- 
liche Monat oder Jahre? 

12) Weil auf Legationen und Schickungen, auch sonstcn, ziem- 
liche GeldpOBten gehen werden, woher dieselbe zu nehmen? 

13) Wie es füglich anzugreifen, dass alle Sr. Ch, D. Lande 
also mögen vereiniget werden, damit auf allen Nothfall den be- 
drSngien die anderen einniüthiglich assistircn thäten? 

14) Wann die Krön Schweden durch Sr, Ch. D. Lande, sonder- 
lich durch Pommern, den Pass begehren sollte, was zu thun? 

15) Ob schwedische Werbungen in Preussen und allen Sr. Ch. 
D. Landen zu behindern, oder ob in etwas durch die Finger zu 
«eben? 

16) Ob S. Ch. D, zur Interposition zwischen Polen und Schwe- 
den sich nochmals zu erbieten, und wie dieselbe fUgUch anzu- 
stellen? 

17) Wann die Interposition sollte abgeschlagen werden, was hier- 
nSchst bei Ihrer Maj. in Polen zu tliucn? 

18) Was bei den Senatoren und Ständen ingcsammt zu suchen? 

19) Was bei einem und andern privatim zu negotiiieuV . 

20) Wann der König in Polen die Ucborlassung des Cliurfürsll. 
Tentschcn Volkes, Sr. Ch, D. persönlichen Zuzug, und das gemeine 
Aufhot des Landes begehreu sollten, was zu thun? 

21) Ob bei Siebenbürgen etwas zu suchen? 

22) Wie man sich gegen den König in Schweden zu betragen, 
wann derselbe begehren sollte: 

1. Freund- und gute Nachbarschaft, 



^aovGoOt^lc 



346 'I- ^^^ Dordtscbe Krieg; bis tum Vertrag tod Eöaipber^. 

2. Keutralitat, 

3. die PreussiBchen Hafen uder sonsten ein Theil von den Pren- 
ssischen Landen, mit Versprechen, etwas anders daftlr za 
achaffen ; 

4. Oder was zu tUun, wann Schweden dergleichen nicht begeh- 
ren, Bondem Bich stellen sollte, ab ob es den Stillstand hallen 
wollte? 

23) Ob bei Herzog Priedricba in Holstein F. D., deren die 
gänzliche Interpositiou aufgetragen sein soll, etwas zu suchen? 

24) Wag zu thuD, wenn es gewiss ausbrechen sollte, dass Polen, 
sonder Sr. Ch. D. Vomissen, das Preussische Dominium directum ce- 
diren wollte? 

25) Was am Kais. Hofe zu thun, sonderlich bei künftiger WaU 
de« Römischen Königs? 

26) Wann von Sr. Ch. D. eins und das andere resolviret, wie es 
anzufangen, dass die Resolution in höchster Verschwiegenheit gehal- 
ten und alles nachdrücklich exequiret werde? 



WaWeck, Gutachten über die politische Lage. 
(o. D. Eigenh.)'). 
[Bcaotwurtuag der 36 Fragpuokte des KarrüraUo.) 
z 1) Ob ZD TermathcD, dass Schweden den WaffenstilUtaad 

Diit Polen, der erst 1661 zu Eode gebe, brechen werde 
und welche Motive sie dazo bestimmen oder davon ab- 
halten kÖDnen. 
W. erörtert zunacliäl, dass naf Haltung der Iridncien von Seiten der 
.Schweden keine grosse Hoffnung zu setzen ist — die Lage Schwedens, der 
Charakter des Königs weisen auf das GegentkeU hin; die grossen RUsIdq- 
geu, die man jetzt dort maebeu siebt, können keinen andern Zweck babea 
uls den Krieg gegen Polcu. 

2) Ob der von Sr. Ch. D. Herrn Vater sei, eingegangen» 
Stillstand zu halten, und ob S. Ch. D. scbnldtg, was 
dagegen Turgehl, zu hinder,u und den Schweden zu oo- 
tificiren. 
Zu LctEtereni ist nach W.'s Ansicht der Kurfürst nicht verpflichtet. 



') Kin sehr nralänglicbeB ActeoBtiick (»2 Seiten rol.) von Waldeck eigen- 
händig mit vielen Correcturen geschrieben. Wir geben aus demselben oor eioee 
Auszug. Rauchbar p. bGd. bat mehrere älinliche Äcteustücbe benotst, daifW 
liegende aber nicht gelianat. 



BeratbDDgsD und Vorbereitangen. 347 

3) Die Gefahren des Kurfürsten dadurch. 
Die elende Lage Poleua ist allbekaoiit — nenn nan hier Schweden, 
dort Moskowiter gegen dasselbe losbrechen, so ist „dnrch der Eron Föten 
OliDveisheit" natürlich auch Freussen in die höchste Gefahr gesetzt. Na- 
türlich wird Polen, wenn es sich selbst dadurch helfen kann, die Häfen des 
Kurfürsten den Feinden nnbe den klioh dahingehen. Dem KCoig von Polen 
ist ohne weitereg znzntranen, dass er etwas tbut, „dadurch die Eöoigin 
einen Vortheil and der König seines Unterhalts vor sein Lebtag versichert 
Ml, da er von den Ständen sich so beschimpft siebt, keine Erben bat und 
die Königin ihn ganz regiert, welche nichts als Geld suchet." Daher ist 
die Gefahr für Pillau und ganz Pieuasea sehr gross. 

Der Kaiser wird auch ins Spiel kommen, wird unter dem Vorwaud, 
Polea zn helfen, eine grosso Armee auf die fieine bringen „und hernach 
mit Gewalt seinen Sohn znm Rom. König machen, das alte in des Ganz- 
lers Ulms Bedenken') befindliche Desseiu ausführen, E. Cb. D. neben alten 
Evaagelischen Ständen am Gewissens- und andere Freiheit bringen," 

Der Herzog von Neu barg wird dann auch nicht feiern. So dass also 
„Dicht allein Preasseu in Gefahr, sondern dero Chur und alle dero andere 
Lande in Noth, wenn nicht dazn getban wird, Schand nnd gewisser Scha- 
den also zu vermnthen." 

b) Ob für den Ohnrfürsten besser nur defensiv oder auch 
offensiv sich zu verbalten. 
Anch znrDefension gehören Truppen, die, wenn man sie im Laud nn- 
terhalien will, dieses erschöpfen und viel Geld kosten und das Land in 
Schulden bringen etc. Zunächst aber soll man doch sich in der Vertbci- 
digong resp. neutral halten — „denn so grosse Ehre, ein Land zu couser* 
Tiren, als eins zn gewinnen; bei diesem hat das Glück den meisten Tbeil, 
bei jenem erscheint der Verstand." Wird dann durch den Gang des Krie- 
ges die Defensionsverfassnng allroälig unerträglich und die Schulden zu 
gross, so mnss map eine andere Resolution ergreifen. 

6) Ob der OhurrUrst sich dabei der Obligation bei Polen 
erledigen soll, oder etwa sich Sitz und Stimme beim 
potniachen Reichstage erwirken; ob man dabei mit den 
preuBsischeu Ständen in ein besseres Verhältniss kom- 
men und freiere Hände bekommen kann. 
Das Verhältniss zu Polen ist allerdings sehr nnerträgüch ~~ dass der 
Kurfürst, ein Herr so vieler Lande, dort in Prenssen abhängig sein soll von 
einem König, „so durch Faveur der Senatoren, Oorruptionca u. dgl. zu 
einer Krön kommt, darin er selbst so viel als nichts zu sagen hat." 

Kommt der Kurfürst davon los. so kiiuo er in Preussen, ,wie ein 
rechter Regent nach dero Belieben das Regiment fuhren", auch im Rei.h 
und soDst ganz auders auftreten. 

Es würde wesentliche Ersparungen bringen; d;ig Annuum hörte auf; 

') D. h. das sogonsnate Struleodo rösche Gutachten vom J. lUOS; vgl. über 
duselbe die Abhandlnng von Droysen, Abiiandlungeu der Kgl. Sachs Gea, 
d. Wiss. VIII. 361fr. 



Aj.oo»^Ic 



348 ''- ^^' nordieche Krieg bis Kam Vertrag von Kdoigsberg. 

ebeoEo die Belebnaogskostea, die BestecbuDgen am Hof in WarEchao; die 
Participatioü des Zolls würde ein für allemal rerbütet sein — „eDdlicb 
E, Ch. D. wären der erste, da Sie jetzt der zweite sein." 

Allerdings hat der Enrfüri>t den Lebnseid geBcht?oreti ; aber Polen hat 
seine Verpflichtungen auch nicht gehalten'). Zudem kommt das Interesse 
der Bvangelisrben gegenüber den Katholischen in Betracht. 

Der Kurfürst Ist auch ein Fürst im Reich — wer darf ihm zumntben^ 
seine Lande im Reich in beständiger Gefahr zn halten, wenn er vermag 
es KU äadem ? „So lang Sie nun von vorbesagter Obligation von Polen 
nicht los sein, miisscu Sie der Ohoweisheit der Polen sowohl als der Vor- 
sätzlichkeit Ihres Feindes halben jederzeit in Gefahr stehen." Ueberdies 
„die Obligation nutzt der Republik in Poleu nichts, sondern bringt nur dem 
Könige und geldgeizigeu Senatoren Vortbetl" — während es ein allge- 
meines Interesse der gesanimten Evangelischeo im Reich ist, dass der Kur- 
fürst möglichst freie Hände habe. 

Einstweilen kann es eventuell auch gut sein, wenn man nur die Sessipa 
auf den polniscben Reichstagen erlangt. 

(Sehr wichtig i^t, sich mit den preussiEchcn Ständen in besseres Ver- 
trauen za setzen — „zu allen Zeiten ist die Liebe der Unterthaneu vor die 
grösste Stärke eines Herren geachtet worden." Wie ist aber dies zu macheu? 
Durch „Verehrungen" au Einzelne wird uichts Gutes bewirkt; das reizt nur 
zur Wiederholung — „gleich wie einem Pferd, wenn es ein Ohnart an sich 
nimmt, durch Woltbun und Haber geben das Stiickclien, darüber es das Gute 
genossen, mehr zu thuu angewöhnt wird". „Gutthatea" können wol aoge- 
wandt werden, aber nicht zur Belohnung der Untugend, sondern als An- 
reizung zur Tugend. Der Kurfürst soll den preossischen Ständen in Bälde 
einen Landtag versprechen, einige Gegner mit Gnaden oder Vertröstungea 
gewinnen, so die Unwilligen zähmen etc. — Auf -diese Weise kann der 
Kurfürst dort allmälig freie Hände und ein festes Regiment bekommen. 
T) Ob der Kurfürst suchen soll, „bei Gelegenheit dero 
Laude zu erweiternd' 

Im Allgemeinen ist ein solches Bestreben nicht zu missbilligen, wenn 
es auf gerechte Weise geschehen kann; schliesslich kommt es auch bei der 
gerechtesten Sache auf den Erfolg an; —einige Grenzörter aber, wenn es 
i'ich bietet, könnte man gewiss mit Recht nehmen zur Erstattung der 
Kosten. Die Frage ist jedoch nicht im allgemeinen zu entscheiden. „Sonst 
findet man, dass der Conquerenteu Lob mehr ausgestrichen wird, als deren, 
so die Häude in Schoss legen". 

8) Wie dies nun des näheren einzurichten? 

Es kommt aii auf Truppen, Artillerie, Geld, Alliauccn, gute geeignete 
Käthe, Schickungen an alle Betheiligten, fleissigc Berathungen und Ueso- 
lutiouen, „gute Ordnung und Direction"; Verbindungen in den anzugreifen- 
den Landeu. 

Der eigeulliehe Scopus ist zu verbergen — freilich, wenn auch andere 

'j Ueber die Frage des Lehnseidcs Vgl. auch dis ICrÖrtemDgen Waldecb'a 
bei Kauchbar p. 62f. 



,A^nOO<^IC 



BeralbnDgeo aod Vorbereitungen. 349 

Diebta gewisECB darüber errahren, „Mathiiiaseangen Keiiid nicht zu vermei- 
den". ^Das Mittel aber, dadarch so Ttel möglich es na verbüleo, ht das 
Anerbieten der loterpositioa, und das» man bei vielen Ratb eiubolt" etc. 
9} Hit der DefensionsverfasBUDg AnzafaDgeD. 

Ee gibt im Ratb aach viele Gegner des Plans, die alle Gedanken von 
„CoDqoesten vor gotttos aasechreieu" ; als „particnlier InteresEen nod oho- 
regnlirte .Atobition". Aber jedenralls wer ConqueEten machen will, moss 
zuerst im Stand sein, sich zn vertbeidigen. Man darr in Prenasen damit 
keine Stande länger bäumen — r mau kann es mit dem Moscowiter vorläaGg 
rechtrertigen. Die Rüslung mots mögÜrbst rasch begonnen werden, so- 
gleich hier and in Preussen selbst.. 

Allein znr Defension brancbt es ein Corpa von 4000 z. R. und 8000 
z. F. Denn nach drei Seiten ist hi nzu blicken : Schweden, Polen, Moscan, 
and das Herzogthnra Preusseu hat eine sehr ausgedehnte Grenze. 

W. legt einen Entwurf der Kosten bei '). Er bittet, nebst zwei anderen 
Räthea, mit den Vorbereitangen beauftragt zu werden. 

Den preussiEcben Oberräthea müssen die nötigen Vorstellungen über die 
Qefahr gemacht werden. Den Landräthen müssen Ver^prec hangen auf die 
Oberämter und andere Qaaden gegeben werden, damit sie willig werden; 
desgleichen den Ständen allerlei geeignete Vorstellangen gemarht werden; 
der betreffende hierza Abgesandte moss die Stände tractiren, „beim Olas 
Wein ein oder andere gewinnen" und iboeii gute Verheissangen vom Chur- 
lürat«!! bringen; andere auch „init Manier schrecken". 

Hilft die Qüte nicht, so muss man Leute ans den Ständen gewinnen, 
ihnen Werbepat«nte geben. Quartiere assigniren etc. 

Bleibt man in Frieden and nur defeDsiv, so braucht mau bei starken 
Compagnien wenig OfGciere, wobei weniger auf Eingesessene als aof „exer- 
cirte tapfere Leute" gesehen werden moss; „die Völker müssen beisammen- 
gehalten, also mit Geld verpflegt werden, anch solch Tractemeat empfan- 
gen, dass nicht aus Mangel' Krankheiten entstehen, die Soldaten im Aus- 
laufen gefangen and von den Bauern todt geschlagen werden. Denn ob 
Bchon wollte vorgewandt werden, die Polen, Schweden and Kaiser tbun es 
nicht, dass sie so richtig bezahlen, und führen doch Krieg: die drei Vor- 
gesetzten haben grosse Lande, darana sie viel Geld ziehen und Volk be- 
kommen können; der Kaiser und die Schwedischen haben das gaate Reich 
Tor sich gehabt, da sie Unterhalt, Volk und Geld funden; diese holten noch 
Recroten aus Schweden, I. Kais. Maj. pressteo aas dero Erblanden, besclz- 
ten die Festangen und führten das Volk heraus. Welches E. Ch. D. alles 
mangelt. Vor erst aufzukommen finden Sie Mangel an Mannschaft in dero 
Landen, Wie würde es gehen bei den Recrotenf Die andern Reichsstiinde 
werden weder das Reich noch ihre Lande gern von Volk entblüssen lassen. 
Die Schweden und andere, so mehr Geld geben, wurden E. Ch. D. allzeit 
vorkommen. Dass deswegen E, Ch. D. Ihre Leute wie Gold werden con- 
serviren müssen; daza aber gehört Geld, welches ohne Reschwer der Un- 
lerthanen nicht zugehen kann; es sei denn, dass man ein Subsidinm an- 

') Dieser fehlt bei den Acten. 

D.qit.zeaOvGoOt^lc 



350 ^^- ^^^ nordiBche Krieg hin loin Vertrag von Königsberg. 

derswo eriniige. Das siclierEfe Mittel meines nnterth. ErmeEseDs würd seio, 
eilig zn einer guten VerraseuDg zd fchreiteo und dadurch die Qefahr ab- 
znwenden, durch einea Tractat sich in Sicherheit zu (setzen, oder ander- 
weics Quartiere zn suchen. Unterdess könnten die gemeinen Leute gespeisst 
and alle zwei Monat ein Monat Sold gegeben werden; die OfSciere aber 
werden das Ihre haben müEKen." 

Vorläufig ist indess jemand nach Fieussen zn senden, die Gemütber 
dort zn praparJren und Bericht von dort einzusenden. 

Gnt wäre, wenn der Kurfürst selbst hineinreiste, wodurch manchem 
Hebel vorzubeugen wäre. Doch geht es jetzt nicht gut, weil er seiaer 
Sicherheit halben doch nur mit einem giö.sseren Comitat von Truppen reiseo 
dürfte. Aber in 8 Wochen müssen alle Völker marschbereit sein. 
10} Der einzuschlagende Weg nach Preusseu. 

Darüber müsse W. sich erst erhundigeo. 
11) Ob zum Unterhalt der Truppen eventnell auf Mittel 
ansPoten zudenken sei,, und ob auf general Mittel zn 
gedenken*. 

,Die ganze Werbung müsste auf Moscow genommen werden, zn Dienst 
Polen, und hätten ß. Cb. D. unterschiedener Senatoren Rath über solche 
DefeusioQ einzuholen und im Vertrauen selbigen zu entdecken, dass gegen 
Schweden dies Werk mit angesehen; auch mit den Generalen der Krön 
und in Iiittauen auf gleiche Weis (nämlich öffenilich wegen Moscowiters 
und im Vertrauen dass es auf Schweden mit gerichtet) deswegen zu com- 
municiren"; der Kurfürst könne dies aber nicht länger allein tragen und er- 
saobe sie desbulb um ein Subsidium oder um Quaitiere; wenn nicht, so müsse 
er seine Truppen „zergehen lassen", die dann den Schweden zulaufen würden. 

Aehnlich rouss dann anch bei den Schweden operirt werden. 

Vorzüglich müsste man aber snchen Quartiere zu bekommen, „denn 
man nicht allein dadurch des Unterhalts, sondern auch der Kecompense sich 
zu veraichern." 

„Könnten die general Mittel in Preussen eingeführt werden, wäre sol- 
ches nicht zn widerralhcn*'). 

12) Die Spej<en für T.,egationen. 

Die Nötigkeit der LegaUonen ist „aus dem Welilauf und den Histo- 
rien bekannt". „Weil ich aber von E Cb, D. Gnance Staat die geringste 
Nachricht nicht habe, wo einige Mittel so stracks berzunehmeu, aondern 
was ich davon weiss, so weitläufig hier und da höre, so kann mit Grund 
E. Ch. D. hierin nichts räthen. Nur allein muss ich sagen, dass anfs wenigst 
3 Monat Sold vorE.Ch. D, Volk auf den Notbfallin Cassa und zu so einem wich- 
tigen Werk 50 oder 60,000 Rth. zn Schickungen im Vorrath zu haben erfordert 
wird. Und sofern keine andern Mittel vorbanden wären, wollte ich, dasa 
es zu vermeiden, aber kann mit gutem Gewissen nicht anders aagen, E. 
Cb. D. sollten ein ansehnlich Stück Ijands versetzen; denn besser, etwa« 
eine Zeit lang gcmisst, als alles in baznrd gesetzt. Und will bei solchem 

' Oller iigeraeiae Mittel", Sfter vorkommender Ansdrack 



A-nOO<^IC 



BerathungeD ond Vorbereitnni^en. 351^ 

Verk nicht geEgtart sein, Eonderu es maus ein BffurI gescbeheo ddiI die 
ErEialluDg beim Tractat erwartet werden." Weiteres io Bezug auf das 
Geld verdeo die Räthe zu sagen wisseo, „so dcro Staat besser keaneD als 
ich". Der Karfiirst möge sich „eiue SpeciGcaiion aller paraten Gelder ein- 
geben lassen". 

13) „Wie die Lande zn vereinigen." 

Ist schwer zn sagen; die Landstände werden sich nirgends botbeiligen 
wollen, and sie zwingen kann man nach den Keichsconstitutionen nicht. 
,Wenu aber durch einen Trai^tat, diivoii Frankreich, Holland und die evan~ 
gelitcben Beiebsstände Qu&rants, l'reusscn unter £. Ch. D. Herrschaft 
wieder an's Reich bracht werden könnte, so würde mehr Snccess bierin 
10 hoffen sein'); bis dabin sehe ich wenig .\ppareuz darzu." 

14) Ob den Schweden der Pass durch Pommern zn gestatten. 
Man musK es an den Kreis verweisen, um nicht selbst die Verantwort- 
lichkeit xa haben. 

15) Ob schwedische Werbungen zn verbieten oder durch 
die Pinger zu sehen. 

Das Volk brancht man selbst und kann also den Schweden es nicht 
zulassen'; OfGcieren kann man nicht wehren, .schwedische Dienste zu neh- 
men, doch dürfen sie keine Gemeinen mitnehmen und müssen geloben, sich 
auf Erfordern jederzeit zu stellen. 

16) Ob der Korfurst sich zur Interposition erbieten soll. 
Dies ist sehr za rathen and bat jetzt mehr Aussiebt auf Erfolg, als 

früher unter dem Karfürsten Oeorg Wilhelm. Vorzüglieb wäre es gut, 
trenn Andere, besonders Frankreich, den Kurfürsten zur Vermittelung her- 
beizögen; womöglich muEsten auch einige evangelische Stände dabei sein. 
IT— 20) Verschiedene Nebenfragen hierzu. 

21) An den Fürsten von Siebenbürgen könnte man wol jemand schicken, 
20 sehen, wie er sich zn den schwebenden Fragen stellt. 

22) Verbältuiss zu Schweden. 

Neutralität ist wenig erspriesslich. Die Häfen den Schweden abzu- 
treten, ist durchaus nicht zu rathen — „wenn E. Ch. D. die Hafen hin- 
weggeben, so wäre alle Hoffnung aus, dass Sie jemals ein mebreres, als Sie 
jetzt haben, erlangen oder sich considerabler machen oder erhaltet köno- 
len". Dadurch wurde Schweden unbedingt Herr der ganzen Ostsee. 

W. vergleicht dann eingebend die Verbältnis.se jetziger Zeit mit denen 
bei dem letzten Krieg im Jahr 1626, mit denen er viele bedrohliehe Aebn- 
liebkeiten ßndet; ja vieles ist jetzt scbHrnmtrr als damals; so namentlich, 
^*is jetzt der Moscowiter hinzukommt, der früher gar nicht in Betracht 
kam; auch der Herzog von Neuhurg war damals nicht so gefährlich wie 

'; Insofern nümlich, als dann m Gunsten PreussenB der g 180 des Reicha- 
«biebiedea von 1654 in Kraft treten würde, vermöge dessen .jedes Cburfürsten 
und ätAudes Landsasaen, Untertbanen nnd Bürger zu Besetz- und Erhaltung der 
einem oder anderen Reichastand zugehörigen, nöthigen Vestungen, Plätzen und 
Gnamiionen ihren LandeafürBten . . . mit hülf liebem Beitrag gehorsamlicb an Hand 
in gehen schuldig seyn"- 



y Goot^ Ic 



352 ^' "^'' oordiacbe Krieg bk intn Vertrag TOD RÖDigBberg. 

jetzt, wo er gerüstet ht und AlliaDcen hat; auch die SteltuDg des Eftitere 
war damals eine andre; jetzt ist sie bei einem Krieg im Norden für Bran- 
deuburg »ehr bedenlilicli. — „Damals waren viel G Ch. D. staatskn tidige 
nnd geübte Leute, welches jetzt zlemürh mangelt - . . ee war Direction ia 
allen Saclien, welches gegenwärtig nicht erscheinet; fleiasige Correspon- 
deuzea wurden nnterhalten, zu Schickungen wurde nichts erspart, welches 
jetzt anders erscheint". 

In mancher Beziehung steht man aber auch jetzt besser als damals, n. a. 
dadurch, „dass man jetzt mit einigen Kcichsatändea in Alliancen steht, 
welche den Schweden nicht trauen; dass im niedersächsischen Kreis son- 
derlich das Hau8 Bvaunachweig eine ziemliche Anzahl Völker anf den Beinen 
hat, welche gegen Einfall gegen den Frieden bereit; dass der Kaiser fried- 
sam uud seine Toniebmsten Minister furclitsam, und Krieg gegen das Inter- 
esse ihrer Personen streitet; dass ziemliche Jalonsie zwischen den Eatbo- 
lischen, und Mittel, selbige zn hegen nnd zu stärken; djiss besser Vertrauen 
der Evangelischen und etlicher katholischer Reichsstäude gegen E. Cb. D., 
als gegen dero Herrn Vater sei. nicht gewesen .... Das allerbeste ist, 
dass E. Ch. D. selbst mit hohem Verstände begäbet, massig Leben führen, 
fleissig das Werk untersuchen, aus den Werken und nicht S c hm eicbe'l Worten, 
aus Rationen und nicht Gunst der Personen die Rathschlage und Acltoneu 
dero Diener nrtheilen, tapferes Gemüths, arbeitsames Leibes, weswegen 
auch und wegen des Effects, so solche dero Tugenden im Reich zu Wege 
bracht, bei der ganzen Welt in Ansehen, von dero Feinden gesucht und 
gefurcht, von dero Freanden geltcbet, consideriret und geehret werden". 

Die jetzigen Interessen des Kurfürsten gegenüber Kaiser nnd Reicba- 
stSodeu sind ia einem andern Gutachten vom 31. Dec. 1653 erörtert wor- 
den'). Gegenüber Polen gibt es eine Reibe ron Interessenpuakten, die der 
Kurfürst mit ihm gemein hat. Ebenso mit Schweden. 

Dagegen stehen aber auch wieder eine Reihe von Differenzpuakten. Die 
Schweden sind „ersoffen in der Rcherrschnug der Ostsee", streben nach den 
Kivieren aller dorthin mündenden Flüsse etc. — sie also in Polen gedacht, 
erscheint sehr gefährlich — „sie sind hungrige Leale, also geflüirliche und 
harte Nachbarn"; wenn sie erst in Prenssen Fass gewinnen, werden sie 
auch die Jülicher Lande nicht lassen, um den Niederlanden nfiher sn sein; 
und können sie es, so werden sie dem Handel Gesetze vorschreiben. „In 
summa, ihres Reiches Aufnehmen be»tebet In Beherrschung der Ostsee und 
Meister von Polen zn sein, welches ohne E. Ch. D. Verderb nicht sein 
kann'. 

Mit Polen bleiben die Verschiedenheit der Religion nnd die von ihm 
beanspruchte Herrschaft in Preussen ewige Differeuzpuukte. 

Es gilt daher, ebenso sehr die Macht der Schweden möglichst zn 
schwächen, als die Aei Polen in Schranken zn halten. 

Vorerst ist die Rüstung mit Eifer fortzusetzen. Dann mn.ss man zunächst 
bei Polen die nötigen Verhandlungen führen Ebenso bei Schweden, und 



') Vgl. ürk. und Actonst. VI. 4»8ff. 

DqitzedüvGoOt^lc 



Berothiinjfen uod Vorbereitungen. 353 

ein Tort heilhaft er Trsetat mit (lieEem gesucht, Tür den Fr&nkrelch, HoIIoimI 
und die evangelbchen Stände Garnnts sein müsBtei), 

An beiden Orten müsste man die Rüstungen mit der voa dem Mo&co- 
viter drohenden Qefalir erklaren. 

Da für all dies grot^ee Eoaten nnrgewandt werden müesen, somüBseD 
«entweder durch Tractat oder den Degen" diese ersetzt werden. 

Kann Polen den Kurrüvsten nicht schützen, so darf dieser mit den 
Schweden einen vorlheilbafteo Vertrag eingehen, in dem er sich selbst sicher 
stellt; nnd könnte dann der Kurfürst um so besser „im Reich seine rühmliche 
Consilia fortsetzen". „Am Rhein würden Sie her nächst sich so fest 
machen können, dass mit dem Aufwachsen des Prinzen von 
Oraoicn E. Ch. D. dieser beiden hoben Hänser Aufnehmen ge- 
eammterUand würden erlangen können. B. Ch. D. würden dnrch 
solchen Weg entweder das Rom. Reich in Flor nnd Aufnehmen 
bringen oder ein gross Theil tot sich davon behalten". 

Uan hat dem Kurfürsten gegen eine Verbindung mit Schweden seinen Eid 
torgehalten, ihm aber dabei doch vorbehalten, „eine freiwillige Ergebung 
der Stände in Qrosspolen anznnehmen'. Da ist kein grosser Unterschied 
— der Kurfürst kann seine Pflicht gegen Polen durch seine Interposition 
I Uli ig erfüllen. 

Uebrigens mnas man mit den Reicbsstäuden sich auf guten Fuas 
setzen; mit dem Nenburger wäre womöglich ein „gütlicher Vergleich" zn 
srhiiessen, „selbigen damit auf- und von seinen Deaseinen gegen E. Ch. 
D, abzuhalten". 

Die von den anderen' geheimen Rätheu abgegebenen Gutachten (alle 
0. D. nnd eigenh.) aind zumeist weniger eingehend und von geringerem all- 
gemeinen Interesse; am wenigsten besagend die von Pntlitz und Seidel; 
dos von Hoverbeck sehr Vorsichtig und ZDrückhalt«nd ; für den Fall dass 
eine Entscheidung getroffen werden mnss, neigt er mehr auf die Seite 
Polens als Schwedens. 

In dem Outachten v. Löbens wird (ad §, 6) gerathen, der Kurfürst 
Eolle sncben, bei einem künftigen Interregnum in Polen sich mit dem event. 
Kronprätendenten so zu stellen, dass er von ihm „nicht allein sessionem 
et Totuni anf dem polnischen Reichstag, sondern auch ein mehrerea er- 
lange"; weitergehende Gedanken nnd Hoffunngen lehnt er ab. 

Gutachten des geb. Rathce Thomas v. d. Kncsebeck: er räth zu 
Xentralitat und Defensiv Verfassung; daneben muss man zwischen Polen 
nnd Schweden zu vermitteln anchen. „Sollte Polen das dominium directum 
in Prenasen cediren und von sieb transferircn wollen, könnte die Sache eine 
commonis causa Impcrii werden und das Hcrzogtbum Prenaaen wieder 
an das Reich kommen, welchem ea mediante Ordine Teutonico unterwor- 
fen gewesen,'und haben E. Gh. D. anf solchen Fall sich viel mehr zu be- 
mühen, die ditiones Borussicas von dem Imperio als von einem ausländi- 
schen Potentaten in feudum zu recognoaciren". 

Gutachten des geh. Ratbes v. Bonin; er erörtert zuerst namentlich 
die Schwierigkeiten, die in der holländischen Alliance und in der Ein- 

lIittF. I. OEKh. i], Gr. Kurninten. Vll. 23 



:A-nOO<^IC 



354 "-' ^" nordische Krieg bis zum Vertrag von Eönigaberg. 

spräche Schwedens gegen dieselbe liegt'); er meint, man müsse über Art 
16 und IT derselben zu irgend einem Arrangement zu kommen sncheii, 
wodurch man l^chneden befriedigen nnd so zu einem frenndschaftlichcn 
Verliältniss mit dieser Macht gelangen kann. Will man die Preundsdiaft 
mit Schweden gleich ¥on vorn herein verloren geben, „bo wird anf die an- 
dere und grosse Frage zu antworten sein, wobei mir zwar die Haut grau- 
set und die Hand zittert, wenn ich bedenke, was darauf stehet, wo die 
Suchen übel lanren." Will man sich doch den Muth dazn fassen, na ist 
dabei 1) auf Fleiss und Ordnung In den Bcraihnngen nnd Ausführungen 
zu seheu. 2) Alle Diener des Kurfürsten müssen in guter Vertrau! ich Iceit 
zusammenstehen, damit nie wie die Glieder eines Leibes zusammenwirken. 
3) Gute Ausrüstung der Trnppcn. 4) Da Schweden durch seine National- 
truppen dem Kurfürsten so weit überlegen ist, so muss man versuchen, die 
benachbarten polnischen Woiwodschaften an sich zn ziehen and sich daraus 
zu verstärken . . , . H) Die Reichslandc des Kurfürsten müssen völlig ausser- 
halb des Conflictes gebalten werden. 9) Mit den wichtigsten answartigen 
Fürsten muss man Verbindungen anknüpfen. 

In demselben Znsammenhang gehört, von etwas späterem Datum: 
„Der Herren Generalen and Obersten Bedenken." 

„Protokoll, so gebalten wurde in I. hochgr. Ezcellenz zu Waldeck 
Losament, in derselben, wie auch des Herrn General Wachtmeisters Cbri- 
stopheuE von Kanncnberg, Herrn Obristcn Hansens t. Rocbow nnd 
Herrn Obristen George Friedrichcns von Trotta Gegenwart über die 
Punlite, so gcda<0)teu , . . dcro Scntimcnt darüber zu urtheilen, eiagehüa- 
diget worden. Den 29. Martii 1655 in Colin a. ^d. Sp." 

1) Bei der Beschaffenheit des preassischcn Landes, seiner weilen Aas- 
dehnung etc. muss dos zu bildende Corps zum mindesten bet>tchcn aus 4000 
Reitern, 6000 M. z. F., 500 Dragonern und entsprechender Artillerie. 

2) Wenn Schweden (oder eine andere Macht] den Durchzug durcii 
das Hcrzogthum PreuFsc.i begehrt, so ronss ihm dieser unter Protest schliess- 
lich gestattet werden, doch ohne ihm einen Hauptpass zu gewähren; ät 
mögen sich selbst Brücken schlagen. Bei Polen mnss man erklären, man 
sei ausser der Verfassung gewesen, es zu hindern. 

3) Verfahren die Schweden hierbei gewaltsam gegen Brandenburg, 
so muss man sich nach Kräften wehren etc. 

Weitere Erörtcruugen über einen oder einige womöglich zn gewinnende 
Passe an der Weichsel zur Sicherung der Correspondeuzlinie u. dgl.; uline 
nüheres Eingehen ins Detail. 



') Dieses Gutiichteo mnss, wie die Erwfihnnng der niederländischen Alliaoee 
vom 27. Juli 165!) ergibt, etwas später als die andern abgegeben worden leia- 
Uebor die Einsprache Schwedens gegen die Alliance vgl. w. a. and Urk. v. 
Act. IV. 141. 



^aovGoOt^lc 



Hrralhungeu nnil VorbereituoRBii. 355 

„Conclusum" im geli. Eathe Ulüer die 26 Fragpunkte o. D. 

Der Angriff ScbwedeuB gegen Polen ist alterdiogs mit grosser Wahr- Febr. 
srheialidikeit TorauaEUschcn. Die Gelegcoheit für Schweden ist jetzt sctir 
günstig. 

Der polnische Staat wäre itzo nicht mehr also wie bei beiden 
Toriges Königen; w5re Missverstand zwischen dem Könige und den 
Ständen; König Viadislaus hätte grossen Verstitnd gehabt, auch 
grosse Courage; jetziger wäre dem nicht gleich . . , 

Die Armuth in Schweden wäre itzo gross uud es bei der Krö- 
DQDg des itzigen Königs so boubos (sie) nicht zugangen wie bei der 
Cbristinae; der itzige König wäre noch jung, zum Kriege begierig 
würde flieh also wagen, etwas weiter zu acquiriren. In Schweden 
wäre nun etliche Jahre Friede gewesen; da sie ausserhalb Krieg'), 
hätten sie sich innerlieher Empörung zu besorgen. 

Miin muss s-i'h bemühen, zu pciielriren, was die Absiebten an beiden 
OiteD sind; namentlich nuch bei Frankreiob durrh Geld. «Das Geld in 
Frankreich müsste wohl angelegt werden nod nur demjenigen widerfahren, 
der etwas au !i richten könnte". 

Zu einer oder andern Partei sich zu wenden wäre' nach der Zeit 
nicht räthlich, sondern bei beiden um Frieden sich zu bemühen. Wenn 
eine oder die andere Partei unterläge, hätte man die victoriose zu 
nehmen, wie König Gustavus es mit König Friderico gemacht, 
den er abgewiesen. 

Heber zn Bchliessende Alliancen muss mna Rath pflegen; über die 
Starke der Verfassung erfahrene Leute znziehen; jedenfalls muss die 
Küetung stärker sein, als sie es früher war, wo die Verhällnis.se noch miu. 
der schwierig waren; „in a. 1635 haben die Preussen einen Schlnsa ge- 
wicht, 8000 Mann zn werben und durch allerhand Contributiones zu unter- 
halten." 

Alle Stimmen sind einig, dass der Kurfürst woinöglich persönlich nach 
Preusaen gehe, aber nicht ohne Armee. 

Sehr wünschcnswerth wäre, damit Preusscn nicht zu sehr bedrückt 
werde, ein Subsidinm von Polen — dafür werden sie aber Assistenz haben 
wollen, nud das würde Schweden als Feindseligkeit ansehen: 

Ward also geschlossen, das Subsidium unbegrllsst der Krön Polen 
zu thun. Nach anderweiter Umfrage ward davor gehalten, dass dieses 
eine schwere Deliberation, weil man bei Forderung des Subsidü von 
Polen bei beiden Seiten anstossen wUrde. Herrn v. Hoverbeck'a 
Vorschlag, dass des Herrn Grafen v. Waldeek Kegiment') zu Polen 

') D. h. wenn Bis ausser, ohne Krieg wären. 
*) Vgl. nnten pag. W2 a. 3. 

23* 



.yGoot^lc 



356 ^^' ^^'' ■)<"'d'Bcho Krieg bis zum Vertrag von KÖDigsberg. 

ginge, sie aucb darneben in Sr. Ch. D. Pflicht blieben, würde zwar 
gut sein; weil aber die Soldaten alsdann Polen schwören niUssten, 
würde es allerhand Schwierigkeit geben. Einen Pass an der Weichsel 
zu nehmen, sei Sr. Ch. D. nütliig. 

Der Kaiser wUrde dem König in Polen nicht assistiren, mOclite 
es eher der Krön tbun und sich dadurch bei derselben angenehm 
machen, weil er seinen Sohn gern zu solcher Krön bringen wollte. 

Der KarfUrst inuss eifrig suchen, die Iiitcrposition zwischen den beiden 
Mächten zd erlangen. 

Sei nötbig, jemanden an den Ragozzi in Siebenbürgen zu 
schicken, sonderlich wegen der vorgeheudon Conjuncturen; und 
wUrde sich leicht ein Prätciit zu ßolcher Schickung finden; käme dar- 
auf, wer dazu babil und aldorten angenehm; sei vofzuwenden, Wein, 
Pferde oder anders alda zn erhandeln. 

S. Ch. D. erfreuten sich, dass nunmehr das Consilium auf alle 
Fälle feste gesetzt; Verschwiegenheit wäre bei diesen Sachen sonder- 
lich Tonnötlien; jeder Rath sollte seine Pflicht bedenken, dass davon 
nichts auskäme. 

Die Neutralität wäre bedenklich; würden beide Theile Sr. Ch. D. 
Lande sich gebrauchen mUssen, und wäre künftig zu reden, auf welche 
Partei S. Ch. D. sicl^ möchten zn wenden haben. 



Der Knrftlrst an Ftirst Johann Moritz von Nassau. Dat 
Colin a. Sp. 5. MSrz 1655. 
(Conee[>t mit Correcturen von Waldeck.) 
(Dringlichkeit der anbefohlenen R üb tun gen. Grand der« elben die Gefahr inPreuBseo; 
beabeichtigter Harsch onch Prensseo; höchste Eile empfohlen.) 
i Ob Wir zwar das gewisse zuverlässige Vertrauen zn E. Ld. 
haben, dass dieselbe das Verfassungswerk mit allem Eifer treiben .... 
so haben Wir doch E. Ld. , damit Sie von der Noth wendigkeit 
solches Werkes um so viel mehrere Wissenschaft haben mögen, der- 
selben hierdurch in Vertrauen anfUgcn wollen, dass Wir nach vor- 
hergehender reifer Berathschlagung beschlossen, mit etlichen tausend 
Jlann in Unser Hcrzogthum Prcussen zu gehen und f^r der daselbst 
von so vielen Enden hervorscheinenden Gefahr Uns in hehörliche 
Defensionsverfassung zu stellen. Und weil diese Sache ganz keinen 
Verzug leiden will und die Völker innerhalb vier Wochen allhier bei- 
sammen Bein rnKsBcn, eo ist Unser freundliches Begehren an E. Ld., 



Berathnogeii iid<1 VorbercituDgeo. 357 

dieselbe wollen ihr, so lieb derselben Unser Wolfahrt ist, höcliet an- 
gelegen äeia lassen, damit daselbüten alles zu gchleuDigster Richtig- 
keit gebracht werden möge etc. 



Waldeck. Memorial wie die Anstalt zur Verfassung gemacht 

ist iu Sr. Oh. D. Landen. 

(o. D. Eigenh. Arole. Arch.) '). 

[Uögliche LeistuDgen der verachiedeDen Elaasen von Uaterthaoeti. Uebersicht 

über die einzeloeu Provinzen. ] 

1) Vorerst aeind alle Bediente erinnert, sieb zn erklären, wie 
viel Reiter aufm Kothfall jeder in 14 Tagen Zeit liefern wolle anf 
seine Kosten, ohne Erstattung der Kosten. 

2) Zweitens sollen alle Lehenleut alle Jahr drei oder viermal ge- 
mustert und keine, so nicht recht gemontirt, passiret werden. 

3) Drittens sollen die SattelgUter aufm Notbfall gereit zu sein 
PistoleD, Uegen, Bandelier, Sättel und Zäume an einen gewissen 
Ort liefern, damit in der Eil Pferd und Mann hernach desto besser 
inr Hand bracht werden können. 

4) Sollen alle Freie, wie sie auch Namen haben mögen, mit 
etwas darbei zu thun angemahnet werden. 

5) Alle Untervögte und Bauemftthrer, Schulzen und was dessen 
mehr, sollen sich mit Musqueten von gleichem Caliber gereit halten 
und auf Erfordern entweder selbst marschiren oder einen andern 
stellen, welchen sie bei Zeiten vorzuzeigen. 

6) Musö ein Ueberschlag gemacht werden, wie viel Bärger und 
Banem in Städten und Dörfern, die Handwerker mit einge- 
schlossen, und nach Vermögendheit der Leute auf 10, 15 oder 20 
Mann ein Soldat gesetzt werden, welchen sie mit Gewehr zu ver- 
sehen und aufn Nothfall zu unterhalten ; und' damit man Reiter haben 
könne, mQssen nach advenaut so viel mehr auf einen Reiter gerech- 
net, auch von selber Sattel und Gewehr erkauft und an einen ge- 
wissen Ort geschaflfet werden. Diese Leute müssen in Compaguien 
vertheilt und auf den Unterhalt der Officirer aufm Fall Retlexion ge- 
macht werden. 

In der Mark ist man noch im Werk, aber noch nicht fertig; 

') Ana domaslbuD ActeofaBcikel dea Arolseaer ArcUiva, wie dua oben p. 326ff. 
nütgetheilte Stuck. 



^aovGoOt^lc 



358 ^^- Der Dordiscbe Krieg bis mm Vertrug vod Königsberg. 

man TCrmeiiit aber daselbst es auf 1000 Pferd und 3000 Haan 
zu Fu88 zu bringeD. 

In PreuseeD ist es auch noch nicht richtig; aber die Bedienten 
haben schon bis auf 900 Pferd auf ihre Kosten, wo man sie ge- 
brauchen will, gewilligt. 

So eeind auch Über die Guarnisonen schon 1200 Mann da- 
selbst aufs vorerzählte Maas» gericht; man vermeint es aber auf 6000 
zu FusB und 2000 Pferd zu bringen. 

Zu Halberstadt da haben die Bediente 80 Pferd zu liefern ge- 
willigt; wegen des andern ist man noch im Werk, 

Minden hat wegen der Bedienten 90 Pferd gewilligt und 
400 Mann zu Fuss fest gestellt Aber die Guarnison und ohne die 
Lehnleut. 

Ravensberg hat 85 Pferd wegen der Bedienten versprochen, 
und meint man wegen des Fussvolks es auch auf 400, fiber die 
Guamisonen, zu bringen. 



Instruction ftlr den GFZM. Otto Cliristoph v. Sparr bei seiner 

Reise nach Curland. Dat. Colin a. Sp. 14. Jan. 1655. 

(Cone. V. Hoverbeck.) 

34. JaD. Sparr will in PrtTatget'ebäftei) nach Curlaad reisen. Er erhält den Auf- 
trag, bei dieser Gelegenheit zugleich die militärischen Anstalten In PreUBsea 
zn inspiriren; desgleichen einen besuch bei dem Herzog von Curland zu 
machen und ihm die Grussc dee Kurfürsten zu tiberbringen. Dabei soll er zu- 
gleitrhsichgründiith zn infümiircn snchen über die Krieg^anBsichteu im Norden, 
wie es mit dem mot^kuwiti^chcn oud poluiecbcn Kriege steht, ob man Krieg 
oder Frieden zu crwnrten bat, wie es mit den Tractalcn zwiscbeu l'ol«n 
und Schweden steht etc. Die gewonnenen Nachrichten soll er hei seiuer 
Rückreise den preus.si^chcn Oberrätheo in Königsberg nuttheilen. 



Bericht des GPZM. O. Clir. v. Sparr an die Oberräthe 
in Preussen. Königsberg 27|17. März 1655. 

jUebele Auaeichlen Tür die Folco duu Moscouitern gegenüber. KriegeriKb« 
AbsichtBD Schwedens; aetoe vermuthlicfaeu Pläne im Nordeu.) 
2(. Müll. Was den pol n i sc b-mosconi tische d Krieg betrifft, so ist nach den 
Aussagen des Hcrzog.s von üurhud wenig gutes zu hoffen; die pobische 
Armee hat den ganzen Winter im Feld gestanden und ist völlig abg^ 
mattet nnd ruinirt. Der Moscowiier dagegen hat seine Truppen den Wiawr 
durch in den Quartieren gehabt und liaan bald mit starker Macht wieder 
ins Feld rücken; es wird also den Polen wahrscheinlich übel ergsheD. 



Aj.OO<^IC 



Benthaogen und T orberei tu ngen. Poloniea. 359 

Ebenso geben die polnisch-schwedischen Friedenti Verhandlungen venig 
pole Aussieht; die Krone Schweden zieht dieselben offenbar nur hin bis 
iQin Frühling, am dann desto besser ihre Flünc aufzuführen. nTJud wenn 
gleich die Tractaten reassumirt werden sollten, wird die Krön Schweden 
der Krön Polen so harte Conditiones Toreehlagen, die uiebt wol einge- 
g&ngeD werden können, welche benanutlich darin bestehen dürften: dass 
vegea von vielen Jahren her anfgewendeler grosser Untiosten im vorigen 
ItolniEchen Kriege die Refusion begehret and, zum Zweck zn gelangen, 
lalfendcs iUJttel vorschlagen thut: 

es Sülle die Krön Polen der Krön Schweden sowohl das ganze Land 
PrcDfsea, als aneh Cnrland dergestalt abtreten, dass hinfüro die Lehen 
TOD der Krön Sehwedeu und nicht von Pulen euipfaugen werden sollen. 

Auf solchen beliebten Fall sie mit der Kion Polen einL-n ewigen Frie- 
den machen nnd den Krieg wider die Moscowiter alsdann nebst der Krön 
Polen offensive nnd defensive antreten und führen wollte." 

Er habe ihnen dies im Auftrag des Kurfürsten eröffnen koHcd, 



2. Verhandlungen mit Polen'). 

Graf Bogoslav v. Lesczynski ao den Kurfilrsten. Dat. 

Przygodziciis 25. Dec. 16Ö4. 
Er bittet den Kurfürsten, „taoquam amicnm Regi et Regno Poloniae", 4. Jan. 
ihm mit^Dtheilen, was er etwa in Betreff der üerürhte von feindlichen Ab- 
richten der Schweden gegen Polen wisse. 

Der Kurfürst verweist ihn in seiner Antwort {dat. Colin a. Sp. 
4. Jan. 1655) an den Hof- und Kamraerrath Wladislaw v. Knrtzbach 14. Jan. 
Zawacki, den er in der gleichen Angelegenheit an den König ge- 
schickt b^e. 



'i Hiermit sind za vereleichcn clie schon VI. ti79ff, mitfcelbeilten Berichte 
TOD Hoverbeck and Adetsbach ans dieser Zeit; die Furtseizung der letz- 
l^rea folgt am Kode dieses Abschnittes. 



^aovGoOt^lc 



360 '^ ^''^ uordiBcbe Krieg bU zdo Vertrag von KÖDtgsberg. 

luBtruction fUr den Freiherru Wladislav v. Kurtzbach-Zawacki 
an den polnischen Hof. Dat. Colin a. Sp. 15. Jan. 1655. 
(Conc V. Hoverbeck.) 
{Anerbieten Kur VermitteluDg; die moBCowitische Gefahr; die vennothlicbeD Ab- 
sichteD Schwedens', WarnaDg.| 
•2b. Jan- Der Karfüret bedaaert die gegenwärtige bedrängte Lüge den Königs, 
Domentlicb von Seiten der MoEcowiter; er erbiet«! sk-h vorkommenden 
Falls znr Vermittelnng; bei der jetzigen Lage würde es fielleicht geratbeo 
sein, gelbst „iniquis conditifinibns" mit dem Moacowit«r zu scbliessen. Der 
Enrfürst will nicht behanplen, üuee der König von Schweden die ungün- 
stige Luge Polens benutsen werde, aber gewiss ist, dass er „von vielen 
kriegssüchtig- und dürrtigen" dazu angetrieben wird ; ausserdem hat man aller- 
dings in Schweden Bcbon in den letzten Zeiten der Königin Christine 
über hundert angebliche Coutraveotionen von polnischer Seite gegen 
den Waffenstillstand gesammelt, und der verstorbene Reichskanzler soll 
schon den Entwurf eiues betrefTeudeu Manifestes fertig gehabt haben. 
Auch haben vornehme Leute in Schweden, wie Graf Schlippenbach, 
(„dessen Namen er doch nicht zu melden hiit") schon geäussert, dasx die 
Jahre des Waffenstillstandes wol abgekürzt werden würden. — Auf diese 
grosse Gefahr soll er den König aufmerksam machen. Beruft mau sich da- 
gegen auf die Alliance mit den Niederlanden und auf deren zu hoffende 
Hilfe, so soll er vorstellen, wie wenig sichere Rechnung darauf zu macheu 
ist. — Führt man dann bIe letztes Mittel ^das ullgcmeiue Uffbot" an, 
so ist zn erwidern, dass dies eben dem „ure et seca der Medicorum" gleich- 
komme und nicht ohne die grässte Verheerung des I^andes zu bcwcrkst«l- 
ligen sei, abgesehen davon, dass man dadurch doch nur eine nndisciplinirte, 
schlecht und nngleich bewaffnete Truppe bekäme, mit der erfabrungsmässig 
nicht viel zu leisten sei. Würde man endlich, wie von etlichen Ständen in 
Grosspoleu schon geschehen, die Hilfe des Kurfürsten in Anspruch nehmen, 
so soll er fragen, woher die Werbegelder und die andern Spesen kommen 
sollten; übrigens aber sich nicht weiter darauf einlassen, sondern es ad 
referendnm nehmen. 



Graf de Bnin Opalenski, Woiwode von Posen, au den Kor- 

fUrsten. Dat. in aree rcsidentlae mcae Siracovicusis 

8. Febr. 1655. 

. Febr. Dank für die durch Kurtzbacb übeibracbte Botschaft; zur Erwi- 
derung sende er «nmicum meum intimum" den Königlichen Kammerherru, 
Baron Job. Ludwig v. Wolzo^en an ihn zu vertraulicher Verhandlung. 
Er freut sich, dass der Kurfürst zu seinen Verhandlungen iu l'olen einen 
Mann „e gento nostra" wie Knrtzbach erwählt habe. 



^düvGoot^lc 



Polonica. Zawacki. Wohogeo. 361 

Protokoll der geh. Rathsaitzung. Dat 15. Fetr. 1655. 

„Was dem Abgeordneten des Woiwoden zu Posen auf sein 2j Febr. 
Anbringen für Antwort zu geben." 

Graf Waldeck: nur allgemeine Antwort und für die ACTection Dank 
zn Esgen; man darf sich nicht «engagiren, Leuten zn helfe», die es selbst 
Hiebt tbun können"; höchstens wenn es „von dem ganzen corpore" begehrt 
würde, könnte man etwas tban. Hoverlieck könne vielleicht dem Gc- 
taedlea die Meinung des Eurfüreten „nur discnrsiweise vorbringco". „In- 
dcBB dasG diese Sachen allbier vorgingen, käme Zeitung ein, als ob man 
die Fillau und Memel weggeben wollte; Schweden würde vorgeben, Polen 
gebe sein Eigcutbum weg; wenn S. Ch. D. sich diesem opponirten, kämen 
Sie in doppelt« Feindschaft." 

Enesebeck stimmt Waldeck bei. 

üoverbeck dcsgteicbeD; doch brunche man nicht alle Hoffnung auf 
Assistenz zu nehmen, könne gütliche Vermittlungsversuche bei beiden Kro 
nen machen etc.; auch soll man zu erfahren suchen, wie viel an Volk und 
<je]d der Woiwode aufzubringen im Stande sein würde. 

Somnitz ist auch zunächst für den Versuch der Mediation; aber „nn- 
lerer Kriegs Verfassung zu gedenken und den l'oleu zu wissen zn tbun, er- 
achte er nicht rathsam"; es gelte vur allem eine Dismembratioa von Polen 
ZQ verhüten; wenn etwas geschehe, nu müsste es ulcbt für Orosspolen, son- 
dern für ganz Polen geschehen. 

Seidel: Assistenz für Grosspolen würde Itiuch mit Schweden herbei- 
(hbrea und dieser sei jedenfalls zu verhüten; man muss suchen zwischen 
den beiden Kronen zu vermitteln. 

Serenissimus: „es würde gehen wie Sr. Ch. D. Herrn Vätern bei 
Krankreich widerfahren, der gesaget, man sollte ihm erst helfen, ho wollte 
er dergleichen tbun; S. Ch. D. wollten bei Frunkicicb und Staaten alle 
iiochige Untei'bauung thua." 

Es wird darauf beschlossen, eine Gesandtschaft in der Person Schwe- 
rin 's an den Woiwoden von Posen zn schicken, und eine ausführliche In- 
struction für denselben aufge^jctzt, worin die Bedingungen besprochen 
werden, unter denen der Kurfürst die „Protection" von Grosspülen üher- 
aehmen oder ciu Itündniss mit demselijen sihlies^cn könne. — Die Scn- 
dnog unterblieb aber dann, wie auf dem Concept der Instruction ver- 
merkt ist. 



Kurtzbach-Zawacki au deu KurfilrBten. Dat. Warschau 
14. Febr. 1655. 

Er habe sich sofort nach Empfiing der hijjtruction n.ieh Warschau be- 1 j. Febr. 
geben und Audienz bei dem Eöuig genommen. Sehr freundliche und dauk- 



Aj.oot^lc 



362 ^^* ^^' Dordiache Erieg bis edid Vertrag tod Königsberg. 

bnrc IlmDabnie seiner Eröffnongeo. lieber das Nähere verweist er ;inf 
einen Beriebt an Hoverbeck'). 

Zahlreiche ErwiiieruugSbeUreiben poloisrher Senatoren auf die Begrü- 
Kisung darcb Kuitzbach. 



InstmctioD für Kurtzbach-Zawacki auf deu grosspolnischen 

Landtag. 

(o. D. Conc. V, Hoverbeck,') 

[Waroang vor den schoebendeD GefahreD. Dia Waldeclc'scheD Trappen nicht 
mehr zu haben; polnische MilitärzQBlände. Korrürstiiche Truppen kÖDDen nicht 
überiuaeea werden; dentecher Militär^eisl. Wegen ereot. BesetZDDg grosipol- 
ntBcher Plätze. Klage über die Verbindung der GroBspolen mit den preuiaiachen 
Querulanten] 
April Zuvorderst 80 hat er, aber aar privatim, die der ganzen Repu- 
blique vorstehende Gefalir ohne Meldung Sr. Ch. D, vor sich selbst 
auB denen ihm beiwohDenden Nachrichten vorzustellen; und wenn er 
vermerken wird, dass man dieselbe re<!ht begriffen, fragsweise sich 
zu erkundigen, wessen bei solcher Beschaffenheit S. Gh. D. zu Rettung 
und Sicherheit dero Lande sich zu versehen haben könnten. 

Wenn nun darauf (wie es ausser Zweifel geschehen wird) ihm 
die Antwort gegeben würde, der Keipublicae Zustand wäre leider so 
beschaffen, dass an Statt dessen, da sie Sr. Ch. D. zu assistiren hätten, 
ihre einige Hoffnung und .absehen auf Sr. Ch. D. Beistand und die 
Völker des Herren Grafen von Waldeck*), darUber der Herr von 
Wolzogen zn trnctiren Vorhabens gewesen, gerichtet sei: hat er vx 
repräsentiren, die grosspoinische Stände hätten ihnen selbst im Wege 
gestanden, dass sie nicht also gleich nach des Herrn von Wolzogen 
ZurUckckunft die Gelder Übermacht, womit des Herren Grafen Völker 
verpflegt und andere mehr hätten kennen geworben werden; inzwi- 
schen hätte der Herr Graf von Waldeck tbeils seiner Völker dem 
Künige in Frankreich überlassen; mit denen tlbrigen aber wäre er 
in Sr. Ch. D. Dienst getreten; also dass die Krone keine Rech- 
nung mehr auf das Regiment zu machen habe; ob sie auch gleich 
anitzo Geld beischaffen wollten, würden sie fast niemanden finden, 
der sieh bei ihnen einlassen wollte, weil wegen übler Conduite, un- 

') let nicht vorhauden. 

'.' Bei der Reinschrirt die NotiE; „DieseB Memorial ist nf Befehl nicht ani- 
gegeben, sondern Herr Zawacki hat einen Extract aeibst mit eigener Hand 
daraus gemacht und zu sich genommen den 13. April 16&5." 

■) Wol Georg Friedrichs jüngerer Bruder Graf Wolrad v. Waldeck; 
vgl. ErdmaoaBdÖrffer Graf Waldeck p. la 



^düvGoot^lc 



Verbaadlnng mit den grosapolui sehen Ständen. 363 

leitiger Zahlnng und dannenliero, dass uf den Stab und das erste Blatt 
nichts passiret werde, die polnische Dienste ganz in Veracbtnng 
kämen; und hingegen von Schweden wol 12, ja auch 16 Kth. uf 
einen Knecht zu Fuss, und 60 Rth. uf einen Reiter gegeben würden. 

K&men sie diesem nach darauf, S. Ch. D. möchten von Ihren 
Völkern ein paar tausend Überlassen, bat er zu repräsentiren, dass 
Hl Versicherung des Herzogthams Preusseu weitläufiger Grenzen kaum 
8000 zu Pubs und 4000 zu Ross suffieient sein wllrden; und dasa in 
Teutschland die Ueberlassung der Volker sich so schlechter Dinge 
nicht practiciren liesse, sondern es hielte sich ein Oavalier an seinen 
Eid und geleistete Pflicht nur so lange verbunden, als ihm die Capi- 
tubttion UDverrttcfct gehalten wUrde. Und würde wol keiner in cbur- 
f^rstlichen Diensten gefunden, welcher deroselben nicht lieber um halb 
Geld, als der polnischen Republique um doppelten Sold dienen wollte; 
lumal da bei Sr. Ch. D. einer und der andere auch nach der Abdan- 
kung Accommodement und Beförderung zu gewarten hätte, darzu in 
Polen allen Fremden der Weg verschlossen. 

Kämen die Stände endlich darauf, S. Gh. D. machten mit Ihren 
eignen Völkern die nächst angelegenen Pässe besetzen und also 
Grosspolen vor einem Einfall schützen, hat er vorzustellen, dass bei 
solcher Conduite, als die polnische bishero gewesen, S. Ch. D. billig 
bedenklich sein mDsse, sich mit Polen in einigerlei Weise einzu- 
lassen .... Jedennoch aber, wann es von denen sämmtlichen Stän- 
den begehret und desbalber an S. Ch. D. geschiieben und ihm zu- 
gleich Commission, unter des Landmarschalls und etlicher Senatoren 
Hand, ertheilet und in derselben mit gedacht würde, wofern S. Ch. 
D. die Oerter zu besetzen sich verweigern würden, mUssten sie sich 
anderweits um Assistenz bewerben: wollte er als ein Patriot dieselbe 
nf sich nehmen und bei Sr. Gh. D. deshalber allen möglichen Fleiss 
anwenden. 

In particulari kann er auch wol einen und den andern seiner 
Confidenten versichern, dass dieses bei Sr. Ch. D. wol würde zu er- 
faulten sein; es mlisste aber, damit S. Ch. D. die Zahl wieder ei-setzen 
könnten, auf so viel tausend, als die Stände begehren werden, zu 
zwölf Rth. auf jeden Knecht mit dem .illerehesten gezahlt werden. 

Wie geneigt aber S. Ch. D. bishero gewesen, der Reipublicae 
Wohlfahrt zu befordern, so mtisst er doch in Sorgen stehen, dass er 
dieselbe nicht wenig dadurch altcrirt finden würde, dass mau des 
ärgsten preussischen Querulanten Sohn anderweit an dcro Stände ab- 
schickte, bei denselben Subsidia suchen liesse und zu der Zeit, da von 

i:q,t7r.d ...V^iOOt^lC 



364 '^' ^^' DordiBcbo Krieg bia zum Vertr^ von Eöntgaberg. 

der Verfassung einig uDd fUleiii zu bandeln -wäre, Gravamina zu- 
sammentraten, motu» und Misstrauen zu erregen veranlasste. Dieees 
letzte wUrde bei dem Herrn Krongrossscbatzmeister am meisten zu 
exaggeriren sein, damit durch dessen Credit und Vermögen des Grö- 
ben's Commission contremandiret und er discreditiret, oder auch, da 
S. Ch. D. wegen seiner Insolentieu einige eebärfere Verordnung zu 
thun genotfadrioget wHrden, solehes von Br. Kon. Maj. und der Re- 
bublique nicbt übel genommen werden möge. 



Kurtzbach-Zawacki an den KurfUrsten. Dat. Sroda 
24. April 1655. 

[Dur groaspolD lache Landtag \o Sroda. Bitte nm Truppen. Gumiskl t- Gessadt- 
Bchad Dach Scbweduu. Der Spion Holst, v. Groben.) 
'2i. April, Der hier abgehaltene Landtag hat vom 10. bis '23. .dprJI gewahrt oud 
ist, um die Woiwodsehafteu l'oseu und Ealisch in Vertheidigaogszustand 
zu setzen, eine lleihe von Erhebungen, ausserdem „der persönliche Fortzng 
aller derselljigeu, die von Adel sein, beschlossen worden;" man hofft in deu 
uacbstea Wochen eine Armee vou 13,001) M. an den Grenzen zu haben, 
8000 z. F. uud 5000 z. R. Die drei anderu Woiwodschaften von üross- 
polen sollen ähollcbe Massrcgclu treffen. 

Weil aber zu befllrehten, dass das Fussrolk etwas langsam und 
zwar meistlich von ungeübten Leuten zusammen möchte gebracht 
werden, als haben die Stände wiederum ein unterth. Supplicat') an 
E. Ch. D. abgehen lassen, gehorsamst bittende, E. Ch. D. wollen gnä- 
digst ihnen mit 2 oder 30M Mann behilflichen sein und die Pässe 
an der Netz bis an die Weichsel besetzen lassen . . . i5io wollen auf 
einen jeden Knecht 4 Kth. des Monats geben und das Geld inner 
14 Tagen fortschicken, und sobald die Vülker auf den polnischen 
Boden kommen werden, sollen ihnen noch dazu 8 Rth. auf zwei Monat 
zu voraus gegeben werden. 

Der Herr Goraiski'), welcher hat in Schweden reisen sollen, 
ist vor etlichen Wochen gestorben und wird von vielen sehr beklagt; 

') lieiliegcDd; im Namen der SläDdu der beiden Woiwodacbafien, von dem 
Laodoiarechall Job. Sehlicbtlng von Bukowiec; dat. in convuuto purticnlari 
är/.odeusi die 3U. Maji 11)53. Dabei uoch ein Schreiben dea Woiwoden von 
Foaen an den KurrUrsten, woriu die ßiltu gleichfulls enthalten : „dignetur Sei'" 
T* in tutelam et pr oto ctioaom haa proviociaa recipere et adinittere" (daL 
-j. Miii 1()55). 

•) Vgl. Urk. u. Actenet. VI. 689. L 9lJ. 



^düvGoot^lc 



VerbaDdlnDg mit den groBspolnischen Stäadeu- Affairo Holet. 355 

auf seine Stelle soll der Graf von der Lissa, Woiwoda Lescycky, 
versebicket werden, welcher lieinte von hier naeli Warschau in Eil 
fortgereiat, um von dannen aufa allerelieste nacli Schweden zu reisen. 

Der schwedische Envoyö Joh. Koch hat in Warschau ein Schreiben 
des schwedischen Senates an den polnischen Senat liherreiclit'). 

Die vergangene Wochen ist ein echwediseher Spion, mit Namen 
Jacob Holst, zwiachen Tschamkow und Wilene') ertappt worden 
und nach Posen eingebracht; soll allda morgen examiniret werden. 
Man bat bei ihm die Abrisse der Festungen Thorn, Graudenz, Posen 
und auch die ßeschreilmug all der Pässe an der Netz und an der 
Weichsel gefunden; hat aber nocli nichts bekennen wollen; nur das 
floU er bekannt haben, dass er vor diesem sei in E. Ch. ü. Oienstcn 
gewesen, aber er habe sein Abacheidbrief bekommen. In Posen hat 
er alles am allermeisten obaerviret und beschrieben, alle kleine Pforten, 
die Warte wie breit und wie tief sie sei, die Mauern wie schwach 
oder stark sie seien. Und ob er mit diesen Particulari täten gar leicht 
ist überwiesen worden, so wül er doch nichts bekennen ; er gibt sich 
vor einen aus, der nur das Land hat besehen wollen. Weil ich aber 
selbst bei dem Examine sein werde, will ich aufs eheste E. Ch. D., 
waa er weiter bekennen wird, untertb. aviairen'). 

Alle hiesigen roritehmen Stände sind mit dem Treiben des v. Groben 
sehr onzuri'ieden und wollen etwas dagegen Ihnn. 



Der KnrfÜrat an Kurtzbach-Zawacki. Dat. Colin a. Sp. 
28. April 1655. 

(Nach Berlin bescbioden. Die Angelegenheit Holat.l 
K. soll, da der Knrfürst persönlichen Bericht von ihm wünscht, sich 8- Mai. 
Ml lald als möglich an dein Hoflagcr desselben einfinden. Das Missvcr- 
KtändntsB in Betreff des Jacob Holst vernimmt der Kurfürst „ganz nn- 
Renie' ; er selbst habe bei den gegenwärtigen Verhältni.fsen für nöthig er- ' 
wählet, ihn zu dem bewussten Zwecke abzuschicken, „und wundert Uns, 
dB.ss er dcncnjenigen bevorab vornehmen Ständen des Reichs nnd Euch 
iibeondcrlich (dn er anders gewu^st, dass Ihr in Unscrn Dien.'^ten begriffen) 
dsvon, wie er ojtaminirct worden, keine Eröffnnng gethan. Zwar haben 
wir ihm ernstlich »erboten, keinem Menschen seine Condition oder Fürneh- 
nebmen ohne Noth zu offenbaren, haben ihm anch, damit er desto leichter 

') Vgl. Pufondorf Carol. Gustav. I. |. 44 ff. 

*) D. i. wol Czarnlkow nnd Filohno. 

*, Deber diesen Holst, der in der That nicht ein schwedischer, sondern 
ein brandenborglscher Spion war, vgl. Urk. n. Actcnst. VI. 6iHff. Erd- 
manDsderrrer, Oraf Waldeck p. SlSf. 



A-nOO»^lc 



365 II. Der Dordlsche Erie^ bia xom Vortrag von Rünigsberft- 

unbekannt bleiben und es desto verborgener EOgcben möchte, einen Pati 
ertheilet, snniint wäre er von Uns licentiiret; nnd solches aus denea Ur- 
sachen, die Ihr leicht ermessen könDet nnd mn nelcher willen Ihr dies 
Werk anch annoch für Euch selbst also treiben . . . werdet, dass TToser 
DesEcin, absonderlich die Marche belangend, nicht erschalle". Uehrigeas 
hätte Holst sich den vornehmen pulnischen Ständen, die ihn verhört, recht 
wohl entdecken können; die OehcimbaUnng sei nur angeordnet worden in 
Hinblick auf die Bevölkerung „den gemeinen Mann" in den betreffenden Ge- 
genden; die Festiingspläne sind ihm gar nicht spcciell auTgetragen wordea; 
er ist Ingenieur and mng sie aus persönlicher Curiosität aufgenomtaea 
haben, „wie Ihr wisset, dass die Lcnte von solcher Profession von allea 
Plätzen, so hie sehen, gerne Ahriss haben, und ist keine Malice dabei zn 
vermulhen." K. soll dafür wirken, dass Holst srlileunig aus seinem 
Arrest enllafscn wird. 

Letzteres wird weiterhin von K. erwirkt, nnd es knüpfen sich an dit 
Angelegenheit noch allerlei Zweifel und Verdächtigungen, in Folge deren 
der Kurfürst an den Woiwoden von Posen, Opalenski, selbst schreibt 
und ihm den Snrhverhalt officictl mittheilt (dat. Colin a. Sp. 1. Jnni 16&5); 
vgl. Urk. a. Actenst. VI. 694. 



Instruction dea Kötiigs Johann Casimir flir seinen Secretär 

Bartliold Rautcnfels an den Kurfürsten. Dat Warschau 

I.Mai 1655'). 

IBiUe um Vermiltelang zwischen Polen nod Schweden. Die polniachen Friedeai- 
bedinguDge»; Amnestie; die Titel- nnd Wappenfrage; Ansprach auf Geldeot- 
schÜdiguDg und Ablrelnng von Carknd; Unlerslülsang bei